aufmerksam, feminin, glaubhaft

„Sie ist schwarz.“

Es gibt einen Witz, in dem jemand vom Himmel erzählt und sagt, er habe Gott kennengelernt.
Die andere Person fragt: „Und, wie ist er?“
Die Antwort lautet: „Sie ist schwarz.“

Vor einer ganzen Weile habe ich einen Artikel zum Thema „Gott weiblich“ veröffentlicht, der die Ausstellung gleichen Namens in der Schweiz beschrieb – es war allerdings kein Artikel von mir, sondern ein sehr langes Zitat, das ich lesenswert fand.
Nun meine eigenen Gedanken zu dem Thema:
Schon seit einiger Zeit beschäftigt es mich, dass man Gott nur männlich anredet und er durchweg maskuline Attribute hat:
Er wird Gott, Herr, Vater, Herrscher, Richter genannt.
Jesus wird mit sanfteren Namen belegt wie Friedensfürst, Wunderrat (was auch immer das ist), Lamm oder Opferlamm, Tröster, aber auch starker Fels.
Mit ihnen verbindet man Attribute wie heilig, mächtig, allwissend, allumfassend, schöpferisch (und damit kreativ), gerecht (aber auch strafend), geduldig, freundlich (aber auch zornig), gütig/gnädig, zugewandt.
Keiner der Namen und keines der Attribute ist eindeutig weiblich. Auch wenn Jesus manchmal wie die nettere, lieblichere Seite von Gott erscheint (oder dazu gemacht wird), ist es dennoch ein Mann.

Zwei Probleme habe ich damit:
– Zum Einen wird Gott oft als väterliche Person oder direkt als Vater tituliert – abhängig davon, welches Verhältnis man zum eigenen irdischen Vater hat, kann es die Gottesbeziehung beeinflussen: Wenn ich meinen Vater als autoritär und willkürlich in seinen Handlungen erlebt habe, kann es sein, dass ich diese Eigenschaften auf Gott übertrage. Wenn ich meinen Vater als abwesend und nicht greifbar erlebt habe, kann ich auf Gott diese Attribute projizieren.
Dass man Gott dadurch nicht als denjenigen kennenlernt und wahrnimmt, der er ist (nämlich größer als alles, was wir uns ausdenken können), ist klar.

– Zum Anderen ist Gott in den monotheistischen Religionen, nicht nur bei den Christen, immer durch und durch männlich. Zwar tritt er auch freundlich, tröstend und heilend auf, aber dann sehe ich ihn innerlich wie einen tollen Mediziner – weibliche Anteile werden mir dadurch nicht deutlich.
Vor einiger Zeit habe ich in einem Magazin über das Weibliche in der Religion gelesen – darüber, dass es in frühen Religionen als Göttin oder weiblicher Geist vorhanden war und mit Ausbildung des Patriarchats eliminiert wurde. Damals wurde das Weibliche in Form von Fruchtbarkeitsriten verehrt. Sobald die Männer durchschaut hatten, dass Frauen nicht aus sich heraus gebären sondern das männliche Sperma dazu notwendig war, wurde mit den Fruchtbarkeitsgöttinnen kurzer Prozess gemacht und das Matriarchat verlor sich schnell: Ohne den Mann konnte die Frau nicht gebären, und ohne das Attribut der Fruchtbarkeit war den Frauen das Geheimnis und die Macht entzogen – schon war das Patriarchat auf dem Vormarsch.
Die Katholiken haben eine weibliche Bezugsfigur: Maria. Sie ist aber insofern (für mich) nicht ernstzunehmen, da sie grundsätzlich dem Göttlichen unterstellt ist – als Mensch hat sie automatisch einen niederen Rang, und „als Frau erst recht“. Da es mir um die Identifikation mit dem Göttlichen geht, brauche ich Maria nicht, da sie ebenso menschlich ist wie ich. Dass sie heilig ist, ist in meinen Augen Quatsch – ebenso, wie ich von keinem jemals lebenden Menschen glaube, dass er heilig ist.
Zusätzlich wird Maria oft als geduldig, wartend und leidend dargestellt, und das stößt mich sehr ab.

Tja, womit identifiziert sich die moderne Frau im Christentum?
(Um die Frage abzurunden: Womit identifiziert sie sich im Islam? Und in weiteren Religionen? Die monotheistischen Religionen sind allesamt männlich geprägt!)

Darauf wünsche ich mir eine Antwort.

2 thoughts on “„Sie ist schwarz.“

  1. Hallo Marie,
    erstmal noch danke für die lieben Geburtstagsglückwünsche!
    und jetzt zu deinem Artikel:
    Soweit ich deinem Blog entnehmen kann, bist du sehr für die Emanzipation der Frau, unterstellst aber gleichzeitig, dass Maria, weil sie Frau ist, einen niederen Rang hat.
    Ich persönlich kann mich, auch wenn ich katholisch bin und selbst jetzt als Mutter, nicht allzusehr mit der Marienfrömmigkeit identifizieren, aber ich sehe sie als eine Frau, die dadurch viel bewegt hat, dass sie sich ganz auf Gott eingelassen hat und ihm vertraut hat.
    Soweit erstmal meine gerade durch den Kopf schießenden Gedanken…

    1. Liebe Katharina,
      danke für deine Anmerkung.
      Die biblische Maria finde ich nicht per se unsympathisch – dass sie in jungen Jahren Jesus zur Welt gebracht, sich auf diese ganze Geschichte eingelassen und sich um ihren Sohn angesichts seiner unkonventionellen Art sicher oft Sorgen und Gedanken gemacht hat, finde ich mutig und tough.
      Was mich viel mehr stört ist die Darstellung der Maria – sie schaut auf Gemälden oft so gequält und unterwürfig. Und da die Mächtigen der historischen Kirche durch die Bank weg Männer waren, passte das gut ins Bild bzw. wurde meiner Meinung nach noch forciert. Es gibt in der Bibel einige Frauen, die ausführlicher dargestellt werden – alle jedoch längst nicht so ausführlich wie Männer.
      Die Jünger (und späteren Apostel) sind alles Männer. Bei Jesus zogen noch eine Reihe Frauen mit – man nimmt jedoch an, dass sie nicht zum religiösen Exkurs anwesend waren, sondern sich vielmehr um die niederen Belange kümmerten (die Männer versorgen). Das finde ich sehr einseitig. Schade finde ich es, dass die wenigen Frauen, die Macht und Einfluss hatten, so wenig in der Kirche vorkommen: Wie zum Beispiel Debora, die Richterin und Prophetin, die im vorstaatlichen Israel eine wichtige politische Position einnahm. Warum hört man von der nichts, keine einzige Predigt, nichts?
      „Als biblische Person ist Debora auch insofern von Bedeutung, als dass sie eine der wichtigsten Frauen des Alten Testaments darstellt. In der Spätbronzezeit war im syrisch-palästinischen Gebiet das Patriarchat vorherrschend und die Tradition der so genannten „Besitz-Ehe“, nach der der Mann eine Frau zu sich ins Haus holt und diese in Abhängigkeit und Anpassung an ihren Mann besonders für Pflichten im Haus und für die Kinder zuständig war. Die Geburt eines männlichen Nachkommens, über den allein die Familie und das Erbe weiter getragen wurden, war von besonderer Bedeutung. Doch finden sich in den biblischen Berichten immer wieder auch Spuren, die auf eine matrilineare Familienstruktur hinweisen und es wird von Frauengestalten berichtet, die mutig und stolz handeln und damit den Rahmen der ihr zugestandenen Rolle überschreiten.“ http://de.wikipedia.org/wiki/Debora_%28Richterin%29

      Liebe Grüße, Marie

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