aufmerksam, feminin, glaubhaft

Das Für und Wider der „Hochzeitsbranche“

Sehr zwiespältig sehe ich auf all die Angebote, die einer Braut zur Verfügung stehen, um die Hochzeit zu planen. Einerseits finde ich es wichtig, von Profis Hinweise zu bekommen, die mir als Nicht-Eingeweihter fehlen. Meine eigenen Ideen und Vorstellungen sind wertvoll, damit es unsere Hochzeit wird und keine Kopie aus einem Hochzeitsmagazin. Dennoch gibt es viele Fragen, die ich gerne stelle beziehungsweise die mir gestellt werden, damit die Umsetzung klappt. Dass für einen außergewöhnlichen Tag besondere DienstleisterInnen kontaktiert werden, ist ebenfalls sinnvoll – wie viele und wie aufwendig diese arbeiten, bleibt die eigene Entscheidung.

Dass es jede Menge Frauen gibt, die mindestens tausend Euro in ein Kleid investieren, was sie genau einmal tragen (insofern ist der Begriff „Investition“ an dieser Stelle völlig lächerlich), ist mir bewusst. Dass all die schönen Ideen von professioneller Florsitik über „Sweet Tables“ und „Braut Partys“, mit einander addiert, ein stattliches Budget erfordern, ist naheliegend. Dass dieser Aufwand oft jedes Maß der Verhältnismäßigkeit sprengt, um „ein Mal im Leben Mittelpunkt des Interesses zu sein“, finde ich jedoch unglaublich. Unglaublich insofern, als dass es von der Emanzipation der Frau über Analphabetismus bis Atomreaktorunfälle hinreichend Zustände auf der Welt gibt, die wichtiger sind und unseren Einsatz verdienen.
Ganz im Ernst: Wie sähe die Welt aus, wenn all das Engagement eifriger Bräute statt in die Blumendeko in die Überwindung des Hungers eingesetzt würde?
Da wir trotz des weltweiten Elends unsere Hochzeit feiern wollen, versuche ich, möglichst ressourcenschonend und schlank in der Finanzierung zu planen:
Mein Kleid wird hier in Hamburg von einer Schneiderin angefertigt, mit der Zielsetzung, ein festliches Kleidungsstück für alle Gelegenheiten zu werden.
Die Ringe werden ebenfalls in Hamburg von einem Goldschmied hergestellt, der hundertprozentig ecofaires Gold benutzt – Omas Ring wird im Zuge dessen eingeschmolzen und mitverwendet. Somit handeln wir regional, ökologisch und von den Produktionsbedingungen fair.
Alle Einladungen basteln wir selbst, die Dekoration ebenfalls, pompöse Aktionen zur Aufwertung des eigenen Images‘ gibt es nicht.
So sollte frau denken, dass sich der Aufwand (insbesondere finanziell) im Rahmen hält.
Ha!
Was mich wirklich schockiert ist die Tatsache, dass wir uns jede Menge Raffinessen sparen (keine Feier auf dem Schloss, keine Livemusik, kein DJ, kein Servicepersonal, keine geliehenen flatternden Tauben, keine Limousine usw. usf.), so viel wie möglich selbst organisieren oder ehrenamtlich machen lassen und dennoch so viel Zeit, Energie und Geld (ver)brauchen.

Gut, dass nur einmal im Leben geheiratet wird (sollte ich je geschieden werden, würde ich mir eine zweite Hochzeit sparen, sollte es einen zweiten Mann geben), sonst gäbe es kaum Frauen, die Zeit und Geld zur Verbesserung der unwürdigen Zustände in dieser Welt übrig hätten.

 

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Dennoch schlägt mein Herz für Ästhetik: So schön sah unsere Kirche bei einer anderen Trauung aus…

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