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Achtung, Nebenwirkungen: Was passiert, wenn du mit Senioren arbeitest

Jeder Arbeitsplatz beeinflusst die eigene Identität. Einerseits natürlich durch die Zeit, die wir dort täglich verbringen: Niemand kann unbeeinflusst den Arbeitsalltag an sich vorbei ziehen lassen. Unsere Aufgaben, die Kolleginnen und das Klima der Firma prägen uns. Andererseits entwickeln wir uns durch diese Einflüsse im Laufe der Zeit weiter. Wir verändern uns durch die positiven Vorbilder ebenso wie durch abschreckende Beispiele im Team. Wir wachsen mit den Herausforderungen oder suchen uns selbst welche. Wenn wir den Arbeitsplatz wechseln, nehmen wir die Erfahrungen und inneren Veränderungen mit. Ich möchte heute davon erzählen, wie mich die Arbeit in einer Senioren-Residenz bisher beeinflusst hat.

Im Urlaub kümmere ich mich um seniorentaugliche Bilder, um zurück im Alltag einen fotografischen Reisebericht moderieren zu können.
Schon vor einem Jahr ging es los: Plötzlich hielt ich im Urlaub Momente fest, die ich für meine private Erinnerung nie fotografiert hätte. Komische Szenen im Alltag der Landesbewohner, Chaos der Doppeldeckerbusse, seltsame Entdeckungen im Supermarkt: Alles, was eine lustige Anekdote bietet, lichte ich ab, um damit später einen unterhaltsamen Nachmittag in der Residenz zu gestalten. Um die Leinwand voll auszunutzen, gewöhnte ich mir sogar Fotos im Querformat an, dabei fotografiere ich am liebsten hochkant, um immer ein Stück Himmel mit drauf zu haben. Der absolute Höhepunkt war bisher mein Reisebericht aus Finnland: Da ich kurz vorher die Verlagsbewerbungen meines Fachbuchs verschickt hatte und gerade erste Angebote für mein Manuskript bekam, war ich nach dem aufreibenden Marathon total erschöpft. Parallel zum Job ein Buch über Atemgymnastik mit Senioren zu konzipieren, hatte mich ausgelaugt – ganz besonders das PR-Coaching und die anspruchsvolle Verlagsbewerbung. Daher bestand ein Großteil der zwei Wochen Urlaubs daraus, dass ich im Garten „unseres“ finnischen Sommerhauses saß und las. Dabei entstanden natürlich keine spannenden Fotos, aber ein tiefer Friede zog in mein Herz. Entsprechend versuchte ich, diesen umfassenden Frieden zurück in Hamburg für die Senioren in meiner Moderation zu beschreiben. Nach dem letzten Bild war es mucksmäuschenstill, anschließend brach ein donnernder Applaus aus und die BewohnerInnen dankten mir unter Tränen für die emotionale Darstellung.
Daher halte ich in jedem Urlaub wieder besondere Eindrücke für die Senioren fest und achte darauf, neben meinen privaten künstlerischen Aufnahmen auch sehr klare, einfache Bilder für die Sehgeschädigten aufzunehmen. Auch, wenn ich mich in meinem privaten Urlaub eigentlich amüsieren und erholen sollte…

Ich habe immer weniger Lust darauf, alt zu werden
Täglich höre ich Klagen, was alles wehtut. Und wie wenig die Tabletten helfen. Und wie wenig das den Hausarzt interessiert. Und welche letzte Weggefährtin neulich verstorben ist. Und wer alles alkoholkrank ist. Und wer endgültig keine Lust mehr auf´s Leben hat. Und wer wieder einmal darüber nachdenkt, auf welche Weise nachzuhelfen…
Neee, ganz ehrlich, mit SeniorInnen im Alltag unterwegs zu sein, ist nun wirklich nichts, was Lust auf die letzte Lebensspanne macht! So unzensiert den ganzen Sch*** erzählt zu bekommen, von allen Hochaltrigen einzeln, lässt mich auf einen plötzlichen Tod aus heiterem Himmel mit Anfang Siebzig hoffen. Weder körperliche Gebrechen noch geistigen Abbau wünsche ich mir, darin bestärken mich die Augenzeugenberichte der Achtzig- und Neunzigjährigen immer wieder!

Sterben ist mir völlig egal
Okay, da ich an Gott glaube und der Meinung bin, „dass das Beste noch kommt“, hatte ich noch nie Angst vor dem Tod. Auf mich wartet eine göttliche Dauerparty im Himmel, wovor sollte ich mich fürchten? The best is yet to come! Aber wenn rechts und links Menschen sterben, ist das natürlich etwas Anderes. Noch mehr, wenn das regelmäßig passiert. Zum Glück baue ich dennoch mit allen BewohnerInnen eine herzliche persönliche Beziehung auf, ich habe keinerlei Angst, dass sie morgen tot sind und ich deswegen traurig. Denn: Mich kratzen die Toten überhaupt nicht. Klar, wenn sich eine besonders fitte Dame, die sich tatkräftig im Haus einbringt, plötzlich das Leben nimmt, muss ich auch schlucken. Oder wenn von jetzt auf gleich eine Dame, die eben noch in einer meiner Veranstaltungen saß, tot im Appartement gefunden wird. Natürlich habe ich für einen Moment einen Kloß im Hals. Aber geweint habe ich deswegen noch nie, und über einen kurzen Moment hinaus aufgewühlt bin ich auch nicht. Bei 95% der Toten bin ich einfach nur froh, dass sie die letzte Etappe endgültig hinter sich gebracht haben. Egal, ob sie sich lange krank gequält haben oder innerhalb eines Wimpernschlags abgetreten sind: Sie haben es geschafft, juhu! Entsprechend irritiert werde ich angeschaut, wenn eine Kollegin sagt „Frau Jepsen ist verstorben“ und ich antworte: „Schön, dann hat sie´s ja kurz und knackig ohne weiteres Leiden hinter sich gebracht.“

Ich mag auf einmal Kunstblumen
Am Anfang fand ich es noch sehr gewöhnungebedürftig, die saisonale Dekoration der Residenz mit Kunstblumen zu gestalten. Da ich Erfahrungen in der Event-Floristik gesammelt habe, waren Plastikblumen zuerst „ästhetisch unmöglich zu ertragen“. Aber wie es mit der Mode so ist: Erst finden wir es schrecklich, dann gewöhnen wir uns dran, und später kaufen wir uns bestimmte Kleidungsstücke sogar freiwillig. Genauso hat sich meine Einstellung zu Kunstblumen gewandelt, und das Schlimmste ist: Selbst für den privaten Gebrauch finde ich Plastikblumen inzwischen vertretbar. Hilfe! Wer hat mir den guten Geschmack gestohlen?

Zuerst kleidete ich mich super konservativ, jetzt immer wilder
Zu Beginn war es mir total wichtig, für die BewohnerInnen und Kolleginnen korrekt gekleidet zu sein. Ich fragte mich sogar im ersten Sommer, ob ich wohl Tops mit Spagetthiträgern tragen kann… Denn einerseits soll ich optisch einer gehobenen Residenz entsprechen, die ich als Angestellte repräsentiere. Andererseits sind da die moralischen und ästhetischen Erwartungen, die die BewohnerInnen haben. Täglich wird meine Kleidung genauestens beobachtet, analysiert und bewertet. Inzwischen trage ich das, worauf ich Lust habe, und an bestimmten Tagen absichtlich etwas besonders Ausgefallenes. Wenn sie was zu reden haben wollen, liefere ich ihnen gern eine Grundlage für den täglichen Klatsch und Tratsch! Sie zerreißen sich so oder so den Mund über mich, dann soll es sich doch wenigstens lohnen. Bitteschön, gern geschehen!

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Dänische Design-Affen? Low-Budget-Variante für eine fröhliche Deko

Den Holzaffen von Kay Bojensen kennen alle, die regelmäßig Wohnzeitschriften lesen oder auf Blogs zum Thema Einrichten unterwegs sind. Dieser „dänische Designklassiker“ von 1951 ist ja ganz nett, aber dafür eine Menge Geld auszugeben, sehe ich überhaupt nicht ein. Insbesondere, wenn der Affe nichts tut, außer dekorativ im Regal zu sitzen. Er könnte doch wenigstens Staub wischen, um den Einkaufspreis zu rechtfertigen, oder sonst etwas Nützliches tun…

Neulich kam ich auf den Kleinanzeigen an einem alten Affen vorbei, dessen Arme und Beine traurig schlenkerten und der zu verschenken war. Mit Holzspänen ausgestopft und einem sehr altmodischen Fell bedeckt, schlich er sich in mein Herz. Ich holte ihn ab, nähte die lockeren Glieder mehr schlecht als recht wieder an (durch die Holzspäne ließ sich die Nadel nur schwer bewegen…) und setzte ihn in die Birkenäste im Wohnzimmer.
An der Nähmaschine entstanden alle Kissen, bis auf das Exemplar mit den Schmetterlingen. Die grün-gelben habe ich schon ewig nicht mehr benutzt, das orange-bunte Exemplar gehört seit zweit Jahren zu meinen Dauerlieblingen.


Als Gesellschaft erhielt er die grünen Holzblätter meiner Dschungeldeko aus dem letzten Jahr, außerdem Papierrosetten und gläserne Luftballons aus dem Fundus.
Jetzt erinnert die Zimmerecke an einen Park, in dem ein Sommerfest gefeiert wird.
Künstliche Blätter und Farne verlängern das Thema optisch auf den Esstisch, sodass Maria plötzlich mitten im Grünen steht.

Schon vor einiger Zeit wollte ich mit einem üppigen Blumenstrauß Gottes Geschenke für mich festhalten. Statt eines Straußes wurde es dann eher ein Garten, der mich daran erinnert, mit welchen Versprechen und Gaben Gott mich beschenkt.

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Hamburgs heimliche Höhepunkte: Radtour durch Wiesen und Wälder

Diese Radtour beginnt an der S-Bahnstation Poppenbüttel (Endstation der S1) und endet an der U- und S-Bahnstation Ohlsdorf. Sie führt innerhalb Hamburgs nordöstlicher Stadtteile komplett durch´s Grüne: Von Poppenbüttel über Bergstedt und Berne am Gut Karlshöhe vorbei und über den Ohlsdorfer Friedhof zur Bahnstation Ohlsdorf.
Fahrräder können in den Hamburger Bahnen immer mitgenommen werden. Während der Woche in der Rushhour von 7:00 – 9:00 und von 16:00 – 18:00 nicht, am Wochenende ist die Mitnahme ganztägig möglich.


Wir steigen in Poppenbüttel aus der Bahn, fahren die Geschäftsstraße am Einkaufszentrum vorbei und auf den Ring 2 (Saseler Damm) zu. Wir kreuzen die Hauptstraße und biegen nach links ab, um den Hügel hinunter zu sausen und unten direkt auf den Alsterwanderweg abzubiegen. Wir folgen dem Alsterwanderweg bis zur Mellingburger Schleuse, dort fahren wir nach rechts auf den „Mellingburgredder“. Diese Straße fahren wir entlang, bis wir den Hang mit Kopfsteinpflaster zur „Alten Mühle“ hinunter rollen. Sowohl rechts als auch links ist der nächste Streckenabschnitt um den Mühlenteich möglich. Wer rechts herum fährt, kommt an einem Spielplatz, weiteren Teichen und einem Waldkindergarten vorbei. Wer sich für links entscheidet, radelt entlang einer Wiese und eines Pferdestalls. Am Ende biegen wir in die Straße „Iland“ ein und überqueren die „Bergstedter Chaussee“.

Über den gegenüberliegenden „Immenhorstweg“ fahren wir nach links auf den „Bredeneschredder“, dem wir folgen, bis wir in den „Fischkamp“ einbiegen. Am Ende des Feldwegs kommen wir an der Gärtnerei Stüffel inklusive diversen Tieren vorbei, wer unter der Woche hier ist, kann sich auf dem Biohof umschauen. Weiter geht es nach rechts, bis zum Weg „Timmermoor“. Den Hundeübungsplatz streifen wir nur kurz und bleiben auf dem Weg. Dem Sandpfad folgen wir durch ein Wald- und Wiesengebiet ohne Namen, laut Karte verläuft hier der Bach Streekbek. Wir kreuzen die Straße „Waldweg“, tauchen wieder in den Wald ein und überqueren etwas später den „Saseler Weg“. Weiter fahren wir auf namenlosen Wegen, bis wir an der Berner Au vorbei kommen und am Teich (Rückhaltebecken) vorbei durch die Kleingärten Richtung „Blakshörngraben“ radeln. Am nächsten Teich (Rückhaltebecken) und den Kleingärtner vorbei halten wir auf das Gut Karlshöhe zu. Hier können wir entweder auf dem Gelände picknicken oder das Café besuchen. Ein Spielplatz, freilaufende Hühner sowie eine Wiese mit Schafen und Ziegen sind die ideale Kinder-Ablenkung vor der letzten Etappe. Erwachsene können sich durch den Bauerngarten schnuppern oder auf der Streuobstwiese entspannen.

Als nächstes biegen wir auf die Straße Karlshöhe ein und folgen ihr nach rechts ein Stück, bis wir uns in das Wohngebiet auf die Anwohnerstraße „Grootmoor“ einfädeln. Dieser Straße folgen wir durch einige Windungen, bis wir über „Am Damm“ gegenüber des Supermerkts PENNY heraus kommen. Dort biegen wir noch links auf die Bramfelder Chaussee ein und folgen ihr ein Stück, bis wir nach rechts auf den Ohlsdorfer Friedhof kommen. Über den größten Parkfriedhof der Welt fahren wir entweder zügig, den Schildern zum Ausgang folgend, oder frei Schnauze. Der Haupteingang / -ausgang liegt gegenüber der S-Bahnstation Ohlsdorf, um mit der U- oder S-Bahn zurück zu fahren. Wer sich vorher stärken möchte, findet hier das Café „Schwesterherz“ oder eine Weinbar.


Weitere Höhepunkte unterwegs zu Fuß oder mit dem Rad in Hamburg:
Der Bramfelder See liegt direkt neben dem Ohlsdorfer Friedhof, wer hier in der Gegend noch Picknicken oder sich sportlich austoben möchte, kann hier noch verweilen. Das Museumsdorf Volksdorf bietet sich im ersten Teil der Radtour als Abstecher an, ab dem Biohof Stüffel würde man dazu weiter geradeaus fahren.
Weitere Vorschläge für Outdoor-Aktivitäten wären der Stadtpark, der Leinpfad, grüne Perlen entlang der Alster, das Torhaus in Wellingsbüttel und das Wittmoor zur Heideblüte.
Richtung Südosten bieten sich das Bergedorfer Schloss , die Vierlande und Lauenburg an.
Wer nach Nordwesten die Stadt verlässt, kann als Ziel den Stadtpark Norderstedt wählen, oder in weiterer Entfernung Husum und Friedrichstadt.
Richtung Nordosten sind der Dassower See, Travemünde und Schwerin schöne Ziele.

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Künstlerisches Küchen-Chaos

Ostersamstag bat ich meinen Mann, mir vom Einkaufen Blumen mitzubringen. Ostern ohne Blumen ist schließlich kein Ostern. Er kam mit einem großen Bund Nelken zurück. Erstmal guckte ich ziemlich perplex, aber ich gewöhnte mich schnell dran…. In Kombination mit den Postkarten aus den Niederlanden, die ich an die Fliesen klebte, ergibt sich ein wunderbar unordentliches und daher irgendwie künstlerisches Arrangement. Klassisch blau-weißes Geschirr und Vintagefunde geben dem Ganzen die nötige unrunde Abrundung (-;

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Ostern: Neue Augen für Gott

Ostern:
Jesus Christus nahm den gesamten Dreck unseres Lebens und befreite uns davon, indem er für unsere Fehler und Verletzungen starb. Er durchlitt den Tod für uns und erstand von den Toten. Er ist heilig, liebt uns bedingungslos aus ganzem Herzen und wünscht sich eine persönliche Beziehung zu jeder und jedem von uns.

Das weißt du, und dennoch ist dir nicht danach, Gott zu feiern?
Dein Glaube fühlt sich müde, ausgelutscht und leer an?

Ich möchte Tipps teilen, wie wir unsere Beziehung zu Jesus stärken können:

  • Lass dir Bücher von anderen ChristInnen ausleihen, die sie empfehlen können. Gern auch von Menschen, mit denen du sonst weniger zu tun hast – damit du deinen geistlichen Horizont erweiterst.
  • Besuche Gottesdienste anderer Gemeinden: Wie feiern Freikirchen, Evangelen oder Katholiken den Gottesdienst?
    Wie gestalten Menschen aus anderen Kulturen ihren Gottesdienst? In Hamburg gibt es überall Treffen von afrikanischen ChrsitInnen, aber auch BürgerInnen aus dem arabischen Raum und Asien feiern Gott in ihren Versammlungen. Ganz anders als wir – wodurch wir einen neuen Blick auf Gott gewinnen können.
  • Frage eine Person, die entweder mehr Lebenserfahrung oder mehr Glaubenserfahrung hat, welche Einsichten sie in den letzten Wochen / Monaten von Gott gewonnen hat und teilen möchte.
  • Suche neue Zugänge zum Gebet. Entweder mit Hilfe von Büchern: „Beten – ein Selbstversuch“ von Klaus Douglass ist mitreißend und lädt zum Nachmachen ein. Oder frag Menschen, die anders an Gott glauben als du, wie sie beten.
  • Fokussiere dich auf´s Danken. Wenn wir beten, klingt das oft nach einem endlosen Einkaufszettel: Gott, bitte gib mir für mein Leben dies, und das, mehr hiervon, weniger davon! Beten ist aber kein übernatürliches Shoppingerlebnis, bei dem es ständig um uns geht und darum, was Gott mal uns zu liebe tun könnte. Zum Gebet gehört neben dem Bitten auch Loben und Danken, was wir sehr gerne sehr ausführlich vergessen.
    Wie wär´s mal mit mehr loben? Fällt mir persönlich sehr schwer, ich weiß meist nicht, was ich sagen soll.
    Und mehr danken? Geht schon besser, geht aber im Alltag auch oft unter. Dabei ist der Blick weg von unserem „Zu wenig“ hin zu Gottes „Überreich beschenkt“ total wichtig, weil es die Perspektiven gerade rückt. Nichts von dem, womit wir täglich beschenkt werden, haben wir uns verdient. Warum leben wir hier mit Zentralheizung und Vollverpflegung, und nicht im Slum von Mumbai? Daran, wie toll wir scheinbar sind, liegt es jedenfalls nicht.

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Zwolle: Historische Hansestadt am Puls der Zeit

Wer sich in Zwolle orientieren möchte und nach der Ankunft erstmal das Tourismusbüro sucht: Es befindet sich hinter einem historischen Bonbonladen… (Het zwolse Balletjeshuis,  Grote Kerkplein 13) Das ist typisch für Zwolle: Obwohl die mittelalterliche Hansestadt das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum an der Ijssel ist, werden Genuss und Gemütlichkeit zelebriert.

Gegenüber der alten Stadtmauer reihen sich Kaufmannshäuser entlang der Wasserkante aneinander.

Spezialgeschäfte für Käse und Pindakaas (Erdnusscreme) lockern die Reihe der ungezählten Modegeschäfte auf. Die Niederländerinnen legen viel Wert auf ein modernes Outfit, am ersten und letzten Sonntag im Monat sind die Läden geöffnet.

Laut eigenen Angaben lädt in Zwolle der „schönste Buchladen der Niederlande“ zum Stöbern in eine imposante Kirche ein: Waanders In de Broeren. Ein Café ist natürlich auch dabei.

„Dünne Leute sind einfacher zu kidnappen. Bleib´ auf der sicheren Seite – iss Pie!“ Sehr viele schicke Blumenläden wechseln sich mit Bistros und stylischen Styleshops mit allem, was die trendy Frau braucht, ab. Museen und Konzerthallen bieten ein abwechslungsreiches Programm an, das wir leider nicht nutzten, weil wir von den Tagestouren in die Tulpenfelder immer völlig groggy zurück auf unser Hausboot kamen.

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Hattem: Mittelalterliche Lebensfreude an der Ijssel

Hattem ist eine kleine, verschlafen-fröhliche Hansestadt an der Ijssel.
Sie liegt Zwolle, dem wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum der Region auf der anderen Seite des Stroms gegenüber.

Hier wohnt ein Entenpaar in der Fußgängerzone und die EinwohnerInnen leben sehr entspannt und „gezellig“ in diesem friedlichen Städtchen. Die Dame im Tourismusbüro überschlug sich vor Ideen und Begeisterung und hörte kaum auf, mir spannende Veranstaltungen vorzuschlagen. Täglich fuhren wir auf dem Weg in die Tulpenfelder am örtlichen „Kinderbauernhof“ vorbei, winkten den Lamas, Eseln und Schafen.

Der Wochenmarkt findet ganz charmant auf einer Brücke statt und das Bäckerei-Museum bietet täglich Workshops zum Backen an. Ich meine, wie gemütlich kann es denn noch werden?

Mit unserem Hausboot in der Marina waren wir sehr zufrieden, eine dicke rote Katze übernahm die Begrüßung und das Einchecken. Die Besitzer und Angestellten waren alle sehr nett und entspannt, wer also in Hattem anlegen oder campen möchte: Wir empfehlen diesen ruhigen Schlafplatz sehr. Wer sich für Einzelheiten interessiert, frage mich bitte über das Kontaktformular.

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Tulpenblüte in Flevoland: Routen für Rad und Auto sowie Spaziergänge

Flevoland war vor sechzig Jahren noch Meeresboden. Heute stehen hier Höfe und Wälder, grasen Schafe und blühen Tulpen.
Wir waren an zwei Tagen mit dem Rad in Flevoland unterwegs, dabei folgten wir den Wegweisern der Tulpenroute für Fahrräder nahe Dronten und nahe Swifterbant. Von unserem wunderbaren Hausboot in Hattem, bei Zwolle, fuhren wir mit der Regionalbahn nach Dronten und von dort aus per Rad zu den Tulpenfeldern.
Wer rund um Dronten, Swifterbant, Lelystad und Zeewolde unterwegs ist, kann sich hier die Routen anschauen. Es gibt Wander-, Rad- und Autorouten.
Weiter im Norden gibt es ebenfalls Tulpenrouten, die sogar noch spektakulärer sein sollen: Auf dem Noordoostpolder rund um Emmeloord.
Der sogenannte „Bollenstreek“ (Bollen sind die Zwiebeln der Tulpen) zieht sich südlich von Amsterdam nach Leiden, Haarlem und Nordwijk. Er ist das traditionellste und bekannteste Gebiet der Tulpenblüte. Aber auch in Noordholland und um Alkmaar können die Blumenfelder besucht werden.
Die beste Reisezeit ist von Anfang / Mitte April bis Mitte Mai, das hängt natürlich auch von den Temperaturen ab. Die Tulpen auf den Feldern werden ab dem Moment der höchsten Blüte mit Maschinen geköpft, weil es den Bauern nur um die Zwiebeln geht: Sie wollen sie züchten und vermehren. Durch das Abtrennen der Blütenköpfe kann sich die Tulpenzwiebel viel Energie sparen, die sie stattdessen speichert. Ab Juli werden die Zwiebeln ausgegraben, im Herbst in Töpfe gesetzt und verkauft. Es dauert durchschnittlich 25 Jahre, bis eine neue Tulpensorte gezüchtet und verkaufsbereit ist.

 

Unterwegs kamen wir an vielen Bauernhöfen vorbei, die Kartoffeln, Obst und Säfte oder Eier anboten. Auch einen Eierautomaten lernten wir kennen, der rund um die Uhr biologische Eier liefert. Eins der Hühner pickte mir sogar Löwenzahn aus der Hand (nur, um ihn gleich wieder beiseite zu legen…).

Bei plötzlichen Hagelschauern mit anschließendem Schneegestöber, wie vorgestern, bieten sich Bushaltestellen als Zuflucht an. Brootje auspacken, Pause machen, bald ist das Unwetter vorbei!

Die Tulpenrouten verweisen auf Hofcafés und andere Möglichkeiten, um die BewohnerInnen der Region besser kennenzulernen.
Wir besuchten Hanneke´s Pluktuin (Hannekes Pflückgarten), wo die Kundinnen direkt zwischen den Tulpen herum spazierten und sich die Exemplare für ihren Strauß vor Ort aus der Erde zogen. Am besten mit der Zwiebelknolle, damit sie sich noch für das nächste Jahr einpflanzen ließen.
Die Inhaberin Hanneke betreibt ein süßes Café, wie immer sehr entspannt und mit wenig Andrang.
Das ist der Zauber von Flevoland: Es ist weniger spektakulär als die Region um Lisse oder der Noordoostpolder, aber dafür gibt es keine Touristenströme und wir waren unterwegs immer allein auf weiter Flur. Stattdessen überall zutrauliche Hunde, die uns hinterher liefen, neugierige Kühe und Stille pur.

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Glückshormone pur: Durch die Tulpenfelder in den Niederlanden

Wo kann ich mich mit Kühen unterhalten, Tulpen streicheln, mir einen Sonnenbrand holen und mit dem Rad plötzlich durch den Schneeschauer fahren? Wo mich allabendlich auf dem Hausboot zur Nachtruhe legen? Wo mein täglich broodje mit hagelslag und kaas essen? Wo ständig von wildfremden, extrem liebenswürdigen, extrem hilfsbereiten Menschen angesprochen werden?

In den Niederlanden, natürlich.
Neulich schrieb ich über meine Löffelliste, auf der ich alles notiere, was ich noch erleben möchte, „bevor ich den Löffel abgebe“.
Vor Kurzem stellte ich mir zum Bügeln den Fernseher an und ärgerte mich wieder einmal, wie fast jedes Jahr, dass die Tulpenfelder ohne mich blühten. Wie mir seitens der Moderatorin sehr fröhlich vor Augen geführt wurde. Eine kurze Recherche ergab, dass es noch nicht zu spät war. Rund um Lisse, das Hauptanbaugebiet der Tulpen, gab es nur noch Unterkünfte, die mit Gold aufgewogen werden wollten. Ich fand eine andere Lösung, die ich in den kommenden Tage in Ruhe vorstellen werde.
Dabei beginne ich mit den Tulpenrouten in Flevoland und dem Noordoostpolder.
Es folgen die Hansestädte Hattem und Zwolle an der Ijssel.

 

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Buchempfehlung: „On fire“ von John O`Leary

Am ganzen Körper brannte John O`Leary als neunjähriger Junge, nachdem er mit Benzin und einem Streichholz gespielt hatte. Komplett brennend rannte er ins Haus, sodass es ebenfalls Feuer fing. Sein großer Bruder rollte ihn in die Schmutzmatte des Eingangs, um die Flammen zu ersticken, und seine kleine Schwester lief drei Mal ins qualmende Haus zurück, um eine Tasse mit Wasser zu füllen und ihm ins Gesicht zu kippen. Trotz Verbrennungen am ganzen Körper, die nur offenes Fleisch zurück ließen, überlebte John. Dank des kalten Wassers der Schwester ist sein Kopf das Einzige, das halbwegs normal aussieht. Nach sehr vielen Operationen, langen Monaten im Krankenhaus und der Amputation seiner Finger konnte er schließlich nach Hause zurück, um sich langsam wieder einen halbwegs normalen Alltag zu erkämpfen.
Mehrere Jahrzehnte später schrieb John ein Buch: „On fire. Das Leben lieben lernen“, wobei der englische Titel noch passender ist: „The 7 Choices to Ingnite a Radically Inspired Life“ (Sieben Entscheidungen, um ein wirklich inspirierendes Leben zu entzünden) Während John abwechselnd von seiner Krankheitszeit als Kind und seinem heutigen Leben erzählt, stellt er die LeserInnen vor sieben Fragen, deren Entscheidung wesentlich zu einem gelingenden Leben beitragen.

„Henri Nouwen, einer meiner Lieblingsautoren, sagte einmal:
>Wir unterscheiden gern zwischen unserem privaten und öffentlichen Leben und sagen: `Was ich privat tue, geht niemanden etwas an.` Aber jeder, der versucht, ein geistliches Leben zu führen, wird schon bald entdecken, dass das Persönlichste das Universellste ist, das Verborgenste das Öffentlichste…<
Was den Einzelnen betrifft, betrifft alle.
Das Licht, das im Innern brennt, soll der ganzen Welt leuchten. Zeiten, in denen wir zerbrochen und heil wurden, sind die Bereiche unseres Lebens, die uns mit unseren Mitmenschen verbinden. Wir mögen vielleicht in verschiedenen Nachbarschaften aufgewachsen und unterschiedliche Schulen besucht haben. Unsere Berufe und Familien unterscheiden sich. Aber wir alle kennen den Schmerz, der im Alleinsein steckt. Wir alle kennen die Angst, nicht geliebt zu sein.
Das sind die Bereiche, die uns zusammenbringen können. So oft stoßen wir Menschen von uns, aus Angst, dass sie die Probleme in unserem Leben nicht akzeptieren werden. Aber gerade die Probleme sind es, die wir gemeinsam angehen sollten. Sie sind es, die uns als Menschen miteinander verbinden.“

„Ich habe noch etwas Weiteres entdeckt: Wenn ich meine Maske ablege und andere in die dunklen Ecken meines Herzens hineinlasse, dann werde ich keineswegs weggestoßen, sondern die Menschen reagieren viel öfter mit den wunderbaren Worten: >Ach, dir geht es auch so?< Das eigene Leben zu lieben, vollkommen Feuer und Flamme dafür zu sein, bedeutet, dass Sie keine Angst davor haben, Ihrer eigenen Geschichte ins Auge zu blicken und sie anzunehmen – in aller Verantwortung. Dass Sie die Narben feiern, die Sie sich auf Ihrem Weg zugezogen haben, und dass Sie bereit und willig sind, Ihr Leben ehrlich zu leben.
Andernfalls werden Sie Ihre Geschichte nie als wirkliches Geschenk erfahren.
Sie werden die Kraft, die im Erfahrenen liegt, nicht erkennen. Sie werden die Schönheit Ihrer Narben nicht annehmen können.
Sie werden nie zu dem Licht, nach dem die Welt sich sehnt.“

„Jack hatte sich ganz bewusst entschlossen, ein zutiefst erfülltes Leben zu führen. Und somit ist er das perfekte Beispiel für die sechste Wahl, vor der wir stehen: Der Schlüssel zu wahrer Größe im Leben liegt darin, sich dafür zu entscheiden, Bedeutung statt Erfolg anzustreben. >Ich wünschte, ich könnte dir zeigen… dass dein Dasein ein ganz erstaunliches Licht ist.< Hafis von Schiraz“

Was du liebst, wird alles beeinflussen. Es wird bestimmen, was dich morgens aufstehen lässt, wie du dein Wochenende verbringst, was du liest, was dir das Herz bricht und was dich mit Freude und Dankbarkeit erfüllt. Verliebe dich, bleibe in der Liebe und das wird alles beeinflussen`, so Pedro Arrupe. Das ist eine wunderbare Beschreibung der Macht der Liebe. Sie steht für nahezu alle Bereiche.
Lesen Sie das Zitat noch einmal.
Und nun ein weiteres Mal, aber lassen Sie uns zuvor die Worte Liebe und lieben durch Angst und ängstigen ersetzen:
`Was dich ängstigt, wird alles beeinflussen. Es wird bestimmen, was dich morgens aufstehen lässt, wie du dein Wochenende verbringst, was du liest, was dir das Herz bricht und was dich mit Freude und Dankbarkeit erfüllt. Ängstige dich, bleibe in der Angst und das wird alles beeinflussen.`
Auch in dieser Lesart ist das Zitat zutreffend.
Ob Sie sich nun also dafür entscheiden, von Liebe oder von Angst bestimmt zu sein, wird alles beeinflussen, was in Ihrem Leben geschieht.“