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Augen auf beim Männerkauf: Wen wir heiraten, bestimmt über das weitere Leben

„Augen auf beim Männerkauf“: Den Spruch zum Autokauf können wir wunderbar für die Partnerwahl umwandeln, finde ich. Denn der Mann (oder die Frau), den wir wählen, bestimmt darüber, welches Leben wir leben. Gemeinsam werden wir Entscheidungen fällen, Gewohnheiten entwickeln, unsere Prioritäten setzen. Mit wem wir zusammen ziehen, sollte also nicht nur eine Gefühlsentscheidung sein, weil das Gegenüber unseren Humor teilt, leidenschaftlich im Bett ist oder Geborgenheit bietet. Das mag für den Moment wahr und passend sein, aber was ist, wenn die Jahre ins Land gehen und wir uns plötzlich fragen, warum unser Leben ist, wie es ist?
Warum sind wir ständig knapp bei Kasse, obwohl beide gut verdienen?
Warum lasse ich als Frau plötzlich die Verhütung schleifen, obwohl ich nie Kinder wollte (oder warum bin ich plötzlich schwanger, obwohl ich nie Kinder wollte)?
Warum redet mein Partner dauernd vom Hauskauf, während ich eigentlich örtlich ungebunden bleiben und berufliche Experimente wagen wollte?
Warum sitzen wir seit 13 Jahren im tiefsten Schwarzwald fest, obwohl ich von einem unkonventionellen Leben in einer Kommune auf Rügen geträumt habe?
Ja, warum?


Weil Partnerschaft aus Billionen winziger Entscheidungen besteht.
Diese oft unbewussten Entscheidungen prägen uns und bestimmen, was wir essen, wo wir arbeiten, wie wir mit unserem Geld umgehen, wie wir unseren Körper behandeln, mit wem wir befreundet sind, wohin wir reisen und so weiter. Es sind schier unendliche Entscheidungen, die wir nebenher treffen, aus denen langfristig ein gemeinsames Leben als Paar besteht. Das wenigste davon absichtlich, aber: Provisorien halten oft am Längsten, wie eine Freundin kürzlich meinte.
Und plötzlich sitzen wir mit drei Kindern, Dackel und Ehemann hochverschuldet in einem Eigenheim im Schwarzwald und helfen ehrenamtlich bei Wandertagen und Bastelnachmittagen. Stattdessen dachten wir irgendwann mit 22 Jahren, wir würden nach dem Examen in verschiedenen Ländern weltweit erste Berufserfahrungen sammeln, um danach eine eigene Firma zu gründen. Oder auf Rügen in einer Kommune leben und Permakultur betreiben. Oder in der Großstadt geschäftsführende Partnerin in einer Medienagentur sein.
Nix internationale Erfahrungen, freie Liebe oder Karriere: Stattdessen sitzen wir in einem traditionellen Alltag im dörflichen Schwarzwald fest und fragen uns, ob dieser dickköpfige Macho an unserer Seite immer schon so war. War der nicht mal lässiger, intelligenter, spontaner und liebevoller? Oder haben wir diesen patriotischen, patriarchalischen „Ich habe Recht, und so machen wir das“-Anspruch früher einfach als tatkräftig und selbstsicher wahrgenommen?

Ich wundere mich oft, wie schnell Frauen in meinem Umfeld mit einem neuen Partner zusammen ziehen, während ich schon aus der Entfernung heftiges Bauchweh bekomme. Meist halten die Beziehungen nicht, obwohl so manche Frau krampfhaft schwanger werden will oder andere Großprojekte anfängt, um der Partnerschaft einen Basis und Gültigkeit zu geben.
Manchmal bekomme ich auch Bauchweh, weil ich sehe, wie ernst es dem Mann ist und denke: „Schätzelein, der wird in Kürze mit einem Verlobungsring vor dir stehen und ein eindeutiges JA erwarten. Ist dir das klar? Und willst du das? Vor allem: Willst du das die nächsten Jahrzehnte lang? So, wir der heute drauf ist, wird er voraussichtlich bis zum Lebensende drauf sein. Und was heute sexy ist, ist in zehn Jahren oft nur noch nervig. Willst du das bis zur letzten Konsequenz?“
Denn seine Einstellungen, seine Entscheidungen und seine Gewohnheiten werden dein Leben prägen. Egal, ob er dir gegenüber sanftmütig, gleichberechtigt oder dominant auftritt: Der ist so, der ändert sich nur marginal. What you see is what you get. Du bist ja auch so, wie du bist, und wirst nicht plötzlich eine ganz andere.
Also, Augen auf beim Männerkauf, denn damit legst du deine Zukunft fest. Umso mehr, wenn du nicht weißt, was du dir selbst von deiner Zukunft wünschst.

Besonders schön ist es, festzustellen, dass mein Ehemann und ich im Laufe der Jahre sowohl unbewusst als auch absichtlich aufeinander zu wachsen. Dass wir neue Perspektiven entdecken und unbekanntes Terrain erobern, weil es Freude macht, sich gemeinsam zu verändern und den Lebensweg miteinander zu gestalten. Und niemand unglücklich im Schwarzwald festsitzt. 😉

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