aufmerksam, glaubhaft

Musical „Martin Luther King“ tourt durch Deutschland

© Stiftung Creative Kirche

Spontan war ich gestern Abend im Musical „Martin Luther King: Ein Traum verändert die Welt“, weil eine Freundin noch eine freie Karte hatte.
Wer Gospel und dynamische Songs mag, wird die Stimmung genießen. Ich empfehle, sich vorher einen kurzen Überblick über das Leben des Baptistenpastors und Menschenrechtlers zu verschaffen, um die Handlung besser zu verstehen. Die Rückblenden sollen Aufschluss geben, verwirrten mich aber eher. Grundsätzlich steht der Kampf für Gerechtigkeit und Gleichberechtigung der schwarzen Bevölkerung im Vordergrund, immer verbunden mit dem Vertrauen darauf, dass Gott die Protestierenden stärkt und schützt. Die Konflikte zwischen den Polizisten und den Demonstrierenden, innerhalb der Gruppe und auch zwischen Männern und Frauen werden gut dargestellt. Dennoch ist das Musical relativ gleichförmig, da die primäre Handlung nun einmal der Befreiungskampf ist.

© Stiftung Creative Kirche

Sehr schade fand ich, dass der Chor aus 1346 komplett hellhäutigen Menschen bestand. Hamburg hat so viele internationale und afrikanischstämmige Gemeinden und Chöre – warum hier nicht aktiv um MitsängerInnen geworben wurde, kann ich mir nicht erklären. Denn dass dort zum Mitsingen eingeladen wurde und niemand gekommen sein könnte, ist unvorstellbar. So oder so – ein Musical über die Rechte der farbigen Minderheit kann und soll meiner Meinung nach nicht aus einem Chor ohne eine einzige farbige Person bestehen (Die Hauptdarsteller waren natürlich farbig, aber tausend weiße Gesichter im Background-Chor stimmen doch sehr nachdenklich).
Kritisch erlebte ich auch, dass bewusst stereotype weibliche Themen eingestreut wurden, um Abwechslung zu schaffen. Dass diese weiblichen Themen daran zu erkennen waren, dass sich die Frauen vom gesparten Busstreik-Geld Schuhe kaufen oder Kings Frau Coretta sich angesichts der Nominierung zum Friedensnobelpreis als Erstes fragt, was sie in Oslo bloß anziehen soll, ist komplett unnötig. Klar ist ein bißchen thematische Abwechslung zwischen dem von Selbstzweifel zerfressenen King und dem gewaltbereiten Malcolm X schön, aber dafür Geschlechterklischees zu bemühen – das hätten sich die rein männlichen Autoren und Regisseure besser ausdenken können.

Immerhin sorgten die Szenen um den Besuch in Ostberlin für einige Lacher und die Musik war wirklich gut. Um auch heute für Gerechtigkeit einzustehen, gingen gelbe Wassereimer von „Brot für die Welt“ durch die Reihen. Gegen eine Spende zum Brunnenbau in Kenia durfte man sich eine CD mit zwei Songs des Musicals heraus nehmen, eine unterstützenswerte Aktion.
Bis Mai tourt das Musical durch Deutschland, vom Schuldkind bis zur Oma werden damit alle Familienmitglieder gut unterhalten.

Die Fotos stammen von der Website „Das Chormusical Martin Luther King“, die Rechte der Fotos liegen bei der Stiftung Creative Kirche. Leider lässt sich das weiße Wasserzeichen mit meinem Namen nicht daraus entfernen, dies ist ein Versehen.

aufmerksam

Druckfahnen fürs Buch korrigieren: In den Eingeweiden meines Babys

Gerade stecke ich bis über beide Ellenbogen in den Eingeweiden meines Babys, Buch Nummer Zwei.
Es ist zwar eigentlich Buch Nummer Vier, aber Buch Nummer Zwei liegt als Experiment zu unterst auf einem der Schreibtische im Verlag und Buch Nummer Drei habe ich tief hinter meiner Festplatte vergraben. Schließlich möchte ich keinen Stress mit bestimmten esoterischen Gruppierungen haben, die immer sehr friedlich tun und plötzlich ausgesprochen aggressiv alles wegbeißen, was ihnen den Platz streitig machen könnte. Dass es in diesem Fall für Rechtsstreitigkeiten keine belastbare Grundlage gibt – geschenkt.
Bücher schreiben ist harte Arbeit, Bücher verkaufen auch, was dann auf dem Konto ankommt, ist lächerlich. Da brauche ich nun nicht noch einen Rechtsstreit, wenn ich damit nur ein schmales Taschengeld verdiene.
Was soll´s, so ist nun Buch Nummer Vier die tatsächlich veröffentlichte Nummer Zwei.


Wenn die Druckfahnen angekündigt werden, entsteht ein freudig-schauriges Kribbeln in meinem Bauch.
Einerseits freue ich mich darauf, das Ungeborene wie auf einem Ultraschallbild das erste Mal zu sehen. Andererseits habe ich Panik, dass andere Menschen, die sich Fachleute nennen, mit meinem Baby etwas ganz Anderes vorhaben als ich. Wobei sie es nur gut meinen oder wir uns schlicht missverstanden haben, aber dennoch, eine Druckfahne ist etwas ziemlich Ernstes, da kann ich nicht plötzlich alles blöd finden und anders haben wollen.
Andererseits freue ich mich immer sehr, wenn ich sehe, dass 96% meines Manuskripts eins zu eins in die Druckvorschau übernommen wurde.


Daher schwanke ich beim ersten Lesen im Millisekundentakt zwischen Freude und Frustration, gehe dann erstmal auf Abstand und fange später an, meine Rückmeldungen zu formulieren.
Meist sind es dann doch nur einige große Punkte, die entweder geändert werden oder so bleiben können oder nie-so-gemeint-waren-und-einfach-falsch-rüber-kommen-das-ändern-wir-sofort-sorry-Frau-Krüerke.
Dann fehlen plötzlich noch an einigen Stellen die pädagogischen Ziele bzw. Gründe, warum bestimmte Übungen und Spiele so unglaublich wertvoll sind. Schon damals vor dem Examen zur Logopädin habe ich die Formulierung der Übungsziele gehasst-gehasst-gehasst. Es ist so langweilig und verkrampft gleichzeitig. Keine Ahnung, warum ich ausgerechnet Praxisbücher für Fachfrauen schreibe und deshalb zu den von mir entwickelten Übungen natürlich immer einwandfrei verfasste Zielsetzungen abliefern muss.
Was hilft´s, ich bin dann mal in den Eingeweiden meines Babys und hoffe, dass es bald gesund und munter geboren wird.

Atemfreude, aufmerksam, Presse

„Atemfreude“ in der Wochenzeitung CAREkonkret


Die Wochenzeitschrift CAREkonkret bietet Führungskräften vielfältige Nachrichten aus der Seniorenpflege und -betreuung. Der Fokus liegt auf aktuellen Debatten und Trends sowie einem Überblick, was die Konkurrenz deutschlandweit so treibt. In der Ausgabe 2/2020 erschien ein Artikel über mein Konzept „Atemfreude“.
Dort stellte ich meine schwungvolle Atemgymnastik vor, die sanft und nachhaltig mobilisiert und das psychische Wohlbefinden fördert. Im Zentrum der Stunde steht eine interaktive Geschichte, die durch meine Moderation und die Bewegungen der SeniorInnen entsteht: Wir unternehmen eine Kreuzfahrt, renovieren ein Zimmer für das Enkelchen, besuchen ein Künstleratelier oder den Wochenmarkt. Aus der Erzählung ergeben sich indirekt und lustvoll die ganzkörperlichen Übungen und die Vertiefung des Atems.
Mehr Informationen zum Konzept und Praxisbuch für Kursleitende ist unter Atemfreude zu finden. Wer die ganzheitlichen Atemübungen kostenlos ausprobieren möchte, kann sich diverse Stundenentwürfe herunterladen.

aufmerksam, glaubhaft

Großzügig sein

Im November dachte ich mir für mein Montagnachmittag-Programm einen Sterne-basteln-Plan aus: Ich wollte eine abwechslungsreiche Kreativstunde mit bunten Sternen und fröhlichen SeniorInnen gestalten. Dazu durchsuchte ich diverse Bastelbücher nach Anleitungen zum Falten von einfachen, aber dennoch effektvollen Sternen. Schließlich sollten sie mit wenigen Handgriffen auch stark sehbehinderten SeniorInnen mit arthritischen Fingern gelingen. Das war ein Heidenaufwand, aber am Ende hatte ich eine schöne Auswahl zusammen und nach weiterem langen Suchen auch das passende Material aufgetrieben.
So wollte ich munter mit den Damen loslegen, als sich eine meldete und meinte, sie habe hier ein Papierkörbchen, dass sich ganz einfach anfertigen ließe und wirklich schnell gelinge. Sie wolle uns alle dazu anleiten. Jetzt, es ginge ganz fix.
Das bezweifelte ich zwar, aber wer bin ich, einer alten Dame zu sagen: „Nö, ich habe meine Kreativaktion didaktisch sinnvoll mit aufsteigendem Schwierigkeitsgrad aufgebaut und ich lasse mir von Ihnen nicht den geselligen Nachmittag zerschießen?“ Eben. Das tut man einfach nicht.
Also ließ ich sie machen, wusste allerdings selbst nicht, was genau sie vorhatte und gab mein Bestes, alle Anwesenden über das auf dem Laufenden zu halten, was sie tief gebeugt unter ihren steifen Fingern zusammen frickelte.


Am Ende fehlten mir zwanzig Minuten von gesamten sechzig, aber die Dame war glücklich, uns etwas beigebracht zu haben, und mein eigenes Programm änderte ich eben ab. Es war nicht das, was ich mir vorgestellt hatte, aber meine Güte, es kontrollierte ja niemand, wie viele verschiedene Faltsterne wir tatsächlich produziert hatten!

Sechs Wochen später verstarb die Dame.
Und ich dachte mir, wie gut, dass ich ihr die Zeit gegeben habe, den anderen Damen etwas vorzuführen, was ihr wichtig war und Freude gemacht hat.
Niemand wird mich jemals fragen, ob mein Sterne-bastel-Nachmittag so gelang, wie ich es geplant hatte. Aber für diese Dame wird es, denke ich, einen großen Unterschied gemacht haben, ob ihr Wunsch sich erfüllt hat oder nicht.
Manchmal können wir einfach einen Schritt von unserem Ego zurücktreten und großzügig sein. Natürlich kann das auch daneben gehen, besonders, wenn es sich um Personen handelt, die wir nicht oder nur oberflächlich kennen. Aber wie schlimm kann´s schon kommen? Und wie wahrscheinlich ist es dagegen, dass wir jemandem eine Freude machen?

aufmerksam, glaubhaft

Die perfekte Urlaubsplanung ohne Auto: Anleitung zu deutscher Maßarbeit

Wanna live here?

Oh, wie schön ist Panama: Verreisen macht Spaß, aber im Vorfeld auch eine Menge Arbeit. Insbesondere für diejenigen, die a) ohne Auto unterwegs sind und b) gern in hochpreisige Länder reisen (wie Skandinavien), aber ein bestimmtes Budget einhalten wollen. Zufälliger Weise trifft das auf meinen Mann und mich zu, weshalb die Urlaubsplanung jedes Jahr anstrengend und nervenaufreibend ist.
Grundsätzlich bin ich diejenige für den groben Plan (in welches Land reisen wir mit welchem Verkehrsmittel und in welche Auswahl von Ferienhäusern), während mein Mann das gesamte Feintuning der An- und Abreise sowie die Fortbewegung vor Ort organisiert.
Das funktioniert sehr gut, dennoch haben wir zwischenzeitig immer ein riesiges Chaos aus diversen Orten und Unterkünften, aus denen wir eine finale Entscheidung treffen müssen.

Deshalb setzte ich eine Tabelle mit allen relevanten Infos auf, die hilft, den Überblick zu behalten. Da wir sicher nicht die Einzigen sind, die ohne Auto leben und verreisen, verrate ich heute die Anleitung zum Marshall-Plan – äh, Masterinplan.

Die Tabelle bekommt sechs Spalten:
– Eine für den Ortsnamen bzw. die Region,
– eine für den Namen des Inserats zum Ferienhaus bzw. den Link zur Ferienhausvermietung,
– eine für die Art der An- und Abreise sowie die Verkehrsmittel vor Ort,
– eine für die durchschnittliche Fahrtzeit mit Bus/Bahn bis zur nächsten Stadt (für alle, die gern im Grünen urlauben, aber dennoch Kultur und Abwechslung wünschen),
– eine für den Gesamtpreis der Übernachtungen sowie der An-/Abreise
– sowie eine für Anmerkungen:
Mit großem Garten, mit Schlafzimmer auf einer offenen Galerie, mit kostenlosen Fahrrädern, mit freilaufenden Hühnern, mit Badewanne, was auch immer.
Damit können sowohl negative Punkte (Schlafen auf offener Galerie) wie Pluspunkte (mit gratis Rädern) festgehalten werden, die bei der endgültigen Entscheidung helfen.
Alle Unterkünfte ohne öffentliche Verkehrsmittel im näheren Umfeld fliegen leider raus, und alle mit langen Wegen bis zum nächsten Supermarkt auch. Beides gilt besonders, wenn keine Räder zur Verfügung stehen und daher alles zu Fuß erreichbar sein muss.
Tipp für Profis:
In der Tabelle gleich die landestypische Bezeichnung für Flugzeug, Fähre, Bus, Zug usw. benutzen, damit sie sich einprägt und um sich auf Websites in Landessprache besser zu orientieren!

Wanna live here?

Soweit kam ich gestern, wo ich offensichtlich ohne es zu bemerken die Tabelle abends unter dem Titel „UrlaubTabletteUnterkunft“ abspeicherte. Ich meinte natürlich Tabelle, nicht Tablette, aber irgendwann macht mich die ganze Recherche nur noch rammdösig.
Heute tagte dann die große Konferenz der Urlaubsort-Wahl, mit dem unbefriedigenden Ergebnis, dass ich alle anschreiben solle, ob ein Fahrrad vorhanden sei. Wer eins habe, sei eine Runde weiter, wer nicht, eben auf nachrangige Plätze gerutscht.
Meine Güte, dabei wollte ich doch einfach nur eine Entscheidung fällen!
Und außerdem ritten sämtliche FerienhausinhaberInnen ständig auf der Parksituation und dem Vorhandensein von Garagen oder privaten Parkplätzen herum, sodass ich kritisch anmerkte, dass alle derart Auto-fixiert schienen, dass doch bestimmt niemand zwei Räder kostenlos vorrätig hielt. In diesem Urlaubsland wohl nicht!


Dann packte mich der Gedanke, warum ich die Existenz von gratis Rädern denn so vehement ausschloss, wenn es doch gar nicht in meiner Macht lag, ob es welche gab oder nicht?
Vielleicht waren sehr wohl welche vorhanden, aber sie wurden sonst nicht nachgefragt? Oder die Nachbarin half netterweise mit Rädern aus? Warum sich über Dinge ärgern, die ich gar nicht beurteilen kann?
Also beschloss ich still, die ganze Sache Gott entscheiden zu lassen. Jesus kannte sämtliche VermieterInnen und ihr Engagement, Räder aufzutreiben oder nicht. Und er wusste auch, in welchen Häusern und Orten wir uns nicht wohlfühlen würden und wo uns der Fakt, dass Räder fehlten, zu der sinnvollen Entscheidung, dort nicht hinzufahren, verhelfen würde.
Wenn ich nicht weiter weiß, lass ich Gott ran.
Also verbiss ich mir weitere Kommentare und schrieb allen VermieterInnen in der näheren Auswahl, ob sie „bikes“ hätten.

Wanna live here?

Daraufhin wurde ich gerügt, dass wir doch wohl keine Motorräder haben wollen und ich besser „bicycle“ schrieb. Hups, da war die Hälfte der VermieterInnen schon kontaktiert.
Die wiederum im Sekundentakt antworteten, dass wir Räder haben könnten: Eigene, Ersatzräder, die von den großen Kindern (vielleicht meinten sie auch Motorräder: eigene, Ersatzmofas oder die von den Kindern?).
Ha!
Und dabei hatten all die Auto-fixierten Fotos von Garagen in den Anzeigen nahegelegt, dass eh niemand jemals in diesem Land Rad fuhr.
Was soll ich sagen?
Klappe halten, Gott machen lassen, schon sind mehr Räder und damit mehr Ferienhäuser zur Auswahl, als wir jemals brauchen.

aufmerksam, feminin

Winterstrauß mit Wildtieren

Der Blumengruß zum Wochenende fiel dieses Mal besonders wuschig aus:
Calla verstecken sich zwischen Strandflieder und Eukalyptuszweigen vor dem rauen Winterwetter.
Bewacht werden sie von geschnitzen Holztieren, die ich schon lange wieder hervor holen wollte. Sie passen wunderbar in den Januar, wenn die Farben eher gedeckt sind und wir die Natur lieber draußen auf Abstand halten.

aufmerksam, feminin, glaubhaft

Augen auf beim Männerkauf: Wen wir heiraten, bestimmt über das weitere Leben

„Augen auf beim Männerkauf“: Den Spruch zum Autokauf können wir wunderbar für die Partnerwahl umwandeln, finde ich. Denn der Mann (oder die Frau), den wir wählen, bestimmt darüber, welches Leben wir leben. Gemeinsam werden wir Entscheidungen fällen, Gewohnheiten entwickeln, unsere Prioritäten setzen. Mit wem wir zusammen ziehen, sollte also nicht nur eine Gefühlsentscheidung sein, weil das Gegenüber unseren Humor teilt, leidenschaftlich im Bett ist oder Geborgenheit bietet. Das mag für den Moment wahr und passend sein, aber was ist, wenn die Jahre ins Land gehen und wir uns plötzlich fragen, warum unser Leben ist, wie es ist?
Warum sind wir ständig knapp bei Kasse, obwohl beide gut verdienen?
Warum lasse ich als Frau plötzlich die Verhütung schleifen, obwohl ich nie Kinder wollte (oder warum bin ich plötzlich schwanger, obwohl ich nie Kinder wollte)?
Warum redet mein Partner dauernd vom Hauskauf, während ich eigentlich örtlich ungebunden bleiben und berufliche Experimente wagen wollte?
Warum sitzen wir seit 13 Jahren im tiefsten Schwarzwald fest, obwohl ich von einem unkonventionellen Leben in einer Kommune auf Rügen geträumt habe?
Ja, warum?


Weil Partnerschaft aus Billionen winziger Entscheidungen besteht.
Diese oft unbewussten Entscheidungen prägen uns und bestimmen, was wir essen, wo wir arbeiten, wie wir mit unserem Geld umgehen, wie wir unseren Körper behandeln, mit wem wir befreundet sind, wohin wir reisen und so weiter. Es sind schier unendliche Entscheidungen, die wir nebenher treffen, aus denen langfristig ein gemeinsames Leben als Paar besteht. Das wenigste davon absichtlich, aber: Provisorien halten oft am Längsten, wie eine Freundin kürzlich meinte.
Und plötzlich sitzen wir mit drei Kindern, Dackel und Ehemann hochverschuldet in einem Eigenheim im Schwarzwald und helfen ehrenamtlich bei Wandertagen und Bastelnachmittagen. Stattdessen dachten wir irgendwann mit 22 Jahren, wir würden nach dem Examen in verschiedenen Ländern weltweit erste Berufserfahrungen sammeln, um danach eine eigene Firma zu gründen. Oder auf Rügen in einer Kommune leben und Permakultur betreiben. Oder in der Großstadt geschäftsführende Partnerin in einer Medienagentur sein.
Nix internationale Erfahrungen, freie Liebe oder Karriere: Stattdessen sitzen wir in einem traditionellen Alltag im dörflichen Schwarzwald fest und fragen uns, ob dieser dickköpfige Macho an unserer Seite immer schon so war. War der nicht mal lässiger, intelligenter, spontaner und liebevoller? Oder haben wir diesen patriotischen, patriarchalischen „Ich habe Recht, und so machen wir das“-Anspruch früher einfach als tatkräftig und selbstsicher wahrgenommen?

Ich wundere mich oft, wie schnell Frauen in meinem Umfeld mit einem neuen Partner zusammen ziehen, während ich schon aus der Entfernung heftiges Bauchweh bekomme. Meist halten die Beziehungen nicht, obwohl so manche Frau krampfhaft schwanger werden will oder andere Großprojekte anfängt, um der Partnerschaft einen Basis und Gültigkeit zu geben.
Manchmal bekomme ich auch Bauchweh, weil ich sehe, wie ernst es dem Mann ist und denke: „Schätzelein, der wird in Kürze mit einem Verlobungsring vor dir stehen und ein eindeutiges JA erwarten. Ist dir das klar? Und willst du das? Vor allem: Willst du das die nächsten Jahrzehnte lang? So, wir der heute drauf ist, wird er voraussichtlich bis zum Lebensende drauf sein. Und was heute sexy ist, ist in zehn Jahren oft nur noch nervig. Willst du das bis zur letzten Konsequenz?“
Denn seine Einstellungen, seine Entscheidungen und seine Gewohnheiten werden dein Leben prägen. Egal, ob er dir gegenüber sanftmütig, gleichberechtigt oder dominant auftritt: Der ist so, der ändert sich nur marginal. What you see is what you get. Du bist ja auch so, wie du bist, und wirst nicht plötzlich eine ganz andere.
Also, Augen auf beim Männerkauf, denn damit legst du deine Zukunft fest. Umso mehr, wenn du nicht weißt, was du dir selbst von deiner Zukunft wünschst.

Besonders schön ist es, festzustellen, dass mein Ehemann und ich im Laufe der Jahre sowohl unbewusst als auch absichtlich aufeinander zu wachsen. Dass wir neue Perspektiven entdecken und unbekanntes Terrain erobern, weil es Freude macht, sich gemeinsam zu verändern und den Lebensweg miteinander zu gestalten. Und niemand unglücklich im Schwarzwald festsitzt. 😉

aufmerksam, glaubhaft

Gottesdienst zum Jahresanfang: Glaubenserfahrungen pur

In meiner Kirchengemeinde ist der Gottesdienst zum Jahresanfang ganz schlicht:
Zwei Lieder von der Band, dann eine Stunde lang die Möglichkeit, Erfahrungen mit Gott zu erzählen, drei Lieder von der Band, Segen, Ende. Okay, einen kurzen Jahresrückblick gibt es auch. Im Anschluss folgt oft ein gemeinsames Brunch.

Als PastorIn und als Gemeinde komplett darauf zu vertrauen, dass es genügend Menschen gibt, die nach vorn zum Mikrofon kommen und Erlebnisse mit Jesus zu erzählen, erfordert Mut:
Daher möchte ich heute dazu einladen, diesen Mut ebenfalls aufzubringen. Einen Gottesdienst ganz ohne Predigt, nur mit ein paar Liedern am Anfang und am Ende, und dazwischen Lebensberichte. Bei uns wird die Redezeit auf zwei Minuten begrenzt, damit alle die Möglichkeit haben, erzählen zu können. Ich habe dieses Jahr mitgeschrieben, um mich selbst daran zu erinnern, was Gott alles getan hat: Neue Arbeitsstellen geschenkt, neue Wohnungen geschenkt, Babies geschenkt, Krankheiten gelindert oder komplett geheilt, in Unfällen bewahrt, innere Veränderung geschenkt, neue Perspektiven geschenkt, tolle Begegnungen ganz unerwartet geschenkt, tiefe Gespräche ermöglicht.
Manche Gemeinden haben im Erntedank-Gottesdienst eine Viertelstunde Zeit, um nach vorn zu kommen und vor allen Menschen davon zu erzählen, wofür Einzelne dankbar sind. Danach gibt es aber trotzdem eine Predigt und Abendmahl und alles andere, was dazu gehört.

Ich werbe dafür, als Gemeinde den Mut aufzubringen, einen Gottesdienst komplett „leer“ zu lassen und felsenfest darauf zu vertrauen, dass genügend Menschen Gott erlebt haben und davon berichten wollen. Und dass die gemeinsame Zeit nach den ersten Minuten, wo sich keiner nach vorn zum Mikro traut, schnell gefüllt wird.
Denn wenn wir es nicht wagen, kann das umgekehrt bedeuten, dass wir nicht glauben, dass Gott im Alltag erlebbar ist. Und dass wir ebenfalls nicht glauben, dass BesucherInnen des Gottesdienstes davon reden wollen.
Aber ganz ehrlich, wenn wir uns nicht hundertprozentig darauf verlassen, dass Gott existiert und machtvoll in unser Leben eingreift, warum feiern wir dann überhaupt Gottesdienst?
Aus Tradition?
In der Hoffnung, dass der Verdacht, dass Gott eh nichts für uns tut, vielleicht doch falsch ist?

Wem das Risiko zu groß ist, kann auch erstmal in der Kleingruppe einen Jahresrückblich moderieren:
In welchen Situationen habe ich mich besonders nach Gottes Nähe gesehnt? Was ist daraufhin passiert?
Wann habe ich Gott konkret im Alltag erlebt?
Aber auch: Was ist unvollendet geblieben, wo nehme ich Fragen mit ins neue Jahr? Waren Gottes Prioritäten manchmal anders als meine Prioritäten? Hatte Gott einen anderen Zeitplan, als ich mir gewünscht habe?
Und dann bereiten wir einfach keine Predigt, keinen Input, einfach NICHTS vor.
Und vertrauen felsenfest darauf, dass es in unserer Gemeinschaft genügend Menschen gab, die durch Krisen gingen und von Gott beschenkt wurden und die davon gern erzählen.

aufmerksam, feminin, kreativ

Gute Wünsche zum neuen Jahr: Schneeflocken-Girlande basteln

Uns steht ein spannendes Jahr bevor, daher wollte ich für meine Kolleginnen kraftvolle Wünsche weitergeben. Dazu fertigte ich eine Girlande aus Pappe an, die vorn mit ausgestanzten Schneeflocken geschmückt wird und auf der Rückseite die Wünsche trägt.
Als erstes produzierte ich jede Menge Kreise mit Wellenrand mithilfe einer Papierstanze. Anschließend sortierte ich sie farblich in drei Reihen, um für jede Kollegin eine schöne Reihenfolge festzulegen.

Danach notierte ich auf schmalen Papierstreifen meine Wünsche und befestigte sie auf der Rückseite der Kreise. Auf die Vorderseite klebte ich die ausgestanzten Schneeflocken und nähte zum Schluss einmal durch alle drei Reihen, um die Kreise mit dem Nähgarn zu einer Girlande zu verbinden.

So können die Schneeflocken dekorativ aufgehängt werden und die guten Wünsche bleiben, im Gegensatz zu einer Grußkarte, im Blickfeld.

aufmerksam

Gemütlich und natürlich: Biohof „Stüffel“ in Hamburg

Der Gärtnerhof am Stüffel in Hamburg-Bergstedt gibt Menschen und Tieren ein Zuhause. Auf dem Biohof arbeiten Menschen mit Handicap, findet therapeutisches Reiten statt und Schulklassen kommen zu Besuch. Schon lange wollte ich mich dort einmal umschauen, schließlich kaufte meine Oma vor Jahrzehnten hier ein. Mit dem Rad in der S-Bahn fuhr ich bis zur Endstation Poppenbüttel, weiter zur Bergstedter Mühle und durch das Naturschutzgebiet Hainesch-Iland. Von dort ist es nur noch ein kurzes Stück über Feldwege bis zum Hintereingang des Hofgeländes.

Die schwarzen Zottelkühe waren nirgends zu sehen, dafür wurden Ponies geputzt und geritten.
Draußen wuchs der Feldsalat und Grünkohl wartete auf die Ernte. Im Hofladen wird ein breites Spektrum Biolebensmittel und Drogerieartikel verkauft, auch im Winter einige eigene Produkte.

Ein großer Fahrradstellplatz hält Räder und Einkaufswagen trocken, nebenan liegen eine Sandkiste und eine überdachte Terrasse: Für Familien, die bei wärmerem Wetter parallel zum Einkaufen die Kinder spielen lassen wollen. Wer mag, genießt dabei einen biologischen Kaffee oder nimmt ein Eis auf die Hand.