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Picknick in goldgelb

Zähle deine Segnungen und entdecke, auf wen du zählen kannst.

Ann Voskamp


Wir bereiten ein sommerliches Picknickvor:
Packen Obst ein, verstauen Besteck mit Stoffservietten, nehmen fröhliche Becher aus Keramik mit. Unterwegs pflücken wir Blumen und nehmen sie mit nach Hause.
Vielleicht streifen wir auch auf der Suche nach Beeren durch den Wald und hangeln zwischen den Ästen nach gelben, roten und lilafarbenen Mirabellen.

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Weniger Fassade, mehr Leuchten von Innen

„Ich glaube, dass Menschen sich nach dem Leuchten sehnen
– und vom Glanz genug haben.
Wir wollen wieder spüren,
dass jemand von innen angezündet ist.
Dass es aus ihm heraus strahlt.
Nur andere Energie umlenken ist langweilig.
Man kann vieles lernen.
Aber von innen heraus zu scheinen anfangen – das erfordert zwei Dinge:
Den Mut sich zu zeigen und das zu tun und zu sagen,
was seiner Leidenschaft entspricht.

Was ist dein Ziel? Zu scheinen oder zu strahlen?“

Credo von Bodo Janssen, zitiert von Boris Thomas

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Frauen fragen viel zu wenig: Was habe ich eigentlich davon?

In meiner Freizeit arbeite ich für diverse Foren und Verlage, 90% meiner Produkte sind dabei kostenlos:

Dieses Blog, das komplett ohne Werbung auskommt und kein Geld einbringt, aber die Miete des Servers kostet. Meine Website „Atemfreude“, die kostenlos Ideen und Stundenentwürfe für Atemgymnastik mit Senioren vorstellt (zum gleichen finanziellen Aufwand meinerseits wie das Blog). Das logopädische Forum „Madoo“, wo ich kostenlos 132 sprachtherapeutische Materialien zum Download anbiete. Diverse christliche Zeitschriften und Bücher, die meine Gebete oder Andachten abdrucken – meist nur gegen ein Belegexemplar, manchmal mit Honorar. Lediglich meine Artikel in Fachzeitschriften lohnen sich finanziell, alles andere dient dem guten Zweck.

Gestern erhielt ich eine Mail mit der Frage, ob ich einer Kürzung eines meiner Gebete und dessen Abdruck in einem christlichen Frauenkalender zustimme. Ja, bitte, viel Spaß damit. Als ich meinem Mann davon erzählte, hob er nur eine Augenbraue und meinte: „Ja ja, wie immer umsonst in der christlichen Welt, nicht wahr?“
Heute fragte ein PR-Mensch, den ich nicht kenne, ob ich einen seiner Forumsartikel in einem meiner (längst veröffentlichten) Blogartikel unterbringen kann. Wie immer ging es um meine Artikel über Bienenfreundliche Gärten mit Lebensraum für Kleintiere, darüber habe ich in den letzten Jahren schon öfter geschrieben. Und wie immer war es eine auf den ersten Blick nicht kommerzielle Seite, insofern gab es keine moralischen Bedenken, einen Link zu setzen.
Dennoch platzte ich innerlich: Und was habe ich davon?

Ist ja schön, dass meine ökologischen Themen in Suchmaschinen gefunden werden und andere sich wünschen, dass wir aufeinander hinweisen, nur: Warum bin ich immer die Dumme, die anderer Leute Öffentlichkeitsarbeit unterstützen soll? Und warum habe ich grundsätzlich nichts davon? Sicherlich, es tut mir nicht weh, einen Bienenartikel in meinem Bienenartikel zu verlinken. Aber warum werde ich regelmäßig, oft sehr dreist, aufgefordert, zum Schutz der Umwelt irgend etwas in meinen Blog aufzunehmen, während die Gegenseite nichts für mich tut? Und noch nicht mal auf den Gedanken kommt, zu sagen:
„Guten Tag Frau Krüerke, Sie haben ein abwechslungsreiches und hochwertiges Blog – könnten wir zusammenarbeiten? Wir wünschen uns, dass Sie für uns……. Dafür bieten wir Ihnen an, dass……“
Nö. Regelmäßig werde ich ohne Vorrede angeschrieben, und wenn ich nicht umgehend antworte und das liefere, was der Mann am anderen Ende des Internets von mir möchte, wird er sehr schnell kackfrech. Habe ich oft genug erlebt.
Finde ich blöd. Mache ich nicht mehr mit.
Ich bin doch keine Biene, die den ganzen Tag fleißig herum summt und am Ende verhungert sterben will.

Seite heute frage ich zurück: „Ich habe Ihre Anfrage erhalten, darum kann ich mich gerne kümmern. Nun frage ich mich: Was tun Sie dafür für mich?“
Zack, prompt wurde mir Geld angeboten. Man muss nur fragen, und wir Frauen sind oft genug so dumm, gar nicht erst mit unseren Forderungen laut zu werden. Mal abwarten, ob auf meinem Konto tatsächlich etwas ankommt. Was selbstverständlich versteuert wird, sollte es passieren.
In diesem Sinne: Wer mal wieder aus heiterem Himmel verlangt, ich sollte jetzt-gleich-sofort irgendeinen Link auf irgendein Angebot setzen: Was leisten Sie für diesen Dienst für mich?

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Schnelle Sommerdeko für die Wand: Blumenkranz aus einer Girlande

Wer eine langweilige Kachelwand in der Küche hat, weiß und öde am Frühstückstisch, kann mit wenigen Handgriffen sommerliches Flair gestalten:
Einfach eine blumige Girlande mit Klebefilm so befestigen, dass ein Kreis entsteht: Unser „Blütenkranz“. Vorhandene Lücken werden mit zusätzlichen Papierblumen zugeklebt, in die Mitte setzen wir Schmetterlinge aus einem Glanzbilder-Bogen.
Wer den Blumenkranz verschenken will, zum Beispiel für ein Kinderzimmer, benutzt als Unterlage eine grundierte Leinwand.

Wer sich an dem Wandschmuck satt gesehen hat, kann ihn schnell wieder ablösen – Klebefilm hinterlässt auf Kacheln keine Spuren. Und wenn doch: Einmal mit einem Spritzer Fensterreiniger drüber wischen, fertig.

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So schöööön: Mein Leben in der neuen Kirche

Hach, war der Sonntag heute schön:
Unser Sommerurlaub ist dieses Jahr sehr spät, sodass wir immer noch durchhalten müssen, während die meisten schon wieder erholt aus den Ferien zurück kommen. Das wusste Gott natürlich, und nachdem ich ihn gestern inständig gebeten habe, mich innerlich zu erfrischen und zu stärken, folgte die Gebetserhörung direkt heute. Dank des Marathons rund um mein erstes Buch war ich das erste Jahr in der neuen Gemeinde oft in einem Besuchs-Modus: Ich komme zwar, und das gern, aber ich kannte nur eine Handvoll Leute. Für jede Form von tieferem Engagement fehlten mir die Kapazitäten, und das fand ich auch in Ordnung so. Es ist, wie es ist.
Letzten Sonntag klärte sich endlich die Frage, mit wem ich im Oktober eine Woche Gemeindefreizeit auf Rømø verbringen werde: Eine alleinstehende Frau, ebenfalls das erste Mal dabei, und ich werden uns ein Ferienhaus teilen. So haben wir beide ein eigenes Zimmer und so viel Ruhe und Platz, wie angenehm für uns ist. Vom Frühsport um 7:00 Uhr bis zur Mitternachts-Sauna wird es sieben Tage lang Halligalli ohne Ende geben. Wir sind beide sehr froh, eine ruhige Oase zu zweit zu haben und uns zurückziehen zu können.
Heute entdeckte ich vor Beginn des Gottesdienstes eine Frau, mit der ich mich die letzten beiden Sonntage unterhalten hatte, und winkte sie mit ihrem Mann zu mir. Später wurde ich von drei verschiedenen Gruppen gefragt, ob ich mit ihnen Essen kommen würde (einmal griechisch, einmal portugiesisch und einmal italienisch) und die Option, auf der Alster zu segeln, stand ebenfalls im Raum. Meine Essensgruppe kannte ich nur zur Hälfte, aber es war einfach so eine entspannte, lustige Stimmung, dass ich mich total wohlfühlte.
Meine Gedanken und Empfindungen wurden ernst genommen und bestätigt, was absolut nicht in jeder christlichen Gruppe beim spontanen Essen der Fall ist – und jenseits des gläubigen Umfelds schon gar nicht.

Trotz der Hitze und einem Bistro direkt an einer Hamburger Hauptverkehrsstraße habe ich heute rundum auftanken können und mich von weitgehend fremden Menschen total willkommen und akzeptiert gefühlt. So soll Gemeinde sein: Statt kleinlich auf oberflächlichen Unterschieden zu beharren oder Cliquenwirtschaft zu betreiben, Menschen mit offenen Armen begrüßen und ehrlich über den Glauben sprechen. Dann natürlich auch unterschiedliche Sichtweisen und Lebenserfahrungen stehen lassen können, auch ohne gemeinsamen Konsens zusammen lachen können. Und einfach spontan sein, miteinander aufbrechen, einander einladen, das Leben teilen, Hilfe anbieten. So hat Gott sich das vorgestellt.

Hier habe ich den Auftakt zum Thema „Auf der Suche nach einer neuen Kirche“ geschrieben.

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Zufrieden sein mit dem, was wir haben: Buchempfehlung „weniger haben, mehr leben“ von Cait Flanders

Kennst du den Gedanken: „Das habe ich mir jetzt verdient!“
Oder: „Das gönne ich mir!“
Und was tust du dann? Eis essen, Klamotten kaufen, Serien schauen, Alkohol trinken, Pizza bestellen?
Wahrscheinlich sagen deine Gedanken nicht „Zur Belohnung werde ich jetzt Spazieren gehen“ oder „den Keller aufräumen“… 😉
Woher kommt dieses „Das steht mir zu, das bin ich wert, jetzt verwöhne ich mich!“?
Und warum bedeuten diese Gedanken immer, dass als nächstes das Portemonnaie gezückt wird? Warum ist nichts, was wir uns gönnen, kostenlos? Okay, ein Buch aus der Bibliothek vielleicht, aber das lesen die wenigsten.

Cait Flanders schreibt in „weniger haben, mehr leben“:
„So, wie sich viele Leute mit neuen Dingen verwöhnen, hatte ich mich immer mit Essen verwöhnt. Anstatt eine Flasche Wein zu trinken, aß ich eine Pizza. Und Schkolade. Und Eis. Und an manchen Abenden aß ich Pizza, Schokolade und Eis. Daran war nichts Unüberlegtes – ich wusste, dass ich meine Gefühle aufaß. Ich gab die Bestellung auf und ging in den Laden, wohl wissend, dass ich Dinge kaufte, die mir ermöglichten, meine Gefühle aufzuessen. (…)
Eines der wichtigsten Dinge, die ich in diesem Jahr gelernt habe, ist, dass wann auch immer du an maßloses Konsumieren denkst, es in der Regel daran liegt, dass ein Teil von dir oder deines Lebens sich anfühlt, als fehlte es – und nichts, was du trinkst, isst oder kaufst, kann daran etwas ändern. Ich weiß es, weil ich alles probiert habe und nichts davon geholfen hat. Stattdessen musst du dein Leben vereinfachen, Dinge loswerden und herausfinden, was wirklich passiert. In dem Teufelskreis gefangen zu sein, mehr zu wollen, mehr zu konsumieren und noch mehr zu brauchen, hilft auf keinen Fall.“


„Die Dinge, von denen ich wollte, dass die ideale Version meiner selbst sie verwendete, waren Sachen, die ich einmal gekauft hatte, in der Hoffnung, dass sie mein Leben oder mich selbst besser machen würden. Da gab es Bücher, von denen ich dachte, dass die schlaue Cait sie lesen sollte, Kleidung, von der ich dachte, dass eine professionelle Cait sie tragen sollte, Projekte, von denen ich dachte, dass eine kreative Cait sie angehen sollte. Klassische Literatur, das kleine Schwarze, Scrapbook-Material usw.
Zu irgendeiner Zeit hatte ich meine Kreditkarte mit Tausenden von Dollar für diesen Kram belastete – Kram, den ich in der Absicht kaufte, ihn zu benutzen, aber nur, weil ich mir eingeredet hatte, es würde irgendwie helfen. Ich war nicht gut genug, aber diese Dinge würden mich besser machen. Ich wollte lesen, schöne Kleidung tragen, alles tun, damit ich ein besserer Mensch würde, von dem ich dachte, dass ich so sein sollte. Diese Dinge in meinem Zuhause zu horten bewies, dass es möglich war. Eines Tages würde ich das alles tun und ein besserer Mensch sein. Nur, dass >eines Tages< nie kam.“

„Eine der besten Eigenschaften des Sparsamsein und Aufschreibens, für was man sein Geld ausgibt, ist, dass man ein Werkzeug hat, um Pläne für Großes zu schmieden – wie zum Beispiel deinen Job zu kündigen. (…)
Mit dem absehbaren Ende meines Jobs vor Augen hörte ich auf, meinem Computerbildschirm den Mittelfinger zu zeigen, laut zu fluchen und zu weinen. Ich konnte die Scheidung meiner Eltern und die Zukunft meiner Familie nicht beeinflussen, aber das hatte ich in der Hand – und es fühlte sich gut an, sich endlich auf etwas zu freuen.“

Wann hören wir auf, den Einflüsterungen der Werbung zuzuhören und zu glauben?
Eine neue Jeans wird uns nicht schöner machen und endlich einen neuen Partner anlocken, um die Einsamkeit zu überwinden.
Ein Stück Torte wird uns nicht glücklicher machen und dieses dunkle Loch im Herzen stopfen.
Stundenlang eine Folge nach der anderen anzuschauen, wird uns mit den Menschen auf dem Bildschirm nicht verbinden und echte Freundschaften nicht ersetzen.
Warum versuchen wir es dennoch so hartnäckig mit dem Mantra „Mehr vom Gleichen wird uns mehr helfen“?
Wäre es nicht viel wahrscheinlicher, dass eine sinnvolle Strategie darin liegt, gedanklich und körperlich auszusteigen und sich einen Überblick zu verschaffen? Um das zugrunde liegende Bedürfnis des Herzens zu stillen, statt kopflos alles schnell wieder unter den Teppich zu kehren.

Und wenn wir konsumieren, es bewusst zu tun. Wenn ich mir gelegentlich ein neues Kleidungsstück zulegen, was ich in 80% der Fälle second-hand tue, dann lege ich es nicht in den Schrank, sondern stelle es aus: So wie diese Bluse, damit ich mich daran erfreuen und den schönen Anblick bewusst genießen kann.

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Hygge: Stoffreste in skandinavische Gemütlichkeit verwandeln

Die Skandinavier haben das Talent, ihr Zuhause lässig, fröhlich und gemütlich einzurichten. Der Charme von schwedischen Sommerhäusern liegt nicht nur in der roten Holzfassade, sondern an der entspannten Ferienatmosphäre im Inneren. Obwohl alle Holzhäuser einen typischen Eigengeruch haben, der mich sofort in meine Kindheit und in Urlaubslaune versetzt, ist dieser Geruch nicht eigentlich schön. Er ist irgendwie typisch, so wie die Einrichtung: Meist zusammengewürfelt, Omas Erbstücke mit IKEA und Stöckersammlungen fremder Kinder gemischt (es sei denn, man hat viel Geld und wohnt in stylishen Designerwohnungen, um alles öffentlichkeitswirksam fotografieren zu können, was bei uns nicht der Fall ist). Kurz, es ist ein bißchen abgeliebt, aber insgesamt gepflegt, lebendig und gemütlich. Genau die Stimmung, die dem Herzen gut tut und Frieden vermittelt.

Dazu gehören selbstgenähte Kissen, oft aus Omas alter Gardine oder Kinderbettwäsche. Oder sonstigen Stoffresten, die irgendwie über, aber zu schade zum wegwerfen waren. In Erinnerung an den zauberhaften Finnlandurlaub letztes Jahr nähte ich ein solches Flickenkissen und eine Wimpelgirlande aus weiteren Stoffresten.


Für den Kissenbezug steckte ich die Stoffreste so zusammen, dass am Ende genug Volumen für ein 40 x 40 cm großes Kissen entstand. Der graue Stoff mit den Punkten, ein ehemaliger Blusenärmel, wurde natürlich noch begradigt… Mir half es, die Stoffstücke zuvor auf einem Kissen mit Stecknadeln zu fixieren, um die Anordnung und die nötigen Maße einschätzen zu können.

Flickenkissen erhalten ihren Charme dadurch, dass sie  nicht wie aus dem Katalog bestellt aussehen, sondern sich tatsächlich verschiedene Stoffreste versammeln. In diesem Fall kombinierte ich Lila mit kühlem Grün und Blau, damit das Kissen auf meinem weinroten Ohrensessel harmonisch wirkt. Kleine und große Muster wechseln sich mit Streifen, Blumen und Kirschen ab.

Für die Wimpelkette fertigte ich eine dreieckige Schablone an, schnitt die Stoffreste zu und bügelte sie, damit sie sich leichter nähen lassen. Eine alte Rosenborte klappte ich halbiert zusammen und schob die offenen Kanten der Wimpel hinein, um sie so zu einer Kette zu verbinden.

Die Wohnzimmerkissen sind bis auf das gesteppte im Jeanslook (es stammt aus Schweden, gekauft in Finnland) selbstgenäht.
Die Tischdecke ist ein Bettbezug, den ich mit Farbe besprenkelte, hier schrieb ich darüber: Froschgrüne Party und Zitronenfest.
Wer fröhlich wie die Skandinavier sein möchte: Hier gibt es die passende Musik.

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Buchempfehlung: „Hygg Hygg Hurra! Glücklich wie die Dänen“ von Helen Russel

Das letzte Mal, als ich auf dem Balkon saß und vor Lachen schrie, war „Bridgets und Joans Tagebuch: Auf der Suche nach dem Toyboy“ schuld. Ein bitterböses, extrem lustiges Buch über zwei agile Witwen und ihr ungebührliches Treiben im Magnolia Seniorenheim.
Wieder brachte mich eine kluge und lustige Engländerin zum Lachen, diesmal allerdings in meinem Alter und autobiografisch: Der Mann von Helen Russel bekommt eine Stelle in der Firmenzentrale von LEGO angeboten. Beide arbeiten wie verrückt in der Londoner City, können sich dennoch nur ein winziges Souterrain-Appartement leisten und sind völlig am Ende ihrer Kräfte. Dennoch finden sie ihr Lebens- und ihr Arbeitstempo völlig normal, schließlich geht es allen so. Dass Helen ständig krank ist und es mit der ersehnten Schwangerschaft trotz vielen Behandlungen nichts wird, belastet sie. So fällt nach langem Zögern die Entscheidung, es ein Jahr lang in Dänemark zu versuchen.

Als Journalistin arbeitet Helen von zu Hause aus, sodass sie in der verschneiten dänischen Provinz zum Jahresbeginn erstmal keinerlei Kontakt zu den Nachbarn hat. Alle machen es sich im Januar „hygge“ (gemütlich), die Kleinstadt wirkt wie ausgestorben. Nur die Bäckerei bietet eine endlose Folge von köstlichen Plunderteilchen, Puddingschnecken und Zuckerbretzeln, mit denen sie dem dunklen dänischen Winter trotzen. Helen interviewt für ihre Artikel ständig diverse einheimische Profis zu allen Themen des Lebens, sodass die Leserin einen guten Einblick in die dänische Mentalität bekommt. Sie ist ganz anders als das englische Lebensgefühl, sodass viele lustige Situationen entstehen.
Überhaupt schreibt die Autorin so ehrlich und humorvoll über ihr oft holpriges Einleben in Skandinavien, dass es sehr viel Freude macht, sie dabei zu begleiten.
Jeder Monat wird in einem Kapitel behandelt, und am Ende notiert sie ihre gelernten Lebenslektionen. Da die Dänen seit vielen Jahren an der Spitze der glücklichsten Länder stehen, möchte sie natürlich endlich lernen, wie man so glücklich wie die Skandinavier wird.
Wer sich einstimmen möchte: Die Dänen singen sehr gerne, und lieben ihr Land. Es gibt also jede Menge Lieder über geliebte VOLVOs, geliebtes dänisches Weihnachtsbier, das geliebte dänische Vaterland und überhaupt über alles Dänische.

Der Mann der Autorin berichtet aus der LEGO-Zentrale, was an einem typischen Freitag mit morgendmad passiert:

>>Reihum backt jeder mal Kuchen und Brötchen und bringt sie mit ins Büro. Einer der Kollegen ist dafür extra um vier Uhr morgens aufgestanden.“
„Der Ärmste. Dabei gibt es hier so gute Bäckereien..“ Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ich das dänische Gebäckuniversum nennenswert bereichern könnte, indem ich zwei Stunden früher aufstehe.
„Wie auch immer, mooaarrnnssmell zog sich eine Stunde hin, dann hatten wir eine Besprechung, in der beschlossen wurde, dass wir noch eine Besprechung brauchen, bevor wir eine Entscheidung treffen können, dann hatte ich noch eine Besprechung, bei der es Kuchen und Kaffee gab, und dann gingen alle um halb zwölf zum Mittagsessen. Naja, und hinterher gab es dann Kuchen, weil irgendwer Geburtstag hatte. Danach haben alle angefangen, fürs Wochenende zusammen zupacken.“
„Echt harter Tag…“ brumme ich sarkatisch.
„Ja, wirklich, ich bin pappsatt,“ sagt er, ohne eine Miene zu verziehen, lässt sich aufs Sofa fallen und fängt an, in einem Einrichtungsmagazin zu blättern. (…)

Lego Man (der aktuelle Name des Ehemanns der Autorin) holt mich ab und führt mich durchs Büro, wo wir an Besprechungszimmern vorbeikommen, die alle nach Spielzeug benannt sind. Beruhigend zu wissen, nachdem ich meinen Mann schon ein paar Wochen lang über „9:30 Uhr im Tinnsoldaten (Zinnsoldaten) und danach eine Sitzung im Bamse (Teddybär)“ habe reden hören. Auf jedem Besprechungstisch steht in der Mitte eine große Glasschüssel mit Legosteinen, was die Mitarbeiter animieren soll, während der Besprechung etwas zu bauen. „In manchen Meetings verstehe ich kaum ein Wort, so laut ist es, wenn die Leute in der Schüssel nach dem passenden Stein wühlen,“ sagt Lego-Man.<<

Am Ende des Jahres sind die beiden Engländer zu dritt, so entspannt und fröhlich wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr und verlängern das Experiment um ein weiteres Jahr.
Kein Wunder, ich bin in Skandinavien (oder dem nördlichsten Zipfel Deutschlands) auch immer am glücklichsten. Die perfekte Lektüre für den Sommerurlaub, für mehr Lebensqualität im Alltag oder für graue Novemberabende zum Aufmuntern.

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Erntezeiten: Geschenke und liebe Worte

Gestern schrieb ich einer ganz wunderbaren Frau aus der Gemeinde noch das Gedicht „Erntezeiten“, damit sie die letzte Etappe zum Schuljahresende trotz Stress genießen kann. Und prompt hatte ich selbst heute das Gefühl von Erntezeiten:
Bisher habe ich zum Geburtstag noch nie so viele Geschenke aus dem Kollegium, herzliche Glückwünsche und Aufmerksamkeiten der Damen und Herren der Residenz erhalten. Natürlich werde ich von den BesucherInnen meiner Angebote regelmäßig gelobt. Durchschnittlich jeden Tag. Aber mein Einsatz für ein harmonisches Arbeitsumfeld schien im Kollegium kaum aufzufallen. Dass ich stets Frieden bewahre und sehr gut überlege, was ich wie sage und was besser nicht, ist ja kein Gottgegebenes Talent. Geduldig und freundlich zu sein, auch bei klaren Worten, kostet mich viel Energie – besonders, wenn sich viele eben nicht durch ein adäquates Benehmen auszeichnen. Weder bei den SeniorInnen noch im Kollegium.
Und dass ich ständig neue Veranstaltungsthemen und -formate erfinde, steht nicht in meiner Arbeitsplatzbeschreibung. Das tue ich aus kreativer Eigeninitiative, obwohl es hundertmal mehr Arbeit macht, als routinemäßig das Gleiche anzubieten. Wem fällt das eigentlich mal positiv auf?
Umso mehr freue ich mich über die folgenden Zeilen einer alten Dame:
„Wir gratulieren Ihnen ganz doll und wünschen Ihnen von ganzem Herzen alles alles Gute. Sie wissen schon, Gesundheit, starke Nerven, Gehaltserhöhung, den Humor behalten und nur liebe Menschen rund herum.
Wir sind alle sehr sehr froh, daß es Sie gibt. Ehrlich.“

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Anleitung: Blumengesteck auf einer Etagere

Etagèren sind so praktisch, weil wir auf geringem Raum viele Köstlichkeiten und zusätzlich Blumenschmuck unterbringen können. Sie wirken elegant und festlich, sodass alles, was wir darauf in die Höhe heben, besonders wertvoll wirkt. Heute zeige ich eine bebilderte Anleitung, wie ein Blumenarrangement auf einer Etagère ganz einfach Schritt-für-Schritt entsteht.
Dazu benötigen wir natürlich eine Etagère, Steckmoos zum Wässern, ein Bund Rosen (oder andere Blüten mit hartem Stiel), Frauenmantel oder Schleierkraut, Grünzeug aus der Natur wie Farn und Gräser, ein scharfes Messer, eine Schüssel voll Wasser.

Zuerst schneiden wir eine dicke Scheibe vom Steckmoos-Block, das klappt am besten mit einem trockenen Riesenmesser, wie man es zum Fleischschneiden nimmt. Die Scheibe schneiden wir an den Seiten rund, da die Etagère schließlich auch rund ist. Dann teilen wir sie in der Mitte, damit sie rechts und links des mittleren Stabs liegen kann. Beide Hälften wässern wir. Dazu füllen wir eine große Schüssel mit Wasser und legen den Steckschaum darauf, bis er sich von allein vollsaugt und nach unten sinkt.

In den Steckschaum schneiden wir zwei kleine Kerben, damit sich beide Hälften direkt um die tragende Stange der Etagère platzieren lassen und keine Lücke entsteht. Dann kürzen wir die Rosen mit der Schere, schneiden sie schräg mit dem Messer an und schieben sie in den Steckschaum. Die Blüten sollen etwas Abstand zur Steckmasse haben, aber nicht viel.
So arbeiten wir uns rund um den Steckschaum und verteilen die Rosen gleichmäßig oder leicht versetzt. Ein Bund Rosen reicht knapp, um die Fläche zu bedecken, mit größeren Rosen oder zwei Bunden ist mehr „Blütenmasse“ möglich.

Als nächstes nehmen wir uns schöne Rosenstiele und kürzen sie so, dass wir jeweils ein hübsches Rosenblatt an einem kurzen Stielstück haben. Auch den Stiel schneiden wir mit dem Messer schräg an. Unter die Rosen stecken wir viele dieser kleinen Stiele, damit die Blätter den Steckschaum verdecken und die Rosen auf einem Bett aus ihren eigenen Blättern sitzen.

Die Blüten des Frauenmantel zerteilen wir und füllen damit die Lücken oberhalb der Rosen. Ich habe hier die Blüten und Blätter als „Schichten“ im Lagenlook aufgebaut. Genauso schön sieht ein abwechslungsreiches Durcheinander von Rosenblüten, Blättern und anderen Blüten aus. Mit Frauenmantel oder anderen kleinen Blüten und deren Blättern füllen wir alle Lücken, sodass kein Steckmoos mehr zu sehen ist.

Damit die Rosenblätter nicht so langweilig wirken, stecken wir Farn aus dem Garten oder aus dem Wald dazwischen. Schöne Gräser vom Wegesrand und andere grüne Elemente kürzen wir und setzen damit zwischen die Rosenblättern grüne Akzente.

Im Detail sieht die blumige Zwischenetage dann so aus:

Zum Schluss kontrollieren wir, dass es keine Wasserlache auf der „Blumenetage“ gibt, tragen die Etagère zu ihrem Platz und füllen sie ober- und unterhalb der Blüten mit Köstlichkeiten.