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Warum ich trotz Corona froh und munter bin: Sechs Gründe zum Nachmachen

Meine Kollegin meinte am Dienstag zu mir: „Bei einigen Kolleginnen merkt man, wie die Nerven dünner werden und der Ton rauer. Aber du bist so wie immer!“ Das war hoffentlich als Kompliment gemeint (-;
Bis auf eine gewisse Grundspannung, die mich nicht loslässt, geht es mir zum Glück gut – und ich möchte heute teilen, woran das liegt:

1.) Primär für meine anhaltend gute Laune verantwortlich ist meine Kirchengemeinde. Täglich schickt unser Pastor uns eine Mail mit hilfreichen Tipps und guten Ideen.
Täglich erleben wir die Videobotschaft von ganz unterschiedlichen Personen: Die Chefredakteurin stellt Bücher vor, der Hausmeister nimmt uns mit in die Damentoilette zum Streichen und fragt nach einer coolen Wandfarbe für die Herren-WCs, die Spiele-Fachfrau präsentiert Spiele ohne Material, ein arbeitsloser Vater spricht von seiner Hoffnung… Sehr ermutigend und zur Nachahmung empfohlen!
Gestern war ich von 18:00 bis 19:00 Uhr zum Gebet am Telefon verabredet und stellte im Nachhinein fest, dass ich damit zufällig Teil der 24/7-Gebetswoche geworden bin. In der Gebetswoche versuchen wir, rund um die Uhr sieben Tage lang ununterbrochen zu beten.
Der Gottesdienst im Livestream, der Spaß mit den Jugendlichen live im Internet, die Diskussion über Lebensthemen spontan und auf Zuruf mit zwei Pastoren vor der Kamera: Aktuell teilen wir den Alltag ganz besonders intensiv miteinander.

2.) Momentan lebe ich sehr durchdringend in einer „Nutze den Tag, morgen könnte alles vorbei sein!“-Stimmung.
Gestern brachte ich drei SeniorInnen ein christliches Buch mit, das ich für die jeweilige Dame passend fand. Wenn sie jetzt nicht von Gottes umfassender Liebe hören, wann dann? Mit über 300 SeniorInnen täglich zusammen zu arbeiten und nicht zu wissen, wer von ihnen Corona überlebt, lässt bei mir auch die letzten Hemmungen fallen.
Aus dem gleichen Grund rufe ich bei Personen an, die ich schon seit Jahren aus den Augen verloren habe. Als ich vor zwei Jahren meine Ex-Gemeinde verließ, war das für viele ein Schock. Sich jetzt wieder auf den neusten Stand zu bringen und auszutauschen, wie es uns in unserer Beziehung zu Jesus heute geht, drängt sich momentan geradezu auf.
Also, mutig ans Telefon!

3.) Auch Menschen, mit denen ich weit über ein Jahrzehnt nichts mehr zu tun habe, rücken mir innerlich plötzlich nahe. Selbst, wenn derzeit nur punktuell Austausch stattfindet und auf die Entfernung letztlich oberflächlich bleibt: Für einander zu beten, funktioniert immer und überall und ist die stärkste Kraft, die wir Menschen haben. Niemand kann mir verbieten, einer Person aus meiner Vergangenheit im Gebet Gutes zu wünschen und um Gottes Eingreifen zu flehen.

4.) Meine Abteilung besteht aus vier Frauen, derzeit sind wir krankheitsbedingt zu zweit. Meine verbliebene Kollegin und ich sind sehr friedliebend und fokussiert und bilden damit ein super Team. Obwohl wir aktuell nichts anderes tun können, als das Chaos pragmatisch zu verwalten, bin ich froh, am Arbeitsplatz zu sein und nicht zu Hause bleiben zu müssen. Und ich bin umso glücklicher, mit genau dieser Kollegin die Stellung zu halten, mit der ich so harmonisch und konstruktiv arbeiten kann. Danke, Jesus.

5.) Sonst bin ich zur Arbeit teils mit dem Rad, teils mit dem Bus gefahren. Die Fahrt im Bus habe ich genutzt, um meine Fachbücher voran zu bringen, meinen Englisch-Kurs vorzubereiten oder Ideen für meine Atemfreude festzuhalten. Es war also immer sinnvoll genutzte Zeit, daher habe ich nie groß drüber nachgedacht, den Fahrtweg anders zu verbringen. Um die SeniorInnen zu schützen, fahre ich längst keinen Bus mehr, sondern radle jetzt neun Kilometer zur Arbeit und zurück. Zu Beginn war meine Lust darauf sehr begrenzt, aber mein Mann hat schon länger eine wunderbare Strecke ausgetüftelt, und die neun Kilometer fühlen sich gar nicht sooo lang an.
Zusätzlich merke ich, dass die Corona-bedingte innere Unruhe besonders viel körperliche Bewegung als Kontrapunkt braucht. Also tue ich mir mit dem veränderten Arbeitsweg sogar etwas Gutes – danke, Jesus.

6.) Morgens lasse ich zum Frühstück immer Gute-Laune-Musik laufen, die Gott in den Mittelpunkt stellt. Der ideale Start in den Tag, finde ich, und genieße dieses Ritual momentan besonders. Eine musikalische Entdeckung möchte ich teilen: Eye of the Storm von Ryan Stevenson. Hier meine Übersetzung des ersten Teils des Songtexts:
„Im Auge des Sturms behälst du die Kontrolle. In der Mitte des Krieges beschützt du meine Seele. Du allein bist mein Anker, wenn die Segel zerrissen sind. Deine Liebe umgibt mich im Auge des Sturms. Wenn das solide Fundament unter meinen Füßen wegbricht, ich zwischen dem schwarzem Himmel und meinen roten Augen kaum sehen kann, und wenn ich mich von Freunden und Familie allein gelassen fühle, höre ich den Regen, der mich daran erinnert: Im Auge des Sturms behälst du die Kontrolle.“

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Wenn die Kirche geschlossen bleibt: Glaube im Alltag trotz Corona

Für alle, die gerade von zu Hause aus arbeiten, krank sind oder Überstunden schieben, weil ihr Leben durch den Corona-Virus beeinflusst wird: Hier möchte ich gute Gedanken und hilfreiche Predigten vorstellen. Gottesdienste finden in manchen Gemeinden derzeit per Livestream statt, andere bieten Predigten im Internet zum Anhören an.
Mir gefällt die Predigt aus der Christus-Gemeinde in Hamburg-Bramfeld vom 15. März sehr gut. Einfach das Video anklicken und zuschauen: Predigt „Hab keine Angst“
Und auf englisch: How to deal with dark times von Tim Keller, die Lieder „I need you more“ von Kim Walker Smith, „Awake my soul“ von Chris Tomlin, „Praise you in this storm“ sowie „God of all my days“ von Casting Crowns.

Außerdem erreichen mich viele Mails, in denen angeboten wird, zu bestimmten Zeiten miteinander zu beten. JedeR betet zu Hause für sich, aber alle deutschlandweit gemeinsam. So zum Beispiel bei der Initiative der Evangelische Allianz um 20:20 Uhr: Nach der Tagesschau beten alle gemeinsam für erkrankte Menschen, für Entscheidungsträger, für das Klinikpersonal, für die Forschung und Überwindung des Virus und dass wir ChristInnen in dieser Zeit ein Licht der Hoffnung für unsere Umgebung sind.

Gottesdienste und Kleingruppen sind längst abgesagt, in meiner Gemeinde treffen wir uns per Videotelefonie vor dem Computer. Wer diese Möglichkeit nicht hat, kann einfach am Telefon zu zweit beten, Lieder hören und mitsingen, Gebetsanliegen miteinander teilen.
Unsere Pastoren sind telefonisch im Gemeindebüro erreichbar, bereit für Gespräche und Unterstützung. Und senden Videobotschaften via Instagram…

Mittagsgebet

täglich jeweils 13 Uhr – von Zuhause mitbeten:

Psalm 121
Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.
Woher kommt mir Hilfe?
Meine Hilfe kommt vom HERRN,
der Himmel und Erde gemacht hat.
Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen,
und der dich behütet, schläft nicht.

Der HERR behütet dich;
der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand,
dass dich des Tages die Sonne nicht steche
noch der Mond des Nachts.

Der HERR behüte dich vor allem Übel,
er behüte deine Seele.
Der HERR behüte deinen Ausgang
und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!

Amen

Gebet
Herr, wir bringen Dir alle Erkrankten und bitten um Trost und Heilung.
Sei den Leidenden nahe, besonders den Sterbenden.
Bitte tröste jene, die jetzt trauern.
Schenke den Ärzten und Forschern Weisheit und Energie,
allen Krankenschwestern und Pflegern Kraft in dieser extremen Belastung.
Den Politikern und Mitarbeitern der Gesundheitsämter Besonnenheit.
Wir beten für alle, die in Panik sind.
Alle, die von Angst überwältigt sind.
Um Frieden inmitten des Sturms, um klare Sicht.
Wir wollen auf Dich sehen und bei Dir Frieden finden.
Wir beten für alle, die großen materiellen Schaden haben oder befürchten.

Guter Gott, wir bringen Dir alle, die in Quarantäne sein müssen,
sich einsam fühlen, niemanden umarmen können.
Berühre Du Herzen mit Deiner Sanftheit.
Und ja, wir beten,
dass diese Epidemie abschwillt, dass die Zahlen zurückgehen, Heilung geschieht, Normalität wieder einkehren kann.

Mach uns dankbar für jeden Tag in Gesundheit.
Lass uns nie vergessen, dass das Leben ein Geschenk ist.
Dass wir irgendwann sterben werden und nicht alles kontrollieren können.
Dass Du allein ewig bist.
Dass Du, HERR, das Leben bist und gibst.
Dass im Leben so vieles unwichtig ist, was oft so laut daherkommt.

Mach uns dankbar für so vieles, was wir ohne Krisenzeiten so schnell übersehen.

Wir vertrauen Dir.
Wir vertrauen Dir jetzt an und bitten besonders für…….

Vaterunser
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme. Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segensbitte
Der Herr segne und behüte uns.
Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über uns
und sei uns gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns
und gebe uns Frieden.

Amen.

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Bereit zum Abflug! Wohnzimmer-Deko mit Ansage

Meine wichtigste Aufgabe im Berufsalltag ist, dass die Menschen sich gut unterhalten und umfassend informiert fühlen.
Daraus ergibt sich ein „Zwang zum Lächeln und Scherzen“, der einerseits sehr anstrengend ist, andererseits aber auch auf das Wesentliche fokussiert. In den Gruppen sollen sich alle wohlfühlen, auf dem Flur einen netten Gruß hören und bei Fragen Unterstützung erleben.
Entsprechend finde ich im Kollegium schlechte Laune, unnötige Dramen oder Lästern hinter den Kulissen komplett kontraproduktiv:
Es braucht viel Energie, schwächt alle im Umkreis, senkt die Motivation, lenkt ab und verunsichert.
Umso mehr in einem Umfeld, indem die wichtigste Aufgabe ist, den Menschen zu dienen und gemeinsam gute Momente zu gestalten.

Entsprechend war ich total begeistert, als ich online das Poster entdeckte, das jetzt second-hand unser Wohnzimmer schmückt. „See you later assholes!“ ist kein passender Slogan für den Arbeitsplatz, schließlich gibt es auch genügend nette Kolleginnen. Aber es hilft, innerlich Abstand zu nehmen und sich selbst daran zu erinnern, dass Menschen mit unangenehmen Verhalten sich das Leben selbst schwer machen.
In den Birkenästen sitzen dazu passend lauter schräge Vögel, irgendjemand in Bayern hat die Eulen aus Wolle gehäkelt und wollte sie dringend loswerden. Gerne, zusammen mit Vögeln aus Blech, Wimpelketten mit blauen Flamingos und dem alten Affen mischen sie die Zimmerecke auf.

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Danke, Jesus: Die Wunder der letzten Woche

Gerade kommen wir von einer Woche auf der Nordseeinsel zurück. Unterwegs gab es jede Menge Gründe, sich erst Sorgen zu machen, dann zu beten und sich anschließend zu freuen:
Trotz der sprichwörtlichen Zuverlässigkeit der deutschen Bahn, unserer Räder mit Packtaschen und Sturm auf der Nordsee liefen An- und Abreise komplett glatt. Die Angst, dass wir als Letzte das Schiff verlassen und die Zubringer-Minibahn längst abgefahren ist, bewahrheitete sich nicht: Wir waren nach einem einzigen Pkw die Ersten, die von der Fähre aufs Festland gewunken wurden.
Egal, welches logistische, platzmäßige oder zeitliche Nadelöhr es gab: Alles ging glatt, danke Jesus.

Während wir verreist waren, wurde unser Stromzähler getauscht: Ein Stromausfall und diverse geplatzte Sicherungen während unserer Abwesenheit waren die Folge. Ich hatte einen ziemlichen Horror davor, nach Hause zu kommen und erstmal in eine riesige Pfütze Gammel-Gemüse und Schimmel-Vorräte aus dem Tiefkühler zu stolpern. Also betete ich, dass wie-auch-immer der Kühlschrank weiter lief. Als wir zurück nach Hamburg kamen, waren alle Sicherungen raus gesprungen, bis auf die für den Kühlschrank. Danke, Jesus.

Ich verlor unterwegs zwischen Strand und Wald einen Handschuh und merkte es erst einen Tag später. Natürlich hatte ich ein zweites Paar Handschuh mit, sie sind aber zu dünn, um damit ernsthaft im Winter am Meer unterwegs zu sein. Vernünftige Handschuhe sind sehr teuer und auf der Insel waren die meisten Geschäfte noch geschlossen. Also betete ich und wir fuhren einen Teil der Strecke mit dem Fahrrad ab, als wir sowieso in dieser Richtung unterwegs waren. Trotz Sturm und Regen fanden wir den Handschuh, den jemand Nettes aufgehoben und in einen Baum gehängt hatte. Danke, Jesus!

Zwei Tage nach einer geführten archäologischen Wanderung fand ich am Strand ein steinzeitliches Werkzeug. Ich bin wirklich kein Profi und kann mich irren, aber es weist alles auf ein authentisches Artefakt hin. Und nach Jahren, in denen die Wellhornschnecken fast ausgestorben waren, fand ich endlich wieder ein perfektes Schneckenhaus dieser imposanten Art. Das mag für viele völlig sinnlos klingen, aber als „Schatzsucherin“ freue ich mich sehr intensiv über Preziosen wie Steinzeitwerkzeug und Schneckenhäuser. Es macht mich einfach glücklich – danke, Jesus.

Als wir auf dem Deich entlang radelten, ergriff mich eine so heftige Böe, dass ich im Sekundenbruchteil mit dem Rad vom Deich geweht wurde. Ich fand mich nach einem Überschlag im Gras wieder – zum Glück war hier der steinharte Teerdeich längst zu Ende und ich blieb komplett unversehrt. Danke, Jesus.

Was ich damit sagen möchte:
Jesus hat nun wirklich Wichtigeres zu tun, als sich um unseren Kühlschrank, verlorene Handschuhe, einen Salto den Deich hinab oder Strandfunde zu kümmern.
Und dennoch erhört er meine Gebete oder macht mir einfach so eine Freude.
Wie sehr also kümmert er sich um uns, wenn es wirklich brenzlig wird?!
Und warum vertrauen wir darauf so wenig und suchen unsere Sicherheit in eigenen Anstrengungen?

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Der Kirche entflohen, um bei Gott anzukommen: „Soul Survivor“ von Phillip Yancey

Die Geschichte eines Mannes, der von der Kirche zutiefst angekotzt war, erlebt dank der Biografien echter Helden eine Wendung. Die Helden zeichnen sich durch Mitgefühl, Liebe und Weisheit aus, es sind Menschen wie Martin Luther King, Mahatma Gandhi und Annie Dillard.
Phillip Yancey wächst in einer egoistischen, rassistischen und heuchlerischen Kirche in den amerikanischen Südstaaten auf. Als junger Mann bemerkt er nach und nach, dass deren Lehren kaum etwas mit der Bibel zu tun haben. In Freundschaften mit Menschen, die sich für andere einsetzen, statt sie zu verurteilen, heilen seine Wunden langsam. Und dennoch treibt ihn die Frage um, warum die lebensverändernde Kraft der Bibel so wenig in unserem Alltag spürbar ist. Warum sind ChristInnen nicht die warmherzigen, weisen und visionären Menschen? Warum sind sie so oft engstirnige, nachtragende und langweilige Ignoranten?

In seinem Buch „Soul Survivor. How my faith survived church“ (Seelen-Überlebender. Wie mein Glaube die Kirche überlebte) stellt Phillip Yancey die Menschen vor, die ihm einen neuen Blick auf den Glauben gaben und sein Inneres veränderten. Durch gelebte Beziehungen und zahlreiche Interviews ebenso wie durch das Lebenswerk, das sie hinterließen. Dabei sind ihre Schwächen und Konflikte ebenso Thema wie ihre Gedanken über ein gelingendes Leben und ihr innerer Auftrag, den sie erfüllen wollen.
Das Buch liegt nur auf englisch vor, lässt sich aber gut lesen und trifft mit seiner Botschaft voll ins Herz.


Ich gebe gerne zu, dass es einfachere Hobbies gibt, als englische Bücher zu lesen. Die Geschichte von Phillip Yancey, der sich von geistigem Missbrauch löst und erholt und in ein fruchtbares Leben aufbricht, lohnt sich trotz dieser Unbequemlichkeit. Er stellt nicht nur große Vorbilder vor, sondern zeigt lebensnah und authentisch, wie deren Botschaft sein Denken voran gebracht haben. Wie er von ständigem Verurteilen und Beurteilt-werden in eine Haltung der Liebe findet, die alle seine Mentoren verbindet. Wie wir das, was wir als Christen so gern leben wollen, mit unserer egoistischen Realität zusammen bekommen.

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Männer sind immer so gefühlsbetont und zart. Wenn meiner nur nicht ständig weinen würde!

Mein Mann ist immer so temperaturempfindlich, auch im Juli

Wer noch nicht über „Das bißchen Arbeit“ gestolpert ist: Diese Satire eröffnet einen ganz neuen Blick auf unser Leben.
Denn komischerweise ist es ein großer Unterschied, ob ich morgens als Frau aufstehe oder als Mann. Auch wenn das nur die eine Hälfte der Weltbevölkerung in ihrem Alltag bemerkt. Die folgenden Inhalte stammen alle von „Das bißchen Arbeit“, die Unterschriften zu den Fotos von mir.

Anonyme Einsendung: „Viele klagen hier über ihre besitzergreifenden Exmänner. Das ist nur eine Frage der Kommunikation, Ladies. Mein Ex macht seinen „Job“ 3 Jahre nach Scheidung immer noch top und erinnert mich an alle Verabredungen von unserem Kind. Rosenkrieg muss nicht sein!“

Im Postfach von Petra, (43): „Nach der technischen Beratung habe ich den Ingenieur für seine Auffassungsgabe gelobt. Ist nicht selbstverständlich, dass Männer in technischen Berufen beschäftigt sind. Danach war er verstimmt. Darf ich jetzt noch nicht mal mehr Komplimente machen?“

Nun, das ist ja schon eine ganze Weile her. Inzwischen sind wir ja viel weiter. Mein Mann achtet sehr auf sein Gewicht, das stimmt schon, aber er tut das nur für sich und ist da überhaupt nicht von mir beeinflusst. Ich mag auch zu dünne Männer nicht. Echte Männer haben Kurven!

Bloß, weil mein Mann jetzt Geld verdient, meint er, ich sei nicht die Einzige, die ein Recht auf teure Hobbies hat. Hallo?! Der Flugplatz gehört mir!

Aus dem Postfach von Lis (37): „Mein Lieblingskollege hat 14 Jahre seinen Job super gemacht. Jetzt will er noch heiraten. Ich weiß, er mag Kinder, außerdem hat die Frau Immobilien. Er sagt, ich muss mich nicht sorgen, aber: Damit ist er doch aus der Langzeitplanung raus, oder?“

Anonyme Einsendung: „Ständig höre ich das Gejammer von Männern, dass sie unterbezahlt werden. Warum wählen die Männer dann nicht einfach einen anderen Beruf? Es kann so einfach sein.“

Tina, 45: „Ich habe einen Artikel über „Regretting Fatherhood“ gelesen und kann es nicht nachvollziehen. Ich bereue nicht eine Sekunde, meine wunderbaren drei Kinder in die Welt gesetzt zu haben und freue mich auf jedes Wochenende mit ihnen, das ich nicht auf Geschäftsreise bin.“

Vegetarisch hat mein Mann ja immer schon gekocht, aber jetzt auch noch vegan? Das geht zu weit! Ich schmuggle Fischfrikadellen in den Tiefkühler.

Petra (43): „Immer wieder wirft mein Mann mir vor, dass ich mich nicht genug einbringe. Dabei hole ich den Großen schon 1x die Woche vom Ballett ab, die Kleine darf immer mit ins Stadion (sofern meine Freundinnen keine Zeit haben). Wie beende ich diese nervige Dauerdiskussion?“

Aus dem Postfach. Tia (35): „Nach 5 Jahren Teilzeit hat sich mein Mann in den Kopf gesetzt, zu tauschen. Erst dachte ich: chillig, 30 Stunden Arbeit und mit den Kids spielen, aber – meine Rente! Als ich fragte, warum er als Vater überhaupt arbeiten will, war er sauer. Was jetzt?“

Aus der Community „Echte Papas“: „Wieviel Zeit verbringen eure Frauen mit den Kindern? Kann ich von meiner Frau, die von Mo-Sa arbeitet und eigentlich eine tolle und liebevolle Mama ist, erwarten, dass sie am Sonntag nicht immer unterwegs oder in ihrem Hobbykeller ist?“

Wer jetzt immer noch nicht weiß, wo das Problem liegt, kann gern diesen Artikel lesen.

 

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Festliche Kleider mit guter Botschaft: Gedanken zum Frühling

Wie ein neues Kleid für die Natur wirken die ersten Frühlingsblumen. Sie erinnern uns daran, dass wir in unserer Beziehung zu Gott die alten, fleckigen Kleider ausgezogen und frische, festliche Kleider von Jesus bekommen haben:
„Jetzt habt ihr neue Kleider an, denn ihr seid neue Menschen geworden. Gott ist beständig in euch am Werk, damit ihr immer mehr seinem Ebenbild entsprecht, nach dem er euch geschaffen hat. So habt ihr Gemeinschaft mit Gott und versteht immer besser, was ihm gefällt.
Ihr seid von Gott erwählt, der euch liebt und zu seinem heiligen Volk gemacht hat. Darum zieht nun wie eine neue Bekleidung alles an, was den neuen Menschen ausmacht: herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Bescheidenheit, Güte, Geduld.

Um die „neuen Kleider“, also die Eigenschaften als Kinder Gottes, sichtbar zu machen, tragen die Blumen als frische Kleider der Natur stellvertretende Namen: Erbarmen, Demut, Güte, Sanftmut. Je nach Bibelübersetzung werden diese Tugenden anders benannt. Es fällt auf, dass sie alle gleichermaßen wenig in unserem Alltag vorkommen. Weder in der Politik und den Medien noch in unserem Umfeld sind Bescheidenheit, Mitgefühl und Erbarmen zu spüren.

Niemand würde heute in einem Vorstellungsgespräch auf die Frage „Und, welche Eigenschaften zeichnen Sie besonders aus?“ antworten: „An erster Stelle Nachsicht, Geduld, und Sanftmut ist mir auch sehr wichtig.“ Das klänge extrem passiv und pazifistisch, niemand würde die eigene Persönlichkeit freiwillig so darstellen. Und erst recht würde niemand eine derartige Bewerberin einstellen…
Umso wichtiger finde ich es, dass wir entgegengesetzt zu den heutigen Maßstäben Gottes wohltuenden Einfluss unser Leben regieren lassen. Und darin wachsen, unser Herz und unser Handeln von scheinbar überholte Tugenden prägen zu lassen.


aufmerksam, glaubhaft

Schwung für den müden Alltag: Musik zum Aufwachen

Gerade kämpfen alle um mich herum mit Müdigkeit, ich auch. Um innerlich und äußerlich in Schwung zu kommen, teile ich heute meine momentanen Lieblingslieder. Ideal, um sie morgens beim Frühstück laufen zu lassen, damit sie uns munter machen und unser Herz auf Gott ausrichten. Oder unterwegs beim Joggen, in der S-Bahn, beim Kochen…
Und wer denkt: „Beten ist echt das Letzte, wonach ich mich gerade fühle!“ spielt die Lieder einfach unkommentiert ab. Und vertraut darauf, dass unser Herz irgendwann aufwachen und Gott begegnen wird, vielleicht ganz anders, als wir es erwarten.

Waymaker

Healer

Awake my Soul

Our God

Faithful to the end

See a victory

Raise a Hallelujah

aufmerksam, feminin, glaubhaft

20 Wünsche für mehr Vielfalt im Leben

Zwanzig Wünsche sammeln, um unser Leben lustvoller, abwechslungsreicher und ehrlicher zu gestalten:
Von dieser Idee las ich im Roman „Eine Schachtel voller Glück“ von Debbie Macomber. Dort sammeln mehrere Witwen jede für sich zwanzig Wünsche, um die Trauer hinter sich zu lassen und das pralle Leben zu umarmen. Die Wünsche reichen von kleinen Momenten bis zu großen Sehnsüchten und Anschaffungen und helfen den Protagonistinnen, ihr Schicksal aktiv in die Hand zu nehmen und den Alltag bunter zu gestalten.


Mit Entsetzen stellte ich fest, dass mir auf Anhieb nur zwei Wünsche einfielen. Ich habe sehr viele Wünsche, deren Erfüllung nicht in meiner Hand liegt. Realisierbare Wünsche, die Spaß machen und sich einfach umsetzen lassen, scheinen irritierender Weise weniger naheliegend.
Sicher, wenn ich diese beiden Wünsche aufschreibe, kommen bestimmt bald weitere dazu – wie immer beim Listen schreiben: Wenn wir erstmal anfangen, füllen sie sich schnell.
Und dennoch war ich entsetzt, festzustellen, wie viel Fokus auch in meiner Freizeit auf Arbeit in allen Facetten liegt. Selbst wenn vieles unbezahltes Engagement ist (wie dieses Blog oder meine therapeutischen Arbeitsblätter), sitze ich faktisch viele Stunden jenseits meines Berufs zu Hause am Computer.
So werde ich jetzt meine eigene Liste der zwanzig Wünsche beginnen, um mich selbst aus der Falle des „Es ist noch so viel zu tun“ zu befreien.
Wer macht mit?

aufmerksam, glaubhaft

Wahlkampf statt Gottesdienst – ein überraschendes Erlebnis in der Kirche

Mit dem Rad auf dem Weg zum Gottesdienst dämmerte mir, dass heute vielleicht die angekündigte Podiumsdiskussion zur Hamburger Wahl sein könnte. Obwohl das Gedränge vor dem Gottesdienst groß ist und immer viele neue Gesichter dabei sind, fielen die Herren mit Sakko deutlich auf. Auch, weil sie konsequent Siezten – beides erleben wir sonst nicht (-:
Im Vorhinein erhielten alle einen Link zu einer Online-Umfrage, um herauszufinden, welche Themen und Fragen den GottesdienstbesucherInnen wichtig sind. Ich war kurz davor, eine Mail zu schreiben, dass ich auf die AfD sehr gut verzichten kann und dass die Kirche als Gastgeber doch entscheiden könne, wem sie ein Publikum bietet und wem nicht. Gewisse Personen in diesem Haushalt fanden, man könne die AfD einfach konsequent ausbuhen. In der Kirche? Wohl nicht…

Zum Mailschreiben kam ich allerdings nicht mehr, weil im nächsten Gottesdienst Pastor Daniel alle ermahnte, „jeden Gast und Politiker freundlich willkommen zu heißen und unserer Rolle als Gastgeber gerecht zu werden. Schließlich seien alle demokratisch gewählt worden.“ Na dann.

Was ich in diesem Nicht-Gottesdienst-weil-Podiumsdiskussion gelernt habe:
– Den meisten Vertretern einer Partei kann ich ansehen, zu welcher Partei sie wahrscheinlich gehören. Wäre es nicht schön, wenn alle Parteien bunt gemischt wären und eine Zuordnung auf den ersten Blick nicht gelänge? Das würde der Vielfalt der Meinungen und damit ausgewogenen Entscheidungen gut tun, denke ich.
– Es war eine reine Sausage-Party (Würstchen-Party), also nur Männer anwesend. Ach nee. Wundert das etwa jemanden??? Trotzdem traurig. Okay, die AfD-Frau war kurzfristig verhindert und wurde ersetzt, aber alle anderen Parteien haben ja wohl auch Frauen an Bord.
– Der Hansel von meiner Lieblingspartei stellte leider das mit Abstand schwächste Glied in der Runde dar. Ein großer Verlust, schließlich waren viele ErstwählerInnen und JungwählerInnen da, und alle anderen hat er wohl auch vergrault. Sehr bedauerlich.
– Unsere ModeratorInnen meisterten ihre Aufgabe wirklich kompetent: Eine Frau und ein Mann teilten sich die Moderation, blieben immer freundlich und wertschätzend, hakten auch kritisch nach, harmonierten untereinander sehr gut. Also, gemischtgeschlechtliche Leitung einer Diskussion ist ein sehr lohnenswertes Konzept.


– Bloß nicht mit Freundinnen über Politik unterhalten! Bloß nicht! Es ist ernsthaft freundschaftsgefährdend! Das stellte ich neulich schon einmal fest, als ich aus allen Wolken fiel, als eine Freundin sagte, welche Partei sie wählt. Wie immer im Gottesdienst machte ich mit meiner Sitznachbarin (egal, wer es gerade ist) höchst qualifizierte Kommentare, nun ja, und da wurde ich dann doch bald stiller. Sicher ist sicher, da ist mir die Freundschaft wichtiger als die Politik. Vor allem, wenn wir beide eh „nur“ Wählerinnen sind und nicht politisch arbeiten.
Umso mehr freue ich mich, dass mein Mann und ich politisch auf einer Linie sind.
– Leider fand außer der Podiumsdiskussion nichts statt, das an einen Gottesdienst erinnerte, noch nicht einmal die Band trat auf. So sinnvoll es ist, sich als Gläubige aktiv für die Gesellschaft einzusetzen: Bevor vor lauter Politik die eigene Botschaft untergeht, sollte eine gesunde Mischung der Themen vorbereitet werden.
– Wären die Politiker nicht in die Kirche gekommen, hätte ich wohl auch weiterhin an keiner einzigen Wahlveranstaltung teilgenommen. Okay, der Gottesdienst ist sonst gefühlt hundertmal schneller vorbei, es zog sich ziemlich, aber gut: Dann habe ich DAS auch mal erlebt.