aufmerksam, glaubhaft, Presse

Mein Gebet „Halte inne, meine Seele“ in der Zeitschrift „Lydia“

Lang erwartet bekam ich heute die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „Lydia“ per Post.
Darin, direkt hinter dem Leitartikel: Mein Gebet „Halte inne, meine Seele“, ganzseitig mit einem stimmungsvollen Bild.

Halte inne, meine Seele,
der Boden, auf dem du stehst, ist heilig.
Gott ist hier – unsichtbar und unhörbar,
aber umso mächtiger.
Er umgibt dich.

Halte an, meine Seele,
wo eilst du hin?
Alles, was du brauchst, ist hier.
Du stehst auf heiligem Boden,
Gott wartet direkt neben dir.
Wohin rennst du?

Halte durch, meine Seele,
Gott sorgt im Hintergrund für Veränderungen.
Er hat alles in der Hand, auch wenn dir
noch der Durchblick fehlt.
Du stehst auf heiligem Boden, egal,
wie die scheinbare Realität aussehen mag.

Halte inne, meine Seele.
Halte an, hier in seiner Gegenwart.
Halte durch, denn er trägt dich ans Ziel.

Amen

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Andacht feiern mit Senioren: Lektionen, die ich heute lernte

Seit Corona finden in der Residenz keine Andachten mehr statt (genauere Angaben zu den internen Hygiene- und Alltagsregeln werde ich hier nicht treffen). Viele SeniorInnen sind weiterhin selbstständig in der Stadt unterwegs, manche besuchen auch Gottesdienste. Obwohl die meisten körperlich fit sind, bleiben sie angesichts der Lage lieber im Appartement und schauen den Gottesdienst im Fernsehen an.
Entsprechend groß ist die Freude, dass ich jetzt eine Andacht pro Monat anbiete – in zwei Durchgängen im kleinen Kreis können nur wenige teilnehmen, aber besser als nichts.
Der Gottesdienst neulich war ein echtes Highlight, über das ich hier geschrieben habe.
Heute möchte ich die Lektionen teilen, die ich in unserem Erntedank-Gottesdienst lernte. Vielleicht helfen sie anderen, die auf eigene Faust Andachten durchführen?

Der ideale Anfang: Ein spontanes Gebet, das mir direkt aus dem Herzen kommt
Die Andachten gestalte ich relativ liturgisch, das heißt durchstrukturiert mit Liedern, Gebeten, Austausch, Abendmahl usw. In meiner Gemeinde feiern wir sehr modern und frei Gottesdienst, aber den Senioren zuliebe führe ich zielgerichtet durch ein klar erkennbares Programm.
Weil es eben nicht ein völlig blutleerer Ablauf scheinbar religiöser Rituale sein soll, sondern ein Raum, um Gott zu begegnen, starte ich mit einem spontanen Gebet.
Kein Text, kein schwülstiges Gelaber, kein Kirchendeutsch, sondern einfach „Marie-völlig-unzensiert-wie-sie-mit-Gott-redet“. Dabei stehe ich vorn, schließe die Augen (um mich voll auf Gott zu konzentrieren) und halte die Hände, wie es gerade kommt. Kein Getue, bitte.

Ganz ehrlich: Ein glaubwürdiges Gebet als Anfang ist bereits 50% des Erfolgs. Wenn ich hier authentisch starte, öffne ich den Raum für eine intensive Gemeinschaft. Wenn ich dagegen einen fertigen Text ablese, lassen sich die SeniorInnen einfach nur berieseln, statt innerlich beteiligt zu sein.

Entspannt bleiben, wenn es anders läuft, als geplant
Als alter Hase im freikirchlichen Bereich weiß ich natürlich, wie der ideale Erntedank-Gottesdienst abläuft (Scherz!):
Alle überlegen vorher, wofür sie dankbar sind, und bringen ein symbolisches Beispiel für ihren Dank mit. Dann marschieren alle in einer nicht enden wollenden Kette nacheinander auf die Bühne bzw. zum Altar, um dort am Mikro zu erzählen und zu zeigen, wofür sie Gott danken. Das ist für mich Erntedank: Zu hören, wie Gott im Leben der anderen wirkt und was sich die letzten Monate zum Positiven verändert hat!
In einem klassischen evangelischen oder katholischen Gottesdienst passiert das natürlich nicht, und wenn überhaupt, dann nur inszeniert und zensiert und vorher abgesprochen.
Tja, ich bin keine offizielle Pastorin, also brauche ich mich nicht an die Regeln halten und rocke einfach mein eigenes Ding. Entsprechend informierte ich die SeniorInnen über Aushänge, dass sie sich vorher Gedanken machen sollen und gern ein Symbol mitbringen können.
Nun ja.
Erstens sind die SeniorInnen hochbetagt, sie machen nicht jeden Quatsch mit.
Zweitens sind sie HamburgerInnen, die überlegen es sich doppelt, bevor sie den Mund aufmachen und etwas Persönliches erzählen.
Drittens sind sie aus keiner Freikirche, also erwarten sie, dass ich vorne stehe und predige, nicht dass sie mit ihren Erlebnissen für die Aussage von Erntedank zuständig sind.

Es kam, wie es kommen musste:
Die Dankbarkeits-Runde erwies sich in Andacht 1 wie Andacht 2 als eher schleppend. Aber es gab Fotos von verstorbenen Ehemännern, Kuscheltiere, Engel, mitgebrachte Brötchen und Gläser mit sauren Gurken. Auch, wenn kaum jemand den eigenen Gegenstand vorn auf dem improvisierten Erntedank-Tisch sehen wollte und ich manche Geschichte erst im Nachhinein hörte, als die anderen gegangen waren. Dennoch konnten sie sich mit den Geschichten der Mutigen, die sich zu Wort meldeten, identifizieren.
Und für’s nächste Mal wissen sie hoffentlich, dass es nicht wehtut, wenn Marie „zu seltsamen Einfällen“ auffordert.

Das Singen von alten Chorälen macht den Senioren wirklich sooooooo viel Freude
Seit ich in einer mega hippen Großstadt-Gemeinde zu Hause bin und nach über zwölf Jahren nicht mehr zu einer hanseatischen Traditionskirche gehöre, singe sogar ich gerne mal einen alten Choral. Früher fand ich die Uralt-Kirchenlieder oft abturnend, heute kann ich sie zwischen all dem lauten Schlagzeug wieder schätzen.
Die SeniorInnen, die seit März keine Andacht mehr hatten, genießen es unwahrscheinlich, wenigstens im kleinsten Kreis zusammen singen zu können. Klar singen die Leute im Fernsehen im Gottesdienst auch. Aber es ist einfach etwas anderes, zusammen zu singen. Egal, ob ich einzelne schiefe Stimmen sehr klar heraus höre: A capella (also ohne Begleitung durch ein Instrument) einfach unsere Stimmen zu einem Gesang verschmelzen zu lassen, hat eine ganz besondere Kraft.

Natürlich freuen sich alle, wenn sie das Lied kennen, wobei ich dafür einen Trick anwende:
Ich blättere durch das evangelische Gesangbuch und wähle Lieder aus, die ich einerseits kenne und die andererseits thematisch gut passen. Dann suche ich mir ein Opfer unter den Seniorinnen aus und rufe an: „Frau Malligsen, haben Sie mal fünf Minuten Zeit für mich? Ich suche die Lieder für die Andacht zusammen und will nur wissen, ob sie auch bekannt sind.“ Dann singe ich der Dame einfach formlos einen Liedanfang nach dem anderen vor, und sie braucht nur „Kenn ich“ oder „Kenn ich nicht“ sagen. Schon habe ich meine Liedauswahl abgesichert und sie fühlt sich hilfreich – zwei Leute in fünf Minuten am Telefon glücklich gemacht. Was will ich mehr?

Abendmahl feiern ist viel wichtiger als gedacht
Für mich war das Abendmahl, das wir in meiner Gemeinde „nur“ ein Mal im Monat feiern, lange Zeit nicht besonders bedeutungsvoll. Eher langweilig und nichtssagend. Es hat viele Jahre gebraucht, bis ich es genießen konnte.
Im Gottesdienst neulich in der Residenz habe ich bereits erlebt, wie unfassbar wichtig es den SeniorInnen ist, miteinander Abendmahl zu feiern. Selbst, wenn sie alle auf Abstand an einzelnen Tischen sitzen. Selbst, wenn das Abendmahl (bestehend aus Kürbisbrötchen und Traubensaft) bereits relativ formlos vorbereitet am Platz wartet, statt gemeinschaftlich verteilt zu werden. Egal. Abendmahl ist Abendmahl, das hat für alle eine große Bedeutung.
Auch, dass ich die klassischen „Einsetzungsworte“ vorlese, hat einen hohen Wert. Manche sprechen sie leise mit, und für alle ist eindeutig wichtig, dass das Abendmahl auf eine würdige und klassische Weise abläuft. Bereits vergangenen Monat rollten dabei Tränen.

Heute dachte ich spontan, dass es doch eigentlich schön wäre, vor dem Abendmahl eine Gebetsgemeinschaft zu haben: Darin können sich alle mit eigenen Anliegen beteiligen.
Ich regte an, dass wir sowohl für uns und die Welt bitten können, als auch innerlich im Schweigen den Teil der „Buße“ vor dem Abendmahl vollziehen können. Liturgische Buße in einem katholischen Gottesdienst bringt mich kurz davor, mich im wahrsten Sinne des Wortes übergeben zu müssen. Insofern bin ich heilfroh, in einer Freikirche nicht derart vergewaltigt zu werden, indem ich die Worte irgendeines Priesters zum Thema „Buße“ mitsprechen soll. Aber plötzlich hatte ich den Eindruck, dass es gut wäre, die Anwesenden anzuregen, einfach still mit Gott Frieden zu machen.
Dazu ging ich natürlich mit gutem Beispiel voran und betete spontan erst um Weisheit für PolitikerInnen in der aktuellen Situation usw. usf. und schwenkte dann um auf „Und du weißt auch, Gott, wo mir manchmal die Weisheit fehlt. Wo ich mich blöd verhalte und andere verletzte. Wo ich anderen etwas schuldig bleibe…“
Daraufhin schloss eine Dame tränenüberströmt ihr eigenes Gebet an. Und eine weitere Dame fand sich ebenfalls in dem „Buß-Gedanken“ sehr wohl und betete laut.

Tja.
Hätte ich nie geahnt, dass Menschen erstens freiwillig und zweitens laut vor allen anderen sagen, dass ihr Verhalten im Alltag nicht hundertpro super ist.
Und dass sie es genießen, dass dafür Raum ist.
Ich fühle mich bei Bußgebeten irgendwelcher Priester immer vergewaltigt – wie gut, dass ich in diesem Moment auf Gott hörte und der Gruppe das gab, was sie brauchte. Und wenn das nun ausgerechnet völlig unsexy Buße ist – bitteschön.
Alle bekommen, was sie brauchen.

Die Gemeinschaft im Gottesdienst lässt alle erkennen, dass sie Kinder Gottes sind. Zusammen.
Den Senioren war es dieses Mal noch wichtiger als letzten Monat, mir mitzuteilen, wie sehr sie meine Gestaltung der Andacht genießen. Da ich komplett unzensiert und spontan laut bete, erleben mich die BewohnerInnen aus einem ganz anderen Blickwinkel als sonst. Noch persönlicher, noch verletzlicher, noch ehrlicher. Das führt unter einander zu einer großen Offenheit und einem Gemeinschaftsgefühl, das ohne meinen Mut zu Authentizität nicht möglich wäre.
Natürlich entfaltet es auch eine Wirkung, wenn ich sage „Wir alle sind Gottes geliebte Kinder, seine Königskinder. Auch, wenn uns das im Alltag nicht bewusst ist. Und wir uns mit unserem Glauben manchmal verloren und ratlos fühlen: Niemand kann es uns nehmen, Königskinder zu sein und zu einander und zu Gott zu gehören.“


Jedenfalls wurde ich sooooo sehr für meine Offenheit beschenkt, wie noch nie zuvor:
Die SeniorInnen dankten mir sehr ausführlich für meinen Mut, meine Ehrlichkeit, mein Feingefühl. Mehrfach wurde betont, wie „würdig“ ich den Gottesdienst gestaltet hätte – wahrscheinlich, weil ich sonst als leibhaftige Gute-Laune-Frau durch die Gänge sause und mich wirklich absolut niemand für würdevoll hält.
Am Ende teilte ich allen noch einen handgeschriebenen (und vervielfältigten) Brief von Gott an jede Einzelne aus. Tags darauf kam eine Dame auf mich zu und sagte, wie erstaunt sie gewesen sei, als der angekündigte Brief wirklich handschriftlich war. Und wie sehr sie die Botschaft berührt hätte.
Sogar eine Kollegin, die nichts mit dem Glauben zu tun hat, meinte, dass „den Senioren derzeit eigentlich zwei Mal Andacht pro Monat gut täte“.

Wie eine Freundin die Tage so schön sagte: „Gott lässt sich nichts schenken. Er zahlt es uns hundertfach zurück.“
Amen dazu.

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Wenn graue Decken uns ersticken: Lebenslügen entlarven

Kennst du die grauen Decken aus Recyclingmaterial, die zum Umziehen und Renovieren benutzt werden? Sie sind hässlich, filzig und nur für Drecksarbeit gemacht.
Vielleicht kennst du auch die unsichtbaren Decken, die auf dich geworfen werden, um dich zu behindern.
Decken, unter denen du keine Luft mehr bekommst, die Orientierung verlierst und im Dunklen sitzt. Decken, die dich daran hindern, vorwärts zu gehen. Decken, die so schwer und undurchdringlich sind, dass du nur noch am Boden liegst und aufgeben möchtest.
Diese Decken sind Lebenslügen, die dich davon abhalten sollen, deiner Bestimmung zu folgen. Sie werden eingesetzt von Menschen, die „es gut meinen“ und dich „vor Enttäuschungen bewahren“ wollen. Aber ebenso von Menschen, die neidisch sind und sich selbst nicht trauen, ihr Schicksal in die Hand zu nehmen.
Diese stickigen, belastenden Decken stammen auch vom Bösen, das dich daran hindern will, das volle Potenzial zu erleben, das Gott in dich hinein gelegt hat. Immer, wenn du dich auf unbekanntes Land traust und ein wenig mehr Gottes gute Zukunft ergreifen möchtest, wirft dir das Böse eine Decke über den Kopf, um dich aufzuhalten.

When he told you you’re not good enough  (Wenn er dir sagte, dass du nicht gut genug bist)
When he told you you’re not right  (Wenn er dir sagte, du seist nicht richtig)
When he told you you’re not strong enough  (Wenn er dir sagte, dass du nicht stark genug bist)
To put up a good fight  (Um dich zur Wehr zu setzen)
When he told you you’re not worthy  (Wenn er dir sagte, du seist es nicht wert)
When he told you you’re not loved  (Wenn er dir sagte, du seist nicht geliebt)
When he told you you’re not beautiful  (Wenn er dir sagte, du seist nicht wunderschön)
You’ll never be enough  (Du könntest nie genügen)

Fear is a liar  (Angst ist ein Lügner)
He will take your breath  (Er wird dir den Atem nehmen)
Stop you in your steps (Dich in deinem Schritt aufhalten)
Fear is a liar  (Angst ist ein Lügner)
He will rob your rest  (Er wird dir deine Ruhe klauen)
Steal your happiness  (Deine Freude stehlen)
Cast your fear in the fire  (Lass deine Angst im Feuer schmelzen)
‚Cause fear, he is a liar  (Denn Angst, sie ist ein Lügner)

When he told you you were troubled  (Wenn er dir sagte, du seist gestört)
You’ll forever be alone  (Du würdest für immer allein sein)
When he told you, you should run away  (Wenn er dir sagte, du sollest weglaufen)
You’ll never find a home  (Und dass du nie ein Zuhause findest)
When he told you you were dirty  (Wenn er sagte, du seist schmutzig)
And you should be ashamed  (Und  du sollst dich schämen)
When he told you, you could be the one  (Wenn er dir sagte, du könntest die einzige Person sein)
That grace could never change  (Die selbst von Gnade nie verändert werden könnte)

Oh, fear is a liar  (Angst ist ein Lügner)
He will take your breath  (Er wird dir den Atem nehmen)
Stop you in your steps  (Dich in deinem Schritt aufhalten)
Fear is a liar  (Angst ist ein Lügner)
He will rob your rest  (Er wird dir deine Ruhe klauen)
Steal your happiness  (Deine Freude stehlen)
Cast your fear in the fire  (Lass deine Angst im Feuer schmelzen)
‚Cause fear, he is a liar  (Denn Angst, sie ist ein Lügner)

Let Your fire fall and cast out all my fears (Lass dein Feuer fallen und verbrenne all meine Ängste)
Let Your fire fall, Your love is all I feel  (Lass dein Feuer fallen, deine Liebe ist alles, was ich fühle)

 

Lass dich nicht verunsichern.
Lass dich nicht einschüchtern.
Du bist Gottes geliebte Tochter, Gottes geliebter Sohn.
Sein Königskind.
Geliebt und schon vor dem Beginn des Universums dazu auserwählt, sein Kind zu sein.
Durch seine Gnade und seine Vorliebe für dich hat er dich von allem befreit, was dich einengt, und dich mit Fülle gesegnet.
Du brauchst ihm nur noch mit „Ja, ich möchte dein Kind sein!“ antworten.

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Ein Lied geht um die Welt: Gott loben trotz Corona

Als wir in unserer Kleingruppe das erste Mal The Blessing gemeinsam gehört haben, hatten wir alle feuchte Augen: Menschen aus ganz verschiedenen Kirchen in Groß Britannien haben zu Hause den Segen gesungen, und aus allen Stimmen zusammen wurde ein riesiger Chor.
Wir sind alle Gottes Kinder.
Gotteskinder, Königskinder.
Auch, wenn es uns im Alltag selten bewusst ist und wir uns weder selbst als Königskinder erleben, noch unsere Mitmenschen als Gotteskinder sehen: Wir sind es.
Das Wunderbare am Glauben ist, dass wir alle miteinander verbunden sind: Über Grenzen von Geschlecht, Sprache, Kultur und Wohnort hinweg sind alle, die eine Beziehung zu Gott haben, weltweit miteinander verbunden.
Mag sein, dass du diesen Gedanken völlig trivial findest.
Wenn ich mir vor Augen halte, dass unsere Zugehörigkeit zu Gottes Familie größer ist als alles, was uns trennt, finde ich das überwältigend.

Der Text des Lieds stammt aus der Bibel im Alten Testament, dem vierten Buch Mose, Kapitel 6, die Verse 24 bis 26. Anschließend folgen Verse aus dem Psalm 139.

Der HERR segne dich und behüte dich!
Der HERR blicke dich freundlich an und sei dir gnädig!
Der HERR wende sich dir in Liebe zu und gebe dir Frieden!

Seine Gnade sei immer mit dir
und über tausend Generationen
mit deiner Familie und mit deinen Kindern.

Seine Gegenwart sei mit dir,
er gehe vor dir und hinter dir und neben dir,
er umgebe dich von allen Seiten
und erfülle dich im Innersten.
Er ist immer bei dir, er ist bei dir.

Er ist bei dir am Morgen und am Abend,
wenn du kommst und wenn du gehst,
wenn du weinst und dich freust,
er ist an deiner Seite, er ist immer für dich.

Wer mit anderen Menschen rund um den Globus Gottes gute Wünsche heute praktisch erleben möchte, kann sich in einen der virtuellen Chöre einschalten: Überall singen Menschen zu Hause und vereinen ihre einzelnen Stimmen zu einer kraftvollen Botschaft.
Neuseeland (der Hammer!), Australien (mit Didgeridoo), aus dem Ursprungsland Israel in hebräiisch, aus Indien in allen Landessprachen, aus der arabischen Welt, aus Lateinamerika, aus Malaysia, aus China, aus Italien, aus Frankreich, aus Schweden, aus Japan, aus Usbekistan, aus Nigeria, aus Zimbabwe, aus hunderten anderer afrikanischen Staaten…

Und von Kindern für Kinder.
Und als Tanz.
Und in Gebärdensprache.
Und a capella von sehr, sehr fröhlichen AfrikanerInnen aus Uganda.

aufmerksam, feminin, glaubhaft

Erntedank: Wir feiern heute auch Unfertiges

Heute feiern wir Erntedank. Als postmoderne Menschen denken wir dabei weniger an Landwirtschaft und Ernte, sondern mehr an eigene Erfolge und glückliche Momente in diesem Jahr. Ich lade dich ein, Rückschau zu halten und zu sammeln, wofür wir dankbar sind:

Bewahrung und Gesundheit:
Wurden wir und unsere Familie bisher vor Corona bewahrt? Wenn nicht: Wer hat uns während der Krankheitszeit unterstützt?
Sind wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Auto immer sicher angekommen?
Haben wir trotz der Pandemie keine gravierenden Veränderungen in unserem Leben vornehmen müssen? Wenn doch: Wie hat uns Gott Stärke und Mut gegeben?

Freundschaften:
Haben wir trotz der Verhaltensregeln auf Distanz unsere Freundschaften pflegen können?
Gab es in Tiefpunkten verlässliche Menschen, die uns unterstützen?
Haben uns FreundInnen ermutigt und konnten wir Hoffnung weitergeben?

Entwicklungen und Erfolge:
Sind Projekte positiv verlaufen, sodass wir Meilensteine erreicht haben?
Können wir auch mit dem Unfertigen zufrieden sein?
Sind wir in der Lage, auch Anfänge wertzuschätzen, ohne bewerten zu müssen, ob sich eines Tages Erfolg zeigt?
Gibt es Entwicklungen, die unsichtbar in uns selbst entstanden sind und unser Inneres verändert haben – für andere unerkannt, aber für uns selbst wertvoll und bahnbrechend?

Gottesbeziehung:
Was haben wir bis heute in diesem Jahr Neues über Gott gelernt?
Wo hat Gott uns durchgetragen?
Wann fühlten wir uns angerührt, innerlich verwandelt, durch Gottes Geist erneuert und erfrischt?
In welchem Prozess des Glaubens und Vertrauens stehen wir noch? Können wir dankbar sein für den Ort, an dem wir uns mitten auf dem lebenslangen Weg zu Gott hin befinden?

Wie möchtest du deinem Dank Ausdruck verleihen?
Wie danken wir Gott?
Und wie unseren Mitmenschen?
Nimm dir heute Zeit, mindestens einer Person bewusst „Danke!“ zu sagen.

aufmerksam, glaubhaft, kreativ

Gottesdienst am Arbeitsplatz feiern: Eine lohnende Herausforderung

In meiner Arbeitsplatzbeschreibung steht definitiv nicht, dass ich mit den SeniorInnen der Residenz Gottesdienst feiere. Erstens ist es nicht mein Job, zweitens bin ich keine Pastorin, und drittens sind wir kein christliches Haus. Da durch Corona seit einem halben Jahr die Pastorin nicht mehr zu Besuch kommt, um Gottesdienste anzubieten, entschloss ich: Das geht so nicht weiter. Zu besonderen Anlässen habe ich schon Andachten gestaltet, die den SeniorInnen gut gefielen, also setzte ich einfach einen Termin fest und hoffte, dass mir zum Inhalt noch rechtzeitig etwas einfallen würde.
Für alle, die gern in einem offenen Rahmen am Arbeitsplatz Gott anbeten wollen, aber selbst nicht wissen, wie – hier teile ich meine Fragen und Lösungen.

Ein Thema finden:
Jenseits der klassischen Feste im Kirchenjahr ein Thema zu finden, kann anstrengend werden: Das Motto soll nicht völlig nebulös und langweilig sein, aber auch nicht so speziell, dass es Einzelne abschreckt. Überhaupt: Einen roten Faden entwickeln, der einerseits neugierig macht und den wir andererseits sinnvoll inhaltlich füllen können, ist manchmal eine echte Herausforderung. Da ich lange grübelte, wie ich die Anwesenden aus unterschiedlichen religiösen Hintergründen gleichermaßen angemessen ansprechen kann und die Vorbereitungszeit immer knapper wurde, entschloss ich mich schließlich zur Kapitulation.
Ich betete: „Jesus, du weißt, dass ich einfach einen Termin für einen Gottesdienst festgesetzt habe. Du weißt, dass den SeniorInnen die Andachten fehlen. Du weißt auch, dass ich gerade überhaupt keinen Plan zum Inhalt habe, aber den Damen und Herren eine intensive Zeit in deiner Gegenwart schenken möchte. Nur: Das ist dein Job, nicht meiner. Erstens fällt mir echt kein schwungvolles Thema ein, das ganz unterschiedliche Menschen anspricht, und zweitens kann ich nichts dafür tun, dass diese Stunde eine kraftvolle Erfahrung für alle wird. Ich brauche dich jetzt wirklich dringend. Bitte schenke du mir eine Inspiration und die passenden Ideen, sie praktisch umzusetzen. Du weißt sowieso viel besser, was die BesucherInnen brauchen, als ich es in der Vorbereitung erahnen kann. Bitte schenke mir genau das, was jetzt an Ermutigung und Input dran ist.“
Tja, und schon hatte ich mein Motto: „Durchhalten“ nannte Gott mir als wichtigste Parole in der andauernden Corona-Zeit. Und die passenden Texte, Lieder, spirituellen Übungen und Fragen zum Austausch kamen dann fast von allein.

Mut zur Lücke:
Zum Thema „Durchhalten“ packte ich einen kleinen Pappkoffer mit lauter Dingen und Anregungen, um die nächste Etappe mit Corona zu überstehen. Nachdem ich mir als Auftakt diverse Vorschläge hatte nennen lassen, was die SeniorInnen meinten, was in den Koffer gehörte, zog ich einen Gegenstand nach dem anderen heraus und baute so meinen Gottesdienst auf. Vorher war ich unzufrieden gewesen, weil ich dank des Koffers zwar eine Verbindung zwischen den einzelnen Elementen hatte, aber so richtig rund wirkte der Gottesdienst nicht.
Durch diverse andere Aufgaben musste ich am entscheidenden Tag von jetzt auf gleich in die Andacht starten, ohne mich vorher einmal innerlich sammeln zu können. Ich war darauf angewiesen, dass mir in der Moderation die passenden Übergänge einfielen, damit während des Geschehens dann hoffentlich ein rundes Ganzes aus den einzelnen Puzzleteilen würde.
Und es wurde! Wenn wir unsere Komfortzone verlassen, wenn wir Gott in unserem Arbeitsalltag Raum geben, wenn wir als ChristInnen sichtbar werden, wenn wir dabei ziemlich Schiss haben: Gott kennt uns durch und durch und wird uns in dieser Herausforderung segnen. Er liebt es, wenn wir Schritte des Vertrauens auf ihn zu wagen, auch wenn wir Angst haben, unterwegs abzustürzen. Er wird uns niemals ins Leere fallen lassen, denn schließlich tun wir nichts anderes, als unseren Glauben sichtbar zu leben und andere dazu einzuladen. Genau das wünscht sich Jesus von uns, selbstverständlich stärkt er uns den Rücken dabei!
Insofern: Mut zur Lücke und auf Gott vertrauen, er gibt uns im richtigen Moment genau die passenden Worte. Das habe ich in den letzten Wochen überwältigend oft erlebt, sobald ich außerhalb meiner Routine unterwegs war. So auch in diesem Gottesdienst.

Authentisch sein:
Vor lauter Stress an diesem Tag hatte ich vor Beginn der Andacht keine Zeit, Gott um seinen Segen und Gelingen für den Gottesdienst zu bitten. Ich rauschte direkt in den Raum, baute schnellstmöglich auf, maß allen die Temperatur, sorgte für sonstige Corona-Maßnahmen und begann übergangslos das Programm. Erst, als wir das erste Lied sangen, fiel mir auf, dass ich durch meine Hetze sogar ein einleitendes Gebet mit den SeniorInnen vergessen hatte. Und da ich kein Gebet vorbereitet hatte, musste ich genauso beten, wie ich persönlich allein oder mit Glaubens-FreundInnen bete:
Echt, ehrlich, aus dem Moment heraus und extrem persönlich.
Keine schnulzigen Sätze in künstlicher und altmodischer Kirchensprache, sondern einfach so, wie ich mit Jesus sowieso jeden Tag mehrfach im Gespräch bin. Mit FreundInnen und Menschen aus der Gemeinde laut zu beten, wie mir gerade der Schnabel gewachsen ist, finde ich völlig normal. Als Gruppenleitung mit lauter alten Menschen einfach so mit Jesus drauf los zu sabbeln, ist aber etwas völlig anderes. Es ist viel intimer, als fünf vorbereitete Sätze in Kirchensprache abzulesen.
Tja, mir blieb nichts anderes übrig, als einfach so zu beten, wie ich immer bete. Ich hatte nichts vorbereitet, und ein (etwas nachgeholtes) Anfangsgebet wollte ich deshalb nicht ausfallen lassen.
Und das Wunder geschah: Gott gab mir genau die richtigen Worte, dass mein Gebet authentisch war, aber für alle Anwesenden verständlich und angemessen. Schließlich waren von dezent Interessierten bis ernsthaft Gläubigen ganz unterschiedliche Menschen versammelt. Während meines Gebets erfüllte der Heilige Geist spürbar den Raum und blieb bis zum Schluss, sodass eine sehr dichte Atmosphäre entstand.
Ich traute mich sogar, mit den SeniorInnen eine Gebetsgemeinschaft zu machen, was allen völlig fremd war. Coronabedingt musste ich die Zahl der Anwesenden klein halten und feierte dementsprechend gleich zweimal den selben Gottesdienst mit zwei Gruppen direkt hintereinander. Und in beiden Gruppen war die Offenheit für ganz neue Formen des Gebets und spiritueller Übungen extrem groß. Im zweiten Gottesdienst überschlugen sich die SeniorInnen in der Gebetsgemeinschaft derart, dass sie parallel beteten und sich gegenseitig ins Wort fielen, so begierig waren sie, nicht nur ein Gebet zu hören, sondern aktiv als Gruppe zusammen zu beten.
Hätte ich mich nicht zu Beginn nackig gemacht und vor allen gut sichtbar und hörbar genauso intim und ehrlich gebetet, wie ich sonst allein bete, wäre eine derartige Dynamik sicher nicht passiert.
Am Ende sagte eine Dame zu mir: „Danke für Ihren Mut, heute so zu uns zu sprechen.“ Ich schaute etwas kariert, daher insistierte sie: „Es braucht eine Menge Mut, eine Versammlung auf diese Weise zu leiten. Danke dafür.“

Dreist sein:
Einzelne SeniorInnen fragten mich vorab, wie ich denn dazu käme, einen Gottesdienst zu leiten.
Ich fragte zurück: Warum denn nicht?
Ich bin seit mehreren Jahrzehnten ununterbrochen Mitglied einer Kirchengemeinde, habe tausende von Veranstaltungen besucht, diverse Gottesdienste moderiert und Gruppen geleitet, was bitte soll mir an Kompetenz fehlen?
Eine Kollegin war völlig baff, als sie später nachfragte, wie die beiden Gottesdienste gelaufen seien, und ich erzählte, dass ich Abendmahl gefeiert hätte.
Wie, Abendmahl, darf das nicht nur die Pastorin machen?
Nö, wieso? Ich veranstalte ja keinen Hochzeitsgottesdienst und taufe auch niemanden, so eine harmlose Runde mit Abendmahl kann doch nun wirklich jedeR veranstalten. Die ersten ChristInnen damals feierten täglich zusammen Abendmahl, und es gab weder eine Pastorin noch ein Kirchengebäude noch einen Vorstand noch eine Kirchenmusikerin bzw. Worship-Band noch einen Hausmeister noch sonst irgendetwas, was eine Kirche heute unbedingt haben muss. Trotzdem haben sie ganz hervorragend Gottesdienst gefeiert, das war eben einfach eine basisdemokratische Versammlung, zu der alle etwas beigetragen haben.

Das Abendmahl mit Traubensaft und Milchbrötchen, das ich unter dem Begriff „Nahrung und Stärkung“ aus meinem „Koffer zum Durchhalten“ zog, war für viele ein besonderer Höhepunkt. Klar war es corona-bedingt anders als sonst, aber die begleitenden Worte (Einsetzungsworte) kannten alle ganz genau und ich sah ihnen an, wie wertvoll es war, mit Traubensaft und Milchbrötchen ein „ganz echtes Abendmahl“ zu feiern. Dass ich keine offizielle Pastorin bin und keine originalen Oblaten, sondern viel leckerere Brötchen verteilte, hat absolut niemanden gejuckt.

Also: Einfach mal dreist sein und darauf schei****, dass irgendwelche Sturköpfe in irgendwelchen Kirchen behaupten, nur sie allein dürften „Sakramente“ austeilen. Komplett egal.
Seit einem halben Jahr hat niemand mit den Damen und Herren gebetet, niemand hat mit ihnen einen hoffnungsvollen Choral gesungen, niemand hat sich um ihre spirituellen Bedürfnisse gekümmert. Wenn ich die Einzige bin, der das auffällt und die dagegen etwas unternimmt, dann tue ich das einfach. Und Gott hat da ganz sicher nichts dagegen.

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Mit Kritzeleien die Bibel verstehen: Bible Art Journaling ausprobiert

Seit einigen Jahren ist der „neue heiße Scheiß“ für christliche Frauen, Bilder in eine Bibel mit halbleeren Seiten zu malen. Es nennt sich super hip „Bible Art Journaling“. Ich persönlich habe viel zu viel Schiss, eine Bibel mit meinem Gekrakel zu verhunzen. Schließlich können versaute Seiten nicht schnell raus gerissen werden, denn ist es die BIBEL, da reißt man einfach keine Seiten raus!
In meiner Kleingruppe beschäftigen wir uns momentan mit den wirklich komplexen Texten aus dem Brief des Paulus an die ChristInnen in Ephesus. Die Sätze sind voll höchst bedeutungsschwerer Begriffe wie „Herrlichkeit, Ehre, Reichtum, Erkenntnis, Erfüllung“, dass einem nur so der Kopf schwirrt.
Und zum ersten Mal war es einfacher, meine Gedanken dazu als Zeichnungen festzuhalten, als die Dichte der Bedeutung sprachlich zu fassen.
So entstanden leuchtende Wolken voller Göttlichkeit und Herrlichkeit, die kraftvoll verwurzelte Liebe Gottes in Höhe, Breite, Tiefe und Länge, und am Ende trat Dagobert Duck auf: So, wie er in Goldtalern badet, segnet Gott mich „überschwänglich über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen“.


Einerseits ist es einfach lustig, abends miteinander unter Corona-Bedingungen in der einbrechenden Dunkelheit auf der Terrasse zu sitzen und wirre Bildchen zu extrem komplexen Zusammenhängen zu kritzeln. Andererseits tauschen wir uns danach ganz anders aus, und bekommen neu einen Einblick in die Denkweise und Persönlichkeit der anderen. Und wenn der neben mir sitzende Physiker Sätze wie „Einwirkende Kraft verändert die Form oder die Richtung“ beiträgt, sehe ich Gottes Wirken in meinem Leben mit ganz anderen Augen.
Also, in der Bibel herum zu kritzeln, oder auf einem kopierten Blatt mit dem Text, ist eine viel bessere Idee, als ursprünglich gedacht…

aufmerksam

Presse: Wo finde ich die Kraft, um andere zu trösten und zu leiten?

Als die erste Corona-Welle durch Deutschland rollte und besonders in den Senioren-Einrichtungen die Angst vor Ansteckung groß war, schrieb ich den Artikel „Kraft tanken, um im Alltag Kraft zu geben“. Jetzt ist der Text in der Fachzeitschrift „Aktivieren“ erschienen. Darin lud ich PflegerInnen und BetreuerInnen ein, sich mit essenziellen Lebensfragen auseinander zu setzen: Um angesichts der Bedrohung den Blick auf das Wesentliche zu lenken und gleichzeitig souverän mit den Befürchtungen der Senioren und Angehörigen umzugehen. Ich regte zu einer Suche nach Quellen der Hoffnung und Kraft an und bot Ideen zur Umsetzung. Zusätzlich stellte ich Fragen, um den Alltag auf Krisenfestigkeit abzuklopfen:

Welche Rollen habe ich?
Ehefrau, Freundin, Angestellte, Tochter, Schwester, Ehrenamtliche…
Welche Erwartungen werden an mich in den unterschiedlichen Rollen gestellt?
Wie viel Energie kosten sie mich? Bin ich zufrieden damit oder möchte ich manche Rollen aufgeben und dafür andere annehmen?

Wo tanke ich auf?
Und wo verliere ich die meiste Energie?
Wie sieht zwischen Ausbluten und Auftanken die Balance aus? Und was kann ich daran ändern?

Passen meine täglichen Aufgaben und meine Talente zusammen?
Wo möchte sich Potential entfalten, das bisher keinen Raum hat?
Welche Sehnsucht kann ich mir im Urlaub in Ruhe anschauen und überlegen, was ich damit machen will?

Welche Konflikte tauchen immer wieder auf?
Und welche schwelen unbenannt seit langer Zeit und rauben Energie?
Was ist mein Anteil daran?

Was ist mein Lebenstraum und wozu bin ich auf der Welt?
Lebe ich nur meinen Alltag oder gibt es etwas, das darüber hinaus weist und mir Sinn und Hoffnung gibt?

aufmerksam, feminin, glaubhaft

Das Problem mit dem Sex: Warum sind ChristInnen so verklemmt?

Komm und küss mich, küss mich immer wieder! Ich genieße deine Liebe mehr als den besten Wein. Nimm mich bei der Hand! Schnell, lass uns laufen, bring mich zu dir nach Hause! Du bist mein König! Ich freue mich über dich, du bist mein ganzes Glück. Deine Liebe ist kostbarer als der edelste Wein.“
Die Bibel, Hoheslied Kapitel 1, Vers 2-4

Ganz ehrlich:
Warum reden ChristInnen nie darüber, wie viel Spaß Sex macht?
Vor lauter Angst vor moralischen Fehlern wirken selbst offiziell verheiratete, heterosexuelle, christliche Paare, die nun wirklich jedes Recht haben, Sex zu genießen, völlig verklemmt.
Warum? Gelebte partnerschaftliche Sexualität ist ein Geschenk Gottes. Gott hat Sex erfunden! Wer sonst, wenn wir glauben, dass er unser Schöpfer ist? Warum gehen wir mit diesem Geschenk um, als wäre es ein hochexplosiver Sprengsatz? Warum sprechen wir nie positiv darüber in unseren Kleingruppen, sondern ermahnen uns nur ständig zu ehelicher Treue?
Sex ist Freude am anderen, Freude am eigenen Körper, Spaß, Extase!
Warum erleben wir das nicht?
Und wenn wir es erleben, warum reden wir nicht darüber?
König Salomo, der das Hohelied der Liebe schrieb, hatte diese Hemmungen nicht. Und diejenigen, die das Hohelied in die Bibel aufnahmen, ganz offensichtlich auch nicht. Sonst wären diese Liebesschwüre und erotischen Dialoge nie überliefert worden.

Nachts auf meinem Bett sehnte ich mich nach meinem Liebsten. So gern wollte ich bei ihm sein, doch er war nicht da! »Ich will aufstehn, die Stadt durchstreifen, durch die Gassen und über die Plätze laufen. Meinen Liebsten muss ich finden!« Ich suchte nach ihm, doch vergebens. Bei ihrem Rundgang griff die Wache mich auf: »Habt ihr meinen Liebsten gesehen?«, fragte ich sie. Kaum war ich an ihnen vorbei, da fand ich ihn, dem mein Herz gehört. Ich hielt ihn fest und ließ ihn nicht mehr los. Ich führte ihn in das Haus meiner Mutter, in jene Kammer, in der sie mich empfing.
Die Bibel, Hoheslied Kapitel 3, Verse 1-3

Hallo, sie wird mit ihm zurück im Haus wohl kaum im Dunkeln die Steuererklärung diskutieren oder endlich mal wieder Schach spielen!
Natürlich ist es absolut notwendig, Teenagern einen verantwortungsvollen Umgang mit dem eigenen Körper und der erwachenden Sexualität beizubringen. Aber spätestens, wenn wir nach allen Regeln des Staats und der Kirche verheiratet sind, kann man dann nicht einfach Spaß haben?
Offensichtlich nicht.
Stattdessen wird die eheliche Treue hochgehalten, was sehr sinnvoll und notwendig ist, aber doch bitte nicht alles, was es zu Sex in der Ehe zu sagen gibt!
Warum sind wir so sprachlos?
Und warum nervt es anscheinend niemanden außer mir?
Würde ich heute Abend in meiner Kleingruppe sagen: „Leute, wir reden viel zu wenig über ehelichen Spaß im Bett, unter der Dusche und auf der Pferdekoppel!“, würde ich wohl ein ernstes Gespräch unter vier Augen riskieren.
Warum???

„Deine Brüste sind wie junge Zwillinge einer Gazelle, die zwischen Lilien weiden. Abends, wenn es kühl wird und die Nacht ihre Schatten über das Land breitet, will ich zu dir kommen – zu dem Hügel, der nach Myrrhe und Weihrauch duftet. Deine Schönheit ist vollkommen, meine Freundin, kein Makel ist an dir.“
Die Bibel, Hoheslied Kapitel 4, Verse 5-7

aufmerksam, glaubhaft

Wenn Gott unser Leben komplett umbaut

Schon lange bitte ich Gott um bestimmte Veränderungen in meinem Leben. Ich trage meinen Teil bei, ganz klar, aber solange Gottes Zeitplan nicht reif dafür ist, nützt alles drängeln nichts. Zu Beginn segnete mich Gott mit mehreren Lebensträumen, die wahr wurden, sodass ich vor lauter Aktionismus ganz gut verkraften konnte, dass die erwünschten Veränderungen auf sich warten ließen.

In den letzten zwei Jahren begann Gott immer mehr, mich selbst zu verändern, statt meine Lebensumstände zu verwandeln.
Ich las fantastische Bücher, die mir in vielen Lebensbereichen zu ganz neuen Perspektiven halfen. Dabei korrigierte er viele meiner Herzenshaltungen und Denkweisen und baute innere Widerstände ab. Manche Botschaft traf mich sehr unmittelbar und schmerzhaft, denn je mehr Gott mich formt, desto mehr merke ich, wie viel Verbesserung ich nötig habe.
Und manche Lektion scheint abgeschlossen, nur um ein halbes Jahr später erneut vor mir zu stehen und mich zu fragen: Liebe Marie, ist da nicht doch noch einiges an Potential? Und wohin ist der bisherige Wandel verschwunden?

Der Bau eines soliden Fundaments dauert lang, ist anstrengend und kostenintensiv. Wachstumsschmerzen und angedellter Egoismus machen sich regelmäßig bemerkbar. Aber ich erlebe auch viel Freude über die innere Dynamik, viele Aha-Momente und tiefe Begegnungen mit Gott. Natürlich wünsche ich mir regelmäßig, dass das Kellergeschoss endlich soweit steht, dass Gott sichtbar darauf aufbaut und wir endlich mit dem Einrichten meines runderneuerten Lebenshauses beginnen können.
Immer wieder werde ich zurück geworfen und frage mich: War ich hier nicht schon mal? Wie bei dem Aufstieg auf einen Berg, wo der Weg in Serpentinen ansteigt: Hier bin ich schon einmal vorbei gekommen, zuletzt etwas weiter unten am Berg, nun um eine Schleife näher am Gipfel.

Ich behaupte nicht, dass ich weiß, wo diese innere Reise hinführt und ab wann mein Herz soweit verwandelt wurde, dass meine Identität stark genug ist für die Lebensumbrüche, die mir bevorstehen. Natürlich frage ich mich, je länger es dauert, wie groß das wird, was Gott mit mir als Nächstes vorhat und was mir noch verborgen ist. Auch, wenn es meine Nerven strapaziert, habe ich Gott noch nie über viele Monate hinweg so nah und unmittelbar gespürt, wie die letzten zwei Jahre.
Ja, es ist anstrengend.
Ja, es ist intensiv.
Ja, ich finde in dieser Zeit des inneren Umbaus zu einer Intimität mit Gott, die mir neu ist.
Wenn du heute von meinen Erfahrungen liest, weil du dich selbst in einem (schmerzhaften) Prozess der Verwandlung befindest, möchte ich dir Mut machen.Mut zu radikaler Ehrlichkeit: Dir selbst gegenüber, Gott gegenüber, Freunden und Vorbildern gegenüber. Denn nichts anderes wird dir helfen, die Herausforderung anzupacken und gestärkt zu überstehen.

Mut zu Experimenten: Gib neuen Denkweisen eine Chance, neuen Autoren und Büchern, neuen Arten des Glaubens, neuen Wegen im Gebet. Sing christlichen Pop statt Chorälen, meditative Klänge statt Gospel, Klassik statt Rock – wie rum auch immer. Lass dich von Gott und der Vielfältigkeit seines Wesens überraschen!

Mut zum Aushalten: Nicht flüchten, nicht wegducken, nicht rückwärts laufen, nicht totstellen. Sondern hier und jetzt annehmen, dass es ist, wie es ist. Und Gott vertrauen, dass es gut ist, wie es ist.

Mut zur Freude: Oft verrennen wir uns so darin, im Gebet primär zu bitten und um Veränderung zu feilschen, dass Loben und Danken völlig untergehen. Ja, danken fällt gerade schwer, und wir würden gern dann mit dem Danken anfangen, wenn alles zu unserer Zufriedenheit aufgelöst wurde. So läuft das Leben aber nicht, auch das Glaubensleben nicht. Danke hier, danke jetzt, halte deine Augen für Gottes Segen am Wegrand offen, statt immer nur eine Utopie vom perfekten Leben zu erwarten.

Mut zum Zusammenbruch: Ja, es gibt Schöneres, als sich sehr plastisch vor anderen ChristInnen in Rotz und Wasser aufzulösen. Habe dennoch den Mut, dich anderen zuzumuten. Finde 237 Wege, zu heulen und mit den Zähnen zu klappern und anderen lästig zu fallen. Denn du bist ihnen nicht lästig, weil es alle von uns einmal trifft.
Und nach einer intensiven Rotz-und-Wasser-Phase kann ich dir sagen: Bald bist du wieder diejenige Person, die anderen die Taschentücher reicht, weil das Gröbste überstanden ist und sich der Wind gedreht hat. Garantiert.