aufmerksam, glaubhaft

Achtung, Nebenwirkungen: Was passiert, wenn du mit Senioren arbeitest

Jeder Arbeitsplatz beeinflusst die eigene Identität. Einerseits natürlich durch die Zeit, die wir dort täglich verbringen: Niemand kann unbeeinflusst den Arbeitsalltag an sich vorbei ziehen lassen. Unsere Aufgaben, die Kolleginnen und das Klima der Firma prägen uns. Andererseits entwickeln wir uns durch diese Einflüsse im Laufe der Zeit weiter. Wir verändern uns durch die positiven Vorbilder ebenso wie durch abschreckende Beispiele im Team. Wir wachsen mit den Herausforderungen oder suchen uns selbst welche. Wenn wir den Arbeitsplatz wechseln, nehmen wir die Erfahrungen und inneren Veränderungen mit. Ich möchte heute davon erzählen, wie mich die Arbeit in einer Senioren-Residenz bisher beeinflusst hat.

Im Urlaub kümmere ich mich um seniorentaugliche Bilder, um zurück im Alltag einen fotografischen Reisebericht moderieren zu können.
Schon vor einem Jahr ging es los: Plötzlich hielt ich im Urlaub Momente fest, die ich für meine private Erinnerung nie fotografiert hätte. Komische Szenen im Alltag der Landesbewohner, Chaos der Doppeldeckerbusse, seltsame Entdeckungen im Supermarkt: Alles, was eine lustige Anekdote bietet, lichte ich ab, um damit später einen unterhaltsamen Nachmittag in der Residenz zu gestalten. Um die Leinwand voll auszunutzen, gewöhnte ich mir sogar Fotos im Querformat an, dabei fotografiere ich am liebsten hochkant, um immer ein Stück Himmel mit drauf zu haben. Der absolute Höhepunkt war bisher mein Reisebericht aus Finnland: Da ich kurz vorher die Verlagsbewerbungen meines Fachbuchs verschickt hatte und gerade erste Angebote für mein Manuskript bekam, war ich nach dem aufreibenden Marathon total erschöpft. Parallel zum Job ein Buch über Atemgymnastik mit Senioren zu konzipieren, hatte mich ausgelaugt – ganz besonders das PR-Coaching und die anspruchsvolle Verlagsbewerbung. Daher bestand ein Großteil der zwei Wochen Urlaub daraus, dass ich im Garten „unseres“ finnischen Sommerhauses saß und las. Dabei entstanden natürlich keine spannenden Fotos, aber ein tiefer Friede zog in mein Herz. Entsprechend versuchte ich, diesen umfassenden Frieden zurück in Hamburg für die Senioren in meiner Moderation zu beschreiben. Nach dem letzten Bild war es mucksmäuschenstill, anschließend brach ein donnernder Applaus aus und die BewohnerInnen dankten mir unter Tränen für die emotionale Darstellung.
Daher halte ich in jedem Urlaub wieder besondere Eindrücke für die Senioren fest und achte darauf, neben meinen privaten künstlerischen Aufnahmen auch sehr klare, einfache Bilder für die Sehgeschädigten aufzunehmen. Auch, wenn ich mich in meinem privaten Urlaub eigentlich amüsieren und erholen sollte…

Ich habe immer weniger Lust darauf, alt zu werden
Täglich höre ich Klagen, was alles wehtut. Und wie wenig die Tabletten helfen. Und wie wenig das den Hausarzt interessiert. Und welche letzte Weggefährtin neulich verstorben ist. Und wer alles alkoholkrank ist. Und wer endgültig keine Lust mehr auf´s Leben hat. Und wer wieder einmal darüber nachdenkt, auf welche Weise nachzuhelfen…
Neee, ganz ehrlich, mit SeniorInnen im Alltag unterwegs zu sein, ist nun wirklich nichts, was Lust auf die letzte Lebensspanne macht! So unzensiert den ganzen Sch*** erzählt zu bekommen, von allen Hochaltrigen einzeln, lässt mich auf einen plötzlichen Tod aus heiterem Himmel mit Anfang Siebzig hoffen. Weder körperliche Gebrechen noch geistigen Abbau wünsche ich mir, darin bestärken mich die Augenzeugenberichte der Achtzig- und Neunzigjährigen immer wieder!

Sterben ist mir völlig egal
Okay, da ich an Gott glaube und der Meinung bin, „dass das Beste noch kommt“, hatte ich noch nie Angst vor dem Tod. Auf mich wartet eine göttliche Dauerparty im Himmel, wovor sollte ich mich fürchten? The best is yet to come! Aber wenn rechts und links Menschen sterben, ist das natürlich etwas Anderes. Noch mehr, wenn das regelmäßig passiert. Zum Glück baue ich dennoch mit allen BewohnerInnen eine herzliche persönliche Beziehung auf, ich habe keinerlei Angst, dass sie morgen tot sind und ich deswegen traurig. Denn: Mich kratzen die Toten überhaupt nicht. Klar, wenn sich eine besonders fitte Dame, die sich tatkräftig im Haus einbringt, plötzlich das Leben nimmt, muss ich auch schlucken. Oder wenn von jetzt auf gleich eine Dame, die eben noch in einer meiner Veranstaltungen saß, tot im Appartement gefunden wird. Natürlich habe ich für einen Moment einen Kloß im Hals. Aber geweint habe ich deswegen noch nie, und über einen kurzen Moment hinaus aufgewühlt bin ich auch nicht. Bei 95% der Toten bin ich einfach nur froh, dass sie die letzte Etappe endgültig hinter sich gebracht haben. Egal, ob sie sich lange krank gequält haben oder innerhalb eines Wimpernschlags abgetreten sind: Sie haben es geschafft, juhu! Entsprechend irritiert werde ich angeschaut, wenn eine Kollegin sagt „Frau Jepsen ist verstorben“ und ich antworte: „Schön, dann hat sie´s ja kurz und knackig ohne weiteres Leiden hinter sich gebracht.“

Ich mag auf einmal Kunstblumen
Am Anfang fand ich es noch sehr gewöhnungebedürftig, die saisonale Dekoration der Residenz mit Kunstblumen zu gestalten. Da ich Erfahrungen in der Event-Floristik gesammelt habe, waren Plastikblumen zuerst „ästhetisch unmöglich zu ertragen“. Aber wie es mit der Mode so ist: Erst finden wir es schrecklich, dann gewöhnen wir uns dran, und später kaufen wir uns bestimmte Kleidungsstücke sogar freiwillig. Genauso hat sich meine Einstellung zu Kunstblumen gewandelt, und das Schlimmste ist: Selbst für den privaten Gebrauch finde ich Plastikblumen inzwischen vertretbar. Hilfe! Wer hat mir den guten Geschmack gestohlen?

Zuerst kleidete ich mich super konservativ, jetzt immer wilder
Zu Beginn war es mir total wichtig, für die BewohnerInnen und Kolleginnen korrekt gekleidet zu sein. Ich fragte mich sogar im ersten Sommer, ob ich wohl Tops mit Spagetthiträgern tragen kann… Denn einerseits soll ich optisch einer gehobenen Residenz entsprechen, die ich als Angestellte repräsentiere. Andererseits sind da die moralischen und ästhetischen Erwartungen, die die BewohnerInnen haben. Täglich wird meine Kleidung genauestens beobachtet, analysiert und bewertet. Inzwischen trage ich das, worauf ich Lust habe, und an bestimmten Tagen absichtlich etwas besonders Ausgefallenes. Wenn sie was zu reden haben wollen, liefere ich ihnen gern eine Grundlage für den täglichen Klatsch und Tratsch! Sie zerreißen sich so oder so den Mund über mich, dann soll es sich doch wenigstens lohnen. Bitteschön, gern geschehen!

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Berufliche Veränderung: Sammlung von Gedanken und Artikeln zu Jobwechsel und Quereinstieg

Kirschen

 

Immer wieder treffe ich Menschen, die genau wie ich ihrem ursprünglichen Traum- und tatsächlichen Ausbildungsberuf den Rücken gekehrt haben. Viele frustrierte Frauen aus schlecht bezahlten sozialen Berufen natürlich, in deren Lebenslauf ich mich wiederfinde. Aber auch ganz andere Hintergründe, die dazu führen, dass wir uns kennenlernen und austauschen.
Über die Zeit habe ich einige Artikel zum Thema „Berufliche Veränderung“ geschrieben.
Um Personen, die über das Stichwort „Jobwechsel“ auf meine Seite finden, übersichtlich zu helfen, sammle ich hier die bisherigen Artikel.
Unabhängig davon freue ich mich über alle ehemaligen Logopädinnen, die mich anschreiben und um Rat bitten. Ihr seid immer herzlich willkommen! Alle anderen Frauen natürlich auch…

Warum immer mehr Logopädinnen hinschmeißen und sich neu orientieren:

Ein ehrlicher Bericht über das wahre Leben der Logopädinnen im Arbeitsalltag
sowie der „Club der ausgestiegenen Logopädinnen“: Ich suche Mitstreiterinnen!
Wie es überhaupt soweit kommt, dass immer noch viele junge Frauen von ihren Müttern und Lehrerinnen die Logopädie als hervorragenden Beruf mit Teilzeitoption zum Kinderkriegen empfohlen bekommen: Muttis Meinung

 

Tipps und Lektüre für alle Aussteigerinnen, Sich-neu-Orientierenden, Quereinsteigerinnen, Noch-einmal-Studierenden und geflüchtete Logopädinnen 😉 

Buchempfehlung für zwei Ratgeber voller praktischer Anleitungen, um Kompetenzen zu entdecken und Potenziale zu vertiefen. Kreativ, inspirierend, praktisch und weise – meine Lieblinge im Bücherregal

Rumjammern oder anpacken? Buchempfehlung für eine Anleitung zum Loslegen statt Abwarten
Viel zu gewinnen hat die, die den inneren Stillstand verlässt
Ein ehrlicher Blick auf das eigene Leben  hilft weiter als jedes „Ich müsste doch zufrieden sein“
Verantwortung für das eigene Leben übernehmen und Freiheit entdecken

Love it – change it – or leave it

Ein Ja zu Herausforderungen und neuen Perspektiven finden

Die richtigen Fragen erkennen und beantworten

Was MUSS ich wirklich? Und was glaube ich nur, dass ich es tun muss, weil alle anderen das behaupten? Eine Inspiration zum Entdecken von neuen Spielräumen und zur Befreiung aus engen Horizonten
Und: Ein Ja zu dem Satz „Dafür bin ich nicht zuständig“

Gedanken über den Mut, beruflich auszusteigen und sich neu zu orientieren: Leerstellen (im Lebenslauf) bedeuten oft Fülle

Tipps einer Quereinsteigerin

Kindheitsträume leben

Für all jene, die sich beruflich neu sortieren und dabei den Überblick über Ideen, Aufgaben, Pflichten und Freizeit haben wollen: Ideen zum effektiven und erfüllten Arbeiten

Neuer Mut für die, die bereits ihre Träume wahr werden lassen, aber plötzlich so mutlos und müde sind.

Sprüche für Mut zur Veränderung:
Wagemutig,
mit neuem Anlauf,
Philosophisches über die Arbeit,
Was in dir steckt, ist wichtig,
Lebensträume – Lebenaufgaben.

 

 

Küste

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Herzlich willkommen zum „Club der ausgestiegenen Logopädinnen“

Neulich habe ich einen Artikel über „das wahre Leben der Logopädinnen“ geschrieben. Die Reaktionen von Logopädinnen darauf zeigen, dass ich einen Nerv getroffen habe und unsägliche Zustände auch andere Sprachtherapeutinnen aus ihrem Beruf vertrieben haben. Ich persönlich kenne mehr Logopädinnen, die aufgegeben haben, als Logopädinnen, die auch nach einer Vielzahl von Berufsjahren engagiert tätig sind.
Die Reaktionen von Nicht-Logopädinnen zeigen, dass kaum jemand glauben möchte, dass es in niedergelassenen Praxen (und dort arbeitet die große Mehrzahl der Sprachtherapeutinnen) tatsächlich so prekär aussieht.

In diesem Zusammenhang kam mir der Gedanke, für all jene Sprachtherapeutinnen den „Club der ausgestiegenen Logopädinnen“ zu gründen: Und sei es rein virtuell allein der Gedanke einer Interessengemeinschaft. Tatsache ist, dass Logopädinnen weiterhin vorrangig aus akademischen Kreisen stammen, aber der Beruf nicht akademisiert ist (darum kämpfen wir seit mehr als hundert Jahren…). Somit hat die Logopädin, die ihren Beruf schweren Herzens hinter sich lässt, zwei Makel in den Augen der PersonalerInnen, auf die sie nun trifft:
Erstens ist eine Berufsfachschule für Logopädie nicht die Art von Bildung, die Unternehmen gerne sehen. Völlig egal, wie viele Unterrichtseinheiten wir von Medizin über Psychologie bis hin zu Rechtskunde hatten: Niemand ahnt die Breite des Wissens und niemand lässt sich davon überzeugen.
All die Kompetenzen, die eine Logopädin im Praxisalltag entwickeln muss, sind ebenfalls im Lebenslauf schlecht darstellbar:
Organisationstalent (sonst bestelle ich für Dienstag um 14.30 Uhr zwei PatientInnen gleichzeitig ein und für Mittwoch um 11.45 Uhr versehentlich niemanden, was eine Menge Ärger und unbezahlte Arbeitszeit gibt), Büromanagement (sonst würde ich all die Anmeldungen nie aufnehmen und Rückrufe vergessen, auch Ärzte bekämen ihre Therapieberichte zu spät, von der Abrechnung der ärztlichen Verordnungen ganz abgesehen) sowie eine umfassende Menschenkenntnis, weil von SozialhilfeempfängerInnen bis PrivatpatientInnen alle Gesellschaftsgruppen innerhalb weniger Stunden durch das Behandlungszimmer laufen.
Zusätzlich viel Spontanität, da kaum eine Therapiestunde so abläuft, wie geplant, denn täglich steht der „Faktor Mensch“ im Mittelpunkt. Alle anderen Kompetenzen und Voraussetzungen habe ich hier beschrieben.

 

Wie soll nun eine Logopädin, die ihren Job hinter sich gelassen hat und als begeisterte Quereinsteigerin im Bewerbungsgespräch sitzt, erklären, was sie alles kann? Die meisten Personen denken bei Logopädie an „sprachförderndes Bauernhof-Spielen“ und „intensives Baustellen-Buch-Vorlesen“. Tatsache. Kaum jemand kennt die Komplexität des Berufs, entsprechend schwierig ist es, aus der „logopädischen Ecke“ herauszukommen: Es wird uns schlicht nichts zugetraut. Was daran liegt, dass die Logopädinnen keine Lobby haben und der Bundesverband der Logopädinnen ein gleichzeitig chaotischer und zickiger Hühnerhaufen ist. Sorry, hier muss ich sämtliche Klischees bestätigen.

Insofern: Auf zum „Club der ausgestiegenen Logopädinnen“! Wir ermutigen uns und finden individuelle Wege, die Kompetenzen der Therapeutenlaufbahn mit neuen beruflichen Ideen zu verknüpfen! Wir kennen die Misere aus dem Effeff, niemand muss sich hier rechtfertigen! KeineR kommt mit dem dämlichen Satz „Ich dachte, Logopädin ist ein schöner Beruf!“ Ja, Ladies, es ist ein spannender Beruf. Aber weder rentabel noch mit Perspektiven gesegnet. Schluss mit dem Zaudern, wir schmeißen hin und nehmen neue Möglichkeiten in den Blick!

Wer macht mit?

Für alle Interessierten habe ich da mal etwas vorbereitet… 😉

aufmerksam

Neues Lernen in Hamburg: Informationen für Profis und Laien, Inheemsch und Quiddje

Der erste Fakt zum Thema „Neues Lernen in Hamburg“ gleich vorneweg: Inheemsch sind natürlich Einheimische, Quiddje sind Zugezogene.

 

DSC01982_v1Das Programm der Hamburger Volkshochschule: 688 Seiten stark, 2,7 cm dick
(Das glaubt mir im Rest der Republik niemand, daher hier der Beweis…
Nur Berlin hat natürlich mehr Angebote)

 

Herzlich willkommen in den Hamburger Bücherhallen: Eine Karte, ein Jahresbeitrag, dafür stehen 32 Bibliotheken bis an die Stadtgrenzen offen. Zusätzlich gibt es die Zentralbibliothek mit einem riesigen Fundus an Fachthemen. Aus anderen Standorten können Bücher in die örtliche Bücherhalle bestellt werden. Auch ein großes Inventar an Spielen, DVDs und CDs warten darauf, genutzt zu werden. Alle Medien können in allen Häusern abgegeben und ausgeliehen werden, quer durch die Stadt.

Wer finanziell knapp haushalten muss, alle Fachbücher der Bücherhallen gelesen und dennoch weiteren Wissensdurst hat: Engagierte BürgerInnen und Freiwillige können über Aktivoli eine große Zahl Fortbildungen und Vorträge kostenlos oder zu sehr geringen Beiträgen besuchen.

 

DSC01988_v1Blick in das VHS-Programm, Seite 508-509:
Swahili Niveau A1 Stufe 1 bis A2 Stufe 2, Thailändisch Schnupperkurs bis A2 Stufe 2, Tschechisch Anfänger

 

Von der Volkshochschule (VHS) schwärme ich oft. Wer nun die Website zum ersten Mal besucht und einen Kurs recherchiert: Die Suchfunktion ist leider Mist und extrem schlecht verknüpft. In allen Bücherhallen sowie in den Filialen der Drogerie-Kette Budni liegen die Kursprogramme aus, diese altmodische Art des Blätterns führt auf der Suche zum richtigen Kurs am Besten zum Ziel. Sechs Bezirke mit entsprechenden Standorten gibt es, zusätzlich sind Ateliers, Werkstätten u.ä. eingebunden. Die Volkshochschule in Hamburg vermittelt Wissen zu allen Themen des Lebens: Beruf und Professionalität, Gesellschaft und Politik, Grundbildung, 30 (!) verschiedene Sprachen in Sprachkursen mit diversen Schwierigkeitsstufen, Persönlichkeit und Psychologie, Natur und Wissenschaft, Inklusion und Integration, EDV und Multimedia, Kunst und Kultur, Gesundheit und Fitness, Kochkurse zu allen Nationen und Themen. Die Preise sind absolut fair und für die KursleiterInnen sehr knapp kalkuliert. Mag sein, dass die eine oder andere schluckt, wenn ein zweitägiger Wochenendkurs ca. 100,- Euro kostet. Zur Erinnerung: Berufliche Seminare kosten, je nach Branche, das drei- bis zehnfache. Dabei garantiert einem Niemand die tatsächliche Qualität der Veranstaltung noch eine kleine Lerngruppe: Der Preis ist vorrangig von der Branche und dem Marketing der Coaches abhängig, Veranstaltungen mit über hundert Teilnehmenden gehören dazu. Wer bedenkt, wie viel Zeit die SeminarleiterInnen der VHS in Vorbereitung und Materialbeschaffung stecken und darüber hinaus stets per Mail zu erreichen sind, wird das Angebot zu schätzen wissen. Mit maximal zwölf TeilnehmerInnen bleiben die Veranstaltungen stets übersichtlich. Darüber hinaus ist Insidern bekannt, das nur ein gewisser Teil der Kursgebühr tatsächlich bei den DozentInnen ankommt. Es gibt Möglichkeiten der Ermäßigung sowie den „Bildungs-Euro“ für alle, die sich auch den ermäßigten Preis nicht leisten können. Auch für Flüchtlinge bietet die VHS viel an.

Seit vielen Jahrzehnten gibt es außerdem die Evangelischen Familienbildungsstätten, elf Einrichtungen im Hamburger Großraum sind zu besuchen. Die Katholiken haben natürlich auch ein Angebot. Bei beiden liegt der Fokus auf Beratung, Hobbies sowie psychischer und körperlicher Gesundheit.

Auch die Vielzahl an Stadtteilzentren und Bürgerhäuser in Hamburg überwältigt mich immer wieder. Sie finanzieren sich aus staatlichen Mitteln und privaten Geldern.
Das Bürgerhaus in Allermöhe, Haus Drei in Altona, MOTTE e.V. in Altona/Ottensen, Bunte Kuh e. V. in Altona/Ottensen, das FrauenMusikZentrum in Altona/Ottensen, Barmbek Basch, Barmbeker Bürgerhaus, das Max-Kramp-Haus in Duvenstedt, das Kulturhaus Eppendorf, die Backstube in Fuhlsbüttel/an der Grenze zu Ohlsdorf, ella in Langenhorn, das Sasel Haus in Sasel, die Koralle in Volksdorf. Direkt hinter der Stadtgrenze in den Walddörfern liegt das Haus am Schüberg, ein Bildungszentrum für Nachhaltigkeit.
Und so unglaublich viele mehr, dass ich sie bis heute gar nicht kenne und darum bitte, mir Hinweise zur Komplettierung dieser Liste zu senden!

 

DSC01992_v1Blick in das VHS-Programm, Seite 244-245: „Führung kompakt: Grundlagen festigen, Stärken entwickeln“, „Teamprozesse verstehen und steuern“, „Frauen führen erfolgreich“, „Wie funktionieren Organisationen? Grundlagen im Kontext von Selbsterschaffung und -erhaltung eines Systems“, „Mitarbeiterführung: Kritik ohne Motivationsverlust“, „Die lernende Organisation – erfolgreich Veränderungen gestalten“, „Pferdestärke – Führungsstärke: Für mehr Klarheit, Entschlossenheit und Gelassenheit (Kurs mit Tieren)“

aufmerksam, glaubhaft

Das wahre Leben der Logopädinnen

Nachdem ich heute genau ein Mal zu viel den Satz Aber ich dachte, Logopädin ist so ein schöner Beruf!“ gehört habe, kommen hier Insider-Informationen für alle Mädchen, Frauen und Umschülerinnen, die mit diesem Berufswunsch liebäugeln. Auch alle treusorgenden Mütter, die ihrer Tochter einen sozialen Beruf mit Teilzeitoption für die ersten Elternjahre wünschen, erfahren hier die wichtigsten Fakten zum Arbeitsalltag. Ebenso Damen aus der Berufsberatung, die immer noch nicht wissen, was Logopädinnen wirklich tun. Da 98% der Sprachtherapeutinnen Frauen sind, verwende ich grundsätzlich die weibliche Form (die 2% männlichen Logopäden sind interessanter Weise fast alle in Leitungspositionen, im Gegensatz zum Gros der weiblichen Kolleginnen).
Vorab zu mir: Ich habe über sechs Jahre als angestellte Logopädin in zwei niedergelassenen Praxen in Hamburg gearbeitet. Im Krankenhaus habe ich ein Praktikum absolviert, jedoch war ich dort nie angestellt. Insofern beziehen sich meine Aussagen alle auf einen Job als Mitarbeiterin in einem Praxis-Team: In Krankenhäusern, Reha-Einrichtungen, Kindergärten, Frühförder-Zentren usw. gelten sowohl andere Grundlagen der Arbeitszeiten (Anwesenheit statt Anzahl der geleisteten Therapie-Einheiten) und der Bezahlung (nämlich nach Tarif!).
Als fröhlicher und positiver Mensch mag ich das Wort „Ja“ und formuliere daher meinen Bericht aus dem wahren Leben einer Logopädin so wie eine Stellenausschreibung.
Wenn du (oder Sie) jeden Satz mit „Ja“ beantworten kannst, ist Sprachtherapie tatsächlich die passende Tätigkeit.

Hast du Abitur? Wenn nicht, werden dich die meisten Berufsfachschulen ablehnen, weil sie zwar theoretisch Kandidatinnen mit Realschulabschluss akzeptieren, tatsächlich aber nur Abiturientinnen mit gutem Notendurchschnitt nehmen. Alle Arten von Studium verlangen selbstverständlich ebenfalls nach einem guten Abitur.

Bist du bereit, ein Freiwilliges Soziales Jahr (oder einen Bundesfreiwilligendienst) zu absolvieren? Wenn nicht, werden dich die meisten Berufsfachschulen ebenfalls nicht nehmen – die Universitäten schon.

Bist du in der Lage, für die Berufsfachschule jeden Monat mehrere hundert Euro für deine Ausbildung auszugeben, die nur zum Teil durch ein Schüler-Bafög aufgewogen werden? Die Semestergebühren an Universitäten solltest du ebenfalls recherchieren.

Bist du sprachbegabt? Gehst du offen auf fremde Menschen zu? Kannst du mit allen Generationen umgehen? Bist du sehr, sehr geduldig? Kannst du freundlich und durchsetzungsstark zur gleichen Zeit sein? Kannst du dich flexibel neuen Gegebenheiten anpassen (Dies bedeutet im Alltag zum Beispiel, kurzfristig in einem anderen Raum zu arbeiten, gar keinen eigenen Raum zum Arbeiten zu haben, spontan Kolleginnen zu vertreten, dich schnell in neue Themen einzuarbeiten, Pläne zu Gunsten von Patientenwünschen komplett zu verwerfen und aus dem Stegreif den Inhalt der Therapiestunde komplett umzustellen). Berätst du gerne Menschen, ggf. in einfachstem Deutsch und sehr langsam? Hast du viel Phantasie und kannst intuitiv die Bedürfnisse des Menschen vor dir über deinen eigenen Stundenplan setzen? Kannst du auch mit behinderten Menschen arbeiten und hast wenig Ekelgefühle? Bildest du dich gern fort und magst die Philosophie des „Lebenslangen Lernens“? Liebst du Teamsitzungen? Kommst du mit hochnäsigen Privatpatienten, die dich wie die letzte Putzkraft behandeln, ebenso zurecht wie mit Sozialhilfeempfängern, die dich für eine realitätsferne Akademikerin halten? Kommst du mit wenig Geld aus, kannst also sparsam leben? Erträgst du es, wenn deine Freundinnen aus deinem Abiturjahrgang Karriere machen und du keine Chance dazu hast?

Bist du bereit, im Alltag nur für geleistete Therapiestunden bezahlt zu werden:
Nicht für Zeiten, in denen Patienten einen Termin hatten, aber nicht kamen. Während du die Stunde vorbereitet hast und anwesend bist. Viele Praxen haben hier sehr ausgefeilte Regeln, unter welchen Umständen ein kurzfristig abgesagter Termin für dich dennoch als Arbeitszeit zählt (indem du in dieser Zeit die Chefin entlastest o.ä. KEINE dieser Regelungen ist erlaubt! Rechtlich gesehen MUSST du als Angestellte für Anwesenheit bezahlt werden, was aber keine Praxis in Hamburg oder im Umland tut.)
Nicht für Telefonate mit Eltern zur Terminabsprache oder Rückrufe, weil die Oma gerade vergessen hat, wann sie den Enkel bringen soll, während beide Eltern arbeiten (Bitte stell dir dies in tausend Varianten vor – du telefonierst ständig, erreichst kaum jemanden und bekommst dafür keine Arbeitszeit berechnet).
Nicht für Arztberichte (die Pauschale seitens der Krankenkasse für das Schreiben des gesetzlich notwendigen Berichts ist ein Witz, ganz abgesehen davon, dass sie im Portemonnaie deiner Chefin ankommt und nicht bei dir).
Nicht für Telefonate mit Förderlehrerinnen, Ergotherapeutinnen, Personen im Sozialamt oder sonstige Personen, die mit einem deiner kleinen Patienten arbeiten und von dir Informationen wünschen. Das Gleiche gilt in Abwandlung für erwachsene Patienten, da wollen dann die Angehörigen, die Pflegerinnen und die Neurologin Informationen von dir.

Findest du es korrekt, nachdem du deine Ausbildung mit einem erklecklichen Betrag pro Monat selbst bezahlt hast, als ausgebildete Logopädin 12,- Euro pro Stunde zu verdienen? Auch, wenn du weißt, dass die zwölf Euro der Betrag vor der Steuer sind. Von diesem Stundenlohn, der als Summe deinen Monatslohn (dein Gehalt) ergibt, zieht der Staat Steuern ab, die Krankenkasse bekommt ihren Teil, Renten- und Sozialversicherung ebenfalls, auch unsere Nachbarn in den neuen Bundesländern (falls du in Westdeutschland lebst, zahlst du den sogenannten Solidaritätszuschlag). Das bedeutet, das nur ein gewisser Teil deines Lohns tatsächlich auf deinem Konto ankommt. Du verdienst also noch nicht einmal zwölf Euro die Stunde, sondern eher den Mindestlohn, wenn du auf dein Konto schaust. Doch, gelegentlich erhöhen die Krankenkassen den Stundensatz, das bezahlt dir die Chefin aber nicht aus.
Findest du es ebenfalls gut, dass du auch nach diversen Jahren im Beruf und vielen Fortbildungen immer noch zwölf Euro verdienst? Eventuell dreizehn Euro, aber ich kenne keine Logopädin, die es in einer Praxis als Angestellte so weit gebracht hat.
Nein, Weihnachtsgeld reißt es nicht heraus, weil es das nur selten gibt. Und wenn, ist es zwar ein Schein, aber kein allzu großer.
Wenn du mit diesen finanziellen Aussichten nicht zufrieden bist, solltest du in einer Einrichtung arbeiten, die nach Tarif bezahlt: Ein Krankenhaus oder ein Kindergarten zum Beispiel. Dann bekommst du wahrscheinlich auch mehr Urlaub, was ebenfalls viel wert ist. Allerdings gibt es davon deutlich weniger Stellen als in niedergelassenen Praxen, so leid es mir tut. In Kliniken solltest du zudem im Schichtdienst arbeiten und Wochenenddienste übernehmen wollen – andernfalls wollen die Verantwortlichen eine andere Bewerberin.

Ist dir jede Form von Karriere egal?
Es gibt genau drei Arten, nicht „nur eine normale Logopädin“ zu sein:

a) Du machst dich selbstständig und wirst deine eigene Chefin.
Wenn es gut läuft, kannst du andere Logopädinnen einstellen. Bedenke aber, dass du jede Art der Gesundheitsreform, der Wirtschaftslage und der Schulreformen hautnah zu spüren bekommst. Warum? Die Krankenkassen zahlen für die Therapien, die du leistest. Im Nachhinein. Sollten die Krankenkassen zwischendurch die Regeln ändern, und das ist ihre Lieblingsbeschäftigung, bleibst du auf deinen geleisteten Therapiestunden sitzen, die nie vergütet werden. Oder zu einem anderen Satz. Die Wirtschaftslage interessiert dich insofern, als dass du Miete, Strom, Büromaterialien und dergleichen mehr bezahlen musst. Da sogar eine selbstständige Logopädin knapp rechnen muss, könnte es sein, dass sich deine Arbeit nach Zahlung der Fixkosten kaum lohnt. Die Schulreformen interessieren besonders die Hamburgerinnen, weil durch die gebundenen Ganztagsschulen kaum Kinder Zeit haben, die Logopädin zu besuchen. Kurz, du wärst zwar Chefin, müsstest dich aber permanent an sich verändernde und verschärfende Gegebenheiten anpassen.
Liebst du es, Bewerbungsgespräche zu führen? Deine Angestellten werden ständig wechseln, weil sie schwanger werden oder woanders bessere Bedingungen zu finden glauben.

b) Du bist zwar angestellt, vertiefst dich aber so intensiv in ein medizinisches Störungsbild (also eine Krankheit) oder ein therapeutisches Verfahren, dass du zur Spezialistin wirst.
Das kostet dich sehr viele Fortbildungen, die du wahrscheinlich nur zum Teil von deiner Chefin finanziert bekommst. Es kostet dich ebenfalls viel Freizeit, weil du abwechselnd mit Seminaren und Fachliteratur beschäftigt bist. Wenn du Glück hast, wirst du damit über die Stadtgrenzen hinaus als Spezialistin bekannt. Die Krankenkasse wird dir das aber nie bezahlen. Nie. Du wirst genau den gleichen Stundensatz wie deine Kolleginnen bekommen, weil es der Krankenkasse egal ist, wie fundiert und spezialisiert du arbeitest. Natürlich könntest du die Krankenkasse mit wilden Tricks so richtig besch…en, um die krassesten Therapieverfahren abzurechnen. Da dich das deine Existenz kosten kann – lass es lieber.

c) Du lässt dich bei einem Träger einstellen, der nicht nur nach Tarif bezahlt, sondern sogar die Möglichkeit eröffnet, dass du die logopädische Abteilung leitest.
Kennst du dich mit Mitarbeitermotivation aus? Leitest du gern andere an und hast Lust auf ständig neue Praktikantinnen, die unterwiesen werden sollen? Liebst du Akten, Dokumentationen und Bürotätigkeiten? Schleimst du dich gern bei höheren Ebenen ein, damit das Management keine Stellen kürzt oder andere Maßnahmen beschließt, die die Arbeit in deiner Abteilung empfindlich verschlechtern? Super, dann solltest du diesen Weg wählen. Wesentlich mehr Gehalt solltest du aber nicht erwarten. Es geht nur um Ehre, wie immer.

Karriere im klassischen Sinn machst du also in keinem Fall, aber du hast Gestaltungsmöglichkeiten, wie dein Alltag aussieht.

Träumst du davon, krank zu werden und mit Fieber jede Patientin einzeln anzurufen, um zu sagen, dass du leider erkrankt bist und die Logopädie heute ausfählt? Liebst du es, mitten im Magen-Darm-Infekt Personen, die kaum deutsch sprechen, zu erklären, wer du bist und dass sie heute nicht kommen sollen?
Wie, das soll jemand anderes in der Praxis übernehmen – eine Kollegin oder die Bürokraft, die es in durchaus vielen Praxen gibt. Nein nein, die Bürokraft ist so mit dem Qualitätsmanagement beschäftigt, dass sie dir unmöglich helfen kann. Und deine armen Kolleginnen sind doch selbst in der Mittagespause mit Telefonaten und Berichten beschäftigt, genau wie du, wenn du gesund bist. Die haben auch Wichtigeres zu tun.

Herzlichen Glückwunsch, du hast es geschafft!
Na, wie viele „Ja“s hast du gesammelt?
Wenn du wirklich immer noch Logopädin werden möchtest, mach´ ein Praktikum und frag eine Sprachtherapeutin deines Vertrauens so richtig nach dem Alltag aus. Vieles von dem, was ich geschildert habe, wird sich ähneln. Anderes hörst du zum ersten Mal und ergänzt deine Sicht. Eventuell gerätst du an eine Person, die alles ganz anders darstellt und dir das Blaue vom Himmel holt – dann sei vorsichtig, es ist wahrscheinlich nicht wahr. Der Beruf als solcher ist abwechslungsreich und sehr intensiv. Letztlich sind es die Arbeitsbedingungen, die viele Logopädinnen nach einigen Jahren zum Aufgeben zwingen. Wenn dich meine offene und schonungslose Darstellung nicht geschreckt hat, solltest du loslegen. Bloß, weil fünf Jahre nach dem Examen nur noch 30% der Logopädinnen als solche arbeiten, kann dein Leben dennoch ganz anders verlaufen.

Wenn ich dich gründlich verschreckt habe, bin ich erleichtert, dass nicht noch mehr junge Frauen völlig selig diesen Beruf ergreifen und nach drei bis sechs Jahren frustriert und ausgebrannt aufgeben. Ich war eine fähige Therapeutin und haben vielen PatientInnen helfen können. Bis auf wenige Ausnahmen habe ich mit allen PatientInnen gern und mit Herzblut trainiert. Mit Menschen arbeiten ist wunderbar, ich liebe es nach wie vor. Bloß ob es ein klassischer sozialer Beruf sein soll und du wirklich im Gesundheitswesen arbeiten möchtest, solltest du dir gründlich überlegen. Es gibt so viele Möglichkeiten, als sprachbegabte und soziale Frau glücklich zu arbeiten und anständig bezahlt zu werden.
Packen wir es an!

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Seminare für erfolgreiche Events

Bereits vor einiger Zeit berichtete ich über die Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein und ihre Angebote. Leider melden sich manchmal nicht genügend Interessierte an, um die Seminare stattfinden zu lassen. Damit die Kurse weiterhin zu Stande kommen, ist es mir ein Anliegen, sie hier vorzustellen:

„Erfolgreich dekorieren – Schaufenster- und Ladendekorationen im Wandel der Jahreszeiten und zu Sonderthemen“ in Lübeck

„Die Feste feiern- Firmenveranstaltungen richtig planen und organisieren“ in Lübeck

„Praxiswissen Gastronomie: Tischdekorationen zu verschiedenen Anlässen“ in Husum und Kiel, aktuell läuft noch die Anmeldefrist zum Kurs am 02.11.2015!

„Praxiswissen Gastronomie: Klassische und besondere Serviettenformen als Dekorationselemente auf dem Tisch“ in Husum und Lübeck, nächster Termin am 04.11.2015

Die Kurse sind sowohl für Angestellte, die auf diese Weise fortgebildet werden, als auch für Privatpersonen zugänglich.

 

 

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aufmerksam

Therapiematerial für die Logopädie

Projekte liebe ich. Dass ich jemals aufwache und denke, mir fehle ein Projekt, kann ich mir nicht vorstellen. Überhaupt, die Welt ist, wohin ich schaue, voller Vorhaben und Konzepte.
Die Krux ist: Meiner Beobachtung nach benötigen die Kirchen, Konzerne, Praxen, Unis und anderen Anbieter von Dienstleistungen und Bildungsangeboten in Deutschland weniger neue Programme als vielmehr eine bessere, transparentere Darstellung des vorhandenen Portfolios an interessanten Angeboten.
Auch ich selbst könnte, statt wieder in meiner Freizeit ein neues privates oder ehrenamtliches Projekt zu eröffnen, mein vorhandenes Engagement klarer darstellen. Da ich keine Public-Relations-Trulla bin, ist mir das eher fremd, aber irgendwo muss ein Anfang ja beginnen 😉

So denn:
„Madoo.net“ ist eine Homepage, auf der SprachtherapeutInnen aller Berufsgruppen ihr Therapiematerial aus der eigenen Herstellung dem riesigen „Kollegium“ artverwandt Tätiger zur Verfügung stellen. Es kann kostenlos herunter geladen und in der täglichen Arbeit benutzt werden. Ich habe davon schon oft profitiert und ebenfalls Arbeitsblätter, die ich erstellt habe, hochgeladen.
Auch für SozialpädagogInnen, LehrerInnen und interessierte Eltern sind Informationen zur Aufklärung über Sprachschwierigkeiten sowie passende Ideen zur Förderung zu entdecken.

Hier geht es zu meinen therapeutischen Informationsblättern und Übungen.

 

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Irgendwann habe ich mir vorgenommen, es zur Gewohnheit werden zu lassen, die Abschiedsgeschenke der Patienten zu fotografieren – oft vergesse ich es aber auch…

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Buchempfehlung: „Voll streng, Frau Freitag!“ von Frau Freitag

Eine Gesamtschullehrerin, die in einem sozial schwachen Stadtteil einer nicht genannten Stadt Norddeutschlands arbeitet, berichtet in diesem Buch unter Pseudonym aus ihrem Alltag:
Ehrlich, nah am Geschehen und sehr humorvoll.
Ihre zehnte Klasse soll sich a) auf die anstehenden Prüfungen zum Realschulabschluss vorbereiten und sich b) auf Lehrstellen bewerben. Da die Jugendlichen bereits daran scheitern, sowohl regelmäßig als auch pünktlich in der Schule zu erscheinen, ist qualifizierter Unterricht meist Wunschdenken. Frau Freitag verzweifelt häufig daran, dass ihre Schüler kein Interesse an einem beruflichen Einstieg haben und gleichzeitig glauben, dass schon das Richtige von allein passiert, wenn die Zeit reif ist. Außerdem macht es ihr Sorgen, dass ihre Schützlinge davon ausgehen, dass es auch weiterhin für Jede und Jeden eine zweite, dritte und vierte Chance geben wird – so wie an der Schule eben.
Der Humor von Frau Freitag zeigt sich sowohl in zitierten Unterhaltungen mit den Jugendlichen (und deren weltfremden Zukunftsgedanken) als auch in ihren Reflektionen zum jeweiligen Thema. Das klingt dröge, ist es aber nicht! 😉
So wundert sich Frau Freitag beispielsweise, dass es pro Klasse an ihrer Schule ein bis drei Jungs gibt, die Zuhälter werden wollen, aber nie ein Mädchen, das ein Leben als Prostituierte anstrebt – und keinem Jungen jemals auffällt, dass sein Berufswunsch, wenn er sich in seinem direkten sozialen Umfeld umsieht, nicht zukunftsversprechend ist, weil es schlichtweg an „Angestellten“ fehlt.

Dies ist bereits der zweite Band von Frau Freitag, den ersten habe ich nicht gelesen – macht nichts, das hole ich bei Gelegenheit nach.
Wen eine ehrliche, praktisch ungefilterte Beschreibung des Schulalltags mit Jugendlichen interessiert und wer trotz der beschriebenen Realität lachen kann: Eine herzliche Empfehlung meinerseits!