aufmerksam, feminin, kreativ

Yeah, yeah, Bildungsurlaub! Kunst bis zum Umfallen

Vorab muss ich mich bei den BewohnerInnen von Kiel beschweren und entschuldigen: Eure Stadt ist wirklich, wirklich hässlich. Laut, zugebaut, seelenlos, überall Baustellenchaos. Das Klischee trifft leider wirklich voll zu. Nach einer Woche in Kiel fühlt sich der voran gegangene Norwegenurlaub Lichtjahre entfernt an.
Was ich überhaupt in Kiel wollte? Das Recht auf Bildungsurlaub nutzen: In Hamburg (und fast allen anderen Bundesländern) hat jede angestellte Person das Recht auf fünf Tage Sonderurlaub jedes Jahr. Jedes. Jahr. Und wer einmal nicht im Bildungsurlaub war, darf das darauf folgende Jahr gleich 10 Tage weg. Bildungsurlaub darf nach eigenen Interessen ausgewählt werden und dient der Erweiterung des Horizonts: Zum Sprachen lernen, für gesellschaftliche Themen, der eigenen Gesundheit zuliebe oder zum Auseinandersetzen mit Kultur.
Als ich noch Logopädin war, wurde es mir verboten (was rechtlich nicht legal ist), jetzt habe ich mein Recht eingefordert und habe einen Bildungsurlaub zum Thema Kunst mitgemacht.

Bildungsurlaub bedeutet, fünf Tage lang je acht Stunden in ein Thema einzutauchen:
Wir arbeiteten Lektionen über warme und kalte Farben ab und lernten Dinge mit Licht und Schatten plastisch darzustellen. Eine Aufgabe zur Komposition von Bildelementen gehörte ebenso dazu wie Zeit zum freien Gestalten.


Zum Glück waren wir eine nette, entspannte Gruppe: Keine Drama-Königinnen, keine Querulanten oder Jammerlappen dabei. Das ist sehr viel wert, ebenso wie eine kompetente und humorvolle Kursleitung, die meine ehrliche Art abkann („Die Aufgabe fand ich total blöd und hatte keine Lust drauf, aber dann hab ich es eben gemacht, ohne viel Zeit zu vergeuden, und da hängt es jetzt.“). Davon abgesehen war ich vesehentlich die Stimmungskanone des Kurses und wurde als personifizierte Lebensfreude betitelt, fand ich auch mal schön…

Tatsächlich ist auf meinen Bilder ständig Party und fröhliche Farben, obwohl das definitiv nicht beabsichtigt war. Und die Momente, wo eine Aufgabe „versehentlich“ in fünf Minuten fertig war und ich mich bei der Dozentin erkundigte, ob das jetzt ein Glücksgriff oder völliger Murks ist, bleiben mir auch in lebhafter Erinnerung. Ebenso wie die Erschöpfung am Abend, Kunst schaffen ist viel anstrengender, als man so denkt.
Also, bis auf die armen Sachsen und Bayern haben alle Bundesländer Gesetze zum Recht auf Bildungsurlaub. Einfach mal informieren, welchen Umfang der Anspruch im eigenen Wohnort hat, und schnellstmöglich Dänisch lernen, Yoga auf der Insel buchen, Exkursionen nach Portugal auswählen oder fotografische Projekte mitmachen! Wenn wir keinen Bildungsurlaub einfordern, wird er irgendwann wegen mangelnder Nachfrage abgeschafft: Das wäre doch sehr schade.

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Berufliche Veränderung: Sammlung von Gedanken und Artikeln zu Jobwechsel und Quereinstieg

Kirschen

 

Immer wieder treffe ich Menschen, die genau wie ich ihrem ursprünglichen Traum- und tatsächlichen Ausbildungsberuf den Rücken gekehrt haben. Viele frustrierte Frauen aus schlecht bezahlten sozialen Berufen natürlich, in deren Lebenslauf ich mich wiederfinde. Aber auch ganz andere Hintergründe, die dazu führen, dass wir uns kennenlernen und austauschen.
Über die Zeit habe ich einige Artikel zum Thema „Berufliche Veränderung“ geschrieben.
Um Personen, die über das Stichwort „Jobwechsel“ auf meine Seite finden, übersichtlich zu helfen, sammle ich hier die bisherigen Artikel.
Unabhängig davon freue ich mich über alle ehemaligen Logopädinnen, die mich anschreiben und um Rat bitten. Ihr seid immer herzlich willkommen! Alle anderen Frauen natürlich auch…

Warum immer mehr Logopädinnen hinschmeißen und sich neu orientieren:

Ein ehrlicher Bericht über das wahre Leben der Logopädinnen im Arbeitsalltag
sowie der „Club der ausgestiegenen Logopädinnen“: Ich suche Mitstreiterinnen!
Wie es überhaupt soweit kommt, dass immer noch viele junge Frauen von ihren Müttern und Lehrerinnen die Logopädie als hervorragenden Beruf mit Teilzeitoption zum Kinderkriegen empfohlen bekommen: Muttis Meinung

 

Tipps und Lektüre für alle Aussteigerinnen, Sich-neu-Orientierenden, Quereinsteigerinnen, Noch-einmal-Studierenden und geflüchtete Logopädinnen 😉 

Buchempfehlung für zwei Ratgeber voller praktischer Anleitungen, um Kompetenzen zu entdecken und Potenziale zu vertiefen. Kreativ, inspirierend, praktisch und weise – meine Lieblinge im Bücherregal

Rumjammern oder anpacken? Buchempfehlung für eine Anleitung zum Loslegen statt Abwarten
Viel zu gewinnen hat die, die den inneren Stillstand verlässt
Ein ehrlicher Blick auf das eigene Leben  hilft weiter als jedes „Ich müsste doch zufrieden sein“
Verantwortung für das eigene Leben übernehmen und Freiheit entdecken

Love it – change it – or leave it

Ein Ja zu Herausforderungen und neuen Perspektiven finden

Die richtigen Fragen erkennen und beantworten

Was MUSS ich wirklich? Und was glaube ich nur, dass ich es tun muss, weil alle anderen das behaupten? Eine Inspiration zum Entdecken von neuen Spielräumen und zur Befreiung aus engen Horizonten
Und: Ein Ja zu dem Satz „Dafür bin ich nicht zuständig“

Gedanken über den Mut, beruflich auszusteigen und sich neu zu orientieren: Leerstellen (im Lebenslauf) bedeuten oft Fülle

Tipps einer Quereinsteigerin

Kindheitsträume leben

Für all jene, die sich beruflich neu sortieren und dabei den Überblick über Ideen, Aufgaben, Pflichten und Freizeit haben wollen: Ideen zum effektiven und erfüllten Arbeiten

Neuer Mut für die, die bereits ihre Träume wahr werden lassen, aber plötzlich so mutlos und müde sind.

Sprüche für Mut zur Veränderung:
Wagemutig,
mit neuem Anlauf,
Philosophisches über die Arbeit,
Was in dir steckt, ist wichtig,
Lebensträume – Lebenaufgaben.

 

 

Küste

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Schätze aus Bremen

Gerade komme ich von zwei Fortbildungstagen aus Bremen zurück: „Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen (AVWS) – Möglichkeiten einer frühen Erfassung und Intervention“ mit Manfred Flöther (Oldenburg). Ein sehr kompetenter, mitreißender Referent mit viel Engagement für betroffene Kinder sowie interdisziplinären Austausch. Solche Leute braucht das Land! Ich bin sehr dankbar, dass ich an dem Seminar teilnehmen konnte.

Dankbar bin ich auch für die Zeit heute am späten Nachmittag nach dem Ende des Seminars, da ich noch durch’s Schnoor-Viertel gebummelt bin. Ich liebe die verwinkelten Gassen, die schiefen Fachwerkhäuschen und die Nähe zur Weser.
An dieser Stelle schließt sich der Kreis innerhalb meiner Einträge in dieser Woche: Ich habe mir über Konsum und Kultur Gedanken gemacht und habe heute beides genossen. Den intensiven fachlichen Austausch mit Kollegen vom frühen Morgen bis zum Nachmittag, und dann das Schlendern und Stöbern in den Geschäften im Schnoor. Da ich sowohl die Bahntickets für Freitag und Samstag als auch heute noch Geld in den schönen Lädchen Bremens ausgab, war es ein teures Wochenende – aber ein tolles!

Meine Bremer Schätze:
– das Seminar-Skript und meine Teilnehmer-Bescheinigung
– die Wiederentdeckung eines Buches aus meiner Zeit vor dem Examen, das ich aus meinem Bücherregal fischte und am Freitag in der Bahn vorbereitend las
(Leonhardt/ Zaiß: „Hörgerichtet fördern“ von Beltz)
– einen schönen Kettenanhänger mit einer großen und einer kleinen Perle
– einen „antiken“ kleinen Handspiegel (wird wohl aus den 50ern sein)
– Amethyst-Stücke, aus dem Stein geschlagen
– leckere Nußschnitte, die ich an der Weser in der Sonne gegessen habe, hinter mir ein Osterglockenmeer in den Wallanlagen.

Und das Beste war, dass ich in Hamburg in die S-Bahn nach Hause stieg und mir gegenüber eine Frau ein Buch mit dem Titel „Gib niemals auf“ auspackte. Ich meinte, mit einem Blick auf den Umschlag das Foto von Joyce Meyer erhascht zu haben, war mir aber nicht sicher. Die Frau las die letzten Seiten des Buches, und als sie es zuklappte, fragte ich, ob der Band von Joyce Meyer sei und ob ich einmal hineinschauen dürfte. Daraufhin reichte sie es mir herüber, sagte: „Ich hab’s durch, Sie können es behalten!“ und begann, an die Umsitzenden Karten von der Autorin und ihren Auftritten im Fernsehen zu verteilen.
Ich hatte vor, nach dem ganzen Trubel während der Woche und in Bremen morgen den Gottesdienst zu schwänzen und stattdessen auszuschlafen. Damit ich trotzdem geistig und seelisch versorgt werde, hat Gott mir eine nette Frau mit genau dem Thema vorbei geschickt, das mich gerade beschäftigt! Hätte ich mich nicht getraut, eine Fremde nach ihrer Lektüre zu fragen, hätte ich’s verpasst.

Danke, Gott.