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„Ich bin es nicht wert, dass du mich liebst“: Lebenslügen entlarven

„Aus den Ängsten, nicht genug zu bekommen, nicht genug Anerkennung, nicht genug Geld, aus der Angst, nicht dazu zugehören oder zu kurz zu kommen, hatte sich mein erstes Leben gespeist.“
Bodo Janssen in „Die Stille Revolution“

Batz! Dieser Satz knallte mir voll ins Gesicht.
Lebenslügen lenken uns unbewusst und begrenzen unseren Lebensweg. Sie engen uns ein, halten uns klein, zementieren Ängste.
Das Gemeine an Lebenslügen ist, dass wir sie selbst nicht erkennen. Als Taktgeber und Denkmuster sind sie in unsere DNA übergegangen. Scheinbar sind sie untrennbar mit uns verbunden. Nur selten haben wir genug Abstand und einen klaren Blick auf uns selbst, um diese inneren Grenzen zu entlarven.

„Ich habe nichts Besseres verdient (als das, was ich erlebe).“
„Ich muss mir Liebe und Vertrauen erst erarbeiten.“
„Ich muss immer mein Bestes geben, sonst überholen die anderen mich und ich bin die/der Letzte.“
„Wenn ich erst das Examen geschafft habe / den passenden Partner gefunden / ein Baby bekommen / ein Reihenhaus gekauft habe, werde ich endlich glücklich sein.“
„Ich bin nicht liebenswert und muss mich deswegen immer perfekt schminken und anziehen / anderen Gefallen tun / teure Geschenke machen, damit die anderen nicht merken, wie fehlerhaft ich bin.“
„Das Verhalten / der Erfolg meiner Kinder bestimmt meinen Wert als Mutter (und damit als Mensch).“

Wenn wir diese und andere Lebenslügen lesen, denken wir oft „Wer kann denn so einen Blödsinn denken und danach sein Leben ausrichten?“ Selbst, wenn Freundinnen erzählen, wie sie ihren persönlichen Taktgebern und Angstmachern begegnen, weisen wir noch jede Ähnlichkeit zu unseren eigenen Gedankengängen ab.
Ich habe selbst noch keinen zuverlässigen Weg gefunden, hinter meine Kulissen zu schauen und den blinden Fleck sichtbar zu machen. Bisher bin ich auf plötzliche Geistesblitze oder erhellende Lektüre angewiesen.
Umso glücklicher bin ich, wenn sich der Vorhang ein Stück hebt und ich Lebenslügen am Genick packen und ins Licht ziehen kann.

Zwei passende Lieder: Truth to be told von Matthew West und King of my heart,Bethel Worship

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Die Macht der Gedanken

„Gedanken waren wie Samen, die hässliches Unkraut oder blühende Wiesen hervorbrachten, sie waren Balsam oder Stachel in der Seele, gut oder böse, hässlich oder schön.
Es gab keine neutralen Gedanken.
Für Laura musste sich jeder entscheiden, so wie sie sich entschieden hatte, dem Schlechten in ihrem Leben keine Macht mehr zu geben.
Wie oft hatte sie gehört: Stell dich nicht so an! Er meint es nicht so! Sei nicht so empfindlich.

Sie war empfindlich, und das war gut so. Sie hatte eine feine Antenne für alle, die ihre Welt wieder dunkel werden ließen.“

aus: „Das Café der guten Wünsche“ von Marie Adams

 

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Raum für neue Ideen

dnemark241

 

Im Urlaub habe ich Ideen gesammelt – allerdings nicht die, die ich als Aufgabe mitgenommen hatte. Eine einzige der geplanten „Das denke ich mir in Ruhe im Urlaub aus“-Aufgaben habe ich erledigt, alle anderen schienen unterwegs noch unattraktiver als Zuhause…. Weshalb ich sie schön bleiben ließ, die Ferien sollten wir uns niemals selbst verderben. 😉

Anregungen für Momente, in denen Einfälle Lust haben könnten, zu uns zu kommen:

1.) Ein klassisches (oder anderes) Konzert genießen und dabei die Gedanken wandern lassen.
Wie mein Mann und ich feststellten, kann ein Live-Konzert zu fruchtbaren Ergebnissen führen:
Wir saßen in einer kleinen Dorfkirche aus dicken Feldsteinen mit weiß gekalkten Wänden. Um uns herum nichts als heller Raum (die Kirchen im Norden sind angenehm schlicht) und viele Senioren, die andächtig lauschten. Vorne eine talentierte Harfenistin, die sanft bis temperamentvoll spielte. So dachten wir beide, unabhängig von einander, über alles Mögliche nach und kamen auf gute Lösungen. Natürlich hatten wir geplant, ebenso andächtig wie die örtlichen DorfbewohnerInnen zuzuhören, aber das angenehme Pling-plong-plangplang-pling-plong der Harfe stellte sich als sehr inspirierend heraus. Bei einem Blasorchester oder einem Orgelkonzert wären wir sicher weniger dazu gekommen, über dies und das nachzusinnen.

2.) Allein eine sehr lange Radtour (oder Wanderung) unternehmen, die einen zwingt, sich unterwegs gedanklich zu beschäftigen. Eine kurze Radtour ist zu schnell vorbei, zu zweit ist es zu lustig. Aber allein bei brüllender Mittagshitze quer über´s Land zu radeln oder bei unaufhörlichem Nieselregen gegen den Wind anzutreten: Das fördert das menschliche Gehirn in seiner Kompetenz, sich gründlich abzulenken, statt verrückt zu werden und aufzugeben. Denn mitten im ländlichen Nichts das Rad in den Graben zu schmeißen war bekanntlich noch nie eine sinnvolle Lösung.

3.) Ungewollte Ideen begrüßen, statt erwartete Einfälle zu erzwingen.
Ich hatte mir in den Urlaub ganz konkrete Aufgaben mitgenommen, um die Zeit gut zu nutzen und weil ich annahm, ich würde mich damit gern beschäftigen. Ich verlor einige Tage Zeit damit, mich über mich selbst und meine fehlenden Inspirationen aufzuregen. Dann verlor ich Zeit, um mich über meine fehlende Disziplin im Urlaub zu ärgern (schließlich hatte ich doch den GANZEN TAG ZEIT, um Sinnvolles zu schaffen, also?! Warum ging es nicht???). Als nächstes verlor ich Zeit, mir einzureden, dass die Inspirationen, die stattdessen ungeplant kamen, blöd und sinnlos seien. Am vorletzten Tag des Urlaubs setzte ich mich hin und schrieb einen ganzen Haufen Papierbögen mit meinem Einfall voll. Völlig egal, was daraus wird, ich habe meine Kreativität letztlich doch in die Realität entlassen, auch wenn das Ergebnis nur „Spaß“ war und nicht in Geld zu verwandeln ist.

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„Psychologie Heute“ Sonderheft: „Ohne mich! Widerstand leisten gegen die Zumutungen der Zeit“

Normalerweise lese ich die Zeitschrift „Psychologie Heute“ nicht, weil ich den Eindruck habe, dass sie für meinen Geschmack zu psychoanalytisch geprägt ist. Mir ist die Psychoanalyse zu hierarchisch und patriarchalisch, weshalb ich um Inhalte aus dieser Denkrichtung einen großen Bogen mache.
Eine Ausnahme bildet das Sonderheft „Ohne mich! Widerstand leisten gegen die Zumutungen der Zeit“. Unterteilt in „Widerstand leisten“, „Grenzen setzen“ und „Abstand halten“ werden unterschiedliche Essays versammelt, die von philosophischen Gedanken bis zu praktischen Ideen viel Wissenswertes bieten.
Aus dem Vorwort:
„Indem wir den Ereignissen des Alltags unseren eigenen Sinn geben, respektieren wir uns selbst.
Indem wir nicht mehr länger etwas tun, nur weil es andere tun, zeigen wir unsere Individualität.
Indem wir darauf verzichten, Meinungen nur dann zu äußern, wenn sie niemandem weh tun, geben wir anderen die Chance, uns wirklich kennenzulernen.
Und: Indem wir Eigensinn lernen, sorgen wir für unsere körperliche Gesundheit und stärken unser psychisches Rückgrat. Unser Selbstbewusstsein wächst – und damit auch unsere innere Unabhängigkeit.“
Ursula Nuber

Wer Lust auf eine Runde Aussteigen aus der normierten, leistungsbezogenen Gesellschaft hat, ist eingeladen, einen Blick in dieses Sonderheft zu werfen.

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Neuer Blickwinkel

IMG_8100Durch ein sehr wertvolles Gespräch heute morgen kam ich auf eine Idee:

Ständig versuche ich, Dinge zu verbessern – privat und im Beruf. Oft reibe ich mich dabei auf, weil ich selbst meinen Ansprüchen nicht genüge oder gar nicht weiß, wie ich genau vorgehen will, um etwas zu verbessern.
Anhand der Überlegungen bezüglich familiärer Prägungen und eingeschliffener Verhaltensmuster wurde mir klar, dass es weniger darum geht, etwas besser zu machen, sondern vielmehr darum, etwas anders anzugehen.
Wenn ich etwas besser machen will, bedeutet das, dass ich meiner Linie treu bleibe und ihr etwas hinzufüge, sie optimiere.
Wenn ich etwas anders machen will, bedeutet das, dass ich von meiner Linie abweiche und aus einem eingespurten Weg auf’s freie Feld gerate.
Das ist vielleicht hoppelig und unbequem, alte (scheinbare) Sicherheiten wirken nicht mehr, aber dafür eröffnet sich mir ein völlig anderer Blickwinkel, eine andere Perspektive. Vielleicht sogar ein neuer Horizont.
Der alte Druck der inneren Perfektionistin, dass das Neue auch wirklich signifikant besser sein muss, bleibt aus. Weil etwas anderes nicht vergleichbar und nicht steigerbar ist.
Und damit wirklich tiefgreifend verändert.