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Skandinavien für Anfänger: Die besten Reiseziele

Sonnen am Strand von Sylt, Party in Barcelona, wandern im Fjäll – was die einen in den Ferien lieben, finden die anderen ganz schrecklich.
Wohin wir in den Urlaub reisen, ergibt sich oft aus Prägungen und Gewohnheiten. Während die einen die Abwechslung schätzen, fahren andere jedes Jahr in den gleichen Ort ins gleiche Hotel. Manchmal deshalb, weil wir es aus Kindertagen noch so kennen. Manchmal deshalb, weil wir im Urlaub den Gegenentwurf zum Alltag leben wollen. Die Wahl unseres Urlaubsortes und der Aktivitäten vor Ort verrät viel über uns und ist oft nur schwer verhandelbar. Die einen hassen Schweden, die anderen hassen Sardinien, Gewohnheiten lassen sich nur schrittweise verändern.

Heute schreibe ich für alle, die noch nie in Skandinavien waren und entweder selbst neues Terrain entdecken wollen oder von anderen dazu gedrängt werden liebevoll eingeladen werden.
Dabei arbeiten wir uns von Süden nach Norden hoch, vom Lieblichen ins Rauhe.
Überall wird in Landeswährung mit Kronen bezahlt, nur in Finnland (und Teilen von Süddänemark) können wir Euros benutzen. Generell ist das Preisniveau höher als bei uns, weil der großzügige Sozialstaat seine Steuern auch über Nahrungsmittel und Genussmittel bezieht (statt Landwirtschaft zu subventionieren wie bei uns). Alkoholisches und Süßes ist besonders teuer, aber gleichermaßen verzichtbar – wer an dieser Stelle viel Geld ausgibt, braucht sich nicht beschweren. Im Sommer können überall in Skandinavien an den Wegrändern wilde Mirabellen, Äpfel und Brombeeren geerntet werden, die Wälder sind voller Blaubeeren. Damit ist die Vitaminzufuhr kostenlos gedeckt, und die Straßenstände mit Erzeugnissen aus dem eigenen Garten liefern gute und bezahlbare Waren.
Da alle Deutschen mörderische Horrorgeschichten von Mückenplagen in Skandinavien kennen, nehme ich dazu natürlich im jeweiligen Land Stellung.


Dänemark ist das ideale Land, um Skandinavien zu beschnuppern: Die Nordseeküste mit hohen Dünen und rauschender Brandung, die Ostseeküste mit flachem Kieselstrand oder malerischen Kreidefelsen (Insel Møn). Das Landesinnere ist sehr unspektakulär, die „dänische Südsee“ mit den Inseln Ærø, Fyn, Langeland, Lolland, Falster und Sjælland schon wesentlich abwechslungsreicher: Hügelige Felder, niedliche Kleinstädte mit historischen Häuschen und Kopfsteinpflaster, lange Strände, ehrwürdige Gutshöfe. Dabei bleibt Dänemark immer malerisch und weitgehend harmlos, weshalb es bei Familien mit kleinen Kindern so beliebt ist.
Und DänInnen haben Humor, wie diese und diese Werbung für den Nahverkehr beweisen.
Der Mückenstatus in Dänemark ist der gleiche wie bei uns: In feuchten Wäldern kommt durchaus mal eine vorbei und sticht auch, sonst gibt es keine.

Mein persönlicher Favorit ist die Insel Bornholm, die von Rügen aus mit der Fähre oder von København (Kopenhagen) aus mit dem Flugzeug erreicht wird. Bornholm gehört zu den sonnigsten Regionen Skandinaviens und bildet die umliegenden Ostseestaaten en miniature ab:
Dramatische Felsen im Norden, endlose feinsandige Strände im Süden, die größte Burgruine Nordeuropas im Westen, malerische Küstenorte im Osten, einzigartige Rundkirchen und Felsmalereien, urzeitliche Farnwälder und Schluchten, ein wildes Waldgebiet… Dicht beieinander liegen auf Bornholm sehr viele Landschaften, die sich extrem unterscheiden. Dazu eine sehr originelle, spleenige Künstlerszene, Museen, Werkstätten, Outdoor-Sport, Konzerte und Kulinarik. Alles mit dem Fahrrad erreichbar, es gibt auch diverse Inselbusse. Die Menschen sind freundlich und humorvoll, wie überall in Skandinavien. Neben englisch sprechen viele deutsch und haben sogar einige Jahre in Deutschland gelebt.
Wer also ganz harmlos einsteigen und dennoch viel erleben möchte, sollte die Annährung an Skandinavien auf Bornholm beginnen. So abwechslungsreich, friedlich und fröhlich ist es sonst selten auf der Welt. Hier erzähle ich von den liebenswerten Eigenheiten Bornholms.
Wer wissen möchte, warum die Skandinavier die glücklichsten Menschen der Welt sind, kann sich mit dieser Lektüre sehr unterhaltsam informieren.
Ach, und Mücken gibt es keine. KEINE.

Schweden zeichnet sich einerseits durch tiefe Wälder und endlose Seen und andererseits durch seine fantastische Schärenlandschaft aus. Wenn ich nicht nach Bornholm darf, möchte ich wenigstens auf einer Schäre Urlaub machen! Für Wassersport in allen Varianten ist Schweden ideal, nur surfen klappt in Dänemarks wilden Nordseewellen besser.
Die meisten Schweden-Fans lieben ihr Ferienhaus im Wald direkt am See zum Angeln, Kanu fahren und Wandern. Erdbeerfelder zum Selbstpflücken, Volksfeste mit historischen Tänzen und die ewige Suche nach einem echten Elch sind typisch für Urlaube in Schweden.
Unbedingt gehört das Open-Air-Konzert „Allsång på Skansen“ in Stockholm auf der Insel Djurgården dazu: Fantastische Stimmung mit BesucherInnen aus ganz Skandinavien, während die aktuellen Charts und schwedische Evergreens zusammen mit den Stars gesungen werden. Viele Kinder, SeniorInnen und Menschen mit Handicap sorgen für ein wunderbares Gemeinschaftsgefühl.


Stockholm ist eine der schönsten Hauptstädte überhaupt, auf 14 Inseln gebaut und mit 30% Wasser in der Stadtfläche. Von imposanten Bauten in der Innenstadt wie dem Schloss und dem Rathaus geht es in wenigen Minuten in die süßen Gassen von Gamla Stan und Östermalm oder in die entgegengesetzte Richtung auf die Insel Djurgården: Wald, Wiesen, Villen, Museen, ein Zoo, ein Vergnügungspark – die reine Lebensfreude mitten in der Stadt und doch gefühlt weit draußen.
Sehr weit draußen fühlt sich auch ein Ausflug auf die Schären an, dabei dauert die Fahrt mit den Fähren ab der Innenstadt nur eine halbe Stunde – oder länger, je nachdem, wohin es in den Skærgården (Schärengarten) gehen soll.

Wir wohnten auf einer Insel außerhalb des innersten Stadtgebiets im Grünen, waren mit dem Rad in 15 Minuten an der Endstation der Tunelban (U-Bahn) und damit schnell im Zentrum. An manchen Tagen waren wir auch komplett mit dem Rad im Stadtgebiet unterwegs, ein Auto braucht man in Stockholm wirklich nicht. Ferienwohnungen gibt es überall in Stockholm, aber auch ganz besondere Unterkünfte wie ein altes Holzschiff oder ein Gefängnis.
Hier erzähle ich mehr über bestimmte Orte und Erlebnisse.
Tja, und die lästige Fragen nach den lästigen Mücken: Wer direkt am See wohnt oder, noch besser, im Fjäll, sollte Mückenspray und lange, feste Hosen mitnehmen. Ich werde sehr gern gestochen, aber es war noch nie so schlimm, dass wir abends deswegen hätten nach drinnen umziehen wollen. Also: Ja, es gibt Mücken, aber normalerweise bleibt ihre Zahl übersichtlich.

Norwegen kannte ich lange Zeit nur im Süden, weil ich dem Vorurteil glaubte, der Rest des Landes sei wahnsinnig rau und abweisend.
Stimmt nicht!
Diesen Sommer waren wir in der Region um Ålesund unterwegs und es war fantastisch! Berge und Meer gleichzeitig, sehr warmherzige Menschen überall, tolle Wandertouren, ständig freilaufende Tiere aus den umliegenden Höfen – wir hatten eine Menge Spaß. Und keine einzige Mücke, was ja die große Angst viele Skandinavienurlauber ist. Grandiose Natur gibt es in Norwegen definitiv überall, von den Sandstränden im Süden über die tiefen Wälder im Osten bis zu den Fjorden im Westen.
Wunderschöne Städte mit historischem Kern inklusive Kultur wartet auf die, die nicht ständig Mountainbiken und Wandern wollen.


Oslo hat uns gut gefallen, kann aber in meinen Augen Stockholm nicht von der Position der schönsten Hauptstadt vertreiben. Ob Oslo eine der teuersten Städte weltweit ist, kann ich nicht sagen: Ich finde es überall in Skandinavien teuer. Oslo hat, ähnlich wie Stockholm, ein sehr abwechslungsreiches Stadtbild:
Fantastische Parks (Botanischer Garten, Skulpturenpark Ekeberg), eine Festung direkt am Hafen, Wasserfälle mitten in der City, großartige Museen auf der Insel Bygdøy (über die Wikinger, die Entdeckung des Nordpols, das Leben vor hundert Jahren in Norwegen). Oslo macht einfach Spaß, und lässt sich auch mit einem kleinen Budget erkunden. Tipps dazu gebe ich hier.
Mit Ausflugsbooten, die direkt am Rathaus starten, können die kleinen Inselchen direkt vor Oslo besucht werden. Einfach von Insel zu Insel gondeln, jede hat ihren eigenen Charakter. Ein toller Tagesausflug!
Niemand braucht in Oslo ein Auto, vieles ist per Fuß oder Fahrrad erreichbar, sonst gibt es Straßenbahnen. Überall im Stadtgebiet werden Ferienwohnungen angeboten, wer früh bucht, zahlt faire Preise. Für alle, die auch in Norwegens Hauptstadt am liebsten draußen sind, gebe ich hier Tipps weiter.

Warum die NorwegerInnen so glücklich sind (und wir mit ihnen), erzählte ich hier.

Kommen wir zuletzt nach Finnland, das wir tatsächlich erst ein Mal besucht haben, weil die völlig fremde Sprache lange abschreckte. Natürlich sprechen in Finnland fast alle englisch, wie überall in Skandinavien, aber bei Straßenschildern, Namen von Geschäften und Zutatenlisten sind wir Deutschen völlig aufgeschmissen. Finnisch sieht aus, als hätte ein sehr wildes kleines Kind Scrabble gespielt und mit Vorliebe die Buchstaben doppelt eingesetzt. Der Rest ist einfach nur Chaos.
Wer sich halbwegs selbstständig orientieren möchte, sollte nach Südfinnland reisen, ganz besonders in den Schärengürtel: Hier leben fast nur Finnlandschweden, alles ist schwedisch ausgezeichnet, das erleichtert das Verständnis erheblich.


Wir haben die zwei Wochen in unserem großen Ferienhaus mitten in der Natur sehr genossen. Es war so unbeschreiblich friedlich wie noch nirgends sonst auf der Welt. Bereits mehrere Bekannte und Kolleginnen erzählten von dem gleichen Frieden, den sie in Finnland erlebt haben. Keine Ahnung, wieso, aber diesen Eindruck teilen die meisten BesucherInnen.
Helsinki liegt, genau wie Stockholm und Oslo, am Meer, was auch hier den besonderen Reiz ausmacht. Wie immer fahren direkt ab dem Zentrum in enger Taktung Fähren zu den vorgelagerten Inselchen, Suomenlinna ist besonders beliebt. Sonst zeichnet sich Helsinki durch herrschaftliche Gebäude und prächtige Straßen aus, der botanische Garten und viel Wasser rund um die Innenstadt sorgen für eine angenehme Atmosphäre.


Hier teile ich Tipps für einen Einkaufsbummel durch Helsinki.
Wohlfühlen in Finnland, so geht´s erkläre ich hier.
Wer einen Tag in Turku verbringen möchte, findet hier diverse Tipps.
Und wer ein Haus auf den Schären erwischen möchte, kann hier von meinen Erfahrungen lesen.
Und die Mücken? Wir haben nur wenige erlebt, dafür waren sie umso giftiger. Als Entschädigung waren die Menschen alle sehr hilfsbereit und fröhlich, ganz entgegen alter Klischees von depressiven FinnInnen.

aufmerksam, glaubhaft

Die perfekte Urlaubsplanung ohne Auto: Anleitung zu deutscher Maßarbeit

Wanna live here?

Oh, wie schön ist Panama: Verreisen macht Spaß, aber im Vorfeld auch eine Menge Arbeit. Insbesondere für diejenigen, die a) ohne Auto unterwegs sind und b) gern in hochpreisige Länder reisen (wie Skandinavien), aber ein bestimmtes Budget einhalten wollen. Zufälliger Weise trifft das auf meinen Mann und mich zu, weshalb die Urlaubsplanung jedes Jahr anstrengend und nervenaufreibend ist.
Grundsätzlich bin ich diejenige für den groben Plan (in welches Land reisen wir mit welchem Verkehrsmittel und in welche Auswahl von Ferienhäusern), während mein Mann das gesamte Feintuning der An- und Abreise sowie die Fortbewegung vor Ort organisiert.
Das funktioniert sehr gut, dennoch haben wir zwischenzeitig immer ein riesiges Chaos aus diversen Orten und Unterkünften, aus denen wir eine finale Entscheidung treffen müssen.

Deshalb setzte ich eine Tabelle mit allen relevanten Infos auf, die hilft, den Überblick zu behalten. Da wir sicher nicht die Einzigen sind, die ohne Auto leben und verreisen, verrate ich heute die Anleitung zum Marshall-Plan – äh, Masterinplan.

Die Tabelle bekommt sechs Spalten:
– Eine für den Ortsnamen bzw. die Region,
– eine für den Namen des Inserats zum Ferienhaus bzw. den Link zur Ferienhausvermietung,
– eine für die Art der An- und Abreise sowie die Verkehrsmittel vor Ort,
– eine für die durchschnittliche Fahrtzeit mit Bus/Bahn bis zur nächsten Stadt (für alle, die gern im Grünen urlauben, aber dennoch Kultur und Abwechslung wünschen),
– eine für den Gesamtpreis der Übernachtungen sowie der An-/Abreise
– sowie eine für Anmerkungen:
Mit großem Garten, mit Schlafzimmer auf einer offenen Galerie, mit kostenlosen Fahrrädern, mit freilaufenden Hühnern, mit Badewanne, was auch immer.
Damit können sowohl negative Punkte (Schlafen auf offener Galerie) wie Pluspunkte (mit gratis Rädern) festgehalten werden, die bei der endgültigen Entscheidung helfen.
Alle Unterkünfte ohne öffentliche Verkehrsmittel im näheren Umfeld fliegen leider raus, und alle mit langen Wegen bis zum nächsten Supermarkt auch. Beides gilt besonders, wenn keine Räder zur Verfügung stehen und daher alles zu Fuß erreichbar sein muss.
Tipp für Profis:
In der Tabelle gleich die landestypische Bezeichnung für Flugzeug, Fähre, Bus, Zug usw. benutzen, damit sie sich einprägt und um sich auf Websites in Landessprache besser zu orientieren!

Wanna live here?

Soweit kam ich gestern, wo ich offensichtlich ohne es zu bemerken die Tabelle abends unter dem Titel „UrlaubTabletteUnterkunft“ abspeicherte. Ich meinte natürlich Tabelle, nicht Tablette, aber irgendwann macht mich die ganze Recherche nur noch rammdösig.
Heute tagte dann die große Konferenz der Urlaubsort-Wahl, mit dem unbefriedigenden Ergebnis, dass ich alle anschreiben solle, ob ein Fahrrad vorhanden sei. Wer eins habe, sei eine Runde weiter, wer nicht, eben auf nachrangige Plätze gerutscht.
Meine Güte, dabei wollte ich doch einfach nur eine Entscheidung fällen!
Und außerdem ritten sämtliche FerienhausinhaberInnen ständig auf der Parksituation und dem Vorhandensein von Garagen oder privaten Parkplätzen herum, sodass ich kritisch anmerkte, dass alle derart Auto-fixiert schienen, dass doch bestimmt niemand zwei Räder kostenlos vorrätig hielt. In diesem Urlaubsland wohl nicht!


Dann packte mich der Gedanke, warum ich die Existenz von gratis Rädern denn so vehement ausschloss, wenn es doch gar nicht in meiner Macht lag, ob es welche gab oder nicht?
Vielleicht waren sehr wohl welche vorhanden, aber sie wurden sonst nicht nachgefragt? Oder die Nachbarin half netterweise mit Rädern aus? Warum sich über Dinge ärgern, die ich gar nicht beurteilen kann?
Also beschloss ich still, die ganze Sache Gott entscheiden zu lassen. Jesus kannte sämtliche VermieterInnen und ihr Engagement, Räder aufzutreiben oder nicht. Und er wusste auch, in welchen Häusern und Orten wir uns nicht wohlfühlen würden und wo uns der Fakt, dass Räder fehlten, zu der sinnvollen Entscheidung, dort nicht hinzufahren, verhelfen würde.
Wenn ich nicht weiter weiß, lass ich Gott ran.
Also verbiss ich mir weitere Kommentare und schrieb allen VermieterInnen in der näheren Auswahl, ob sie „bikes“ hätten.

Wanna live here?

Daraufhin wurde ich gerügt, dass wir doch wohl keine Motorräder haben wollen und ich besser „bicycle“ schrieb. Hups, da war die Hälfte der VermieterInnen schon kontaktiert.
Die wiederum im Sekundentakt antworteten, dass wir Räder haben könnten: Eigene, Ersatzräder, die von den großen Kindern (vielleicht meinten sie auch Motorräder: eigene, Ersatzmofas oder die von den Kindern?).
Ha!
Und dabei hatten all die Auto-fixierten Fotos von Garagen in den Anzeigen nahegelegt, dass eh niemand jemals in diesem Land Rad fuhr.
Was soll ich sagen?
Klappe halten, Gott machen lassen, schon sind mehr Räder und damit mehr Ferienhäuser zur Auswahl, als wir jemals brauchen.

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Reise nach Stockholm: Orte

Schwedens Hauptstadt Stockholm ist auf 14 Inseln erbaut, die nach und nach eingemeindet wurden. Die Inseln liegen im Mälarsee und dem Saltsjön, der ein Ausläufer der Ostsee ist. So ist in Stockholm meist eine Brise zu spüren und oft liegt der Geruch von Wasser in der Luft, was ich beides sehr mag. Vor Antritt der Reise hatte ich zwei Reiseführer besorgt und etwas im Internet recherchiert – leider mündeten viele der Hinweise in überlaufenen Plätzen und waren nicht so „wundervoll und herausragend“ wie angekündigt. Ohne Reiseliteratur finde ich die erste Orientierung schwierig; habe ich jedoch einen Reiseführer in der Hand, halte ich mich oft sehr eng daran und vezweifle, wenn ich einen bestimmten Hinweis nicht wiederfinde („Hier sollten doch Häuser der neuen Sachlichkeit und im Bauhaus-Stil stehen! Wo sind die denn jetzt? Das ist doch der Tessin-Park! Und warum finde ich die Beschreibung dazu im Reiseführer nicht wieder???“).
Ich behaupte nicht, die gesuchten „Geheimplätze“ gefunden zu haben:
Meine Tipps verstehen sich als Hinweise an jene, die Orte mögen, die auch von Schwedinnen gern aufgesucht werden.


Second-Hand-Geschäft „Myrorna“: Wer „Stilbruch“ in Hamburg kennt, braucht keine näheren Beschreibungen – dies ist das schwedische Äquivalent. Soweit ich es verstanden habe, werden hier gespendete Möbel, Bilder, Lampen, Spiegel, Geschirr, Dekorationsobjekte, Tischdecken, Gardinen sowie Kleidung für Damen, Herren und Kinder verkauft. Das Personal besteht aus Menschen, die wieder eingegliedert werden bzw. auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance haben. Sie werden im Verkauf angeleitet und führen weitere Tätigkeiten aus, wie zum Beispiel wirklich schöne Tragetaschen aus gespendeten Stoffen zu nähen. Da die SchwedInnen sehr modeaffin sind, kaufen sie häufig neue Kleidung und sortieren sie offensichtlich ebenso schnell wieder aus, wodurch viel Potential für Second-Hand-Geschäfte entsteht. Sowohl Geringverdiener als auch Kundinnen mit eigenem Stil können hier fündig werden. Neben Vintagestücken hängt hier ebenso Kleidung, die scheinbar vor wenigen Stunden erst im originalen Geschäft über die Theke gingen, so „up to date“ ist sie. Wirklich schöne Geschirrtücher und Porzellan- sowie Glaswaren lassen sich hier ebenfalls finden (ich sage nur: Kosta Boda!), die gut erhaltenen Möbel waren für das Flugzeug leider zu groß… Überall in Schweden bestehen Filialen, wer schwedisch besser kann als ich, wird auf der Homepage mehr über die Hintergründe lesen können.


Mattssons Band: Verfolgt man die Kungsgatan vom Stureplan Richtung Centralstation, findet sich in der Hausnummer 19 ein ganz wundervolles Geschäft für alle, die gern nähen: Ich habe bereits viele Geschäfte mit Stoffen und Zubehör besucht, aber eine derart überwältigende Auswahl an Knöpfen, Spitzen, Litzen, Kordeln, Bändern und so weiter habe ich zuvor nicht entdeckt. Folgt man der Kungsgatan, sind einige Schritte weiter rechts Panduro-Hobby, links ein Teeladen sowie rechts ein Spielzeuggeschäft zu finden.

IMG_7960Bonscheladen „Polkapojkarna“: In einem hübschen Laden mit offener Werkstatt werden Bonbons nach traditionellen Rezepturen angefertigt. Durch eine große Scheibe kann dabei zugesehen und die Produkte direkt probiert werden. Eine gute Gelegenheit für Mitbringsel!
(Lilla Nygatan 10, Gamla Stan)

Eiscafe „Stikki Nikki“: Die Schwedin Nicole Emson kreiiert seit 2008 Eissorten, die jenseits der üblichen Verdächtigen „Vanille, Erdbeer, Schokolade“ liegen. So testete ich zum Beispiel „Banana Curry“, eine süß- scharfe Kreation mit Chili-Stücken. Auch hier liegen die Preise, wie fast überall in Stockholm, bei 29,- schwedischen Kronen pro Kugel, dafür sind sie so groß wie drei.
(Götgatan, Mariatorget, Drottninggatan)

IMG_7918„Lagerhaus“: Wer „Butlers“ und „Depot“ kennt, hat hier die schwedische Schwester gefunden:
Vieles für die Küche, einiges für das Bad, dazu dekorative Dosen in Form von Eulen und Fabriken (?!)  sowie Geschenkpapier und kreatives Zubehör.

„Cafe Rival“: Ein Cafe neben dem „Hotel Rival“, das eine schöne Terrasse am ruhigen Park mit blühenden Blumenkästen hat. Das Innere des Cafes ist ebenfalls sehr ästhetisch und gleichzeitig gemütlich eingerichtet, die Speisen haben, wie überall in Stockholm, ihren Preis.
(Mariatorget 3, Södermalm)

IMG_7920„Svensk Tenn“: Ein alteingesessenes Einrichtungsgeschäft, das den „schwedischen Stil“ maßgeblich durch moderne Entwürfe, die in der Tradition verwurzelt sind, geprägt hat und bis heute prägt. Ein optischer Traum… (Strandvägen, Östermalm)

Skulpturengarten „Millesgarden“: Auf der östlichen Nachbar Insel Stockholms, Lidingö, liegt gut erreichbar der Skuplturengarten „Millesgarden“. Der Künstler Carl Milles besaß dort Wohnhaus und Atelier, die heute inklusive einer großen Auswahl seiner Werke zu bewundern sind. Die schöne Anlage mit verschiedenen Gärten und einer gesonderten Ausstellungshalle für wechselnde Themen ist wirklich einen Besuch wert. Und da sich die Insel Lidingö als Basisstation (Ferienwohnung) gut eignet, fuhren wir gleich an unserem zweiten Tag dort vorbei.

Die Inseln Riddarholmen, Skeppsholmen und Kastellholmen sind ebenfalls, jenseits vom Trubel auf Gamla Stan und in den anderen Innenstadt-Bereichen, schöne Orte um Architektur zu betrachten und auf einer Bank eine Pause einzulegen.

 

In Kürze folgen die Artikel „Reise nach Stockholm: Erlebnisse“ sowie
„Reise nach Stockholm: Souvenirs“.