aufmerksam, glaubhaft

Ich danke Gott und freue mich

Täglich zu singen

Ich danke Gott und freue mich
Wie′s Kind zur Weihnachtsgabe,
Dass ich bin, bin! Und dass ich dich
Schön menschlich Antlitz habe;
Dass ich die Sonne, Berg und Meer,
Und Laub und Gras kann sehen,
Und abends unterm Sternenheer
Und lieben Monde gehen.
Und dass mir dann zu Mute ist,
Als wenn wir Kinder kamen
Und sahen, was der heilge Christ
Bescheret hatte, Amen!

Ich danke Gott mit Saitenspiel,
Dass ich kein König worden;
Ich wär geschmeichelt worden viel
Und wär vielleicht verdorben.
Auch bet ich ihn von Herzen an,
Dass ich auf dieser Erde
Nicht bin ein großer reicher Mann,
Und wohl auch keiner werde.
Denn Ehr und Reichtum
treibt und bläht,
Hat mancherlei Gefahren,
Und vielen hat´s das Herz verderht,
Die weiland wacker waren.

Denn all das Geld und all das Gut
Gewährt zwar viele Sachen;
Gesundheit, Schlaf und guten Mut
Kann’s aber doch nicht machen.
Gott gebe mir nur jeden Tag,
So viel ich darf zum Leben,
Er gibt′s dem Sperling auf dem Dach;
Wie sollt′ er′s mir nicht geben!

Matthias Claudius
(* 15.08.1740, † 21.01.1815)

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Bemerkenswert ist, dass Matthias Claudius in Zeiten lebte, die große politische und wirtschaftliche Umwälzungen erfuhren: Europa wurde nach Napoleons Schlachten neu geordnet, und mit dem Siegeszug der Dampfmaschine schritt die Industrialisierung zügig voran. Claudius hatte eine große Familie und war finanziell stets sehr eingeschränkt. Dennoch die tiefe Dankbarkeit in seinen Liedern zu erleben, ist ein starkes Zeugnis.

Die für mich schönste Vertonung des Gedichts stammt von Jürgen Werth. An dieser Stelle würde ich zum Reinhören gern einen Link zu Youtube einfügen, leider ist seine Melodie zu Claudius´ Text nicht öffentlich zugänglich.

aufmerksam, glaubhaft

Wie ein Fest nach langer Trauer

Wie ein Fest nach langer Trauer,
wie ein Feuer in der Nacht.
Ein off’nes Tor in einer Mauer,
für die Sonne aufgemacht.
Wie ein Brief nach langem Schweigen,
wie ein unverhoffter Gruß.
Wie ein Blatt an toten Zweigen
ein Ich-mag-dich-trotzdem-Kuss.

So ist Versöhnung, so muss der wahre Friede sein.
So ist Versöhnung, so ist Vergeben und Verzeih’n.

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Wie ein Regen in der Wüste,
frischer Tau auf dürrem Land.
Heimatklänge für Vermisste,
alte Feinde Hand in Hand.
Wie ein Schlüssel im Gefängnis,
wie in Seenot „Land in Sicht!“.
Wie ein Weg aus der Bedrängnis
wie ein strahlendes Gesicht.

So ist Versöhnung, so muss der wahre Friede sein.
So ist Versöhnung, so ist Vergeben und Verzeih’n.

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Wie ein Wort von toten Worten Lippen,
wie ein Blick, der Hoffung weckt.
Wie ein Licht auf steilen Klippen,
wie ein Erdteil neu entdeckt.
Wie der Frühling, wie der Morgen,
Wie ein Lied, wie ein Gedicht.
Wie das Leben, wie die Liebe,
wie Gott selbst, das wahre Licht:

So ist Versöhnung, so muss der wahre Friede sein.
So ist Versöhnung, so ist Vergeben und Verzeih’n.

Text: Jürgen Werth 1988
gefunden auf Songtexte.com

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Dieses Lied haben wir Anfang der neunziger Jahre jeden Mittwoch in der Jungschar gesungen. Jeden Mittwoch wieder, wenn wir uns noch ein letztes Lied wünschen durften.
In einem wunderbaren Seminar vorgestern kam es mir im Rahmen einer Aufgabe zu positiven Assoziationen wieder in den Sinn.
Gibt es für dich ein Lied, das dir einmal wichtig war und noch heute eine wichtige Botschaft enthält? Vielleicht lohnt es sich, den Liedtext auszudrucken, über den Bildschirm zu hängen, an den Spiegel, über den Küchentisch. Es auf den Nachtschrank zu legen und mit der Melodie im Kopf, der Botschaft im Herzen einzuschlafen.

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Geborgenheit in Gott

Geborgenheit in Gott

Wo immer Du gehst,
Wo immer Du stehst,
Was immer Du tust,
Wo immer Du ruhst,
Du bist in Gottes Hand
Und bist dort wohl geborgen.

Er ist Dein Vater,
Der Dich liebt,
Und Dir die Kraft
Zum Leben gibt.

ER hat Dich
In Seine Hand geschrieben;
Auf ewig bist Du Sein.

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  Heinz Pangels, 1981

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Dieses Gedicht fand ich bei der Recherche für einen Abend in unserer Gemeinde. Mir hat der Segen gleich gefallen – nur die hartnäckige Benennung von Gott als „Vater“ stört mich, weil der Name Gottes „Jahwe“ so viel mehr bedeutet als das ewige „Herr und Vater“. Seit Jahrhunderten einseitig übersetzt und unreflektiert weitergegeben, hat die vielschichtige Bedeutung der Bezeichnung „Gott“ im christlichen Glauben viele Facetten verloren.

Ein sehr guter Text zum Thema „Warum es die Bibel verfälscht, Jahwe stur mit „Herr“ zu übersetzen“, ist hier zu finden. Sehr eindrücklich!

aufmerksam

Nachmittag im schwedischen Sommer

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Und dann Hochsommer

Nicht das, was ihr bloß so nennt,

sondern etwas Stärkeres:

ein richtig altmodischer Hochsommer,

mit Hummelgebrumm und der diskreten

Argumentation des Wiesenknarrers,

der zugleich weit weg ist

und tief drinnen im Ohr.

Lars Gustafsson

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aufmerksam

Der Frühling ist wach

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Frühling

Was rauschet, was rieselt, was rinnet so schnell?
Was blitzt in der Sonne? Was schimmert so hell?
Und als ich so fragte, da murmelt der Bach:
»Der Frühling, der Frühling, der Frühling ist wach!«

Was knospet, was keimet, was duftet so lind?
Was grünet so fröhlich? Was flüstert im Wind?
Und als ich so fragte, da rauscht es im Hain:
»Der Frühling, der Frühling, der Frühling zieht ein!«

Was klingelt, was klaget, was flötet so klar?
Was jauchzet, was jubelt so wunderbar?
Und als ich so fragte, die Nachtigall schlug:
»Der Frühling, der Frühling!« — da wusst‘ ich genug!

Heinrich Seidel
aufmerksam

Frühlingsboten an der Alster

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Neben dem Wanderweg blühen die Winterlinge, während unten an der Böschung im Schatten die Schneeglöckchen lieber nahe des Wassers wachsen.

 

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Frühlingsglaube

Die linden Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und weben Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muss sich alles, alles wenden.

Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiß nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Tal;
Nun, armes Herz, vergiss der Qual!
Nun muss sich alles, alles wenden.

Ludwig Uhland
(Erstdruck 1813)
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aufmerksam

Nebliges Grau

Oktobernacht

Sessel, bring mir einen Gast.
Tisch, bring mir ein fröhliches Mahl.
Lampe, zeig mir ein fröhliches Gesicht,
nicht mich im Spiegel. Spiegel, dreh dich zu Wand.

Sessel, bring mir einen Gast.
Tisch, bring mir ein fröhliches Mahl.
Fenster, geh auf in ein wärmeres Land.
Koffer, nimm mich bei der Hand und flieg mich nach Ägypten.

Sessel, bring mir einen Gast.
Tisch, bring mir ein fröhliches Mahl.
Telefonvogel, sing für mich.
Oder bring mir einen kellertiefen Winterschlaf, Bett.

Ernst Jandl

 

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aufmerksam

Le Jardin

Le Jardin

Des milliers et des milliers d’années
Ne sauraient suffire
Pour dire
La petite seconde d‘ éternité
Où tu m’as embrassé
Où je t’ai embrassé
Un matin dans la lumière de l’hiver
Au parc Montsouris à Paris
A Paris
Sur la terre
La terre qui est un astre

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Jaqus Prévert