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Edelsteine wie altes Kaugummi: Gottes Liebe zu unserer Hässlichkeit

Gott hat wirklich Humor:
Als er gerade damit beschäftigt war, verschiedene Edelsteine zu erfinden, dachte er sich: „Immer nur Glitzer und brilliante Farben ist auch langweilig, ich mach mal einen Edelstein, der aussieht wie altes Kaugummi, das jemand auf den Boden gespuckt hat.“ Und so erfand er den Howlith.
Wir fühlen uns in manchen Momenten wie altes Kaugummi:
Kraftlos und ausgelutscht, verknautscht und bleich, innerlich leer.
Niemand von uns mag diese Phasen, weil wir vor anderen nicht schwach und unsicher wirken wollen. Wir wollen ein fröhliches, erfolgreiches Leben genießen und von anderen beneidet werden, nicht bemitleidet. Und doch gibt es immer wieder diese Ausgespucktes-Kaugummi-Phasen.


Der Howlith bringt mich zum Nachdenken:
Gott hat einen Schmuckstein gestaltet, der sich dadurch auszeichnet, dass er reichlich hässlich ist. Er hätte auch einfach noch eine weitere Variante Diamant oder Bernstein oder Rubin erfinden können. Hat er aber nicht. Das bedeutet für mich, dass in Gottes Plan das Langweilige, Unattraktive und Verquere absichtlich seinen Platz hat. Es ist kein Versehen aus Müdigkeit, kein Unfall. Sondern ein Teil unseres Lebens, der seinen Sinn und seinen Wert hat, auch wenn wir uns damit nicht vorzeigbar fühlen und Angst vor dem Urteil anderer haben.


Mich ermutigt es, in müden Zeiten darauf zu vertrauen, dass Gott mitten in der Altes-Kaugummi-Phase mit mir ist. Dass ich mich darauf verlassen kann, dass er mich liebt und mich geborgen hält. Und dass Leistung und Ehrgeiz vor Gott völlig irrelevant sind. Er liebt uns um unseretwillen, nicht um unserer Leistung willen. Völlig egal, wie durchgekaut und ausgespuckt wir uns gerade fühlen.
Deswegen habe ich aus Howlith-Steinen eine Kette und Ohrringe gebastelt, um mich selbst daran zu erinnern, dass Gottes Liebe bedingungslos ist.

„Der lebendige Gott ist mit uns,
dessen Kraft nie versagt,
dessen Arm niemals müde wird,
dessen Weisheit unendlich
und dessen Kraft unverändert ist.“

Georg Müller

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Abendmahl trotz Corona: Party mit Jesus auf dem Sofa

Das erste Mal Abendmahl vor dem Computer:
Dank Corona im Livestream mit Tortilla-Chips und Tomatensaft – was wir grade so da haben… Es sieht sehr realistisch aus, wenn wir an das „Blut Christi“ denken – keine Ahnung, warum wir dafür nicht generell Tomatensaft nehmen?!
Den heutigen, sehr gelungenen Gottesdienst mit Abendmahl gibt es hier zu sehen: Inklusive eines Programmteils für Kinder, Band aus 12 Wohnzimmern und einem sehr gut gelaunten Pastor. Am besten gefiel mir der Crocodile Dundee-Verschnitt beim Tanz für die Kinder… (-;

Der Gottesdienst aus der letzten Woche versammelt ein Rätsel für Kinder, den absoluten christlichen Partysound und eine Einladung zum Glauben.

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Wenn die Kirche geschlossen bleibt: Glaube im Alltag trotz Corona

Für alle, die gerade von zu Hause aus arbeiten, krank sind oder Überstunden schieben, weil ihr Leben durch den Corona-Virus beeinflusst wird: Hier möchte ich gute Gedanken und hilfreiche Predigten vorstellen. Gottesdienste finden in manchen Gemeinden derzeit per Livestream statt, andere bieten Predigten im Internet zum Anhören an.
Mir gefällt die Predigt aus der Christus-Gemeinde in Hamburg-Bramfeld vom 15. März sehr gut. Einfach das Video anklicken und zuschauen: Predigt „Hab keine Angst“
Und auf englisch: How to deal with dark times von Tim Keller, die Lieder „I need you more“ von Kim Walker Smith, „Awake my soul“ von Chris Tomlin, „Praise you in this storm“ sowie „God of all my days“ von Casting Crowns.

Außerdem erreichen mich viele Mails, in denen angeboten wird, zu bestimmten Zeiten miteinander zu beten. JedeR betet zu Hause für sich, aber alle deutschlandweit gemeinsam. So zum Beispiel bei der Initiative der Evangelische Allianz um 20:20 Uhr: Nach der Tagesschau beten alle gemeinsam für erkrankte Menschen, für Entscheidungsträger, für das Klinikpersonal, für die Forschung und Überwindung des Virus und dass wir ChristInnen in dieser Zeit ein Licht der Hoffnung für unsere Umgebung sind.

Gottesdienste und Kleingruppen sind längst abgesagt, in meiner Gemeinde treffen wir uns per Videotelefonie vor dem Computer. Wer diese Möglichkeit nicht hat, kann einfach am Telefon zu zweit beten, Lieder hören und mitsingen, Gebetsanliegen miteinander teilen.
Unsere Pastoren sind telefonisch im Gemeindebüro erreichbar, bereit für Gespräche und Unterstützung. Und senden Videobotschaften via Instagram…

Mittagsgebet

täglich jeweils 13 Uhr – von Zuhause mitbeten:

Psalm 121
Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.
Woher kommt mir Hilfe?
Meine Hilfe kommt vom HERRN,
der Himmel und Erde gemacht hat.
Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen,
und der dich behütet, schläft nicht.

Der HERR behütet dich;
der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand,
dass dich des Tages die Sonne nicht steche
noch der Mond des Nachts.

Der HERR behüte dich vor allem Übel,
er behüte deine Seele.
Der HERR behüte deinen Ausgang
und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!

Amen

Gebet
Herr, wir bringen Dir alle Erkrankten und bitten um Trost und Heilung.
Sei den Leidenden nahe, besonders den Sterbenden.
Bitte tröste jene, die jetzt trauern.
Schenke den Ärzten und Forschern Weisheit und Energie,
allen Krankenschwestern und Pflegern Kraft in dieser extremen Belastung.
Den Politikern und Mitarbeitern der Gesundheitsämter Besonnenheit.
Wir beten für alle, die in Panik sind.
Alle, die von Angst überwältigt sind.
Um Frieden inmitten des Sturms, um klare Sicht.
Wir wollen auf Dich sehen und bei Dir Frieden finden.
Wir beten für alle, die großen materiellen Schaden haben oder befürchten.

Guter Gott, wir bringen Dir alle, die in Quarantäne sein müssen,
sich einsam fühlen, niemanden umarmen können.
Berühre Du Herzen mit Deiner Sanftheit.
Und ja, wir beten,
dass diese Epidemie abschwillt, dass die Zahlen zurückgehen, Heilung geschieht, Normalität wieder einkehren kann.

Mach uns dankbar für jeden Tag in Gesundheit.
Lass uns nie vergessen, dass das Leben ein Geschenk ist.
Dass wir irgendwann sterben werden und nicht alles kontrollieren können.
Dass Du allein ewig bist.
Dass Du, HERR, das Leben bist und gibst.
Dass im Leben so vieles unwichtig ist, was oft so laut daherkommt.

Mach uns dankbar für so vieles, was wir ohne Krisenzeiten so schnell übersehen.

Wir vertrauen Dir.
Wir vertrauen Dir jetzt an und bitten besonders für…….

Vaterunser
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme. Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Segensbitte
Der Herr segne und behüte uns.
Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über uns
und sei uns gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns
und gebe uns Frieden.

Amen.

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Schwung für den müden Alltag: Musik zum Aufwachen

Gerade kämpfen alle um mich herum mit Müdigkeit, ich auch. Um innerlich und äußerlich in Schwung zu kommen, teile ich heute meine momentanen Lieblingslieder. Ideal, um sie morgens beim Frühstück laufen zu lassen, damit sie uns munter machen und unser Herz auf Gott ausrichten. Oder unterwegs beim Joggen, in der S-Bahn, beim Kochen…
Und wer denkt: „Beten ist echt das Letzte, wonach ich mich gerade fühle!“ spielt die Lieder einfach unkommentiert ab. Und vertraut darauf, dass unser Herz irgendwann aufwachen und Gott begegnen wird, vielleicht ganz anders, als wir es erwarten.

Waymaker

Healer

Awake my Soul

Our God

Faithful to the end

See a victory

Raise a Hallelujah

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Wahlkampf statt Gottesdienst – ein überraschendes Erlebnis in der Kirche

Mit dem Rad auf dem Weg zum Gottesdienst dämmerte mir, dass heute vielleicht die angekündigte Podiumsdiskussion zur Hamburger Wahl sein könnte. Obwohl das Gedränge vor dem Gottesdienst groß ist und immer viele neue Gesichter dabei sind, fielen die Herren mit Sakko deutlich auf. Auch, weil sie konsequent Siezten – beides erleben wir sonst nicht (-:
Im Vorhinein erhielten alle einen Link zu einer Online-Umfrage, um herauszufinden, welche Themen und Fragen den GottesdienstbesucherInnen wichtig sind. Ich war kurz davor, eine Mail zu schreiben, dass ich auf die AfD sehr gut verzichten kann und dass die Kirche als Gastgeber doch entscheiden könne, wem sie ein Publikum bietet und wem nicht. Gewisse Personen in diesem Haushalt fanden, man könne die AfD einfach konsequent ausbuhen. In der Kirche? Wohl nicht…

Zum Mailschreiben kam ich allerdings nicht mehr, weil im nächsten Gottesdienst Pastor Daniel alle ermahnte, „jeden Gast und Politiker freundlich willkommen zu heißen und unserer Rolle als Gastgeber gerecht zu werden. Schließlich seien alle demokratisch gewählt worden.“ Na dann.

Was ich in diesem Nicht-Gottesdienst-weil-Podiumsdiskussion gelernt habe:
– Den meisten Vertretern einer Partei kann ich ansehen, zu welcher Partei sie wahrscheinlich gehören. Wäre es nicht schön, wenn alle Parteien bunt gemischt wären und eine Zuordnung auf den ersten Blick nicht gelänge? Das würde der Vielfalt der Meinungen und damit ausgewogenen Entscheidungen gut tun, denke ich.
– Es war eine reine Sausage-Party (Würstchen-Party), also nur Männer anwesend. Ach nee. Wundert das etwa jemanden??? Trotzdem traurig. Okay, die AfD-Frau war kurzfristig verhindert und wurde ersetzt, aber alle anderen Parteien haben ja wohl auch Frauen an Bord.
– Der Hansel von meiner Lieblingspartei stellte leider das mit Abstand schwächste Glied in der Runde dar. Ein großer Verlust, schließlich waren viele ErstwählerInnen und JungwählerInnen da, und alle anderen hat er wohl auch vergrault. Sehr bedauerlich.
– Unsere ModeratorInnen meisterten ihre Aufgabe wirklich kompetent: Eine Frau und ein Mann teilten sich die Moderation, blieben immer freundlich und wertschätzend, hakten auch kritisch nach, harmonierten untereinander sehr gut. Also, gemischtgeschlechtliche Leitung einer Diskussion ist ein sehr lohnenswertes Konzept.


– Bloß nicht mit Freundinnen über Politik unterhalten! Bloß nicht! Es ist ernsthaft freundschaftsgefährdend! Das stellte ich neulich schon einmal fest, als ich aus allen Wolken fiel, als eine Freundin sagte, welche Partei sie wählt. Wie immer im Gottesdienst machte ich mit meiner Sitznachbarin (egal, wer es gerade ist) höchst qualifizierte Kommentare, nun ja, und da wurde ich dann doch bald stiller. Sicher ist sicher, da ist mir die Freundschaft wichtiger als die Politik. Vor allem, wenn wir beide eh „nur“ Wählerinnen sind und nicht politisch arbeiten.
Umso mehr freue ich mich, dass mein Mann und ich politisch auf einer Linie sind.
– Leider fand außer der Podiumsdiskussion nichts statt, das an einen Gottesdienst erinnerte, noch nicht einmal die Band trat auf. So sinnvoll es ist, sich als Gläubige aktiv für die Gesellschaft einzusetzen: Bevor vor lauter Politik die eigene Botschaft untergeht, sollte eine gesunde Mischung der Themen vorbereitet werden.
– Wären die Politiker nicht in die Kirche gekommen, hätte ich wohl auch weiterhin an keiner einzigen Wahlveranstaltung teilgenommen. Okay, der Gottesdienst ist sonst gefühlt hundertmal schneller vorbei, es zog sich ziemlich, aber gut: Dann habe ich DAS auch mal erlebt.

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Ihr Standort wird neu berechnet: Wenn wir uns fragen, wo wir uns im Leben gerade befinden

Am Wochenende besuchte ich einen Theater-Workshop, den Hin- und Rückweg fuhr ich mit der S-Bahn. Während ich in meinem Buch schmökerte, schaute ich gelegentlich hoch, wenn wir in eine Station einfuhren, um meinen Bahnhof nicht zu verpassen. Da das Display in den Waggons manchmal falsche Haltestellen anzeigt (und die Ansage ebenfalls gelegentlich falsche Stationen durchsagt), verrenkte ich mir den Kopf, um im Dunkeln die Schilder draußen lesen zu können.
Denn nichts ist so doof, wie sich auf die falsche Ansage zu verlassen und zu kurz oder zu weit zu fahren.

Neulich war genau diese falsche Beurteilung des eigenen Standorts Thema in einem Gespräch. Mein Gegenüber hatte eine lange Leidenszeit hinter sich und fühlte sich darin immer noch gefangen. Ich hatte im Gebet den Eindruck, dass die schmerzhafte Phase der Entwicklung hinter ihr lag und es Zeit war, die Flügel auszubreiten und zu fliegen: Hinein in ein positives Lebensgefühl und neue Horizonte. Darüber war sie sehr erleichtert und freute sich, dass es „nur noch“ die Anpassung der eigenen Perspektive an die veränderten Verhältnisse brauchte, um endlich wieder Freude am Leben zu haben.
So geht es uns oft: Wir haben ein verrutschtes Gefühl für die Lebensstation, die wir gerade passieren oder in der wir stehen.
Wir glauben den Ansagen der anderen, wo sie meinen, dass wir uns im Leben befinden. Oft unterschätzen uns unsere Mitmenschen und entmutigen uns (bewusst oder unbewusst), statt uns dabei zu unterstützen, unser ganzes Potenzial auszuleben. Meist deshalb, weil sie sich selbst nicht trauen, den nächsten Schritt zu tun und deshalb anderen den eigenen Entwicklungsweg abschneiden wollen.
Oder wir verharren in alten Gedankenmustern und Gefühlswelten, die uns vorgaukeln, dass wir zu klein und zu schwach sind, um wirkmächtig unseren Einflussbereich auszuweiten. Gerade nach Zeiten der Krisen, des inneren Umbaus und damit des seelischen Wachstums fällt es uns schwer, zu bemerken, wann wir uns häuten und in einer veränderten Identität in die Luft heben können. Dann glauben wir, eine Station zurück zu liegen, statt zu sehen, dass wir längst ein neues Ziel erreicht haben.

„Ich habe oft darüber nachgedacht, warum manche Menschen mit ihrem Leben Großartiges bewirken, während andere nur wenig bis gar nichts anpacken. Ich weiß, dass das, was wir mit unserem Leben erreichen, nicht nur von Gott abhängt, sondern auch von dem, was in uns ist. Jeder von uns muss sich entscheiden, ob er sich ein Herz fasst und den Mut aufbringt, durch alles hindurch zu gehen: Durch Zeiten der Furcht, Fehler, unfairer Behandlung durch andere, offensichtliche Ungerechtigkeiten und durch all die Herausforderungen des Lebens. Das kann niemand anderes für uns tun. Das müssen wir selbst tun.
Ich möchte Sie ermutigen: Übernehmen Sie Verantwortung für Ihr Leben und für das, was Sie in Ihrem Leben erreichen. Was werden Sie mit dem tun, was Gott Ihnen gegeben hat? Werden Sie Ihre Talente und Ihre Zeit einsetzen oder werden Sie alles verstecken, weil Sie Angst haben?“
Joyce Meyer in „Gib niemals auf“

Damit wir wissen, was in unserem Leben dran ist, müssen wir wissen, wo wir stehen:
Im Stau, wo es weder vor noch zurück geht und wir geduldig im Gebet nach Antworten suchen sollen?
Auf der Überholspur, wo alles wunderbar läuft, aber wir vor lauter Tempo vielleicht den Blick auf das Wesentliche verlieren?
Auf irgendeinem Bahnhof, wo wir schon diverse Chancen verpasst haben, weil wir uns nicht trauten, eine Entscheidung zu treffen und in einen der (Lebens-)Züge einzusteigen?
Eine Station hinter dem Bahnhof, auf dem wir meinten bereits zu sein, sodass es Demut erfordert, bewusst zurück zu gehen und uns neu zu justieren?
Eine Station weiter vorwärts, als gedacht, wo wir es kaum wagen, dem Frieden zu trauen, weil so viel Trauer und Krise hinter uns liegen?

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Der Dreck meines Herzens

Heute putzte ich eifrig die Kirche, weil ich mal wieder an der Reihe war. Zum Glück ist eine Freundin in meinem Team, sodass wir zwischendurch schnacken konnten und es nicht nur eine Pflicht war. Während das Staubsaugen von Treppe, Küche, Lobby und weiterer Treppen noch deutliche Unterschiede von „vorher“ zu „nachher“ ergab, hatte ich beim Feudeln (norddeutsch für feucht wischen) nicht den Eindruck, dass mein Einsatz einen Unterschied machte. Der geschliffene Estrich wirkt irgendwie immer gleich scheckig, egal, wie gründlich ich wische oder nicht. Entsprechend feudle ich irgendwann dann etwas liebloser als zu Beginn…
Als ich den Eimer mit dem Putzwasser auskippte, wunderte ich mich, wie schwarz das Wasser war. Im Eimer war mir die Verschmutzung gar nicht aufgefallen, und auf dem Estrich hatte mein Bemühen kaum Unterschied gemacht. Dennoch bewies die schwarze Brühe, dass zuvor unsichtbarer Dreck entfernt worden war.

Ich glaube, so ist es in unserem Leben auch oft:
Wir wissen gar nicht, wie viel Schmutz wir in unserer Seele ansammeln. Wir haben keine Ahnung, wie viel Neid, Schuldgefühle, Ressentiments und nachtragende Gedanken wir mit uns herum schleppen. Auch, was wir uns selbst nie verzeihen oder wo wir uns für unsere eigene Schwäche schämen. Wir fühlen uns eigentlich ganz normal und bemerken die Dreckschicht gar nicht, die auf unserem Herzen liegt. Oder den dunklen Nebelschleier, der unsere Seele nieder drückt.
Dass wir nachts unruhig schlafen, schnell zickig reagieren oder hinter scheinbar unschuldigen Äußerungen Vorwürfe hören, bemerken wir nicht.

Wie gut, dass es jederzeit die Chance auf einen Neubeginn gibt:
Wir können uns unseren Neid eingestehen und mit anderen gemeinsam entschärfen. Wir können unmoralische Praktiken im Berufsleben aufdecken oder einen neuen, fairen Arbeitsplatz suchen. Wir können auch nach Jahrzehnten noch um Verzeihung bitten. Wir können Geld zurückzahlen, das wir unterschlagen haben.
ChristInnen haben dabei Jesus Christus vor Augen, der für unseren Mist gestorben ist, ihn ein für alle Mal bezahlt hat. Er ist auferstanden und bietet jeder und jedem an, mit ihm zusammen einen Neustart zu wagen.

„Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit sollen mein Schutz sein.
Herr, auf dich allein hoffe ich!“
(Die Bibel, Psalm Kapitel 25, Vers 21)

Und das passende Lied dazu: Du machst alles neu

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Halli Galli in Tüten: Mit 220 ChristInnen nach Römö

Die letzte Woche hatte ich mit 220 Menschen aus meiner Kirchengemeinde Spaß auf Rømø. Und obwohl wir so viele Leute waren, fiel mir ständig auf, wer fehlte und wen ich gern dabei gehabt und bessern kennengelernt hätte… Wir waren in einem erstklassigen Resort untergebracht, dank der Gruppengröße waren die Preise der Ferienhäuser sehr fair. So stylisch und hochwertig habe ich selten Urlaub gemacht, und täglich unbegrenzt Wellness genießen zu können, war ein zusätzliches Highlight.

Alle Programmpunkte von Gottesdienst bis Sport und Kreativangeboten war selbstorganisiert und freiwillig. Nur der erste Strandspaziergang ist traditionell Pflicht für alle 🙂
Natürlich habe ich mich im Vorhinein gefragt, ob es nicht langweilig wird, täglich morgens Gottesdienst zu feiern (mit Ausnahme des Ausflugstags). Tatsächlich empfand ich es als schönen Start in den Tag, nach dem Frühstück mit meiner Mitbewohnerin zum Konferenzsaal zu laufen und mit Gott und allen anderen Gemeinschaft zu haben. Auch, wenn das Ausschlafen dadurch viel zu kurz kam… 😉


Meine Mitbewohnerin und ich waren beide das erste Mal dabei und genossen die Ruhe in unserem Haus, wo wir uns entspannt zurückziehen konnten, wenn wir eine Auszeit vom Trubel brauchten. Wir wurden von anderen zum Essen eingeladen, bekamen Reste vorbei gebracht oder wurden spontan selbst zum Gastgeber, wenn Freunde auf dem Weg nach irgendwo bei uns vorbei kamen und ein paar Stunden blieben. Das Thema der Woche lautete „Wenn Gott zum Essen kommt“, wurde in jeder Predigt mit einem anderen Bericht aus der Bibel behandelt und passte perfekt.

Ein dickes Programmheft informierte über die täglichen Aktivitäten und listete auf, wer in welchem Haus wohnte.
Nach dem Gottesdienst starteten die Sportangebote: Fußball, Ultimate Frisbee, Zumba, Basketball, Workout und Joggen.
Am Nachmittag trafen sich viele im „Cafehaus“, das jeden Tag in einem anderen Ferienhaus stattfand und offen für neue Begegnungen war. Die Kinder hatten ein riesiges Extraprogramm, während die Erwachsenen Spaß und Bildung genossen: Ein Führungskräfte-Workshop, das Quiz der 80ger und 90ger Jahre, Bible Art Journaling, Vorträge, Tanzkurs mit den Hamburger Meistern, eine Diskussionsrunde, Running Dinner, Golf auf dem Platz vor der Haustür, eine Kleider-Tauschbörse, ein Brettspiele-Turnier und Whisky-Tasting waren nur der Anfang.
Alles organisiert und gestaltet von Menschen aus der Gemeinde, wir brauchten nur pünktlich im passenden Gruppenraum oder Ferienhaus auftauchen.


Unbedingt wollte ich mal wieder reiten, am liebsten einen Ausritt am Strand. Leider war der Strand an dem Tag überflutet, als wir mit den Isländern unterwegs waren. Daher ritten wir durch den Wald, was nur mittelspannend war, aber immerhin saß ich mal wieder auf einem Pony. Als wir zu Beginn auf der Koppel ankamen, goss es in Strömen und fing zu hageln an. Mein Begleiter, ein iranischer Flüchtling und ich, beteten für einen sonnigen Ausritt – und genau den bekamen wir.

Überhaupt wurden wir als Gemeinschaft ständig mit allem versorgt, was wir brauchten. Es gab viel mehr Sonnentage, als im Wetterbericht angesagt. Als ich keine Zeit für ein ausgiebiges Mittagessen hatte, bekam ich von der Nachbarin eine Schale Gulasch, die bei ihrem Essen übrig geblieben war. In einem Cafe in Ribe kam ein Mann an unseren Tisch, der uns auf deutsch über den Weg zur Insel Mandø aufklärte und von dessen Smartphone wir die Tidetabelle abfotografieren konnten, die ich im Internet nicht hatte finden können. Und das nur, weil er mitbekommen hatte, wie ich meinen Freundinnen erfolglos versucht hatte zu erklären, wie man bei Ebbe am besten durch das Watt mit dem Auto fährt.
So viel Segen und gute Begegnungen haben wir erlebt, dass ich gar nicht mitzählen konnte.

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Hü und hott, auf und ab: Siege und Niederlagen im Alltag

Am Montag stellte ich knapp 80 SeniorInnen meinen fotografischen Reisebericht aus Norwegen vor. Da es statt klassischer Kinobestuhlung Tische mit Stuhlgruppen gab, musste ich fast 20 zusätzliche massive Holzstühle einzeln quer durch den Saal schleppen und überall anbauen, bis endlich alle untergebracht waren. Einige Sitzplatz-Dramen gab es dennoch…
Das Absingen der norwegischen Nationalhymne als besonderer Kniff meiner Moderation gelang entsprechend atemlos, aber schließlich konnte ich mich zwischen Beamer und Mikro gut einrichten. Und es gab tatsächlich einige Stimmen aus dem Publikum, die bei „Ja vi elsker dette landet“ auswendig mitsangen – die Idee traf ins Herz!
Letztes Jahr bei meinem Bericht aus Finnland gab es am Ende Standing Ovations und viele feuchte Augen. Dieses Mal gab es diverse heftige Lachanfälle im Publikum während meiner Geschichten (Pluspunkt) und einen kurzen, knackigen Applaus (eher Minuspunkt).
Dafür sprachen mich gleich zwei Personen an, ob sie den Text haben könnten.
Wie, den Text? – Na, das, was Sie so vorgetragen haben.
Das habe ich hier 70 Minuten lang frei Schnauze ins Mikro gesabbelt, da gibt es keinen Text! – Ach so?
In den nächsten Tagen erzählten mir diverse Damen, dass sie „bei all den gefährlichen Situationen“ gar nicht hinschauen mochten und nur deshalb nicht ängstlich den Saal verließen, weil ich ja wohlauf und munter den Beamer betätigte. Und absolut alle sprachen von „dem schönen Norwegen-Film“: Vorne sieht man wechselnde Bilder, es gibt eine Geschichte dazu, also ist das ein Film. 😉

Gleichzeitig habe ich gemerkt, wie sehr es mich im Urlaub beschäftigt und ablenkt, ständig seniorengerechtes Fotomaterial zu produzieren, insofern wird es trotz der stetigen Begeisterung der letzten Jahre in Zukunft keine Fotoshows aus meiner privaten Erholungszeit geben. Damit sie wieder privater und erholsamer wird, so herrlich ich die „Filme“ aus meinem Urlaub in der Präsentation auch finde.


Voller Schwung vom Erfolg des Montagnachmittags startete ich am Dienstag mit „Lachen am Morgen“. Und obwohl meine Lach-Übungen nicht fremd und neu waren (wir hatten sie im Juni schon mal am Wickel gehabt) und gleichzeitig noch lange nicht abgelutscht, war die Stimmung ein ziemlicher… Rohrkrepierer. Da konnte ich mich noch so sehr ins Zeug legen, die Heiterkeit blieb oberflächlich. Hü und hott, auf und ab: Gruppenangebote lassen sich nie hundertprozentig steuern.

Am Donnerstag dann große Freude: Die aktuelle Ausgabe einer Fachzeitschrift lag im Briefkasten, mit einem meiner Artikel darin. Oft haben meine Beiträge ja eine Vorlaufzeit von sechs bis elf Monaten, dieser hatte nun alle anderen Artikel überholt. Die Freude währte nur kurz, als ich die fehlerhafte Honorarabrechnung aus dem Umschlag zog.


So ist es im Leben: Auf Höhepunkte folgen Tiefpunkte oder dürre Strecken des Aushalten-Müssens.
Auf Zeiten voller Elan plötzlich Müdigkeit und Frust.

Mein aktuelles Lieblingslied schenkt zumindest den Ohren neuen Schwung:

„Sayin´ no to my downcast soul (Ich sag Nein zu meiner niedergeschlagenen Seele)
Sayin´ no to the lies I tell myself (Ich sag Nein zu den Lügen, die ich mir selbst erzähle)
Your love is lifting me (Deine Liebe hebt mich wieder)
In my weakness (In meiner Schwachheit)
When nothing else could help (Wenn nichts anderes helfen kann)
Hallelujah, Your love is lifting me
By the spirit that defeated death (Durch den Geist, der den Tod besiegte)
Hallelujah, your love is liftig me.“
Tasha Lanyon

 

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Zwischen den Sternen unterwegs

„Auf dem Mond fühlte ich die überwältigende Präsenz Gottes.
Ich spürte seinen Geist viel näher als ich das je auf Erden gefühlt habe, unmittelbar neben mir – es war umwerfend.
Auf dem Mond wurde mir die unermessliche Macht Gottes
und seines Sohnes kristallklar.

Es ist wichtiger, dass Jesus Christus seinen Fuß auf die Erde setzte,
als der Mensch den Seinen auf den Mond.“

James Benson Irwin, US-amerikanischer Astronaut und Pilot der Mondlandefähre auf der Apollo-15-Mission