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Gottesdienst zum Jahresanfang: Glaubenserfahrungen pur

In meiner Kirchengemeinde ist der Gottesdienst zum Jahresanfang ganz schlicht:
Zwei Lieder von der Band, dann eine Stunde lang die Möglichkeit, Erfahrungen mit Gott zu erzählen, drei Lieder von der Band, Segen, Ende. Okay, einen kurzen Jahresrückblick gibt es auch. Im Anschluss folgt oft ein gemeinsames Brunch.

Als PastorIn und als Gemeinde komplett darauf zu vertrauen, dass es genügend Menschen gibt, die nach vorn zum Mikrofon kommen und Erlebnisse mit Jesus zu erzählen, erfordert Mut:
Daher möchte ich heute dazu einladen, diesen Mut ebenfalls aufzubringen. Einen Gottesdienst ganz ohne Predigt, nur mit ein paar Liedern am Anfang und am Ende, und dazwischen Lebensberichte. Bei uns wird die Redezeit auf zwei Minuten begrenzt, damit alle die Möglichkeit haben, erzählen zu können. Ich habe dieses Jahr mitgeschrieben, um mich selbst daran zu erinnern, was Gott alles getan hat: Neue Arbeitsstellen geschenkt, neue Wohnungen geschenkt, Babies geschenkt, Krankheiten gelindert oder komplett geheilt, in Unfällen bewahrt, innere Veränderung geschenkt, neue Perspektiven geschenkt, tolle Begegnungen ganz unerwartet geschenkt, tiefe Gespräche ermöglicht.
Manche Gemeinden haben im Erntedank-Gottesdienst eine Viertelstunde Zeit, um nach vorn zu kommen und vor allen Menschen davon zu erzählen, wofür Einzelne dankbar sind. Danach gibt es aber trotzdem eine Predigt und Abendmahl und alles andere, was dazu gehört.

Ich werbe dafür, als Gemeinde den Mut aufzubringen, einen Gottesdienst komplett „leer“ zu lassen und felsenfest darauf zu vertrauen, dass genügend Menschen Gott erlebt haben und davon berichten wollen. Und dass die gemeinsame Zeit nach den ersten Minuten, wo sich keiner nach vorn zum Mikro traut, schnell gefüllt wird.
Denn wenn wir es nicht wagen, kann das umgekehrt bedeuten, dass wir nicht glauben, dass Gott im Alltag erlebbar ist. Und dass wir ebenfalls nicht glauben, dass BesucherInnen des Gottesdienstes davon reden wollen.
Aber ganz ehrlich, wenn wir uns nicht hundertprozentig darauf verlassen, dass Gott existiert und machtvoll in unser Leben eingreift, warum feiern wir dann überhaupt Gottesdienst?
Aus Tradition?
In der Hoffnung, dass der Verdacht, dass Gott eh nichts für uns tut, vielleicht doch falsch ist?

Wem das Risiko zu groß ist, kann auch erstmal in der Kleingruppe einen Jahresrückblich moderieren:
In welchen Situationen habe ich mich besonders nach Gottes Nähe gesehnt? Was ist daraufhin passiert?
Wann habe ich Gott konkret im Alltag erlebt?
Aber auch: Was ist unvollendet geblieben, wo nehme ich Fragen mit ins neue Jahr? Waren Gottes Prioritäten manchmal anders als meine Prioritäten? Hatte Gott einen anderen Zeitplan, als ich mir gewünscht habe?
Und dann bereiten wir einfach keine Predigt, keinen Input, einfach NICHTS vor.
Und vertrauen felsenfest darauf, dass es in unserer Gemeinschaft genügend Menschen gab, die durch Krisen gingen und von Gott beschenkt wurden und die davon gern erzählen.

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Zum neuen Jahr


„Es leuchtet der Stern.
Viel kannst du nicht mitnehmen auf den Weg.
Und viel geht dir unterwegs verloren.
Lass es fahren.
Gold der Liebe, Weihrauch der Sehnsucht,
Myrrhe der Schmerzen hast du ja bei dir.

Gott wird es annehmen.“

Karl Rahner

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Wenn sich unser Leben ganz anders entwickelt, als wir wollen

Gott hat wirklich Humor:
Seit zwei Jahren bete ich dauernd für ein Anliegen, und nichts passiert. Gar nichts, zumindest aus meiner menschlichen Perspektive nicht. Stattdessen habe ich mit Projekten Erfolg, die mir gar nicht (mehr) wichtig sind, die sich aber (quasi versehentlich) zum Selbstläufer entwickeln. Was ja schön ist. Wirklich.
Aber eben nicht das, wofür ich seit zwei Jahren bete und was einen sehr großen Teil meines Lebens bestimmt.
Ich fiel aus allen Wolken, als ich die Anfrage erhielt, für einen sozialen Preis Teil der Jury für 2020 zu werden (mehr verrate ich an anderer Stelle, wenn ich es offiziell darf). Natürlich freue ich mich, zusammen mit zwei weiteren Jurymitgliedern und einer Verantwortlichen von Seiten des Verlags ausgewählt worden zu sein. Es ist eine fantastische Würdigung meiner Kompetenz und darauf bin ich stolz.
Dennoch fühle ich mich wie ein kleines Mädchen, das von seiner Oma einen rosa Angora-Pulli geschenkt bekommt und völlig verkrampft pflichtbewusst „Danke, liebe Oma, für diesen kuscheligen Pulli!“ hervor presst. Einfach, weil das Geschenk zwar schön ist, aber eben nicht das, wofür ich mich seit zwei Jahren abstrample.

Kurze Zeit später erhielt ich die Anfrage einer Wochenzeitung für Management in der Seniorenpflege, ob ich kurzfristig einen Artikel über meine „Atemfreude“ schreiben könne. Klar konnte ich, zwei Tage später lag der Redakteurin mein Text inklusive Bildmaterial vor. Es ist schön, zu erleben, dass Interessierte auf mich zukommen, statt ständig krampfhaft um Aufmerksamkeit für meine Arbeit werben zu müssen.
Aber auch hier: Danke, Gott, für den Erfolg, aber eigentlich liegt mein Fokus doch ganz wo anders…

Gott hat Humor.
Er gibt mir (noch) nicht das, wofür ich seit Langem brenne, und wirft mir stattdessen Geschenke vor die Füße, mit denen ich vor Überraschung nichts anzufangen weiß.
So ist es in meinem Leben oft: Ich wünsche mir eine schöne, glatte, große rote Paprika, und stattdessen bekomme ich zwei hellgelbe Krumme, vier scharfe winzige Rote und eine schiefe Gelb-grüne. Was definitiv aufregender und vitamintechnisch abwechslungsreicher ist als die EU-normierte Fließband-Paprika, an die ich gedacht hatte. Aber eben nicht das, womit ich gerechnet habe.
Fakt ist, mit Gott wird es nie langweilig.
Und er lässt mich nicht im Stich. Während er aus mir unerfindlichen Gründen der Meinung ist, dass das Erreichen meines Ziels noch etwas dauern sollte, hält er mich mit wilden Überraschungen bei Laune.

Das passende Lied dazu: „Still (Hide me now)“ von Hillsong

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Ihr Standort wird neu berechnet: Wenn wir uns fragen, wo wir uns im Leben gerade befinden

Am Wochenende besuchte ich einen Theater-Workshop, den Hin- und Rückweg fuhr ich mit der S-Bahn. Während ich in meinem Buch schmökerte, schaute ich gelegentlich hoch, wenn wir in eine Station einfuhren, um meinen Bahnhof nicht zu verpassen. Da das Display in den Waggons manchmal falsche Haltestellen anzeigt (und die Ansage ebenfalls gelegentlich falsche Stationen durchsagt), verrenkte ich mir den Kopf, um im Dunkeln die Schilder draußen lesen zu können.
Denn nichts ist so doof, wie sich auf die falsche Ansage zu verlassen und zu kurz oder zu weit zu fahren.

Neulich war genau diese falsche Beurteilung des eigenen Standorts Thema in einem Gespräch. Mein Gegenüber hatte eine lange Leidenszeit hinter sich und fühlte sich darin immer noch gefangen. Ich hatte im Gebet den Eindruck, dass die schmerzhafte Phase der Entwicklung hinter ihr lag und es Zeit war, die Flügel auszubreiten und zu fliegen: Hinein in ein positives Lebensgefühl und neue Horizonte. Darüber war sie sehr erleichtert und freute sich, dass es „nur noch“ die Anpassung der eigenen Perspektive an die veränderten Verhältnisse brauchte, um endlich wieder Freude am Leben zu haben.
So geht es uns oft: Wir haben ein verrutschtes Gefühl für die Lebensstation, die wir gerade passieren oder in der wir stehen.
Wir glauben den Ansagen der anderen, wo sie meinen, dass wir uns im Leben befinden. Oft unterschätzen uns unsere Mitmenschen und entmutigen uns (bewusst oder unbewusst), statt uns dabei zu unterstützen, unser ganzes Potenzial auszuleben. Meist deshalb, weil sie sich selbst nicht trauen, den nächsten Schritt zu tun und deshalb anderen den eigenen Entwicklungsweg abschneiden wollen.
Oder wir verharren in alten Gedankenmustern und Gefühlswelten, die uns vorgaukeln, dass wir zu klein und zu schwach sind, um wirkmächtig unseren Einflussbereich auszuweiten. Gerade nach Zeiten der Krisen, des inneren Umbaus und damit des seelischen Wachstums fällt es uns schwer, zu bemerken, wann wir uns häuten und in einer veränderten Identität in die Luft heben können. Dann glauben wir, eine Station zurück zu liegen, statt zu sehen, dass wir längst ein neues Ziel erreicht haben.

„Ich habe oft darüber nachgedacht, warum manche Menschen mit ihrem Leben Großartiges bewirken, während andere nur wenig bis gar nichts anpacken. Ich weiß, dass das, was wir mit unserem Leben erreichen, nicht nur von Gott abhängt, sondern auch von dem, was in uns ist. Jeder von uns muss sich entscheiden, ob er sich ein Herz fasst und den Mut aufbringt, durch alles hindurch zu gehen: Durch Zeiten der Furcht, Fehler, unfairer Behandlung durch andere, offensichtliche Ungerechtigkeiten und durch all die Herausforderungen des Lebens. Das kann niemand anderes für uns tun. Das müssen wir selbst tun.
Ich möchte Sie ermutigen: Übernehmen Sie Verantwortung für Ihr Leben und für das, was Sie in Ihrem Leben erreichen. Was werden Sie mit dem tun, was Gott Ihnen gegeben hat? Werden Sie Ihre Talente und Ihre Zeit einsetzen oder werden Sie alles verstecken, weil Sie Angst haben?“
Joyce Meyer in „Gib niemals auf“

Damit wir wissen, was in unserem Leben dran ist, müssen wir wissen, wo wir stehen:
Im Stau, wo es weder vor noch zurück geht und wir geduldig im Gebet nach Antworten suchen sollen?
Auf der Überholspur, wo alles wunderbar läuft, aber wir vor lauter Tempo vielleicht den Blick auf das Wesentliche verlieren?
Auf irgendeinem Bahnhof, wo wir schon diverse Chancen verpasst haben, weil wir uns nicht trauten, eine Entscheidung zu treffen und in einen der (Lebens-)Züge einzusteigen?
Eine Station hinter dem Bahnhof, auf dem wir meinten bereits zu sein, sodass es Demut erfordert, bewusst zurück zu gehen und uns neu zu justieren?
Eine Station weiter vorwärts, als gedacht, wo wir es kaum wagen, dem Frieden zu trauen, weil so viel Trauer und Krise hinter uns liegen?

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Licht ins Dunkel tragen: Ideen für uns und andere

Licht ist momentan Mangelware und allgegenwärtig zugleich.
Das Tageslicht fehlt, künstliche Beleuchtung begleitet uns durch den Tag. Oft warten wir im übertragenen Sinn auf Licht, um Durchblick zu haben oder uns innerlich hell und hoffnungsvoll zu fühlen. Vergangene Woche wartete ich auf Licht, da erst nach dem Anbringen der Lichterkette der große Tannenbaum in der Lobby geschmückt werden kann. Mir halfen drei Damen jenseits der achtzig beim Dekorieren der Zweige, während ich oben auf der Leiter herum turnte.

Wenn wir uns nach Aufhellung der Stimmung sehnen, ist die erste Frage, was wir selbst gegen die Dunkelheit tun.
Dunkelheit, die unser Herz verfinstert, können negative Gedanken sein, die wir unbewusst pflegen: Vorurteile, Groll gegen uns selbst oder andere und Lebenslügen, die wir glauben. Enttäuschungen, die uns bis heute klein halten und von denen wir uns die Zukunft begrenzen lassen. Ängste, denen wir uns unterwerfen. Schlechte Angewohnheiten, die uns körperlich und seelisch aus dem Gleichgewicht bringen.
Es hilft wenig, sich nach Licht zu sehnen, wenn wir gleichzeitig die Dunkelheit in unserem Alltag regieren lassen. Ja, auch die Finsternis im Kleinen trägt dazu bei, dass unser Leben nicht die Leuchtkraft entwickelt, die wir uns wünschen.

Kerzen von meinem „Laternen-Nachmittag“ zum Festhalten von Ideen, wie wir Licht zu anderen bringen möchten

 

„Herr, du machst die Finsternis um mich hell,
du gibst mir strahlendes Licht.
Mit dir kann ich meine Feinde angreifen;
mit dir, mein Gott, kann ich über Mauern springen.“

Die Bibel, Psalm 18, Verse 29  -30

Ich glaube, dass wir in uns selbst kein Licht entzünden können. Es ist Gottes Liebe und Gnade, die uns berührt und erhellt. Darum können wir konkret bitten.

„Der Herr ist mein Licht, er rettet mich.
Vor wem sollte ich mich noch fürchten?
Bei ihm bin ich geborgen wie in einer Burg.
Vor wem sollte ich noch zittern und zagen?“

Die Bibel, Psalm 27, Vers 1

Wenn wir bewusst Helligkeit und Gutes in unserem Leben etablieren wollen, hilft es, Dankbarkeit zu pflegen. Beispielsweise abends die Rückschau auf den Tag mit den bekannten „Drei Momenten oder Dingen, wofür ich heute dankbar bin“. Gutes einzuladen in Form von Gebeten und Segen für uns und andere hellt den Alltag auf. Ich bin sehr dankbar dafür, dass seit einigen Monaten schon beim Aufstehen fröhliche Lieder als Ohrwurm in meinem Kopf spielen, die Gott loben und mich ermutigen. Oft bin ich schon vor dem Frühstück im Internet auf der Suche nach dem passenden Lied zu der Zeile, die mir in den Ohren klingt, und starte mit Gottes Lob in den Tag.
Wer anderen bewusst offen und freundlich begegnet, erlebt gelungene Begegnungen, die in uns und dem Gegenüber Positives aufleuchten lassen. Ein lieber Kartengruß, ein Telefonat mit lang verschollenen Freundinnen, ein Tannenzweig für die Nachbarn: Statt zu fragen, wer unser Leben aufhellt, können wir selbst Licht in das Dunkel der Mitmenschen tragen. „Denn die Freude, die wir geben, kehrt ins eigne Herz zurück.“

Und wenn das viel zu anstrengend ist, weil der Verlust eines Familienmitglieds zu schwer wiegt, der Arbeitsplatz eingespart wird oder eine Depression scheinbar bewegungslos über unserem Leben hängt?

In mir ist es finster,
aber bei dir ist Licht.

Ich bin einsam,
aber du verlässt mich nicht.

Ich bin kleinmütig,
aber bei dir ist die Hilfe.

Ich bin unruhig,
aber bei dir ist Frieden.

In mir ist Bitterkeit,
aber bei dir ist die Geduld.

Ich verstehe deine Wege nicht,
aber du weißt den rechten Weg für mich.

Dietrich Bonhoeffer

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Der Dreck meines Herzens

Heute putzte ich eifrig die Kirche, weil ich mal wieder an der Reihe war. Zum Glück ist eine Freundin in meinem Team, sodass wir zwischendurch schnacken konnten und es nicht nur eine Pflicht war. Während das Staubsaugen von Treppe, Küche, Lobby und weiterer Treppen noch deutliche Unterschiede von „vorher“ zu „nachher“ ergab, hatte ich beim Feudeln (norddeutsch für feucht wischen) nicht den Eindruck, dass mein Einsatz einen Unterschied machte. Der geschliffene Estrich wirkt irgendwie immer gleich scheckig, egal, wie gründlich ich wische oder nicht. Entsprechend feudle ich irgendwann dann etwas liebloser als zu Beginn…
Als ich den Eimer mit dem Putzwasser auskippte, wunderte ich mich, wie schwarz das Wasser war. Im Eimer war mir die Verschmutzung gar nicht aufgefallen, und auf dem Estrich hatte mein Bemühen kaum Unterschied gemacht. Dennoch bewies die schwarze Brühe, dass zuvor unsichtbarer Dreck entfernt worden war.

Ich glaube, so ist es in unserem Leben auch oft:
Wir wissen gar nicht, wie viel Schmutz wir in unserer Seele ansammeln. Wir haben keine Ahnung, wie viel Neid, Schuldgefühle, Ressentiments und nachtragende Gedanken wir mit uns herum schleppen. Auch, was wir uns selbst nie verzeihen oder wo wir uns für unsere eigene Schwäche schämen. Wir fühlen uns eigentlich ganz normal und bemerken die Dreckschicht gar nicht, die auf unserem Herzen liegt. Oder den dunklen Nebelschleier, der unsere Seele nieder drückt.
Dass wir nachts unruhig schlafen, schnell zickig reagieren oder hinter scheinbar unschuldigen Äußerungen Vorwürfe hören, bemerken wir nicht.

Wie gut, dass es jederzeit die Chance auf einen Neubeginn gibt:
Wir können uns unseren Neid eingestehen und mit anderen gemeinsam entschärfen. Wir können unmoralische Praktiken im Berufsleben aufdecken oder einen neuen, fairen Arbeitsplatz suchen. Wir können auch nach Jahrzehnten noch um Verzeihung bitten. Wir können Geld zurückzahlen, das wir unterschlagen haben.
ChristInnen haben dabei Jesus Christus vor Augen, der für unseren Mist gestorben ist, ihn ein für alle Mal bezahlt hat. Er ist auferstanden und bietet jeder und jedem an, mit ihm zusammen einen Neustart zu wagen.

„Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit sollen mein Schutz sein.
Herr, auf dich allein hoffe ich!“
(Die Bibel, Psalm Kapitel 25, Vers 21)

Und das passende Lied dazu: Du machst alles neu

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Leben als Gottes Kind

„Seht doch, wie groß die Liebe ist, die Gott der Vater uns schenkt!
Denn wir dürfen uns nicht nur seine Kinder nennen,
sondern wir sind es wirklich.“
(Die Bibel, erster Brief des Johannes Kapitel 3, Vers 1)

Ich bin in einer sehr bodenständigen Familie in einem (stillgelegten) Bauernhaus aufgewachsen. Meine Mutter fand Barbie-Puppen zum Glück sexistisch und nutzlos, meine Kleidung war praktisch und in klaren Grundfarben gehalten. Tüllröckchen, Rosa und Pink sowie jede Form von Disney-Prinzessinnen-Quatsch gab es nicht.
Dennoch gab es immer eine Seite in mir, die gern etwas Besonderes gewesen wäre. Mehrfach las ich den Kinderbuch-Klassiker „Sarah, die kleine Prinzessin“ von Frances Hodgson Burnett, wo ein reiches Mädchen durch den Tod ihres Vaters plötzlich ausgestoßen und als Dienstmagd behandelt wird, bis endlich Rettung eintrifft. Später träumte ich, parallel zu meinen feministischen Überzeugungen, von einem Mann, der mich liebevoll anschaut und immer nur mein Bestes als Ziel hat. Und dass mich, trotz meiner zupackenden Art, die europäischen Königshäuser interessieren, haben meine Freundinnen bis heute nicht verstanden.
Irgendwo tief in mir steckt die Sehnsucht, wertvoll, ausgewählt und unendlich geliebt zu sein.

Im Januar schenkte Gott mir das innere Bild eines großen roten Umhangs, der mich einhüllt und schützt, Gottes Umhang der Gnade. Innen ist er kuschelig warm und hält mich geborgen, nach außen wehrt er alle Angriffe ab. Ich nähte für einen Teddy einen Umhang aus weinrotem Samt, um mich immer wieder daran zu erinnern. Dennoch verlor ich in den folgenden Monaten diese wunderbare göttliche Unterstützung wieder aus den Augen.
Im April hatte während eines Gebetsabends eine mir unbekannte Frau den Eindruck, dass ich jederzeit zu Gott auf eine Burg flüchten kann, um an seinem reich gedeckten Tisch aufzutanken und zu genießen.
Im Mai erzählten mir eine junge Frau, dass sie mich im Gebet mit einer goldenen Krone auf dem Kopf gesehen habe. Und erinnerte mich an das Kinderbuch „Nicht wie bei Räubers“, wo aus einem Dreckspatz ein Königskind wird.
Im November erinnerte mich ein Mitglied meines Gebetskreises an mein Bild vom Umhang der Gnade und meinte, er habe den Eindruck, inzwischen sei eine Krone hinzugekommen.
Und vorletzten Donnerstag Abend brach vor meinen Augen ein Leistungssportler in Tränen aus und sagte: „Wenn du nur sehen könntest, wie Gott dich anschaut! Gott setzt dir die Krone auf, die dich auszeichnet als sein Kind. Er ist froh, dass du zu ihm gehörst. Er beschützt dich wie ein Adler unter seinen riesigen Flügeln, er führt dich durch Stürme wie ein Schiff, das mitten in den Wellen in Ruhe segelt.“

Also glaubte ich endlich, dass all diese Menschen, die mich gar nicht kennen und dennoch das gleiche Bild vor Augen haben, die Wahrheit sagen. Dass das, was in meinem Alltag passiert, nur ein Teil der Realität ist. Die scheinbar geltende, aber doch nur vordergründige Realität, der Gottes Sicht der Dinge weit überlegen ist. Dass ich Gottes Umhang der Gnade und seine Krone der Liebe trage. Dass er mich auserwählt hat, dass er mich grenzenlos liebt, dass mich täglich sein liebevoller Blick begleitet und er nur mein Bestes wünscht.
Egal, wie weit manche Wegstrecke sich anfühlt.
Egal, wie lange das Erreichen meiner Lebensziele braucht.
Egal, wie viele Hindernisse mich von der Verwirklichung meiner Träume trennen.
Ich bin Gottes Kind, er führt und begleitet mich. Auch, wenn ich an der Hand meines himmlischen Vaters oft frage:
„Wie laaaange noooch? Ich wiiilll nicht mehr! Wann sind wir daaaa? Ich bin so müüüüde. Ich kaaaann nicht mehr, muss Pipi, will mich ausruhen! Ist es noch weeeiiit?“


Also habe ich mich hingesetzt und mich als Gottes Kind gemalt, mit dem Umhang der Gnade und der Krone seiner Liebe. Denn was ich male, vergesse ich weniger schnell. Es soll kein Kunstwerk sein, sondern eine ständige Erinnerung daran, dass jenseits des Alltags Gott einen ganz anderen Blick auf uns hat als wir selbst oder unsere Mitmenschen.
Auch du bist Gottes Kind, bist von ihm geliebt und gerettet, ob du es weißt und glaubst oder nicht!

„Kraft und Würde sind ihr Gewand,
und sie lacht des künftigen Tages.“

(Die Bibel, Buch der Sprüche Kapitel 31, Vers 25)

„Du gabst ihm, was er sich von Herzen wünschte,
und seine Bitten schlugst du nicht ab.
Mit Glück und Segen hast du ihn überschüttet
und ihm eine goldene Krone aufs Haupt gesetzt.“
(Die Bibel, Psalm 21, Vers 2 und 3)

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Zwischen den Sternen unterwegs

„Auf dem Mond fühlte ich die überwältigende Präsenz Gottes.
Ich spürte seinen Geist viel näher als ich das je auf Erden gefühlt habe, unmittelbar neben mir – es war umwerfend.
Auf dem Mond wurde mir die unermessliche Macht Gottes
und seines Sohnes kristallklar.

Es ist wichtiger, dass Jesus Christus seinen Fuß auf die Erde setzte,
als der Mensch den Seinen auf den Mond.“

James Benson Irwin, US-amerikanischer Astronaut und Pilot der Mondlandefähre auf der Apollo-15-Mission
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Zwischen heute und der Ewigkeit: Aufmerksam leben als Christ

Zwischen Himmel und Erde ist ein Riss
und ein Kampf zwischen Licht und Finsternis
In dieser Zwischenzeit, in dieser Zwischenzeit

Zwischen Himmel und Erde sind wir noch
Und das, was wir nicht wollen, tun wir doch
In dieser Zwischenzeit, in dieser Zwischenzeit

Mitten in dieser Welt, doch nicht von dieser Welt
Wir gehören zu dir und doch sind wir noch hier

Refrain:
Zwischen Himmel und Erde hängst du dort
Ganz allein und verlassen von Mensch und Gott
zwischen Himmel und Erde ausgestreckt
Dort am Kreuz
Zwischen Himmel und Erde hängst du dort
Wo die Balken sich kreuzen, ist der Ort
Wo sich Himmel und Erde trifft in dir
Dort am Kreuz

Zwischen Himmel und Erde leiden wir
An Zerissenheit auf dem Weg zu dir
In dieser Zwischenzeit, in dieser Zwischenzeit

Zwischen Himmel und Erde ist ein Steg
Und du selbst bist die Brücke und der Weg
In dieser Zwischenzeit, in dieser Zwischenzeit

Refrain

Zwischen Himmel und Erde stehen wir
Und wir treten in diesen Riß mit dir
In dieser Zwischenzeit, in dieser Zwischenzeit

Du machst Himmel und Erde einmal neu
Doch dein Reich ist schon da und du bist treu
In dieser Zwischenzeit, in dieser Zwischenzeit
(Albert Frey)

Wer in einer persönlichen Beziehung zu Gott lebt, merkt es immer wieder:
Wir ecken bei unseren Mitmenschen an, sind oft frustriert und verletzt und fühlen uns in der Gesellschaft immer wieder fremd.  Wir empfinden diese Welt nicht wie ein richtiges Zuhause, eher wie einen Zwischenstopp zum eigentlichen Ziel. Egal, ob wir konservative oder liberale ChristInnen sind, werden unsere Werte von anderen als lächerlich wahrgenommen. Einerseits verzweifeln wir an der Ungerechtigkeit der Welt, andererseits erschrecken wir oft über uns selbst: So viel anders sind wir, trotz unserer Überzeugungen, oft doch nicht.
Unser Zuhause ist in Gott und wird nach unserem Tod als Ewigkeit erlebbar: Fröhlich, bunt, sinnlich, lecker, friedlich und überwältigend. Seit Jahrhunderten hoffen ChristInnen darauf, dass Gott die Welt in Ordnung bringt und Jesus wiederkommt, damit schon Hier und Jetzt das „Reich Gottes“ erlebbar wird.

Tja, aber noch kommt weder Jesus wieder noch feiern wir eine Endlosparty in der Ewigkeit.
Noch sind wir hier und stolpern durch den Alltag, versuchen Menschen nach dem Herzen Gottes zu sein und bauen doch immer wieder Mist. Unsere Außenwirkung ist uns wichtiger als Gottes Urteil. Geld verdienen ist uns wichtiger als die Frage, was Gott mit unserem Leben vorhat. Hobbies und Urlaube sind uns wichtiger als Menschen von der befreienden Liebe Jesus´ zu erzählen. Ein bestimmter Karriereweg, ein Eigenheim oder Selbstverwirklichung ist uns wichtiger als Gottes Plan für unsere Gesellschaft.
Und wenn wir uns Zeit für Gott nehmen, im stillen Gebet, in einer begeisternden Bandsession oder im entspannten Austausch mit anderen Christen, dann blüht unser Herz auf. Wir werden erfrischt vom Heiligen Geist und gestärkt von Gottes heilender Lebenskraft. Gleichzeitig sind wir im Alltag oft mit einem kurzen Stoßgebet oder dem Einhalten von gewissen moralischen Maßstäben zufrieden. Dass wir Jesus lebhaft in unserer Woche erleben, dass wir seinen Herzschlag spüren, dass wir uns von ihm herausfordern lassen passiert viel zu selten. Nicht, weil Gott Besseres zu tun hat, sondern weil wir oft genug meinen, anderes sei dringender. Wichtiger. Relevanter.

„Jesus sagt: Macht das Reich Gottes zu eurem wichtigsten Anliegen, lebt in Gottes Gerechtigkeit, und er wird euch all das geben, was ihr braucht.“
Die Bibel, Evangelium von Matthäus Kapitel 6, Vers 33

„Denn im Reich Gottes ist nicht entscheidend, was man isst oder trinkt, sondern dass man ein Leben führt in Gerechtigkeit und Frieden und in der Freude im Heiligen Geist,“ sagte Jesus zu ihnen.
Brief an die Römer Kapitel 14, Vers 17

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Mein Leben im Kaninchenstall: Warum akzeptieren wir enge Grenzen?

In unserem Alltag sind wir MeisterInnen darin, uns abzufinden:
Wir finden uns ab mit unserem Aussehen, mit unseren Beziehungen, mit unserem Gehalt, mit unseren Familien. Und damit finden wir uns ab mit Einschränkungen und Grenzen und nennen das Ganze „Ist wie´s ist.“ In vielen Fällen ist Kapitulation sinnvoll, damit wir uns nicht täglich an unerreichbaren Zielen und unserem Versagen auf dem Weg dorthin aufreiben.
Aber warum finden wir es normal und gesund, von Gott nichts mehr zu erwarten?
Warum dödeln in unseren Kirchen alle ziellos vor sich hin?
Warum glauben wir das, was wir immer schon geglaubt haben? Oder lassen unsere Beziehung zu Gott sanft einschlafen, nur um uns selbst gelegentlich zu versichern, dass wir immerhin noch „höhere moralische Ansprüche als die anderen“ haben? Frei nach dem Motto „Gott ist mir egal, aber wenigstens schlage ich meine Frau nicht und betrüge nicht bei der Steuererklärung.“
Warum glauben wir, ein kraftvolles Gebetsleben wäre „was für Spinner“?
Warum glauben wir, die Power des Heiligen Geistes wäre „nur etwas für Ausgeflippte“?
Kurz: Warum geben wir uns mit einem Leben grau-in-grau zufrieden? Und wenn schon der Alltag ist, wie er ist: Warum leben wir dann unsere Beziehung zu Gott nicht kraftvoll und hoffnungsvoll? Warum machen wir es uns im Kaninchenstall gemütlich und versichern uns und allen anderen stark gerupften Karnickeln im Gedränge um uns, dass unser Leben so aussehen soll?

Ich bin mir todsicher, dass Gott mit uns allen etwas Größeres vorhat. Mit dem Leben von uns allen, mit den verschnarchten und aussterbenden Kirchen, mit unseren Familien, mit unseren Arbeitsplätzen. Hallo, für so ein ödes Leben wie unseres hätte Jesus sich doch nie kreuzigen lassen und den ganzen Stress mit dem Sterben und Auferstehen durchgezogen! Niemals hätte er gesagt:
„So Leute, das waren wirklich drei heftige Tage, mit Intrigen und Verhören, Folter und Todesangst und stundenlangem Sterben und Trip in die Hölle und zurück. Ich habe die Herausforderung angenommen, stellvertretend für jeden Dreck in eurem Leben zu sterben, jetzt bin ich auferstanden – dann lasst uns mal schön zurück in ein farbloses, enges Leben gehen!“
Natürlich hat Gott etwas Größeres, Bunteres, Kraftvolleres, Gesünderes und Fröhlicheres mit uns vor als diese enttäuschende Darbietung, die wir momentan „Leben“ nennen und mit der wir uns abgefunden haben!

Wie können wir Gott als Ursprung unseres Lebens hier und heute mehr Raum geben? Wie möchte er uns verwandeln und aus engen Denkmustern befreien?
– Welches Unkraut möchte Gott aus deinem Herzen und deinem Leben reißen? Was möchtest du selbst loswerden? Womit soll Gott dich stattdessen füllen?

– Wo glaubst du, dass erstmal das Chaos geordnet werden muss, bevor dein „echtes“ Leben endlich beginnen kann? Gott ist der allmächtige Chaos-Bändiger. Und lässt viel Gutes aus dem scheinbaren Durcheinander wachsen. Versteckst du dich vielleicht hinter der Ausrede, zuerst „innerlich aufräumen“ zu wollen, bevor Gott dich verändern und als Segen benutzen kann? An welchem Punkt möchtest du Gott dein Vertrauen schenken, dass er am besten weiß, wie dein Leben gelingt? Wo lässt du dich herausfordern, statt auszuweichen?

– Im Paradies war die Schlange unterwegs und hat die Harmonie zwischen Gott und Mensch mit Lügen zerstört. Welchen Lügen glaubst du? Was treibt dich weg von Gott? Was gehört in deiner Seele entlarvt und entmachtet, damit Gott sich heilsam in dir entfalten kann?

– Vielleicht herrscht in dir auch einfach nur Leere. Entweder, weil du mit Gott und Glauben nichts anfangen kannst und auf der Suche nach etwas bist, das dich im Innersten befriedigt. Oder du hast Gott aufgegeben und bist seit einiger Zeit planlos in deinem Alltag unterwegs. Zeige Gott deine Leere und bitte ihn, sie mit dem aufzufüllen, was du heute und hier am meisten brauchst.

– Wenn du dein Leben eigentlich ganz in Ordnung, aber etwas langweilig findest: Bitte Gott um Sehnsucht. Bitte Gott, dass er dein Herz öffnet und dir begegnet. Bitte Gott, dass er durch den Heiligen Geist in dir wirkt und dich von Innen heraus erneuert. Dir die Augen öffnet, dich Neues entdecken lässt, dich Spannendes hören lässt, dich Herausforderndes spüren lässt.

„Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furcht gegeben, sondern einen Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ 2. Korinther 1, 7