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Gut versorgt

Gestern war ich mit vollem Rucksack, einem monströsen Hüftgürtel voller Wasserflaschen und neuen Wanderstiefeln unterwegs. Da ich aus Prinzip kein Smartphone besitze, musste eine klassische Wanderkarte herhalten. Alles, um für den anstehenden Urlaub das Equipment zu testen und mehr Kondition aufzubauen. So marschierte ich von meiner besten Freundin, die mir den extrem praktischen und gleichzeitig extrem hässlichen Hüftgurt aufgeschwatzt hatte, durch ein Naturschutzgebiet in Schleswig Holstein bis zur Endstation der Hamburger U-Bahn.
Zu Beginn verlief die Orientierung sehr einfach, der Weg ergab sich fast von allein. Irgendwann stand ich an einer Kreuzung, an der die gelben Markierungen an den Bäumen nicht mehr zu lesen waren, weil die bemalte Borke abgefallen war. Ausgerechnet hier hätte ich mal gelbe Pfeile gebrauchen können…. So tigerte ich im Kreis über die Kreuzung, überlegte und betete, dass Gott mir eine Richtung zeigt. Da kamen zwei Radfahrer aus dem Wald, Mutter und Sohn, die ich ansprechen konnte. Sie waren erstens hilfreich und konnten zweitens sagen, woher sie kamen, sodass sich der richtige Weg schnell ergab. Ich hob meinen Rucksack von der Bank, wo ich ihn abgestellt hatte, und entdeckte daneben ein Ein-Cent-Stück: Gott sorgt für mich und meine Bedürfnisse! Schon bevor ich überhaupt meine Wanderung angetreten hatte, hatte er Mutter und Sohn den Gedanken gegeben, spontan bei bestem Sommerwetter durch das Naturschutzgebiet zu radeln.

Auf Gottes Hilfe und Versorgung in allen Lebenslagen zu vertrauen, ist immer wieder eine Entscheidung, zu der wir uns durchringen (müssen). Darauf zu bauen, dass in all unserer Ratlosigkeit Gott den Überblick behält, kostet uns Überwindung. Oft genug probieren wir es so lange selbst, bis wir merken, dass Gott derjenige ist, der mehr Weisheit hat – und wir mit unserer Geduld und unserem begrenzten Wissen längst am Ende. Und dennoch ist Gottvertrauen kein Selbstgänger, sondern immer wieder ein bewusster Entschluss -den wir oft genug vermeiden wollen, um selbst die Richtung zu bestimmen.

Heute teile ich Bibelverse, die in solchen Momenten eine Hilfestellung sein können:

„Auch wenn es durch dunkle Täler geht, fürchte ich kein Unheil, denn du, Herr, bist bei mir.
Du schützt mich und führst mich, das macht mir Mut.“
Psalm Kapitel 23, Vers 4

„Überlass deine Sorgen dem Herrn, er selbst wird sich um dich kümmern!
Niemals lässt er die im Stich, die ihm die Treue halten.“
Psalm 55, Vers 23

„Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit sollen mein Schutz sein.
Herr, auf dich allein hoffe ich!“
Psalm 25, Vers 21

„Er erfülle die Wünsche deines Herzens und lasse alle deine Pläne gelingen!“
Psalm 20, Vers 5

„Mein Plan für euch steht fest:
Ich will euer Glück und nicht euer Unglück.
Ich habe im Sinn, euch eine Zukunft zu schenken, wie ihr sie erhofft. Das sage ich, der Herr.“
Jeremia 29, Vers 11

 

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So schöööön: Mein Leben in der neuen Kirche

Hach, war der Sonntag heute schön:
Unser Sommerurlaub ist dieses Jahr sehr spät, sodass wir immer noch durchhalten müssen, während die meisten schon wieder erholt aus den Ferien zurück kommen. Das wusste Gott natürlich, und nachdem ich ihn gestern inständig gebeten habe, mich innerlich zu erfrischen und zu stärken, folgte die Gebetserhörung direkt heute. Dank des Marathons rund um mein erstes Buch war ich das erste Jahr in der neuen Gemeinde oft in einem Besuchs-Modus: Ich komme zwar, und das gern, aber ich kannte nur eine Handvoll Leute. Für jede Form von tieferem Engagement fehlten mir die Kapazitäten, und das fand ich auch in Ordnung so. Es ist, wie es ist.
Letzten Sonntag klärte sich endlich die Frage, mit wem ich im Oktober eine Woche Gemeindefreizeit auf Rømø verbringen werde: Eine alleinstehende Frau, ebenfalls das erste Mal dabei, und ich werden uns ein Ferienhaus teilen. So haben wir beide ein eigenes Zimmer und so viel Ruhe und Platz, wie angenehm für uns ist. Vom Frühsport um 7:00 Uhr bis zur Mitternachts-Sauna wird es sieben Tage lang Halligalli ohne Ende geben. Wir sind beide sehr froh, eine ruhige Oase zu zweit zu haben und uns zurückziehen zu können.
Heute entdeckte ich vor Beginn des Gottesdienstes eine Frau, mit der ich mich die letzten beiden Sonntage unterhalten hatte, und winkte sie mit ihrem Mann zu mir. Später wurde ich von drei verschiedenen Gruppen gefragt, ob ich mit ihnen Essen kommen würde (einmal griechisch, einmal portugiesisch und einmal italienisch) und die Option, auf der Alster zu segeln, stand ebenfalls im Raum. Meine Essensgruppe kannte ich nur zur Hälfte, aber es war einfach so eine entspannte, lustige Stimmung, dass ich mich total wohlfühlte.
Meine Gedanken und Empfindungen wurden ernst genommen und bestätigt, was absolut nicht in jeder christlichen Gruppe beim spontanen Essen der Fall ist – und jenseits des gläubigen Umfelds schon gar nicht.

Trotz der Hitze und einem Bistro direkt an einer Hamburger Hauptverkehrsstraße habe ich heute rundum auftanken können und mich von weitgehend fremden Menschen total willkommen und akzeptiert gefühlt. So soll Gemeinde sein: Statt kleinlich auf oberflächlichen Unterschieden zu beharren oder Cliquenwirtschaft zu betreiben, Menschen mit offenen Armen begrüßen und ehrlich über den Glauben sprechen. Dann natürlich auch unterschiedliche Sichtweisen und Lebenserfahrungen stehen lassen können, auch ohne gemeinsamen Konsens zusammen lachen können. Und einfach spontan sein, miteinander aufbrechen, einander einladen, das Leben teilen, Hilfe anbieten. So hat Gott sich das vorgestellt.

Hier habe ich den Auftakt zum Thema „Auf der Suche nach einer neuen Kirche“ geschrieben.

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Neues Leben aus toten Herzen

Gott versichert uns:
„Ich will ihnen ein ungeteiltes Herz und einen neuen Geist geben.
Ja, ich nehme das versteinerte Herz aus ihrer Brust und gebe ihnen ein lebendiges Herz.“

aus der Bibel, Buch Hesekiel, Kapitel 11, Vers 19

 

„Mach dich zum Leben auf!
Lebe!
Freude wird deinen Geist erfüllen.
Deine Augen sehen wieder die Blume, die blüht.
Deine Ohren hören wieder den Vogel, der pfeift.
Du arbeitest mit deinen Händen.
Herrlich schmeckt ein Stück Brot, ein Glas frisches Wasser…
Du wirst spüren: Wir sind gemacht für die Freude.“

Phil Bosmans

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Wirksame Waffen gegen Angst in der Nacht


Wer eine ausgeprägte Intuition hat, oder eine tiefe Gottesbeziehung, kennt diese Momente:
Wenn wir plötzlich die sichtbare oder unsichtbare Gegenwart des Dunklen spüren, die uns bedrängt. Oft nachts, wenn wir scheinbar schutzlos schlafen.
Grad neulich sprachen wir in der Kirche darüber, und mein Gegenüber hat mich eindrücklich und kraftvoll daran erinnert: Was auch immer uns Angst machen will, Gott hat diese Welt und das Böse darin bereits besiegt. Wir haben alle die Wahl, welche Entscheidungen wir treffen und wem oder was wir folgen. Dennoch hat Jesus am Kreuz das Böse bereits entmachtet, auch wenn diese Wahrheit im Alltag oft unterzugehen scheint. Was auch immer uns Angst machen will, ist nur eine böse Fratze dessen, der die Welt zwar vernichten will, es aber letztlich nicht kann. Gott hat schon gesiegt, der Kampf gegen das Böse ist bereits erledigt. Das mag oft nicht sichtbar sein hinter all dem Leid und der Willkür menschlicher Bosheit. Trotzdem ist es die Tatsache, auf die ChristInnen ihr Leben bauen.


Sch***egal, wie unser Leben mit menschlichem Blick aussehen mag, wovon wir uns irritieren und verletzen lassen: Unsere Namen stehen im Himmel schon an der Tür zu unserem ewigen Zuhause. Daran kann niemand und nichts etwas ändern. Was wir sehen, sind die letzten und immer schlimmer werdenden Zuckungen des Bösen, das bereits verloren hat.
Wer sich mit Angriffen dunkler Mächte auseinander setzt, deklariert als Gegenmaßnahme die Wahrheit: Jesus liebt uns. Er hat alle unsere Fehler und unsere Scham ans Kreuz genommen und ist für uns gestorben. Er hat uns ein für alle mal von der Sch***e unseres Lebens gereinigt und befreit. Als seine Kinder befehlen wir allen bösen Gestalten, uns in Frieden zu lassen.
Wer bedroht wird, stärkt die eigene Position durch das konsequente Lob Gottes. Er hat uns wunderbar geschaffen, er liebt uns durch alle Katastrophen und persönlichen Schwächen hindurch, er schützt und leitet uns. Er ist für alles Gute in unserem Leben verantwortlich und möchte uns noch so viel mehr schenken. Wer nachts von Albträumen aufwacht und zu müde ist für ein intensives Gebet, kann einfach Lobpreislieder laufen lassen. Sie richten unseren Blick auf Gottes Größe und entmachten ganz schnell alles, was uns bedrängen möchte. Das Zitieren von auswendig gelernten Gebeten und Bibelversen schaffen wir vor Müdigkeit vielleicht nicht, dann können wir über das Internet laut aus der Bibel vorlesen lassen. So können wir uns passiv vom Wort Gottes ermutigen lassen und werden bald Ruhe haben, denn das Wort Gottes vertreibt die Dunkelheit.

Oder das Lied „No Longer Slaves“ oder „Mein Gott ist größer“ oder „Bis ans Ende der Welt“
Einfach laufen lassen und die Wirkung entfalten lassen!

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Sprung über den Tellerrand: Tschüß öder Gottesdienst, hallo Power am Sonntagmorgen!

Wer seit Jahrzehnten Mitglied in der gleichen Kirchengemeinde ist, ist dort fest verwurzelt. Aber nicht jedeR ist glücklich mit der Situation vor Ort: Die einen hadern mit den Traditionen, die anderen mit internen Konflikten, die nächsten mit betonierten Moralvorstellungen und die übernächsten mit der fehlenden Mitbestimmung. Je nach Konfession (evangelisch, katholisch, freikirchlich) und Ort (Großstadt, Kleinstadt, Dorf) sind die Gründe der Unzufriedenheit ganz verschieden.
Als aktives Mitglied einer Freikirche fühlte ich mich lange wohl, bis ich mich schleichend immer mehr entfremdete. Mir fehlte frischer Wind, neue Kontakte, ein gemeinsam geteilter Alltag, Tiefgang in der Predigt. Kurz: Die Wurzeln meines „Gemeindebaums“ wurden von Maden durchlöchert und die Baumkrone warf immer mehr Blätter ab. So schaute ich mich in der christlichen Szene nach einer neuen Heimat um und wurde, Gott sei Dank, schnell fündig.

Neulich kam das Gespräch auf meinen Gemeindewechsel und wieder einmal wurden die Augen groß, als ich erneut erklärte, dass ich nicht einfach in eine andere Gemeinde (innerhalb des gleichen Verbands) gehe, sondern stattdessen Mitglied in einer anderen Freikirche wurde. Das war keine Absicht, ich finde die Baptisten weiterhin gut und wünschen ihnen von Herzen Gottes Segen. Natürlich habe ich mir die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber nach 18 Monaten des „Keine-Lust-auf-Gottesdienst-und-Hauskreis-habens“ war klar, dass meinem Glauben und meiner Seele der Frust nicht gut tut. Und dass nach zwölf Jahren in der gleichen Gemeinde dringend eine Neuausrichtung dran war. Nicht einfach nur in irgendeine andere Kirche, sondern in eine andere Form der Spiritualität. Hätte ich den gleichen Kram in grün statt blau haben wollen, hätte ich mich nicht auf die Suche nach einer tieferen Dimension des Glaubens machen brauchen.

An der Stelle frage ich mich:
Warum sind so viele Menschen in ihren Kirchen unzufrieden und bleiben dennoch dort?
Weil sie Angst haben, andere mit ihrem Weggang zu verletzen?
Weil sie glauben, dass Gott es nicht lustig findet, wenn sie das sinkende Schiff verlassen, statt verbissen den kläglichen Rest der örtlichen Gemeinde am Leben halten zu wollen?
Weil sie glauben, sie dürften nicht die Konfession (evangelisch, katholisch, freikirchlich) wechseln, weil sie damit ihrer bisherigen Lebensgeschichte den Rücken kehren?
Weil sie Angst vor der Ablehnung alter Freunde haben, wenn sie „plötzlich in einen anderen Verein“ gehen?
Weil sie meinen, es sei irgendwie unchristlich, die Gemeinde zu wechseln, einfach weil man absolut keinen Bock mehr auf verkrustete Strukturen und Worte statt Taten hat?
Weil die Angst vor Neuem die Hoffnung auf eine bessere Alternative überwiegt?

Ich bin mir sehr sicher, dass es Gott sch***egal ist, zu welcher Konfession wir gehören.
Ich bin mir auch sehr sicher, dass es existenziell wichtig ist, dass wir unseren Glauben ernähren:
Durch kraftvolle Predigten und weise Bücher, durch inspirierende Vorbilder, durch ermutigende und kritische Gemeinschaft mit anderen Christen. Wer keine Lust mehr auf die eigene Gemeinde hat und dennoch nichts ändert, bietet den Angriffen dunkler Mächte den idealen Nährboden. Als ChristInnen sind wir sowieso die Minderheit in dieser Welt, warum sollten wir uns durch einen erschlafften Glauben und fehlende Unterstützung anderer ChristInnen selbst schwächen?
In meiner neuen Gemeinde habe ich das erste Mal seit sehr langer Zeit den Eindruck, dass es viel zu lernen und zu erleben gibt.
Es gibt Menschen, die beten mit einer Kraft und Intensität, wie ich sie noch nie erlebt habe. Ich lerne Menschen kennen, die eine Tiefe in ihrer Beziehung zu Gott haben, die mich stark beeindruckt. Mit mir selbst passieren mitten im Gottesdienst Dinge, die mir völlig neu sind und als ermutigendes Geschenk für den Alltag wirken. Ich schreibe nach vielen Jahren wieder die Predigten mit, einfach weil es sich endlich wieder lohnt (neulich saßen wir zu dritt neben einander und kritzelten alle, was das Zeug hielt). Ich höre, spüre und sehe Gott so umfassend, wie noch nie zuvor. Und merke dennoch ständig, wie viel intensiver mein Glaube noch werden kann.
Warum sollten wir auf Gottes tiefgreifendes Wirken in unserem Leben und handfeste Vorbilder verzichten, wenn wir dazu einfach nur die Gemeinde wechseln brauchen?

Ich frage ganz ernsthaft: Warum sollten wir uns mit einer ermüdeten, genervten Beziehung zur Ortsgemeinde und einem verwaschenen, distanzierten Blick auf Gott zufrieden geben?

Warum?

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Christliche Lieder, ver-hört von Kindern

„Der weiße Neger Wumbaba“ ist ein wunderbares Buch von Axel Hacke über Verhörer, die uns beim gedankenlosen Mitsingen von Liedern passieren. Besonders Kinder hören alles Mögliche, wenn sie mitsingen, ohne den Text lesen zu können. Entsprechend bekannt ist in christlichen Kreisen das „Aldi-Lied“:
„Aldi Fülle ist in dir, oh Herr, und alle Schönheit kommt von dir, oh Gott.“ Unsere Eltern haben nie bei Aldi eingekauft, nur im Bioladen und bei Spar. Später dann bei Penny, aber die legendäre Fülle von Aldi blieb uns sehr lange verborgen… Dieser kindliche Verhörer ist in vielen Familien bekannt, und wer ihn kennenlernen möchte, findet hier das Aldi-Lied: All die Fülle ist in dir.

Sehr interessant fand ich auch eine Figur namens „Wohldem“. Die Leute in der Bibel hatten ja die verrücktesten Namen, besonders im Alten Testament: Bileam und Jojakim sind da noch die am leichtesten Auszusprechenden. Naja, offensichtlich ist auf den vielen Seiten der Bibel auch ein Herr Wohldem unterwegs, der wandelt nämlich. Aber „nicht im Rat der Gottlosen“, was auch immer das sein mag, sondern woanders. Entsprechend entstand ein Bild in meinem Kopf, wie ein einsamer Herr Wohldem (ein Vorfahre von Wolfgang?) mit schütterem Haar und gebeugtem Haupt so herum wandelt, wie man eben laut der Bilder in der Kinderbibel offensichtlich täglich wandelte: Mit einem knorrigen Stock in der Hand zwischen alten Olivenbäumen irgendwo in Israel. Mir tat Herr Wohldem immer leid, weil er so einsam war, und im „Rat der Gottlosen“ nicht mitmachen durfte. Wobei der „Rat der Gottlosen“ nach einer sehr entspannten Gruppe klang, die da so lose mit Gott am Rand des Dorfplatzes abhingen, oder so. Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen in einer besonders schmissigen Version 😉
Ach ja, die christlichen Lieder aus den Achtzigern…

Wenn Kinder dann anfangen zu lesen, entstehen bei den ersten Versuchen ebenfalls neue Kreaturen, so wie im Lied „Himmel-Sau, licht und blau“: „Himmelsau, licht und blau, wieviel zählst du Sternlein? Ohne Zahl, soviel mal sei gelobt der ewige Gott.“ Dabei wird natürlich die Himmels-Au besungen…

Christliche Familien tendieren ja dazu, den Vers aus dem Alten Testament mit dem „fruchtbar sein“ sehr ernst zu nehmen, weshalb es gefühlt ständig neue Babies gibt. Und ausgesprochen öko sind sie zusätzlich, sodass tatsächlich bis zu zehn Jahre lang im Bad durchgehend Stoffwindeln verschiedenster Kinder zum Trocknen hängen. Im Erntedanklied „Wir pflügen und wir streuen“ hört man daher gerne in der vierten Strophe: „Er lässt die Sonn aufgehen, er stellt des Mondes Lauf; er lässt die Windeln wehen und tut den Himmel auf.“

Wer kennt noch einen schönen Verhörer?

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Buchempfehlung: „Unterwegs mit dir. Vier Frauen auf einer Glaubensreise“ von Sharon Garlough Brown

„Auf jeden Fall,“ fuhr Emily fort, während sie sich auf der Bank zurücklehnte und tief durchatmete, „hatte eine der Frauen eine wirklich großartige Metapher. Sie sagte, es käme ihr so vor, als gäbe es in uns einen großen Abfalleimer. Wir entsorgen unseren Giftmüll darin, decken in mit einem Zierdeckchen ab und tun so, als hätten wir alles unter Kontrolle. Je mehr ich darüber nachdenke, desto stärker wird mir bewusst, wie oft ich mich hinter einer pseudochristlichen Maske verstecke. Aber Jesus lädt mich ein, einfach ich selbst zu sein, das Schlechte anzusehen und es dann loszulassen. Ich kann dir gar nicht beschreiben, wie befreiend es ist, vor diesen Frauen – diesen Schwestern im Glauben – meine Schwächen und mein Versagen zuzugeben. Ich brauche nicht so zu tun, als hätte ich alles im Griff. Niemand hat das. Das ist ein unfassbar befreiendes Gefühl.“
Sie trank einen großen Schluck aus ihrer Wasserflasche. „Wenn ich an die stressigen Jahre zurückdenke, und daran, wie sehr ich mich unter Druck gesetzt habe und wie ich krank geworden bin, weil ich perfekt sein wollte… na ja, du weißt es ja, Charissa…“ Ihre Stimme verklang. „Ich bin so froh, dass Jesus mich gefunden hat. Wo wäre ich ohne Jesus?“

Hannah:
Ich bin zornig auf Gott. Ich bin enttäuscht und zornig und fühle mich betrogen. Früher habe ich den Menschen geraten: „Gebt euren Zorn an Gott ab. Er kann damit umgehen!“ Und was habe ich getan? Ich habe ihn gehortet. Sorgfältig gehortet. Ich bin eine Heuchlerin. Und nun, da er heraus ist, was mache ich jetzt? Ich kann mit niemandem darüber reden. (…) Ich weiß nicht, an wen ich mich sonst wenden kann. Und ich würde ja sagen: „Hilf mir, Herr!“, aber im Augenblick rede ich nicht mit ihm.

Der leuchtende Sonnenuntergang weicht dem Grau der Dämmerung, und alles liegt in Schutt und Asche. Alles.

Die Lebenswege von vier Frauen kreuzen sich, als sie sich in einer Gruppe treffen, die eine geistliche Reise wird: Ins eigene Herz und zu Gott. Sie sind getrieben von Leistungsdenken, Perfektionismus, Scham oder Angst. Jede Frau hat ihre eigene seelische Baustelle, in denen sich die Leserin wiedererkennt. Der Roman stellt sowohl die Lebensgeschichten der Frauen und ihre innere Verwandlung vor, als auch Übungen zur Vertiefung des Glaubens.
Ein spannendes, weises und lebensnahes Buch, das ich aus ganzem Herzen weiterempfehle!

 

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Kerzen anzünden und Steine schmeißen: Spirituelles Experiment mit Senioren


Experimente im Beruf wagen: Eine kluge oder riskante Idee?
Bereits Ende des letzten Jahres hatte ich den Vorschlag, in das Monatsprogramm Januar in der Senioren-Residenz ein „spirituelles Experiment“ aufzunehmen. Ich plante eine „Andacht ohne Andacht“, einen interaktiven Nachmittag unter dem Motto „Mit Gottes Segen ins neue Jahr“. Da der Träger nicht christlich, sondern rein kapitalistisch arbeitet, war es ein großes Glück, dass ich mit meinem Vorschlag Gehör fand. Ich darf zu allen Anlässen und Themen Treffen leiten, nur „kirchlich“ soll das Ganze bitte nicht sein. War´s ja auch nicht, sondern ein spirituelles Experiment…

In der Bibliothek breitete ich auf dem großen Tisch lauter Kalenderblätter mit Naturmotiven und Bildern von Wegen aus. Zwei Fragen des Nachmittags waren „Woher komme ich?“ und „Wohin gehe ich?“
Wir hörten das Lied „Wie ein Fest nach lange Trauer/ So ist Versöhnung“ und zündeten Kerzen an: Für Menschen, die wir vermissen, die uns fehlen, die wir lieben oder von denen wir im letzten Jahr Abschied nehmen mussten. Da flossen natürlich Tränen, aber ich war wie immer mit einer tröstenden Umarmung gleich zur Stelle.

Die Steine auf dem Tisch dienten dazu, sie fest in die Hand zu nehmen und dabei an alles Belastende, das wir loswerden wollen, zu denken:

  • Welche Meinung über mich selbst möchte ich ablegen?
  • Welche Vorwürfe (innere und von anderen Menschen) möchte ich hinter mir lassen?
  • Womit möchte ich meinen Frieden machen?
  • Was brauche ich, damit ich aus tiefstem Herzen glauben kann, dass Gott es gut mit mir meint?

Dann warfen wir sie nacheinander in einen blauen Eimer, der „das tiefste Meer“ symbolisieren sollte, frei nach dem Propheten Micha in der Bibel:
Er wird sich unser wieder erbarmen, wird unsere Ungerechtigkeiten niedertreten; und du wirst alle ihre Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.“ (Micha 7,19)
Ich ermunterte die Damen, die Steine mit Schmackes in den Eimer zu pfeffern und innerlich wirklich loszulassen. Außerdem erinnerte ich an die Geschichte von Corrie ten Boom, die sagte, dass Gott alle unsere Fehler an der tiefsten Stelle des Ozeans versenkt und eine Boje darüber befestigt, auf der steht „Fischen verboten!“.

Nach einem Körpergebet, einer Psalm-Meditation und dem Klassiker „Von guten Mächten wunderbar geborgen“ brachen wir wieder in den Alltag auf.

Im Gespräch mit losen Bekannten äußerte ich meinen Verdacht, dass ich die Seniorinnen überfordert hatte. Ich wollte die einmalige Situation zur Gänze ausnutzen und hatte in meinen Ablauf noch ein Gebet und noch ein schlaues Zitat und noch einen Segen extra gepackt (Viel mehr, als hier dargestellt). Erst nach anderthalb Stunden waren wir fertig, und ich fragte mich, ob ich es vielleicht etwas zu gut gemeint hatte. Ich fand es sehr erleichternd, von zwei unabhängigen Gesprächspartnerinnen zu hören, dass sie sich nicht vorstellen könnten, wie ich jemanden überfordern sollte. Klar, sie waren nicht dabei gewesen, aber ich fand es eine schöne Rückmeldung, dass mir selbst lose Bekannte aus der Gemeinde nicht zutrauen, dass ich in meinen Gruppenstunden jemanden an die Grenzen der Aufmerksamkeit bringe. Insofern behält ein Experiment immer einige Unsicherheiten, sowohl in der Vorbereitung als auch in der Durchführung und Reflektion im Anschluss. Aber es hat sich gelohnt!

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Du bist es wert, von Gott geliebt zu werden und in Fülle zu leben

So sah vor einigen Tagen der Sonnenaufgang bei uns aus:
Hinter einer dunklen, undurchdringlichen Wolkendecke kamen weit oben am Himmel Sonne und strahlendes Pink und Blau hervor.
In unserem Leben sieht es oft ähnlich aus: Wir starren auf Barrieren und Hindernisse, die uns undurchdringlich erscheinen. Wir fühlen uns mutlos und verlassen oder von anderen bedrängt und bedroht. Oft merken wir gar nicht, dass wir von dunklen Mächten umzingelt werden. Wir lassen den Kopf hängen und uns von dem undurchdringlichen Dunkel entmutigen. Viele Konflikte nehmen wir persönlich und arbeiten uns daran ab, statt hinter die Kulissen zu schauen und festzustellen, dass der Teufel uns wehrlos und klein machen will.
Währenddessen strahlt die ganze Zeit eine Etage höher Gottes Licht. Seine Wahrheit, Liebe, Freiheit und Hoffnung strahlen die ganze Zeit heller und kraftvoller als die Sonne. Doch wir lassen uns von demjenigen beeindrucken und ängstigen, der ausgeklügelte Lügen als Kulisse dazwischen schiebt: „Du bist es nicht wert“, „Du hast schon wieder versagt“, „Alle anderen wussten, dass du es nicht packst, aber du bist ja sogar zu doof, um rechtzeitig aufzugeben“, „Dein Leben wird sich nie zum Besseren verändern, weil du es nicht verdienst“.
Wir glauben diesen ganzen Scheiß, jeden Tag auf´s Neue. Statt die Augen zu heben, hinter die Kulissen zu schauen und Gottes ewige Liebe im strahlend hellen Licht der Hoffnung zu sehen, bleiben wir mit unserem Blick an der manipulierten Oberfläche kleben.

Ein uraltes Lied von Gerhard Tersteegen fasst es sehr schön zusammen:

Ich schließe mich aufs Neue
in deine Vatertreue
und Schutz und Herze ein.
Die irdischen Geschäfte
und alle finstern Kräfte
vertreibe durch dein Nahesein.

Dass du mich stets umgibest,
dass du mich herzlich liebest
und rufst zu dir hinein,
dass du vergnügst alleine
so wesentlich, so reine,
lass früh und spät mir wichtig sein.

Ein Tag, der sagt dem andern,
mein Leben sei ein Wandern
zur großen Ewigkeit.
O Ewigkeit, so schöne,
mein Herz an dich gewöhne,
mein Heim ist nicht in dieser Zeit.

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Da kann man nichts machen? Da kann man beten!

Zu Weihnachten habe ich ein besonderes Geschenk gestaltet. Schon lange vorher habe ich den passenden Inhalt mehrfach überdacht. Ich habe mich um ein individuelles, selbstgemachtes Äußeres des Geschenks bemüht. Ich habe versucht, dass die Verpackung Lust auf das Innere macht.
Nun habe ich das Geschenk aus der Hand gegeben. Ich weiß nicht, wie es ankam. Ob es schon benutzt wurde. Wie die erste Reaktion darauf war. Ob es direkt wieder weg gelegt wurde oder stückweise immer mehr im Alltag zum Begleiter wird. Das liegt alles nicht in meiner Hand, auch wenn ich mir von Herzen wünsche, dass dieses Geschenk einen wertvollen Einfluss gewinnt.
Jetzt könnte ich traurig werden, weil ich nicht weiß, ob all meine guten Gedanken und Wünsche rund um dieses Geschenk ihr Ende in einer Schublade finden, weil die Person das Geschenk unbeachtet weglegt. Und ich daran nichts ändern kann.
Oder ich kann darauf vertrauen, dass Gott mich bei der Gestaltung des Geschenks geführt hat und die beschenkte Person weiter begleiten wird. Auch, wenn sie davon nichts ahnt. Ich kann beten, dass mein Geschenk ausprobiert wird, mehrfach eine zweite Chance erhält und eines Tages wirklich zum Freund wird.
Es liegt nicht in meiner Hand. Aber alles, ALLES, was nicht in meiner Hand liegt, liegt automatisch in Gottes Hand.
Ist das nicht wunderbar? Auf dieser Welt kann nichts verloren gehen, weil Gott letztlich der ist, der den Überblick behält.
Egal, wie verloren wir uns fühlen, wie sehr in der Schwebe oder über dem Abgrund. Egal, wie weit weg Gott sich anfühlt: Es gibt nichts, NICHTS, was außerhalb seines Einflussbereichs läge.

„Suche Frieden und jage ihm nach!“ ist die Jahreslosung für 2019 aus Psalm 34,15.
Frieden darin zu finden, dass alles in Gottes Hand liegt und es nichts gibt, was außerhalb seiner Möglichkeiten liegt, finde ich einen guten Anfang für das neue Jahr.