Atemfreude, aufmerksam

Neue „Atemfreude“-Stunde: Erntezeit im Bauerngarten

Heute nehme ich mir die Zeit, um meine letzte „Atemfreude“-Stunde so aufzubereiten, dass aus meinen Notizen ein leicht umsetzbares Konzept wird, das auch andere PädagogInnen anwenden können.
„Atemfreude“ ist das einzigartige Konzept lustbetonter Atemgymnastik für SeniorInnen und Menschen mit kognitiven Einschränkungen. Die Gymnastik und Atemvertiefung wird nicht von der Therapeutin diktiert, sondern im Rahmen einer unterhaltsamen und sinnlichen Geschichte miteinander erlebt.

Coronabedingt treffen wir uns zum Sport auf der Terrasse der Senioren-Residenz, direkt daneben blüht mein Kräutergarten mit den Bienenstauden. Das Thema „Erntezeit im Bauerngarten“ liegt im Spätsommer/Frühherbst nahe, umso schöner, wenn wir uns direkt aus dem Beet mit Kräutern bedienen können.
Für die „Atemfreude“-Stunde werden keine Materialien benötigt, lediglich ein paar Küchenkräuter, die die SeniorInnen sich frisch abzupfen: Entweder von Kräutertöpfen, die im Stuhlkreis weitergegeben werden, oder von Zweiglein, die von der Kursleitung aus dem eigenen Garten mitgebracht und herum gereicht werden.
Wie immer findet der Kurs in einem großen Stuhlkreis mit (coronabedingtem) Abstand untereinander statt.
Zu Beginn liest die Moderatorin ein Gedicht von Theodor Storm zur Einstimmung vor, dann folgt die Anleitung der „Atemfreude“: Wir bringen anhand der ersten Vorbereitungen in unserem imaginären Garten den Kreislauf in Schwung, dehnen und strecken uns, richten uns auf und arbeiten und zu den Atemübungen vor. Dabei sind, entsprechend den Prinzipien der „Atemfreude“, alle Elemente der Stunde in die assoziative Handlung verpackt: Wir verscheuchen Stare von den Obstbäumen, pflücken die letzten Kirschen und spucken Kerne, setzen Blumenzwiebeln für Frühblüher, geben bei einer Ameisenstraße acht, wiegen uns wie Korn im Wind…. So können auch kognitiv eingeschränkte Personen dem Inhalt gut folgen.
Das gesamte Konzept stelle ich kostenfrei unter diesem Download zur Verfügung: Einfach ausdrucken und loslegen!
Atemfreude-Stunde: „Erntezeit im Bauerngarten“ Download
Wer die therapeutischen Hintergründe besser verstehen und die Durchführung genau erklärt bekommen möchte, findet alles Wissenswerte im umfangreichen Praxisbuch „Atemfreude. Schwungvolle und fröhliche Atemübungen mit Senioren anleiten“

 

Atemfreude, aufmerksam

Rezensionsexemplare des Praxisbuchs „Atemfreude: Schwungvolle Atemgymnastik mit Senioren“ abzugeben

Der Atemfreude-Workshop vor zwei Wochen zeigte deutlich das Interesse pädagogischer und therapeutischer Fachrichtungen an dem Thema „Atemübungen für Menschen mit körperlichen Einschränkungen“. Ursprünglich für SeniorInnen entwickelt, eignen sich die leicht verständlichen und lustbetonten Übungen auch für Personen mit Handicap sowie Betroffene von Lungenerkrankungen.

Wer als Fachfrau für Zeitschriften im Bereich Logopädie, Seniorenbetreuung, Ergotherapie oder Physiotherapie schreibt, kann bei mir gern ein Rezensionsexemplar meines Praxisbuchs erhalten. Auch in Magazinen für Asthmabetroffene oder COPD-Gruppen werden Fachbücher vorgestellt, was ich als Autorin natürlich nicht selbst tun kann. Wer Interesse an einem Rezensionsexemplar hat und mir den Namen der Publikation oder des Forums nennt, bekommt von mir ein Atemfreude-Buch zugeschickt. Anfragen erreichen mich über das Kontaktformular.

Atemfreude, aufmerksam

Warum niemand in den Bauch atmen muss

Gestern nahm ich an einem Seminar teil, indem es unter anderem eine geführte Atemmeditation angab.
Anschließend meinte eine Teilnehmerin, dass sie es gar nicht so schlimm wie sonst fand, weil sie einfach nicht versucht habe, den Atem krampfhaft in den Bauch zu lenken.
Ich finde es furchtbar, dass die vergangenen fünfzehn Jahre jede SporttrainerIn und die meisten TherapeutInnen die Menschen ständig auffordern, tief in den Bauch zu atmen. Es wirkt wie ein Zwang: Jede erwachsene, gesunde und erfolgreiche Person atmet in den Bauch. Tut sie das nicht, ist sie unreif oder krank oder hat sonst irgendein Problem.
Nein! Woher kommt dieses Dogma der Bauchatmung, die alle selig machen soll?


Meiner beruflichen Erfahrung nach ist die Brustatmung genauso normal und damit „gesund“ wie die Bauchatmung. Solange nicht flach und hechelnd oder extrem nach oben verschoben in die Schlüsselbeinregion (Clavicular-Atmung) geatmet wird, ist doch alles im Rahmen der menschlichen Individualität!
Auf welcher Grundlage nehmen sich SportlehrerInnen und TherapeutInnen das Recht heraus, Menschen unter Druck zu setzen, in den Bauch atmen zu müssen? Natürlich gibt es Menschen, die von einer vertieften Atmung profitieren – ungefähr alle SeniorInnen, mit denen ich meine Atemgymnastik mache. Aber eine vertiefte Atmung kann doch auch einfach eine raumgreifende Brustatmung sein, ohne krampfhaft in den Bauch gepresst werden zu müssen! Eine „normale“ Brustatmung ist in meinen Augen viel gesünder als eine künstlich produzierte Bauchatmung. Bl0ß, weil ich als Atemtherapeutin automatisch in Brust- und Bauchraum atme, bedeutet das doch nicht, dass ich damit ein leuchtendes Vorbild bin und andere unter Androhung von gesundheitlichen Folgen zu einer Bauchatmung zwingen muss.


Mich erinnert dieser geradezu religiöse Kampf um die Überlegenheit der Bauchatmung an den Macho Sigmund Freud, der damals behauptete, nur ein vaginaler Orgasmus sei ein korrekter Orgasmus, der klitorale sei unreif und unvollkommen. Tja, nur schade, dass es keinen vaginalen Orgasmus ohne die Klitoris gibt, die sich noch weit um die Scheide in das Innere der Frau zieht.
Genauso ist es mit der Bauchatmung: Keine Bauchatmung ohne Brustatmung, und warum lassen wir nicht einfach jedes Individuum so atmen, wie es atmet? Ein Orgasmus ist schön, piepegal, wo er ausgelöst wird; und der Atemfluss ist schön, piepegal, wo er hauptsächlich stattfindet!
Wer akut unter Atemnot, einer flachen und heiseren oder zu hohen Stimme leidet, kann gern Richtung Bauchatmung experimentieren. Wer gesund und glücklich mit der Brustatmung ist, soll sich bloß nichts Falsches einreden lassen!
Meine Erfahrung zeigt, dass manche lieber in die Brust atmen und andere lieber den Bauch in die Atmung einbeziehen. Beides ist normal, beides ist gesund, Ende der Glaubenskämpfe um die heilige Bauchatmung!

Mehr Infos über meine Atemgymnastik mit SeniorInnen sind unter Atemfreude zu finden.