aufmerksam, feminin, glaubhaft

Das Geschenk der Ehrlichkeit

Du lästerst doch auch gerne, oder? Komm, gib es zu: Die eine oder andere Bemerkung über das Aussehen, die Ehe, die Erziehungsprobleme der anderen machen dir Spaß. Und solange es nicht richtig fies klingt, finden wir das auch völlig okay. Selbst ChristInnen lästern gern und finden nichts dabei, weil sie der Meinung sind, das sei noch gar kein Lästern, nur eine lässige Anmerkung nebenbei.

Gerade erlebe ich, welch großes Geschenk Ehrlichkeit ist. Radikale, liebevolle Ehrlichkeit. Die einschließt, dass bestimmte Arten der Kommunikation nicht stattfinden. Wenn mir jemand sagt: „Toll, wie schlank du über die Jahre geblieben bist, meine Ehefrau hat sich leider nicht so gut im Griff.“ ist das ein vergiftetes Geschenk. Ja, theoretisch freue ich mich darüber, nein, mit ganzem Herzen aber nicht: Weil zum Preis meines Kompliments jemand anderes erniedrigt wurde. Und weil ich weiß: Das Positive, das diese Person mir gegenüber nennt, verwendet sie jemand anderem gegenüber garantiert gegen mich. Wer mit bestimmten Mitmenschen nicht loyal umgeht, wird in meiner Abwesenheit auch nicht loyal zu mir stehen.

Ich war immer schon sehr direkt und wahrheitsliebend und versuche im Alltag, mich an den Spruch „Wenn du nichts Nettes sagen kannst, sag gar nichts“ zu halten. Aber erst durch meinen neuen Freundeskreis auf der einen Seite und Personen, deren Moral ganz anders aussieht auf der anderen Seite, wird mir der Wert von Ehrlichkeit bewusst. Eine Freundschaft ist für mich wertvoll, wenn ich über Siege und Niederlagen gleichermaßen sprechen kann. Und wenn nichts von beiden anderen gegenüber gegen mich verwendet wird. Wenn wir uns aus ganzem Herzen mitfreuen und mitrauern, ohne uns innerlich dafür krumm zu machen. Viele sind mit scheinbarem Mitgefühl in schwierigen Phasen des Gegenübers ja sehr freigiebig, kämpfen aber sofort mit Neid, sobald es im Leben der Freundin wieder bergauf geht.

Wann fällt es dir leicht, offen und authentisch zu sein?
Wann übertreibst du lieber oder spielst Erlebnisse herunter, um vor deinem Gegenüber deinen Stolz zu bewahren?
Wem fällst du, vielleicht unbewusst, in den Rücken? Und warum?
Was würde radikale Ehrlichkeit, in Liebe ausgesprochen, in deinem Leben verändern?

aufmerksam, glaubhaft

Hoffnung in Krisen: Geduldig bleiben trotz Corona

Die anhaltende Corona-Pandemie raubt vielen von uns den letzten Nerv. Wir können uns kaum über die Lockerungen der Einschränkungen freuen, weil die Bedrohung weiter über uns hängt. Viele sind genervt, erschöpft, einsam. Die bisher mobilisierte Geduld nimmt ab, Hoffnung schwindet zusehens: Erst geben wir unsere Urlaubspläne auf, dann vertagen wir unsere Lebensträume und richten uns in einem engen Radius ein. Nicht für immer, versichern wir uns, aber langsam verlieren wir unsere innere Stärke.

Daher freute ich mich, als ich zufällig über die Geschichte der Sängerin Tasha Layton und ihres Mannes stolperte:
Sie waren zutiefst enttäuscht, weil sie keine Kinder bekommen konnten. Er litt seit Jahren unter chronischen Rückenschmerzen, die ihn extrem einschränkten und seine Fruchtbarkeit beeinflussten. Um den Kreislauf aus Versagen und Hoffnungslosigkeit zu durchbrechen, schrieben sie eine Liste, auf die sie drei Punkte setzten:
In diesem Jahr wollen wir nach Afrika reisen, ein neues Haus kaufen (sie wohnen in den USA, da tut man das wohl regelmäßig) und schwanger werden.
Bäm. Der Drei-Punkte-Plan für dieses Jahr, Gott. Jetzt sieh zu, wie du das geregelt kriegst!
Sie legten die Liste in irgendeine Schublade und lebten ihren Alltag, bis sie plötzlich von Freunden nach Afrika eingeladen wurden, um Bands zu coachen. Erster Traum erfüllt.
Dort waren die Rückenschmerzen des Mannes eines Abends so schlimm, dass er sich auf die Bühne kniete, um irgendeine halbwegs erträgliche Position zu finden. Er betete, wieder einmal, dass die Rückenschmerzen aufhören, und -bäm- waren sie weg und kamen nie wieder. Zweiter, eigentlich gar nicht laut formulierter Wunsch erfüllt.
Als sie nach der Afrika-Reise zurück kamen, wartete ihr neues Haus auf sie (sie verrieten leider nicht, woher es kam, aber es wartete auf sie). Dritter Traum erfüllt.
Und zwei Wochen vor Ende des Jahres waren sie schwanger, weil durch den geheilten Rücken die Spermien besser schwammen (sorry, das ist jetzt sehr salopp). Vierter Traum erfüllt.
Bäm, drei Wünsche, ein Jahr, alles erfüllt plus ein Wunsch extra, und das durch Gottes Gnade.
Das erzähle ich so schnodderig, weil es mich zutiefst berührt und ich nicht in eine schwülstige Form des Märchen-Erzählens verfallen möchte.
Aber es tut so, so gut, endlich mal wieder zu hören, wie Gott eingreift und Leben verändert, und den Fokus weg von meinen Grenzen und hin auf Gottes Möglichkeiten zu richten.
Wer mag, schaut sich die Geschichte der beiden hier als Video an.

Mir raubt Corona mit diversen Nebenwirkungen inzwischen wirklich die Lust am Leben und Arbeiten und ich merke, wie die Nerven blank liegen.
Daher teile ich mit allen, die Musik mögen, das Lied „The Goodness of God“:

I love You, Lord (Ich liebe dich, Herr)
For Your mercy never fails me (Weil deine Gnade mich nie enttäuscht)
All my days, I’ve been held in Your hands (Alle meine Tage hälst du mich in deinen Händen)
From the moment that I wake up (Vom Moment, wenn ich aufwache)
Until I lay my head (Bis ich meinen Kopf hinlege)
Oh, I will sing of the goodness of God (Will ich von deiner Güte singen)

Cause all my life You have been faithful  (Denn mein ganzes Leben warst du treu)
And all my life You have been so, so good (Und mein ganzes Leben warst du so, so gut)
With every breath that I am able (Mit jedem Atemzug, zu dem ich fähig bin)
Oh, I will sing of the goodness of God (Oh, will ich von der Güte Gottes singen)

I love Your voice (Ich liebe deine Stimme)
You have led me through the fire (Du hast mich durch´s Feuer geleitet)
And in darkest night You are close like no other (Und in der dunkelsten Nacht bist du dichter als jeder andere)
I’ve known You as a Father (Ich kenne dich als Vater)
I’ve known You as a Friend (Ich kenne dich als Freund)
And I have lived in the goodness of God, yeah (Und ich habe in der Güte Gottes gelebt, yeah)

‚Cause Your goodness is running after, it’s running after me (Denn deine Güte rennt, sie rennt hinter mir her)
Your goodness is running after, it’s running after me (Deine Güte rennt, sie rennt hinter mir her)
With my life laid down, I’m surrendered now
I give You everything

aufmerksam, glaubhaft

Was gibt meinem Leben Halt und Sinn? Und was ist mein Lebenstraum?

Die weltweite Corona-Epidemie schüttelt unser Selbstverständnis kräftig durch.
Dass wir als Westeuropäer auf der Sonnenseite des Globus leben und die Sicherheit unserer Lebensumstände für selbstverständlich nehmen, gerät gerade ins Wanken.
Unsere große Chance ist jetzt, diese Verunsicherung zuzulassen und uns aktiv damit zu beschäftigen, statt uns mit Fernsehen und Glücksspiel im Internet abzulenken.

Wenn ich Mitmenschen nach ihrem Lebenstraum frage, ernte ich oft  irritierte bis leere Blicke.
Mir wurde bereits mehrfach nahegelegt, wenn mein Leben mich nicht ausfülle, solle ich gefälligst Kinder gebären, dann hätte ich garantiert nie mehr Zeit für derartige Luxusgedanken.
Dabei finde ich es existenziell notwendig, jeden Tag in dem Bewusstsein zu leben, wozu ich auf der Welt bin und was meiner Existenz ihren Sinn gibt.
Die Frage nach dem eigenen Auftrag in dieser Gesellschaft ist kein überflüssiges Pillepalle, sondern für unsere psychische Gesundheit und unsere Zufriedenheit lebensnotwendig.

Das Corona-Virus zeigt uns derzeit ganz existenziell, wie verwundbar wir Menschen sind und wie vergänglich das Leben sein kann.
Was sind meine Lebensträume? Egal, wie lange sie zurückliegen mögen und ob ich heute abgeklärt auf die Träume meiner Jugend schaue, sie verraten mir viel über die grundlegenden Bedürfnisse und Wünsche meiner Persönlichkeit.
Was möchte ich erreichen, solange ich auf dieser Welt unterwegs bin?
Woran sollen sich meine Mitmenschen erinnern?
Was ist das Ziel, der Sinn meines Lebens?
Was brauche ich, um diese Fragen zu klären?
Gebe ich meinem längst verlorenen Glauben eine zweite Chance? Gibt es Menschen, die eine andere Perspektive auf das Leben haben und von denen ich lernen kann?

Für mich persönlich ist ganz klar, dass Gott mich geschaffen hat. Ich habe die volle Freiheit, was ich mit meinem Leben anstelle, dennoch kann ich mich darauf verlassen, dass Gott einen guten Plan für mich hat. Auf den kann ich schei*en, ich kann mich aber auch fragen, welcher Auftrag sich aus der Kombination meiner Persönlichkeit und meiner Talente ergibt. Bei welchen Tätigkeiten mein Herz aufgeht, welche Menschen mich besonders berühren, was mein Lebensgefühl bestimmt.
Wann fühle ich mich am richtigen Ort, wo gerate ich in Flow?
Welche meiner größten Stärken passt zu den tiefsten Nöten dieser Welt?

Ich träume von einem offenen Haus, das jedeN willkommen heißt.
Einem gemütlichen Café, in dem die syrische Mutter neben dem Arbeitslosen sitzt und mit der einsamen alten Dame ins Gespräch kommt.
Im Raum nebenan treffen sich alte Herren mit afrikanischen Flüchtlingen und Jugendlichen ohne Schulabschluss, um gemeinsam Radios und Bügeleisen zu reparieren.
Die Familien-Beratungsstelle hat ihr Treffen heute in den Garten verlegt, dort werkeln Alleinerziehende und kinderreiche Familien zusammen an den Hochbeeten.
Der Schuppen im Garten wird zum Probenraum für MusikerInnen umgebaut, und im Keller richten sich Mädchen ihren Treffpunkt als geschützte Höhle ein.
Das Atelier unter dem Dach wird heute von Menschen mit Demenz zum Töpfern benutzt und der Deutschkurs sammelt in der Nachbarschaft Holunderblüten, um Pfannkuchen zu backen.
Ich bin mittendrin, gestalte Kurse und Veranstaltungen, sorge für die Öffentlichkeitsarbeit, pflege Beziehungen und lade  zum Austausch ein.

aufmerksam, feminin, glaubhaft

Augen auf beim Männerkauf: Wen wir heiraten, bestimmt über das weitere Leben

„Augen auf beim Männerkauf“: Den Spruch zum Autokauf können wir wunderbar für die Partnerwahl umwandeln, finde ich. Denn der Mann (oder die Frau), den wir wählen, bestimmt darüber, welches Leben wir leben. Gemeinsam werden wir Entscheidungen fällen, Gewohnheiten entwickeln, unsere Prioritäten setzen. Mit wem wir zusammen ziehen, sollte also nicht nur eine Gefühlsentscheidung sein, weil das Gegenüber unseren Humor teilt, leidenschaftlich im Bett ist oder Geborgenheit bietet. Das mag für den Moment wahr und passend sein, aber was ist, wenn die Jahre ins Land gehen und wir uns plötzlich fragen, warum unser Leben ist, wie es ist?
Warum sind wir ständig knapp bei Kasse, obwohl beide gut verdienen?
Warum lasse ich als Frau plötzlich die Verhütung schleifen, obwohl ich nie Kinder wollte (oder warum bin ich plötzlich schwanger, obwohl ich nie Kinder wollte)?
Warum redet mein Partner dauernd vom Hauskauf, während ich eigentlich örtlich ungebunden bleiben und berufliche Experimente wagen wollte?
Warum sitzen wir seit 13 Jahren im tiefsten Schwarzwald fest, obwohl ich von einem unkonventionellen Leben in einer Kommune auf Rügen geträumt habe?
Ja, warum?


Weil Partnerschaft aus Billionen winziger Entscheidungen besteht.
Diese oft unbewussten Entscheidungen prägen uns und bestimmen, was wir essen, wo wir arbeiten, wie wir mit unserem Geld umgehen, wie wir unseren Körper behandeln, mit wem wir befreundet sind, wohin wir reisen und so weiter. Es sind schier unendliche Entscheidungen, die wir nebenher treffen, aus denen langfristig ein gemeinsames Leben als Paar besteht. Das wenigste davon absichtlich, aber: Provisorien halten oft am Längsten, wie eine Freundin kürzlich meinte.
Und plötzlich sitzen wir mit drei Kindern, Dackel und Ehemann hochverschuldet in einem Eigenheim im Schwarzwald und helfen ehrenamtlich bei Wandertagen und Bastelnachmittagen. Stattdessen dachten wir irgendwann mit 22 Jahren, wir würden nach dem Examen in verschiedenen Ländern weltweit erste Berufserfahrungen sammeln, um danach eine eigene Firma zu gründen. Oder auf Rügen in einer Kommune leben und Permakultur betreiben. Oder in der Großstadt geschäftsführende Partnerin in einer Medienagentur sein.
Nix internationale Erfahrungen, freie Liebe oder Karriere: Stattdessen sitzen wir in einem traditionellen Alltag im dörflichen Schwarzwald fest und fragen uns, ob dieser dickköpfige Macho an unserer Seite immer schon so war. War der nicht mal lässiger, intelligenter, spontaner und liebevoller? Oder haben wir diesen patriotischen, patriarchalischen „Ich habe Recht, und so machen wir das“-Anspruch früher einfach als tatkräftig und selbstsicher wahrgenommen?

Ich wundere mich oft, wie schnell Frauen in meinem Umfeld mit einem neuen Partner zusammen ziehen, während ich schon aus der Entfernung heftiges Bauchweh bekomme. Meist halten die Beziehungen nicht, obwohl so manche Frau krampfhaft schwanger werden will oder andere Großprojekte anfängt, um der Partnerschaft einen Basis und Gültigkeit zu geben.
Manchmal bekomme ich auch Bauchweh, weil ich sehe, wie ernst es dem Mann ist und denke: „Schätzelein, der wird in Kürze mit einem Verlobungsring vor dir stehen und ein eindeutiges JA erwarten. Ist dir das klar? Und willst du das? Vor allem: Willst du das die nächsten Jahrzehnte lang? So, wir der heute drauf ist, wird er voraussichtlich bis zum Lebensende drauf sein. Und was heute sexy ist, ist in zehn Jahren oft nur noch nervig. Willst du das bis zur letzten Konsequenz?“
Denn seine Einstellungen, seine Entscheidungen und seine Gewohnheiten werden dein Leben prägen. Egal, ob er dir gegenüber sanftmütig, gleichberechtigt oder dominant auftritt: Der ist so, der ändert sich nur marginal. What you see is what you get. Du bist ja auch so, wie du bist, und wirst nicht plötzlich eine ganz andere.
Also, Augen auf beim Männerkauf, denn damit legst du deine Zukunft fest. Umso mehr, wenn du nicht weißt, was du dir selbst von deiner Zukunft wünschst.

Besonders schön ist es, festzustellen, dass mein Ehemann und ich im Laufe der Jahre sowohl unbewusst als auch absichtlich aufeinander zu wachsen. Dass wir neue Perspektiven entdecken und unbekanntes Terrain erobern, weil es Freude macht, sich gemeinsam zu verändern und den Lebensweg miteinander zu gestalten. Und niemand unglücklich im Schwarzwald festsitzt. 😉

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Die Sandkasten-Fabrik: Ein Märchen über den Sinn des Lebens


Sie saß in der Sandkiste und backte Sandkuchen, die sie in einer langen Schlange auf dem hölzernen Rahmen aufreihte. Die Serie der Sandkuchen wuchs, während ich sie fragte, was sie mit all diesen blassen Gebilden wollte. „Ich backe Sandkuchen, weil ich das Geld brauche, um die Miete zu bezahlen. Ich bezahle die Miete, um wohnen zu können. Mit dem Geld bezahle ich auch mein Essen, meine Kleidung, und was übrig bleibt, nehme ich für Hobbies und zum Reisen.“
Ja, sicherlich, alle müssen arbeiten, um sich neben Geld auch einen Platz in der Gesellschaft zu verdienen. Klar. Aber wie sinnvoll ist ausgerechnet Sandkuchen backen? Gut, es garantiert ein vernünftiges Einkommen und Sandkuchen-Kauffrauen haben ein stabiles Ansehen in der Öffentlichkeit. Dennoch leben wir alle auch ohne Sandkuchen gut weiter. Sandkuchen sind verzichtbar, so wie gefühlt 80% all der Konsumgüter, die täglich auf den Markt gepumpt werden.
„Aber meine Sandkuchen-Firma hat eine große Lobby, und es gibt Menschen, zu deren Glück und Gesundheit wir damit effektiv beitragen.“ Mag sein, dass die Aufsichtsräte das behaupten und dass es genügend Absatzmöglichkeiten für Sandkuchen gibt. Aber wie sinnvoll ist das Backen und Verkaufen von Sandkuchen? Du bist doch so viel mehr als die Summe deiner Arbeitsstunden, um den Sandkuchen-Vertrieb reibungslos laufen zu lassen!
„Ganz offensichtlich verkauft sich Sandkuchen gut!“ Ja, natürlich, so gut wie alles verkauft sich gut, ob Toilettenpapier oder Grippemittel, aber ist es wirklich sinnvoll, dass du deine Lebenszeit in Sandkuchen investierst?


„Meine Arbeitszeit, nicht meine Lebenszeit! In meiner Freizeit bin ich schließlich ganz anders!“ Ja, eben, das ist ja das Schlimme! Warum kannst du in deiner Freizeit ganz anders sein? Weil du im Beruf offensichtlich nicht du selbst bist! Oder nur eine geschäftsmäßige, scheinbar erwachsene Version deiner selbst.
Fragst du dich nie, wozu du auf der Welt bist?
Was dein Auftrag ist, in der Zeit, die du auf diesem Planeten unterwegs bist?
Welche Talente du hast und welche Lebensaufgabe aus diesen Begabungen wächst?
Wenn du stirbst, möchtest du dann sagen, dass du x-tausend Sandkuchen vermarktet und verkauft hast?
War das alles?

Sicher, du hast gelegentlich gespendet, hast nette Geburtstagskarten an alte, halb vergessene Verwandte geschickt, hast bei den Nachbarn gelegentlich babygesittet. Du hattest ein vernünftiges, anständiges Leben. Warst manchmal hilfsbereit, wenn es zeitlich gerade passte. Ein guter Mensch, alles in allem.
Aber hast du dein Leben bis zum Letzten ausgekostet, alle Fähigkeiten eingesetzt, diese begrenzte Zeit bunt und wertvoll für dich und andere zu gestalten?
Hat sich dein Leben für andere Menschen gelohnt?
Deine Fähigkeiten sind ein Geschenk für dich und für andere. Hast du sie genährt und zum Blühen gebracht oder achtlos am Rand liegen gelassen, weil sie scheinbar nicht in heutige Wirtschaftskreisläufe passten?
Hast du nach deiner eigenen Melodie getanzt und dir deinen persönlichen Weg durch das Leben gebahnt?
Oder hast du getan, was getan werden musste, und deine Lebenszeit säuberlich verwaltet?


Wozu bist du hier?
Wer soll dich eines Tages vermissen und warum?
Was möchtest du hinterlassen?
Denn Sandkuchen, das sage ich dir, fangen an zu trocknen, sobald sie die Form verlassen und in einer Reihe um den Sandkasten aufgereiht stehen. Sie trocknen, sie rieseln, ihre sauberen Ränder verwischen sich. Der Sand rinnt von oben hinab und sammelt sich rund um die Basis, bis alles soweit zusammen sackt, dass ein sandiger Haufen zurück bleibt. Wenn es regnet, ein müder Matschfleck.
Und das ist ein Lebenswerk?

aufmerksam, glaubhaft

Wenn sich unser Leben ganz anders entwickelt, als wir wollen

Gott hat wirklich Humor:
Seit zwei Jahren bete ich dauernd für ein Anliegen, und nichts passiert. Gar nichts, zumindest aus meiner menschlichen Perspektive nicht. Stattdessen habe ich mit Projekten Erfolg, die mir gar nicht (mehr) wichtig sind, die sich aber (quasi versehentlich) zum Selbstläufer entwickeln. Was ja schön ist. Wirklich.
Aber eben nicht das, wofür ich seit zwei Jahren bete und was einen sehr großen Teil meines Lebens bestimmt.
Ich fiel aus allen Wolken, als ich die Anfrage erhielt, für einen sozialen Preis Teil der Jury für 2020 zu werden (mehr verrate ich an anderer Stelle, wenn ich es offiziell darf). Natürlich freue ich mich, zusammen mit zwei weiteren Jurymitgliedern und einer Verantwortlichen von Seiten des Verlags ausgewählt worden zu sein. Es ist eine fantastische Würdigung meiner Kompetenz und darauf bin ich stolz.
Dennoch fühle ich mich wie ein kleines Mädchen, das von seiner Oma einen rosa Angora-Pulli geschenkt bekommt und völlig verkrampft pflichtbewusst „Danke, liebe Oma, für diesen kuscheligen Pulli!“ hervor presst. Einfach, weil das Geschenk zwar schön ist, aber eben nicht das, wofür ich mich seit zwei Jahren abstrample.

Kurze Zeit später erhielt ich die Anfrage einer Wochenzeitung für Management in der Seniorenpflege, ob ich kurzfristig einen Artikel über meine „Atemfreude“ schreiben könne. Klar konnte ich, zwei Tage später lag der Redakteurin mein Text inklusive Bildmaterial vor. Es ist schön, zu erleben, dass Interessierte auf mich zukommen, statt ständig krampfhaft um Aufmerksamkeit für meine Arbeit werben zu müssen.
Aber auch hier: Danke, Gott, für den Erfolg, aber eigentlich liegt mein Fokus doch ganz wo anders…

Gott hat Humor.
Er gibt mir (noch) nicht das, wofür ich seit Langem brenne, und wirft mir stattdessen Geschenke vor die Füße, mit denen ich vor Überraschung nichts anzufangen weiß.
So ist es in meinem Leben oft: Ich wünsche mir eine schöne, glatte, große rote Paprika, und stattdessen bekomme ich zwei hellgelbe Krumme, vier scharfe winzige Rote und eine schiefe Gelb-grüne. Was definitiv aufregender und vitamintechnisch abwechslungsreicher ist als die EU-normierte Fließband-Paprika, an die ich gedacht hatte. Aber eben nicht das, womit ich gerechnet habe.
Fakt ist, mit Gott wird es nie langweilig.
Und er lässt mich nicht im Stich. Während er aus mir unerfindlichen Gründen der Meinung ist, dass das Erreichen meines Ziels noch etwas dauern sollte, hält er mich mit wilden Überraschungen bei Laune.

Das passende Lied dazu: „Still (Hide me now)“ von Hillsong

aufmerksam, feminin, glaubhaft

Den richtigen Platz finden – beruflich und privat


Ich habe eine große Sehnsucht danach, einen Ort zum Bleiben zu finden und mich fest zu verwurzeln. Auch, wenn ich eine sehr neugierige und dynamische Seite habe, sodass ich mich beruflich schnell langweile und neue Projekte brauche: Grundsätzlich am richtigen Platz zu sein, ist viel wert. Das merke ich seit einigen Monaten in meiner neuen Kirchengemeinde, wo sich nach dem ersten Jahr oberflächlicher Kontakte jetzt Freundschaften vertiefen. Ich genieße den Gottesdienst voller Lebensenergie und Inspiration, die neuen Blickwinkel, einen weit geöffneten Horizont. Auch innerlich verändern mich die Inhalte aus Predigten und Gesprächen positiv und umfassend.

Beruflich dagegen sind noch viele Wünsche offen.
Ich liebe es, Menschen zusammen zu bringen und Lebensfreude im Alltag zu fördern. Positive Momente zu gestalten, zum Nachdenken anzuregen, mit Humor müde Geister zu wecken. Wo und wie ich arbeite, ist allerdings noch längst nicht das, was ich mir langfristig wünsche. Dass ich parallel als Autorin arbeite, sorgt für willkommene Abwechslung und Ablenkung. Dennoch verfolgt mich die Frage, wie ich den Platz finde, an dem ich mich verwurzeln möchte. An dem ich fruchtbar bin, meine Talente anderen Menschen dienen, ich zufrieden mit meiner Leistung und meinem Team sein kann.


Am letzten Sonntag sprach mich der Mann einer Freundin an, dem ich versehentlich zu einer neuen Arbeitsstelle verholfen habe. Seine Frau besuchte meinen Atemfreude-Workshop, lernte dort die Leitung einer neuen Einrichtung kennen, erzählte ihrem Mann davon, und der Rest ist Geschichte. Da ich ständig auf der Suche nach den passenden Kontakten bin, freut es mich wahnsinnig, dass ICH diejenige war, die jemand anderem helfen konnte. Die Suche nach „Vitamin B“ fühlt sich ja sonst auf Dauer ziemlich egoistisch an…
Eine Freundin wurde gerade aktiv von ihrem neuen Arbeitgeber angeworben, statt monatelang verkrampft nach einer vielversprechenden Alternative suchen zu müssen. Und ein Bekannter hat nach langen selbstständigen Jahren eine Perspektive als Angestellter gefunden.
Drei ermutigende Lebens- und Jobgeschichten am gleichen Sonntag – das macht Hoffnung, dem allmächtigen Gott die voller Wucht meiner Wünsche und Erwartungen zuzutrauen. Keine kleinen Brötchen zu backen, sondern das Maximum zu erträumen.

Und was hilft nun in der Zeit des Suchens und Wartens?
+ Dran bleiben und Ruhe bewahren:
Eine gute Mischung aus Hartnäckigkeit einerseits und locker bleiben andererseits hilft, wenn aus Monaten Jahre werden und sich nichts zu verändern scheint.

+ Zusammen beten:
Allein verlieren wir oft den Mut und den Fokus, wir lassen uns ablenken und vergessen irgendwann, dass das Erreichen des Ziels letztlich von Gott abhängt. Egal, wie krampfhaft wir uns bemühen: Gott hat uns erschaffen, er kennt uns bis auf den Grund unserer Seele, hat diese Sehnsucht in uns gelegt. Umso mehr wird er dafür sorgen, dass die Sehnsucht Erfüllung findet. Aber sein Zeitplan ist oft ein anderer als unserer, und manche Entwicklungsaufgabe will erst erledigt werden, bis wir wirklich reif für unseren Traum sind. Zusammen zu beten hilft, das große Ganze im Blick zu behalten und immer wieder mit neuem Schwung mit Gott ins Gespräch zu kommen.

+ Dankbar für das Gute im Hier und Heute sein:
Ich bin seit einiger Zeit ganz neu dankbar für unsere Ehe. Das in den Fokus zu rücken, was gut läuft, und sei es noch so unspektakulär, sorgt für ein gesundes Gleichgewicht. Sonst bluten wir aus auf dem Rennen zum Lebenstraum.

Und wann ich tief verwurzelt und von kraftvollem Leben umgeben bin wie diese Palmen im Dschungel, die ich neulich malte?
Wir werden sehen…

aufmerksam, feminin, glaubhaft

Die Freude am Verpassen: Joy Of Missing Out

Im Englischen gibt es den Begriff „fomo“: Fear of missing out – die Angst, etwas zu verpassen. In den eng getakteten, oft völlig zerissenen Tagen des Alltags macht sich bei manchen ein Wechsel der Blickrichtung bemerkbar. Es entsteht „jomo“: Joy of missing out – die Freude, etwas zu verpassen.
Viele von uns meinen, das was wir tun, würde unser Leben prägen: In welcher Branche wir arbeiten, wofür wir unser Geld ausgeben, womit wir unsere Freizeit füllen. Das stimmt natürlich, doch genauso wichtig finde ich die Aktivitäten, die wir ausklammern.
Ich besitze aus Prinzip kein Smartphone, und mein 16 Jahre altes Handy liegt meistens zu Hause im Arbeitszimmer auf dem Aktenschrank. Oft bekomme ich wochenlang keine SMS. In den Urlaub nehme ich es meist noch nicht einmal mit. Wenn es tagelang ohne Strom irgendwo herum liegt, stört das niemanden. Wer mich sprechen oder treffen möchte, kann das leibhaftig vor Ort oder unterwegs tun. Kann das Festnetz nutzen oder eine Mail schreiben. Die ganze Tyrannei des ständigen „Es-plinkt-und-blinkt-jetzt-schickt-meine-Freundin-ein-Bild-von-ihrem-neuen-Blumentopf-deswegen-werde-ich-alle-11-Minuten-aus-meiner-Konzentration-gerissen“ verpasse ich. Mit aller-allergrößter Freude. Wenn es wichtig ist, erreicht man mich. Wenn es trivialer Blödsinn ist, der deine und meine Zeit stiehlt, nicht.


Wofür verschenkst du deine Zeit nicht? Whats-App, Tagesschau, Netflix-Serien, Werbung, sensationsgeile Überschriften, Shopping?
Wofür gibst du dein Geld nicht aus? Auto, Süßigkeiten, elektronische Geräte für Spiel und Spaß, Markenkleidung, Festivals, Hauskredit?
Welche Meinungen und Trends des aktuellen Zeitgeists verpasst du mit vollem Genuss?

Der Witz ist ja, wie ich schon öfter geschrieben habe, dass wir fast nichts müssen. Wir müssen arbeiten, um unseren Lebensunterhalt zu sichern, und damit Steuern, Krankenkassenbeiträge u.ä. zahlen. Was wir arbeiten, und welchen Wert wir unserer Tätigkeit beimessen, ist eine Frage der eigenen Prioritäten. Wir können gerade so viel arbeiten, dass es zum knappen Überleben reicht, und den Rest der Zeit in einem Selbstversorger-Garten verbringen. Oder mit Flüchtlingskindern spielen. Oder ausgesetzte Tiere retten.
Alles andere ist unsere ureigene Entscheidung.
Und wenn wir andere Menschen Entscheidungen über unser Leben treffen lassen, ist auch das unsere persönliche Wahl.
Wir hätten eine andere gehabt, denn: Wir müssen gar nichts.
Gar nichts.

Niemand zwingt uns, eine Verabredung einzuhalten, auf die wir eigentlich keine Lust haben. Also tatsächlich: Wirklich überhaupt keine Lust haben. Die wir aber nicht absagen mögen, weil dann andere enttäuscht sein könnten. Oder wir im Freundeskreis den Anschluss verpassen könnten, wenn wir schon wieder fehlen.
Das riecht nicht nach Genuss, sondern nach Angst. Wobei die Person, die über unsere Abwesenheit enttäuscht ist, für ihr Gefühl der Enttäuschung selbst die Verantwortung trägt.
Und der Freundeskreis, der ein „Ich möchte heute einfach nur Ruhe haben, viel Spaß bei eurem Treffen, ohne mich“ nicht verträgt, ist vielleicht kein tragbares Netz für mein Herz.

Wer denkt „Eigentlich wollte ich ja mitmachen / hinfahren / unterstützen, aber ich sehne mich so nach einer Auszeit“ kann sich sicher sein, dass das Herz bei der geplanten Aktivität nicht voll dabei sein wird. Und wenn das Herz nicht voll dabei ist, ist es faktisch gar nicht dabei, und dann hat es keinen Wert für unser Leben. Schließlich haben wir nur ein Leben, während wir so tun, als könnten wir unsere Zeit beliebig oft verteilen, auch an Aktivitäten, die eigentlich unwichtig sind.
Wer sich dennoch zwingt, aus innerem Verpflichtetfühlen den eigenen Widerstand zu übergehen, wird kaum Freude an dem krampfhaft eingehaltenen Termin haben. Aber eine Verabredung mit lauwarmer Motivation absolviert haben: Herzlichen Glückwunsch für die Freundin, die dieses Vergnügen mit uns teilte! (Hust)
Wer weiß, vielleicht hätte sie selbst lieber mit einem Buch im Garten unter der Linde gesessen, statt sich zwanghaft mit uns zu treffen?!

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earthy – erdverbunden

„Ziemlich wichtig ist in Denmark (Australien) die earthyness. Im Prinzip kann recht vieles earthy sein: Zum Beispiel ist ein Haus umso earthier, je windschiefer, improvisiert-selbstgebastelt-hexenhafter es sich in seinen Standort einschmiegt, fast so wie diese Wohnhöhlen der Hobbits in Auenland. Auch ein anständig bemaltes Fahrrad mit Blumenkorb und gestrickten Lenkerwärmern kann durchaus als earthy durchgehen, oder eine Party, bei der es gegrillte, ledrige Äpfel anstelle von Pommes, Geige statt Techno und Zimt statt Koks gibt. Überhaupt ist Denmark das Gegenteil vom latent zugekoksten, trendigen Süd-Perth der selbsternannten australischen Oberschicht.
Earthy ist ein Tausch von Lebensmitteln: Der eine Nachbar hat jede Menge Tomaten hinterm Schuppen, der zweite endlich seinen ersten Seelachs geangelt, viel zu groß für nur eine Familie; bei jemandem ist der Traubenmost fertig geworden, und ein anderer hat gerade einen Baum fällen müssen, bestes rotes Jarrah, so hart, dass es sich beim Holzhacken anhört, als würde man die Axt in einen Block aus Glas treiben. Es gibt auch in Essig eingelegte Kürbisse im Tausch gegen Känguruschenkel. (…)
Earthy kann es sein, wenn man ab und zu Bäume umarmt, zumindest als Frau kann man das komplett unkommentiert tun. Manchmal werden in Denmark Wald-Theaterstücke aufgeführt, in denen Blätter sprechen können: „Logisch“, sagte Nina trocken, als wir das zum ersten Mal sahen.


Es gibt extra das Rote Zelt, hinten Richtung Beveridge Road, für Frauen zum „in-Frieden-bluten“, während andere Frauen für sie kräftigende Gemüsebrühe kochen. Das war mir wirklich ziemlich fremd, liegt aber vermutlich einfach daran, dass ich noch nie Menstruationsbeschwerden hatte. Ein beträchtlicher Teil der Einwohner versorgt sich bereits komplett über ein riesiges, gemeinschaftlich finanziertes Windrad in der Nähe des Ocean Beach mit Strom, dann muss man sich nicht allzu sehr mit den Stromkonzernen abgeben.
Die Lebensphilosophie in Denmark kam uns natürlich sehr entgegen, nicht zuletzt, weil wir schließlich mit Mrs. Earthy höchstpersönlich unterwegs waren. Wenn man es zum Beispiel schafft, mithilfe des sogenannten „Umkehrpfützen-Tricks“ fast den gesamten Inhalt einer Pfütze mit weniger als fünf strategisch angelegten Sprüngen ins Innere der Gummistiefel zu befördern, hat man bei den earthigen Nachbarskindern sofort einen Stein im Brett. Zudem fungierten Ninas Jackentaschen als tragbare Terrarien, so dass bald jeder im vernünftigen Alter wusste, dass sie sich um eventuell einsame Regenwürmer aus dem Berridge Park ebenso verantwortungsvoll kümmerte (linke Tasche) wie um die Kellerasseln (rechte Tasche, denn die hatte einen Reißverschluss) vom Parkplatz vor dem fabelhaften Mrs. Jones Café. Wenn es um Tiere ging, konnte man sich immer vertrauensvoll an Nina wenden. Sie wusste, wo die giftigsten Spinnen wohnten und wo die Vogelnester steckten, und sie hortete zusammen mit Simon unter dem Patio ein ganzes Arsenal von sehr earthigen Objekten, von denen wir nichts wissen sollten oder wollten.“

aus: „Eine Million Minuten. Wie ich meiner Tochter einen Wunsch erfüllte und wir das Glück fanden“ von Wolf Küper

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Remember to dance

Erinnere dich daran, zu tanzen

„David und alle Israeliten liefen dem Wagen hinterher. Sie sangen und tanzten mit ganzer Hingabe, sie spielten auf Harfen und Lauten, auf Tamburinen, Zimbeln und Trompeten, um Gott zu loben.“
(Die Bibel, 1. Chronik Kapitel 13, Vers 8)