aufmerksam, glaubhaft

Schönheit und Genuss

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„Schönheit braucht keinen weiteren Grund, um zu sein.“

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Ahorn

„Liebe zur Schönheit ist Geschmack. Das Schaffen von Schönheit ist Kunst.“

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Libelle

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„Und wenn wir die ganze Welt durchreisten, um das Schöne zu finden:
Wir müssen es in uns tragen, sonst finden wir es nicht.“

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Schnecke

„Wahrer Reichtum findet sich nicht im Besitz, sondern im Genießen.“

Alle Ziate von Ralph Waldo Emerson

Die Abbildungen stammen von The Graphics Fairy

aufmerksam

Kindermund: Molekular-Küche

Aus meinem Alltag als Logopädin:

Ein Fünfjähriger erzählt mir eine Bildergeschichte von Kim (dem Unisex-Kind), die aus einzelnen Bildern gelegt wird.
„Kim macht Sauerstoff auf das Salat drauf.“
Ich erkläre, dass auf dem Bild zwei Flaschen zu sehen seien: Öl und Essig.
Er: „Ja gut, Essigkeit tut er auch drauf.“

aufmerksam, glaubhaft

Buchempfehlung: „Voll streng, Frau Freitag!“ von Frau Freitag

Eine Gesamtschullehrerin, die in einem sozial schwachen Stadtteil einer nicht genannten Stadt Norddeutschlands arbeitet, berichtet in diesem Buch unter Pseudonym aus ihrem Alltag:
Ehrlich, nah am Geschehen und sehr humorvoll.
Ihre zehnte Klasse soll sich a) auf die anstehenden Prüfungen zum Realschulabschluss vorbereiten und sich b) auf Lehrstellen bewerben. Da die Jugendlichen bereits daran scheitern, sowohl regelmäßig als auch pünktlich in der Schule zu erscheinen, ist qualifizierter Unterricht meist Wunschdenken. Frau Freitag verzweifelt häufig daran, dass ihre Schüler kein Interesse an einem beruflichen Einstieg haben und gleichzeitig glauben, dass schon das Richtige von allein passiert, wenn die Zeit reif ist. Außerdem macht es ihr Sorgen, dass ihre Schützlinge davon ausgehen, dass es auch weiterhin für Jede und Jeden eine zweite, dritte und vierte Chance geben wird – so wie an der Schule eben.
Der Humor von Frau Freitag zeigt sich sowohl in zitierten Unterhaltungen mit den Jugendlichen (und deren weltfremden Zukunftsgedanken) als auch in ihren Reflektionen zum jeweiligen Thema. Das klingt dröge, ist es aber nicht! 😉
So wundert sich Frau Freitag beispielsweise, dass es pro Klasse an ihrer Schule ein bis drei Jungs gibt, die Zuhälter werden wollen, aber nie ein Mädchen, das ein Leben als Prostituierte anstrebt – und keinem Jungen jemals auffällt, dass sein Berufswunsch, wenn er sich in seinem direkten sozialen Umfeld umsieht, nicht zukunftsversprechend ist, weil es schlichtweg an „Angestellten“ fehlt.

Dies ist bereits der zweite Band von Frau Freitag, den ersten habe ich nicht gelesen – macht nichts, das hole ich bei Gelegenheit nach.
Wen eine ehrliche, praktisch ungefilterte Beschreibung des Schulalltags mit Jugendlichen interessiert und wer trotz der beschriebenen Realität lachen kann: Eine herzliche Empfehlung meinerseits!

aufmerksam, kreativ

Buchempfehlung: „Weltwissen der Siebenjährigen: Wie Kinder die Welt entdecken können“ von Donata Elschenbroich

Als Warnung vorab: Dies ist kein Buch, das man locker nach Feierabend liest. Bei mir waren zwei Fahrten quer durch Deutschland mit der Bahn nötig, um ausreichend Ruhe und eine hinreichend reizarme Umgebung zu haben – dann habe ich es mir mit großem Gewinn zu Gemüte geführt.

Zwischen 1996 und 1999 hat die Autorin zusammen mit einem Team aus wissenschaftlichen MitarbeiterInnen über 150 Gespräche geführt, um herauszufinden, was Kinder im beginnenden Schulalter kennen gelernt haben und wissen sollten.
Dabei führt sie der Weg fort von Kindergärten, in denen jeder nach Lust und Laune tun (und wesentlich häufiger lassen) kann, was er will, hin zu einem ambitionierten und gleichzeitig grundlegenden Bildungsbegriff.
In der Liste, was Siebenjährige getan und erlebt haben sollen, treten natürlich Fähigkeiten unserer Kultur auf den Schauplatz – grundlegende Kenntnisse bezüglich Sprache und Logik, die in jeder Vorschul-Untersuchung abgeprüft werden. Das ist aber nicht das Herzstück des Buches: Es handelt vielmehr vom Horizont des Kindes und seiner Umgebung.
+ War das Kind schon einmal im Wald unterwegs? Welche Erfahrungen hat es dort gemacht?
+ Kann es Gefühle erkennen, einordnen und darauf reagieren? Kann es selbst beschreiben, was es denkt und fühlt?
+ Hat es ein Museum besucht? Was hat es dort erlebt?
+ Welche Besonderheit gibt es in unserer Familie, die andere nicht kennen (Rituale, Wörter, Gerichte …)?
+ Waren die Themen Sterben und Tod für das Kind erlebbar (im Gespräch oder unmittelbar)?
+ Hat das Kind seine Anwesenheit und seine Persönlichkeit als Bereicherung erleben dürfen, hat es als „Problemlöser“ auftreten können (Ich habe eine Situation besser verlassen, als ich sie vorgefunden habe  – habe aufgeräumt, habe getröstet, habe einem Gespräch eine positive Wendung gegeben o.ä.)?
+ Konnte das Kind Stille erleben und wie empfand es sie?

Die Liste ist wesentlich länger und oft sehr ambitioniert.
Anhand von Rezensionen im Internet lässt sich erkennen, dass viele LeserInnen die „Bildungsziele“ willkürlich und zu ehrgeizig fanden. Ja, sie sind sowohl willkürlich als auch ehrgeizig. Aber viele sind ebenfalls der Meinung, dass es schwer wäre, einzelne Bereiche des Weltwissens aus der Aufzählung sowie aus den Berichten der „Experten“ zu streichen. Es kommen verschiedenste Berufsgruppen mit ganz unterschiedlicher Sozialisation zu Wort: Jede und jeder hat einen speziellen Blick auf die Welt, damit ergeben sich jeweils unterschiedliche Erfahrungshorizonte und Bildungsziele.

Stichpunktartige Notizen, was ich bemerkenswert fand, weil es bisher Gehörtes und Gelesenes unterstützt:
– Kinder in ihren Fragen und ihrem Forscherdrang ernst nehmen. Naturwissenschaftliche Fragen so weit es möglich ist beantworten, nicht auf den Physik-Unterricht in der siebten Klasse vertrösten! Gleiches gilt für andere ambitionierte Fragen, die Erwachsene in Verlegenheit bringen…
– Wissen wird durch Erlebnisse aufgebaut: Ganzkörperlich, auf Eigeninitiative und Neugier des Kindes hin, aus der Situation heraus – wenn man sie erkennt und nutzt.
Gespräche und Bücher sind schön – erleben reicht weiter!
– In Anlehnung an ein Referat über Janusz Korczak vor vielen Jahren: Kinder nicht bewahren wollen vor ihrem Drang, die Welt zu erobern. Dem Kind etwas zutrauen.
– Die Zeit vor der Schule für Ausflüge nutzen (Bibliothek, Museum, Wildpark, Naturschutzgebiet, Kirche, Berufe entdecken…)

Natürlich wird immer wieder Bildungskritik betrieben – sowohl von der Verfasserin als auch von den Gesprächspartnern. Das ist berechtigt, soll an dieser Stelle aber nicht weiter thematisiert werden.
In meinen Augen ist der Schwachpunkt dieses Buches, dass es aus Fragmenten besteht. Diese wurden zwar sortiert, die Ordnung leuchtet jedoch nicht ein. Innerhalb einer halben Seite finden häufig beachtliche Sprünge von einem inhaltlichen Schwerpunkt zum anderen statt, ohne dass der Sinn dahinter deutlich wird: Das hemmt den Lesefluss sowie den Überblick.

Eine Anekdote zum Schluss:
Ich war ganz ins Buch vertieft und las plötzlich etwas über „Kinder, die die Möglichkeit haben, sich in SchreiBecken zurück zu ziehen, um sich dort ruhig und ungestört auszuprobieren“. Das kam mir sehr seltsam vor – erstens hatte ich noch nie etwas von Schrei-Becken gehört, und zweitens: Was daran sollte ruhig sein? Waren Schrei-Becken der Gegen-Trend zu Snoeselen-Räumen?
Beim erneuten Lesen des Satzes ging mir auf, dass die Autorin SchreibEcken meinte – einen kleinen Tisch, um sich in Ruhe mit ersten Schreibversuchen auseinander zu setzen.
Wenn du das Wort „Schreibecken“ gelesen hättest – was hättest du gedacht? 😉