aufmerksam, feminin, glaubhaft

Liebe zählt keine Chromosomen

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Das Video „Love doesn´t count chromosomes“ entdeckte ich bereits vor längerer Zeit auf einem Blog. Leider habe ich mir den Link nicht sofort gespeichert, sodass ich jetzt das ganze (große…) Internet durchforste, um es endlich wiederzufinden und zu teilen.

Während meiner Recherche fand ich ein „Vorstellungsgespräch“ eines Jungen mit Trisomie 21, das Video nennt sich „The Simple Interview“.

Oder diese Menschen, die alle ganz besonders sind – für Fremde besonders seltsam, für Familie und FreundInnen besonders wertvoll: International Down Syndrome Coalition

Wir sind uns viel ähnlicher, als dass die Unterschiede überwiegen: Das Video ist weiterhin nicht das gesuchte, es gefällt mir dennoch. Was mir aber bereits zum zweiten Mal innerhalb meiner heutigen Recherche auffällt: Auch Mädchen und Frauen mit Trisomie 21 legen großen Wert darauf, dünn zu sein. Wirklich makaber, dass selbst „Behinderung nicht vor Schlankheitswahn schützt“. Klingt böse, ist es auch.

Blatt1Und endlich ist es da, das gründlich gesuchte Video: Liebe zählt keine Chromosomen, Love doesn´t count chromosomes.
Viel Freude damit!

aufmerksam

Kindermund: Der Flasebrief

Szenen aus meinem Alltag als Logopädin

Wir üben das /sch/. Ein kleiner Junge erzählt mir angesichts des Arbeitsblattes zum Thema „Strand“ etwas von einem „Flasebrief“ (Flaschenpost).

Ich warte auf Patienten, die Tür zu meinem Therapieraum steht offen.
Nebenan höre ich die Praktikantin in der Küche im Gespräch mit einem Mädchen im Wartezimmer. Das Mädchen wünscht sich „Apfelschorle ohne Wasser“.

aufmerksam

Kindermund: Heute nicht jugendfrei

Szenen aus meinem Alltag als Logopädin

Ein Drittklässler soll in einem Wort den Hauptvokal nacheinander gegen alle anderen Vokale tauschen, zum Beispiel „Igel“: Agel, Egel, Igel, Ogel, Ugel. Im Anschluss überlegen wir als Zusatzaufgabe, ob von den entstandenen Wörtern eins „echt“ ist und klären die Bedeutung.
Wir sind bei „Besen“. Er: „Basen, Besen, Bisen, Bosen, – “
Er gerät ins Stocken, schaut auf meinen Oberkörper, das Blatt, meinen Oberkörper, das Blatt, mein Gesicht und meint: „Busen.“
Im Anschluss an die Stunde zeigen wir seiner Mutter die Aufgaben und der Junge ist sehr erpicht darauf, ihre jede Zeile zu zeigen, die wir geschafft haben, bis er endlich bei der „Besen“-Zeile ankommt. Er: „Guck mal, Mama, was da noch steht! Da hab ich mich voll erschrocken!“

Ein Kindergartenkind hat ein Handtäschchen voller Haarreifen und Accessoires mitgebracht. Ich nehme einen weißen Haarreifen mit kleinen Öhrchen daran in die Hand und meine:
„Oh, wenn du den aufsetzt, siehst du aus wie ein Kätzchen.“
Sie: „Nee, wie Hello Titty!“

aufmerksam

Kindermund: Unanständige Fledermäuse

Szenen aus meinem Alltag als Logopädin

Zum ersten Mal mit einer neuen kleinen Patientin im Gespräch, wir „erforschen“ den ihr unbekannten Therapieraum. Wir beschäftigen uns mit Schleichtieren, sodass ich ganz ungezwungen einen ersten Einblick in Wortschatz, Satzbau und Artikulation erhalte.
Das Mädchen ist von meiner Fledermaus ganz begeistert und hält sie hartnäckig kopfüber. Zwar hängen Fledermäuse bekanntermaßen kopfüber, aber sie fliegen nicht auf diese Weise (in unserem Hinterhof lebt eine überaus vitale Fledermaus, mir kann man diesbezüglich nichts erzählen).
Ich: „Die Fledermaus hat den Kopf ja unten, du drehst sie besser andersrum – sonst wird ihr ganz schlecht.“
Sie schaut stumm.
Ich: „Die Fledermaus fliegt, aber sie fliegt die ganze Zeit nach unten – dreh sie doch mal. Die hat schon Bauchweh!“
Sie schaut stumm, aber interessiert.
Ich: „Die Fledermaus muss gleich spucken. Mir ist sooo schlecht, jammert sie!“
Sie schaut stumm, aber interessiert.
Ich, leicht verzweifelt: „Ich übergebe mich!, jammert die Fledermaus!“
Sie schaut ganz gelassen weiter stumm auf mich, und fragt sich offensichtlich, was mein Problem ist.
Ich, völlig verzweifelt (wer weiß, welche Wörter dieses Kind kennt?): „Jetzt ruft die Fledermaus: Ich kotze gleich!“
Sie, erstaunt: „Nee, keine Katze!“

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Kindermund: Ganz neu

Szenen aus meinem Alltag als Logopädin

Thema Gegensätze, ich stelle ein Beispiel vor:
„Wie ist die Oma? Alt ist die Oma.“
Kind: „Ja.“
Ich: „Wie ist das Baby?“
Kind: „Neu!“

Wir besprechen die Jahreszeiten.
Ein Hamburger Jung, ganz der Experte, zum Frühling:
„Es regnet, aber nicht so viel wie immer.“

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Kindermund: Wie wertvoll ist ein Fisch?

Szenen aus meinem Alltag als Logopädin

Ein Siebenjähriger erzählt mir:“Ich bekomme Kampffische, die kosten fünf Euro zusammen. Da kostet dann ein Fisch zwei Euro und der andere drei Euro.“
Als ich ihm erklären wollte, dass beide Fische gleich viel kosten und wie ich ihm das vorrechnen kann, wurde er sehr ärgerlich…

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Kindermund: Am Tannenbaume, da hängt ’ne Pflaume…

Szenen aus meinem Alltag als Logopädin:

Wir üben Haupt- und Nebensätze mit dem Fokus auf den „richtigen Ort für das Verb“ (Verbzweitstellung im Hauptsatz versus Verbendstellung im Nebensatz). Dabei soll Miroslav* möglichst viele unterschiedliche „Klebewörter“ (Konjunktionen) benutzen, „um die beiden Sätze zusammen zu kleben“.
Hier das Ergebnis der Hausaufgabe im Auszug, stolz präsentiert:
Der Tannenbaum siet schön aus, weil er geschmökt ist.
Ich Esse birne, obwohl ich die garnich mag.
Frau Maja reitet heute, weil sie reiten will.

Ahmed* malt einen Tannenbaum bunt.
Ich frage ihn: „Sind das Papierherzen?“
Er: „Nein, echte Herz.“
Ich stelle es mir kurz bildlich vor und höre schnell damit wieder auf, weil mir übel wird.

* Namen wie immer geändert

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Kindermund: Wie schlau bist du?

Szenen aus meinem Alltag als Logopädin

Mich fragt ein Zweitklässler: „Kannst du schon alle Wörter in Schreibschrift schreiben?“

Ein Kindergartenkind erzählt mir etwas über eine „Tri-harmonika“ (Ziehharmonika).

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Kindermund: Überversum voller Lego

Szenen aus meinem Alltag als Logopädin

Ein Vierjähriger erzählte mir etwas über den „Legopard“.

Ein Kind sucht verzweifelt nach dem passenden Superlativ und hat einen Geistesblitz:
„(Der/die/das beste ….) im ganzen Überversum!“

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Petition für eine bessere Vergütung in therapeutischen Berufen

Über eine Kollegin erfuhr ich von der aktuell laufenden Petition zur besseren Vergütung von LogopädInnen, PhysiotherapeutInnen und ErgotherapeutInnen (wobei die Logopädinnen mit Abstand am wenigsten verdienen, laut Aussagen meiner Praxisleiterin).
Nach wie vor hat diese Berufsgruppe keine Lobby und wird seitens der Krankenkassen durch Kürzungen und Streichungen im Rahmen der neuen Heilmittelrichtlinien zunehmend unter Druck gesetzt – jenseits der Öffentlichkeit.

Im Folgenden zitiere ich Inhalte aus der Internetseite der Petition auf change.com

Die Vergütung einer Behandlungseinheit in der physiotherapeutischen, ergotherapeutischen und logopädischen Praxis ist nicht mehr zeitgemäß! Zudem werden viele Leistungen kaum- bis gar nicht vergütet (Berichte an den Arzt, Dokumentationen etc.). Es wird endlich Zeit, dass die Gesetzlichen Krankenkassen die erbrachten Leistungen dieser Berufe besser vergüten, denn sie leisten einen wichtigen und verantwortungsvollen Beitrag in der Gesellschaft!

Warum unterschreiben Sie die Petition?
„Ein beträchtlicher Teil der Leistungen dieser Berufsgruppen sind Prävention, mindestens Sekundärprävention! Die Kosten für eine Behandlung sind äußerst gering im Vergleich zu anderen Maßnahmen und besonders im Vergleich zu dem Verlust an Partizipation und den damit verbunden Kosten. Lebensqualität und Wohlbefinden können besonders durch diese Berufsgruppen besonders verbessert werden. Die Bezahlung und die Gängelung (Minutentakt!) sind eine Zumutung hinsichtlich der Arbeitsbedingungen. Direktzugang zum Patienten ist ebenso wichtig.“
Dr. Konstantin Kowalewsky

„Der derzeitigen Vergütungssituation durch die Gesetzlichen Krankenkassen fehlt jede gesunde Relation. In kaum einem anderen Sektor wird allein soviel Geld für Fortbildungen ausgegeben und trotz einer unglaublichen fachlichen Qualifikation keine bessere Vergütung erzielt. Ich würde gern einmal sehen wie Mitarbeiter einer Krankenkasse mit dem Gehalt leben, dass sie uns Therapeuten zuweisen. Ändert sich nichts an der Situation werden immer mehr Therapeuten nur noch mit Privatpatienten arbeiten und Gesundheit ein Luxus werden, den sich nicht mehr jeder leisten kann.“
Robert Haueisen

„Nach 12 Jahren als engagierte, verantwortungsvolle Physiotherapeutin bin ich von der finanziellen Vergütung und den drauf bezogenen Zukunftsaussichten nur noch frustriert. Ich würde dahin blickend dem Nachwuchs dringend von dieser Berufswahl abraten! Das finde ich extrem bedauerlich, da die Gesellschaft gut geschulte Physiotherapeuten benötigt!“
Christina Büttner

Bitte unterstützt das Anliegen und sichert damit eine zuverlässige therapeutische Versorgung für alle Altersklassen!

http://www.change.org/de/Petitionen/physiotherapeuten-ergotherapeuten-und-logop%C3%A4den-besser-verg%C3%BCten