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Buchempfehlung: „Gib niemals auf“ von Joyce Meyer

Vor einigen Jahren schenkte mir eine wildfremde Frau das Buch „Gib niemals auf!“ in der S-Bahn. Ich war auf dem Heimweg, die Dame saß mir gegenüber und las, und aus irgendeinem Grund hatte ich den Eindruck, dass sie in einem christlichen Buch schmökerte und ich gern gewusst hätte, in welchem. Also fragte ich sie, sie hielt mir das Buch hin, und bevor sie viel zum Inhalt erzählt hatte, schenkte sie es mir und stieg aus. Ich war völlig perplex.
Natürlich begann ich direkt mit der Lektüre, aber aus irgendeinem Grund packte mich der Inhalt nicht. Trotz harter Jahre der beruflichen Neuorientierung, die mich oft an meine Grenzen brachten, blieb es jahrelang im Bücherregal. Bis ich neulich aus irgendeinem Grund danach griff und es mit sehr, sehr großem Gewinn las. Joyce Meyer ist eine ganz besondere Persönlichkeit, ihre direkte Art und ihr wahnsinnig selbstbewusstes Auftreten können friedliche ChristInnen ziemlich verschrecken. Aber der Inhalt ist das, was in einem Buch zählt, und der überzeugte mich beim zweiten Anlauf komplett.

„Wissen Sie, jeder Adler fühlt sich in einem Hühnerhof unwohl. Alle Adler sehnen sich nach klarer Luft und einem blauen, weiten Himmel. Wenn Sie an einem Ort leben, der Sie davon abhält, die Person zu sein, die Sie sein sollten und das zu tun, was Sie tun sollten, dann werden Sie sich auch unwohl fühlen.
Wenn der Gedanke in Ihrem Kopf und Ihrem Herzen Wurzeln schlägt, sich über das hinaus zu entwickeln, was Sie kennen, wenn der Same der wahren Größe in Ihnen anfängt zu wachsen, wenn Sie ein brennendes Verlangen spüren, aus Altem heraus zu treten, wenn Sie sich nach Abenteuern sehen und etwas Neues oder anderes machen wollen, dann nehmen Sie diese Empfindungen ernst. Fangen Sie an, entsprechend zu handeln.
Doch seien Sie sich auch darüber im Klaren, dass die Menschen um Sie herum Ihre Sehnsucht, aus der Umzäunung auszubrechen, nicht unbedingt nachvollziehen können. Vielleicht wollen sie Ihre Flügel stutzen oder sagen sogar: „Nun beruhige dich mal und sei wie die anderen Hühner. Sieh mal hier, diesen schönen Hühnerhof mit all den leckeren Würmern und Maden. Was soll es schon Besseres geben?“

„Ich bin sicher, dass wir unser Potenzial nur in dem Maße ausschöpfen, wie wir auch mit Widrigkeiten umgehen können. Winston Churchill sagte: „Gemeisterte Schwierigkeiten sind gewonnene Möglichkeiten,“ und diesem Ausspruch stimme ich voll und ganz zu. Wenn Sie sich von Schwierigkeiten und Problemen frustrieren, einschüchtern oder entmutigen lassen, dann werden Sie diese niemals überwinden. Schauen Sie ihnen stattdessen ins Auge; überwinden Sie die Widrigkeiten, mit denen Sie zu tun haben; weigern Sie sich, mittendrin aufzugeben; drängen Sie mit dem Geist eines Bezwinger weiter vorwärts! Und dann werden Sie die notwendige Fähigkeit und Entschlusskraft entwickeln, die Sie brauchen, um Ihr ganzes, von Gott gegebenes Potenzial zu entfalten und alles erleben, was Gott für Sie bereithält.“

Ja, Joyce Meyer liefert eine schier endlose Reihe Steilvorlagen. Wer es sich gerade gemütlich im Leben eingerichtet hat, mag das ungern hören.
Wer jedoch mit der eigenen Weisheit am Ende ist, mit dem Ziel vor Augen dringend neue Kraft braucht oder wer schon lange darauf wartet, dass sich der Wind endlich dreht, wird in diesem Ratgeber einen unfassbaren Schatz finden. Einen Schatz, der immer wieder das Wort Gottes und seine Versprechen für uns in den Mittelpunkt rückt.
Wer findet, dass das eigene Dasein in dieser Welt mehr ist als arbeiten, essen, schlafen und Rechnungen bezahlen, und es mehr geben muss als „Da-sein“, entdeckt in diesem Buch einen kraftvollen Begleiter.

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Buchempfehlung „Stark in stürmischen Zeiten: Die Kunst, sich selbst und andere zu führen“

Durch eine persönliche und wirtschaftliche Krise beginnt der Hotelmanager Bodo Janssen, ganz neu über seine Rolle als Führungskraft nachzudenken. Er hat das Unternehmen seiner Eltern aus der Insolvenz geführt, aber eine Mitarbeiterbefragung zeigt, dass die Angestellten im höchsten Maß unzufrieden sind: Sie fordern einen anderen Chef. Völlig geschockt und in seinem Ego tief erschüttert beginnt Bodo Janssen seine Suche nach einer gesunden Vorbildfunktion. Dabei kommt er mit dem Benediktinermönch Anselm Grün in Kontakt, der ihm erklärt, dass es zunächst darum geht, sich selbst kennenzulernen und sich zu führen. Wer zwischen Arbeitswut, Ablenkung und der Sucht nach Anerkennung durch andere schwankt, kann nicht authentisch und gelassen die Angestellten leiten.

„Die Bibel sagt: Deine Sprache verrät dich. (Matthäus Kapitel 26, Vers 73) Die Sprache, die wir in der Firma sprechen, verrät unsere innere Haltung. Die Kirchenväter sagen: Mit der Sprache bauen wir ein Haus. Und die Frage ist, welches Haus wir mit unserer Sprache bauen: ein Haus, in dem sich die Menschen angenommen und verstanden fühlen, oder ein Haus, in dem man friert, weil da eine kalte Sprache gesprochen wird, in dem man sich nicht wohlfühlt, weil man ständig Angst hat vor verletzenden und bewertenden Worten?


Je mehr ich anfing, über meine Schwächen, Ängste und Unsicherheiten zu sprechen, desto mehr bekam ich das Gefühl, dass zu und zwischen den Mitarbeitern die Beziehungen besser wurden. Auch hatte ich das Gefühl, je offener die Gemeinschaft wurde, umso größer wurde das Vertrauen und die gegenseitige Unterstützung füreinander. Es dauerte nicht lange, dann fühlten sich auch die Mitarbeiter dazu ermutigt, eigene Schwächen zu offenbaren.
Uns wurde bewusst, dass keiner von uns perfekt ist, aber wir als Menschen viele Gemeinsamkeiten haben, die uns verbinden. Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Das gemeinsam geschaffene Verständnis, dass keiner von uns vollkommen ist, dass keiner von uns besser oder schlechter ist als der andere, war der erste wichtige Schritt zur „Vermenschlichung“, zur Verbesserung der Beziehungen innerhalb unserer Organisation. Immer seltener wurde ich in der Folge als narzisstischer, nicht integrer Business-Macht-Mensch angesehen, bei dem es sicherer war, über ihn zu sprechen, als mit ihm.


Denn das wurde uns auch bewusst: Die Ursache dafür, dass übereinander gesprochen wird, dass Gerüchte oder Tratsch entstehen, liegt in gestörten Beziehungen, in fehlendem Zusammenhalt. Je stärker der ist, desto schwächer ist die Gerüchte- und Lästerkultur.
Ohne Vertrauen wäre der Wandel nicht möglich gewesen, auch wenn wir in der Übergangszeit von einer durch Angst, Neid, Macht und Konflikten geprägten Kultur zu einer Kultur des Vertrauens, der Zugehörigkeit, Wertschätzung und Selbstverwirklichung das eine oder andere Mal einen hohen Preis zahlen mussten – bis zu dem Verlust eines Hotels. In letzter Konsequenz ist das Gefühl, sich gegenseitig vertrauen zu können, elementar für alle weiteren Schritte. Und aus diesem Grund ist wohl kaum ein Preis dafür zu hoch.“

Die beiden Autoren stellen Gedanken, Fragen und Aufgaben vor, die zum Nachdenken anregen. Perfekt wäre es natürlich, unseren eigenen Vorgesetzten dieses Buch in die Hand zu drücken mit der Bitte, es offen und ehrlich zu lesen. Das wird nur in den wenigsten Unternehmen möglich sein. Dennoch beharren die beiden darauf, dass eine Veränderung immer nur von uns selbst ausgehen kann und sich, wenn wir uns ändern, auch unsere Umwelt ändert. Und oft genug gingen große Bewegungen von der (scheinbar machtlosen) Basis aus.

Bodo Janssen und Anselm Grün, „Stark in stürmischen Zeiten: Die Kunst, sich selbst und andere zu führen“, Ariston Verlag

 

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Buchempfehlung: „Kleines Zuhause, große Freiheit. Erfüllt leben auf wenig Raum“ von Julia Seidl

Wohnen im Schiffscontainer, einer kleinen Scheune, einer Lifthütte, einem Postbus:
Das bedeutet wenig Platz, neue Perspektiven und eine besondere Form der Freiheit. Julia Seidl besuchte zehn Personen in ihrem ungewöhnlichem Zuhause von 6m² in einem hölzernen Anhänger bis 85m² in einem historischen Kleinbauernhaus. In ihrem Buch berichtet sie aus deren Alltag und stellt ihr Lebensgefühl vor.

Alle Bewohner sind sich darin einig, dass sie das ständige Sich-mit-dem-Nachbarn-vergleichen zulasten der Umwelt überflüssig finden. Sie definieren sich nicht über das (schönste und größte) Eigenheim, über Besitz oder Aussehen oder sonstigen Aufwand, den wir betreiben, um vor unserem sozialen Umfeld gut da zu stehen. Wir Deutschen meinen, wir hätten ein Anrecht auf ein „Haus im Grünen“, das nullkommanichts nicht mehr im Grünen steht, weil überall Neubausiedlungen wuchern. Wir besiedeln die noch vorhandenen Freiflächen so rasant wie nie zuvor, obwohl wir nicht mehr Menschen sind. Wir wollen einfach nur immer mehr privaten Raum, zulasten der Umwelt, die bald komplett versiegelt und betoniert ist. Klimakatastrophe olé.


Die BewohnerInnen der vorgestellten Domizile leben ihren Bedürfnissen gemäß:
Im Rhythmus mit der Natur, in der denkmalgeschützten Hütte mit Blick auf die Geschichte, in einer selbstgebauten Schiffscontainer-Siedlung. Sie wollen nur wenig Ressourcen verbrauchen, nur wenig Raum beanspruchen, dafür umso mehr Luft und Licht um sich haben. Manche leben das halbe Jahr auf einer Wiese im Nirgendwo, manche gestalten bewusst Raum für Interessierte und bilden eine Gemeinschaft auf Zeit.

Die Wohnfläche je Wohnung betrug 2017 im Durchschnitt 91,8 Quadratmeter. 41 % der deutschen Haushalte sind Singlehaushalte. Ein-Familien-Häuser werden nur wenige Jahre tatsächlich von Eltern und Kindern bewohnt, die meiste Zeit steht ein Großteil der Fläche leer: Erst nach dem Auszug der Kinder, dann nach Versterben des Partners. So lebt in vielen Häusern nur eine Person, während junge Familien auf der grünen Wiese bauen. Dabei wäre im gleichen Haus genug Platz für alle.

„Der Grund dafür ist, dass Eltern nach Auszug der Kinder oft in der großen Familienwohnung bleiben. Vor allem Wohnungseigentümer sind wenig geneigt, nach der Familienphase in eine kleinere Wohnung zu ziehen. Zudem ist der Anteil älterer Haushalte, die im Eigentum wohnen, seit 1978 von etwa 40 auf 55 Prozent gestiegen.“ Umweltbundesamt

„Haushalte und ihre Mitglieder belegen nicht nur Wohnfläche innerhalb von Gebäuden, sondern ihnen ist allein oder anteilig auch die Grundstücksfläche, auf der das Wohngebäude steht, zuzurechnen. Hinzu kommt weitere Bodenfläche außerhalb des Wohngrundstücks, zum Beispiel die Fläche für Erschließungsstraßen oder andere Infrastrukturen, wie Abwasserbeseitigungsanlagen oder Spiel-, Sport- und Grünflächen, die dem Wohnen dienen. Jede Nutzung von Bodenflächen durch den Menschen hat mehr oder weniger große Auswirkungen auf die Umwelt. Das gilt auch für die Nutzung durch Siedlungsflächen und dadurch bedingt für die Flächen der Verkehrsinfrastruktur. Irreversibel wird etwa in die Fläche eingegriffen, wenn natürliche Bodenstrukturen und -funktionen zum Beispiel durch Überbauung und Versiegelung zerstört werden. Ziel muss es sein, knappe Fläche nachhaltig und umweltschonend, ökonomisch effizient und sozial gerecht mit Rücksicht auf künftige Generationen zu nutzen.“ Quelle: Umweltbundesamt

Wer kritisch darüber nachdenkt, wie wir jenseits der Norm innerlich zufrieden und der Umwelt gegenüber fair wohnen können, hat sicher Freude an der Lektüre von Julia Seidl.

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earthy – erdverbunden

„Ziemlich wichtig ist in Denmark (Australien) die earthyness. Im Prinzip kann recht vieles earthy sein: Zum Beispiel ist ein Haus umso earthier, je windschiefer, improvisiert-selbstgebastelt-hexenhafter es sich in seinen Standort einschmiegt, fast so wie diese Wohnhöhlen der Hobbits in Auenland. Auch ein anständig bemaltes Fahrrad mit Blumenkorb und gestrickten Lenkerwärmern kann durchaus als earthy durchgehen, oder eine Party, bei der es gegrillte, ledrige Äpfel anstelle von Pommes, Geige statt Techno und Zimt statt Koks gibt. Überhaupt ist Denmark das Gegenteil vom latent zugekoksten, trendigen Süd-Perth der selbsternannten australischen Oberschicht.
Earthy ist ein Tausch von Lebensmitteln: Der eine Nachbar hat jede Menge Tomaten hinterm Schuppen, der zweite endlich seinen ersten Seelachs geangelt, viel zu groß für nur eine Familie; bei jemandem ist der Traubenmost fertig geworden, und ein anderer hat gerade einen Baum fällen müssen, bestes rotes Jarrah, so hart, dass es sich beim Holzhacken anhört, als würde man die Axt in einen Block aus Glas treiben. Es gibt auch in Essig eingelegte Kürbisse im Tausch gegen Känguruschenkel. (…)
Earthy kann es sein, wenn man ab und zu Bäume umarmt, zumindest als Frau kann man das komplett unkommentiert tun. Manchmal werden in Denmark Wald-Theaterstücke aufgeführt, in denen Blätter sprechen können: „Logisch“, sagte Nina trocken, als wir das zum ersten Mal sahen.


Es gibt extra das Rote Zelt, hinten Richtung Beveridge Road, für Frauen zum „in-Frieden-bluten“, während andere Frauen für sie kräftigende Gemüsebrühe kochen. Das war mir wirklich ziemlich fremd, liegt aber vermutlich einfach daran, dass ich noch nie Menstruationsbeschwerden hatte. Ein beträchtlicher Teil der Einwohner versorgt sich bereits komplett über ein riesiges, gemeinschaftlich finanziertes Windrad in der Nähe des Ocean Beach mit Strom, dann muss man sich nicht allzu sehr mit den Stromkonzernen abgeben.
Die Lebensphilosophie in Denmark kam uns natürlich sehr entgegen, nicht zuletzt, weil wir schließlich mit Mrs. Earthy höchstpersönlich unterwegs waren. Wenn man es zum Beispiel schafft, mithilfe des sogenannten „Umkehrpfützen-Tricks“ fast den gesamten Inhalt einer Pfütze mit weniger als fünf strategisch angelegten Sprüngen ins Innere der Gummistiefel zu befördern, hat man bei den earthigen Nachbarskindern sofort einen Stein im Brett. Zudem fungierten Ninas Jackentaschen als tragbare Terrarien, so dass bald jeder im vernünftigen Alter wusste, dass sie sich um eventuell einsame Regenwürmer aus dem Berridge Park ebenso verantwortungsvoll kümmerte (linke Tasche) wie um die Kellerasseln (rechte Tasche, denn die hatte einen Reißverschluss) vom Parkplatz vor dem fabelhaften Mrs. Jones Café. Wenn es um Tiere ging, konnte man sich immer vertrauensvoll an Nina wenden. Sie wusste, wo die giftigsten Spinnen wohnten und wo die Vogelnester steckten, und sie hortete zusammen mit Simon unter dem Patio ein ganzes Arsenal von sehr earthigen Objekten, von denen wir nichts wissen sollten oder wollten.“

aus: „Eine Million Minuten. Wie ich meiner Tochter einen Wunsch erfüllte und wir das Glück fanden“ von Wolf Küper

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Buchempfehlung: „On fire“ von John O`Leary

Am ganzen Körper brannte John O`Leary als neunjähriger Junge, nachdem er mit Benzin und einem Streichholz gespielt hatte. Komplett brennend rannte er ins Haus, sodass es ebenfalls Feuer fing. Sein großer Bruder rollte ihn in die Schmutzmatte des Eingangs, um die Flammen zu ersticken, und seine kleine Schwester lief drei Mal ins qualmende Haus zurück, um eine Tasse mit Wasser zu füllen und ihm ins Gesicht zu kippen. Trotz Verbrennungen am ganzen Körper, die nur offenes Fleisch zurück ließen, überlebte John. Dank des kalten Wassers der Schwester ist sein Kopf das Einzige, das halbwegs normal aussieht. Nach sehr vielen Operationen, langen Monaten im Krankenhaus und der Amputation seiner Finger konnte er schließlich nach Hause zurück, um sich langsam wieder einen halbwegs normalen Alltag zu erkämpfen.
Mehrere Jahrzehnte später schrieb John ein Buch: „On fire. Das Leben lieben lernen“, wobei der englische Titel noch passender ist: „The 7 Choices to Ingnite a Radically Inspired Life“ (Sieben Entscheidungen, um ein wirklich inspirierendes Leben zu entzünden) Während John abwechselnd von seiner Krankheitszeit als Kind und seinem heutigen Leben erzählt, stellt er die LeserInnen vor sieben Fragen, deren Entscheidung wesentlich zu einem gelingenden Leben beitragen.

„Henri Nouwen, einer meiner Lieblingsautoren, sagte einmal:
>Wir unterscheiden gern zwischen unserem privaten und öffentlichen Leben und sagen: `Was ich privat tue, geht niemanden etwas an.` Aber jeder, der versucht, ein geistliches Leben zu führen, wird schon bald entdecken, dass das Persönlichste das Universellste ist, das Verborgenste das Öffentlichste…<
Was den Einzelnen betrifft, betrifft alle.
Das Licht, das im Innern brennt, soll der ganzen Welt leuchten. Zeiten, in denen wir zerbrochen und heil wurden, sind die Bereiche unseres Lebens, die uns mit unseren Mitmenschen verbinden. Wir mögen vielleicht in verschiedenen Nachbarschaften aufgewachsen und unterschiedliche Schulen besucht haben. Unsere Berufe und Familien unterscheiden sich. Aber wir alle kennen den Schmerz, der im Alleinsein steckt. Wir alle kennen die Angst, nicht geliebt zu sein.
Das sind die Bereiche, die uns zusammenbringen können. So oft stoßen wir Menschen von uns, aus Angst, dass sie die Probleme in unserem Leben nicht akzeptieren werden. Aber gerade die Probleme sind es, die wir gemeinsam angehen sollten. Sie sind es, die uns als Menschen miteinander verbinden.“

„Ich habe noch etwas Weiteres entdeckt: Wenn ich meine Maske ablege und andere in die dunklen Ecken meines Herzens hineinlasse, dann werde ich keineswegs weggestoßen, sondern die Menschen reagieren viel öfter mit den wunderbaren Worten: >Ach, dir geht es auch so?< Das eigene Leben zu lieben, vollkommen Feuer und Flamme dafür zu sein, bedeutet, dass Sie keine Angst davor haben, Ihrer eigenen Geschichte ins Auge zu blicken und sie anzunehmen – in aller Verantwortung. Dass Sie die Narben feiern, die Sie sich auf Ihrem Weg zugezogen haben, und dass Sie bereit und willig sind, Ihr Leben ehrlich zu leben.
Andernfalls werden Sie Ihre Geschichte nie als wirkliches Geschenk erfahren.
Sie werden die Kraft, die im Erfahrenen liegt, nicht erkennen. Sie werden die Schönheit Ihrer Narben nicht annehmen können.
Sie werden nie zu dem Licht, nach dem die Welt sich sehnt.“

„Jack hatte sich ganz bewusst entschlossen, ein zutiefst erfülltes Leben zu führen. Und somit ist er das perfekte Beispiel für die sechste Wahl, vor der wir stehen: Der Schlüssel zu wahrer Größe im Leben liegt darin, sich dafür zu entscheiden, Bedeutung statt Erfolg anzustreben. >Ich wünschte, ich könnte dir zeigen… dass dein Dasein ein ganz erstaunliches Licht ist.< Hafis von Schiraz“

Was du liebst, wird alles beeinflussen. Es wird bestimmen, was dich morgens aufstehen lässt, wie du dein Wochenende verbringst, was du liest, was dir das Herz bricht und was dich mit Freude und Dankbarkeit erfüllt. Verliebe dich, bleibe in der Liebe und das wird alles beeinflussen`, so Pedro Arrupe. Das ist eine wunderbare Beschreibung der Macht der Liebe. Sie steht für nahezu alle Bereiche.
Lesen Sie das Zitat noch einmal.
Und nun ein weiteres Mal, aber lassen Sie uns zuvor die Worte Liebe und lieben durch Angst und ängstigen ersetzen:
`Was dich ängstigt, wird alles beeinflussen. Es wird bestimmen, was dich morgens aufstehen lässt, wie du dein Wochenende verbringst, was du liest, was dir das Herz bricht und was dich mit Freude und Dankbarkeit erfüllt. Ängstige dich, bleibe in der Angst und das wird alles beeinflussen.`
Auch in dieser Lesart ist das Zitat zutreffend.
Ob Sie sich nun also dafür entscheiden, von Liebe oder von Angst bestimmt zu sein, wird alles beeinflussen, was in Ihrem Leben geschieht.“

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Löffel-Liste: Wovon träumst du?

Momentan lese ich das Buch „Deine Sehnsucht wird dich führen“ von Sabine Asgodom. Ziel der Lektüre ist es, Lebensträume aufzuspüren, ernst zu nehmen und umzusetzen. Eine der Übungen ist die sogenannte „Löffel-Liste“: Was möchtest du in diesem Leben noch tun, bevor du den Löffel abgibst?


Auf dem Weg zu einem Termin in Hannover schrieb ich meine Löffel-Liste. Und stellte währenddessen fest, dass ich alle möglichen Punkte gar nicht notieren brauche, weil ich diverse Träume bereits erreicht habe:
Für die qualitativ hochwertigste, unabhängige christliche Zeitschrift der D-A-CH-Region habe ich einen Artikel geschrieben.
Ich habe am Meer geheiratet – nicht, wie erträumt, zu zweit am Strand, sondern zu zweit auf dem Leuchtturm.
Danach verbrachten wir die Flitterwochen in Afrika (und ich möchte bald wieder hin).
Aus den Nöten und Wünschen von SeniorInnen habe ich ein Therapieprogramm entwickelt, und ein Fachbuch darüber geschrieben, das in Kürze zu kaufen sein wird.
Fotos meiner floralen Arrangements wurden ausgestellt und ich habe meine eigene Finissage festlich gestaltet.
Mich besuchte ein Team aus Journalistin und Fotografen, um mein Event-Styling in unserem Wohnzimmer festzuhalten.
Für eine große Feier mit über 200 Gästen gestaltete ich den gesamten Raumschmuck, unter anderem dekorierte ich ebenfalls einen Geburtstag zur Volljährigkeit und ein hundertjähriges Jubiläum.

Kurz:
Jede Menge Träume habe ich bereits verwirklicht, auch wenn manche der Wünsche so größenwahnsinig waren, dass ich sie nie laut einer anderen Person gegenüber als Traum geäußert habe. Wie zum Beispiel, ein Therapiekonzept zu entwickeln – darüber zu reden, klingt reichlich abgehoben, weshalb ich es immer für mich behielt.
Der Blick auf das Erreichte gibt mir Rückenwind für die Ziele, die ich momentan vor mir habe und derentwegen ich das Buch über Sehnsüchte und Lebenszufriedenheit lese.
Wenn ich, mit Gottes Hilfe, so viele Träume „quasi nebenbei“ aus dem Wunsch in die Realität überführen kann, sollte mir vor der Größe meiner aktuellen Ziele nicht bange sein!

Und was wünschst du dir, wovon träumst du?
Hier findest du die Statements von Menschen, die viel erreicht und dabei sich selbst und ihre widrigen Umstände überwunden haben.

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Buchempfehlung: „Unterwegs mit dir. Vier Frauen auf einer Glaubensreise“ von Sharon Garlough Brown

„Auf jeden Fall,“ fuhr Emily fort, während sie sich auf der Bank zurücklehnte und tief durchatmete, „hatte eine der Frauen eine wirklich großartige Metapher. Sie sagte, es käme ihr so vor, als gäbe es in uns einen großen Abfalleimer. Wir entsorgen unseren Giftmüll darin, decken in mit einem Zierdeckchen ab und tun so, als hätten wir alles unter Kontrolle. Je mehr ich darüber nachdenke, desto stärker wird mir bewusst, wie oft ich mich hinter einer pseudochristlichen Maske verstecke. Aber Jesus lädt mich ein, einfach ich selbst zu sein, das Schlechte anzusehen und es dann loszulassen. Ich kann dir gar nicht beschreiben, wie befreiend es ist, vor diesen Frauen – diesen Schwestern im Glauben – meine Schwächen und mein Versagen zuzugeben. Ich brauche nicht so zu tun, als hätte ich alles im Griff. Niemand hat das. Das ist ein unfassbar befreiendes Gefühl.“
Sie trank einen großen Schluck aus ihrer Wasserflasche. „Wenn ich an die stressigen Jahre zurückdenke, und daran, wie sehr ich mich unter Druck gesetzt habe und wie ich krank geworden bin, weil ich perfekt sein wollte… na ja, du weißt es ja, Charissa…“ Ihre Stimme verklang. „Ich bin so froh, dass Jesus mich gefunden hat. Wo wäre ich ohne Jesus?“

Hannah:
Ich bin zornig auf Gott. Ich bin enttäuscht und zornig und fühle mich betrogen. Früher habe ich den Menschen geraten: „Gebt euren Zorn an Gott ab. Er kann damit umgehen!“ Und was habe ich getan? Ich habe ihn gehortet. Sorgfältig gehortet. Ich bin eine Heuchlerin. Und nun, da er heraus ist, was mache ich jetzt? Ich kann mit niemandem darüber reden. (…) Ich weiß nicht, an wen ich mich sonst wenden kann. Und ich würde ja sagen: „Hilf mir, Herr!“, aber im Augenblick rede ich nicht mit ihm.

Der leuchtende Sonnenuntergang weicht dem Grau der Dämmerung, und alles liegt in Schutt und Asche. Alles.

Die Lebenswege von vier Frauen kreuzen sich, als sie sich in einer Gruppe treffen, die eine geistliche Reise wird: Ins eigene Herz und zu Gott. Sie sind getrieben von Leistungsdenken, Perfektionismus, Scham oder Angst. Jede Frau hat ihre eigene seelische Baustelle, in denen sich die Leserin wiedererkennt. Der Roman stellt sowohl die Lebensgeschichten der Frauen und ihre innere Verwandlung vor, als auch Übungen zur Vertiefung des Glaubens.
Ein spannendes, weises und lebensnahes Buch, das ich aus ganzem Herzen weiterempfehle!

 

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Buchempfehlung: „Das wilde Herz der Ehe“ von Stacy und John Eldredge

Als Warnung vorab: Dieses Buch ist das mit Abstand beste Buch über gesunde und glückliche Ehen, das ich jemals gelesen habe. Wirklich. Und es ist eins der besten christlichen Bücher, das ich in den letzten Jahren in der Hand hatte. Garantiert.
Wenn ich also untypischer Weise sehr leidenschaftlich dieses Buch empfehle, liegt es daran, dass es mich absolut überzeugt hat. Und das kommt bei mir sehr selten vor.
Den Inhalt des Ratgebers in wenigen Sätzen verständlich und umfassend darzustellen, finde ich in diesem Fall sehr schwierig. Daher möchte ich einzelne Zitate für sich sprechen lassen:

„Mir wird bewusst, dass ich meiner Ehe ähnlich begegne wie meiner Gesundheit. Ich tue nur das Nötigste und hoffe, mit meiner Unvernunft und meinen Versäumnissen davon zu kommen, indem ich hier und da ein wenig Kommunikation und Romantik einstreue, so wie ich als eine Art Lebensversicherung ab und zu Vitaminpillen schlucke.“

„Und nun bedenken Sie Folgendes: Die Ehe ist der Zufluchtsort des Herzens.
Ihnen wurde das Herz eines anderen Menschen anvertraut. Egal, welche Mission Ihr Leben sonst noch hat – dieses Herz zu lieben und zu schützen, gehört zu Ihren größten Aufgaben.
Die Ehe beinhaltet das Privileg und die Ehre, dem Herzen eines anderen Menschen so nahe zu sein, wie man es überhaupt nur sein kann. Niemand sonst bekommt die Gelegenheit, so vertraut zusammen zu leben wie Mann und Frau in der Ehe. (…) Niemand übt einen größeren Einfluss auf die Seele Ihres Ehepartners aus als Sie. Niemand hat einen offeneren Zugang zum Herzen Ihres Ehepartners als Sie. Das ist eine ungeheure Ehre.“

„Verheiratet zu sein kostet Sie alles. Tränen. Schlaflose Nächte. Unglaubliche Verletzungen und Opfer. Die Ehe wird Sie dazu veranlassen, Ihr Herz und Ihre Seele, Ihre Sehnsüchte und Ihren Charakter genauestens unter die Lupe zu nehmen. Das tut weh. Das ist nicht leicht. Aber das wissen Sie ja bereits!
Natürlich kostet es uns alles, wenn wir lieben – denken Sie nur an das Kreuz. Doch die Liebe ist es immer wert.
Wir alle wissen, dass es schwer ist zu lieben. Die Ehe ist hart. Sie ist hart, weil sie angefeindet wird. Der Teufel hasst die Ehe. Er hasst das wunderschöne Bild von Jesus und seiner Braut, für das die Ehe steht. Er hasst die Liebe und das Leben und alles Schöne. Die Welt hasst die Ehe. Sie hasst Einheit und Treue und Ausschließlichkeit. Und auch unsere menschliche Natur ist in dieser Sache nicht unser Verbündeter – sie rebelliert dagegen, dass wir etwas anderes höher stellen sollen als uns selbst. Unsere menschliche Natur stirbt nur ungern.
Da haben Sie´s: Wir leben in einer großartigen Liebesgeschichte, die inmitten kriegerischer Auseinandersetzungen spielt. Wir brauchen einander – unbedingt.“

„Der erste große Schock der Ehe besteht darin zu entdecken, wie hart sie ist. Der zweite Schock folgt dem ersten meist auf dem Fuß: Beide Ehepartner sind ein ansehnlicher Scherbenhaufen. Warum muss er sich ständig verteidigen? Warum hat sie zu anderen Zeiten Lust auf Sex als er? Warum kann er keine Kritik vertragen? Warum klebt sie so an ihm? Was ist das für eine nur mühevoll unterdrückte Wut? Wo kommt diese Sucht her? Warum redest du nicht mit mir? Wer bist du überhaupt?!“

„Es beginnt damit, dass wir unsere Energie nicht mehr darauf verwenden, den anderen zu verändern (nach dem Motto: „Wenn du dich nur ändern würdest, könnte mein Leben so viel schöner sein!“), sondern Gott fragen: „Wo muss ich mich verändern?“

„So sind wir Menschen. Wir sind alle rissige Gefäße. Wie sandiger Boden. Wenn es ums Glücklichsein geht, ist unsere Seele wie ein Sieb, wie ein Reifen, in dem ein Nagel steckt, wie das Gedächtnis unseres Großvaters. Es scheint, als gäbe es in uns einen Obdachlosen, der mit seinem Einkaufswagen ziellos umher irrt.
Für eine Ehe ist das brutal.
Wir können den tollsten Sex haben, dass die Wände wackeln, aber ich will es am nächsten Morgen gleich wieder so haben. Das eine war gestern. Und was ist heute? Wir können die innigsten Gespräche führen, in denen unsere Seelen tief miteinander verbunden sind, doch Stacy will am nächsten Tag gleich so weitermachen.
Manchmal schaue ich Stacy morgens in die Augen, wenn sie die Küche betritt, und sehe ihre Frage: Ist mit mir alles in Ordnung? Stimmt unsere Beziehung? Und dann denke ich mir: Das gibt´s doch nicht. Wir hatten gestern so einen tollen Abend. Hat das denn überhaupt keine Bedeutung? Was braucht sie denn noch? Es kann einen mürbe machen. Immer noch nicht zufrieden?
Machen wir uns nichts vor: Wir sind unersättlich. In jedem von uns regt sich ein unermessliches Verlangen nach mehr. Eine schmerzliche Leere. Ein nicht enden wollender Hunger. Wenn wir uns nicht dessen bewusst sind und nicht wissen, wie wir damit umgehen sollen, wird unsere Unersättlichkeit großen Schaden anrichten.“

„Satan wird in der Bibel als äußerst aktive Bedrohung eingeschätzt, doch die wenigsten Menschen leben entsprechend. Mal im Ernst, wie viele Ehepaare kennen Sie, die bemerken, was Satan in ihrem Leben anrichtet, und die tatsächlich jeden Tag im Gebet dagegen angehen? Oder auch nur einmal in der Woche? Oder einmal im Monat?
Sie haben einen Feind. Ihre Ehe hat einen Feind.
Und ob Sie es glauben oder nicht, das ist eine gute Nachricht. Denn daraus folgt die Erkenntnis, dass Ihr Ehepartner nicht Ihr Feind ist.
Er ist nicht der Feind. Sie ist nicht der Feind. Wirklich nicht. (…)
Ja, manchmal fühlt es sich so an. Stacy und ich lebten jahrelang mit dem Gefühl ständiger Anklage. Sie „fühlte“ sich von mir angefeindet. Ich „fühlte“ mich von ihr angefeindet. Es war für uns eine ziemlich große Entlastung zu erkenne, dass dieses Gefühl, angeklagt und angefeindet zu werden, eigentlich nicht aus uns herauskam. Es kam von dem, den man nicht ohne Grund den „Ankläger“ nennt (Bibel, Offenbarung Kapitel 12, Vers 10).
Würde man uns zwingen, die „Top 3“ zu nennen, die einer Ehe am meisten weiterhelfen, so würden wir folgende Liste aufstellen:

  1. Finde deine Identität und Sicherheit bei Gott!
  2. Stell dich deiner Zerbrochenheit!
  3. Lerne, die geistlichen Attacken abzuwehren, denen deine Ehe ausgesetzt ist!

Wenn Sie nur diese drei Grundsätze beherzigen und nichts darüber hinaus tun, so werden Sie dennoch staunen, wie viel Freiheit, Liebe und Freude freigesetzt werden.“

So weit die Zitate aus den ersten Kapiteln des Buchs als Auftakt und Einladung, es zu lesen. Es lohnt sich!
Stacy und John Eldredge, „Das wilde Herz der Ehe“, Gerth Medien

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Wie schreibe ich ein Fachbuch? Tipps und Hinweise zu den acht wichtigsten Fragen

Mein Manuskript zum Fachbuch über mein Konzept „Atemfreude“ wurde bereits vom Verlag abgesegnet und ich überarbeite es momentan final. Währenddessen gebe ich gerne Tipps, wie ich zu diesem Zwischenstand gekommen bin.

Was ist ein Fachbuch?
Ein Fachbuch wendet sich an einen klar umrissenen Leserkreis: HandchirurgInnen, KaninchenzüchterInnen, PastorInnen, ModellbootbauerInnen. Ein Sachbuch dagegen kann jede interessierte Person ohne Vorkenntnisse lesen, deshalb ist der Radius der möglichen KäuferInnen natürlich viel größer. Fachbücher sind von Profis für Profis geschrieben, dabei können die Profis ihre Expertise auch aus einem hochspezialisierten Hobby beziehen.

Wie finde ich das passende Thema für ein Fachbuch?
Bist du ein Profi auf dem Gebiet? Oder eine betroffene Person, die sich als Angehörige, Erkrankte, AnwohnerIn o.ä. mit dem Thema seit Jahren auseinandersetzt? Wunderbar, beides passt. Wer denkt: „Dieses Thema wird in den nächsten zehn Jahren sehr wichtig, aber ich habe keine Ahnung davon“: Eher schwierig.
Wer schreiben kann und mag, setzt sich selbst an den Computer. Wer dafür wenig Talent hat, aber viele Experten oder Betroffene mit der gleichen Leidenschaft kennt, kann ein entsprechendes Projekt starten. Dazu werden alle Spezialisten kontaktiert, und gemeinsam entsteht ein Buch, zu dem jedeR etwas beiträgt. Die Initiatorin wird dann Projektmanagerin der gesamten Idee und kommt als Herausgeberin auf den Buchtitel.

Woher weiß ich, dass das Thema außer mir noch jemanden interessiert? Kurz: Wie sieht meine Zielgruppe aus?

Eine Zielgruppe ist die Menge an potentiellen LeserInnen und KäuferInnen, die sich durch Recherche einkreisen lässt. Bevor mit dem Konzept des Buchs begonnen wird, muss klar sein, wer der Adressat sein soll. Nichts ist ärgerlicher als ein spannendes Thema, das sich an die falsche Zielgruppe wendet.
Wenn die Zielgruppe zu klein ist, als dass sich ein Verlag für ein Buch darüber interessiert: Viele Vereine geben Broschüren heraus. Wer mag, versucht darüber erste Schritte in der Öffentlichkeit. Vielleicht ist die Resonanz größer als erwartet und reicht für eine Vorstellung beim Verlag. Das Gleiche gilt für einen Text im Fachmagazin. Wenn das Thema nicht für ein Buch geeignet ist, kann es eine wunderbare Vorlage für einen Fachartikel sein. Dadurch entsteht ein Renommé im Fachpublikum, das später für eine Verlagsbewerbung nützlich sein kann. Nicht immer zählt (und gelingt) auf Anhieb der große Wurf. Durch eine Diskussion in Fachkreisen entstehen neue Blickwinkel, aus denen das Projekt an Relevanz gewinnt. Und darauf lässt sich aufbauen…

Wie schreibe ich ein Fachbuch?
Am beliebtesten sind Fachbücher, die die Theorie mit der Praxis vereinen. Und die ein klares Anliegen haben, das bisher noch niemand behandelt hat. Einfach das 57ste Buch über „Mein Brustkrebs und ich“ zu schreiben ist wenig zielführend. „Mein Brustkrebs, die Gartenarbeit und ich“ gibt schon mehr Hinweise für die potentielle Leserin. „Mein Brustkrebs, das Heilungswunder von Glockenblumen und ich“ könnte spezifisch genug sein und ein Knaller werden. Konkret, konkreter, am konkretesten: Was will die Leserschaft? Was kann und will ich? Wie kommen wir zusammen? Je direkter und knapper sich das Alleinstellungsmerkmal des Buchprojekts formulieren lässt, desto besser. Für den eigenen Fokus während des Schreibens und für den Verkauf der Idee beim Verlagsgespräch.
Klassischer Weise hat jedes Fachbuch einen einführenden Theorieteil, um die LeserInnen dazu zu befähigen, den Hauptteil des Buchs zu verstehen. Lange, verschwurbelte Sätze mit tausend Fachwörtern wirken seriös, sind aber unverständlich. Und das Verstehen der KäuferInnen zu erschweren, ist ganz schlechter Service. Alle möchten beim Lesen des Fachbuchs viele Aha-Erlebnisse haben und zügig vorwärts kommen. Niemand möchte über der Lektüre einschlafen oder vor Frust in Tränen ausbrechen. Also gilt: Präzise auf den Punkt und anschaulich schreiben. Beispiele sind erlaubt, Beobachtungen aus dem wahren Leben auch, sogar Witze.
Nach der einführenden Theorie folgt eine Diskussion oder die Vorstellung eines neuen Behandlungskonzepts oder „1001 Tipps aus der Praxis“. Auch hier zählt der Wissenszuwachs, nicht das Fachchinesisch. Tabellen sind schön, bunte Bilder für die Anschaulichkeit noch besser.

Wann kontaktiere ich den Verlag? Vor dem Schreiben des Manuskripts oder danach?
Laut meiner Fachliteratur über das Schreiben von Fachliteratur (Ha, ha) soll man erstmal das Konzept in fünf Sätze fassen und eine Gliederung der Kapitel anlegen. Sämtliche Analysen von der Zielgruppe über die Konkurrenz am Markt bis zur USP (Alleinstellungsmerkmal) interessieren den Verlag am meisten. Aber genauso: Kann die Person schreiben? Und hat sie wirklich etwas zu sagen? Einige Probekapitel sollten also fertig sein. Und dann, sagt die Fachliteratur, kann die solide Idee bereits verkauft werden. Das Manuskript schreibt der Profi, nachdem ein Verlag zugesagt hat und der Autorenvertrag wasserdicht ist.
Ich persönlich habe mit dem Exposé und der Verlagsbewerbung begonnen, als 85% des Manuskripts fertig waren. In meinem Fall haben sich die Verlage sehr gefreut, direkt das Manuskript anfordern zu können, nachdem ihnen Exposé und Probekapitel gefallen haben. Ob einer der Verlage den Nerv besessen hätte, mein ungeschriebenes Erstlingswerk zu kaufen? Ich weiß es nicht.
Wer bereits einE anerkannte ExpertIn ist, seit Jahren Fortbildungen gibt und 17 Fachartikel geschrieben hat: Da greift ein interessierter Verlag auch ohne fertiges Manuskript zu!

Welcher Verlag passt zu mir?
In welchem Verlag werden ähnliche Themen veröffentlicht? Welche Fachbücher aus welchem Verlag lese ich selbst gern? Was kauft meine Zielgruppe? Welcher Verlag hat einen passenden thematischen Schwerpunkt? Wer ein Buch über „Mein Brustkrebs und ich“ veröffentlicht hat, will nicht automatisch noch eins. Andere Verlage sind so spezialisiert, dass sie darin keine interne Konkurrenz sehen.
Mich interessierte natürlich ebenfalls, wer deutschlandweit Marktführer auf meinem Gebiet ist. Und zu welchen Preisen die Bücher dem Fachpublikum angeboten werden. Auch, wie finanziell stabil der Verlag von außen wirkt. Schließlich soll er nicht in den nächsten zwei Jahren pleite gehen und mein Buch gleich mit… Wer hässliche Bücher mit miesem Layout verkauft, bekommt vielleicht mein Exposé, um die Chancen auszutesten. Aber wohl nicht den Zuschlag, wenn mehrere Verlage interessiert sind. Anderen AutorInnen ist die Optik nicht so wichtig, sie haben eigene Kriterien.

Wie vielen Verlagen biete ich mein Exposé an?
So vielen wie möglich und so wenigen wie nötig. Kein Witz: Natürlich sollte der Verlag zielgerichtet ausgewählt und angeschrieben werden. Wer von vornherein weiß, dass das eigene Projekt nicht passt, braucht den LektorInnen keine unnötige Arbeit machen. Wenn ein Verlag vielleicht den Kriterien entspricht, aber teilweise auch nicht: Einfach anrufen, sich vorstellen und offen um eine Einschätzung bitten. Ich habe acht Verlage angeschrieben, vier waren interessiert, drei Angebote lagen mir vor, zwei Verträge wurden mir zugeschickt, einen habe ich angenommen.

Wie viel Geld werde ich verdienen?
Wahrscheinlich fast keins, im Fachbuchbereich rentiert sich das Schreiben ab dem fünften Titel. Das erste Buch erwirtschaftet quasi nichts, wenn alle eigenen Kosten gegen gerechnet werden. Wenn ich alle Arbeitsstunden summieren würde, die bis heute in das Buch geflossen sind, wäre das Endprodukt unbezahlbar. Ein Fachbuch bringt Renommé und Aufmerksamkeit, viel mehr aber auch nicht.

aufmerksam, glaubhaft

Dein Leben ist ein wilder, wunderschöner Garten

„Für viele Menschen ist Chaos ein negatives Wort. Chaos ist etwas, das in Ordnung gebracht werden muss: es muss ausgemerzt oder zumindest versteckt werden, um die Illusion von Ordnung zu erzeugen, auch wenn es sich nur um einen vorübergehenden Zustand handelt. Nach dem allgemeinen Verständnis ist Chaos eine destruktive Kraft, die man schnell in den Griff bekommen muss, damit wieder Ordnung herrscht – sowohl in unseren persönlichen Bereichen, als auch in unserem Arbeitsalltag. Aber was wäre, wenn es eine andere Art gäbe, Chaos zu sehen?
Was, wenn Chaos etwas Gutes wäre?
Was, wenn es die Wurzel jeglicher Kreativität wäre?
Was, wenn es die Voraussetzung für jedes Wachstum wäre, sowohl im persönlichen Bereich als  auch bei den von uns geführten Menschen und Organisationen?
Was, wenn es der Nährboden für soziale Veränderung und Umgestaltung wäre?“

aus: „Dein Leben ist ein wilder, wunderschöner Garten“ von Danielle Strickland, Gerth Medien