Atemfreude, aufmerksam

Letzte Plätze für den Workshop „Atemfreude“: Schwungvolle Atemgymnastik mit SeniorInnen

Noch sind die letzten Plätze für meinen „Atemfreude“-Workshop am 10.07.2019 um 17:30 Uhr in Hamburg-Niendorf zu ergattern.
Wer Lust hat, sich selbst in einer fröhlichen Runde etwas Gutes zu tun und mehr über die Kraft des Atems zu erfahren, ist herzlich eingeladen. Interessierte aus den Bereichen Therapie, Betreuung und Pflege erleben zu Beginn eine exemplarische Atemfreude-Stunde unter dem Motto „Eine Hütte in Finnland“. Nachdem wir die Wirkungen des Konzepts am eigenen Körper erfahren haben, erkläre ich aus meiner Berufspraxis als Logopädin die Hintergründe des Programms. „Atemfreude“ wurde für SeniorInnen und Menschen mit Handicap entwickelt, aber auch Fachkräfte und Ehrenamtliche aus anderen sozialen Bereichen profitieren von den Übungen, die sich leicht weitergeben lassen.

Vielfältige Materialien liegen zum Mitnehmen aus und ich stehe für alle Fragen rund um die Themen „Gruppenstunden anleiten“, „Atemübungen durchführen“ und „Demenzsensibel arbeiten“ zur Verfügung. Wir starten um 17:30 Uhr und sind gegen 19:30 Uhr fertig, ja nach den Fragen und Wünschen der BesucherInnen. Weitere Informationen sind unter Atemfreude zu finden.
Der kostenlose Workshop findet in der Residenz Kursana im Ernst-Mittelbach-Ring 47, 22455 Hamburg statt.
Um Anmeldung unter mail@wisperwisper.de wird gebeten.

Niendorfer Wochenblatt vom 04.07.2019

Atemfreude, aufmerksam

Kostenloser Workshop „Atemfreude“: Ganzheitliche Atemgymnastik in Hamburg

Am 10. Juli 2019 um 17:30 Uhr lade ich herzlich in die Residenz Kursana in Hamburg-Niendorf ein. Interessierte, die in der Seniorenbetreuung und -pflege arbeiten, erleben eine exemplarische Atemfreude-Stunde. Ein sommerliches Erlebnis unter dem Motto „Eine Hütte in Finnland“ bringt uns in Bewegung, vertieft den Atem und sorgt für viel Heiterkeit. So spüren alle Teilnehmenden, wie das ganzheitliche Konzept der Atemgymnastik wirkt.
Anschließend folgt die Theorie: Wie funktioniert der Atem, wie verändern Lockerungs- und Dehnungsübungen den Atemfluss, wie trainieren wir spezifische Übungen zur Vertiefung des Atems?
Dann erkläre ich die Wirkung des Konzepts:
Warum leiten wir die Übungen im Rahmen einer erzählten Geschichte an?
Warum setzen wir ein Gedicht zur Einstimmung ein, bauen ein Bühnenbild in der Mitte des Stuhlkreises auf und singen am Ende ein Lied passend zum Stundenthema?
Warum gelingen indirekte Atemübungen, die durch Assoziationen und Erinnerungen angeregt werden, nachhaltiger und kraftvoller als direkte Anweisungen?
Wie integrieren wir Menschen mit Demenz oder Personen im Rollstuhl?

Alle Teilnehmenden erhalten kostenloses Material für eigene Stunden sowie zum theoretischen Hintergrund. Mein Buch liegt zum Blättern aus und ich versehe es gern mit einer persönlichen Widmung.
Wir beginnen um 17:30 Uhr und sind, was die Länge des Abends angeht, so entspannt wie die Skandinavier im Motto der heutigen Atemfreude: Wer nach dem offiziellen Programm gegen 19:30 Uhr aufbrechen möchte, bricht auf, wer noch Fragen hat und bleiben möchte, bleibt.
Ich bitte um Anmeldungen bis zum 08.07.2019 unter mail@wisperwisper.de, damit ich den passenden Raum buchen und weitere Informationen versenden kann.
Der Abend richtet sich an SozialpädagogInnen, AltenpflegerInnen, LogopädInnen, ErgotherapeutInnen und PhysiotherapeutInnen. Wer Atemtraining mit Asthmakranken oder COPD anleitet, ist ebenso herzlich willkommen.

Die Residenz Kursana im Ernst-Mittelbach-Ring 47 liegt direkt neben der U-Bahnstation „Niendorf Nord“, Linie U2. Wer von der Autobahn A7 kommt, fährt an der Ausfahrt „Schnelsen“ bei IKEA ab und ist in wenigen Minuten vor Ort.

aufmerksam, glaubhaft

Achtung, Nebenwirkungen: Was passiert, wenn du mit Senioren arbeitest

Jeder Arbeitsplatz beeinflusst die eigene Identität. Einerseits natürlich durch die Zeit, die wir dort täglich verbringen: Niemand kann unbeeinflusst den Arbeitsalltag an sich vorbei ziehen lassen. Unsere Aufgaben, die Kolleginnen und das Klima der Firma prägen uns. Andererseits entwickeln wir uns durch diese Einflüsse im Laufe der Zeit weiter. Wir verändern uns durch die positiven Vorbilder ebenso wie durch abschreckende Beispiele im Team. Wir wachsen mit den Herausforderungen oder suchen uns selbst welche. Wenn wir den Arbeitsplatz wechseln, nehmen wir die Erfahrungen und inneren Veränderungen mit. Ich möchte heute davon erzählen, wie mich die Arbeit in einer Senioren-Residenz bisher beeinflusst hat.

Im Urlaub kümmere ich mich um seniorentaugliche Bilder, um zurück im Alltag einen fotografischen Reisebericht moderieren zu können.
Schon vor einem Jahr ging es los: Plötzlich hielt ich im Urlaub Momente fest, die ich für meine private Erinnerung nie fotografiert hätte. Komische Szenen im Alltag der Landesbewohner, Chaos der Doppeldeckerbusse, seltsame Entdeckungen im Supermarkt: Alles, was eine lustige Anekdote bietet, lichte ich ab, um damit später einen unterhaltsamen Nachmittag in der Residenz zu gestalten. Um die Leinwand voll auszunutzen, gewöhnte ich mir sogar Fotos im Querformat an, dabei fotografiere ich am liebsten hochkant, um immer ein Stück Himmel mit drauf zu haben. Der absolute Höhepunkt war bisher mein Reisebericht aus Finnland: Da ich kurz vorher die Verlagsbewerbungen meines Fachbuchs verschickt hatte und gerade erste Angebote für mein Manuskript bekam, war ich nach dem aufreibenden Marathon total erschöpft. Parallel zum Job ein Buch über Atemgymnastik mit Senioren zu konzipieren, hatte mich ausgelaugt – ganz besonders das PR-Coaching und die anspruchsvolle Verlagsbewerbung. Daher bestand ein Großteil der zwei Wochen Urlaub daraus, dass ich im Garten „unseres“ finnischen Sommerhauses saß und las. Dabei entstanden natürlich keine spannenden Fotos, aber ein tiefer Friede zog in mein Herz. Entsprechend versuchte ich, diesen umfassenden Frieden zurück in Hamburg für die Senioren in meiner Moderation zu beschreiben. Nach dem letzten Bild war es mucksmäuschenstill, anschließend brach ein donnernder Applaus aus und die BewohnerInnen dankten mir unter Tränen für die emotionale Darstellung.
Daher halte ich in jedem Urlaub wieder besondere Eindrücke für die Senioren fest und achte darauf, neben meinen privaten künstlerischen Aufnahmen auch sehr klare, einfache Bilder für die Sehgeschädigten aufzunehmen. Auch, wenn ich mich in meinem privaten Urlaub eigentlich amüsieren und erholen sollte…

Ich habe immer weniger Lust darauf, alt zu werden
Täglich höre ich Klagen, was alles wehtut. Und wie wenig die Tabletten helfen. Und wie wenig das den Hausarzt interessiert. Und welche letzte Weggefährtin neulich verstorben ist. Und wer alles alkoholkrank ist. Und wer endgültig keine Lust mehr auf´s Leben hat. Und wer wieder einmal darüber nachdenkt, auf welche Weise nachzuhelfen…
Neee, ganz ehrlich, mit SeniorInnen im Alltag unterwegs zu sein, ist nun wirklich nichts, was Lust auf die letzte Lebensspanne macht! So unzensiert den ganzen Sch*** erzählt zu bekommen, von allen Hochaltrigen einzeln, lässt mich auf einen plötzlichen Tod aus heiterem Himmel mit Anfang Siebzig hoffen. Weder körperliche Gebrechen noch geistigen Abbau wünsche ich mir, darin bestärken mich die Augenzeugenberichte der Achtzig- und Neunzigjährigen immer wieder!

Sterben ist mir völlig egal
Okay, da ich an Gott glaube und der Meinung bin, „dass das Beste noch kommt“, hatte ich noch nie Angst vor dem Tod. Auf mich wartet eine göttliche Dauerparty im Himmel, wovor sollte ich mich fürchten? The best is yet to come! Aber wenn rechts und links Menschen sterben, ist das natürlich etwas Anderes. Noch mehr, wenn das regelmäßig passiert. Zum Glück baue ich dennoch mit allen BewohnerInnen eine herzliche persönliche Beziehung auf, ich habe keinerlei Angst, dass sie morgen tot sind und ich deswegen traurig. Denn: Mich kratzen die Toten überhaupt nicht. Klar, wenn sich eine besonders fitte Dame, die sich tatkräftig im Haus einbringt, plötzlich das Leben nimmt, muss ich auch schlucken. Oder wenn von jetzt auf gleich eine Dame, die eben noch in einer meiner Veranstaltungen saß, tot im Appartement gefunden wird. Natürlich habe ich für einen Moment einen Kloß im Hals. Aber geweint habe ich deswegen noch nie, und über einen kurzen Moment hinaus aufgewühlt bin ich auch nicht. Bei 95% der Toten bin ich einfach nur froh, dass sie die letzte Etappe endgültig hinter sich gebracht haben. Egal, ob sie sich lange krank gequält haben oder innerhalb eines Wimpernschlags abgetreten sind: Sie haben es geschafft, juhu! Entsprechend irritiert werde ich angeschaut, wenn eine Kollegin sagt „Frau Jepsen ist verstorben“ und ich antworte: „Schön, dann hat sie´s ja kurz und knackig ohne weiteres Leiden hinter sich gebracht.“

Ich mag auf einmal Kunstblumen
Am Anfang fand ich es noch sehr gewöhnungebedürftig, die saisonale Dekoration der Residenz mit Kunstblumen zu gestalten. Da ich Erfahrungen in der Event-Floristik gesammelt habe, waren Plastikblumen zuerst „ästhetisch unmöglich zu ertragen“. Aber wie es mit der Mode so ist: Erst finden wir es schrecklich, dann gewöhnen wir uns dran, und später kaufen wir uns bestimmte Kleidungsstücke sogar freiwillig. Genauso hat sich meine Einstellung zu Kunstblumen gewandelt, und das Schlimmste ist: Selbst für den privaten Gebrauch finde ich Plastikblumen inzwischen vertretbar. Hilfe! Wer hat mir den guten Geschmack gestohlen?

Zuerst kleidete ich mich super konservativ, jetzt immer wilder
Zu Beginn war es mir total wichtig, für die BewohnerInnen und Kolleginnen korrekt gekleidet zu sein. Ich fragte mich sogar im ersten Sommer, ob ich wohl Tops mit Spagetthiträgern tragen kann… Denn einerseits soll ich optisch einer gehobenen Residenz entsprechen, die ich als Angestellte repräsentiere. Andererseits sind da die moralischen und ästhetischen Erwartungen, die die BewohnerInnen haben. Täglich wird meine Kleidung genauestens beobachtet, analysiert und bewertet. Inzwischen trage ich das, worauf ich Lust habe, und an bestimmten Tagen absichtlich etwas besonders Ausgefallenes. Wenn sie was zu reden haben wollen, liefere ich ihnen gern eine Grundlage für den täglichen Klatsch und Tratsch! Sie zerreißen sich so oder so den Mund über mich, dann soll es sich doch wenigstens lohnen. Bitteschön, gern geschehen!

aufmerksam

Zu Besuch im Vincentz Verlag

Gestern fühlte ich mich wahnsinnig eloquent:
Für eine Diskussionsrunde war ich in den Vincentz Verlag eingeladen worden, für den ich bereits zwei Artikel geschrieben habe (der dritte wartet noch auf die Veröffentlichung). Also fuhr ich morgens nach Hannover, saß total abgeklärt mit der Financial Times im Bordbistro und trank Espresso. Nein, natürlich nicht, aber so stelle ich mir irre wichtige Geschäftsleute vor. 😉
Stattdessen genoss ich es, pünktlich anzukommen und die halbe Stunde bis zu meiner „Fokusgruppe“ mit einem Gespräch im Lektorat zu überbrücken, wo mein Fachbuch gerade kurz vor der Fertigstellung steht. Der Austausch-Tag entwickelte sich thematisch dann ganz anders, als ich erwartet hatte. Mittags genoss ich ein hervorragendes Catering (es ist extrem selten, dass ich mich nicht selbst verpflegen muss) und anschließend exquisite Patisserie-Törtchen. Ich bin gespannt, ob und wie mir die anderen Teilnehmerinnen noch einmal über den Weg laufen werden und nehme jetzt erstmal die Gastgeschenke unter die Lupe…

Atemfreude, aufmerksam

Ein erster Blick auf mein Fachbuch über spaßbetonte Atemgymnastik mit Senioren

In der Hoffnung, dass mein „Atemfreude“-Buch bereits im aktuellen Verlagsprogramm des Vincentz-Verlags gelistet ist, rief ich eben die Website des Verlags auf. Und da ist mein Fachbuch über schwungvolle Atemgymnastik mit Senioren: Noch ohne Cover, aber schon mit ISBN-Nummer. Freude! Mein Mann blieb ganz sachlich und meinte nur, wie immer, wenn ich etwas veröffentliche: „Wenigstens haben sie deinen Namen richtig geschrieben.“

Jetzt fehlen von der Verlagsseite nur noch das Cover und der Druck, der wiederum erst passiert, wenn ich die finale Durchsicht geleistet und den Druck freigegeben habe. Es bleibt also spannend, bis das Buch im April auf dem Markt sein wird.

aufmerksam, glaubhaft

Lachen und Weinen liegen im Arbeitsalltag eng beieinander…

Zwischen Lachen und Weinen: So schwankte ich als Logopädin mit „meinen“ Kindern oft im Laufe einer Arbeitswoche.
Aber auch die SeniorInnen sind MeisterInnen darin, mich an den Rand des Wahnsinns und wieder zurück zu treiben. Mir ist sehr wichtig, meine wöchentlichen Veranstaltungen abwechslungsreich und spannend zu gestalten. Ich langweile mich sehr schnell, daher fällt es mir im Traum nicht ein, bestimmte Erfolgsrezepte zu wiederholen, bis sie „abgenudelt“ sind. Glücklicherweise ist mein Hirn springlebendig, und ich habe bereits bis in den März bestimmte Highlights im Veranstaltungskalender geplant. Okay, es sind eher Experimente, aber dank meines Gespürs werden Experimente oft zu Höhepunkten.
So auch die „Philosophischen Nachmittage“, die ich in größeren Abständen immer mal wieder anbiete: Zum Thema „Glück“ oder „Dankbarkeit“ oder auch „Was ist eigentlich Kunst?“ Diese Woche hatte ich, passend zum Jahresanfang, das Motto „Anfänge und Neuanfänge“ bzw. „Abschiede und Anfänge“ geplant. In meinen Augen ein lebenslang spannendes Thema. Wie immer hatte ich Zitate weiser Menschen heraus gesucht, kurze Vorlesetexte vorbereitet, Fragen und Mitmach-Impulse geplant und drei nachdenkliche Lieder zum Vorspielen ausgesucht.


Die ersten Besucherinnen kamen bereits, während der Haustechniker erst begann, die Tische und Stühle zu stellen. Nachdem ich seinen Kollegen bereits gefragt hatte, wann er denn plane, mal den Raum vorzubereiten, schließlich kämen in sieben Minuten garantiert die Ersten… Dann dirigierte ich die Damen auf extra Stühle, die ich am Rand aufstellte, damit sie nicht in seliger Ahnungslosigkeit mitten im Raum die Aufbauarbeiten behindern.
Die Kopien holen, große Tischdecken besorgen, meine Deko aus dem Büro tragen, noch mal lüften, nach dem Kaffeewagen schauen, weitere Damen auf Plätze am Rand des Schlachtfelds um den Haustechniker lotsen, die Musikanlage aufbauen, … Zwanzig Minuten vor Beginn der Veranstaltung war mir, wie immer, bereits sehr warm.
Und dann ging es los: Die Begrüßung lief noch rund, dann zickte die CD zum ersten Lied, das als Einstimmung dienen sollte. Ich wählte Lied Nummer zwei, da ich unmöglich ein Lied ankündigen und dann nichts hören lassen kann. Auch, wenn es thematisch nicht ganz passt…. Der ausgeteilte Fragebogen zum Nachdenken traf auf Skepsis, eine besonders bockige Dame machte ihrer Unmut bereits Luft. Die erste Geschichte rührte alle an, manche begannen einen zarten Applaus. Meine Moderation als Anregung zum Austausch stachelte die widerspenstige Dame zu bissigen Bemerkungen an, es entstand Unruhe. Ich leitete zum nächsten Programmpunkt über, die Unruhe hielt sich. Dann wollte ich zwei Seiten als 17 Kopien austeilen, aber der Kopierer hatte von beiden Blättern nur die Hälfte kopiert. Ich erklärte, dass der Text nur zum Mitlesen des nächsten Lieds gedacht sei, weil der Sänger manchmal nuschle und doch auch die höreingeschränkten Anwesenden alles verstehen sollen. Daher bat ich alle, zu zweit ein Blatt zum Mitlesen zu benutzen. Ich gab ganz gerecht jeweils zwei Sitznachbarinnen eine gemeinsame Kopie. Es gab einen Tumult, weil die spezielle Dame mit ihrem Mann auf den Zettel schauen wollte, nicht mit ihrer Nachbarin. Damit erhielten aber drei Damen über Eck gar kein Blatt, was schlichtweg unmöglich ist. Entweder schaute sie mit ihrer Nachbarin auf´s Blatt, oder sie wartete ab und ließ sich nach dem Lied die Kopie ihres Mannes geben, der es wiederum mit der Dame eine Reihe weiter teilte. Das war doch machbar?!
Die Situation eskalierte weiter.
Wir hörten das Lied an. Eine Dame meinte: „Schon ganz schön düster, dieser Text…“ Kurz darauf fragte sie, noch im Verklingen der letzten Töne, ob sie das Liedblatt mit nach Hause nehmen könne. Andere waren bewegt, manche hatten Tränen in den Augen. Ich teilte ein Arbeitsblatt aus und sagte, dass wir dabei einen Moment unseren eigenen Gedanken nachhängen können. Niemand musste etwas notieren, aber wer mochte, konnte dazu das Blatt nutzen. Die bestimmte Dame brach eine Diskussion vom Zaun, warum ich mit der Runde derartige Lebensfragen erörterte, wo ich doch wesentlich jünger bin und schlichtweg keine Ahnung von gar nichts habe?
Inzwischen war mein Kopf knallrot und ich zog ernsthaft in Erwägung, die Dame wahlweise zum Schweigen oder Verlassen des Raums aufzufordern. Ich führte die Veranstaltung professionell zu Ende durch, ließ einen Teil weg, und fand Abschiedsworte, die diese turbulente Stunde möglichst friedlich beendeten.
Eine Dame kam vorbei, während sich viele von mir verabschieden wollten und andere die Kaffeetassen einsammelten, und meinte: „Hoffentlich haben wie Sie heute nicht zu sehr aufgeregt…“

Tags darauf:
Ich besuchte eine Dame. Sie: „Marie, Sie hatten gestern soooo einen roten Kopf, ich dachte, Sie platzen gleich! Aber die Frau HFRZHJL auch immer…. schrecklich, dieses Benehmen! Und dann müssen Sie sie im Anschluss ja auch noch in der Englisch-Stunde ertragen!
Schauen Sie mal, ich habe hier so einen komischen Sss-näck. Der ist wie Chips, mit Kartoffeln, aber er schmeckt so… seltsam. Ich wollte gestern so gemütlich abends…. also…. (sie schaute mich scharf an und flüsterte) mit einem Schluck Wein…. nur EIN Schluck!!!… wollte ich es mir so gemütlich machen. Aber bäh, dieser Ssnäck…. ich bring Ihnen das mal!“ Schon zischte sie in die Küche, ich hinterher. Bedienen lasse ich mich von alten Damen nicht!
„Hier, Marie, ich habe Ihnen wieder alle Zettelchen vom Teebeutel aufbewahrt, mit den Sprüchen… die können Sie doch so gut gebrauchen?! Mit den schlauen Sprüchen, Sie haben doch für uns immer so weise Sprüche vorbereitet… Ist das albern, Marie? Ich mach das doch extra für Sie…“ Ich bestätigte, dass ich mich sehr über ihre treue Sammlung an abgerissenen Teebeutel-Zettelchen freute. Wirklich.
„Marie, Sie müssen mal dieses Zeugs probieren. Den Ssnäck. Hier.“ Sie hielt mir die Packung hin. Ich überlegte, ob ich wie immer ablehnte, weil ich ja gerade Mittag gegessen hatte. Was die reine Wahrheit war. Andererseits weiß ich genau, wie es um die Hygiene der Dame bestellt ist, daher lehne ich ihre Lebensmittel stets ab. Dieses Mal konnte ich mich wohl nicht retten…
„Frau lLGRV, das Produkt hat corn im Namen, das heißt Mais auf englisch.“ „Das kann ich doch nicht ahnen.“ „Ich meine, deswegen schmeckt es vielleicht anders, als Sie erwartet haben. Schauen Sie, hier ist noch so ein Bild im Kreis, da steht aus sonnenverwöhntem Mais, handverlesen und gestreichelt.“ „Ja ja, ich muss eben besser hingucken, aber ich wollte doch Geld sparen, das war im Angebot. Jetzt müssen Sie das auch essen!“
Ich fischte todesmutig ein seltsam geformtes Maisdings aus der fast leeren Tüte und steckte es mir in den Mund. Sie klammerte sich an meinen Arm: „Und ist es sehr schlimm? Sie können es auch ausspucken! Spucken Sie es in den Ausguss! MARIE! Los! Oder schnell ins Klo! Schnell!!!“ Sie drückte heftig und voller Sorge um mein Wohlergehen meinen Oberarm. Ich war etwas irritiert: Erst sollte ich es unbedingt probieren, aber kaum, dass ich es im Mund hatte, schnellstmöglich ausspucken? Ich winkte ab und meinte, so schlimm sei es doch gar nicht.

Was soll ich sagen: Weinen und Lachen liegen hier oft sehr eng beieinander….