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Hamburger Stillleben

 

Ein Hamburger Stillleben in der Küche:
Blumen vom Straßenrand und von der Alster, Apfel aus dem Innenhof, Tomaten vom Balkon, einzelne Rudbeckia-Blüte vor dem Blumenladen aufgesammelt gerettet.
Und schwupp-diwupp zeigt sich das pralle Leben.

My arrangement in the kitchen shows what´s surroundig us in Hamburg:
Flowers from the roadside and the riverside of Alster, an apple from our backyard, tomatoes from our balcony and a Rudbeckia that I´ve found in front of the florist´s.

Verlinkt mit RUMS, FloralFridayFoto, Holunderblütchen, Crealopee und Freutag.

aufmerksam, feminin, glaubhaft

Das perfekte Leben inklusive Bewertung des eigenen Erfolgs

Mit einer Freundin unterhielt ich mich vor Kurzem darüber, wie konventionell die meisten Lebenswege sind, auch wenn diese Gesellschaft so tut, als wären wir alle wahnsinnig individuell. Anlass des Themas war, dass ihre gemütlich am Kaffeetisch sitzenden Freundinnen nicht verstehen konnten, warum ich nebenan im Wohnzimmer fröhlich eine Kinderparty durchführte und „dennoch“ keine eigenen Kinder haben möchte. (Kurze Randbemerkung: Wäre ich eine karrieregeile, kaufsüchtige Rechtsanwältin und jede zweite Woche auf Reisen, wäre die Verwunderung angesichts des „fehlenden“ Kinderwunschs wahrscheinlich geringer.)

Meine Freundin zählte auf (und zitierte damit Meinungen anderer), was wir in unserem Alter bereits erreicht haben sollten oder gerade als Ziel haben sollten, um gut da zu stehen:

Studium erfolgreich absolviert, eine gewisse Position im Beruf erreicht oder zumindest längere Berufserfahrung gesammelt haben (am besten inklusive Auslandserfahrungen), PartnerIn erfolgreich gefunden und geehelicht (sexuelle Orientierung inzwischen egal), Kinder vorhanden oder dank modernster Technik so gut wie angefertigt, Eigentumswohnung gekauft oder Eigenheim gebaut oder ZUMINDEST damit in Planung.
Von Urlauben an den passenden Orten, Wochenenden in den richtigen Locations und einem total individuellen Kleidungs- und Einrichtungsstil gar nicht zu reden.
Erlaubt ist, hier gewisse Prioritäten zu setzen, aber bitte nicht in dem Maße, dass das Gesamtkunstwerk darunter leidet.
Und, wo stehst du so?
Alle für dein Alter nötigen Erfolge und Ergebnisse erreicht, gekauft, präpariert?
Nicht?

„Du, ich weiß ja nicht, ob du schon beim Online-Dating angemeldet bist, aber das hat heute wirklich nichts Anrüchiges mehr. Und ab einem gewissen Alter, naja, muss man sich bei der Partnersuche eben mehr bemühen und nicht so schnell aufgeben. Du findest schon noch jemanden, es erfordert nur entsprechenden Einsatz!
Nicht?
Du bist auch ohne PartnerIn glücklich?

Najaaaa, das mit dem Double-Income-No-Kids läuft bei euch echt gut, aber du wirst sehen, irgendwann erwischt es dich auch und -zack- läufst du völlig selig zum Schwangeren-Yoga, versprochen.
Nicht?
Du bist
nur als Paar zufrieden?

Hey, deinen Mut finde ich wirklich bewundernswert, dass du so gar nicht in deinem angestammten Beruf arbeitest, und das trotz der Ausbildungskosten. Aber solltest du nicht dennoch langsam etwas Bleibendes anvisieren, statt von einem Projekt zum anderen zu leben?
Nicht?
Du magst das so?

Ehrlich, eure WG ist cool, aber nervt es dich nicht so langsam, nie deine Ruhe zu haben und ständig diskutieren zu müssen? Mehr als (nur) ein Zimmer für dich wäre doch absolut angemessen, oder?! Aus dem Alter sind wir längst raus, mit anderen zusammen zu wohnen…
Nicht?
Du lebst gern auf diese Weise?

Wie, ihr habt kein Auto? Ach ja, Car-Sharing, braucht man ja auch in Hamburg nicht, ein eigenes Auto – allein der Parkplatzstress… Wie, kein Car-Sharing? Fährst du dann Bus? Fahrrad? Nur Fahrrad, auch zum Einkaufen? Das passt doch alles gar nicht – und im Urlaub? Wie fahrt ihr denn in Urlaub? Da braucht ihr doch wenigstens einen Mietwagen!
Nicht?
Du strampelst lieber?

Jaa, bei „Sportspaß“ war ich auch mal, aber ehrlich, wenn du erstmal das „Meridian Spa“ kennen gelernt hast, genießt du den Wellness-Faktor. Und ein Personal-Trainer geht einfach so viel besser auf dich ein als diese x-beliebigen Gruppenkurse, da spürst du den Unterschied sofort!
Nicht?
Du bist glücklich mit der 08/15-Variante?

Unter uns, Second-Hand-Klamotten sind ja sooo gut für die Umwelt und all die Pestizide haben andere Leute in ihren Waschmaschinen rausgespült, aber findest du das auf Dauer nicht doch ein bißchen, äh, also, naja, unangemessen? Grade so im Job, das fällt doch auf…?
Nicht?
Du lebst ohne den aktuellen Trend?“

Unser wahnsinnig modernes Leben, in dem JedeR alle Wahlmöglichkeiten dieser Welt hat und keinerlei Konventionen einzuhalten sind, zeigt sich in den Lebensläufen sowie deren Stationen doch auffällig ähnlich. Sogar weitestgehend gleich, von gewissen Details bezüglich Kleidungsstil und Urlaubsorten abgesehen.
Fragt sich, wo die viel beschworene Freiheit gelebt wird und jedeR nach ihrer/seiner Façon glücklich werden kann? Am Besten ohne das Gerede im Bekanntenkreis beim aktuellen Wer-ist-wie-toll-und-wer-macht-alles-richtig-Vergleich zu Gunsten von echter Freundschaft und tatsächlicher Akzeptanz von „ungewöhnlichen“ Lebenswegen. Ist das möglich?

aufmerksam

Frühlingsboten an der Alster

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Neben dem Wanderweg blühen die Winterlinge, während unten an der Böschung im Schatten die Schneeglöckchen lieber nahe des Wassers wachsen.

 

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Frühlingsglaube

Die linden Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und weben Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muss sich alles, alles wenden.

Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiß nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Tal;
Nun, armes Herz, vergiss der Qual!
Nun muss sich alles, alles wenden.

Ludwig Uhland
(Erstdruck 1813)
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aufmerksam

Ausflug nach Lüneburg

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Mit einer Freundin setzte ich mich in die Bahn Richtung Lüneburg, wo wir einen herrlichen sommerlichen Tag verbrachten: Häuser bestaunten, Cafés ausprobierten, „aus Versehen“ alles Mögliche in netten kleinen Geschäften kauften, an der Ilmenau entlang bummelten, Engel betrachteten.

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Die Lüner Straße am alten Kran, eins der Wahrzeichen Lüneburgs.

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Überall romantische alte Backsteinhäuser und Blüten am Weg.

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Jede Menge Manufakturen, Werkstätten und feine Geschäfte, die zum reinschauen einladen.

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Ein hölzerner Engel in einer ruhigen Ecke der Kirche.

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Ausgesprochen gut hat es mir in Lündeburg gefallen – vielleicht als Altersruhesitz, eines Tages?!

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Reise nach Stockholm: Orte

Schwedens Hauptstadt Stockholm ist auf 14 Inseln erbaut, die nach und nach eingemeindet wurden. Die Inseln liegen im Mälarsee und dem Saltsjön, der ein Ausläufer der Ostsee ist. So ist in Stockholm meist eine Brise zu spüren und oft liegt der Geruch von Wasser in der Luft, was ich beides sehr mag. Vor Antritt der Reise hatte ich zwei Reiseführer besorgt und etwas im Internet recherchiert – leider mündeten viele der Hinweise in überlaufenen Plätzen und waren nicht so „wundervoll und herausragend“ wie angekündigt. Ohne Reiseliteratur finde ich die erste Orientierung schwierig; habe ich jedoch einen Reiseführer in der Hand, halte ich mich oft sehr eng daran und vezweifle, wenn ich einen bestimmten Hinweis nicht wiederfinde („Hier sollten doch Häuser der neuen Sachlichkeit und im Bauhaus-Stil stehen! Wo sind die denn jetzt? Das ist doch der Tessin-Park! Und warum finde ich die Beschreibung dazu im Reiseführer nicht wieder???“).
Ich behaupte nicht, die gesuchten „Geheimplätze“ gefunden zu haben:
Meine Tipps verstehen sich als Hinweise an jene, die Orte mögen, die auch von Schwedinnen gern aufgesucht werden.


Second-Hand-Geschäft „Myrorna“: Wer „Stilbruch“ in Hamburg kennt, braucht keine näheren Beschreibungen – dies ist das schwedische Äquivalent. Soweit ich es verstanden habe, werden hier gespendete Möbel, Bilder, Lampen, Spiegel, Geschirr, Dekorationsobjekte, Tischdecken, Gardinen sowie Kleidung für Damen, Herren und Kinder verkauft. Das Personal besteht aus Menschen, die wieder eingegliedert werden bzw. auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance haben. Sie werden im Verkauf angeleitet und führen weitere Tätigkeiten aus, wie zum Beispiel wirklich schöne Tragetaschen aus gespendeten Stoffen zu nähen. Da die SchwedInnen sehr modeaffin sind, kaufen sie häufig neue Kleidung und sortieren sie offensichtlich ebenso schnell wieder aus, wodurch viel Potential für Second-Hand-Geschäfte entsteht. Sowohl Geringverdiener als auch Kundinnen mit eigenem Stil können hier fündig werden. Neben Vintagestücken hängt hier ebenso Kleidung, die scheinbar vor wenigen Stunden erst im originalen Geschäft über die Theke gingen, so „up to date“ ist sie. Wirklich schöne Geschirrtücher und Porzellan- sowie Glaswaren lassen sich hier ebenfalls finden (ich sage nur: Kosta Boda!), die gut erhaltenen Möbel waren für das Flugzeug leider zu groß… Überall in Schweden bestehen Filialen, wer schwedisch besser kann als ich, wird auf der Homepage mehr über die Hintergründe lesen können.


Mattssons Band: Verfolgt man die Kungsgatan vom Stureplan Richtung Centralstation, findet sich in der Hausnummer 19 ein ganz wundervolles Geschäft für alle, die gern nähen: Ich habe bereits viele Geschäfte mit Stoffen und Zubehör besucht, aber eine derart überwältigende Auswahl an Knöpfen, Spitzen, Litzen, Kordeln, Bändern und so weiter habe ich zuvor nicht entdeckt. Folgt man der Kungsgatan, sind einige Schritte weiter rechts Panduro-Hobby, links ein Teeladen sowie rechts ein Spielzeuggeschäft zu finden.

IMG_7960Bonscheladen „Polkapojkarna“: In einem hübschen Laden mit offener Werkstatt werden Bonbons nach traditionellen Rezepturen angefertigt. Durch eine große Scheibe kann dabei zugesehen und die Produkte direkt probiert werden. Eine gute Gelegenheit für Mitbringsel!
(Lilla Nygatan 10, Gamla Stan)

Eiscafe „Stikki Nikki“: Die Schwedin Nicole Emson kreiiert seit 2008 Eissorten, die jenseits der üblichen Verdächtigen „Vanille, Erdbeer, Schokolade“ liegen. So testete ich zum Beispiel „Banana Curry“, eine süß- scharfe Kreation mit Chili-Stücken. Auch hier liegen die Preise, wie fast überall in Stockholm, bei 29,- schwedischen Kronen pro Kugel, dafür sind sie so groß wie drei.
(Götgatan, Mariatorget, Drottninggatan)

IMG_7918„Lagerhaus“: Wer „Butlers“ und „Depot“ kennt, hat hier die schwedische Schwester gefunden:
Vieles für die Küche, einiges für das Bad, dazu dekorative Dosen in Form von Eulen und Fabriken (?!)  sowie Geschenkpapier und kreatives Zubehör.

„Cafe Rival“: Ein Cafe neben dem „Hotel Rival“, das eine schöne Terrasse am ruhigen Park mit blühenden Blumenkästen hat. Das Innere des Cafes ist ebenfalls sehr ästhetisch und gleichzeitig gemütlich eingerichtet, die Speisen haben, wie überall in Stockholm, ihren Preis.
(Mariatorget 3, Södermalm)

IMG_7920„Svensk Tenn“: Ein alteingesessenes Einrichtungsgeschäft, das den „schwedischen Stil“ maßgeblich durch moderne Entwürfe, die in der Tradition verwurzelt sind, geprägt hat und bis heute prägt. Ein optischer Traum… (Strandvägen, Östermalm)

Skulpturengarten „Millesgarden“: Auf der östlichen Nachbar Insel Stockholms, Lidingö, liegt gut erreichbar der Skuplturengarten „Millesgarden“. Der Künstler Carl Milles besaß dort Wohnhaus und Atelier, die heute inklusive einer großen Auswahl seiner Werke zu bewundern sind. Die schöne Anlage mit verschiedenen Gärten und einer gesonderten Ausstellungshalle für wechselnde Themen ist wirklich einen Besuch wert. Und da sich die Insel Lidingö als Basisstation (Ferienwohnung) gut eignet, fuhren wir gleich an unserem zweiten Tag dort vorbei.

Die Inseln Riddarholmen, Skeppsholmen und Kastellholmen sind ebenfalls, jenseits vom Trubel auf Gamla Stan und in den anderen Innenstadt-Bereichen, schöne Orte um Architektur zu betrachten und auf einer Bank eine Pause einzulegen.

 

In Kürze folgen die Artikel „Reise nach Stockholm: Erlebnisse“ sowie
„Reise nach Stockholm: Souvenirs“.

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Buchrezension: „Landleben. Von einer, die raus zog“ von Hilal Sezgin

Inzwischen ist es etwas her, dass ich das Buch „Von einer, die raus zog“ von Hilal Sezgin las – trotzdem habe ich es in bleibender Erinnerung behalten.
Die Autorin ist Journalistin und hat ihr bisheriges Leben vorrangig in der Großstadt verbracht. Trotzdem trägt sie den Traum eines „anderen Lebens“ in sich und beschließt, sich auf das Wagnis einzulassen – sie berichtet vom Wechsel in eine andere Redaktion, von der Suche nach dem richtigen Haus, von den Wünschen und leisen Zweifeln, die sich im Blick auf den zukünftigen Alltag einstellen.
In der Lüneburger Heide, weit weg von der Frankfurter Innenstadt, wird sie fündig. Die Besitzer des Hauses wohnen auf dem gleichen Grundstück, das weitläufig genug ist, um sich sowohl zu treffen als auch aus dem Weg gehen zu können. Langsam lebt die Autorin sich ein. Berichtet von der nächtlichen Stille, von ersten Kontakten, von der Hilfsbereitschaft der Dorfbewohner und den Marotten der Schafe, Ziegen und Gänse, die sie mit ihrem neuen Haus „geerbt“ hat. Anfangs kümmert sie sich laut Anweisung um die Tiere. Zunehmend verliert sie ihr Herz an jedes einzelne und entdeckt Individuen, wie sie innerhalb einer Schafsherde nicht unterschiedlicher sein könnten. Noch ehe sie es selbst begreift, füttert sie verlassene Lämmchen mehrmals pro Nacht mit der Flasche und rettet Hühner aus der jährlichen „Säuberungsaktion“ der nahegelegnenen Massentierhaltung vor dem endgültigen Tod. Besagte gerettete Hühner, völlig nackt und deformiert, verschlingen Unsummen an Tierarztkosten. Überhaupt, die Tierarztkosten – ich habe nicht mitgezählt, wie oft die Autorin Sonntags zum tierärztlichen Notdienst eilt, weil eines der Tiere versorgt werden muss. Im Laufe des Buches fragte ich mich immer öfter, wann genau Frau Sezgin eigentlich Zeit zum Arbeiten als Journalistin hat und woher das Geld für den Tierarzt kommt.
Auch vor der ehrlichen Beschreibung von Krisen scheut Frau Sezgin nicht zurück, sondern erzählt ruhig und aufrichtig aus ihrem Leben.
Zunehmend macht die Autorin, die vorher bereits Vegetarierin war, sich Gedanken darüber, dass auch die Erzeugung von Milch mit viel Leid für Kuh und Kalb einher geht. Und dass „biologisch erzeugte Milch, Eier und Fleisch“ der Massentierhaltung sehr ähnlich sind, wie sie während ihrer unangekündigten Besuche auf mehreren Höfen feststellen muss.
Inwieweit muss man „Nutztiere“ durch Verwertung wirtschaftlich verarbeiten? Können Hühner, Schweine und Kühe auch „einfach so leben“ oder erhalten sie ihr Lebensrecht erst dadurch, dass wir Menschen größtmöglichen Profit aus ihnen schlagen?
Das absolute Ende des Verzehrs von tierischen Erzeugnissen wird durch das Eintreffen eines Katalogs von „Spezialmaterial für den Landwirt“ eingeläutet, wo sie eine Vielzahl tierquälerischer Konstruktionen und Werkzeuge entdeckt, die auch in der biologischen Landwirschaft eingesetzt werden („Mit dieser elektrischen Brennschere können Sie sowohl Hoden als auch Ringelschwänzchen abtrennen….“).

Eine sehr herzliche Empfehlung zur Lektüre!