aufmerksam

Vitamine pur: Kochen mit Wildkräutern

Gundermann, Giersch, Sauerampfer und Löwenzahn

Gestern war ich auf dem größten Parkfriedhof der Welt unterwegs, um uns Zutaten für das Mittagessen zu sammeln: Wildkräuter, auch unter dem Begriff „Unkraut“ bekannt. Sie wurden aufgrund ihres Lebensraums besonders kräftig und natürlich gedüngt, fand meine Mann…
Ich hatte vor, aus dem ersten heimischen Kohlrabi eine Suppe mit vielen Kräutern zu kochen. Nachdem ich einer Freundin eine Zeitschrift vorbeigebracht und auf der Türschwelle geplaudert hatte, fuhr ich im großen Bogen über den Ohlsdorfer Friedhof, um Kräuter zu sammeln. Erstaunt stellte ich fest, dass sich die Unkräuter viel schwieriger finden ließen als erwartet. Besonders den Giersch konnte ich weit und breit nicht aufstöbern, bis ich dann auf dem Heimweg in Richtung Haupteingang doch noch Erfolg hatte.
Wie welches Kraut nun genau schmeckt, weiß ich nicht, weil ich sie alle zusammen in die Suppe warf. Die säuerliche Note stammt wahrscheinlich vom Sauerampfer (welch Wunder) und hätte nicht sein müssen. Aus dem Gefühl heraus halte ich den Giersch für harmlos-würzig-wohlschmeckend und damit zu allem kompatibel, sowohl roh als auch gekocht. Gundermann und Löwenzahn sind würziger, und der Sauerampfer sollte bei Bedarf an säuerlichen Aromen gezielt eingesetzt werden.
Da Wildkräuter die vierfache Menge an Vitaminen und ätherischen Ölen, verglichen mit kultivierten Kräutern, enthalten, gelten sie als sehr gesund. Viele Wildkräuter wurden als Arzneien eingesetzt, ein Teil der medizinischen Wirksamkeit konnte inzwischen bewiesen werden.
Und wer darauf nichts gibt, freut sich einfach, dass „Unkraut“ aus Garten, Wald und Park kostenlos essbar und hocharomatisch ist…

 

aufmerksam

Warum Holz keine ökologische Ressource ist


Wie wir angesichts von Klimakrise und schwindenden Ressourcen verantwortliche mit der (Um-)Welt umgehen, interessiert immer mehr Menschen. Dabei bleibt es schwierig, zwischen all den Maßnahmen den Überblick zu behalten. Vor allem, wenn wir beurteilen wollen, welche Möglichkeiten tatsächlich sinnvoll sind und wo wir nur auf Lobbyisten reinfallen.
Aus der Bibliothek lieh ich mir eins der Bücher von Peter Wohlleben, Deutschlands berühmtesten Förster der letzten Jahre. Leider war das Buch inhaltlich unübersichtlich, regte aber dennoch zum Nachdenken an.


Unter anderem darüber, wie sinnvoll es ist, dass Holz als der perfekte klimaneutrale Werkstoff vermarktet wird. Am meisten Wirkung entfaltet ein lebender Baum in einem natürlichen (also nicht genutzten) Wald: Er beherbergt diverse pflanzliche und tierische Lebewesen, kühlt und befeuchtet die Luft, reinigt sie und ist ein jahrhunderte altes Lebewesen. Dieses Lebewesen zu verwerten, ist logischerweise von viel kurzlebigerem Nutzen, als es wachsen zu lassen.
Papiertüten als Alternative zu Plastik werden bereits nach ein- bis dreimaligem Tragen entsorgt. Bücher werden nach einem Mal lesen mit viel Glück noch an eine Freundin verliehen, bevor sie entsorgt werden. All die Zeitungen und Werbeblätter werden oft noch nicht ein einziges Mal gelesen. Da Konsumartikel aus Papier oft verbrannt werden und Recyclingpapier für die meisten Deutschen noch nicht einmal als Toilettenpapier benutzt wird, verbrauchen wir für Wegwerfartikel tatsächlich frische Bäume.
Die Möbel, die aus Holz hergestellt werden, sind nach einigen Jahren meist unmodern und werden entsorgt. Pelletheizungen, die ursprünglich ungenutzte Sägespäne verbrennen sollten, tragen inzwischen weltweit zur Abholzung bei und lassen die Feinstaubbelastung seit einigen Jahren erheblich steigen.
Und der anhaltende Trend zum Eigenheim im Grünen frisst weiterhin jährlich Millionen Hektar Fläche, die langfristig irreparabel versiegelt wird. Auch in ehemaligen Wäldern, deren kühlende und reinigende Funktion wir so dringend für die überhitzten Städte benötigen.

Um Holz zu gewinnen, werden sowohl weltweit Monokulturen angelegt (schlecht für die Umwelt) als auch Wälder durchforstet (schlecht für die Umwelt) als auch Urwälder abgeholzt (schlecht für die Umwelt). Der Schaden, der dadurch in ausbalancierten Ökosystemen geschieht, ist dabei noch gar nicht eingerechnet. Auch nicht die Tatsache, dass die anschließende Aufforstung meist als biologisch tote Plantage geschieht, die weiter intensiv genutzt wird.
Kurz: Zu glauben, dass wir weniger Plastik benutzen können und unsere Wegwerf-Mentalität einfach auf Holz übertragen können, hilft der Umwelt kein bißchen und heizt die Klimakrise weiter an.
Nur 2% Deutschlands sind Wald, die Monokulturen aus schnell wachsenden Kiefern (die in heißen Sommern von Borkenkäfern zerfressen und bei Winterstürmen reihenweise entwurzelt werden) nicht eingerechnet. Ein Forst ist eine Wirtschaftsfläche, kein Wald, auch wenn er von der Forstwirtschaft aus Imagegründen so deklariert wird.
Wo soll denn all das Holz so schnell nachwachsen, wie wir es verbrauchen?
Was wir tun können, um mit Wäldern ressourcenschonend umzugehen:
– Bücher in Bibliotheken leihen, statt sie zu kaufen (spart auch Platz zu Hause im übervollen Regal!)
– Statt gedruckter Bücher und Zeitschriften eBooks und ePaper kaufen
– das Zeitschriften-Abo mit einer Freundin teilen, quasi als privater „Lese-Ring“: Dann wird das Einmal-Produkt wenigstens zwei Mal benutzt
– Holzmöbel abschleifen und neu lackieren, wenn der Look nicht mehr gefällt. Viele Massivholzmöbel lassen sich auch umarbeiten
– Holzmöbel second-hand kaufen
– Vereinsblätter und andere Druckerzeugnisse im privaten Bereich auf Recyclingpapier umstellen oder nur noch digital versenden
– den Trend zum eigenen Kamin überdenken
– ich selbst habe als Autorin meinen Verlag kontaktiert und um Auskünfte bezüglich Recyclingpapier, CO2-neutraler Herstellung und dem Vorantreiben von eBooks erbeten

aufmerksam

Blumen pflanzen? Für Bienenschutz aktiv werden!

Sonnenschein und plötzlichen Wärme verlocken dazu, dass alle wie besengt in ihren Gärten wühlen, die Kübel auf der Terrasse neu füllen oder die Balkonkästen bepflanzen. Dabei sollen die Blumen möglichst hübsch und billig sein. Nur: Sind sie auch für die Bienen und Hummeln geeignet, die seit Jahren immer weniger Nahrung finden? Was bunt und unkompliziert wächst, ist nicht automatisch reich an Nahrung für Insekten…
Tipps für einen Bienenfreundlichen Garten oder Balkon:

  • Für Nahrungsangebot von März bis September sorgen. Beginnend mit Krokussen im zeitigen Frühjahr bis zu Astern im Herbst. Auch blühende Büsche und Bäume einbeziehen wie Holunder, Schlehen, Kornelkirsche, Wildrosen. Ebenso Brombeeren, Himbeeren und Johannisbeeren sowie Obstbäume.
  • Einheimische Pflanzen bevorzugen, da sie mehr Nektar für Bienen enthalten.
  • Statt bunter und gefüllter Blumen, die modern und exotisch aussehen, möglichst natürliche Stauden wie aus Großmutters Garten wählen. Gefüllte Blüten enthalten nur wenig Nektar und hindern durch die Blütenblätter die Insekten an der Nahrungssuche.
  • Für den Balkonkasten geeignet und eine gute Nahrungsgrundlage für Bienen und Hummeln: Katzenminze, Salbei, Goldkosmos, Goldlack, Fächerblume, Kapuzinerkresse oder niedrige Strohblumen, Verbene, Männertreu, Wandelröschen, Löwenmäulchen, Küchenkräuter.
  • Blumen für Bienen: Astern, Sonnenblumen, ungefüllte Dahlien, Malvenarten
  • Stauden für Hummeln: Akelei, Rittersporn, Eisenhut, Löwenmaul
  • Heimische Wildpflanzen für Wildbienen: zum Beispiel Natternkopf, Schafgarbe, Scharfer Hahnenfuß
  • Keine Gartenerde mit Torf kaufen, da der Torfabbau unwiederbringliche Biotope zerstört und damit den Lebensraum von heimischen Insekten verringert.
  • Nicht spritzen oder mit chemischen Mitteln düngen.
  • Äste bündeln und Steinhaufen an sonnigen Stellen auslegen, sie bieten sich als Unterschlupf an. Wilde Ecken im Garten zulassen, statt alle Kräuter auszureißen und glatte Rasenflächen anzulegen, die keine Nahrung bieten und keinen Wohnraum ermöglichen. Auch sandige Flächen, in denen Hummeln ihr Loch graben können, und Schalen mit Wasser verbessern die Lebensgrundlage der Insekten.

Wer sich für das Thema tiefergehend interessiert: Der Bienenfreundliche Garten

aufmerksam

Aufmerksam sein

„Ich weiß nicht, wie sie das aushält,“ sagte meine Mutter, die wegen eines neuerlich missglückten Abenteuers meines Großvaters wütend auf ihn war. Warum meinte sie eigentlich.
Im Grunde wussten wir jedoch alle, wie sie das machte. Sie hielt es aus, weil sie bis zu den Knien im Fluss des Lebens stand und allem große Aufmerksamkeit schenkte.
Meine Großmutter war bereits gestorben, als ich die Lektionen lernte, die ihre Briefe erhielten: Überleben hängt von geistiger Gesundheit ab, und geistige Gesundheit besteht darin, aufmerksam zu sein. Ja, in ihren Briefen schrieb sie, dass Vaters Husten sich verschlimmerte, dass sie das Haus verloren hatten, dass sie ohne Geld und arbeitslos waren, aber auch dass die Tigerlilien blühten und die Eidechse einen sonnigen Platz gefunden hatte, dass sich die Rosen trotz der Hitze hielten.
Meine Großmutter hatte erkannt, was ein Leben voller Schmerzen sie gelehrt hatte:
Ob Erfolg oder Misserfolg, die Wahrheit des Lebens hat wenig mit seiner Qualität zu tun. Die Qualität des Lebens steht immer im Verhältnis zu der Fähigkeit, Freude zu empfinden. Die Fähigkeit, Freude zu empfinden, ist das Geschenk, das man erhält, wenn man aufmerksam ist.

aus: „Der Weg des Künstlers“, Julia Cameron

 

IMG_1086

aufmerksam, glaubhaft

Büsche? Bäume? Alles fällen!

Derzeit findet in Hamburg ein großer Kahlschlag auf öffentlichen und privaten Flächen statt – mit öffentlich meine ich der Stadt Hamburg gehörend, mit privat meine ich dem HVV oder Immobilienbesitzern gehörend.
Wohin ich auch sehe, in welchem Stadtteil ich mich befinde:
Überall schauen mich kahle Flächen an, wo bisher noch Büsche und Bäume standen.
Dass Hamburg „Umwelt-Hauptstadt 2011“ war, war bedauerlicherweise und bekannterweise gelogenen Zahlen zu verdanken. Schlimm genug.
Nun jedoch jegliches Grün auf öffentlichen Flächen nieder zu mähen, während gleichzeitig überall die Parole „CO2 eindämmen“ ausgerufen wird, ist schlicht kontraproduktiv.
Einerseits wird seit drei Wochen überall die Säge angesetzt, andererseits wird für die Kampagne „Mein Baum – Meine Stadt“ geworben, in der man Geld spenden soll, damit in Hamburg mehr Bäume gepflanzt werden. Bitte?!
Ich fasse zusammen: Bäume abholzen kostet Geld, weil die Arbeiter bezahlt werden.
Bäume pflanzen kostet Geld, weil die Bäume und die Arbeiter bezahlt werden.
So oder so gibt Hamburg unnötig Geld aus und schadet seinem Ruf als „grüne Stadt“.
Fehlende Bäume können kein CO2 in Sauerstoff umwandeln, ganz egal, wie viel Elektroautos durch Hamburg fahren und wie sehr Hamburg aktuell dafür wirbt, wie viele Elektro-Tankstellen es gibt.
Spacken.
Wieder einmal können wir dem Senat und der Bürgerschaft bescheinigen:
Außer falschem Spiel nichts gewesen.

Da ich weder im Senat noch in der Bürgerschaft bin, ein Brief an meine Wohnungsbaugenossenschaft, um vor Ort gehört zu werden:

Sehr geehrte Damen und Herren,
mit Bedauern stelle ich derzeit in vielen Stadtteilen Hamburgs fest, wie in Grünanlagen weiträumig Büsche und Bäume gerodet werden. Es wundert mich, wie wenig Respekt die „Umwelt-Hauptstadt 2011“ dem städtischen Grün entgegen bringt. Schade finde ich es, wenn auch bei uns in der Genossenschaft Bäume gefällt werden, deren Stamm von innen gesund und intakt ist. Auch Hecken, die ruhige Plätze in der Wohnanlage gebildet und den Raum in den Grünflächen untergliedert haben, werden entfernt. Ich bin mir sicher, dass Ihnen das Wohl der Wohnanlagen am Herzen liegt. Ich bin mir ebenfalls sicher, dass es Argumente für diese Maßnahmen gibt. Trotzdem stelle ich mit Erschrecken fest, wie leer und kahl manche Grünstreifen in unserer Siedlung inzwischen aussehen. Deshalb möchte ich Sie bitten, darüber nachzudenken, dass „ordentliche“ Anlagen zwar gut sauber zu halten, aber auch ökologisch tot sind. Gerade die grünen Ecken in unserer Siedlung genieße ich als Bewohnerin und vermisse sowohl das Grün als auch den Lebensraum für Tiere.

Danke für Ihr Mitdenken,
mit freundlichem Gruß, Marie Krüerke

Nachtrag: Inzwischen hat sich der Verantwortliche für die Gartenbaumaßnahmen telefonisch bei mir gemeldet, leider mittags, als ich wie immer arbeiten war…. Als ich zurück rief, war er leider nicht erreichbar. Nun bin ich neugierig, was er mir erzählt hätte…

Nachtrag 2: Der „Obergärtner“ hat mich telefonisch erwischt und mir mitgeteilt, dass meine Nachricht angekommen sei. Und dass ich, wenn ich möchte, eine Pflanzaktion mit meinen Nachbarn starten kann – die Pflanzen stellt die Genossenschaft. Danke!