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Hamburgs schönste Ecken: Das Nottinghill Norddeutschlands

Wer in Hamburgs Innenstadt herum läuft und alles voll, laut und anonym findet:
Die größten Geschäftsstraßen rund um den Hauptbahnhof zu besuchen, garantiert keine schönen Erlebnisse, im Gegenteil: Sie sind in jeder Großstadt überlaufen und seelenlos. Jedes Mal, wenn ich in der Bahn mitbekomme, wie Touristen ihren Tag planen, möchte ich aufspringen und rufen: „Warum? Warum wollt ihr euch ausgerechnet durch die Innenstadt schieben? Dort gibt es nichts als Kommerz und überall die gleichen Marken und Ladenketten, die in jeder europäischen Stadt die Einkaufsmeile säumen. Setzt eure Zeit sinnvoll ein und fahrt dorthin, wo es schön ist! Spart euch den Mist!“

Wer wirklich den Puls der Hansestadt erleben möchte, kann die Innenstadt getrost aussparen:
Die Hafenatmosphäre ist in Övelgönne oder Blankenese viel entspannter und warmherziger als an den stressigen, überlaufenen Landungsbrücken. Oder der seelenlosen, langweiligen Hafencity.
Süße, inhabergeführte Geschäfte gibt es in den einzelnen Stadtteilen viel mehr als in den öden Shoppingmalls der City: In der Schanze oder dem nahegelegenen Karoviertel, wer es alternativ und freakig mag. In Ottensen und Eimsbüttel, wer es international, gemütlich und schräg mag.

In Eppendorf, wer es elegant, hanseatisch und anglophil mag. Dort nahm ich neulich einen Flyer mit, der die schönsten Geschäftsstraßen unter dem Namen „kleines Notting Hill“ zusammenfasst und präsentiert. Nebenan, unter dem Eisenbahnviadukt, findet mit dem Isemarkt am Dienstag und Freitag Hamburgs schönster Wochenmarkt statt.
In Winterhude, neben Eppendorf gelegen, gibt es rund um den Mühlenkamp ebenfalls reizende Shops und für den besonderen Charme viele Kanäle.

Hier gibt es noch Werkstätten wir diese Stuhl- und Korbflechterei in der Eppendorfer Landstraße 111 (nahe der U-Bahnstation Kellinghusenstraße), die von dem netten Ur-Hamburger Herr Schiek betrieben wird.
Und gleich um die Ecke wird´s richtig grün: Grüne Perlen entlang der Alster

Liebe Touristen, spart euch die blöde Innenstadt, dort wird euch niemand vermissen und ihr verpasst gar nichts! Hamburg ist so viel individueller, spannender und gemütlicher, wenn ihr euch dort umschaut, wo das Herz der Hanseaten schlägt!

Wer aktiv unterwegs ist, findet hier nähere Informationen zum Leinpfad (führt von Eppendorf zur riesigen Außenalster) und in Barmbek / Winterhude zum Stadtpark. Im nördlichen Verlauf der Alster folgen das Torhaus in Wellingsbüttel und das Wittmoor zur Heideblüte.
Der Bramfelder See liegt direkt neben dem Ohlsdorfer Friedhof, dem größten Parkfriedhof der Welt. Ideal, um zu picknicken oder Sport zu machen.
Das Museumsdorf Volksdorf im Nordosten bietet sich besonders für Familien an: Historische Häuser und diverse Baunernhoftiere, täglich kostenlos geöffnet.
Richtung Südosten sind das Bergedorfer Schloss , die Vierlande und ein Ausflug nach Lauenburg sehr beliebt.
Wer nach Nordwesten die Stadt verlässt, kann als Ziel den Stadtpark Norderstedt wählen, oder in weiterer Entfernung Husum und Friedrichstadt.
Richtung Nordosten sind der Dassower See, Travemünde und Schwerin schöne Ziele.

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Zwolle: Historische Hansestadt am Puls der Zeit

Wer sich in Zwolle orientieren möchte und nach der Ankunft erstmal das Tourismusbüro sucht: Es befindet sich hinter einem historischen Bonbonladen… (Het zwolse Balletjeshuis,  Grote Kerkplein 13) Das ist typisch für Zwolle: Obwohl die mittelalterliche Hansestadt das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum an der Ijssel ist, werden Genuss und Gemütlichkeit zelebriert.

Gegenüber der alten Stadtmauer reihen sich Kaufmannshäuser entlang der Wasserkante aneinander.

Spezialgeschäfte für Käse und Pindakaas (Erdnusscreme) lockern die Reihe der ungezählten Modegeschäfte auf. Die Niederländerinnen legen viel Wert auf ein modernes Outfit, am ersten und letzten Sonntag im Monat sind die Läden geöffnet.

Laut eigenen Angaben lädt in Zwolle der „schönste Buchladen der Niederlande“ zum Stöbern in eine imposante Kirche ein: Waanders In de Broeren. Ein Café ist natürlich auch dabei.

„Dünne Leute sind einfacher zu kidnappen. Bleib´ auf der sicheren Seite – iss Pie!“ Sehr viele schicke Blumenläden wechseln sich mit Bistros und stylischen Styleshops mit allem, was die trendy Frau braucht, ab. Museen und Konzerthallen bieten ein abwechslungsreiches Programm an, das wir leider nicht nutzten, weil wir von den Tagestouren in die Tulpenfelder immer völlig groggy zurück auf unser Hausboot kamen.

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Hattem: Mittelalterliche Lebensfreude an der Ijssel

Hattem ist eine kleine, verschlafen-fröhliche Hansestadt an der Ijssel.
Sie liegt Zwolle, dem wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum der Region auf der anderen Seite des Stroms gegenüber.

Hier wohnt ein Entenpaar in der Fußgängerzone und die EinwohnerInnen leben sehr entspannt und „gezellig“ in diesem friedlichen Städtchen. Die Dame im Tourismusbüro überschlug sich vor Ideen und Begeisterung und hörte kaum auf, mir spannende Veranstaltungen vorzuschlagen. Täglich fuhren wir auf dem Weg in die Tulpenfelder am örtlichen „Kinderbauernhof“ vorbei, winkten den Lamas, Eseln und Schafen.

Der Wochenmarkt findet ganz charmant auf einer Brücke statt und das Bäckerei-Museum bietet täglich Workshops zum Backen an. Ich meine, wie gemütlich kann es denn noch werden?

Mit unserem Hausboot in der Marina waren wir sehr zufrieden, eine dicke rote Katze übernahm die Begrüßung und das Einchecken. Die Besitzer und Angestellten waren alle sehr nett und entspannt, wer also in Hattem anlegen oder campen möchte: Wir empfehlen diesen ruhigen Schlafplatz sehr. Wer sich für Einzelheiten interessiert, frage mich bitte über das Kontaktformular.

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Tulpenblüte in Flevoland: Routen für Rad und Auto sowie Spaziergänge

Flevoland war vor sechzig Jahren noch Meeresboden. Heute stehen hier Höfe und Wälder, grasen Schafe und blühen Tulpen.
Wir waren an zwei Tagen mit dem Rad in Flevoland unterwegs, dabei folgten wir den Wegweisern der Tulpenroute für Fahrräder nahe Dronten und nahe Swifterbant. Von unserem wunderbaren Hausboot in Hattem, bei Zwolle, fuhren wir mit der Regionalbahn nach Dronten und von dort aus per Rad zu den Tulpenfeldern.
Wer rund um Dronten, Swifterbant, Lelystad und Zeewolde unterwegs ist, kann sich hier die Routen anschauen. Es gibt Wander-, Rad- und Autorouten.
Weiter im Norden gibt es ebenfalls Tulpenrouten, die sogar noch spektakulärer sein sollen: Auf dem Noordoostpolder rund um Emmeloord.
Der sogenannte „Bollenstreek“ (Bollen sind die Zwiebeln der Tulpen) zieht sich südlich von Amsterdam nach Leiden, Haarlem und Nordwijk. Er ist das traditionellste und bekannteste Gebiet der Tulpenblüte. Aber auch in Noordholland und um Alkmaar können die Blumenfelder besucht werden.
Die beste Reisezeit ist von Anfang / Mitte April bis Mitte Mai, das hängt natürlich auch von den Temperaturen ab. Die Tulpen auf den Feldern werden ab dem Moment der höchsten Blüte mit Maschinen geköpft, weil es den Bauern nur um die Zwiebeln geht: Sie wollen sie züchten und vermehren. Durch das Abtrennen der Blütenköpfe kann sich die Tulpenzwiebel viel Energie sparen, die sie stattdessen speichert. Ab Juli werden die Zwiebeln ausgegraben, im Herbst in Töpfe gesetzt und verkauft. Es dauert durchschnittlich 25 Jahre, bis eine neue Tulpensorte gezüchtet und verkaufsbereit ist.

 

Unterwegs kamen wir an vielen Bauernhöfen vorbei, die Kartoffeln, Obst und Säfte oder Eier anboten. Auch einen Eierautomaten lernten wir kennen, der rund um die Uhr biologische Eier liefert. Eins der Hühner pickte mir sogar Löwenzahn aus der Hand (nur, um ihn gleich wieder beiseite zu legen…).

Bei plötzlichen Hagelschauern mit anschließendem Schneegestöber, wie vorgestern, bieten sich Bushaltestellen als Zuflucht an. Brootje auspacken, Pause machen, bald ist das Unwetter vorbei!

Die Tulpenrouten verweisen auf Hofcafés und andere Möglichkeiten, um die BewohnerInnen der Region besser kennenzulernen.
Wir besuchten Hanneke´s Pluktuin (Hannekes Pflückgarten), wo die Kundinnen direkt zwischen den Tulpen herum spazierten und sich die Exemplare für ihren Strauß vor Ort aus der Erde zogen. Am besten mit der Zwiebelknolle, damit sie sich noch für das nächste Jahr einpflanzen ließen.
Die Inhaberin Hanneke betreibt ein süßes Café, wie immer sehr entspannt und mit wenig Andrang.
Das ist der Zauber von Flevoland: Es ist weniger spektakulär als die Region um Lisse oder der Noordoostpolder, aber dafür gibt es keine Touristenströme und wir waren unterwegs immer allein auf weiter Flur. Stattdessen überall zutrauliche Hunde, die uns hinterher liefen, neugierige Kühe und Stille pur.

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Glückshormone pur: Durch die Tulpenfelder in den Niederlanden

Wo kann ich mich mit Kühen unterhalten, Tulpen streicheln, mir einen Sonnenbrand holen und mit dem Rad plötzlich durch den Schneeschauer fahren? Wo mich allabendlich auf dem Hausboot zur Nachtruhe legen? Wo mein täglich broodje mit hagelslag und kaas essen? Wo ständig von wildfremden, extrem liebenswürdigen, extrem hilfsbereiten Menschen angesprochen werden?

In den Niederlanden, natürlich.
Neulich schrieb ich über meine Löffelliste, auf der ich alles notiere, was ich noch erleben möchte, „bevor ich den Löffel abgebe“.
Vor Kurzem stellte ich mir zum Bügeln den Fernseher an und ärgerte mich wieder einmal, wie fast jedes Jahr, dass die Tulpenfelder ohne mich blühten. Wie mir seitens der Moderatorin sehr fröhlich vor Augen geführt wurde. Eine kurze Recherche ergab, dass es noch nicht zu spät war. Rund um Lisse, das Hauptanbaugebiet der Tulpen, gab es nur noch Unterkünfte, die mit Gold aufgewogen werden wollten. Ich fand eine andere Lösung, die ich in den kommenden Tage in Ruhe vorstellen werde.
Dabei beginne ich mit den Tulpenrouten in Flevoland und dem Noordoostpolder.
Es folgen die Hansestädte Hattem und Zwolle an der Ijssel.

 

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Unterwegs in den Vierlanden

Ein herrlicher Novembersamstag in Hamburg: Wir verfrachten die Fahrräder in die S-Bahn und fahren raus nach Bergedorf. Von dort radeln wir Richtung Süden in die Vier- und Marschlande.
Zwischen Kanälen und alten Fachwerkkaten gondeln wir durch die klare Herbstsonne.

Das Museum „Rieckhaus“ hat leider im November nicht mehr geöffnet, aber wir werfen zumindest einen Blick über den Zaun auf den historischen Hof.

Unterwegs kommen wir an mehreren Straßenständen vorbei. Hier schnappte ich mir die knalligen Äpfel „Roter Mond“, eine Rarität mit köstlichem, roten Fruchtfleisch. Sie sind sehr gut lagerfähig und wirken garantiert auch als Weihnachtsäpfelchen am Tannenbaum prächtig. Wie immer gibt es eine Vertrauenskasse, an der wir den sehr moderaten Preis bezahlen.

Sankt Severini ist eine wunderschöne Kirche in Kirchwerder mit einem freistehenden Glockenturm. An den Friedhof grenzt eine große Wiese, da kein Zaun sie behindert, kommen hier bestimmt die Rehe gern für einen Snack an den bepflanzten Gräbern vorbei.

Unser Ziel ist die Riepenburger Mühle. Sie hat nur am Wochenende geöffnet und soll ein sehr uriges, charmantes Tortenparadies sein. Tja, leider steht an der Tür „Geschlossene Gesellschaft“, worüber ich mich sehr ärgere, da ich wenige Stunden zuvor extra noch die Website der Mühle besucht hatte und sie dort nirgends bekanntgaben, dass dieses Wochenende das Cafe geschlossen bleibt.
Zum Glück findet im Kunsthandwerkerraum hinter der Mühle ein Workshop statt, und die Leiterin möchte mir gerne helfen. Sie empfiehlt den Hof Eggers in der Nähe und schaut extra für mich nach, ob dort heute geöffnet ist. Danke!


So steigen wir wieder auf´s Rad und fahren zum Biohof. Dort angekommen ist das Angebot am Ende der Saison zwar begrenzt, aber sehr lecker. Wir sitzen an einem großen Fenster und genießen die Sonne. Danach schauen wir bei den Tieren vorbei, bis wir wieder auf´s Rad steigen und die letzten Meter zur Elbe fahren.

Verlinkt mit Sonntagsglück.

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Ausflug von Hamburg nach Husum und Friedrichstadt

Mit der Bahn kommen Hamburgerinnen ganz einfach nach Husum und Friedrichstadt: Der Zug fährt direkt am Hafen entlang (Bild oben). Wer schlau ist, schaut vorher in den Tidenkalender und plant den Besuch in Husum entsprechend: Ein Spaziergang am Deich ist bei Hochwasser natürlich am Schönsten. Je nach Ankunftszeit bietet es sich entweder an, bei Flut zuerst ans Meer zu laufen und dann die Stadt anzuschauen oder bei Ebbe umgekehrt.


Ich bin so gern am Meer, weil es dort immer friedlich ist. Natürlich zeigt sich das Wetter nicht immer so windstill und warm wie hier, aber selbst im Sturm fühle ich mich an der Küste tief im Inneren von Frieden erfüllt.


In Husum wird friesisch beschildert und die Homepage von Friedrichstadt lädt stolz mit einem „Vi taler dansk!“ dänische BesucherInnen ein. Hier in Schleswig-Holstein sind wir wahnsinnig international unterwegs… 😉

Kunst an der Küste: Wind-Hosen aus verblichenen Jeans, auf Metallgerüste gezogen. Schön surreal, besonders, wenn das Meer so spiegelblank liegt und mit dem Himmel verschmilzt…

In Husum fand während unseres Besuchs gerade ein Flohmarkt entlang des Hafens statt, sodass zwischen den Eiscafés und Fischbrötchen-Wagen ganz besonders viel los war. Vom Hafen aus geht es in die Altstadt und auf den Marktplatz an der Marienkirche. Auch hier sind die Schlauen klar im Vorteil, wenn sie vom Marktplatz aus in den Schlossgang einbiegen und durch die kleine Gasse eine Abkürzung direkt zum Schloss finden. Im Schlosspark blühen in jedem Frühjahr überwältigende Flächen von Krokussen. In den Kopfsteinstraßen der Altstadt laden viele gemütliche Cafés und Teegeschäfte zum Verweilen ein, und ich fand die bisher höchste Dichte von Woll- und Nähgeschäften.

Jede Stunde fährt ein Zug wieder Richtung Hamburg, sodass es sich anbietet, zehn Minuten lang Richtung Süden bis zur nächsten Station nach Friedrichstadt zu fahren und die niedliche Holländerstadt zu entdecken. Am Kanal steht dieses wunderhübsche norddeutsche Haus, einmal von vorn und von der Seite fotografiert. Gleich daneben schließen sich klassisch holländische Reihenhäuser an.

Rund um die Altstadt ziehen sich Kanäle, die sich aus der Treene speisen. Über viele Holzbrücken sind einzelne Straßenzüge miteinander verbunden. Die steinerne Brücke über den Mittelburggraben führt zum historischen Marktplatz.

Während des Tageslicht langsam abnahm, fühlte ich mich die ganze Zeit wie im Urlaub und fragte mehrfach, nur halb im Scherz, meinen Mann nach einer passenden Übernachtungsmöglichkeit. Natürlich wollten wir mit dem Schleswig-Holstein-Ticket noch nach Hause zurück fahren, dennoch sang ich durchgehend „Var ska vi sova i natt“ (Wo sollen wir heute Nacht schlafen?). Der Zug nach Hause wurde von französischen Touristen belagert, sodass unser Tag vom friesischen Verkehrsschild über dänische Tagesgäste in holländischen Städtchen gebührend international zu Ende ging.

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Wohlfühlen in Finnland: So geht ´s

Vor dem ersten Urlaub in Finnland stellen sich viele Fragen:
Wie ist das Klima?
Wie wahr die Legende von den mörderischen Mücken?
Sind die Nahrungsmittel so teuer wie im übrigen Skandinavien?
Und ist in dem zweitleersten Land Europas mit großen Distanzen zwischen den Dörfern ein Urlaub ohne Auto möglich?  Hier möchte ich Antworten teilen, weitere Tipps für Helsinki, Turku, die Schäre Kimitoön / Kemiösaariund die Schären generell finden sich in den verlinkten Artikeln.

Wer meint, in Finnland herrsche ganzjährig Bodenfrost, sollte einen Blick auf die Karte werfen: Helsinki und Stockholm liegen fast auf dem gleichen Breitengrad. Sommer sind hier tatsächlich wärmer, als viele vermuten. Dass die Tage gefühlt ewig dauern, weil die Sonne kaum untergeht, sorgt für ein besonderes Freiheits- und Lebensgefühl. Das Beweisbild aus dem Küchenfenster zeigt: Erst am Abend (erkennbar an den dunklen Bäumen und dem hellen Himmel) sinkt die Temperatur nach 20:00 Uhr langsam von der 30° C-Marke.
Dennoch sollten bei jedem Skandinavien-Urlaub ein Pullover, Regenjacke und Regenhose dabei sein. Wir haben sie nur einmal für eine halbe Stunde gebraucht, aber da inzwischen die Flugzeuge derart tiefgekühlt sind, wird der Pullover auf jeden Fall beim An- und Abflug nötig. Sonnencreme und Mückenspray haben wir von zu Hause mitgebracht, da wir nicht wussten, wie gut der Dorfladen ausgestattet ist. Das Mückenspray war tatsächlich sehr nötig, das „deutsche Zeug“ wirkte gut – auch wenn andere Reisende behaupten, man sollte sich mit örtlichem Giftspray einreiben.

Unterwegs mit dem Rad haben wir auf dem Hinweg zwei Stullen in der Plastikdose, auf dem Rückweg sammeln wir in jedem Land Obst. In Finnland primär Blaubeeren, auch Himbeeren und Brombeeren hätte es gegeben. Morgens zum Frühstück, als Backzutat oder mit Milchreis: Jede Verwendung ist köstlich. Die horrenden Preis für Obst und Gemüse motivieren sehr, sich eigene Früchte zu suchen und zu pflücken.

Alle lassen tagsüber die Haustür sperrangelweit offen und nachts wird sie lediglich ins Schloss gezogen. Das Abschließen von Türen, Autos und Rädern ist in Finnland genauso überflüssig wie im restlichen Skandinavien. Zu Beginn hatte ich Angst, dass jede Menge Waldmäuse über die Schwelle gehüpft kommen und in unserer Küche wohnen, wo sie unser teuer erworbenes Essen anknabbern. Mücken sirren und Spinnen krabbeln schnell in allen Zimmern, aber Mäuse fanden tatsächlich nicht den Weg ins Haus. Insofern ließen wir irgendwann auch ganz entspannt die Tür dauer-offen, wie das Foto oben zeigt.

Die herrlichen Abtropf-Schränke, die es auch in Schweden gibt, sind eine lustige Erfindung: Geschirr abwaschen, Schrank öffnen, nasses Geschirr ins Abtropfrost stecken, Türen schließen, draußen Spaß haben, später trocken wegräumen. Und es sieht durch die geschlossenen Schränke, hinter denen sich der (saubere) Abwasch verbirgt, immer ordentlich aus!

Wer längere Zeit als einen Urlaub im Holzhaus bleibt und daher einen Briefkasten braucht: Er befindet sich in kleinen Dörfern nicht am Haus, sondern gesammelt an der Landstraße mit allen anderen Briefkästen der Siedlung. Natürlich stehen sie alle offen, sodass theoretisch alle Nachbarn bestens über alles informiert wären. Aber die SkandinavierInnen lassen sich gegenseitig ihre Freiheit… Und außerdem braucht sich heute niemand mehr Erotik-Kataloge oder ähnlich sensible Poststücke schicken lassen, schließlich ist das Internet noch auf dem letzten Felsen der hintersten Schäre sehr schnell und sehr stabil! Besser als in Deutschland allemal.


Finnische Überlandbusse sind hervorragend:
Pünktlich, mit sehr netten FahrerInnen bei fairen Preisen, und selten voll besetzt. Wenn der Bus den Flughafen verlässt, sind noch viele Plätze belegt. Draußen auf den Dörfern fährt maximal eine Handvoll Leute mit. Es handelt sich also eher im üppige Großraumtaxis für drei Personen 😉  Und das Gepäck wird immer sehr liebenswürdig und vorsorglich von den FahrerInnen unten im Bus verstaut, hier muss sich kein Fahrgast bücken oder abschleppen!


Auf dem örtlichen Wochenmarkt, den es in größeren Orten oder in der Stadt gibt, kaufen FinnInnen Erbsen als „Snack auf die Hand“. Die Erbsen werden bei einer Pause im Park direkt aus der Schote geknabbert. Alle Waren werden als Liter mit Metallkrügen abgewogen und verkauft. 90% des Angebots stammt aus Süd- und Osteuropa, einheimische Erzeugnisse werden extra mit finnischen Fähnchen bestückt. Auf dem Markt ist es natürlich, genau wie in Deutschland, preiswerter als im Supermarkt. Wer im Schärengarten unterwegs ist, kann schwedisch sprechen, alle anderen machen sich auf englisch verständlich. Denn wer kann schon finnisch sprechen?!

aufmerksam, feminin, kreativ

Maritimes Herz aus Resten gestalten

Reste von Kreativprojekten fliegen bei vielen fantasievollen Frauen herum. Nur was damit tun? Sammeln und sich irgendwann über den Wust aus Resten ärgern? Direkt verwerten – aber wie? Hier stelle ich eine Idee vor, wie aus einem Stoffrest und einer Styroporform (aus dem 1-Euro-Laden) eine maritime Dekoration entsteht. Dabei kann jeder Stoff verwendet werden, der lang und breit genug ist, um die Styroporform zu ummanteln.

Zuerst kontrollierte ich, ob der Stoff in Länge und Breite ausreicht. Dann schnitt ich ihn etwas schmaler, damit er leicht überlappend einmal um die Form gewickelt werden kann, und kürzte die Länge. Mit Stecknadeln fixierte ich den Streifenstoff auf der Herzform.

Per Hand nähte ich den Stoff fest. Um das Stoffende hübsch zu verarbeiten, gestaltete ich daraus eine Blüte. Von hinten hielt ich sie mit einigen Stichen fest und fixierte in der Mitte einen Perlmuttknopf aus meiner riesigen Knopfkiste.

Als Willkommensgeschenk für eine Einweihungsparty geeignet, statt Türkranz zuverwenden, als Mitbringsel aus dem (Kreativ-)Urlaub oder für eine sommerliche Tischdekoration.

Verlinkt mit CreaDienstag, HoT und DienstagsDinge.

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Unterwegs in Helsinki: Stylish und gemütlich Einkaufen

Sommer in Finnland bedeutet nicht nur endlose, sonnengefüllte Tage. Wie alle Skandinavier haben die FinnInnen ein feines Gespür für Ästhetik, entstanden aus Naturverbundenheit und klaren Formen. Schwarz-weißes Design ist genauso beliebt und berühmt wie plakative bunte Formen. Da nicht alle das nötige „Klein“geld für die Originalprodukte haben, stelle ich verschiedene Möglichkeiten vor, wie etwas „typisch Finnisches“ kostengünstig im Koffer landet.


Die historische Kaufhalle „Vanha kauppahalli“am Hafen ist der ideale Start für einen Einkaufsspaziergang durch Helsinki. Ob Proviant für den Tag, Souvenirs in Form von Rentierwurst und Bärenfleisch oder stylische Postkarten: Das Angebot ist üppig.
Auch als Ziel bietet es sich an, zwischen den beiden Gängen voller Marktstände warten in Bistros und Cafés viele Stärkungen. Wer Lust auf frischen Wind und bezaubernde Inseln hat, steigt hier vor der Tür direkt in eine der Fähren auf die Schären ein.

Recci ist eine Kette von Second-Hand-Shops, die neben Kleidung auch eine kleine Auswahl Geschirr, Tischdecken und Deko anbieten. Skandinavisches Flair zum kleinen Preis jenseits der aktuellen Trends ist ebenso auf dem „Kirppis“ (finnisch für Flohmarkt) zu finden. Jeden Samstag im Sommer in diversen Stadtteilen, einfach das Internet fragen…

Schon vor einigen Jahren auf Bornholm fiel uns auf, dass ganzjährig Weihnachtsdekoration verkauft wird. Ob auf Handwerksmärkten oder im Design-Geschäft: Ohne Wichtel, Weihnachtsmäuse und glitzernde Schneeflocken als Halsschmuck geht gar nichts! Wer also einen schlichten Holzring mit zwei Wichteln aus Holzperlen für 29,50 Euro kaufen möchte: Bitte schön. Wer das mit einfachen Materialien zum Preis von 2,70 Euro selbst basteln möchte: Nur zu. Die Inspiration dafür habe ich als Foto mitgebracht.


Natürlich locken überall finnische Marken wie marimekko, iitala, artek und Consorten. Wie Perlen reihen sie sich in der Straße Pohjoisesplanadi aneinander. Tatsächlich gab es während unseres Urlaubs gerade das unschlagbare Angebot von zehn Trinkgläsern für 50 Euro bei iitala. Egal, wie sehr ich meinem Mann auf der Fähre, auf die Abfahrt wartend, das Ohr abgesabbelt habe: Er fand, wir hätten sehr schöne Gläser. Und wir hätten es nicht nötig, mit finnischem Design zum Angeben die Küchenschränke zu füllen. Ich weine immer noch des Nachts, wenn ich an iitala-Gläser zu fünf Euro das Stück denke…. FÜNF EURO! iitala! 😥

Sogar französische Patisserie wird in der Hauptstadt angeboten, zwischen all den Luxusläden brauchen die KundInnen schließlich standesgemäße Verpflegung…


Aber auch ganz handfeste Geschäfte wie der Bastelladen „Meder“ in der Straße Lönnrotinkatu 16 laden zum Reinschauen an: Wer Finnland im langen, dunklen Winter besucht, freut sich über Freizeitaktivitäten im Haus.

Wer es düster und märchenhaft mag, kann sich bei Destiny in der Straße Lönnrotinkatu 15 umschauen: Mode und Wohnaccessoires in einer opulenten Themenwelt zwischen schwarzen Schädeln und farbenfrohem Urwald. Leider sehr teuer, aber zum „Ideen sammeln“ für alle mit einer morbiden Ader sehr geeignet. 😉