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Im Winter an die Nordsee: Tipps für einen unterhaltsamen Inselurlaub

Im Winter ans Meer zu fahren, wird immer beliebter.
Theoretisch finde ich es gar nicht gut, weil damit die einzige noch bezahlbare (Nicht-)Saison intensiver nachgefragt wird. Eine Woche Insel im Februar ist genauso teuer wie eine Woche Sommerurlaub in Skandinavien, berühmt-berüchtigt als kostenintensivste Urlaubsländer.
Praktisch kann ich die Flucht ans Meer, selbst im Winter, gut nachvollziehen: Dunkel, nass und stürmisch ist es auch in der Großstadt, warum dann nicht die Kraft der Elemente an der Nordsee erleben?

Die Vorsaison der Vorsaison startet mit dem beeindruckenden Biikebrennen Ende Februar. Überall in Nordfriesland werden riesige Feuer (aus Tannenbäumen, sturmgefällten Bäumen und Heckenschnitt) entzündet. Ursprünglich von den Friesen als Feuer für Wotan entfacht, wurden später damit die Seefahrer und Walfänger ins neue Arbeitsjahr verabschiedet, bis sie im November vor den größten Stürmen zurückkehrten. Der Abschied des Winter spielt dabei natürlich auch eine Rolle, heute ist die Bedeutung der Tradition weitgehend egal.
Die Küste entlang zu schauen und die Feuer auf der eigenen Insel und bei den Nachbarinseln gegenüber brennen zu sehen, ist sehr archaisch und spektakulär.
Da es am 21. Februar mit hoher Wahrscheinlichkeit nass, kalt und stürmisch ist, sorgen die örtlichen Feuerwehren für Punsch, Grünkohl und einen trockenen Unterstand.

In manchen Orten gibt es zum Biikebrennen neben Fackelzügen auch Ansprachen und Gottesdienste auf friesisch, einer „echten“Sprache, die wirklich für Außenstehende nicht zu verstehen ist. Sehr zu empfehlen!

Die örtlichen Naturschutz- und Kulturvereine stellen selbst im Februar ein abwechslungsreiches Programm mit mehreren Veranstaltungen pro Tag auf die Beine. So zum Beispiel archäologische Führungen zu Hügelgräbern und Funden aus der Steinzeit.
Auch Wattwanderungen zur heimischen Tier- und Pflanzenwelt, Nachtwanderungen, Bernstein schleifen und Knotenkurse für Kinder werden angeboten. Sogar Wattwanderungen von einer Insel zur nächsten, wie von Föhr nach Amrum, werden im Winter durchgeführt – inklusive ausgeliehenen Wathosen für das Durchqueren der Priele.

Zum Biikebrennen öffnen einige Restaurants und Cafés ihre Türen, bevor sie zurück in den Winterschlaf sinken. Die meisten Lokalitäten öffnen erst kurz vor Ostern, daher lohnt es sich, das Wochenende mit dem Besuch von Friesenstuben und Fischlokalen zu nutzen. Anschließend heißt es wieder Selbstverpflegung und sich mit dem gesamten Rest der Insel zu den kurzen Öffnungszeiten der wenigen Cafés zu drängeln.
Denn wenn etwas geöffnet ist, und sei es nur für drei Stunden am Nachmittag, ist es garantiert knackvoll! Dass die Touristen jetzt auch schon im Winter kommen müssen, schrecklich… (-;

Sogar der Leuchtturm hat an einigen Tage stundenweise geöffnet oder eins der örtlichen Museen:
Naturschutzausstellungen mit Wasserbecken für kleine Tiere, präparierte Walskelette, Ausstellungen über die Seefahrt oder historische Kapitänshäuser gibt es auf den Inseln überall. Auch Vorträge über die Historie und Natur der Insel warten auf neugieriges Publikum.

Ein Spaziergang durch die Inseldörfer mit dem Besuch der abgesoffenen Seeleute historischen Grabstätten, ein Gottesdienst unter schwebenden Viermastern oder ein Konzert in einer Bar bringen zusätzlich Abwechslung.

Wenn gar nichts mehr geht, jedes Quermarkenfeuer schon fünf Mal fotografiert wurde, die Gänse in der Vogelkoje nur noch zum Gähnen anregen, der Strandausritt wegen Sturm abgesagt wird und die Sauna trotzdem nicht lockt:
Müll sammeln für eine saubere Umwelt, gesunde Fische und Vögel sowie weniger Mikroplastik in den Weltmeeren geht immer!

Schon nach einer Woche auf den Inseln ist die Rückkehr nach Hamburg ein intensiver Kulturschock:
Alles so laut, so voll, so unruhig hier!
Umso größer die Sehnsucht, bald wieder Freiheit und Weite an den endlosen Stränden zu finden.

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Danke, Jesus: Die Wunder der letzten Woche

Gerade kommen wir von einer Woche auf der Nordseeinsel zurück. Unterwegs gab es jede Menge Gründe, sich erst Sorgen zu machen, dann zu beten und sich anschließend zu freuen:
Trotz der sprichwörtlichen Zuverlässigkeit der deutschen Bahn, unserer Räder mit Packtaschen und Sturm auf der Nordsee liefen An- und Abreise komplett glatt. Die Angst, dass wir als Letzte das Schiff verlassen und die Zubringer-Minibahn längst abgefahren ist, bewahrheitete sich nicht: Wir waren nach einem einzigen Pkw die Ersten, die von der Fähre aufs Festland gewunken wurden.
Egal, welches logistische, platzmäßige oder zeitliche Nadelöhr es gab: Alles ging glatt, danke Jesus.

Während wir verreist waren, wurde unser Stromzähler getauscht: Ein Stromausfall und diverse geplatzte Sicherungen während unserer Abwesenheit waren die Folge. Ich hatte einen ziemlichen Horror davor, nach Hause zu kommen und erstmal in eine riesige Pfütze Gammel-Gemüse und Schimmel-Vorräte aus dem Tiefkühler zu stolpern. Also betete ich, dass wie-auch-immer der Kühlschrank weiter lief. Als wir zurück nach Hamburg kamen, waren alle Sicherungen raus gesprungen, bis auf die für den Kühlschrank. Danke, Jesus.

Ich verlor unterwegs zwischen Strand und Wald einen Handschuh und merkte es erst einen Tag später. Natürlich hatte ich ein zweites Paar Handschuh mit, sie sind aber zu dünn, um damit ernsthaft im Winter am Meer unterwegs zu sein. Vernünftige Handschuhe sind sehr teuer und auf der Insel waren die meisten Geschäfte noch geschlossen. Also betete ich und wir fuhren einen Teil der Strecke mit dem Fahrrad ab, als wir sowieso in dieser Richtung unterwegs waren. Trotz Sturm und Regen fanden wir den Handschuh, den jemand Nettes aufgehoben und in einen Baum gehängt hatte. Danke, Jesus!

Zwei Tage nach einer geführten archäologischen Wanderung fand ich am Strand ein steinzeitliches Werkzeug. Ich bin wirklich kein Profi und kann mich irren, aber es weist alles auf ein authentisches Artefakt hin. Und nach Jahren, in denen die Wellhornschnecken fast ausgestorben waren, fand ich endlich wieder ein perfektes Schneckenhaus dieser imposanten Art. Das mag für viele völlig sinnlos klingen, aber als „Schatzsucherin“ freue ich mich sehr intensiv über Preziosen wie Steinzeitwerkzeug und Schneckenhäuser. Es macht mich einfach glücklich – danke, Jesus.

Als wir auf dem Deich entlang radelten, ergriff mich eine so heftige Böe, dass ich im Sekundenbruchteil mit dem Rad vom Deich geweht wurde. Ich fand mich nach einem Überschlag im Gras wieder – zum Glück war hier der steinharte Teerdeich längst zu Ende und ich blieb komplett unversehrt. Danke, Jesus.

Was ich damit sagen möchte:
Jesus hat nun wirklich Wichtigeres zu tun, als sich um unseren Kühlschrank, verlorene Handschuhe, einen Salto den Deich hinab oder Strandfunde zu kümmern.
Und dennoch erhört er meine Gebete oder macht mir einfach so eine Freude.
Wie sehr also kümmert er sich um uns, wenn es wirklich brenzlig wird?!
Und warum vertrauen wir darauf so wenig und suchen unsere Sicherheit in eigenen Anstrengungen?

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Skandinavien für Anfänger: Die besten Reiseziele

Sonnen am Strand von Sylt, Party in Barcelona, wandern im Fjäll – was die einen in den Ferien lieben, finden die anderen ganz schrecklich.
Wohin wir in den Urlaub reisen, ergibt sich oft aus Prägungen und Gewohnheiten. Während die einen die Abwechslung schätzen, fahren andere jedes Jahr in den gleichen Ort ins gleiche Hotel. Manchmal deshalb, weil wir es aus Kindertagen noch so kennen. Manchmal deshalb, weil wir im Urlaub den Gegenentwurf zum Alltag leben wollen. Die Wahl unseres Urlaubsortes und der Aktivitäten vor Ort verrät viel über uns und ist oft nur schwer verhandelbar. Die einen hassen Schweden, die anderen hassen Sardinien, Gewohnheiten lassen sich nur schrittweise verändern.

Heute schreibe ich für alle, die noch nie in Skandinavien waren und entweder selbst neues Terrain entdecken wollen oder von anderen dazu gedrängt werden liebevoll eingeladen werden.
Dabei arbeiten wir uns von Süden nach Norden hoch, vom Lieblichen ins Rauhe.
Überall wird in Landeswährung mit Kronen bezahlt, nur in Finnland (und Teilen von Süddänemark) können wir Euros benutzen. Generell ist das Preisniveau höher als bei uns, weil der großzügige Sozialstaat seine Steuern auch über Nahrungsmittel und Genussmittel bezieht (statt Landwirtschaft zu subventionieren wie bei uns). Alkoholisches und Süßes ist besonders teuer, aber gleichermaßen verzichtbar – wer an dieser Stelle viel Geld ausgibt, braucht sich nicht beschweren. Im Sommer können überall in Skandinavien an den Wegrändern wilde Mirabellen, Äpfel und Brombeeren geerntet werden, die Wälder sind voller Blaubeeren. Damit ist die Vitaminzufuhr kostenlos gedeckt, und die Straßenstände mit Erzeugnissen aus dem eigenen Garten liefern gute und bezahlbare Waren.
Da alle Deutschen mörderische Horrorgeschichten von Mückenplagen in Skandinavien kennen, nehme ich dazu natürlich im jeweiligen Land Stellung.


Dänemark ist das ideale Land, um Skandinavien zu beschnuppern: Die Nordseeküste mit hohen Dünen und rauschender Brandung, die Ostseeküste mit flachem Kieselstrand oder malerischen Kreidefelsen (Insel Møn). Das Landesinnere ist sehr unspektakulär, die „dänische Südsee“ mit den Inseln Ærø, Fyn, Langeland, Lolland, Falster und Sjælland schon wesentlich abwechslungsreicher: Hügelige Felder, niedliche Kleinstädte mit historischen Häuschen und Kopfsteinpflaster, lange Strände, ehrwürdige Gutshöfe. Dabei bleibt Dänemark immer malerisch und weitgehend harmlos, weshalb es bei Familien mit kleinen Kindern so beliebt ist.
Und DänInnen haben Humor, wie diese und diese Werbung für den Nahverkehr beweisen.
Der Mückenstatus in Dänemark ist der gleiche wie bei uns: In feuchten Wäldern kommt durchaus mal eine vorbei und sticht auch, sonst gibt es keine.

Mein persönlicher Favorit ist die Insel Bornholm, die von Rügen aus mit der Fähre oder von København (Kopenhagen) aus mit dem Flugzeug erreicht wird. Bornholm gehört zu den sonnigsten Regionen Skandinaviens und bildet die umliegenden Ostseestaaten en miniature ab:
Dramatische Felsen im Norden, endlose feinsandige Strände im Süden, die größte Burgruine Nordeuropas im Westen, malerische Küstenorte im Osten, einzigartige Rundkirchen und Felsmalereien, urzeitliche Farnwälder und Schluchten, ein wildes Waldgebiet… Dicht beieinander liegen auf Bornholm sehr viele Landschaften, die sich extrem unterscheiden. Dazu eine sehr originelle, spleenige Künstlerszene, Museen, Werkstätten, Outdoor-Sport, Konzerte und Kulinarik. Alles mit dem Fahrrad erreichbar, es gibt auch diverse Inselbusse. Die Menschen sind freundlich und humorvoll, wie überall in Skandinavien. Neben englisch sprechen viele deutsch und haben sogar einige Jahre in Deutschland gelebt.
Wer also ganz harmlos einsteigen und dennoch viel erleben möchte, sollte die Annährung an Skandinavien auf Bornholm beginnen. So abwechslungsreich, friedlich und fröhlich ist es sonst selten auf der Welt. Hier erzähle ich von den liebenswerten Eigenheiten Bornholms.
Wer wissen möchte, warum die Skandinavier die glücklichsten Menschen der Welt sind, kann sich mit dieser Lektüre sehr unterhaltsam informieren.
Ach, und Mücken gibt es keine. KEINE.

Schweden zeichnet sich einerseits durch tiefe Wälder und endlose Seen und andererseits durch seine fantastische Schärenlandschaft aus. Wenn ich nicht nach Bornholm darf, möchte ich wenigstens auf einer Schäre Urlaub machen! Für Wassersport in allen Varianten ist Schweden ideal, nur surfen klappt in Dänemarks wilden Nordseewellen besser.
Die meisten Schweden-Fans lieben ihr Ferienhaus im Wald direkt am See zum Angeln, Kanu fahren und Wandern. Erdbeerfelder zum Selbstpflücken, Volksfeste mit historischen Tänzen und die ewige Suche nach einem echten Elch sind typisch für Urlaube in Schweden.
Unbedingt gehört das Open-Air-Konzert „Allsång på Skansen“ in Stockholm auf der Insel Djurgården dazu: Fantastische Stimmung mit BesucherInnen aus ganz Skandinavien, während die aktuellen Charts und schwedische Evergreens zusammen mit den Stars gesungen werden. Viele Kinder, SeniorInnen und Menschen mit Handicap sorgen für ein wunderbares Gemeinschaftsgefühl.


Stockholm ist eine der schönsten Hauptstädte überhaupt, auf 14 Inseln gebaut und mit 30% Wasser in der Stadtfläche. Von imposanten Bauten in der Innenstadt wie dem Schloss und dem Rathaus geht es in wenigen Minuten in die süßen Gassen von Gamla Stan und Östermalm oder in die entgegengesetzte Richtung auf die Insel Djurgården: Wald, Wiesen, Villen, Museen, ein Zoo, ein Vergnügungspark – die reine Lebensfreude mitten in der Stadt und doch gefühlt weit draußen.
Sehr weit draußen fühlt sich auch ein Ausflug auf die Schären an, dabei dauert die Fahrt mit den Fähren ab der Innenstadt nur eine halbe Stunde – oder länger, je nachdem, wohin es in den Skærgården (Schärengarten) gehen soll.

Wir wohnten auf einer Insel außerhalb des innersten Stadtgebiets im Grünen, waren mit dem Rad in 15 Minuten an der Endstation der Tunelban (U-Bahn) und damit schnell im Zentrum. An manchen Tagen waren wir auch komplett mit dem Rad im Stadtgebiet unterwegs, ein Auto braucht man in Stockholm wirklich nicht. Ferienwohnungen gibt es überall in Stockholm, aber auch ganz besondere Unterkünfte wie ein altes Holzschiff oder ein Gefängnis.
Hier erzähle ich mehr über bestimmte Orte und Erlebnisse.
Tja, und die lästige Fragen nach den lästigen Mücken: Wer direkt am See wohnt oder, noch besser, im Fjäll, sollte Mückenspray und lange, feste Hosen mitnehmen. Ich werde sehr gern gestochen, aber es war noch nie so schlimm, dass wir abends deswegen hätten nach drinnen umziehen wollen. Also: Ja, es gibt Mücken, aber normalerweise bleibt ihre Zahl übersichtlich.

Norwegen kannte ich lange Zeit nur im Süden, weil ich dem Vorurteil glaubte, der Rest des Landes sei wahnsinnig rau und abweisend.
Stimmt nicht!
Diesen Sommer waren wir in der Region um Ålesund unterwegs und es war fantastisch! Berge und Meer gleichzeitig, sehr warmherzige Menschen überall, tolle Wandertouren, ständig freilaufende Tiere aus den umliegenden Höfen – wir hatten eine Menge Spaß. Und keine einzige Mücke, was ja die große Angst viele Skandinavienurlauber ist. Grandiose Natur gibt es in Norwegen definitiv überall, von den Sandstränden im Süden über die tiefen Wälder im Osten bis zu den Fjorden im Westen.
Wunderschöne Städte mit historischem Kern inklusive Kultur wartet auf die, die nicht ständig Mountainbiken und Wandern wollen.


Oslo hat uns gut gefallen, kann aber in meinen Augen Stockholm nicht von der Position der schönsten Hauptstadt vertreiben. Ob Oslo eine der teuersten Städte weltweit ist, kann ich nicht sagen: Ich finde es überall in Skandinavien teuer. Oslo hat, ähnlich wie Stockholm, ein sehr abwechslungsreiches Stadtbild:
Fantastische Parks (Botanischer Garten, Skulpturenpark Ekeberg), eine Festung direkt am Hafen, Wasserfälle mitten in der City, großartige Museen auf der Insel Bygdøy (über die Wikinger, die Entdeckung des Nordpols, das Leben vor hundert Jahren in Norwegen). Oslo macht einfach Spaß, und lässt sich auch mit einem kleinen Budget erkunden. Tipps dazu gebe ich hier.
Mit Ausflugsbooten, die direkt am Rathaus starten, können die kleinen Inselchen direkt vor Oslo besucht werden. Einfach von Insel zu Insel gondeln, jede hat ihren eigenen Charakter. Ein toller Tagesausflug!
Niemand braucht in Oslo ein Auto, vieles ist per Fuß oder Fahrrad erreichbar, sonst gibt es Straßenbahnen. Überall im Stadtgebiet werden Ferienwohnungen angeboten, wer früh bucht, zahlt faire Preise. Für alle, die auch in Norwegens Hauptstadt am liebsten draußen sind, gebe ich hier Tipps weiter.

Warum die NorwegerInnen so glücklich sind (und wir mit ihnen), erzählte ich hier.

Kommen wir zuletzt nach Finnland, das wir tatsächlich erst ein Mal besucht haben, weil die völlig fremde Sprache lange abschreckte. Natürlich sprechen in Finnland fast alle englisch, wie überall in Skandinavien, aber bei Straßenschildern, Namen von Geschäften und Zutatenlisten sind wir Deutschen völlig aufgeschmissen. Finnisch sieht aus, als hätte ein sehr wildes kleines Kind Scrabble gespielt und mit Vorliebe die Buchstaben doppelt eingesetzt. Der Rest ist einfach nur Chaos.
Wer sich halbwegs selbstständig orientieren möchte, sollte nach Südfinnland reisen, ganz besonders in den Schärengürtel: Hier leben fast nur Finnlandschweden, alles ist schwedisch ausgezeichnet, das erleichtert das Verständnis erheblich.


Wir haben die zwei Wochen in unserem großen Ferienhaus mitten in der Natur sehr genossen. Es war so unbeschreiblich friedlich wie noch nirgends sonst auf der Welt. Bereits mehrere Bekannte und Kolleginnen erzählten von dem gleichen Frieden, den sie in Finnland erlebt haben. Keine Ahnung, wieso, aber diesen Eindruck teilen die meisten BesucherInnen.
Helsinki liegt, genau wie Stockholm und Oslo, am Meer, was auch hier den besonderen Reiz ausmacht. Wie immer fahren direkt ab dem Zentrum in enger Taktung Fähren zu den vorgelagerten Inselchen, Suomenlinna ist besonders beliebt. Sonst zeichnet sich Helsinki durch herrschaftliche Gebäude und prächtige Straßen aus, der botanische Garten und viel Wasser rund um die Innenstadt sorgen für eine angenehme Atmosphäre.


Hier teile ich Tipps für einen Einkaufsbummel durch Helsinki.
Wohlfühlen in Finnland, so geht´s erkläre ich hier.
Wer einen Tag in Turku verbringen möchte, findet hier diverse Tipps.
Und wer ein Haus auf den Schären erwischen möchte, kann hier von meinen Erfahrungen lesen.
Und die Mücken? Wir haben nur wenige erlebt, dafür waren sie umso giftiger. Als Entschädigung waren die Menschen alle sehr hilfsbereit und fröhlich, ganz entgegen alter Klischees von depressiven FinnInnen.

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Halli Galli in Tüten: Mit 220 ChristInnen nach Römö

Die letzte Woche hatte ich mit 220 Menschen aus meiner Kirchengemeinde Spaß auf Rømø. Und obwohl wir so viele Leute waren, fiel mir ständig auf, wer fehlte und wen ich gern dabei gehabt und bessern kennengelernt hätte… Wir waren in einem erstklassigen Resort untergebracht, dank der Gruppengröße waren die Preise der Ferienhäuser sehr fair. So stylisch und hochwertig habe ich selten Urlaub gemacht, und täglich unbegrenzt Wellness genießen zu können, war ein zusätzliches Highlight.

Alle Programmpunkte von Gottesdienst bis Sport und Kreativangeboten war selbstorganisiert und freiwillig. Nur der erste Strandspaziergang ist traditionell Pflicht für alle 🙂
Natürlich habe ich mich im Vorhinein gefragt, ob es nicht langweilig wird, täglich morgens Gottesdienst zu feiern (mit Ausnahme des Ausflugstags). Tatsächlich empfand ich es als schönen Start in den Tag, nach dem Frühstück mit meiner Mitbewohnerin zum Konferenzsaal zu laufen und mit Gott und allen anderen Gemeinschaft zu haben. Auch, wenn das Ausschlafen dadurch viel zu kurz kam… 😉


Meine Mitbewohnerin und ich waren beide das erste Mal dabei und genossen die Ruhe in unserem Haus, wo wir uns entspannt zurückziehen konnten, wenn wir eine Auszeit vom Trubel brauchten. Wir wurden von anderen zum Essen eingeladen, bekamen Reste vorbei gebracht oder wurden spontan selbst zum Gastgeber, wenn Freunde auf dem Weg nach irgendwo bei uns vorbei kamen und ein paar Stunden blieben. Das Thema der Woche lautete „Wenn Gott zum Essen kommt“, wurde in jeder Predigt mit einem anderen Bericht aus der Bibel behandelt und passte perfekt.

Ein dickes Programmheft informierte über die täglichen Aktivitäten und listete auf, wer in welchem Haus wohnte.
Nach dem Gottesdienst starteten die Sportangebote: Fußball, Ultimate Frisbee, Zumba, Basketball, Workout und Joggen.
Am Nachmittag trafen sich viele im „Cafehaus“, das jeden Tag in einem anderen Ferienhaus stattfand und offen für neue Begegnungen war. Die Kinder hatten ein riesiges Extraprogramm, während die Erwachsenen Spaß und Bildung genossen: Ein Führungskräfte-Workshop, das Quiz der 80ger und 90ger Jahre, Bible Art Journaling, Vorträge, Tanzkurs mit den Hamburger Meistern, eine Diskussionsrunde, Running Dinner, Golf auf dem Platz vor der Haustür, eine Kleider-Tauschbörse, ein Brettspiele-Turnier und Whisky-Tasting waren nur der Anfang.
Alles organisiert und gestaltet von Menschen aus der Gemeinde, wir brauchten nur pünktlich im passenden Gruppenraum oder Ferienhaus auftauchen.


Unbedingt wollte ich mal wieder reiten, am liebsten einen Ausritt am Strand. Leider war der Strand an dem Tag überflutet, als wir mit den Isländern unterwegs waren. Daher ritten wir durch den Wald, was nur mittelspannend war, aber immerhin saß ich mal wieder auf einem Pony. Als wir zu Beginn auf der Koppel ankamen, goss es in Strömen und fing zu hageln an. Mein Begleiter, ein iranischer Flüchtling und ich, beteten für einen sonnigen Ausritt – und genau den bekamen wir.

Überhaupt wurden wir als Gemeinschaft ständig mit allem versorgt, was wir brauchten. Es gab viel mehr Sonnentage, als im Wetterbericht angesagt. Als ich keine Zeit für ein ausgiebiges Mittagessen hatte, bekam ich von der Nachbarin eine Schale Gulasch, die bei ihrem Essen übrig geblieben war. In einem Cafe in Ribe kam ein Mann an unseren Tisch, der uns auf deutsch über den Weg zur Insel Mandø aufklärte und von dessen Smartphone wir die Tidetabelle abfotografieren konnten, die ich im Internet nicht hatte finden können. Und das nur, weil er mitbekommen hatte, wie ich meinen Freundinnen erfolglos versucht hatte zu erklären, wie man bei Ebbe am besten durch das Watt mit dem Auto fährt.
So viel Segen und gute Begegnungen haben wir erlebt, dass ich gar nicht mitzählen konnte.

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Norwegen ohne Auto: Aktivitäten rund um Volda nahe Alesund

Volda ist eine kleine Stadt südlich von Ålesund, direkt um die Ecke liegt ein Flugplatz, der mehrfach täglich von Oslo angeflogen wird. Diverse Buslinien und zwei Fähren verbinden Volda mit der Umgebung. Wer ohne Auto unterwegs ist, findet hier Ausflugstipps und Ideen für Unternehmungen. Massentourismus ist Volda komplett fremd, aber (fast) alle sprechen fließend und gerne englisch. Es gibt sogar einen Skilift, sodass neben dem in Norwegen üblichen „Querfeldein-Langlauf“ auch Abfahrtsski praktiziert wird.

1.) Den Hausberg von Volda, Rotsethornet, hinauf klettern: Von 0 m auf  570 m
Der Rotsethornet erhebt sich steil hinter Volda am Fjord. NorwegerInnen deklarieren ihn als „leichte Wanderung für Familien mit Vierjährigen, locker für einen Nachmittag machbar, Lebensgefahr“. Ja, so sind sie, die NorwegerInnen: Berge, an deren Felsen man sich mit Seilen und Metallketten hochziehen muss, sind „für Kleinkinder leicht machbar“. Als Nächstes verweisen sie auf die Lebensgefahr an den Hängen zum Fjord hin und erwähnen nebenbei, dass dort schon mehrfach Wandernde in den Tod gestürzt sind. Ja klar.

Also, der Rosethornet ist steil und für Ungeübte nur mit Klettern auf allen Vieren zu erklimmen. Der Ausblick ist wunderbar, wenn es nicht spontan regnet und die Landschaft im Nebel verschwindet – aber das gilt für alle Gipfel in der Region. Auf halber Strecke gibt es eine Schaukel, mit der man fast über den Abgrund schaukeln kann.

2.) Mit der Folkestad-Fähre über den Fjord und den Kornbegsveten hinauf, vorbei am überhängenden Felsen Galten: Von 0 m auf 577 m
Von Volda aus fährt die Folkestad-Fähre in 12 Minuten über den Fjord. An Bauernhöfen vorbei geht es deutlich sanfter als den Rotsethornet hinauf. Der Zwischengipfel Galten lädt zu Fotos über dem Fjord ein. Hinter dem Gipfel des Kornbegsveten liegt eine offene Hütte, in der man sich unterstellen, am Feuer Kaffee kochen und sogar übernachten kann (zumindest sah es schwer nach einem hölzernen Bettgestell aus). Dahinter geht es deutlich steiler auf einem schwer zu erkennenden Pfad zurück zum Fjord hinunter: Soweit möglich den roten Punkten folgen und die Trampelpfade der Schafe nutzen.

3.) Den Melshornet zwischen Volda und Ørsta hinauf wandern: Von 0 m auf 807 m
Von Volda aus beginnt die Wanderung auf den Melshornet entspannt über Schotterwege im Wald. Bald bleiben die Fichten zurück, durch offenes Land führt die Schotterstraße bis zu einem See und einigen (leider verschlossenen) Hütten, die versprengt in der Umgebung liegen. Nach dem See geht es deutlich steiler bergauf, der Weg zum Gipfel besteht später nur noch aus Felsen. Wer einen anderen Weg als die Schotterpiste zurück nach Volda nehmen möchte, folgt den roten „Stikk ut!“-Pfeilen durch sumpfiges Gebiet auf extrem schmalen Pfaden. Einen Weg nach Ørsta hinab haben wir nicht entdecken können.

4.) Mit dem Rad den Voldafjord Richtung Ørsta fahren
Wir starten in Volda am Hafen und folgen der Straße Berkneset den Voldafjord entlang um die Spitze und hinein in den Ørstafjord auf dem Sjøvegen. Links schauen wir über die Fjordlandschaft, rechts ragen die Berge hoch oder es öffnen sich Wiesen mit Bauernhöfen. Zwischendurch pflücken wir Johannisbeeren am Straßenrand und kommen an freilaufenden Hühnern vorbei. Die E39 nehmen wir als Rückweg nach Volda, vorbei am Flughafen Hovden.

5.) Mit dem Bus nach  Ålesund
Die Altstadt von Ålesund brannte 1904 in einer einzigen Nacht lichterloh und wurde anschließend im Jugendstil wieder aufgebaut. Ålesund liegt über mehrere Inseln verteilt kurz vor dem Atlantik, sodass der Blick vom Stadtberg Aksla bis zum Meer schweift. Die Stadt kann gut zu Fuß erkundet werden, nur zum wirklich sehenswerten Aquarium, das 3,7 km außerhalb des Zentrums liegt, zieht sich der Weg etwas. Von Volda aus fährt ein FRAM-Bus mit Fähre und durch Tunnel bis nach Ålesund: Einmal einsteigen, am Ziel wieder aussteigen, sehr zuverlässig.

6.) Mit dem Bus nach Runde
Die Vogelinsel Runde liegt nahe Ålesund im Atlantik. Mit zwei bis drei Mal umsteigen fahren Busse ab Volda nach Runde, dabei überqueren wir die Inselketten mit Brücken und durch Tunnel. Wer zum Runde Fyr (Leuchtturm) und den Vogelfelsen möchte, steigt an der Endstation aus. Ab dem Campingplatz beginnt der Wanderweg über die grasige Insel. Wer wegen der Papageitaucher herkommt: Sie brüten von April bis Ende Juli / Anfang August, den Rest des Jahres leben sie draußen auf dem Meer.

7.) Mit dem Bus nach Nordfjordeid
Diese Tour haben wir nicht unternommen, sie stand aber noch auf dem Plan: Nordfjordeid liegt am Ende des namensgebenden Nordfjords. Die kleine Stadt ist das Zentrum der Fjordpferde, der berühmtesten norwegischen Rasse. Ein süßes historisches Stadtviertel und ein frisch eröffnetes Museum zum größten bisher gefundenen Wikingerboot laden zum Entdecken ein. Wie immer fährt ein FRAM-Bus, entweder mit Fährfahrt nach Folkestad und von dort aus per Bus oder im weiten Bogen mit Umsteigen nach Nordfjordeid.

 

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Warum die NorwegerInnen so glücklich sind – Reisebericht

Hilfe, war es in Deutschland immer schon so zugebaut, eng, laut und hektisch?
Zurück aus Norwegen gibt es einen ordentlichen Kulturschock… Auch, wenn es derzeit „nur“ das drittglücklichste Land der Welt ist (nach Finnland und Dänemark), teile ich meine Eindrücke aus einem Leben, das deutlich freundlicher ist als bei uns.


1.) Ehrlichkeit und Freundlichkeit sind Trumpf
Direkt nach unserer Ankunft, während wir auf den Bus in die Nachbarstadt warteten, kauften wir ein. Und stellten fest: Norwegische Supermärkte erklären Lücken im Warenbestand und entschuldigen sich freiwillig dafür. Obwohl sie nichts dafür können, dass der Hersteller einen Lieferengpass hat. Jegliche Diskussion über „Der Kunde ist in Deutschland kein König, sonst gäbe es weniger Bullshit und mehr Transparenz“ lasse ich an dieser Stelle.


2.) Familienfreundlich sind die NorwegerInnen in jeder Konsequenz
Mir persönlich ist Familienfreundlichkeit ja wurscht, aber die Skandinavier haben es einfach drauf: Hier eine praktische, entspannte Lösung, wie Kinder sicher im Linienbus mitfahren. Kein Gelaber der Politiker, sinnlose Versprechen und fragwürdige Ideen – einfach machen. Im Global Gender Gap steht Norwegen nach Island auf Platz zwei der gerechtesten Länder für Frauenrechte. Konsequent sozial, für alle.


4.) Freiheit für alle, auch für Tiere, soweit möglich

Auf Wanderungen und Radtouren wurden wir oft vom Klingeln der Glocken begleitet: Schafe und Kühe weiden hier einfach querfeldein in Heide und Wald. Hühner hopsen quer durch das Wohngebiet, und wenn eine Straße hindurch führt, die von Joggern und Radfahrern benutzt wird: Ist halt so, sollen sie eben aufpassen. Die SportlerInnen. Und die Hühner.

5.) Sport und Erlebnisse in der freien Natur statt Shopping und Serien anschauen
Wer in Norwegen attraktiv sein möchte, trägt funktionale Kleidung und ist möglichst viel draußen unterwegs. Die Frauen rennen im Stechschritt die Berge rauf und runter, die Männer schieben das Baby zum Einschlafen im Kinderwagen um den See. Hält fit, fördert die Durchblutung und einen klaren Blick auf´s Leben.


6.) Norwegische Männer sind überraschend kommunikativ: Offen, humorvoll, kaum abzubremsen
Mehrfach wurden mein Mann und ich, auch einzeln, von norwegischen Männern festgequatscht: In der Schlange im Supermarkt (bestehend aus maximal drei Personen, Norwegen ist wenig besiedelt), im Park, beim Abschied vom Busfahrer. Als ehemalige Sprachtherapeutin und heutige Veranstaltungs-Fachfrau bin ich naturgemäß ständig am Reden. Im Urlaub versuche ich, als Gast im Land einen guten Eindruck zu hinterlassen: Ich kenne alle notwendige Floskeln, um höflich zu sein und die Menschen nicht aus heiterem Himmel zum Englischsprechen zu zwingen. Vor zwei Jahren in Oslo traf das Gerücht „NorwegerInnen hassen Small-Talk und jede andere Form von Gespräch mit Fremden“ zu. Im ländlichen Norwegen, also dem 98% Rest des Landes, überraschten uns die geselligen Männer. Mein Mann wurde sehr ausgiebig von einem älteren Herrn an der Supermarktkasse inteviewt. Ich wollte in Ålesund nur ein paar aquarellierte Karten kaufen und wurde von dem Künstler in ein Gespräch verwickelt, das ich irgendwann einfach abbrach, weil es kein Ende fand. Im Park unterhalb des Aksla (Ålesund) begann ein Mann eine Unterhaltung mit uns, und ich spielte mit seinem sehr intelligenten Hund. Der jedoch wollte lieber mit meinem Mann spielen, der dazu keine Lust hatte – auch hier würgten wir irgendwann das Gespräch ab, um endlich weiterzukommen. Von dem fast nackten Mann auf dem Rennrad und dem netten Busfahrer fange ich gar nicht erst an.
Kurz: Offen und herzlich mit Fremden umzugehen scheint den Norwegern große Freude zu machen.

Norwegische Busfahrer an einem Umsteigeplatz am Fjord: Erstmal eine Runde schnacken, bevor es weitergeht

7.) Eine gesunde Portion stolz auf die Gemeinschaft und Kultur hebt das Selbstbewusstsein
Die NorwegerInnen sind definitiv patriotisch, so wie alle Skandinavier. Nahrungsmittel sind explizit als norwegisch gekennzeichnet oder verweisen auf eine lange Historie. Überall flattert die Landesfahne, ausländische Markenware ist hier nicht modisch, sondern einfach nicht da (es sei denn, wir befinden uns in einer der wenigen Großstädte, wo es internationale Markenklamotten für die vorbei reisenden Asiaten gibt). Europa finden sie gut, aber nicht so sinnvoll, dass sie ein festes Mitglied sind – zahlen tun sie trotzdem. Sich selbst, die Gesellschaft und Kultur auf eine gesunde Weise gut zu finden und stolz darauf zu sein, macht zufrieden.

Zum Weiterlesen:
Warum die BornholmerInnen so glücklich sind
Günstiger Urlaub in Oslo: Oslo on a Budget

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Hamburgs schönste Ecken: Das Nottinghill Norddeutschlands

Wer in Hamburgs Innenstadt herum läuft und alles voll, laut und anonym findet:
Die größten Geschäftsstraßen rund um den Hauptbahnhof zu besuchen, garantiert keine schönen Erlebnisse, im Gegenteil: Sie sind in jeder Großstadt überlaufen und seelenlos. Jedes Mal, wenn ich in der Bahn mitbekomme, wie Touristen ihren Tag planen, möchte ich aufspringen und rufen: „Warum? Warum wollt ihr euch ausgerechnet durch die Innenstadt schieben? Dort gibt es nichts als Kommerz und überall die gleichen Marken und Ladenketten, die in jeder europäischen Stadt die Einkaufsmeile säumen. Setzt eure Zeit sinnvoll ein und fahrt dorthin, wo es schön ist! Spart euch den Mist!“

Wer wirklich den Puls der Hansestadt erleben möchte, kann die Innenstadt getrost aussparen:
Die Hafenatmosphäre ist in Övelgönne oder Blankenese viel entspannter und warmherziger als an den stressigen, überlaufenen Landungsbrücken. Oder der seelenlosen, langweiligen Hafencity.
Süße, inhabergeführte Geschäfte gibt es in den einzelnen Stadtteilen viel mehr als in den öden Shoppingmalls der City: In der Schanze oder dem nahegelegenen Karoviertel, wer es alternativ und freakig mag. In Ottensen und Eimsbüttel, wer es international, gemütlich und schräg mag.

In Eppendorf, wer es elegant, hanseatisch und anglophil mag. Dort nahm ich neulich einen Flyer mit, der die schönsten Geschäftsstraßen unter dem Namen „kleines Notting Hill“ zusammenfasst und präsentiert. Nebenan, unter dem Eisenbahnviadukt, findet mit dem Isemarkt am Dienstag und Freitag Hamburgs schönster Wochenmarkt statt.
In Winterhude, neben Eppendorf gelegen, gibt es rund um den Mühlenkamp ebenfalls reizende Shops und für den besonderen Charme viele Kanäle.

Hier gibt es noch Werkstätten wir diese Stuhl- und Korbflechterei in der Eppendorfer Landstraße 111 (nahe der U-Bahnstation Kellinghusenstraße), die von dem netten Ur-Hamburger Herr Schiek betrieben wird.
Und gleich um die Ecke wird´s richtig grün: Grüne Perlen entlang der Alster

Liebe Touristen, spart euch die blöde Innenstadt, dort wird euch niemand vermissen und ihr verpasst gar nichts! Hamburg ist so viel individueller, spannender und gemütlicher, wenn ihr euch dort umschaut, wo das Herz der Hanseaten schlägt!

Wer aktiv unterwegs ist, findet hier nähere Informationen zum Leinpfad (führt von Eppendorf zur riesigen Außenalster) und in Barmbek / Winterhude zum Stadtpark. Im nördlichen Verlauf der Alster folgen das Torhaus in Wellingsbüttel und das Wittmoor zur Heideblüte.
Der Bramfelder See liegt direkt neben dem Ohlsdorfer Friedhof, dem größten Parkfriedhof der Welt. Ideal, um zu picknicken oder Sport zu machen.
Das Museumsdorf Volksdorf im Nordosten bietet sich besonders für Familien an: Historische Häuser und diverse Baunernhoftiere, täglich kostenlos geöffnet.
Richtung Südosten sind das Bergedorfer Schloss , die Vierlande und ein Ausflug nach Lauenburg sehr beliebt.
Wer nach Nordwesten die Stadt verlässt, kann als Ziel den Stadtpark Norderstedt wählen, oder in weiterer Entfernung Husum und Friedrichstadt.
Richtung Nordosten sind der Dassower See, Travemünde und Schwerin schöne Ziele.

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Zwolle: Historische Hansestadt am Puls der Zeit

Wer sich in Zwolle orientieren möchte und nach der Ankunft erstmal das Tourismusbüro sucht: Es befindet sich hinter einem historischen Bonbonladen… (Het zwolse Balletjeshuis,  Grote Kerkplein 13) Das ist typisch für Zwolle: Obwohl die mittelalterliche Hansestadt das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum an der Ijssel ist, werden Genuss und Gemütlichkeit zelebriert.

Gegenüber der alten Stadtmauer reihen sich Kaufmannshäuser entlang der Wasserkante aneinander.

Spezialgeschäfte für Käse und Pindakaas (Erdnusscreme) lockern die Reihe der ungezählten Modegeschäfte auf. Die Niederländerinnen legen viel Wert auf ein modernes Outfit, am ersten und letzten Sonntag im Monat sind die Läden geöffnet.

Laut eigenen Angaben lädt in Zwolle der „schönste Buchladen der Niederlande“ zum Stöbern in eine imposante Kirche ein: Waanders In de Broeren. Ein Café ist natürlich auch dabei.

„Dünne Leute sind einfacher zu kidnappen. Bleib´ auf der sicheren Seite – iss Pie!“ Sehr viele schicke Blumenläden wechseln sich mit Bistros und stylischen Styleshops mit allem, was die trendy Frau braucht, ab. Museen und Konzerthallen bieten ein abwechslungsreiches Programm an, das wir leider nicht nutzten, weil wir von den Tagestouren in die Tulpenfelder immer völlig groggy zurück auf unser Hausboot kamen.

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Hattem: Mittelalterliche Lebensfreude an der Ijssel

Hattem ist eine kleine, verschlafen-fröhliche Hansestadt an der Ijssel.
Sie liegt Zwolle, dem wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum der Region auf der anderen Seite des Stroms gegenüber.

Hier wohnt ein Entenpaar in der Fußgängerzone und die EinwohnerInnen leben sehr entspannt und „gezellig“ in diesem friedlichen Städtchen. Die Dame im Tourismusbüro überschlug sich vor Ideen und Begeisterung und hörte kaum auf, mir spannende Veranstaltungen vorzuschlagen. Täglich fuhren wir auf dem Weg in die Tulpenfelder am örtlichen „Kinderbauernhof“ vorbei, winkten den Lamas, Eseln und Schafen.

Der Wochenmarkt findet ganz charmant auf einer Brücke statt und das Bäckerei-Museum bietet täglich Workshops zum Backen an. Ich meine, wie gemütlich kann es denn noch werden?

Mit unserem Hausboot in der Marina waren wir sehr zufrieden, eine dicke rote Katze übernahm die Begrüßung und das Einchecken. Die Besitzer und Angestellten waren alle sehr nett und entspannt, wer also in Hattem anlegen oder campen möchte: Wir empfehlen diesen ruhigen Schlafplatz sehr. Wer sich für Einzelheiten interessiert, frage mich bitte über das Kontaktformular.

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Tulpenblüte in Flevoland: Routen für Rad und Auto sowie Spaziergänge

Flevoland war vor sechzig Jahren noch Meeresboden. Heute stehen hier Höfe und Wälder, grasen Schafe und blühen Tulpen.
Wir waren an zwei Tagen mit dem Rad in Flevoland unterwegs, dabei folgten wir den Wegweisern der Tulpenroute für Fahrräder nahe Dronten und nahe Swifterbant. Von unserem wunderbaren Hausboot in Hattem, bei Zwolle, fuhren wir mit der Regionalbahn nach Dronten und von dort aus per Rad zu den Tulpenfeldern.
Wer rund um Dronten, Swifterbant, Lelystad und Zeewolde unterwegs ist, kann sich hier die Routen anschauen. Es gibt Wander-, Rad- und Autorouten.
Weiter im Norden gibt es ebenfalls Tulpenrouten, die sogar noch spektakulärer sein sollen: Auf dem Noordoostpolder rund um Emmeloord.
Der sogenannte „Bollenstreek“ (Bollen sind die Zwiebeln der Tulpen) zieht sich südlich von Amsterdam nach Leiden, Haarlem und Nordwijk. Er ist das traditionellste und bekannteste Gebiet der Tulpenblüte. Aber auch in Noordholland und um Alkmaar können die Blumenfelder besucht werden.
Die beste Reisezeit ist von Anfang / Mitte April bis Mitte Mai, das hängt natürlich auch von den Temperaturen ab. Die Tulpen auf den Feldern werden ab dem Moment der höchsten Blüte mit Maschinen geköpft, weil es den Bauern nur um die Zwiebeln geht: Sie wollen sie züchten und vermehren. Durch das Abtrennen der Blütenköpfe kann sich die Tulpenzwiebel viel Energie sparen, die sie stattdessen speichert. Ab Juli werden die Zwiebeln ausgegraben, im Herbst in Töpfe gesetzt und verkauft. Es dauert durchschnittlich 25 Jahre, bis eine neue Tulpensorte gezüchtet und verkaufsbereit ist.

 

Unterwegs kamen wir an vielen Bauernhöfen vorbei, die Kartoffeln, Obst und Säfte oder Eier anboten. Auch einen Eierautomaten lernten wir kennen, der rund um die Uhr biologische Eier liefert. Eins der Hühner pickte mir sogar Löwenzahn aus der Hand (nur, um ihn gleich wieder beiseite zu legen…).

Bei plötzlichen Hagelschauern mit anschließendem Schneegestöber, wie vorgestern, bieten sich Bushaltestellen als Zuflucht an. Brootje auspacken, Pause machen, bald ist das Unwetter vorbei!

Die Tulpenrouten verweisen auf Hofcafés und andere Möglichkeiten, um die BewohnerInnen der Region besser kennenzulernen.
Wir besuchten Hanneke´s Pluktuin (Hannekes Pflückgarten), wo die Kundinnen direkt zwischen den Tulpen herum spazierten und sich die Exemplare für ihren Strauß vor Ort aus der Erde zogen. Am besten mit der Zwiebelknolle, damit sie sich noch für das nächste Jahr einpflanzen ließen.
Die Inhaberin Hanneke betreibt ein süßes Café, wie immer sehr entspannt und mit wenig Andrang.
Das ist der Zauber von Flevoland: Es ist weniger spektakulär als die Region um Lisse oder der Noordoostpolder, aber dafür gibt es keine Touristenströme und wir waren unterwegs immer allein auf weiter Flur. Stattdessen überall zutrauliche Hunde, die uns hinterher liefen, neugierige Kühe und Stille pur.