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Warum die NorwegerInnen so glücklich sind – Reisebericht

Hilfe, war es in Deutschland immer schon so zugebaut, eng, laut und hektisch?
Zurück aus Norwegen gibt es einen ordentlichen Kulturschock… Auch, wenn es derzeit „nur“ das drittglücklichste Land der Welt ist (nach Finnland und Dänemark), teile ich meine Eindrücke aus einem Leben, das deutlich freundlicher ist als bei uns.


1.) Ehrlichkeit und Freundlichkeit sind Trumpf
Direkt nach unserer Ankunft, während wir auf den Bus in die Nachbarstadt warteten, kauften wir ein. Und stellten fest: Norwegische Supermärkte erklären Lücken im Warenbestand und entschuldigen sich freiwillig dafür. Obwohl sie nichts dafür können, dass der Hersteller einen Lieferengpass hat. Jegliche Diskussion über „Der Kunde ist in Deutschland kein König, sonst gäbe es weniger Bullshit und mehr Transparenz“ lasse ich an dieser Stelle.


2.) Familienfreundlich sind die NorwegerInnen in jeder Konsequenz
Mir persönlich ist Familienfreundlichkeit ja wurscht, aber die Skandinavier haben es einfach drauf: Hier eine praktische, entspannte Lösung, wie Kinder sicher im Linienbus mitfahren. Kein Gelaber der Politiker, sinnlose Versprechen und fragwürdige Ideen – einfach machen. Im Global Gender Gap steht Norwegen nach Island auf Platz zwei der gerechtesten Länder für Frauenrechte. Konsequent sozial, für alle.


4.) Freiheit für alle, auch für Tiere, soweit möglich

Auf Wanderungen und Radtouren wurden wir oft vom Klingeln der Glocken begleitet: Schafe und Kühe weiden hier einfach querfeldein in Heide und Wald. Hühner hopsen quer durch das Wohngebiet, und wenn eine Straße hindurch führt, die von Joggern und Radfahrern benutzt wird: Ist halt so, sollen sie eben aufpassen. Die SportlerInnen. Und die Hühner.

5.) Sport und Erlebnisse in der freien Natur statt Shopping und Serien anschauen
Wer in Norwegen attraktiv sein möchte, trägt funktionale Kleidung und ist möglichst viel draußen unterwegs. Die Frauen rennen im Stechschritt die Berge rauf und runter, die Männer schieben das Baby zum Einschlafen im Kinderwagen um den See. Hält fit, fördert die Durchblutung und einen klaren Blick auf´s Leben.


6.) Norwegische Männer sind überraschend kommunikativ: Offen, humorvoll, kaum abzubremsen
Mehrfach wurden mein Mann und ich, auch einzeln, von norwegischen Männern festgequatscht: In der Schlange im Supermarkt (bestehend aus maximal drei Personen, Norwegen ist wenig besiedelt), im Park, beim Abschied vom Busfahrer. Als ehemalige Sprachtherapeutin und heutige Veranstaltungs-Fachfrau bin ich naturgemäß ständig am Reden. Im Urlaub versuche ich, als Gast im Land einen guten Eindruck zu hinterlassen: Ich kenne alle notwendige Floskeln, um höflich zu sein und die Menschen nicht aus heiterem Himmel zum Englischsprechen zu zwingen. Vor zwei Jahren in Oslo traf das Gerücht „NorwegerInnen hassen Small-Talk und jede andere Form von Gespräch mit Fremden“ zu. Im ländlichen Norwegen, also dem 98% Rest des Landes, überraschten uns die geselligen Männer. Mein Mann wurde sehr ausgiebig von einem älteren Herrn an der Supermarktkasse inteviewt. Ich wollte in Ålesund nur ein paar aquarellierte Karten kaufen und wurde von dem Künstler in ein Gespräch verwickelt, das ich irgendwann einfach abbrach, weil es kein Ende fand. Im Park unterhalb des Aksla (Ålesund) begann ein Mann eine Unterhaltung mit uns, und ich spielte mit seinem sehr intelligenten Hund. Der jedoch wollte lieber mit meinem Mann spielen, der dazu keine Lust hatte – auch hier würgten wir irgendwann das Gespräch ab, um endlich weiterzukommen. Von dem fast nackten Mann auf dem Rennrad und dem netten Busfahrer fange ich gar nicht erst an.
Kurz: Offen und herzlich mit Fremden umzugehen scheint den Norwegern große Freude zu machen.

Norwegische Busfahrer an einem Umsteigeplatz am Fjord: Erstmal eine Runde schnacken, bevor es weitergeht

7.) Eine gesunde Portion stolz auf die Gemeinschaft und Kultur hebt das Selbstbewusstsein
Die NorwegerInnen sind definitiv patriotisch, so wie alle Skandinavier. Nahrungsmittel sind explizit als norwegisch gekennzeichnet oder verweisen auf eine lange Historie. Überall flattert die Landesfahne, ausländische Markenware ist hier nicht modisch, sondern einfach nicht da (es sei denn, wir befinden uns in einer der wenigen Großstädte, wo es internationale Markenklamotten für die vorbei reisenden Asiaten gibt). Europa finden sie gut, aber nicht so sinnvoll, dass sie ein festes Mitglied sind – zahlen tun sie trotzdem. Sich selbst, die Gesellschaft und Kultur auf eine gesunde Weise gut zu finden und stolz darauf zu sein, macht zufrieden.

Zum Weiterlesen:
Warum die BornholmerInnen so glücklich sind
Günstiger Urlaub in Oslo: Oslo on a Budget

aufmerksam, glaubhaft

Glücksrezept, vierte Zutaten

 

Ein weiteres Zitat aus Maike van den Booms schlauem Buch  „Wo geht´s denn hier zum Glück? Meine Reise durch die 13 glücklichsten Länder der Welt und was wir von ihnen lernen können“:

>> Ich fahre stundenlang auf den endlosen Straßen Kanadas, Australiens, Finnlands und Schwedens. Kein Mensch, kein Haus. Wie erfrischend. Wie allein. Wie fein. Wir sind ganz schön viele Menschen in Deutschland, denke ich während meiner Reise immer öfter.
Immer und überall ein Haus. Ständig. Im dicht besiedelten Deutschland müssen wir uns mehr Mühe geben, Ruhe und übermächtige Naturerlebnisse zu finden. Denkt auch Nils, ein 31-jähriger Student, der seinen Sohn im Kinderwagen durch Göteborg schiebt:
„Die Deutschen sollten die Natur mehr schonen, damit sie diese unberührter erleben können. Sie sollten nicht so viele Häuser und Straßen bauen.“
Wie? Keine freie Fahrt für freie Bürger? Mir wäre inzwischen freie Natur für freie Bürger lieber. Steffi, die freche Berlinerin aus der Schweiz, berlinert fröhlich drauf los:
„Also ich denke, dass die Schweizer so glücklich sind, weil sie so viel Natur haben. Sehr viele Berge rundherum, die Balsam für die Seele sind. Es ist ein kleines Land, es gibt hier nicht so viele Menschen, es ist nicht so übersiedelt. Hier hat man einfach mehr Platz und mehr Freiheit als in Deutschland.“<<

 

Die Zutaten für das erste, das zweite und das dritte Glücksrezept erschienen hier.

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Glücksrezept, zweite Zutaten

 

Ein weiteres Zitat aus Maike van den Booms schlauem Buch  „Wo geht´s denn hier zum Glück? Meine Reise durch die 13 glücklichsten Länder der Welt und was wir von ihnen lernen können“:

>>Materielles wird dann wichtig, wenn etwas anderes fehlt. Es wird zu einer Ersatzbefriedigung für die „calidez humana (menschliche Wärme)“:
„In Gesellschaften, in denen man sich nicht richtig austauscht, entstehen keine echten intimen Beziehungen. Es zählt nicht mehr der Mensch in seinem Wesen, der vor mir steht, sondern das, was ich an der Außenseite von ihm sehe. Und deshalb ist es wichtig, welche Kleidung du trägst und von welcher Marke sie ist. Hierdurch erwirbst du deinen Status. In Gesellschaften hingegen, in denen zwischenmenschliche Beziehungen stark sind, wie in Lateinamerika, gewinnst du an Ansehen, indem du etwas Gutes für andere Menschen tust.“ (…)
Während Mariano uns noch neuen Kaffee holt, erinnere ich mich an all die Menschen, die mir während meiner Reise immer wieder eine ganz andere Sicht auf Erfolg präsentiert haben. Erfolgreich ist, wer gute Freunde hat, wer seinen Kindern Werte vermittelt, wer eine glückliche Ehe führt, wer seinen Nachbarn hilft.
Das klingt ein wenig nach verkehrter Welt, nicht wahr? (…) Diese Gedanken möchte ich mir nicht entgehen lassen.
Aber Mariano sprudelt schon wieder weiter und ruft an meiner Kamera vorbei: „Als Ergebnis steigt das Bruttosozialprodukt, doch wir werden immer ärmer.“ Auch das noch, denke ich.
„Denn menschliche Armut ist auch, keine Zeit für die Freunde, für die Kinder, für den Partner und für Hobbys zu haben. Man kann viel verdienen und menschlich arm sein.“ (…)
Viele von uns haben die Fähigkeit verloren, Zeit vom Effizienzgedanken zu entkoppeln. Bei vielen zählt das auch für ihre Beziehungen. Ich bin da sicherlich keine Ausnahme. Mariano sprudelt schon wieder weiter: „In anderen Ländern wird es als Müßiggang abgetan, als verlorene Zeit. Immerhin könnten sie auch arbeiten. Stattdessen verbringen sie Zeit mit Freunden und Familie. In Wirklichkeit ist das aber keine verlorene Zeit. Es ist der Müßiggang, der das Glück fördert.“<<

 

 

Teil 1 und 3 der Glückrezepte erschienen hier.

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Glücksrezept, erste Zutaten

 

Von Herzen empfehle ich Maike van den Booms schlaues Buch  „Wo geht´s denn hier zum Glück? Meine Reise durch die 13 glücklichsten Länder der Welt und was wir von ihnen lernen können“:

>>Bewegen Sie Ihren Hintern. Dóra, Regierungsvertreterin des Glücks aus Island, erklärt mir, wie das so funktioniert mit dem Glück:
„Frage dich, was dich glücklich macht, und investiere in diese Dinge. Tu was! Ich frage ausländische Zuhörer meiner Vorträge immer: Wer von Ihnen möchte glücklich sein? Wer setzt sich in seinem Leben Ziele? Wer hat sich zum Ziel gesetzt, glücklich zu sein? Und dann hat sich das niemand zum Ziel gesetzt!“
Dóra schüttelt verständnislos den Kopf. „Du solltest dich immer fragen: Was ist es, was dich vorwärts treibt, was dich wirklich gut fühlen und dich spüren lässt, dass du gerne lebst? Und wie kannst du diesen Dingen im Leben größeren Anteil geben?“
Ohne Eigeninitiative geht das nicht, findet auch Lars aus dem Ingeniurbüro in Dänemark:
„Wie heißt es so schön auf Deutsch? Du bist deines Glückes Schmied. Du musst nicht erwarten, dass es andere für dich tun. Egal ob Arbeit oder Sport, wenn man nicht glücklich ist, muss man schauen, woran das liegt, und daran arbeiten. Und klappt das immer noch nicht, dann muss man etwas anderes versuchen. Immer rumzulaufen und schlechte Laune zu haben sorgt dafür, dass man noch deprimierter wird. Davon lebt dann nur die Pharmaindustrie.“<<

 

 

Vorgestern war ich einfach nur müde und wollte „irgendwie runterkommen“. Auf Lesen hatte ich keine Lust, auf etwas Kreatives schon gar nicht (anstrengender Fisselkram stand auf der Agenda), also dachte ich, schalte ich den Fernseher an und schaue mal, was die Dänen so machen.
Auf dk4 lief eine herrlich unspektakuläre Reisereportage über irgendeine verschnarchte Küstenregion Dänemarks. Bildfüllend sanfte Hügel. Schnöder Ostseestrand, ohne Attraktionen, nur mit Algen und Strandgras. Herrlich! Die Moderatorin lief mit einer x-beliebigen Sportjacke durch´s Bild und kümmerte sich weder um ihre Frisur noch sonstige Image-Fragen.
Ein Kurzbericht aus Olso wurde bei trübem Winterwetter gedreht und punktete mit seeeehr langsamem Tempo. Ideal, um an unsere Woche im Mai zurück zu denken und bei dem entspannten Genuschel der DänInnen / NorwegerInnen zuzuhören.
Wer Skandinavien mag: Dänisches Fernsehen entschleunigt sowas von!
Wer befürchtet, einzuschlafen, bügelt nebenher. Der skandinavische Frieden zieht dennoch ins Herz ein…

„Das Lebenstempo ist einfach langsamer.
Menschen brauchen Zeit zum Ankommen, Menschen brauchen Zeit füreinander, Menschen brauchen Zeit zum Reflektieren. Gut Mensch will eben Weile haben. Und wenn Sie denken, Sie könnten das Leben mit Druck- oder Charme-Offensiven beschleunigen, dann werden Sie hier nur fragende Blicke ernten.“
(Maike van den Boom über NorwegerInnen)

Wer sich schon mal einen Überblick über die glücklichsten Länder der Welt verschaffen will, bevor ich weiter zitiere:
„Wo die glücklichsten Menschen der Welt wohnen“, Focus Online
Die glücklichsten Deutschen wohnen übrigens in Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen. Wegen der Nähe zu den grundentspannten DänInnen, munkelt man…

Die Glücksrezepte Teil 2 und 3 folgen hier.

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Bewusst dankbar: Erntedank

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Erntedank erinnert uns jedes Jahr an alles, was wir empfangen haben: Neue Chancen, gute Gespräche in Freundschaften, befriedigende Projekte in der Arbeitstelle, wachsende Partnerschaften, Frieden in Deutschland, frische und gesunde Nahrungsmittel, sonnige Abende, beschwingte Ausflüge, entspannende Urlaube, überstandene Stresssituationen, ausgelassene Feste.

 

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Klar, an allem waren wir beteiligt, wir hatten unsere Hände im Spiel und haben unser Bestes gegeben. Aber dass es gelungen ist, lag nicht in unserer Verantwortung. Unverdiente Geschenke, Versöhnungen, genug Geld, stabile Freundschaften: Auch wenn wir denken, wir hätten uns selbst zum Erfolg geführt – letztlich ist es Gott, der uns durch dieses Leben begleitet. Der neue Perspektiven eröffnet, Erfolge schenkt, Rückhalt in schwierigen Zeiten. Segen nennen wir das.
Zu wem gehst du, wenn du dankbar bist – generell und für vieles in deinem Leben?
Wer verdient ein umfassendes Dankeschön?

This weekend, we celebrate „Erntedank“ (Thanksgiving) in Germany. This celebration helps us to remember, how much we´ve received during the year: New chances, good conversations in friendships, satisfying projects at work, growing partnerships, peace in our country, fresh and healthy nutrition, sunny evenings, happy excursions, relaxing holidays, endured crisis, jolly feasts.
To whom belongs our gratitude for these moments and developments?
  We´ve tried our best, but whose performance brought the result? It hasn´t been just our effort, it was grace. God´s grace. He shows us new perspectives, opens doors, brings peace.
To whom do you bring thanks?

Mein Strauß ist ein Beitrag zu Holunderblütchens Blumentag, FloralFridayFoto und Maleviks Rosengarten.

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chachawa: Vor Freude hüpfen

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„Man kann Glück messen an Einkommen, Frau, Kindern, Haus und Auto.
Ich würde es daran messen, wie viel die Menschen lachen,
wie viel sie tanzen und singen.“

Hartmut Rosa

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Glück ist auch, sich im „flow“ mit Blumen zu beschäftigen.
Arbeit kann ich es unmöglich nennen…

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Gut genug

 

Gut genug zu sein ist ein Fest für die Seele. Es ist wie Zu-Hause-Ankommen. Du atmest tief durch, die Tür fällt hinter dir ins Schloss, du hast genug getan. Du darfst du selbst sein.
Es ist jener Augenblick, wenn die nette innere Stimme nach vorn tritt und sagt:
„So ist es gut, das reicht so, wie es ist. Okay so!“
Es ist, als würden wir uns selbst mit den Augen eines guten Freundes (oder Gottes) ansehen, der uns liebt, auch wenn er um unsere Fehler weiß.
Der milde Blick des „gut genug“ bereichert das Leben. Denn sehr selten ist etwas nur gut oder nur schlecht. Aber wir sind daran gewöhnt, nach bester Qualität zu schauen. Jede neue Fernsehshow, jedes Automodell, jeder neue Mann im Leben schwebt zwischen Top oder Flop. Hit oder Niete. Weil aber top sehr selten ist, floppt das Leben so vor sich hin.
„Gut genug“ ist auch der Vorschlag, das Leben nicht zwischen „hammergeil“ und „derb scheiße“ zu vergeuden.

 

Psychologe Oskar Holzberg, aus „Die Sommer-Brigitte 2014“

 

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aufmerksam, kreativ

Gute-Laune-Trick 2: Geräusche entdecken und die Gedanken ruhen lassen

Viel zitiert wird der Gedanke der „Achtsamkeit“: Die Umgebung, sich selbst und den Moment wahrzunehmen hilft sowohl, um aus der Grübel-Falle zu entkommen als auch, mit neuer Leichtigkeit und Dankbarkeit auf das eigene Leben zu sehen.
Wer sich Zeit für einen Spaziergang nimmt und unterwegs aufmerksam auf Geräusche lauscht, entdeckt jenseits des Straßenlärms das Zwitschern eines Vogels, das Singen eines Kindes oder das Läuten einer fernen Kirchturmuhr. Die Gegenwart ist das Einzige, was uns berühren kann: In der Vergangenheit und in der Zukunft können unsere Gedanken zwar spazieren gehen, aber nur den gegenwärtigen Moment erleben wir mit allen Sinnen. Wer sich dafür Zeit nimmt, wird mit innerer Ruhe und Zufriedenheit belohnt.

 

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