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Journalisten boykottieren oder: Die Frage nach der Relevanz

In Gesprächen bekenne ich mich dazu, keine Tageszeitung zu lesen, kein Radio zu hören und mir auch keine Tagesschau anzutun.
Warum?
Erstens werden mir auf diese Weise jede Menge Informationen frei Haus geliefert, die ich nicht wissen möchte: Wo gerade wieder welcher Familienvater in der deutschen Provinz breitangelegt Inzest betreibt, wo aktuell welche Mutter im großstädtischen Sozialbau ihre Zwillinge ertränkt, welches Erdbeben nun wieder Usbekistan erschüttert, welcher Tsunami Sri Lanka heimsucht, welcher Politiker mit welcher Minderjährigen schläft, wie viele Neugeborene in Afrika bereits HIV-positiv sind, welcher amerikanische Politiker sich mit der Öl-Lobby trifft und so weiter und so fort.
Diese „Meldungen“ zitiere ich frei Hand, sie sind nicht wahr, aber uns allen „bekannt“, weil sie so oder ähnlich immer wieder durch die Medien geistern.
Habe ich dadurch einen Erkenntnisgewinn? Nein.
Rege ich mich auf und geht es mir anschließend schlecht? Ja.
Kann ich an den Nachrichten etwas ändern? Nein.
Also boykottiere ich die Meldungen aus aller Welt und suche mir die Informationen, die ich persönlich relevant finde.
Das Wochenblatt aus meinem Stadtteil zum Beispiel ist in meinen Augen relevant, weil es etwas mit meinem unmittelbaren Alltag zu tun hat und ich in meinem Stadtteil sehr wohl etwas bewegen kann, wenn ich will (ich verweise auf die gesellschaftskritischen Artikel in diesem Blog).
Und aus noch einem ganz anderen Grund lasse ich die althergebrachten Medien gerne außer Acht: Weil sie bis heute von Männern dominiert werden, die bestimmen, worüber in welcher Weise unter Verwendung welchen Materials geschrieben und welches Urteil anschließend gefällt wird.
Ich bin mit männlicher Berichterstattung oft nicht zufrieden, weil dahinter allzu häufig Machtanspruch und Vetternwirtschaft steht. Unabhängig davon finde ich es nicht in Ordnung, in welchem Ton Journalismus betrieben wird und wie die meist männlichen Redakteure die Deutungshoheit für sich gepachtet zu haben meinen.
Nö, danke. Kauf ich nicht, sehe ich nicht, lese ich nicht, höre ich nicht.
Je weniger Wichtigkeit ich einer Meldung oder einem Ereignis beimesse, desto weniger Wichtigkeit hat es langfristig – besonders, wenn alle selbst entscheiden, ob sie mit ihrer Umgebung ebenfalls in allgemeine Hysterie verfallen oder bestimmte Themen boykottieren und Ruhe bewahren.

Am liebsten lese ich Blogs von intelligenten Frauen zum Thema Gesellschaft und Soziales, zur Emanzipation, zu Glaubensthemen, zu Fragen der Lebensgestaltung sowie jede Menge „Kreativ-Blogs“, in denen die Frauen ihr Leben gestalten. Im Großen wie im Kleinen. Das finde ich unterstützenswert, lesenswert, nachahmenswert.
Besonders das Miteinander in weiblichen Blogs ist hochinteressant, das „Wir-Gefühl“ überwiegt häufig im Gegensatz zu Blogs, deren einzige Aussage „Ich bin der Größte“ zu sein scheint.
Ich bin nicht die Größte und werde es auch nie sein, und ob jemand mein Blog relevant findet, liegt ebenfalls nicht in meiner Hand.
Trotzdem ist mein Credo: Medien selber machen statt konsumieren.

1 thought on “Journalisten boykottieren oder: Die Frage nach der Relevanz

  1. Du sprichst mir aus dem Herzen – ich verweigere die meisten Medien seit 5 Jahren und bekomme doch noch genügend aus meiner Umwelt mit.
    Diese ewig negativen Meldungen ziehen mich runter. Und was den „freien“ Journalismus angeht – der ist schon seit Jahrzehnten nicht frei, sondern unterliegt dem Diktat der Medienmogulen um das Volk in die gewünschte Richtung zu steuern.
    Ich finde den Spruch hier genial:
    Folgst du der Schafherde, so läufst du in deren Scheisse…

    HErzliche Grüsse
    Carmen (hier gelandet über das PinBoard vom Friday Flowerday)

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