aufmerksam

Kindermund: Ausgebüxt

Szenen aus meinem Alltag als Logopädin:

Im Seniorenheim besuche ich eine alte Dame, die ursprünglich zur „Finalpflege“ kam, die Patientenverfügung im Gepäck, und plötzlich wieder putzmunter ist.
Sie schaut mir auf das Revers und meint: „Das ja schööön.“
Ich: „Meinen Sie meine Blume hier?“
Sie: „Jaaaa…“
Daraufhin der Pfleger, der gerade mit der Zimmernachbarin beschäftigt ist: „So redet niemand, der sterben will.“

In der Woche darauf:
Ich frage sie, was sie denn heute gefrühstückt hat und ob sonst schon etwas passiert sei (garantiert nicht, außer im Bett liegen gibt es wenig, aber es könnte ja wider Erwarten sein).
Sie erzählt ein paar Sätze und endet mit blitzenden Augen:
„Und dann bin ich ausgebüxt!!!“
Bedauerlicherweise ist sie dazu motorisch nicht in der Lage, aber der Gedanke ist tatsächlich verführerisch.

aufmerksam

De Wiehnachtsmann

Kiek mol, wat is de Himmel so rot,
dat sünd de Engels, de backt dat Brot.
De backt den Wiehnachtsmann sien Stuten
vor all de lütten Leckersnuten.

Nu flink de Teller ünners Bett
un legt jük hen un west recht nett!
De Sünna Klaas steiht vor de Dör,
de Wiehnachtsmann, de schickt em her.

Wat de Engels hevt backt,
dat schüt jü probeern.
Un smeckt dat good, dann hört se dat gern
un de Wiehnachtsmann smunzelt:
Nu backt man mehr!
Ach, wenn doch erst mol Wiehnachten wär!
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Volksweise

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aufmerksam, kreativ

Vierter Advent: Sterne aus alten Büchern fertigen

Eine alte Nachbarin, hochbetagt und geistig nicht zuverlässig in der Gegenwart unterwegs, schenkte mir vor vielen Jahren einen Stapel Bücher, die aus der Zeit zwischen 1910 und 1950 stammten. Die meisten davon sind in Fraktur, auch „altdeutsche Schrift“ genannt, gehalten.
Diese Bücher haben bis heute den Weg ins passende Antiquariat nicht geschafft, da nur der selten anwesende Inhaber Bücher annimmt und ich ihn bisher nicht erwischt habe.
So wurde eines der Bücher von einer Freundin und mir zu Gunsten unserer Kreativität geopfert – wir haben uns redlich bemüht, das Buch auszusuchen, das wahrscheinlich am wenigsten wertvoll ist…
Mit Hilfe zweier Schablonen schnitt ich Sterne aus den Buchseiten und verzierte sie teils mit Farbe, teils mit nostalgischen Oblaten.

 

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aufmerksam, glaubhaft

Die Gedanken sind frei

Gestern schaute ich während des Bügelns im NDR die Sendung „Sieben Tage im Seniorenheim“ – gefiel mir ausgesprochen gut.
Was mir dabei auffiel: Die Herrschaften bekamen Besuch von einem Chor, der unter anderem „Die Gedanken sind frei“ sang: Ein Lied, das unter der Naziherrschaft verboten war und in der DDR wahrscheinlich seitens des Staates ähnlich unbeliebt. Alle Senioren in der Reportage sangen das Lied auswendig mit – genauso, wie es die Senioren in „meinem“ Pflegeheim tun, wenn es der dortige Chor singt.
Warum können sie es alle spontan und inbrünstig singen?
Wegen der politischen Ereignisse der letzten sechzig Jahre?
Oder wegen enger Moralvorstellungen, gegen die zu rebellieren lange nicht möglich war, sodass nur die innere Immigration blieb (ich bin nicht frei, aber heimlich in meiner Seele doch)?

Ich frage mich, wie viele Menschen in den Generationen seit dem letzten Krieg dieses Lied noch auswendig singen können. Ich schaffe die erste Strophe, mehr aber auch nicht – und ich behaupte, dass die meisten Menschen meiner Generation noch nicht einmal das Lied als solches kennen.
Eigentlich müsste es angesichts der Diskussionen rund um Datenschutz in den letzten Jahren eine Renaissance erfahren haben – es ist, schaut man auf den Text, an vielen Stellen aktueller denn je. Trotzdem höre ich niemanden aus der entsprechenden Szene „Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten….“ singen.
Merkwürdig.

Um meinem inneren Bildungsauftrag gerecht zu werden: Hier folgt der Text.

Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten,
sie fliegen vorbei, wie nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann sie wissen, kein Jäger erschießen.
Mit Pulver und Blei: die Gedanken sind frei!

Ich denke was ich will und was mich beglücket.
Doch alles in der Still’ und wie es sich schicket.
Mein Wunsch, mein Begehren kann niemand verwehren,
Es bleibet dabei: die Gedanken sind frei!

Und sperrt man mich ein in finsteren Kerker,
Ich spotte der Pein und menschlicher Werke.
Denn meine Gedanken zerreißen die Schranken
und Mauern entzwei: Die Gedanken sind frei!

Drum will ich auf immer den Sorgen entsagen
und will dich auch nimmer mit Willen verklagen.
Man kann ja im Herzen stets lachen und scherzen
Und denken dabei: die Gedanken sind frei!

Hoffmann von Fallersleben, 1848

 

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aufmerksam, kreativ, Werkstatt

Werkstatt: Cord-Blazer mit weißen Pünktchen

Überrascht stellte ich fest, dass ich das endgültige Foto zum Bericht über das „Aufhübschen“ des schwarzen Cord-Blazers mit weißen Pünktchen noch nicht, wie versprochen, veröffentlicht habe.
Hier kommt es:
Letztendlich bin ich meinem ersten Eindruck und den Kommentaren der Leserinnen gefolgt und habe mich für die weiße Baumwoll-Spitze entschieden, die ich so unter das Revers nähte, dass nur die durchbrochene Bogenkante hervor schaut.

Damit bin ich sehr zufrieden und trage den Blazer seitdem sehr gerne – an kalten Tagen auch in Kombination mit diesem selbstgenähten Samt-Shirt drunter.

 

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aufmerksam

Kindermund: Aufsatz über Katzen

Szenen aus meinem Alltag als Logopädin:

Ein Mädchen sollte sich als Hausaufgabe überlegen, was die Katze den ganzen Tag tut und während des Erzählens auf die Artikulation des /s/ aufpassen.
Sie malte daraufhin ein Bild mit sehr lustigen Katzen und schrieb:
„Die Katze kratzt an Kratsbaum. Die Katze siet ihn dunkeln. Die Katze klettert auf dem Baum. Die Katze mag wolknoil.“

Ich erklärte einem Sechsjährigen nachdrücklich, dass jetzt aufgeräumt wird.
Er schaute mich mit blitzenden Augen und strengem Gesichtsausdruck an und rief empört:
„Ich warne dich!!!“
Amüsiert schaute ich zurück und fragte: „Was bedeutet das denn?“
Er, ganz fröhlich: „Das weiß ich auch nich!“

aufmerksam, feminin, kreativ

Buchempfehlung: „Two in One – Von der Kunst, zwei Wohnstile zu vereinen“

Weiterhin ist die neue Wohnung und deren Einrichtung ein wichtiges Thema. Inzwischen wird für uns ein sehr breites, überlanges vollmassives Bett aus Wildeiche in Dänemark angefertigt, dessen Anlieferung im neuen Jahr wir sehnlichst erwarten.
Darüber hinaus gibt es aktuell noch viele Lücken im Mobiliar, die bisher nicht geschlossen wurden, da wir auf der Suche nach „dem Richtigen“ sind:
Dem richtigen Sofa (groß, aber nicht zu ausladend, gemütlich, nicht zu hart, nicht zu weich, tief genug, aber nicht zu tief, optisch ansprechend, aber strapazierfähig usw. usf.), dem richtigen Tisch für die Küche und Ähnliches.

Da entdeckte ich im Antiquariat (meinem zweiten Zuhause) ein Buch namens „Two in One – Von der Kunst, zwei Wohnstile zu vereinen“.
Bisher habe ich es nur durchgeblättert, bin aber sehr angetan von dem, was ich darin bereits entdeckt habe:
Pro Kapitel wird in Form einer Reportage jeweils die Wohnung eines Paares porträtiert und beschrieben, wie sich die gemeinsame Gestaltung entwickelte. Anschließend folgen Tipps des Paares, wie sie meinen, dass andere Paare am besten ihre Vorstellungen vom Wohnen vereinen können.
Ich bin gespannt, wie sich die hiesigen Interessen (viele hochwertige gerahmte Bilder und Antiquitäten meinerseits und der Wunsch nach möglichst leeren Flächen und Wänden seinerseits) langfristig miteinander verbinden lassen…

 

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aufmerksam, kreativ, Werkstatt

Werkstatt: Marineblaue Strickjacke mit Tüll und glänzenden Perlen

Diese Strickjacke (linke Maschen außen) fand ich zu gewöhnlich – also habe ich die Kanten mit ebenso blauem Tüll verbrämt und zusätzlich an den Rändern rundum silberfarbene Roccaille-Perlen aufgenäht. Zusätzlich bekam die Jacke einen großen Druckknopf, weil die Bindebänder allein die Strickjacke nicht zusammen hielten – es rutschte auseinander und sah unförmig aus.
Außerdem bekamen die Ärmel Perlen an den Rollsaum genäht und die Bindebänder unten an die Kanten auch – nun trage ich das Oberteil mit leuchtenden Kontrastfarben kombiniert sehr gerne!

 

 

Da es dunkel ist, wenn ich das Haus in Richtung Praxis verlasse, und beim Heimkehren ebenfalls natürliches Licht fehlt, greife ich auf alte Fotos zurück…

Weitere kreative Stücke toller Frauen sind zu finden unter Creadienstag und unter Memademittwoch

aufmerksam, kreativ

Zweiter Advent

Tannenzweige vom Wochenmarkt, kleine rote Glaskugeln am Draht, weiße Sterne aus Porzellan, ein Glasherz mit geflockten Punkten und eine Kissenhülle aus „Toile de Jouy“ als Decke darunter:  So stellt sich momentan eine unkomplizierte Dekoration bei mir dar.
Und die Schätze aus der Weihnachtskiste harren immer noch zwischen anderen Umzugsmaterialien unentdeckt im Keller aus…
Schön, dass der Advent dazu da ist, sich langsam selbst zu entwickeln, und vor Weihnachten nichts fertig sein braucht.

 

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