Monatsarchive: Januar 2016

Inspiration für den Gottesdienst

Donnerstag Nachmittag. Das Telefon klingelt: „Hallo Marie, für den Gottesdienst am Sonntag brauchen wir noch eine Person, die die Kinder begrüßt. Die üblichen Verdächtigen sind nicht da, könntest du dir das vorstellen?“
„Ich bin am Sonntag auf jeden Fall da… Hast du irgendeinen Anhaltspunkt für mich? Predigttext oder Thema des Sonntags oder irgendwas, das mich auf eine Idee bringen könnte?“
„Wie begrüßen einen Gastprediger, den Pastor aus einer der Nachbarkirchen. Predigttext ist Hebräer 13 oder so, warte mal… Ach, und „Bibelsonntag“ haben wir.“
„Äh, danke, das führt gerade nicht zu Inspirationen bei mir. Egal, ich mach´s, dann muss sich der Heilige Geist drum kümmern, dass mir was Passendes für die Kinder einfällt.“
„Super, danke, dann bis Sonntag.“

Mir fällt nichts ein.
Ich kehre zu meiner Lektüre zurück.
Wenig später: Ich hab´s und schreibe kurz den Text runter. Nur das nötige Utensil muss noch angefertigt werden, dazu nehme ich mir tatsächlich erst Samstagabend Zeit.

Sonntag, drei Minuten vor zehn Uhr. Plötzlich fällt mir auf, dass die Laterne nicht vorne steht, die die Kinder immer angezündet mit nach unten nehmen. Ich laufe nach vorn und frage den „Moderierenden“, ob er die Laterne heute schon gesehen hat. Nee, aber das müsste Carola (Name geändert) wissen, die da drüber sitzt. Also quer durch die Bankreihen geflitzt, Carola die Lage erklärt, mit dem Schlüssel durch den Gottesdienstraum und hintenrum raus, im Predigerraum umschauen: Auch hier nichts zu sehen. Schnell den Schlüssel zurück gebracht, bevor Carola mit dem Chor singt, dann eben ohne Laterne heute. Der Gottesdienst beginnt.
Mitten im Lied erscheint vor meinen Augen plötzlich die Laterne, Carola hat sie aufgestöbert. Sehr gut, jetzt läuft das „Wort an die Kinder“ voraussichtlich nach Plan!

 

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„Hallo Kinder, schön, dass ihr da seid. Kommt mal zu mir nach vorne – ich bin übrigens Marie, auch wenn ich heute so anders aussehe.
Ich habe heute diese supertolle Maske auf, die habt ihr bestimmt schon gesehen. Damit fühle ich mich richtig gut und es sieht auch wirklich klasse aus, finde ich. Bestimmt denken das auch die Erwachsenen.
Aber ich muss euch was verraten: Ich will die Maske bloß nicht abnehmen. Solange ich die auf dem Gesicht habe, denken nämlich alle, wie wunderbar ich bin. Und alle finden mich gut, glaube ich. Aber wenn ich die Maske abnehme, dann merken die anderen bestimmt, dass ich gar nicht sooo toll bin. Also verstecke ich mich lieber. Wenn ich mich nicht verstecke, entdecken die Leute bestimmt, dass ich alles mögliche falsch mache. Zum Beispiel vergesse ich wichtige Sachen, dann schimpfen andere Erwachsene mit mir. Oder ich mag nicht aufräumen, dann sieht es im Wohnzimmer schlimm aus. Manchmal sage ich auch gemeine Sachen, und dann sind andere Leute beleidigt und eingeschnappt.
Ihr merkt schon, es ist besser, wenn ich die Maske aufhabe. Dann sehe ich wunderschön aus und keine merkt, dass ich Blödsinn mache oder Sachen verliere. Das weiß ja keine, weil keine hinter meine Maske gucken kann.
Aber, ehrlich gesagt, kann ich gar nicht so gut gucken wie sonst. Euch seh ich heute wirklich schlecht.
Und es kitzelt mich auch ein bißchen, dieses Maskending.
Und Luft kriege ich auch nicht so gut.
Das juckt außerdem an meinem Gesicht.
Äh, ich würde die Maske gerne abnehmen. Aber ich trau mich nicht, darunter sehe ich ganz müde und schwitzig aus. Und alle wissen dann, dass ich nicht so toll bin, wie ich tu.
(Ich ziehe die Maske vom Gesicht)

Zum Glück können wir bei Jesus die Maske abnehmen. Er weiß sowieso alles: Das, was ich super hinbekomme, und das, was ich falsch mache genauso. Bei Gott brauch ich keine Maske, denn er hat mich ja erfunden und kennt mich genau. Er sagt, dass er mich ohne Maske genauso liebt wie mit. Und ich, ich erkenne Gott auch viel besser, wenn ich mich nicht hinter der Maske verstecke. Wenn ich mit Gott darüber rede, was ich super schaffe und wo ich Mist mache, dann hilft mir das. Viel mehr als verstecken.“

Nun zünde ich das Licht in der Laterne an und habe gleich einen kleinen Jungen vor mir stehen, der die Laterne heute tragen möchte. Wie jeden Sonntag singen wir a capella „Geh mit Gottes Segen, mach dich auf den Weg. Geh mit seinem Segen, er wird bei dir sein“, während die Kinder einmal durch die Reihen ziehen und dann nach unten zum Kindergottesdienst verschwinden.

 

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Die Predigt beginnt und handelt nicht von Hebräer Kapitel 13, sondern 14: Über das, was verborgen ist, und die Wirkung des Wortes Gottes (Maske ab…).
Ich staune, da meine Vorbereitung und der verwechselte Bibelvers plötzlich perfekt zusammen passen.
Niemand nimmt einem eine gute Planung ab – dass es letztlich trotz menschlichen Fehlern passt und die Botschaft ankommt, ist Gottes Verdienst.

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Die Küche blüht auf

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Die „Urban Jungle Bloggers“ haben für den Januar das Thema „Kitchen Greens“ ausgerufen. Derart inspiriert schaute ich mich auf dem Wochenmarkt nach Blumen für eine passende Umsetzung um. Da ich (im Gegensatz zu vielen anderen Bloggerinnen) mit all den trendigen Sukkulenten und Kakteen nichts anfangen kann, blieb ich dabei meinem Stil treu. Nicht treu dagegen blieb ich der Regel, niemals Blumen in Behältnisse für Nahrungsmittel zu setzen. So bekam meine Lieblingskanne einen bunten Strauß aus Chrysanthemen, Gerbera, Eukalyptus und Aspidistra (Schusterpalme). Absichtlich ist das Arrangement nicht so gleichmäßig und ordentlich wie sonst, sondern von Asymmetrie und Diagonalen geprägt. In den Krug vom Flohmarkt topfte ich spontan den Farn ein. Für zarten Duft gesellte sich die Hyazinthe in diese Runde, das Rosa harmoniert perfekt mit der Gerbera.
Ein bißchen Moos und grüne Blättchen als Garnitur um die Kekse, und schon wird aus einer kleinen Hamburger Küche ein Wintergarten zum Genießen. 😀

 

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For some years, succulents and cactuses are very successful being photographed and postet on blogs. Nevertheless I don´t like both of them, so I keep faith with my kind of style. I´ve sworn never to put flowers into containers of food, but now I´ve created a spray for my favorite pot. Suddenly the fern found himself in a jug und moss grew out of an eggcup. It´s amazing, what´s happening lately in our kitchen! 🙂

Joining with FloralFridayFoto, Maleviks Rosengarten and Holunderblütchen.

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Ideen für einen lebendigen Traugottesdienst

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Gefühlt überall finden derzeit wieder Hochzeitsmessen statt, viele Hochzeitspaare schlängeln sich durch das Labyrinth an Ideen, eigenen Vorstellungen und Angeboten von DienstleisterInnen.

Für mich war damals in der Vorbereitung eine große Frage, wie die passende Stimmung im Gottesdienst entsteht: Es sollte natürlich festlich werden, aber auf keinen Fall steif. Feierlich und gleichzeitig natürlich und persönlich. Wie schaffen wir das?
Als sehr wichtig habe ich offene Gespräche mit unserem Pastor erlebt, ebenso die Überlegungen mit dem Ehrenamtlichen, der für die Musik zuständig ist (in vielen Kirchen gibt es eineN angestellteN OrganistIn oder KantorIn).
Wer meint, dass es das Beste sei, viel getragene Orgelmusik zu spielen, durchwirkt von Geigen und geschluchztem „Ave Maria“, kann eine hervorragende Stimmung für einen Trauergottesdienst produzieren. Das habe ich tatsächlich erlebt, danach musste ich monatelang aufpassen, in Gesprächen nicht aus Versehen „Trauergottesdienst“ statt „Traugottesdienst“ zu sagen. Zutiefst dramatische Klassik kann bei den Gästen zu falschen Assoziationen führen… 😕

Lange habe ich mit einer Freundin gerätselt, wie wir den Einzug als Paar sowie den Auszug am Ende des Traugottesdienstes gestalten. Es wurde dann eine Kombination aus traditionellen Elementen und eigenen Vorstellungen, wobei alle aufwendigen Phantasien aussortiert wurden. Denn: Bei allen großartigen Ideen bleibt die Frage, wer sie vorbereitet und umsetzt – meistens nicht die Braut, die genug anderes organisiert.

 

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Heute entdeckte ich mehrere bunte Ideen, was in der Kirche jenseits von Instrumentalmusik zum Einzug passieren kann: Tänze, Flashmobs und ähnlich Kreatives.

Einzug zu „Sing Hallelujah!“

Flashmob vor dem Einzug der Braut im Mittelgang der Kirche

Etwas langatmig, und der komplette musikalische Bruch am Ende irritiert, sonst wirklich fröhlich:
Einzug der Freundinnen und Freunde vor der Braut

Auszug aus der Kirche mit Tanz

♥    ♥    ♥    ♥    ♥

Wer sich irritiert fragt, was das ganze Gezappel im Gottesdienst soll:
Natürlich besteht die Gefahr, dass durch eine unkonventionelle Aktion der Traugottesdienst sich in die Stimmung des Polterabends einreiht. Dass der Party-Charakter der Hochzeit überwiegt und der Moment, in dem es wirklich auf Inhalte und Tiefgang ankommt, durch Kaspereien verdorben wird.
Andererseits finde ich es gut, einen eigenen Zugang zum Gottesdienst zu finden – gerade für jene, die sonst nicht am Sonntag in die Kirche gehen. Warum sollten sie das komplette klassische Prozedere durchziehen, wenn sie sonst nie etwas mit der Liturgie zu tun haben? Sind die BesucherInnen zum korrekten Vollzug eines traditionellen Ablaufs verpflichtet oder stellt sich das Programm im Gottesdienst in den Dienst des Hochzeitspaars und der Gäste?
Im Übrigen finden vorrangig wir EuropäerInnen Tänze und Lachen in der Kirche seltsam, andere Kulturen gestalten Gottesdienste grundsätzlich mit viel Temperament und Bewegung.
Wer die Bibel aufmerksam liest, weiß außerdem, dass es damals jede Menge Rambazamba gab. Zur Ehre Gottes, natürlich, aber dennoch waren Gottesdienste oft ausgelassen und ausdrucksstark.

 

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Und wer sich wirklich, wirklich, wirklich sehr sicher ist, dass die Partnerin oder der Partner heiraten möchte (und einen öffentlichen Antrag schätzt), kann es mit diesem Fundstück aus dem Netz zum Heiratsantrag versuchen.

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Wie ein Fest nach langer Trauer

Wie ein Fest nach langer Trauer,
wie ein Feuer in der Nacht.
Ein off’nes Tor in einer Mauer,
für die Sonne aufgemacht.
Wie ein Brief nach langem Schweigen,
wie ein unverhoffter Gruß.
Wie ein Blatt an toten Zweigen
ein Ich-mag-dich-trotzdem-Kuss.

So ist Versöhnung, so muss der wahre Friede sein.
So ist Versöhnung, so ist Vergeben und Verzeih’n.

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Wie ein Regen in der Wüste,
frischer Tau auf dürrem Land.
Heimatklänge für Vermisste,
alte Feinde Hand in Hand.
Wie ein Schlüssel im Gefängnis,
wie in Seenot „Land in Sicht!“.
Wie ein Weg aus der Bedrängnis
wie ein strahlendes Gesicht.

So ist Versöhnung, so muss der wahre Friede sein.
So ist Versöhnung, so ist Vergeben und Verzeih’n.

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Wie ein Wort von toten Worten Lippen,
wie ein Blick, der Hoffung weckt.
Wie ein Licht auf steilen Klippen,
wie ein Erdteil neu entdeckt.
Wie der Frühling, wie der Morgen,
Wie ein Lied, wie ein Gedicht.
Wie das Leben, wie die Liebe,
wie Gott selbst, das wahre Licht:

So ist Versöhnung, so muss der wahre Friede sein.
So ist Versöhnung, so ist Vergeben und Verzeih’n.

Text: Jürgen Werth 1988
gefunden auf Songtexte.com

Gesungen ist das Lied hier zu hören: Youtube

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Dieses Lied haben wir Anfang der neunziger Jahre jeden Mittwoch in der Jungschar gesungen. Jeden Mittwoch wieder, wenn wir uns noch ein letztes Lied wünschen durften.
In einem wunderbaren Seminar vorgestern kam es mir im Rahmen einer Aufgabe zu positiven Assoziationen wieder in den Sinn.
Gibt es für dich ein Lied, das dir einmal wichtig war und noch heute eine wichtige Botschaft enthält? Vielleicht lohnt es sich, den Liedtext auszudrucken, über den Bildschirm zu hängen, an den Spiegel, über den Küchentisch. Es auf den Nachtschrank zu legen und mit der Melodie im Kopf, der Botschaft im Herzen einzuschlafen.

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Das wahre Leben der Logopädinnen

Nachdem ich heute genau ein Mal zu viel den Satz Aber ich dachte, Logopädin ist so ein schöner Beruf!“ gehört habe, kommen hier Insider-Informationen für alle Mädchen, Frauen und Umschülerinnen, die mit diesem Berufswunsch liebäugeln. Auch alle treusorgenden Mütter, die ihrer Tochter einen sozialen Beruf mit Teilzeitoption für die ersten Elternjahre wünschen, erfahren hier die wichtigsten Fakten zum Arbeitsalltag. Ebenso Damen aus der Berufsberatung, die immer noch nicht wissen, was Logopädinnen wirklich tun. Da 98% der Sprachtherapeutinnen Frauen sind, verwende ich grundsätzlich die weibliche Form (die 2% männlichen Logopäden sind interessanter Weise fast alle in Leitungspositionen, im Gegensatz zum Gros der weiblichen Kolleginnen).
Vorab zu mir: Ich habe über sechs Jahre als angestellte Logopädin in zwei niedergelassenen Praxen in Hamburg gearbeitet. Im Krankenhaus habe ich ein Praktikum absolviert, jedoch war ich dort nie angestellt. Insofern beziehen sich meine Aussagen alle auf einen Job als Mitarbeiterin in einem Praxis-Team: In Krankenhäusern, Reha-Einrichtungen, Kindergärten, Frühförder-Zentren usw. gelten sowohl andere Grundlagen der Arbeitszeiten (Anwesenheit statt Anzahl der geleisteten Therapie-Einheiten) und der Bezahlung (nämlich nach Tarif!).
Als fröhlicher und positiver Mensch mag ich das Wort „Ja“ und formuliere daher meinen Bericht aus dem wahren Leben einer Logopädin so wie eine Stellenausschreibung.
Wenn du (oder Sie) jeden Satz mit „Ja“ beantworten kannst, ist Sprachtherapie tatsächlich die passende Tätigkeit.

Hast du Abitur? Wenn nicht, werden dich die meisten Berufsfachschulen ablehnen, weil sie zwar theoretisch Kandidatinnen mit Realschulabschluss akzeptieren, tatsächlich aber nur Abiturientinnen mit gutem Notendurchschnitt nehmen. Alle Arten von Studium verlangen selbstverständlich ebenfalls nach einem guten Abitur.

Bist du bereit, ein Freiwilliges Soziales Jahr (oder einen Bundesfreiwilligendienst) zu absolvieren? Wenn nicht, werden dich die meisten Berufsfachschulen ebenfalls nicht nehmen – die Universitäten schon.

Bist du in der Lage, für die Berufsfachschule jeden Monat mehrere hundert Euro für deine Ausbildung auszugeben, die nur zum Teil durch ein Schüler-Bafög aufgewogen werden? Die Semestergebühren an Universitäten solltest du ebenfalls recherchieren.

Bist du sprachbegabt? Gehst du offen auf fremde Menschen zu? Kannst du mit allen Generationen umgehen? Bist du sehr, sehr geduldig? Kannst du freundlich und durchsetzungsstark zur gleichen Zeit sein? Kannst du dich flexibel neuen Gegebenheiten anpassen (Dies bedeutet im Alltag zum Beispiel, kurzfristig in einem anderen Raum zu arbeiten, gar keinen eigenen Raum zum Arbeiten zu haben, spontan Kolleginnen zu vertreten, dich schnell in neue Themen einzuarbeiten, Pläne zu Gunsten von Patientenwünschen komplett zu verwerfen und aus dem Stegreif den Inhalt der Therapiestunde komplett umzustellen). Berätst du gerne Menschen, ggf. in einfachstem Deutsch und sehr langsam? Hast du viel Phantasie und kannst intuitiv die Bedürfnisse des Menschen vor dir über deinen eigenen Stundenplan setzen? Kannst du auch mit behinderten Menschen arbeiten und hast wenig Ekelgefühle? Bildest du dich gern fort und magst die Philosophie des „Lebenslangen Lernens“? Liebst du Teamsitzungen? Kommst du mit hochnäsigen Privatpatienten, die dich wie die letzte Putzkraft behandeln, ebenso zurecht wie mit Sozialhilfeempfängern, die dich für eine realitätsferne Akademikerin halten? Kommst du mit wenig Geld aus, kannst also sparsam leben? Erträgst du es, wenn deine Freundinnen aus deinem Abiturjahrgang Karriere machen und du keine Chance dazu hast?

Bist du bereit, im Alltag nur für geleistete Therapiestunden bezahlt zu werden:
Nicht für Zeiten, in denen Patienten einen Termin hatten, aber nicht kamen. Während du die Stunde vorbereitet hast und anwesend bist. Viele Praxen haben hier sehr ausgefeilte Regeln, unter welchen Umständen ein kurzfristig abgesagter Termin für dich dennoch als Arbeitszeit zählt (indem du in dieser Zeit die Chefin entlastest o.ä. KEINE dieser Regelungen ist erlaubt! Rechtlich gesehen MUSST du als Angestellte für Anwesenheit bezahlt werden, was aber keine Praxis in Hamburg oder im Umland tut.)
Nicht für Telefonate mit Eltern zur Terminabsprache oder Rückrufe, weil die Oma gerade vergessen hat, wann sie den Enkel bringen soll, während beide Eltern arbeiten (Bitte stell dir dies in tausend Varianten vor – du telefonierst ständig, erreichst kaum jemanden und bekommst dafür keine Arbeitszeit berechnet).
Nicht für Arztberichte (die Pauschale seitens der Krankenkasse für das Schreiben des gesetzlich notwendigen Berichts ist ein Witz, ganz abgesehen davon, dass sie im Portemonnaie deiner Chefin ankommt und nicht bei dir).
Nicht für Telefonate mit Förderlehrerinnen, Ergotherapeutinnen, Personen im Sozialamt oder sonstige Personen, die mit einem deiner kleinen Patienten arbeiten und von dir Informationen wünschen. Das Gleiche gilt in Abwandlung für erwachsene Patienten, da wollen dann die Angehörigen, die Pflegerinnen und die Neurologin Informationen von dir.

Findest du es korrekt, nachdem du deine Ausbildung mit einem erklecklichen Betrag pro Monat selbst bezahlt hast, als ausgebildete Logopädin 12,- Euro pro Stunde zu verdienen? Auch, wenn du weißt, dass die zwölf Euro der Betrag vor der Steuer sind. Von diesem Stundenlohn, der als Summe deinen Monatslohn (dein Gehalt) ergibt, zieht der Staat Steuern ab, die Krankenkasse bekommt ihren Teil, Renten- und Sozialversicherung ebenfalls, auch unsere Nachbarn in den neuen Bundesländern (falls du in Westdeutschland lebst, zahlst du den sogenannten Solidaritätszuschlag). Das bedeutet, das nur ein gewisser Teil deines Lohns tatsächlich auf deinem Konto ankommt. Du verdienst also noch nicht einmal zwölf Euro die Stunde, sondern eher den Mindestlohn, wenn du auf dein Konto schaust. Doch, gelegentlich erhöhen die Krankenkassen den Stundensatz, das bezahlt dir die Chefin aber nicht aus.
Findest du es ebenfalls gut, dass du auch nach diversen Jahren im Beruf und vielen Fortbildungen immer noch zwölf Euro verdienst? Eventuell dreizehn Euro, aber ich kenne keine Logopädin, die es in einer Praxis als Angestellte so weit gebracht hat.
Nein, Weihnachtsgeld reißt es nicht heraus, weil es das nur selten gibt. Und wenn, ist es zwar ein Schein, aber kein allzu großer.
Wenn du mit diesen finanziellen Aussichten nicht zufrieden bist, solltest du in einer Einrichtung arbeiten, die nach Tarif bezahlt: Ein Krankenhaus oder ein Kindergarten zum Beispiel. Dann bekommst du wahrscheinlich auch mehr Urlaub, was ebenfalls viel wert ist. Allerdings gibt es davon deutlich weniger Stellen als in niedergelassenen Praxen, so leid es mir tut. In Kliniken solltest du zudem im Schichtdienst arbeiten wollen und Wochenenddienste übernehmen wollen – andernfalls wollen die Verantwortlichen eine andere Bewerberin.

Ist dir jede Form von Karriere egal?
Es gibt genau drei Arten, nicht „nur eine normale Logopädin“ zu sein:

a) Du machst dich selbstständig und wirst deine eigene Chefin.
Wenn es gut läuft, kannst du andere Logopädinnen einstellen. Bedenke aber, dass du jede Art der Gesundheitsreform, der Wirtschaftslage und der Schulreformen hautnah zu spüren bekommst. Warum? Die Krankenkassen zahlen für die Therapien, die du leistest. Im Nachhinein. Sollten die Krankenkassen zwischendurch die Regeln ändern, und das ist ihre Lieblingsbeschäftigung, bleibst du auf deinen geleisteten Therapiestunden sitzen, die nie vergütet werden. Oder zu einem anderen Satz. Die Wirtschaftslage interessiert dich insofern, als dass du Miete, Strom, Büromaterialien und dergleichen mehr bezahlen musst. Da sogar eine selbstständige Logopädin knapp rechnen muss, könnte es sein, dass sich deine Arbeit nach Zahlung der Fixkosten kaum lohnt. Die Schulreformen interessieren besonders die Hamburgerinnen, weil durch die gebundenen Ganztagsschulen kaum Kinder Zeit haben, die Logopädin zu besuchen. Kurz, du wärst zwar Chefin, müsstest dich aber permanent an sich verändernde und verschärfende Gegebenheiten anpassen.
Liebst du es, Bewerbungsgespräche zu führen? Deine Angestellten werden ständig wechseln, weil sie schwanger werden oder woanders bessere Bedingungen zu finden glauben.

b) Du bist zwar angestellt, vertiefst dich aber so intensiv in ein medizinisches Störungsbild (also eine Krankheit) oder ein therapeutisches Verfahren, dass du zur Spezialistin wirst.
Das kostet dich sehr viele Fortbildungen, die du wahrscheinlich nur zum Teil von deiner Chefin finanziert bekommst. Es kostet dich ebenfalls viel Freizeit, weil du abwechselnd mit Seminaren und Fachliteratur beschäftigt bist. Wenn du Glück hast, wirst du damit über die Stadtgrenzen hinaus als Spezialistin bekannt. Die Krankenkasse wird dir das aber nie bezahlen. Nie. Du wirst genau den gleichen Stundensatz wie deine Kolleginnen bekommen, weil es der Krankenkasse egal ist, wie fundiert und spezialisiert du arbeitest. Natürlich könntest du die Krankenkasse mit wilden Tricks so richtig besch…en, um die krassesten Therapieverfahren abzurechnen. Da dich das deine Existenz kosten kann – lass es lieber.

c) Du lässt dich bei einem Träger einstellen, der nicht nur nach Tarif bezahlt, sondern sogar die Möglichkeit eröffnet, dass du die logopädische Abteilung leitest.
Kennst du dich mit Mitarbeitermotivation aus? Leitest du gern andere an und hast Lust auf ständig neue Praktikantinnen, die unterwiesen werden sollen? Liebst du Akten, Dokumentationen und Bürotätigkeiten? Schleimst du dich gern bei höheren Ebenen ein, damit das Management keine Stellen kürzt oder andere Maßnahmen beschließt, die die Arbeit in deiner Abteilung empfindlich verschlechtern? Super, dann solltest du diesen Weg wählen. Wesentlich mehr Gehalt solltest du aber nicht erwarten. Es geht nur um Ehre, wie immer.

Karriere im klassischen Sinn machst du also in keinem Fall, aber du hast Gestaltungs-möglichkeiten, wie dein Alltag aussieht.

Träumst du davon, krank zu werden und mit Fieber jede Patientin einzeln anzurufen, um zu sagen, dass du leider erkrankt bist und die Logopädie heute ausfählt? Liebst du es, mitten im Magen-Darm-Infekt Personen, die kaum deutsch sprechen, zu erklären, wer du bist und dass sie heute nicht kommen sollen?
Wie, das soll jemand anderes in der Praxis übernehmen – eine Kollegin oder die Bürokraft, die es in durchaus vielen Praxen gibt. Nein nein, die Bürokraft ist so mit dem Qualitätsmanagement beschäftigt, dass sie dir unmöglich helfen kann. Und deine armen Kolleginnen sind doch selbst in der Mittagespause mit Telefonaten und Berichten beschäftigt, genau wie du, wenn du gesund bist. Die haben auch Wichtigeres zu tun.

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Herzlichen Glückwunsch, du hast es geschafft!
Na, wie viele „Ja“s hast du gesammelt?
Wenn du wirklich immer noch Logopädin werden möchtest, mach´ ein Praktikum und frag eine Sprachtherapeutin deines Vertrauens so richtig nach dem Alltag aus. Vieles von dem, was ich geschildert habe, wird sich ähneln. Anderes hörst du zum ersten Mal und ergänzt deine Sicht. Eventuell gerätst du an eine Person, die alles ganz anders darstellt und dir das Blaue vom Himmel holt – dann sei vorsichtig, es ist wahrscheinlich nicht wahr. Der Beruf als solcher ist abwechslungsreich und sehr intensiv. Letztlich sind es die Arbeitsbedingungen, die viele Logopädinnen nach einigen Jahren zum Aufgeben zwingen. Wenn dich meine offene und schonungslose Darstellung nicht geschreckt hat, solltest du loslegen. Bloß, weil fünf Jahre nach dem Examen nur noch 30% der Logopädinnen als solche arbeiten, kann dein Leben dennoch ganz anders verlaufen.

Wenn ich dich gründlich verschreckt habe, bin ich erleichtert, dass nicht noch mehr junge Frauen völlig selig diesen Beruf ergreifen und nach drei bis sechs Jahren frustriert und ausgebrannt aufgeben. Ich war eine fähige Therapeutin und haben vielen PatientInnen helfen können. Bis auf wenige Ausnahmen habe ich mit allen PateintInnen gern und mit Herzblut trainiert. Mit Menschen arbeiten ist wunderbar, ich liebe es nach wie vor. Bloß ob es ein klassischer sozialer Beruf sein soll und du wirklich im Gesundheitswesen arbeiten möchtest, solltest du dir gründlich überlegen. Es gibt so viele Möglichkeiten, als sprachbegabte und soziale Frau glücklich zu arbeiten und anständig bezahlt zu werden.
Packen wir es an!

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Im Herzen aufräumen

Vor Kurzem dachte ich an einen Moment während der geführten Traumreise, an der ich neulich teilnahm. Mittelpunkt des Gedankens war, in einem Raum unseres Herzens Platz für Gutes, Neues zu schaffen. Wir wurden aufgefordert, uns all das vorzustellen, womit dieser Raum angefüllt war. Diesen Dingen, Gefühlen, Beziehungen und Belastungen sollten wir die Erlaubnis geben zu gehen. Wir sollten uns nicht überlegen, wir wir es schaffen, all diesen tatsächlichen und emotionalen Müll dort heraus zu schleppen. Die einfache Erlaubnis, Unerwünschtes gehen zu lassen, hat bereits eine große Kraft.
Welche Themen gibt es in unserem Leben, die wir gern verabschieden würden?
Routinen und Gewohnheiten, die uns an Altes binden, das wir längst hinter uns lassen wollten?
Unübersehbare Gegenstände, die nicht nur Platz in Schränken und Kellern rauben, sondern auch Energien – weil sie uns an Verlorenes, Vergangenes, Niederlagen erinnern?
Personen, die uns nicht gut tun: Freundinnen, die fünf Mal angemailt werden, um sich ein Mal zurück zu melden? Verwandte, die stets besucht werden wollen, aber zu bequem sind, selbst vorbei zu kommen? Chefs und Chefinnen, die total freundschaftlich tun und hinterrücks Arbeitsbedingungen verschärfen?
Was es auch sein mag – als erster Schritt reicht es, sie gehen zu lassen. Die Beziehungen frei zu geben und uns damit Raum zum Atmen. Die Gegenstände als Ballast zu entlarven und sich davon zu lösen.

 

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Ich habe festgestellt, dass wir oft so damit beschäftigt sind, wie wir etwas erreichen, etwas bekommen, etwas kaufen oder verkaufen, dass wir gar nicht mehr wissen, warum eigentlich. Ob wir dazu innerlich bereit sind, es in unser Leben aufzunehmen. Oder uns unbewusst an etwas klammern, von dem wir den Abschied nicht schaffen.
Ob es sich dabei um eine veraltete (positive) Hoffnung oder eine ehemalige (negative) Enttäuschung handelt – oft überspringen wir den Schritt des Loslassens. Stattdessen brüten wir, wie wir die Dinge geregelt bekommen und ärgern uns, dass es nicht vorwärts geht. Dabei sollte es uns nicht wundern, wenn etwas, das wir unbewusst festhalten, immer noch im Weg steht und wir es einfach nicht schaffen, es loszuwerden. Oberflächlich liegt es an den Öffnungszeiten des Recyclinghofs, dass wir etwas nicht entsorgen. Oder an „all dem, was sie/er für mich getan hat“, dass wir eine verdorbene Beziehung nicht aufgeben. Tatsächlich fehlt uns das innere „Ja“ zu diesem Schritt, das die Grundlage für tatsächliche Veränderung ist.

Wenn wir Belastendes aus vollem Herzen freigeben können, sind  wir offen für das, was wir stattdessen einladen. Auch hier können wir krampfhaft versuchen, eine neue Perspektive herbei zu zwingen. Wir können täglich nach dem passenden Job suchen, der richtigen Partnerin hinterher hetzen, nach der perfekten Wohnung recherchieren. Das kann zum Erfolg führen – wahrscheinlicher ist aber, dass wir erschöpft und mit leeren Händen aufgeben. Einerseits, weil wir vielleicht Ersatzbefriedigungen für das suchen, was uns wirklich fehlt. Und andererseits, weil wir für das Neue, das wir herbei zerren wollen, gar nicht bereit sind.
Der erste Schritt dorthin kann gelingen, wenn wir uns an einem ruhigen Ort Zeit nehmen. Eine gute Position im Sitzen oder Liegen finden und alles Äußere ausblenden. Die Idee ist, mit dem Ausatmen alles Belastende aus uns strömen zu lassen. Und mit dem Einatmen Gutes, Ersehntes hinein zu lassen. Wer mag, stellt sich diese Bewegungen und die daraus resultierende Veränderung bildlich vor.

 

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Diese Gedanken, entstanden aus einem inspirierenden Abend, sind mir noch nachgegangen. Ich möchte eine Person sein, die Altes freigibt und Neues einlädt. Belastendes gehen lässt und Beglückendes einlädt.
Machst du mit?

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Kreativkurs „Rund um den Geburtstag“

Heute möchte ich Interessierten in Hamburg von einem Seminar berichten, das ich in Kürze zusammen mit einer Freundin leite:

Dieser Kurs lädt ein, die eigene Kreativität zu entdecken und „Rund um den Geburtstag“ zu basteln. Dabei kommen diverse Papiere und Pappen, Stempel, Stanzen und Dekorationselemente zum Einsatz.
Aufgeteilt auf drei Abende basteln wir zum Einen Einladungs- und Glückwunschkarten. Außerdem gestalten wir Tischdekorationen und Schmückendes für die Wohnung. Zum Anderen fertigen wir kreative Geschenkverpackungen und Geschenkanhänger.

Fachliche Anleitungen und viele Inspirationen wecken die Lust am Selbermachen – auch zwischen den Terminen zu Hause in Eigenregie. Eine Materialumlage wird je nach Verbrauch vor Ort erhoben.
Kursgebühr für alle drei Termine 50 Euro, ermäßigt 44 Euro.
Leitung: Claudia Marx und Marie Krüerke.

Freitags 18.00 – 21.00 Uhr am 29.01., 05.02., 12.02.2016 im Bürgerhaus Barmbek, Lorichsstraße 28 A, 22307 Hamburg

Anmeldung bis zum 22.01. unter hallo@buergerhaus-in-barmbek.de und unter Telefonnummer 040 630 4000, der Kurs nennt sich „Mit Schere, Leim und Fantasie“.

E-Mailadresse für Rückfragen und nähere Informationen: mail@wisperwisper.de

 

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Zum Geburtstag rund um die Welt

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Zum Glück entdeckte ich vor Kurzem gratis zwei alte Erdkundebücher. Eins davon ist der klassische „Diercke-Atlas“, der in allen Hamburger Schulen benutzt wird, sowie ein Buch voller Übungsaufgaben zum Abitur.

Letzeres war zum „Ausschlachten“ für Kreativ-Projekte weniger geeignet, zeigte mir aber anhand des Erscheinungsjahrs in Kombination mit veralteten Grafiken und mieser Druckqualität, wie lang meine Schulzeit schon her ist…

 

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Die Seiten ohne fiese Statistiken habe ich in eine Wimpelkette mit Namenszug sowie diverse kleine Dekorationsartikel verwandelt. Muffinpieker und Anhänger stellte ich her, auch mit Geburtstagsgrüßen und einer schwarz-weißen Autozeichnung.

 

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Die Muffinpieker mit Geburtstagsgrüßen bekamen einen getupften Rand aus den klassischen Farben, die in Landkarten vorkommen: Terrakottatöne, gedämpftes Grün und Mittelblau.

 

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In der Dekoration werden die Landkarten-Farben in meinen hellgrünen Blütenschalen, den dunkelgrünen Flaschen und dem schilfgrauen Blumentopf wiederholt. Die gefärbten Stäbe aus dem Baumarkt ergänzen sich wunderbar mit den schön gezeichneten Nelken und den Orchideen, die unaufhörlich blühen. Frische Blätter und Blüten lockern jedes Arrangement auf und dürfen auch bei männlichen Geburtstagen nicht fehlen….

For the birthday of a (male) friend I created decorations made of old schoolbooks. I used an old atlas which I got for free. Flipping through the pages, I got the proof how long it has been since I visited school… I crafted decorations for the top of muffins and cakepops and lots of  pendants. Out of old maps, letters and  gift wrap I  designed a long bunting / wreath.

 

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Bei Kebo mache ich heute anlässlich der Aktion „Typisch für…“ mit. Dieses Mal ist das Thema „Farben“ und typisch für meine Farben ist neben meiner Liebe zu allen Grüntönen (besonders bei meiner Kleidung) meine Liebe zu kräftigen Rottönen in der Wohnung. In diesem Beitrag sind beide vereint, weshalb ich ihn im Monatsmotto verlinke.

Die Blumen verlinke ich bei Holunderblütchen, FloralFridayFoto und Maleviks Rosengarten. Meine wunderbaren Orchideen hatten bereits zu Weihnachten und Neujahr zwei Auftritte.

Ein politisches Thema zum Schluss:
Weiterhin ist vielen Menschen nicht bewusst, dass die Weltkarten, die wir (NordeuropäerInnen) als normal empfinden, politisch verzerrt sind und nicht die tatsächlichen Größenverhältnisse der Kontinente zueinander darstellt. Europa gehört sowohl viel winziger als auch viel weniger zentral auf der Weltkugel eingezeichnet, als wir es gewohnt sind. Da wir als erfolgsverwöhnte, ehemals kolonialisierende Länder aber der Meinung sind, von uns hinge das Wohl der Welt ab, hat sich die verzerrte Darstellung der Mercator-Karte durchgesetzt. Wenn wir ahnten, welche Ausmaße die sogenannten Dritte-Welt-Länder in korrekter Darstellung tatsächlich hätten, würden wir über Herrschaftsverhältnisse neu nachdenken müssen. Dabei ist der Gedanke der korrekten Relationen älter, als wir meinen….

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Wenn Träume real werden

Im vergangenen Jahr habe ich mich viel mit meinen Wünschen, Talenten und zukünftigen Möglichkeiten der Arbeit beschäftigt. Zwei Begleiter in Buchform habe ich hier vorgestellt und empfehle sie wärmstens weiter.

 

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In allen Büchern, Seminaren und Vorträgen ging es immer wieder darum, wie es möglich wird, dass unsere Sehnsüchte und Visionen real werden. Überall hörte ich verschiedene Ideen:
* Passende Bilder, Fotos, Schnipsel und Notizen zu Collagen verarbeiten und diesen einen zentralen Platz geben.
* Nach geführten Traumreisen die Eindrück festhalten, aufschreiben, zeichnen, passende Bilder ausdrucken und über den Schreibtisch hängen.
* Vorstellen oder notieren, wie ich mich fühlen werde, wenn ich meinen Traum lebe:
Wo und mit wem werde ich aufwachen? Wie beginne ich den Tag, wie breche ich auf und wohin? Was tue ich wie und mit wem den Tag über? Wie arbeite ich? Wie entspanne ich? Wann und wo endet der Tag? Wie fühle ich mich dann?
* Hier und heute meine Identität aus der Zukunft festlegen: „Ich, Marie, bin eine kreative und produktive Eventgestalterin / Ich, Marie, bin eine fröhliche und intelligente Pädagogin / ….“ was auch immer. Dieser Satz wird so oft auf ein Din A 4 Blatt geschrieben, bis es voll ist. Danach am Spiegel, am Kühlschrank, über dem Bett aufhängen.
* Glücksmomente und Etappensiege dokumentieren und sich selbst loben, den Augenblick feiern.

Dabei habe ich festgestellt, wie groß oft die eigene Zurückhaltung ist, hemmungslos in Träumen zu schwelgen. Diese darzustellen und auszustellen – und sei es nur in der eigenen Wohnung – erfüllt uns mit Scheu. Wir haben geradezu Angst vor der Macht der eigenen Sehnsüchte. Was, wenn wir ihnen Raum geben? Was, wenn sich unser Alltag danach umso öder und grauer anfühlt? Was, wenn wir kurzentschlossen Abstand brauchen und dem Fernweh folgen? Wenn wir plötzlich von einem Stellenangebot so angesprochen werden, dass wir uns sofort fachfremd bewerben wollen?

Neee, die Gefahr gehen wir nicht ein.

Selbst wenn wir inspirierende Bücher lesen, passende Kurse besuchen und plötzlich überraschend viele Gleichgesinnte treffen: Trauen wir uns, unsere Wünsche und Visionen festzuhalten? Schriftlich, künstlerisch, in Form von Musik, als kreatives Werkstück, als verrückter Masterplan?
„Beweise“ unserer Träume haben eine große Macht. Wir haben sie gestaltet und werden durch sie erinnert, dass wir eine Reise vor uns haben. Mit einem sehr, sehr lohnenden Ziel. Allein der Anblick, der Geruch, das Geräusch oder das haptische Gefühl unseres „Ziel-Symbols“ hilft uns, tatkräftig die Umsetzung voran zu treiben.

 

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Vor Kurzem habe ich einen Abend besucht, dessen Herzstück eine geführte Traumreise war. Deren Ziel lautete, den eigenen Lebensträumen bewusst zu begegnen und die nächsten Schritte auf dem Weg dorthin einzuleiten. Interessanter Weise gab es keine Begleiterin, die meiner Einladung folgen mochte. So ging ich fröhlich alleine hin, fragte mich aber, was Traumreisen an sich haben, dass viele lieber nicht daran teilnehmen. An diesem Abend wurde ich mit inspirierenden Bildern und ermutigenden Worten sehr gestärkt (und dieses Mal habe ich mir Zeit genommen, die Eindrücke der Fantasie im Anschluss festzuhalten).
Die anderen TeilnehmerInnen haben Eingebungen gehört, gerochen und gefühlt. Wer weiß, welche eigenen Sinne besonders stark ausgeprägt sind, ist auf diesem „Kanal“ besonders empfindsam und produktiv. Momente wie die Erlebnisse aus dem Unterbewussten sind eine Botschaft an uns selbst, wie sie der beste Coach niemals passender formulieren könnte. Die daraus entstandenen Gedanken wären durch eine rein kognitiv-sachliche Arbeit nie entstanden.

So möchte ich ermutigen, die rationalen Wege zu verlassen. Wenn es darum geht, versunkenen Schätzen wie unseren Träumen auf die Spur zu kommen, reicht die nüchtern-vernünftige Denkweise nicht aus. Mit ihr betrachten wir unseren Alltag, schaffen aber nicht den Blick darüber hinaus.

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Grauer Nebel

Manchmal fehlt der Schwung für das, was du dir vornimmst. Manchmal greift Müdigkeit und eine große Portion Ernüchterung um sich. Manchmal zieht grauer Nebel ein, und du fragst dich, was aus deinen Zielen, Träumen und Plänen geworden ist. Sehnsucht ist nicht länger etwas, das dich lockt und motiviert, sondern nur noch ein diffuses Gefühl der Verlorenheit und der Wunsch nach einem Platz im Leben.
Kennst du das?

Wie kann es sein, dass etwas, das dich begeistert und angetrieben hat, nur noch ein müdes Schulterzucken hervor ruft? Dass du an dir selbst zweifelst? Dass du deine Kompetenzen lächerlich gering findest und dich fragst, ob aufgeben vielleicht das ist, was dieser Moment erfordert? Dass du dich deiner Vision schämst, statt sie schwungvoll ins Leben zu holen?

 

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Neulich fiel mir in genau so einem Moment, der mich selbst irritierte und lahmlegte, das passende Buch in die Hände. Ich hatte es vor einigen Jahren gekauft, nie gelesen und im Bücherregal vergessen. Beim Aufräumen traf es mich: „TraumDiebe. Lass dir nicht wegnehmen, was Gott dir ins Herz gibt“ nennt sich die Lektüre von Andre Wilkes. Genau der passende Titel in diesem Augenblick.

Nach einem ersten Kapitel über das (Wieder-)Entdecken unserer Träume beschreibt der Autor die Traumdiebe:
Der Erste nennt sich „Wer bin denn ich, dass ich………“ Wieso sollte genau mein Plan aufgehen? Warum sollte gerade mein Leben in dieser kaputten Welt etwas zählen? Woher soll ausgerechnet in meinem Leben Erfolg kommen?
Der zweite heißt „Wer bist denn du, dass du……“ und bezieht sich auf das verlorene Vertrauen in Gott. Der Ballast der Enttäuschung wiegt manchmal so schwer, dass wir Gott nicht mehr über den Weg trauen. Gott hat nicht so gehandelt, wie ich es mir gewünscht habe. Meine Vorstellungen von ihr/ihm haben sich als Irrtum heraus gestellt. Der naive Kinderglaube trägt nicht lebenslang. Und dann?
Der dritte Traumdieb wird „Wie soll das gehen?“ genannt: Die Falle der Realität und damit das scheinbare Triumphieren der Ernüchterung. Der „gesunde Menschenverstand“ mischt sich mit seinem liebsten Satz „Das haben wir schon immer so gemacht“ und dem Zwilling „Schuster, bleib bei deinen Leisten“ ein.
Als vierter Dieb schleicht sich die Frage „Was werden die anderen sagen?“ ein. Angst vor der Meinung von PartnerIn, FreundInnen und Familie zieht durch unsere Gedanken. Angst um das eigene Image, den aufgebauten Lebensweg und die damit verbundenen Erfolge greift Raum: Verliere ich das, wenn ich mit meinem Traum Ernst mache?
An fünfter Stelle macht sich Selbstzweifel breit: „Und wenn ich mich irre?“ Wenn meine Sehnsucht eine Täuschung ist? Wenn meine Vision ein Fiebertraum war? Meine tiefsten Wünsche illusorisch? Wenn Gott doch nicht oder anders zu mir gesprochen hat, als ich es meine gehört zu haben?
Der sechste Traumdiebt fragt „Warum sollte es diesmal klappen?“ und verweist auf unsere Niederlagen, gescheiterten Projekte, verstaubten Pläne. Warum sollte es ausgerechnet jetzt anders laufen? Ich weiß doch genau, was ich in meinem Leben alles schon versiebt habe…

Allein zu erkennen, dass es diese unbewussten Zweifel gibt und wie sie sich auf einen Punkt bringen lassen,  fand ich sehr hilfreich. Auch, zu lesen, welche inneren Schwachstellen sie ausnutzen, und dass es anderen genauso ergeht. Ich glaube nicht nur an einen allmächtigen liebenden Gott, sondern ebenso, dass es negative Mächte gibt. Die uns kleinmachen, versklaven, in Süchte führen, lahmlegen. Der Autor geht darauf nicht weiter ein, viel wichtiger ist ihm in den folgenden Kapiteln, zu lernen, Gott im Alltag zu entdecken. Als Botschaft, Ermutigung, Ereignis.

 

 

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Ich möchte dich ermutigen, hinter die Fassade der Müdigkeit und Lustlosigkeit zu schauen. Aufzuhören, dich selbst zu beschimpfen, weil es nicht besser, glatter und erfolgreicher läuft.
Vielleicht leben in deinem Kopf Lügen, die dich lahmlegen. Alte Sätze, die dich geprägt haben, und noch heute verunsichern. Blöde Kommentare, die seit Jahrzehnten in uns gären und Energien ziehen.
Dann ist es Zeit, diese Räuber hinter sich zu lassen.
Manchmal hilft es schon, sie als Lügner und Diebe deiner Träume zu entlarven und sich zu wünschen, dass sie gehen. Denn Erkenntnis ist oft der erste Schritt zur Veränderung.

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