aufmerksam, kreativ

Reise in eine fremde Welt

Chrysantheme und Calla

 

Neulich war ich schon ganz verzweifelt, weil das erste Halbjahr 2016 ohne jeden Floristik-Workshop vorbei gezogen war. Nachdem ich haarscharf in den Kurs „Sommerliche Tischfloristik“ gekommen war, entdeckte ich nun in der Volkshochschule Wedel die Themenwoche „Japan“ mit einer Ikebana-Veranstaltung. Auf den ersten Blick ist Ikebana nicht meins, aber ich wollte es zumindest einmal ausprobieren. Und angesichts der schwierigen Angebotslage floristischer Kurse nehme ich, was sich mir bietet…

Ikebana gibt es in mehreren Stilrichtungen und Schulen, es soll sowohl dem Menschen die Natur nahebringen als auch die kosmische Ordnung darstellen. Unser Moribana-Gesteck hat einen klaren Aufbau: Der Kenzan (Blumenigel) gehört an eine bestimmte Stelle in der Schale. Jedes Element (Zweig oder Blume) hat eine vorgeschriebene Länge, einen eindeutigen Ort sowie festgelegte Neigungswinkel und -richtungen. Da die Mathematik und ich einander unversöhnlich gegenüber stehen, finde ich diese Art des Blumenarrangements sehr fremd. Interessant wiederum klingt für mich die Idee, dass es im Ikebana weniger um das Vorhandensein von Elementen geht, sondern vielmehr um den Wind, der durch die Floralien streicht. Das Wort „Eleganz“ auf japanisch setzt sich zusammen aus „Wind“ und „streichen“. Somit darf ein Arrangement niemals „zu voll“ sein, die Anzahl und Auswahl der Zweige und Blüten erfolgt nach strengen Regeln.

 

Ikebana

 

Mich irritierte es sehr zu hören, dass in der japanischen Oberstufe alle SchülerInnen als Pflichtfach „Teezeremonie“ und „Ikebana“ belegen müssen. Das klingt so philosophisch und entspannt, als ob es in der Schule nicht nur um Leistung, sondern auch um Kulturverständnis und Genuss ginge. Andererseits hören wir immer wieder von Selbstmorden in Japan, resultierend aus Leistungsdruck von der Schule bis zum ständigen Perfektionismus im Beruf. Das passt für mich nicht zusammen…. aber ich habe mich mit der Thematik auch nie gründlich beschäftigt.

Leider mussten wir, nach dem Bezahlen eines Materialbeitrags, den Kenzan und die Schalen zurück geben. Nur die sechs verwendeten Blumen durften wir aus dem Gesteck ziehen und mitnehmen – „Der teuerste Blumenstrauß meines Lebens,“ meinte meine Kursnachbarin.
So zufrieden ich sonst mit der Volkshochschule bin, hier blieb ein unangenehmer Nachgeschmack.

Searching desperately for floristry workshops, I found a cultural „Japanese Week“ in a little town near Hamburg. Having my first experiences in Ikeabana was interesting, but all the math and the strict rules in creating an arrangement were very new and strange…

Verlinkt mit FridayFlowerday und FloralFridayFoto.

3 thoughts on “Reise in eine fremde Welt

  1. Yes, me too. I have lately returned to ikebana arrangements and find them very satisfying to assemble.
    Those black aaron lilies look fascinating.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.