Monatsarchive: Januar 2013

Schätze und Verzicht

Nach der letzten Therapiestunde, der Dokumentation in den Patientenakten, Überarbeitung des Wochenplans (und so weiter) hatte ich nach Verlassen der Praxis große Lust auf eine schöne Zeitschrift.
So hielt ich mich eine geschlagene halbe Stunde damit auf, in verschiedene Zeitschriften zu schauen und sie alle wieder zurück in das Regal zu stellen.
Ich finde es ein Unding, dass viele Zeitschriften zum Thema „Wohnen“ lediglich gut verpackte Werbebroschüren der 50 aktuell bekanntesten Möbelhersteller sind.
Werden allen Ernstes die RedaukteurInnen dafür bezahlt, jede Menge „Neuheiten“ im Bereich „Living und Lifestyle“ durch das Kopieren und Einfügen von Bildchen aus Produktkatalogen verschiedenster Anbieter zu verbreiten und es „Zeitschrift“ zu nennen?
Nee, so spielen wir nicht. Ich kaufe kein Hochglanz-Magazin, nur damit es mir erzählt, was für Hochglanz-Produkte ich anschließend kaufen soll. Und daneben wird fleißig „echte“ Werbung geschaltet, sodass vor lauter bunter Bildchen gar kein Zusammenhang besteht.
Wenn Zeitschriften verlegt werden, um den allgemeinen Konsum anzuheizen, lasse ich sie alle miteinander im Regal stehen und bediene mich zu Hause an meinem breit gefächerten Sortiment vorhandener Zeitschriften der letzten Jahre, in denen es noch so altmodische Dinge wie Reportagen und Anleitungen zum Selbermachen gab.

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Unikat: Beutel für Gäste-Socken

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Altbauwohnungen sind schön, aber meist fußkalt.
Damit Gäste sich wohlfühlen, nachdem sie die Winterstiefel abgestellt haben, halte ich immer ein paar Wollsocken bereit. Um diese präsent im Eingangsbereich zur Hand zu haben und sie gleichzeitig ästhetisch zu verstecken, nähte ich nun eine Tasche, in der sie griffbereit an der Garderobe hängen.
Der Stoff mit dem Blumendruck in Naturtönen stammt wieder von Sanderson.
Die Henkel fertigte ich aus dem Stoffrest, der vom zweiten Türstopper übrig blieb – so kann das Muster in unserer Wohnung mehrfach entdeckt werden.

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Wie jeden Dienstag gibt es hier mehr selbstgemachte Kreationen: Creadienstag und Meertje

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Kindermund: Gentechnische Veränderungen

Szenen aus meinem Alltag als Logopädin

Ein vierjähriges Mädchen antwortete auf meine Anweisung in der logopädischen Stunde ganz empört:
„Ich habe doch keine eins- zwei- drei Hände!“, während sie mir lebhaft ihre kleinen Finger zum Zählen vor das Gesicht hielt.

Ein kleiner Junge musste dringend auf Toilette und blieb dort eine Weile. Er hatte mir strengstens untersagt, mal nach ihm zu schauen; weshalb ich die Tür des Therapieraums weit offen stehen hatte, um ihn trotzdem zu hören, falls er mich rief.
Stattdessen hörte ich einen fröhlichen Gesang, in dem zwei Comic-Figuren zu einer verschmolzen: „Hey hey Wickie! Hey hey Wickie-Maus!“

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Entdeckt: Wahrheit

 

Jeder Mensch stolpert im Laufe seines Lebens irgendwann über die Wahrheit,
doch die meisten stehen auf, klopfen sich den Staub ab und gehen weiter.

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Winston Churchill

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Distel am Kreidefelsen

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Eine Hebamme und eine Bestatterin im Gespräch

In der Zeitschrift „BrigitteWoman“ ist ein schönes Interview zwischen einer Hebamme und einer Bestatterin zu lesen. Beide setzen sich mit dem Tod auseinander; die Hebamme bietet Trauerbegleitung für Eltern, die ein Kind verloren haben, an.
Wie sehr ähneln sich Geburt und Tod?
Warum werden beide Ereignisse so schnell und professionell wie möglich erledigt, am besten unsichtbar und antiseptisch?
Was fehlt unserer Gesellschaft und damit uns selbst in unserem Umgang mit diesen Themen?
Fragen, über die es sich Nachzudenken lohnt.

Das Interview ist zu finden unter http://woman.brigitte.de/leben-lieben/psychologie/geburt-und-tod-1151230/

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Werkstatt: Zweiter Türstopper

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Für den zweiten Türstopper kaufte ich als Gewicht im Inneren eine Packung Reis
(dieses Mal brauchte er nicht original biologisch angebaut sein 😉 )
und suchte aus meinen Schätzen einen schönen Stoff aus.

 

 

Daraus nähte ich eine Art Sack mit Standfläche und band ihn, nachdem die Reispackung verstaut war, mit einem schwarzen Satinbändchen zu.

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Weitere kreative Werke sind zu finden unter CreaDienstag und UpcyclingTuesday.

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Ein Satz, der mich erfreut – Erster Teil

„Neeiiin, ich will nicht zum Tanzen, ich will zu Frau Krüerke! Katrin ist nicht Frau Krüerke, ich will wieder Logopädiiiiieee machen!“

Hintergrund: Mein persönliches Herzenskind, das viele Kilometer quer durch Hamburg für eine logopädische (Dreiviertel-)Stunde fuhr, hatte sich „leider“ so gut entwickelt, dass es keine therapeutische Indikation mehr gab. Bereits im vorbereitenden Gespräch, dass wir uns bald nicht mehr sehen würden, weil sie so gute Fortschritte gemacht hatte, hatte es große Tränen gegeben. Den obigen Satz zitierte die Mutter in einem Telefonat einige Wochen nach unserer Abschiedsstunde.

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Tod und Sterben – Gespräch mit einem Kind

Vor längerer Zeit schrieb ich einen Bericht über das Buch „Weltwissen der Siebenjährigen“ von Donata Elschenbroich, in dem eine der Thesen war, dass sich jedes Kind mit der Sterblichkeit auseinandersetzen sollte.
In der vergangenen Woche entspann sich zufällig ein Gespräch über Tod und Sterben mit einem Fünfjährigen, der bis vor einiger Zeit so schlecht deutsch sprach, dass längere Unterhaltungen kaum stattfanden.
Aus der Erinnerung greife ich einige seiner Äußerungen auf, das Gespräch ist an dieser Stelle nicht vollständig.

Er: „Wenn ich tot bin, komm ich dann ins Krankenhaus?“
Ich: „Nee, dann können die Ärzte im Krankenhaus nichts mehr machen. Dann kommst du, hm, in die Erde.“ Ich hatte Angst, ihm davon zu erzählen, dass er in einen Sarg genagelt wird, deshalb ließ ich es weg, was sich sofort rächte:
Er: „Iiiiieh, nein, dann krieg ich Sand in den Mund!“
Ich: „Nee, kriegst du nicht, aber du merkst dann sowieso nicht, was mit dir passiert.“
Er: „Und was mach ich dann?“
Ich: „Nichts. Die ganze Zeit: Nichts. Aber das merkst du auch nicht, weil du tot bist – dann fühlt man nicht, dass man nichts macht.“
Er: „Und morgen?“ Er meinte den auf den Tod folgenden Tag.
Ich: „Dann machst du auch nichts und spürst auch nichts davon.“
Er: „Und dann morgen?“
Ich: „Wenn du erstmal tot bist, bleibt das so.“

Er: „Müssen Mama und Papa auch sterben?“
Ich, zögerlich: „Jaaa….“
Er, mit aufgerissenen Augen: „NEIN! Aber wer gibt uns dann Essen?“
Ich: „Mama und Papa sterben bestimmt erst, wenn du schon ganz groß bist. Dann bist du vielleicht selbst ein Papa und deine Brüder auch und dann arbeitest du und verdienst Geld und dann kaufst du selbst Essen.“

Er: „Sterben auch Babies?“
Ich: „Ja, aber meistens erst wenn sie ganz alt sind, wenn sie Omas und Opas sind und noch älter.“
Er: „Sterben auch (zählt verschiedenste Personen und Berufe auf)?“
Ich: „Jaaa, aber erst, wenn sie ganz alt sind.“
Er, erschrocken: „Aber dann ist hier ja keiner mehr! Dann sind ja alle tot!“
Ich: „Nein, es sterben mal hier eine Oma oder da ein Opa und währenddessen gibt es neue Babies, die irgendwo geboren werden, und dann gibt es immer Leute – alte und junge.“

Wir fuhren mit unserer Aufgabe fort.
Am Ende der Stunde, als wir seine Mutter herein riefen:
Er: „Mama, du musst sterben! Weißt du das?“
Sie: „Jaaa, weiß ich.“
Er: „Willst du das?“
Sie: „Nein, aber alle müssen sterben, auch wenn das keiner will.“

Zum Glück nahm die Mutter es ganz gelassen, dass sich ein Gespräch über ein derart „schwieriges Thema“ ergeben hatte – aber wenn es dran ist, ist es dran.

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Dicht dran

 

Wir haben die erdige, dreckige Geschichte von Menschen und dem liebenden Gott zu erzählen,
und nicht die keimfreie Version.

Otis Moss

 

 

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Zitat gefunden unter evangeliums.net

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Niveauvolle Unterhaltung mit Rezept-Ideen

Wie bereits beschrieben, saß ich in der Zeit zwischen den Feiertagen öfter auf dem Sofa vor dem Fernseher, was ich sonst nie tue. Aber manchmal ist der Kontrast zum Alltag in den Ferien dadurch besonders spürbar, dass plötzlich Zeit für all die Dinge bleibt, die sonst ausgespart werden. So ließ ich mich vom Fernsehprogramm verführen, während ich per Hand nähte und Fleißarbeit vollbrachte.
Neben dem launigen Büttenwarder entdeckte ich im NDR die Wiederholung einer Sendereihe namens „Von und zu lecker“. Dabei handelt es sich, kurz gesagt, um eine Abwandlung des „Perfekten Dinners“ – in diesem Fall mit Niveau und Lerneffekt und ohne den unsympathischen Sprecher:
Sechs adelige Landfrauen laden sich gegenseitig ein und kochen jeweils ein regionales, saisonales Menü. Während dessen führen die jeweiligen Männer (oder ein anderes Familienmitglied) über den Hof und teilweise durch das angrenzende Dorf, um allerhand Wissenswertes zu Architektur und Historie zu erzählen.
Herrlich: Alle sind gebildet, gut gekleidet, freundlich und herzlich. Sie haben Geschmack, geben sich Mühe mit der Auswahl von Nahrungsmittel, Zubereitungsart und Tischdekoration und sind dabei bodenständig geblieben. Alle Gerichte werden gelobt, die Gastgeberin wird durchweg positiv in ihrem Auftreten bewertet, nur der Kommentar „Das Fleisch war meiner Empfindung nach etwas trocken“ fällt mehrfach.
Im Übrigen: Harmonie und Ästhetik aller Orten. So mag ich das.

Unter dem oben farbig abgesetzten Namenszug ist die entsprechende Seite der NDR-Mediathek zu finden, unter der die Videos abrufbar sind.
Viel Freude damit und gute Unterhaltung!

 

 

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