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Ehrgeiz, der: Produktive Unzufriedenheit mit zielgerichteten Träumen

Außergewöhnlich und in Hamburg nur auf einer einzigen Wiese heimisch: Der Bienenkäfer

 

Schon immer lebe ich mit einer gesunden Portion Ehrgeiz. Mit dem Hintergrund zu verschwimmen oder ein Dasein als fleißige, aber unsichtbare Arbeitsbiene zu verbringen, war nie mein Ziel. Mit viel Energie, ordentlich „Pfeffer im Arsch“ und ständig neuen Ideen gesegnet ist Langeweile für mich ein Fremdwort.
Bereits anderthalb Jahre nach meinem Berufseinstieg als Logopädin war ich völlig angeödet und habe mich mit Mitte zwanzig gefragt, ob das jetzt schon alles gewesen sein soll? Als Logopädin ist einem ein Dasein als Fleißbiene zugedacht, Karrieremöglichkeiten gibt es nicht. So tobte ich mich im Ehrenamt aus, versuchte mit genähten Kreationen ein zweites Standbein aufzubauen und fing in der Praxis mit inoffiziellem Qualitätsmanagement an.
Der Wechsel in eine andere Praxis reichte mir nicht, der Horizont als Logopädin verbunden mit skandalös niedrigem Gehalt war mir einfach zu eng. Nach zwei Jahren der beruflichen Neuorientierung voller Seminare und Projekte bin ich das erste Mal auf einem Arbeitsplatz gelandet, der mit meinem Tempo Schritt hält. Zum Ende meiner Probezeit bin ich grade ins Nachbarbüro umgezogen, um in einen neuen Aufgabenbereich mit mehr Verantwortung eingearbeitet zu werden. Zum ersten Mal in meinem Leben fallen mir Konzepte und Projekte in den Schoß. Bisher musste ich immer darum kämpfen, vorwärts zu kommen und Entwicklungsmöglichkeiten zu nutzen. Auf einmal trägt mein Einsatz Früchte. Plötzlich erlebe ich eine Welle von Erfolg und Anerkennung, über die ich sehr dankbar bin. Und die mir Dimensionen eröffnet, von denen ich bisher nur träumen konnte.

Parallel irritiert es mich immer wieder und immer mehr, wie wenig beruflichen Ehrgeiz viele Freundinnen und Bekannte haben. Die meisten sind mit ihrer Familie völlig ausgelastet, denn der Trend in meinem Umfeld geht gerade zum Viertkind. Bei einigen weiß ich, dass sie deshalb weiter Kinder bekommen, weil sie keinerlei berufliche Perspektiven haben. Alle meine Freundinnen arbeiten im sozialen Bereich – auf das kleine Gehalt bei immenser nervlicher Belastung verzichten logischerweise viele dankend.
Davon unabhängig macht es mich sprachlos, wenn ich vorsichtig nach Träumen und Plänen nach der Kinderzeit frage und „Nichts“ als Antwort erhalte. In meiner Erinnerung hatten alle Freundinnen zu Studien- und Ausbildungszeiten klare berufliche Wünsche. Ich verstehe vollkommen, dass Frauen zwischen Stillen und Einschulung völlig absorbiert von ihrer Mutterschaft sind. Aber danach?

Vielleicht ist mein gesunder Ehrgeiz gar nicht so normal, wie ich immer dachte. Vielleicht ist meine „produktive Unzufriedenheit“ etwas Persönliches und nichts Universelles. Vielleicht sind viele mit dem Status quo zufrieden. Vielleicht brennen nicht alle für ihre Arbeit. Vielleicht brauchen nicht alle ständig neue Pläne und Herausforderungen, um sich lebendig zu fühlen. Und vielleicht entwickeln sich Prioritäten im Leben ursprünglich Gleichgesinnter immer weiter auseinander.

 

Flieg, kleiner Bienenkäfer, flieg ins Weite!

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Die Dahlien-Dame

 

Im wunderbaren Morgenlicht halte ich schnell den Dahlienstrauß fest. Ich habe ihn aus Dahlien, Statizen und einem pinkfarbenen Phlox aus dem Garten gebunden. Der Strauß wird begleitet von einer feinen Dame und frischen Pflaumen in Bauernsilber.
Dahlien wirken auf mich mit ihren klaren Farben, der geballten Pflanzenkraft und den gefüllten Blüten immer wieder begeisternd und voll Energie.

 

 

I love dahlias because of their bright colours and the pure energy of their flower heads. Together with a young Lady and plums in a lustrous bowl the arrangement pleases me a lot.

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aufmerksam, feminin, kreativ

Das Märchen von der Knopfkiste, die sich quer über eine Strickjacke ergoss

 

Es war ein Mal eine Frau, die liebte schöne Pullover und Strickjacken. Leider gab es nur selten attraktive und hochwertige Oberteile, sodass die junge Frau sich oft etwas einfallen lassen musste, um gut gekleidet und gewärmt zu sein. Eines Tages entdeckte sie eine Strickjacke von guter Qualität und langweiliger Farbe. Auch der Ausschnitt wirkte gar zu streng, sodass die Frau ihre Schere nahm und -schnipp, schnapp- den Kragen zerschnitt. Dafür steppte sie ein farblich passendes Ripsband auf und befestigte darauf eine helle Baumwollspitze. Viele bunte Knöpfe fanden ihren Weg auf die Strickjacke, und auch ein Kolibri ließ sich dort nieder.

 

 

Am Ende schaute die Frau zufrieden auf die Strickjacke, die nun ihren ganz eigenen Zauber zeigte. Weit entfernt von Langeweile und Massenware. Und wer sie fragte, woher all die schönen Knöpfe kamen, der schenkte sie einen.

 

 

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Artikel im „Hamburger Abendblatt“ über meine Atemreisen

Um juristisch auf der sicheren Seite zu sein, zeige ich hier nicht den originalen Artikel, sondern einen Einblick in den internen „Hauskurier“

In der aktuellen Wochenendausgabe der größten Hamburger Tageszeitung ist ein Artikel über meine „Atemreisen“ erschienen.
Am 20. Juni fand die Atemreise „Ausflug ins Freibad“ statt, während dessen notierte die Journalistin ihre Eindrücke zum Konzept und fotografierte. Anschließend folgte ein Interview mit mir und seitdem war ich gespannt, wann und wie der Bericht abgedruckt wird.
In der Senioren-Residenz, in der meine Kurse stattfinden, leben fitte Damen und Herren in hochpreisigen Appartements und genießen ein äußerst umfangreiches Programm: Von kulturellen Angeboten über sportliche Kurse, Ausflüge und kreative Treffen ist täglich eine Menge los.

Martina Petersen, die Journalistin, hat mir erlaubt, den Text hier zu veröffentlichen. Vielen Dank!

Mit ihren interaktiven Atem- und Lockerungsübungen begeistert die ausgebildete Logopädin Marie Krüerke (33) auch gesundheitlich eingeschränkte Bewohner in der Kursana Residenz Hamburg.

„Atemreisen“ für Senioren

In der Mitte des Stuhlkreises ist aus Badelaken, Sonnenhut und Backförmchen liebevoll eine typische Strandszene aufgebaut. „Erinnern Sie sich noch daran, wie Sie in Ihrer Jugend an den Badesee gefahren sind?“, fragt Marie Krüerke (33) in die Runde. Die acht Bewohner, die heute zur „Atemreise“ in den Gymnastiksaal der Kursana Residenz Hamburg gekommen sind, nicken eifrig. „Dann schließen Sie kurz die Augen und tauchen Sie ganz in die schöne Erinnerung ein“, sagt die ausgebildete Logopädin, die seit einem halben Jahr in der sozialen Betreuung der Niendorfer Senioreneinrichtung arbeitet. Während sich auf den Gesichtern der Senioren ein Lächeln ausbreitet, startet Marie Krüerke fröhlich eine Phantasiereise, in die sie spielerisch eine Vielzahl therapeutischer Übungen eingebaut hat.
„Viele alte Menschen sitzen einen Großteil des Tages. Der Brustkorb fällt ein, Schultern und Nacken sind oftmals verspannt. Die nach vorn geneigte Haltung wird durch das Gehen am Rollator noch verstärkt“, sagt sie. „Mein Ziel ist es, die Bewohner in eine angenehm aufgerichtete Haltung zu bringen, damit die Lunge wieder Raum zum Atmen bekommt. Da ich auch kognitiv eingeschränkte Senioren ansprechen möchte, tauchen wir gemeinsam in eine Szenerie ein, mit der alle eine möglichst positive Erinnerung verknüpfen.“ So führten die Phantasiereisen, an der auch zahlreiche hochbetagte und demenziell erkrankte Senioren regelmäßig teilnehmen, bereits auf einen Bauernhof, in den Botanischen Garten oder in den Zirkus.
„Der liebevolle Zuspruch, den wir in dieser Runde bekommen, motiviert mich enorm“, sagt Bewohnerin Hella Ebert (99), die alle Übungen im Sitzen ausführt. Mobilere Senioren stapfen indes an der Seite von Marie Krüerke mit kräftigen Schritten im Kreis auf einem imaginären Kiesweg zum Badesee. Dann pusten alle mit kräftigen Atemzügen einen Schwimmreifen auf, wiegen sich mit ihm in den Hüften und tauchen mit weiten Schwimmbewegungen ins erfrischende Nass ein. Spätestens jetzt sind die Senioren mit allen Sinnen in der fröhlichen Szenerie angekommen, viele seufzen genüsslich. Selbst anstrengende Bewegungen wie das Dehnen der Flanken bei den anschließenden Kraulbewegungen führen sie mit einem Lächeln auf den Lippen aus.
Nachdem ein Theraband als Badelaken zum kräftigen Abrubbeln des Wassers vom Körper fungierte, verteilt Marie Krüerke zur Entspannung an alle Seifenblasen. Ilse Erdmann (97) pustet mit entspannten tiefen Atemzügen wie an einer Perlenkette eine Vielzahl bunt schillernder Blasen in den Raum. „Das habe ich schon als Kind sehr geliebt“, sagt sie glücklich.
„Die Senioren-Generation, die bei uns lebt, hat ihr Leben meist mit großer Disziplin bewältigt und war auf Durchhalten programmiert. Viele Frauen waren ihr Leben lang in erster Linie für ihre Kinder und die Familie da“, sagt Marie Krüerke. „Ich freue mich, wenn ich ihnen jetzt spielerisch solche Wohlfühlmomente in der Gemeinschaft vermitteln kann. Es berührt mich sehr, wie viel Dankbarkeit sie mir dafür entgegenbringen.“
Anschließend sollen sich die Kursteilnehmer vorstellen, mit einem Blasebalg begleitet von kräftigen „f-t“-Lauten zur Stimulierung des Zwerchfells eine Luftmatratze aufzupumpen. Nachdem sie sich in der Vorstellung Sonnenmilch ins Gesicht einmassiert haben, wird mit ausholendem Zungenkreisen ein imaginiertes Eis geschleckt. „Hmmm! Lecker Schokoladeneis“, ruft Ursula Krönke (88) begeistert. Durch die ganzheitliche Körperaktivierung bei den „Atemreisen“ wird die Lunge gestärkt, die aufrechtere Haltung unterstützt die Position des Kehlkopfes im Hals und die Stimmlippen können besser schwingen. So können sich zum Abschluss alle daran freuen, mit deutlich belebter Stimme einige Sommerlieder anzustimmen.
„Ich war nach einer schweren Lungenentzündung gesundheitlich sehr angeschlagen“, erzählt Ursula Krönke, die zusammen mit ihrem Mann regelmäßig an den „Atemreisen“ teilnimmt. „Durch diese Übungen habe ich wieder mehr Weite im Brustkorb und bekomme viel besser Luft. Und ich bin auch motivierter, allein für mich Atemübungen zu machen.“

Inzwischen habe ich mein Konzept für eine Fachzeitschrift aufbereitet und werde berichten, sobald dort der Abdruck erfolgt.

Wer mehr zu den Atemreisen wissen möchte:

Grundlagen des Konzepts
Atemübungen mit dem ganzen Körper genießen
Spielen verboten! Ich bin doch schon neunundachtzig!

Bei Madoo habe ich die ersten Atemreisen hier veröffentlicht.

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Hamburgs heimliche Höhepunkte: Spaziergang entlang des Leinpfads

 

Für HamburgerInnen ist der Leinpfad natürlich kein Geheimnis. Alle Zugezogenen und TouristInnen, die in Ruhe Hamburgs Schönheit genießen wollen, finden hier ideale Bedingungen: Die letzten anderthalb Kilometer der Alster, die sie als Fluss vor der aufgestauten Außenalster verbringt, winden sich malerisch zwischen historischen Klinkervillen und weißen Patritziergebäuden.

 

 

Historische Architektur ist auch an den malerischen Brücken und ihren künstlerischen Geländern und Lampen zu entdecken.
Hier ist die Leinpfadbrücke am Beginn der Straße abgebildet. Wer mag, startet den Spaziergang an der Hudtwalkerstraße nahe der gleichnamigen U-Bahn-Station. Auch von der U-Bahnstation „Kellinghusenstraße“ und der Bushaltestelle „Eppendorfer Marktplatz“ ist das nördliche Ende des Leinpfads schnell erreicht.

 

 

Mit dem Alsterdampfer lässt sich die Alster entlang des Leinpfads ebenso befahren wie mit Tretbooten, Kanus und Boards zum Stand-Up-Paddeln.
Mögliche Haltepunkte mit dem Alsterdampfer sind die Stationen „Winterhuder Fährhaus“ und „Streekbrücke“.

 

 

Angler nutzen die Stationen des Dampfers an der Haltestelle „Streekbrücke“, während im dahinter liegenden Park Kleinkinder ihre ersten Schritte wagen und Hunde sich austoben.

 

 

Schöne Blicke in die Gärten laden zum Stehenbleiben ein.
Ich überlege hier immer, welche Villa mir am besten gefallen würde…

 

 

Manche Häuser erinnern an den Stil der Seebäder und die Sehnsucht nach Urlaub kommt auf.

 

 

Andere Gebäude, wie hier das Kloster St. Johannis, wirken wie englische Gutshöfe.
Seit vielen Jahrzehnten wohnen dort alleinstehende ältere Damen.

 

 

 

Die Gebäude umgibt ein großer Garten voller Obstbäume. Brombeeren ranken sich entlang der U-Bahn-Trasse bis hinunter ins Wasser. Ruderbootfahrerinnen halten gern und naschen die Brombeeren direkt vom Strauch.
Direkt am Leinpfad wachsen auf dieser Höhe üppige Mirabellenbäume mit dunkelroten und gelben Früchten.

 

 

Gleich nebenan liegt die Kirche „St.Johannis“, eine der beliebtesten Hochzeitskirchen Hamburgs. Jedes Jahr, wenn im Advent mit der Vorführung des Krippenspiels besonders unruhige Zeiten im Gottesdienst anbrechen, wandern wir in diese Kirche aus. Das Innere wirkt wie eine alte friesische Inselkirche und strahlt puren Frieden aus.

Wer mag, läuft von hier aus entlang der Alster weiter Richtung Norden zum Hayns Park und der wunderschönen Meenkwiese. Diverse Cafés und Eislokale laden am Winterhuder Markt oder an der Eppendorfer Landstraße zum Auftanken ein. Den entsprechenden Spaziergang habe ich hier vorgestellt.

 

 

 

 

Wer sich in entgegen gesetzter Richtung von der Hudtwalkerstraße Richtung Süden befindet und Stärkung benötigt: Das Café „Par Ici“ an der Kreuzung Leinpfad / Maria-Louisen-Straße ist bei jedem Wetter sehr beliebt und zieht das ganze Jahr Gäste an.

 

 

Alle, die am Winterhuder Fährhaus gestartet und der Alster stromabwärts gefolgt sind, kommen am nördlichen Ende der Außenalster an. Wer über die Krugkoppelbrücke geht, kann entlang des Alstervorlands durch´s Grüne bis in die Innenstadt laufen.

Weitere heimliche Höhepunkte Hamburgs:
Rund um das Bergedorfer Schloss
Spaziergang zum Wellingsbüttler Torhaus
Grüne Perlen entlang der Alster

Ausflug außerhalb Hamburgs: Am Dassower See und Pötenitzer Wiek entlang zur Ostsee

 

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Hamburger Stillleben

 

Ein Hamburger Stillleben in der Küche:
Blumen vom Straßenrand und von der Alster, Apfel aus dem Innenhof, Tomaten vom Balkon, einzelne Rudbeckia-Blüte vor dem Blumenladen aufgesammelt gerettet.
Und schwupp-diwupp zeigt sich das pralle Leben.

My arrangement in the kitchen shows what´s surroundig us in Hamburg:
Flowers from the roadside and the riverside of Alster, an apple from our backyard, tomatoes from our balcony and a Rudbeckia that I´ve found in front of the florist´s.

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Blazer aufpeppen mit Struktur und Farbe

 

In meinem Lieblings-Second-Hand-Geschäft habe ich mal wieder einen ungetragenen Schatz gefunden. Wie so oft war der Schatz mir zu groß – wenn es nur Einzelstücke gibt, muss ich mir nach dem Verlieben eben überlegen, wie ich das Kleidungsstück auf meine Maße anpasse.
Vielleicht kennen andere auch solche Erlebnisse, daher teile ich meine Vorgehensweise und hoffe, inspirieren zu können.

 

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Da die Jacke deutlich zu groß war (Größe L statt S), reichten definitiv keine Abnäher.

Als erstes nähte ich ein buntes Band vom Stoffmarkt auf, das hatte eher psychologische Gründe: Es ging schnell und sah schon viel fröhlicher als vorher der einfarbige Blazer aus, das gab mir Schwung für die schwierigen nächsten Schritte.
So steppte ich beide Hälften des Vorderteils mit zwei Zickzacknähten ab (oben zu sehen).
Zwischen den Zickzacknähten schnitt ich den Stoff heraus (unten).
Dann nähte ich die beiden offenen Kanten, die ja durch die erste Runde Zickzack gesichert wurden, mit einem breiten Zickzack zusammen.
So hatte ich die überflüssige Weite gut eliminiert.

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Die unschöne Zickzacknaht versteckte ich, indem ich in sehr mühseliger Handarbeit farblich passende Wolle in Schlaufen legte und mit der Hand festnähte.
Diesen puscheligen Effekt hatte ich mir passend zum Strukturgewebe des Blazers ausgedacht, und es gefällt mir sehr gut.

 

 

Auf der Rückseite wiederholte ich das Spiel von der Vorderseite. Einen farblich passenden Stoffrest schnitt ich in Streifen, bügelte die offenen Kanten nach innen und verwendete ihn zum Verstecken des Zickzacks.
Wesentlich schneller fertig gestellt als die fransige Wolle, die ich nicht am Rücken haben wollte – das hätte wahrscheinlich beim Anlehnen gestört.

 

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Wer hat die Deutungshoheit?

 

Das Schöne an unserer Welt ist, dass Jede in Freiheit ihr eigenes Dasein mit Leben füllt. Und Jede die täglichen Erlebnisse auf ihre eigene Art deutet.
Wer etwas dagegen hat, dass Jede ihren eigenen Wünschen gemäß lebt und sich entfaltet, sind oft „alte weiße Männer“. Sie erheben einen Anspruch auf Deutungshoheit, auf Wissen, auf Entscheidungsmacht und Moral. Ihnen gegenüber stehen Frauen aller Couleur, Kinder, nicht-weiße Männer sowie Menschen mit interessanten Lebensentwürfen jeder Art. Natürlich gibt es auch jede Menge „junge weiße Männer“, die anderen diktieren, wie sie zu leben haben. Genauso wie „farbige Männer“, die mit Menschenrechten sehr lax umgehen.
Grundsätzlich interessant ist und bleibt, dass „alte weiße Männer“ bis heute unsere Gesellschaft bestimmen. Sie legen die Regeln fest. Sie lassen aufsteigen, lassen feuern, schreiben die Tageszeitungen (und stellen Frauen am liebsten mit 24% weniger Gehalt verglichen mit gleichwertigen männlichen Posten ein), lehren an Universitäten, fällen Urteile, regieren Kirchen.
So weit alles bekannt, auch wenn es sich insbesondere männliche Leser in diesem Ausmaß nur selten vor Augen führen – während Frauen es oft genug als Alltagssexismus erleben.

Das wirklich Interessante ist, dass sich die meisten „alten weißen Männer“, die ich kenne, nicht als solche bezeichnen würden. Und schon gar nicht als Gruppe zusammen gefasst werden wollen. Denn sie fühlen sich aufgeklärt und kritisch, sie fühlen sich liberal und modern. Am besten schreiben sie mir noch Leserbriefe und erklären mir väterlich die Welt, im Glauben, sie seien reflektiert und weltgewandt.
Nein.
Sie sind, auch wenn sie es tausendfach verneinen, Teil der Übermacht der „alten weißen Männer“, die bis heute die Welt regieren. Und da natürlich nicht alle die Welt regieren können, dirigieren sie wenigstens ihre Familie und ihre Abteilung.
Wer nicht auf ihre Weisheiten hören will, die sie ungefragt verteilen, wird abgestraft.

Daher heute meine persönliche „Hitliste blöder Sprüche von alten weißen Männern“:
„Was willst du denn jetzt ein Freiwilliges Soziales Jahr machen, wenn du nach dem Studium sowieso heiratest und Kinder bekommst? Reine Zeitverschwendung.“
„Das hat sich Gott so nicht gedacht.“
„Das wirst du noch bereuen.“
„Das halte ich für SEHR gewagt. Beruflich solltest du in eine ganz andere Richtung gehen, das wäre wesentlich solider.“
„Wirklich traurig, dass du keine Kinder bekommen willst. Aber sicher kommt der Wunsch später doch. Sonst wird es dir eines Tage sehr fehlen.“

 

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Sommerliche Lebensfreude

 

Ein genussvolles Stillleben mit Zutaten frisch vom Markt.
Wer diese schöne Momentaufnahme nachmachen möchte, zum Beispiel als Tischdekoration, sollte kleine Wasserbehältnisse unter die kurz geschnittenen Stängel stellen – Fingerhüte zum Beispiel. Den gesamten Teller unter Wasser zu setzen empfiehlt sich nicht, da die Früchte bei der Wärme schnell faulen.
Grundsätzlich verkürzt die Nähe von Obst die Haltbarkeit der Blüten durch das austretende Reifegas. Entsprechend eignet sich das Stilleben nur für eine zeitlich begrenzte Dekoration…
Wie die Momentaurfnahmen alter holländischer Meister, die reifes Obst und üppige Blüten in ihren Ölschinken festhielten (während schon die Käfer krabbelten, ähem).

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