aufmerksam, glaubhaft

Durstig

„Gott,
von dir kommt das Wasser des Lebens,
du selbst bist das lebendige Wasser.
Gib mir davon zu trinken,
damit die Wüste in mir
und um mich herum
grün werde und zu blühen beginnt.“

Irene Löffler

 

IMG_7689

 

„Wie ein Hirsch lechzt nach frischem Wasser,
so sehn` ich mich Herr, nach dir.
Aus der Tiefe meines Herzens
bete ich dich an, oh Herr.
Du allein bist mir Kraft und Schild,
von dir allein wird mein Geist erfüllt.
Aus der Tiefe meines Herzens
bete ich dich an, oh Herr.“

Lied aus dem Englischen,
Quelle unbekannt

aufmerksam, feminin

Typberatung einmal anders

Vor sehr vielen Jahren habe ich meinen Jahresurlaub gespart, um die Zeit für eine Ausbildung zur Farb- und Stilberaterin zu nutzen. Damals reiste ich als überzeugter Frühlingstyp an und musste mich zu Beginn mit meinem Los, ein Sommertyp mit warmen Anteilen zu sein, erst anfreunden. Zu der Zeit trug ich seit Längerem Orangetöne in sämtlichen Varianten und liebte Maigrün heiß und innig. Da ich dazu oft Naturtöne kombinierte, die aus dem Spektrum des Sommers kamen, fiel es meist nicht weiter auf, dass ich zwar warme und kühle Anteile in mir vereine, die kühlen jedoch deutlich überwiegen. Mit der Zeit dunkelten meine honigblonden Haare immer mehr nach, sodass ich mich auf das Urteil der Ausbilderin verließ: Jetzt ist Jetzt, und wenn meine Haare noch vor drei Jahren deutlich warm-golden waren, so lag diese Tatsache nun einmal in der Vergangenheit.
In meiner Jugend war ich dem Irrtum aufgesessen, dass mir sympathische Farben auch zu mir passende Farben sind – und dass die Selbstdiagnose einer damals Sechzehnjährigen nicht unbedingt die Wahrheit trifft, versteht sich wohl von selbst. Nach wie vor erkenne ich mich in meinem damaligen Erleben wieder, am liebsten klare, leuchtende, vitale und durchsetzungsstarke Farben zu wählen. Es entspricht meinem Temperament und dem Wunsch, frei und tatkräftig zu sein.
Auch heute noch wählte ich diese Farben um ihrer Aussage willen, wenn ich nicht längst wüsste, dass sie sich mit meinem Teint einfach nicht vertragen: Je mehr ich arbeite, und das stets drinnen, weshalb meine Haut sehr hell bleibt, fast nie bräunt und meine Haare nur noch selten goldene Strähnen von der Sonne bekommen; desto wichtiger ist es, mich in den Farben des Sommertyps zu bewegen und die warmen Anteile dosiert einzusetzen.
Wie jede Person, die eine Farbberatung erlebt hat, musste ich mich zu Beginn streng umerziehen, beim Kleidungskauf die richtigen Farben zu wählen und das „Hinterher-Weinen“ nach dem, was ich früher trug, bald bleiben zu lassen.
Längst erlebe ich, dass meine Ausstrahlung keineswegs darunter leidet, wenn ich kühle Farben trage – im Gegenteil, da ich sehr offen und herzlich agiere, tun mir die distanzbetonenden Nuancen oft gut. Speziell im professionellen Umfeld genieße ich es, zu besonders „hakeligen“ Terminen in kaltem Anthrazit und elegantem Petrol zu erscheinen. Ich liebe Power-Dressing – es gibt nichts Besseres, als sich Durchsetzungskraft buchstäblich anzuziehen.

Da die eigene Wohnung mit meinem Teint nichts zu tun hat, darf ich hier sämtliche Apricot-Töne, alle Arten von warmem Braun, sattes Gelb und frisches Grasgrün einsetzen. Im Herbst gibt es mehr Kissen und Sofa-Polster in abgestimmten Rostrot- und Orange-Nuancen, als ich sie jemals am Körper tragen könnte. Ich vermisse also nichts.

 

P1080031

 

Dennoch passiert es manchmal, dass traumhaft schöne Kleidung genau in den für mich falschen Farben hergestellt wird – gut für all die Frühlingstypen, von denen ich hoffe, dass sie es zu schätzen wissen… Aber schade für mich, wenn es ausgerechnet diese Bluse oder dieser Pulli nicht in einer Sommer-Typ-tauglichen Variante vorhanden ist.
Da ich zu Gunsten der Umwelt und meines schmalen Gehalts vorrangig Second-Hand kaufe, ist es einfach Glück oder Pech, was gerade im Angebot ist. Ein schönes Stück gibt es grundsätzlich nur einmal in genau diesen Farben, entweder es harmoniert oder eben nicht.
Vor Kurzem entdeckte ich diese zauberhafte Bluse in meinem Lieblings-Second-Hand-Geschäft und musste sie leider dort lassen, weil sie derart warmtonig ist, dass ich sie im Leben nicht tragen kann. Ihr wunderbares Muster ließ mir jedoch während der Flitterwochen keine Ruhe, sodass ich sie, in Hamburg wieder angekommen, doch kaufte.
Nun trägt meine Schneiderbüste, genannt „die Dame“ dieses traumhafte Muster, das aus jedem Pigment „Sommerzeit!“ trompetet. „Die Dame“ steht im Schlafzimmer und hat normalerweise unfertige Kreationen von mir am Leibe, nun dient sie der Dekoration.
Ich freue mich jedes Mal, wenn ich sie morgens anschaue und das perfekt komponierte Blumenmuster genießen kann…

 

P1080040

aufmerksam

Korkenzieher-Weide mit duftigem Violett zu Füßen

P1070933

P1070938

 

Im Blumenladen herrscht derzeit die Farbe Violett – eigentlich hatte ich mir etwas Anderes vorgestellt, aber die Chrysanthemen und Alstromerien harmonierten farblich, sodass es hier „doch schon wieder“ feminine Farben auf der Fensterbank gibt.

Die Korkenzieher-Weide steht in meiner sehr geschätzen Vase aus Überfang-Glas, beide befinden sich sonst in der Küche. Dort fülle ich die Vase im Laufe des Jahres mit verschiedenen trockenen Ästen, weil ich natürliche Materialien (die gleichzeitig pflegeleicht sind…) sehr mag.

 

P1070949

Wie jeden Freitag sind mehr schöne Blumen bei Holunderblütchen zu finden, und auch in Schweden sind zauberhafte Sträuße zu bewundern.

aufmerksam, glaubhaft

Sinnvoll

 

 “Das größte Geschenk, das die Kirche der Welt machen kann,
liegt darin,
eine Gemeinschaft von emotional erwachsenen Menschen zu werden,
die gelernt haben, wie man liebt.”

Peter Scazzero

 

IMG_8805

 

Auf dem Indischen Ozean vor Zanzibar, kurz vor dem Sonnenuntergang

 

aufmerksam, feminin, kreativ

Bluse mit grün-blauem, blumigen Schrägband

Diese Bluse habe ich schon lange und bereits ganz zu Beginn mit Änderungen an der eigenen Nähmaschine meinem Körper angepasst. Verziert hatte ich sie mit einem schimmernden Spitzenband, das in zwei Farben matt glänzte – je nach Lichteinfall trat einer der beiden Töne in den Vordergrund.
Wie es manchmal so ist, gefiel mir der erste Versuch nach ca. 2 Jahren nicht mehr. Kein Problem, eigene Kreationen sind immer ohne Gewähr, also gestaltete ich die Bluse um. Der Stoff ist aus zwei verschiedenen blauen Fäden in einem dezenten Muster verwebt, wodurch die Bluse lebendig wirkt und eine feste Qualität bekommt. In meinem Fundus warten seit längerem sehr schöne Schrägbänder aus Baumwoll-Batist, die derart großartig sind, dass die Verwendung wohl überlegt sein musste.
Nun erfuhr die Bluse eine neue Verwandlung mit den wertvollen Schrägbändern und gefällt mir wieder sehr gut.
Oft braucht es keine neue Kleidung sein  – das Vorhandene mit einer neuen Note trägt sich so bequem wie früher und war nie frischer als heute.

 

P1080056

P1080049

 

Mehr kreative Ideen gibt es wie jeden Dienstag auf CreaDienstag und bei Meertje.

 

aufmerksam, feminin, glaubhaft

Was bedeutet heute Mannsein?

Zwischen Gleichberechtigung und Mannsein:
BRIGITTE-Autor Till Raether hat die Schnauze voll vom Gejammer seiner Geschlechtsgenossen.

Im folgenden Zitate aus dem Artikel, der hier komplett zu finden ist.

Eigentlich müssten die Männer mir leidtun. Denn es heißt ja, Männer neigten zum Selbstmitleid. Und ich werde ständig dazu eingeladen, mich in meiner Eigenschaft als Mann selbst zu bedauern: keine Woche, in der nicht ein Zeitschriften-Aufmacher erscheint oder ein Fernsehbeitrag läuft, in dem es um „Männer in Not“ geht, um „Schlappe Männer“, um Männer, die von den emanzipierten Frauen beruflich, gesellschaftlich und sexuell abgehängt werden, Männer, die mit ihren Chefinnen nicht zurechtkommen und die sich durch die Frauenquote bedroht fühlen. Männer, die finden, dass jetzt auch mal gut ist mit Frauenförderung und Gender-Mainstreaming. Ganz zu schweigen davon, dass wir armen Männer ungesünder leben, zu spät zum Arzt, viel zu spät zum Therapeuten gehen und früher sterben. Männer sind „in Gefahr“, Männer sind „verunsichert“, ja, es droht das „Ende der Männer“. Eigentlich müsste ich mich als solcher bedroht oder zumindest angesprochen fühlen. Tue ich aber nicht. Oder höchstens, indem ich darauf reagieren möchte mit einer einfachen Mitteilung: Es reicht mir. Weder möchte ich von irgendjemandem Mitleid, Zuspruch oder besondere Fürsorge, weil ich Mann bin. Noch habe ich Mitgefühl für jene Männer, die sich jetzt über den „Siegeszug der Frauen“, die „Gleichmacherei“ und ihren Machtverlust beschweren oder deren Verunsicherung von anderen beklagt wird.

(…)

Aus meiner Sicht hat etwa ein großer Teil der Männer überhaupt kein grundsätzliches Problem mit der Emanzipation der Frauen, mit gelebter Gleichberechtigung, mit alltäglicher Aufgabenverteilung jenseits ollster Gender-Klischees. Klar, diese Männer kämpfen und arrangieren sich und stecken zurück und sind zuweilen erschöpft und genervt, aber: Damit geht es ihnen genau wie den Frauen, so geht Leben. Ich nenne diese Männer zur leichteren Erkennbarkeit mal die „Jetzt-Männer“. Wir sind in dem Bewusstsein aufgewachsen, dass es keine lebenswerte Alternative zur bedingungslosen Gleichberechtigung gibt, weil alle mehr Freiheit und mehr Freude am Leben haben, wenn alles geteilt wird.

(…)

In der aktuellen Debatte werden diese verschiedenen Gruppierungen aber immer schön zusammengerührt. Wer sind denn die „Männer in Not“? Jetzt-Männer brauchen kein Mitleid, weil die Art, wie sie leben, selbst gewählt ist, mit allen Frustrationen, allen Herausforderungen und Rückschritten. Und die anderen, die Vielleicht-Männer und die Ur-Männer? Ganz ehrlich, ich habe keine Lust mehr und kein Interesse daran, Mitgefühl und Verständnis für gesellschaftliche Gruppen zu haben, die sich einer so elementaren (und im Übrigen, wie es immer so schön heißt, „grundgesetzlich verankerten“) Tatsache wie der Gleichberechtigung widersetzen. Egal, auf welche Art: durch Blockieren, Nörgeln, passiven Widerstand, Zoten, Selbstzerstörung oder weinerliche und zugleich selbstbeweihräuchernde Väter-Bücher. Warum soll ich mich, erstens, mit diesen Leuten in einen Topf werfen lassen, und warum soll ich, zweitens, mich darum sorgen, ob sie von der gesellschaftlichen Entwicklung „abgekoppelt werden“, ob sie noch „mitkommen“ oder ob sie das alles „überfordert“? Sie sind doch selber ausgestiegen. Lasst sie doch. Schwierig ist der Weg mit ihnen oder ohne sie, warum also nicht gleich lieber ohne?

(…)

Wenn ich meine Privilegien checke, habe ich mein Leben lang ein Kästchen in jeder Box machen können: weiß, männlich, heterosexuell, gebildete Mittelschicht und so weiter. Ich habe immer zu denen gehört, die am wenigsten diskriminiert werden und die andere am meisten diskriminieren. Diese Erkenntnis hat auch mein Selbstbild als Mann bestimmt: Ich weiß, dass ich den allergrößten Teil meines Lebens fast überall ein etwas besseres Standing gehabt habe, weil ich als Mann in einer Männerwelt agiert habe. Jetzt aber wandelt diese Männerwelt sich langsam zu einer Menschenwelt, und plötzlich soll ich betrauern, dass die Privilegien von Männern wie mir weniger werden? Ich soll besorgt sein und einstimmen in den Chor derer, die nicht damit klarkommen, dass sie abgeben und kooperieren müssen?

Nein, ohne mich, dafür habe ich gar keine Zeit. Ich bin zu sehr damit beschäftigt, die Nachmittage mit meinen Kindern, die Besäufnisse mit anderen Jetzt-Männern und die Gehaltsschecks meiner Frau zu genießen.

aufmerksam, feminin, kreativ

Glockenblumen zum Geburtstag

P1070973

Nachträglich zum Geburtstag einer Freundin habe ich einen Blumengruß in frischen Farben besorgt. Damit es persönlicher wird, band ich ein Stück Spitze um den Topf und fixierte sie an zwei Punkten mit Alleskleber. Um den Knoten wand ich eine Schleife aus Satinband und steckte ein schön geformtes Efeublatt aus dem Garten dazu.

Kreative Ideen mit Blumen sind ebenfalls auf dieser Internetseite aus Schweden zu entdecken.

aufmerksam, feminin, glaubhaft

Buchrezension: „Das Geschlechterparadox“ von Susan Pinker

Auf Zanzibar entdeckte ich in unserem kleinen, luxuriösen Strand-Resort am vorletzten Tag das Bücherregal, dessen Fund mich gut unterhielt und geistig rege hielt. Wer auch immer das Buch „Das Geschlechterparadox. Über begabte Mädchen, schwierige Jungs und den wahren Unterschied zwischen Männern und Frauen“ von Susan Pinker gelesen und dort für andere Gäste deponiert hat – es begleitete mich zum Strand und auf dem langen Rückflug.
Normalerweise schreibe ich nur über Bücher, die ich (fast) ohne Wenn und Aber empfehlen kann. Dies trifft auf den vorliegenden Band nicht zu, dennoch möchte ich mich damit auseinandersetzen.
Kurz gefasst stammt Susan Pinker aus der gleichen Familie, zu der Steven Pinker gehört – letzterer ist jeder Linguistin, Logopädin und vielleicht auch Pädagogin ein Begriff. Sie ist Psychologin und Journalistin und beschreibt sich als eine Feministin der 70er und 80er Jahre. Sie habe an die Gleichheit der Geschlechter geglaubt, bis sie festgestellt habe, dass Frauen und Männer in ihrer Genetik und Biologie fundamental unterschiedlich seien und letztendlich völlig verschiedene Lebensziele hätten, was als Folgerung darin münde, dass Männer Karriere machten und Frauen nicht. Weil Frauen nicht wollten. Oder weil sie es versuchten, schafften und dann auf dem Höhepunkt oder kurz vor dem Zenit ihres Erfolgs „etwas Sinnvolles, Soziales“ tun würden oder einfach bei ihren Kindern zu Hause sein wollen.
Elendig lange Kapitel über die Auswirkungen des bereits im Fötus wirkende Testosteron sowie die beispielhaft für das Männliche stehenden Asperger-Autisten haben mich sehr ermüdet und genervt. Dass die Dame in die gleiche Posaune bläst wie Luann Brizendine mit ihrer Denkweise über die deterministischen Auswirkungen des Körpers auf den Geist ist unübersehbar.
Doch so sehr es mich fuchsig macht, wenn eine Dame sich als Feministin darstellt, um dann zu erzählen, dass Frauen ein gemütliches Familienleben der harten Karriere vorziehen und es aufgrund ihrer Biologie auch einfach das Schlauste für sie ist: Manches hat mich zum Nachdenken gebracht.
Ich bin zutiefst der Überzeugung, dass es die viel zitierte gläserne Decke gibt, dass nach wie vor viele Männer durch Beziehungen und Gefälligkeiten Karriere machen und dass Frauen auf bestimmten Posten einfach nicht erwünscht sind. Ja, ich bin für die Quote. Völlig egal, was die Männer davon halten: Wer weiß und männlich ist, hatte mit seinen Geschlechtsgenossen so viele Jahrtausende das Ruder in der Hand, dass sie keinerlei Grund zur Beschwerde haben – weder sachlich noch emotional auf Bild-Zeitungs-Niveau.
Von daher stimme ich der Kernaussage des Buches, dass Frauen überall umfassend gefördert würden, die Männer überholten und dann im Laufe der Karriere ausstiegen, um „etwas Sinnvolles, Soziales“ zu machen, nicht zu. Es gibt hinreichend Frauen, die mehr Einfluss nehmen möchten, was ihnen bisher verwehrt bleibt; und die weit und breit keinen Mentor und keine Mentorin haben, die ihnen den Weg ins Eckbüro ebnen.

Dennoch stimmt es mich nachdenklich, dass eine der Thesen stimmt:
Männer suchen sich Jobs, die Geld und Aufstieg verheißen,
Frauen suchen sich Jobs, die erfüllend sind und auch in Teilzeit machbar.
Kurz: Männer arbeiten in Industrie und Wirtschaft, sitzen viel im Büro und verdienen viel, Frauen arbeiten eher für soziale oder staatliche Träger sowie unbezahlt für Kinder und zu pflegende Angehörige und verdienen wenig.
Das ist bedauerlicherweise eine Tatsache, egal wie blöd die sonstigen Thesen der Autorin sind. Nun behauptet sie, dass es daran läge, dass Männer einen klaren Plan in Bezug auf ihre Tätigkeit und ihr Vorankommen hätten und Frauen keine oder nur diffuse Vorstellungen von ihrer Arbeit und ihrer Zukunft. – Was dadurch unterstützt wird, dass es die Frauen sind, die für die Kinder beruflich pausieren und für die zu pflegenden Angehörigen später ebenfalls. Das bedeutet, dass vorrangig Frauen Teilzeit arbeiten, wodurch sie bezüglich des Einkommens und der Karriere weiterhin im Rückstand sind und diesen nur selten aufholen können.
Frauen handeln in ihren Entscheidungen, die ihre Arbeit betreffen, flexibler:
Sie wechseln die Arbeitsstelle, wenn es ihnen keine Freude mehr macht, wenn sie ihre Aufgaben als sinnlos empfinden, wenn sie moralisch nicht den Praktiken des Arbeitsgebers zustimmen oder wenn sie sich um die Familie (Babies, Kinder und Senioren) kümmern möchten. Damit ist klar, dass gerade Lebensläufe und strategischer Aufstieg in die höchste Chefetage selten entstehen.
Traurig für die geringe Zahl der Frauen in hohen Positionen, wo Entscheidungen für Gesellschaft, Wirtschaft und Politik fallen, aber wahr.

Nun stellt sich die Frage:
Warum hat mein Mann einen technischen, gut bezahlten Beruf, und ich bin unterbezahlte Logopädin?
Klar, weil er der mathematisch Begabte ist und ich die sprachlich Begabte.
Weil Tätigkeiten, die vorrangig von Männern ausgeübt werden, weiterhin bedeutend besser bezahlt werden als Tätigkeiten, die vorrangig von Frauen ausgeübt werden.
Pilot, Architekt, Jurist – Pädagogin, Arzthelferin, Friseurin.
Mir fällt etwas auf – das Gefälle.
Leider können wir nicht feststellen, was Ursprung und was Folge ist:
Mögen Frauen schlecht bezahlte Berufe so gern, weil sie sozial und kreativ sind,
oder sind soziale und kreative Berufe schlecht bezahlt, weil sie vorrangig von teilzeitarbeitenden und genügsamen Frauen ausgeübt werden?
So oder so gibt es eine klare Verteilung, welche Berufe von welchem Geschlecht ergriffen werden, sowie welches Geschlecht Vollzeit arbeitet und welches von einer Teilzeit-Stelle in die nächste rutscht.
Bedauerlicherweise sehe ich nicht, dass sich das langfristig ändert.
Ganz ehrlich, selbst wenn meine Ehre als Feministin auf dem Spiel steht – ich habe trotzdem keine Lust auf MINT. Und ob ich Karriere machen wollte, wenn ich könnte?
Mehr Geld möchte ich haben, um endlich angemessen honoriert statt mit Peanuts abgespeist zu werden. Mehr Einflussnahme und Gestaltungsmöglichkeiten, die nicht automatisch unbezahlt und damit „ehrenamtlich“ laufen, auch. Aber Aufsteigen, um schließlich in gehobener Verwaltungsposition zu sitzen? Das sieht für mich nach keiner Verbesserung aus.

An dieser Stelle halte ich die Frage fest, ob eine klassische Karriere überhaupt erstrebenswert ist.
Viele Frauen finden es ja offensichtlich nicht, sonst würden sie nicht Floristin oder Hebamme werden. Dennoch gibt es genug Frauen, die beruflich aufsteigen wollen und von der Möglichkeit eines erfolgreichen Lebenslaufs hin zu einer einflussreichen Position von den Entscheidungsträgern abgehalten werden.
Davon unabhängig habe ich in meiner Generation den Eindruck, dass Männer ebenfalls keine Lust auf Karriere haben – und auf den Trichter ist Susan Pinker noch nicht gekommen. In ihrem Buch wollen Männer aufsteigen und Frauen sinnerfüllt leben – in meiner Generation hat kaum Jemand Pläne, die weiter als ein paar Jahre gehen. Teilzeit wird inzwischen auch von Männern gewünscht, um mehr Raum für persönliche Interessen zu haben. Start-Ups funktionieren ebenfalls nur, wenn Menschen Ideen umsetzen und dafür ihr festes Gehalt riskieren – ein Merkmal unserer Generation bei beiden Geschlechtern. Dass Familienarbeit geteilt wird, spricht sich bei den jüngeren Männern langsam herum – viel zu langsam für eine wirkliche Revolution gegen alte Rollenbilder, aber immerhin, es ist (gemäääächlich) im Fluss. „Spaß haben und die eigenen Tätigkeiten als sinnvoll erleben“ zählt längst auch für Männer, und das jenseits von Strip-Club-Besuchen der Mittfünfziger Chefriege.

Die Generation Y gilt als vergleichsweise gut ausgebildet, oft mit Fachhochschul- oder Universitätsabschluss.[2] Sie zeichnet sich durch eine technologieaffine Lebensweise aus, da es sich um die erste Generation handelt, die größtenteils in einem Umfeld von Internet und mobiler Kommunikation aufgewachsen ist.[3] Sie arbeitet lieber in virtuellen Teams als in tiefen Hierarchien. Anstelle von Status und Prestige rücken die Freude an der Arbeit sowie die Sinnsuche ins Zentrum. Mehr Freiräume, die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung, sowie mehr Zeit für Familie und Freizeit sind zentrale Forderungen der Generation Y: Sie will nicht mehr dem Beruf alles unterordnen, sondern fordert eine Balance zwischen Beruf und Freizeit. Nicht erst nach der Arbeit beginnt für die Generation Y der Spaß, sondern sie möchte schon während der Arbeit glücklich sein – durch einen Job, der ihnen einen Sinn bietet. Sie verkörpert einen Wertewandel, der auf gesellschaftlicher Ebene bereits stattfindet, den die jungen Beschäftigten nun aber auch in die Berufswelt tragen.

Wikipedia, 13.07.2014,  20.44 Uhr

In meinen Ohren klingt es so, als seien sich die Geschlechter meiner Generation an dieser Stelle sehr einig: Das wäre uns allen in Hinblick auf den gesellschaftlichen Wandel sehr zu wünschen.

aufmerksam, Gäste & Feste, kreativ

Hochzeit: Abschieds-Gruß

P1080077

 

Als Abschieds-Gruß an die Gäste besorgte ich Blumensamen, die ich in verzierte Kuverts steckte. Die Blumenstanzer, die bereits für die Einladungen verwendet worden waren, kamen dafür wieder zum Einsatz.
Jeder Brief braucht eine Botschaft, nach einigem Überlegen kam ich auf die passende Idee:
Der Text des Lieds „In Hamburg sagt man Tschüß“ von Heidi Kabel passte perfekt – die Gäste von hier kannten das Lied und die Angereisten lernten es auf diese Weise kennen.
So druckte ich den Refrain in der Schriftart, die für die Einladungen sowie die Schilder benutzt worden war, damit es ein einheitliches Bild ergab, und klebte das Papier zusammen mit Baumwoll-Spitze auf die Umschläge.

 

P1080078

In Hamburg sagt man Tschüß
Das heißt auf Wiedersehn
In Hamburg sagt man Tschüß
Beim Auseinandergehn

In Hamburg sagt man Tschüß
Das klingt vertraut und schön
Und wer einmal in hamburg war
Der kann das gut verstehn

Und wer einmal in Hamburg war
Der kann das gut verstehn

P1080085

 

Viele weitere kreative Ideen sind wieder bei CreaDienstag und bei Meertje zu finden.

aufmerksam, glaubhaft

Angegriffen

„Langeweile, nicht Zweifel,
ist der stärkste Feind des Glaubens

– genauso wie Gleichgültigkeit, nicht Hass,
der stärkste Feind der Liebe ist.“

Peter Kreeft