aufmerksam, kreativ

Schöner Schlafen: Gegen müllige Ecken im Schlafzimmer


Schlafzimmer dienen zum Schlafen. Darüber hinaus sind sie meist das Sammelbecken von Wäschekörben mit frischer, aber noch nicht gebügelter Wäsche und diversen anderen Dingen, die hier irgendwie auf halbem Weg stranden und gefühlt nie wieder den Weg an einen ordentlichen Platz finden. Umso wichtiger, gelegentlich den ungeliebten Ecken aufmerksam zu begegnen und sie zu entschärfen, damit etwas Schöneres entsteht.
Frisch aus Finnland habe ich ein Poster von Linnea, dem Mädchen aus einem schwedischen Bilderbuch mitgebracht. Poster wollen naturgemäß gerahmt werden, und damit das Umfeld für den neuen Blickfang stimmt, habe ich ein „Schlafzimmer-Stillleben“ gestaltet.


In Kästen mit schwarz-weißem Druck verschwindet herum fliegender Kleinkram. Das Kissen habe ich aus einer Tunika genäht, die Zitronenschale ist vintage und Teil eines handgemalten Service im Hotel Atlantic Hamburg gewesen.

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Wunderbar versorgt, jetzt und immer


Erben möchte jedeR gern: Etwas geschenkt bekommen, das einen großen Wert hat. Emotional und am besten auch finanziell.
Heute im Gottesdienst war das Erbe Thema, das für alle gläubigen Menschen vorbereitet ist: „Du, HERR, bist alles, was ich habe; du gibst mir, was ich zum Leben brauche. In deiner Hand liegt meine Zukunft. Ich darf ein wunderbares Erbe von dir empfangen, ja, was du mir zuteilst, gefällt mir.“ (aus der Bibel, Psalm 16, Verse 5 und 6)
Das Erbe ist das ewige Leben nach dem Tod voller Freude, Leichtigkeit und Erfüllung einerseits, aber noch mehr eine Vorauszahlung hier und heute: Durch den Heiligen Geist schenkt Gott uns jetzt schon Frieden, Hoffnung, Mut, Liebe und Kraft.

Während der Predigt gab es eine Zeit, in der wir darauf warten sollten, welchen Eindruck Gott uns von unserem Erbe schenkt. Schließlich ist das nichts, worüber wir uns sonst Gedanken machen. Schon der Begriff ist ziemlich steif und sperrig…
Im ersten Moment schaute ich wie auf ein leeres weißes Blatt, aber dann sah ich einen übervollen Tisch. Darauf so viel Essen in wildbunten Farben, wie die holländischen Maler sie früher in ihren üppigen Stillleben als Ölgemälde festhielten. Fast hörte ich den Tisch ächzen, weil er so überreich beladen war. Blumen leuchteten im Hintergrund und schenkten dem Festmahl zusätzlich Schönheit.
Direkt danach fiel mir ein Vers aus Psalm 23 ein: „Vor den Augen meiner Feinde deckst du mir deinen Tisch; festlich nimmst du mich bei dir auf und füllst mir den Becher randvoll. Deine Güte und Liebe umgeben mich an jedem neuen Tag; in deinem Haus darf ich nun bleiben mein Leben lang.“ Neben der Versorgung unserer Bedürfnisse mit Essen, Trinken, Frieden (Tisch vor den Augen der Feinde) und Schönheit beschenkt Gott uns damit, dass wir für immer bei ihm bleiben dürfen. Jetzt erleben wir nur im Gebet, dass unser Herz bei Gott zu Hause ist. Eines Tages werden wir an dieser riesigen Party teilnehmen und sie wird nie enden, weil wir auf ewig dort zu Hause sind.
Danach forderte der Pastor uns auf, uns zu dritt mit den SitznachbarInnen austauschen: Welche Eindrücke hat Gott ihnen zu ihrem Erbe geschenkt? So konnten wir uns gegenseitig etwas abgeben und einander stärken.

Einen Vorgeschmack auf den Himmel erleben wir, wenn wir beten. Im Stillen für uns, weil Gott unser Herz beruhigt oder durch Ermutigung neue Energie schenkt. Und gemeinsam mit anderen, weil Gottes Kraft spürbar wird, wenn wir Freundinnen und Nachbarn Gutes wünschen. Wenn wir Gott nicht nur unsere eigenen Wünsche und Sorgen erzählen, sondern von uns weg auf andere schauen und ihnen durch das gemeinsame Gebet Liebe und Erfüllung schenken. Dadurch sitzen wir schon jetzt zusammen an Gottes übervollem Tisch und geben einander das Leckerste weiter.

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Mein Fachartikel über Wahrnehmungstraining mit Senioren

Ein Artikel über Wahrnehmungsübungen mit SeniorInnen von mir erschien in der Zeitschrift „Altenpflege Aktivieren“. In der Ausgabe 4/2018  stelle ich für alle Sinneswahrnehmungen Übungen und Spiele vor.

Im zunehmenden Alter verändern sich alle Wahrnehmungsleistungen des Körpers: Während gegen Kurzsichtigkeit eine Brille hilft und Hörgeräte einen großen Teil der nachlassenden Hörkraft mildern, gibt es Sinnesempfindungen, die nur schwer auszugleichen sind. Parallel zur zunehmend eingeschränkten Feinmotorik nimmt der Tastsinn ab, wodurch die Fingerfertigkeit doppelt beeinträchtigt wird. Auch das Riechen und Schmecken verändern sich, was nicht nur ein Verlust von Genuss bedeutet. Beide Sinne haben eine starke Warnfunktion: Wenn es beispielsweise um das Verwechseln von bekömmlichen und ungenießbaren Flüssigkeiten geht oder den Geruch von Rauch einer vergessenen Herdplatte aus der Küche. Natürlich können die nachlassenden und veränderten Wahrnehmungsleistungen nicht komplett kompensiert werden. Aber mit interessanten Spielen entsteht eine neue Aufmerksamkeit den Sinnesempfindungen gegenüber. Die Seniorinnen stellen fest, was ihnen noch gelingt und wie kompetent sie die Aufgabe lösen. Auch das (gesunkene) Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten wird unterstützt. Dabei stelle ich die Wahrnehmungsspiele immer als „Aufgaben“ oder „Rätsel“ vor. Der Begriff „Spiel“ wird von vielen alten Menschen als „kindisch“ abgelehnt. Dabei sind die Aufgaben eine sehr effektive Art des Gehirntrainings, denn alle Sinneswahrnehmungen werden erst im Hirn verarbeitet und erhalten hier ihre Bedeutung!


Nach einer grundlegenden Einführung über den Sinn und Zweck von Wahrnehmungsübungen präsentiere ich Spiele für´s Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken.

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Finnisches Stillleben: Kaminholz, Blumen und Postkarten

Entlang der winzigen Dorfstraße, die eigentlich nur ein Anwohnerweg ist, sammelte ich Blumen für einen kleinen Strauß. Auf dem Grundstück des Ferienhauses steht auch ein „Tischlerschuppen“, der sehr an die Geschichten über Michel aus Lönneberga von Astrid Lindgren erinnert. Ein gemütlicher Platz für ein Stillleben aus goldbraunen Kiefernzapfen, die himmlisch nach Honig riechen, einem Blumenstrauß und Postkarten. Im Supermarkt habe ich mir ein kleines Notizbuch für spontane Gedanken besorgt, es hat natürlich ein Bild der finnischen Mumins auf dem Deckblatt.

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Urlaub auf Finnlands Schären

Auf dem Flug nach Helsinki saß ich neben einem Mann, der mich komplett ignorierte. Auf finnisch bestellte er bei der Stewardess Kaffee, Bier und Schnaps und trank alle drei Getränke direkt hinter einander weg. Das kann ja heiter werden, dachte ich.

Unser Zuhause im finnischen Schärengarten

Finnen lieben Saunen. Auch unser rotes Ferienhaus hat eine. Nur schade, dass bei Temperaturen über 30 Grad und ständigem Sonnenschein die Motivation fehlt, sie auszuprobieren. Die ersten Tage unseres Urlaubs gab es einige bewölkte Nachmittage. Davon abgesehen scheint hier ununterbrochen die Sonne: Tagsüber, nachts, sogar bei Wolkenbrüchen.
Wir entspannen uns im Garten, lesen, ernten Beeren und Rhabarber, spielen Federball und gehen schwimmen. Währenddessen lerne ich die Kunst, fast nichts am Körper zu tragen und dennoch minimal bedeckt durch den Garten zu hopsen. Falls es den Eismann wieder in dieses Nest aus einer Handvoll Holzhäusern verschlägt. Oder falls unser Vermieter wieder meint, es herrsche ein Mangel an Sitzecken auf dem Grundstück und ein Set neuer Gartenmöbel vorbei bringt. Drei Sitzecken plus eine Hollywoodschaukel, rund um das Ferienhaus verstreut, reichen nach finnischem Maßstab einfach nicht aus. Alles schon passiert.


Kurz gesagt, Finnland ist viel freundlicher, wärmer und entspannter, als gedacht. An miesen Klischees ist nichts dran. Nur eins, das stimmt leider: Es gibt hier böse stechende Mücken. Mich haben sie schon dreimal in den rechten Fuß gestochen, jedes Mal wird er heiß, dick und rot. Kühlen, Kortisonsalbe drauf schmieren und ruhig halten ist dann die Devise. Das trübt zwischendurch die Laune.
Die Gefühlslage der FinnInnen wirkt dagegen weniger verschlossen und depressiv, als oft behauptet wird. Wir haben nur freundliche und offene Begegnungen gehabt – vielleicht, weil hier im Schärengarten vorrangig lockere Schweden wohnen? Samstagabends sahen wir überall Familien und Freunde, die sich in Gärten zum Spielen und Essen treffen. Heftigen Alkoholkonsum sahen wir nicht. Dagegen genossen wir einen überaus pünktlichen, sehr serviceorientierten Nahverkehr mit Überlandbussen, die noch das letzte Kaff im Wald anbinden. Außerdem sehr saubere Städte, überall herrscht Friede und Freundlichkeit. Davon kann sich Deutschland einige Scheiben abschneiden, statt fiese Vorurteile Finnland gegenüber zu kultivieren.
Wer komplett abschalten und ewig andauernde, sonnige Tage in der Natur verbummeln will, sollte Finnland definitiv eine Chance geben. Wer die lange Anreise scheut, wird meiner Meinung nach in Schweden und Norwegen genauso fündig: Ich habe nichts entdecken können, was in Finnland schöner ist als bei den skandinavischen Nachbarn.

Dass der Frühstückstisch im Schatten steht, ist bereits am Morgen sinnvoll

aufmerksam, kreativ

Locker-leichte Sommerdeko für das Fenster

Im Sommer wollen wir draußen unterwegs sein, entsprechend gering ist die Lust auf eine jahreszeitliche Dekoration der Wohnung.
Ganz einfach und schnell entsteht diese grüne Fensterdeko aus Wimpeln und tropischen Blättern:
Zu Beginn tropische Blätter auf dicke Pappe zeichnen und ausschneiden oder Blattsilhouetten aus Holz kaufen, mit Bändern zum Aufhängen ausstatten. In relativ regelmäßigem Abstand mit Klebefilm oben an das Fenster kleben, sodass sie hinunter hängen, aber nicht die Sicht nehmen.
Anschließend eine grüne Wimpelkette quer über die Klebestellen hängen, dabei darauf achten, dass sich das Fenster noch öffnen lässt: Oder die Wimpelgirlande teilen, damit jede Fensterhälfte damit geschmückt und dennoch gelüftet werden kann.

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Deinen Wert bestimmst du

„Das Schlimmste an der traditionellen romantischen Liebe ist, dass damit die Geschichte für euch mutmaßlich zu Ende ist – wenn ihr Mädchen seid. Die Musik schwillt an, sie sinkt in seine Arme, der Vorhang fällt, und sie ist erledigt. Sie driftet ab in ein Leben des Kindergebärens und der stillen Glückseligkeit. Wünscht sich nicht jedes Mädchen genau das? Nein. Viele Wege führen in ein Leben voller Liebe und Abenteuer. Deshalb ist es höchste Zeit, dass wir Geschichten über das Singledasein – und über Unabhängigkeit in der Paarbeziehung – erzählen. Wir müssen uns endlich wieder an die Frauen des letzten Jahrhunderts erinnern, die aus eigenem Entschluss ohne Partner blieben, damit sie Kunst und Geschichte machen konnten, ohne dass ständig ein Mann ein warmes Essen von ihnen erwartete. Wir müssen uns ins Bewusstsein rufen, dass die modernen Versionen dieser Frauen überall zu finden sind und wir keine Angst davor haben müssen, so zu werden wie sie. Mehr als die Hälfte aller Frauen über achtzehn ist unverheiratet. Mehr als die Hälfte aller Ehen endet mit Scheidung. Es ist Zeit, die Vorstellung ad acta zu legen, eine alleinstehende Frau sei im Leben gescheitert.
Von alleinstehenden Frauen wird ständig erwartet, dass sie sich für diese Lebensentscheidung rechtfertigen. Wenn wir Frauen uns kollektiv weigern würden, die emotionale Managementarbeit zu leisten, die von uns in Beziehungen erwartet wird, hätte das ernsthafte gesellschaftliche Folgen. Daher hängt viel davon ab, dass man uns in diese Rolle zwängt und uns das Gefühl vermittelt, wertlos und nicht liebenswert zu sein, wenn wir nicht zu einem Mann gehören.“

Larie Penny in „Bitch Doktrin“, Edition Nautilus

aufmerksam, glaubhaft

Unterwegs in einer neuen Kirchengemeinde: Zwischenstand


Nach über zwölf Jahren habe ich mich aus meiner Kirchengemeinde abgemeldet und begonnen, eine neue Heimat für meinen Glauben zu finden. Gleich in der ersten Kirche traf ich nette ChristInnen aus dem Nachbarstadtteil, wo wir uns jede Woche zum privaten Gebetskreis versammeln. Der Gottesdienst dort gefiel mir weniger, sodass ich die Partnergemeinde in einem anderen Viertel ausprobierte. Dorthin gehe ich seitdem in den Gottesdienst, wie ich hier schon beschrieb.
Seitdem nahm ich an einer Infoveranstaltung über die verschiedenen sozialen Engagements der Gemeinde sowie mögliche Ehrenämter teil. Außerdem traf ich mich mit anderen Neuankömmlingen nach dem Gottesdienst im Garten hinter der Kirche zum Kennenlernen. Vor Kurzem fand ein Abend über die historischen Hintergründe und organisatorischen Strukturen der Gemeinde statt. Hier wird wirklich alles getan, damit sich Neue wohlfühlen und zügig orientieren können.
Die Gemeindeleitung empfiehlt allen, die aus anderen Kirchen kommen, ein Jahr lang nur zu schnuppern – ohne Eintritt, ohne Verpflichtungen wie Ehrenämter o.ä. Einerseits, damit die Neuen sich wirklich sicher sind, dass sie bleiben wollen und sie nicht nach wenigen Monaten wieder weiter ziehen. Andererseits, damit die Gemeinde sich darauf verlassen kann, dass neue Mitglieder eine bewusste Entscheidung getroffen haben und wirklich bleiben wollen. Ein sehr sinnvolles System, finde ich. Auch, weil ich auf diese Weise in einem entspannten Kennlernmodus bleiben kann und nicht das Gefühl habe, mich schnell entscheiden und verpflichten zu müssen.
Dank meines Buchprojekts sehe ich sowieso keine zeitlichen Lücken, in die momentan ein Ehrenamt passen würde. Ganz abgesehen davon hat mich das Schreiben am Manuskript, die Recherche und die Bewerbung beim Verlag so viel Energie gekostet, dass ich innerlich gar nicht frei bin, mich kirchlich zu engagieren.
Daher genieße ich weiter die Gottesdienste und das anschließende persönliche Gebet, kleine Begegnungen zwischen Tür und Angel und den wöchentlichen Gebetskreis in der Nachbarschaft. Natürlich freue ich mich darauf, bald engere Beziehungen aufzubauen. Hier und heute fehlt mir dazu die Kapazität, aber eine Woche in Dänemark als Gemeindefreizeit für alle Generationen ist für den Herbst geplant. Spätestens dann habe ich jede Menge Zeit, mehr Kontakte zu knüpfen.

aufmerksam, kreativ

Rosen zwischen Farbtuben


Das Manuskript zum Fachbuch über mein Konzept „Atemfreude“ ist beim Verlag angekommen und ich warte auf Entscheidungen, sodass ich endlich etwas runterschalten kann. „Nur noch“ arbeiten und dort wöchentlich neue Veranstaltungen organisieren, dafür gehört der Feierabend und das Wochenende wieder mir. Nach einer langen Durststrecke bedeutet „kein Dienst“ nicht mehr automatisch, dass ich abwechselnd am Computer sitze und durch die Zentralbibliothek streune… Sondern Freizeit ist tatsächlich wieder freie Zeit.

Neben einer großen Müdigkeit regen sich gleich wieder Gedanken, wie ich meinen lang vernachlässigten kreativen Fundus wieder lebendig mache und nutze. Zum Beispiel die Farbtuben oder den Aquarellkasten…

Verlinkt mit Holunderblütchen und FloralFridayFoto.

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Der Preis für die Liebe

„Und ich glaube dennoch, dass es für viele junge Frauen die richtige Entscheidung ist, Single zu bleiben. Nichts frustriert mich mehr, als mit anzusehen, wie junge Frauen ihr Leben an farblose, undankbare, langweilige Mannskinder vergeuden, die nur ein Mädchen brauchen, mit der sie vor ihren Freunden angeben können, und das im stillen Kämmerlein Ersatzmutter und Sexpartnerin gleichzeitig ist. Ich war dieses Mädchen. Es machte keinen Spaß.
Es ist nicht so, dass die Träume dieses Mädchens gar nicht zählten, aber sie zählten immer weniger als die ihres Freundes, weil Jungs mit der Erwartung aufwachsen, dass ihre Freundin sie unterstützt. Ihr seht sie überall: erschöpfte junge Frauen, die mit ihrer gesamten Energie jungen Männern ihr Leben organisieren, ihnen Mut machen, sich um sie kümmern; Männern, die ihnen das übelnehmen, es ihnen aber noch mehr verübeln würden, wenn sie es nicht machten. Ihr seht sie für jedes Krümelchen Zuneigung kriechen, bis alles in die Brüche geht und der Teufelskreis von vorn anfängt. So kann man seine gesamte Jugend verplempern.
Für junge Frauen soll auf der Prioritärenliste ganz oben stehen, ob Männer sie in Liebesdingen gut finden, und viele junge Männer können sich eine Welt, in der wir andere Prioritäten setzen, nur schwer vorstellen. Das ist problematisch, weil von uns erwartet wird, dass wir uns dafür in allen anderen Bereichen des Lebens beschneiden. Wir sollen unsere Identität herunterspielen, wir sollen finanziell oder beruflich nicht erfolgreicher sein als unser Partner. Wir dürfen Kreativität und Ehrgeiz an den Tag legen, aber nie mehr als der Mann in unserem Leben, damit er sich nicht bedroht fühlt. Dabei gibt es wenig Männer, für die sich dieses Opfer lohnt.
„In der patriarchalen Kultur betrachten tendenziell Männer die Liebe als etwas, das ihnen zusteht, ohne dass sie sich selbst anstrengen müssten,“ schreibt Bell Hooks in „All About Love: New Visions“, „in den meisten Fällen wollen sie die Arbeit, die Liebe erfordert, nicht verrichten.“ Selbst die nettesten Männer erwarten oft, dass sie, sobald eine Frau in ihr Leben tritt, die meisten Hausarbeiten nicht mehr verrichten müssen.
Wenn ich mich über dieses monolithische Ideal der romantischen Liebe geäußert habe, kam der heftigste Widerstand von Männern, zum Teil verbunden mit Gewalt, und das ist auch kein Wunder: Männer haben in diesem traditionellen Arrangement viel mehr zu gewinnen. Männer dürfen romantische Liebe als Gefühl und Erfahrung betrachten, das ihnen als Belohnung für ihr fantastisches Ich zusteht. Ich hätte es auch nicht gern, wenn mir jemand das streitig machte.
Frauen dagegen lernen schon früh, dass wir, um geliebt zu werden, hart arbeiten müssen, und um dauerhaft geliebt zu werden, noch härter arbeiten müssen. Wir kümmern uns um Männer, die nie gelernt haben, sich um sich selbst zu kümmern, und das unabhängig davon, ob wir für eine solche Arbeit überhaupt geeignet sind. Wir tun es, weil uns eingeredet wird, dass wir andernfalls einsam sterben.“

Laurie Penny in „Bitch Doktrin“, Edition Nautilus