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Jahresrückblick: Was können wir 2020 neben Enttäuschungen ernten?

Wenn nach Weihnachten der Jahreswechsel in den Blick kommt, fange ich ganz von allein an, auf das Jahr zurück zu blicken.
Sonst gibt es Urlaube, an die ich mich gern erinnere, und erfolgreiche Projekte, die ich initiiert und abgeschlossen habe.
Dieses Jahr überwogen Frust, Angst, Fragen und Enttäuschungen.
Dennoch: Die letzten zwölf Monate geben überraschend viel Grund, dankbar zu sein, aber erst auf den zweiten Blick.

Das Lied „Kopf und Herz sind wie ein Beet“ von Andreas Mallessa fragt danach, was wir in unserem Leben aussäen und was wir später ernten können. Welche Werte leben wir durch die Prioritäten, die wir setzen? Passen unsere Sehnsüchte und unsere täglichen Entscheidungen zusammen? Und was können wir am Ende von 2020 ernten?
Nur Unkraut in einem Corona-bedingten Geröllfeld oder gibt es nicht doch ein paar zarte Wiesenblumen, die trotz enttäuschender Voraussetzungen zwischen Felsen aufblühten?

Gern würde ich das Lied hier zum Mithören verlinken, leider ist es online nicht zum freien Download vorhanden. Daher verweise ich auf den Garden Song, dessen Melodie der deutschen Variante zugrunde liegt.

Inch by inch, row by row
Someone bless these seeds I sow
Someone warm them from below
‚Till the rain comes tumblin‘ down

Zentimeter um Zentimeter, Reihe für Reihe
Möge jemand diese Samen, die ich säe, segnen
Möge jemand sie von unten wärmen
Bis der Regen beginnt zu fallen

Also: Welche Unkräuter hast du aus deinem Herzen reißen können – egoistische Entscheidungen, Ungeduld, wechselhafte Launen?
Welche Samen haben angefangen zu keimen und zeigen inneres Wachstum, auch wenn sie von Blüte und Früchten noch weit entfernt sind?
Und welche Entwicklungen, in die du seit Jahren deine Zeit steckst, sind dieses Jahr trotz widriger Bedingungen fruchtbar gewesen? Wo konntest du ernten und Segen empfangen?
Was konntest du gewinnen, obwohl du selbst kaum etwas dafür getan hast – einfach, weil Gott es dir schenkte?

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Weihnachten: Die Tanne bleibt nackt

Noch während ich Ende November die sechs Tannenbäume in der Residenz schmückte, holte ich parallel abends den Container mit den Weihnachtskugeln aus unserem Keller.
Ich musste aber feststellen, dass ich dieses Jahr die Tannenzweige ungeschmückt viel schöner fand.
So stellte ich überall in der Wohnung frische Zweige auf und ließ sie weitgehend nackt.

Sonst heißt mein Motto „Mehr ist mehr“ und ich liebe es, aus verschiedensten Fundstücken und Schätze ein harmonisches Ganzes zu kreieren.
Aber dieses Jahr blieb das Tannengrün leer, nur in den Birkenstämmen und an der Bilderwand durften die Kugeln einen moderaten Auftritt haben.

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Wenn Gott aus den Scherben unseres Lebens etwas Wunderschönes entstehen lässt

Seit sechs Jahren arbeite ich nicht mehr als Logopädin und habe es nie bereut noch vermisst.
Dennoch ist in unserem Keller ein kompletter Therapieraum eingelagert und drei Umzugskisten voller Ordner mit Therapiematerial standen im Regal gestapelt. Bis mich plötzlich die Wegwerf-Wut packte und ich im Keller alle meine selbst konzipierten Arbeitsblätter aus den Ordnern nahm, Klarsichtfolien aussortierte und am Ende alles ins Altpapier warf.
Meine 160 kostenlosen Unterrichtskonzepte, die auf madoo.net herunter geladen werden können, sind nur ein winziger Bruchteil dessen, was ich in neun Jahren Logopädie entwickelt hatte. Alle Arbeitsblätter, die ich in Handarbeit erstellt und nur analog in Ordnern gesammelt hatte, liegen nun unwiederbringlich in der Tonne.
Ich habe sie sechs Jahre lang nicht vermisst, möchte nie wieder als Logopädin arbeiten, und nun mussten sie mit Herzklopfen endgültig gehen.
Wir wünschen uns einen reibungslosen Alltag mit einem glatten Lebenslauf, der erfolgreich und zielgerichtet aussieht.
Es soll kontinuierlich bergauf gehen, wir wollen Erfahrungen, professionelle Entwicklung und Gehaltsklassen sammeln. Nebenher soll unser Privatleben glücklich und erfüllt sein und wir wollen dem Bild einer heilen Familie entsprechen.
Stattdessen sieht unser Leben oft aus wie das Mosaik-Kreuz:
Auf den Boden gekracht, zersplittert, zusammen geflickt.
Angefangen, weg geworfen, neu begonnen.
Wir laufen im Kreis, bleiben jahrelang verunsichert sitzen, brechen dann im Zickzack aus. Oder entscheiden uns für ein möglichst ruhiges Leben, nur um uns am Ende zu fragen, ob es das wirklich gewesen sein soll.
Wie ermutigend, dass Gott unsere Scherben und Bruchstücke einsammelt und neu zusammenfügt.
Dass er uns begleitet, egal, auf welcher Etappe unseres Lebens wir gerade unterwegs sind: Ob wir optimistisch mitten im Lauf sind oder am Boden hocken und Scherben einsammeln.
Und dass sein Licht, sein Heil, seine Gnade durch unsere Risse und Klebestellen leuchtet.
So, wie es dieses Kreuz illustriert:
Die orangefarbenen Fliesen aus den Siebzigern sind eigentlich reichlich hässlich, und die Kombination mit zartem Türkis in der Mitte etwas gewagt.
Und dennoch, in der Kombination sind sie so authentisch und charmant wie unser eigenes Leben. Durch unsere Risse scheint Gottes Licht, und in der Ehrlichkeit geteilten Scheiterns können sich Herzen wirklich berühren. Gottes Herz und unser Herz, aber auch unser Herz mit dem von WegbegleiterInnen.
ChristInnen müssen kein makelloses Hochglanz-Leben präsentieren, um Mitmenschen zu Gott einzuladen. Wir sind viel wahrhaftiger, zuzugeben: „Ja, mein Leben ist gerade eine einzige Baustelle, aber gerade darin vertraue ich auf Gott.“

Blaise Pascal sagte:
„Es ist nicht auszudenken, was Gott aus Bruchstücken unseres Lebens machen kann, wenn wir sie ihm ganz überlassen.“

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Weihnachtliche Bilderwand gestalten: Petersburger Hängung mit Vitamin C

Die Frage ist nicht, ob ich regelmäßig die Wohnung neu gestalte, die Frage ist nur: Wie?
Die Petersburger Hängung ist ausgesprochen praktisch, weil ich die vorhandenen Nägel ganz flexibel immer wieder neu bestücken kann.
Für den Advent schlachtete ich einen Bildband über deutsche Nationalparks und rahmte diverse Fotos von verschneiter Natur.

Der bilderlose Rahmen in der Mitte ist schwierig zu füllen, hier klebte ich einfach Geschenkpapier aus London hinein. Es greift die mediterrane Stimmung der Schale nebenan auf, die Vögel zwischen den Orangen wirken winterlich und trotzdem beschwingt. Angesichts der Apfelsinen muss ich immer an Vitamin C denken und daran, mir mal wieder einen frischen Saft zu pressen…
Der alte verschnörkelte Rahmen mit dem Spiegel versammelt Kugeln, die die umgebenden Farben wieder aufgreifen: Das kühle Taubenblau der Vögel, das Orange der Mandarinen und das Grün der Blätter.
Im örtlichen Antiquariat stöberte ich zu meiner großen Freude das Aquarell von Amrum auf, auch wenn es nur ein Druck ist, gefällt es mir sehr gut.

Der blaue Teller hatte die letzten Monate Pause, als Urgestein der Petersburger Hängung ist er jetzt zurück gekehrt.
Das Ginkoblatt aus goldfarbenem Metall wandert auch seit einem guten Jahr von einem Ort zum anderen, hängt aber ohne Unterbrechung an der Wand.

Um die Schale mit dem goldfarbenen Streifen schlich ich Eeeeewigkeiten herum, bis ich sie nach einem halben Jahr doch noch kaufte, als das Einrichtungsgeschäft nur noch das letzte Exemplar hatte. Ich stattete sie von hinten mit Heißklebe mit einem Haken zum Aufhängen aus.

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Presse: Mein Engagement für mehr Lebensfreude für SeniorInnen

Heute erschien auf der Website der Kursana Residenz Hamburg ein Artikel über meinen Arbeitsalltag unter Corona-Bedingungen. Da ich mich aus Prinzip nicht unterkriegen lasse und immer noch ein Schlupfloch finde, wie ich trotz Lockdown den SeniorInnen ein bißchen Hoffnung und Fröhlichkeit ins Appartement schmuggeln kann, fand vor Kurzem ein Interview mit der Pressevertreterin statt.
Wen es interessiert: Eine Zauberin der Lebensfreude

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Einrichten ohne Bilder: Mut zum Wandteppich

Nachdem unser Schottland-Urlaub coronabedingt ausfiel, freue ich mich seit einigen Monaten täglich über diesen Wandbehang:
Die hohen Berge und stille Seen erinnern mich daran, dass es die vermisste Natur noch gibt, auch wenn ich gerade nicht dorthin gelangen kann. Und die Ausmaße des Wandteppichs weisen darauf hin, dass es Größeres gibt als unseren sehr begrenzten Alltag.
Ich liebe es, mich gedanklich in den Vogelschwarm über dem Gipfeln zu träumen und innerlich frei zu sein.

Wer nicht weiß, ob der Mut zum Wandteppich tatsächlich reicht:
Einfach durch die Kleinanzeigen stöbern und für kleines Geld den Hipstern das abkaufen, was ihnen zu langweilig wurde (-;

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Presse: Bunte Ideen für den Advent mit Senioren trotz Corona

Für Pädagoginnen in der Senioren-Betreuung konzipierte ich vielfältige Ideen für ein weihnachtliches Programm trotz Corona-Einschränkungen. Der Fachartikel erschien in der Zeitschrift „Aktivieren“ und ich gebe heute einen Einblick:
Einen Spielenachmittag mit kleinen Stationen stellte ich vor, ebenso die Weihnachtsbäckerei unter besonderen Hygienevorgaben, einen stimmungsvollen Lichternachmittag, das Basteln von Grußkarten und Falten von Sternen. Alles ergänzt durch die passenden Hygiene-Vorgaben und Abstandsregeln.
Da externe KünstlerInnen seit Monaten in den Einrichtungen nicht auftreten dürfen, bleibt als Möglichkeit ein internes Mitarbeiter-Konzert für kleine Zuschauergruppen. „Wer wird Millionär“ als gemeinsames Spiel ist eine schwungvolle Abwechslung zur Quizrunde und auch zum Vorlesen gebe ich Tipps. Wie ohne BesucherInnen von außen ein kleiner Basar gelingt, präsentiere ich ebenfalls.

Meine Ideen wurden bereits im November veröffentlicht, in Hamburg dürfen SeniorInnen in Einrichtungen jetzt überhaupt nicht mehr zusammen kommen, selbst in kleinsten Gruppen nicht. Daher versuche ich, so viele Programmpunkte wie möglich ins Appartement zu schummeln:
Neben der „Andacht im Umschlag“, die an der Rezeption abgeholt werden kann, packte ich Umschläge voller Bastelmaterial und brachte sie den Damen vorbei, die zu meinem Kurs angemeldet waren. Viele vermissen natürlich meine fröhliche Anleitung und die gemütliche Gemeinschaft in großer Runde, aber einige freuen sich doch über meine handschriftlichen Vorschläge zur Gestaltung von eigenen Grußkarten.

Sämtliche Bilder stammen aus dem letzten Jahr und bilden daher nicht die Corona-Regeln ab!

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Þetta reddast: Es wird sich alles finden

In einem Roman, der in Island spielt, las ich heute von der isländischen Philosophie „Þetta reddast“. Ausgesprochen wird das þ als englisches „th“, hier einmal zum Anhören.
Þetta reddast ist das Vertrauen darin, dass sich unklare Verhältnisse von allein sortieren und am Ende alles gut ausgehen wird.
Oder, wie die Bibel im Brief an die Römer im fünften Kapitel sagt:
„Wir freuen uns auch dann, wenn uns Sorgen und Probleme bedrängen, denn wir wissen, dass wir dadurch lernen, geduldig zu werden.
Geduld aber macht uns innerlich stark, und das wiederum macht uns zuversichtlich in der Hoffnung auf die Erlösung.
Und in dieser Hoffnung werden wir nicht enttäuscht werden. Denn wir wissen, wie sehr Gott uns liebt, weil er uns den Heiligen Geist geschenkt hat, der unsere Herzen mit seiner Liebe erfüllt.“
Þetta reddast!

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Bericht aus meinem Arbeitsalltag: Ein Adventssonntag in der Senioren-Residenz

Sonntagsdienst in der Senioren-Residenz:
Reihum ist eine Kollegin aus dem Team sonntags an der Reihe, während des Mittagessens in Restaurant und Wintergarten den Überblick zu behalten, ob alle anwesend und wohlauf sind, und für sämtliche Belange ansprechbar zu sein.
Für alle, die daran interessiert sind, wie das Leben am Nikolaustag in einer Hamburger Residenz aussieht, notiere ich exemplarisch einige Begegnungen vom zweiten Advent. Alle Namen sind selbstverständlich geändert.

Frau Tangstedt sieht mich vor dem Büro, winkt, kehrt um und steht wenig später vor mir: Sie überreicht mir eine Karte, auf der sie mir eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit wünscht und sich mit einem kleinen Geschenk für meinen spontanen Putzeinsatz am 11.06. bedankt (sie war gerade eingezogen und die Handwerker hatten ihr gesamtes neues Appartement in eine Staubdecke gehüllt).
Ich betrete den Wintergarten und gehe von Tisch zu Tisch, um mich mit allen zu unterhalten. Dabei kontrolliere ich, ob überall festliche Tischdecken in weinrot liegen, die Kerzen brennen und jede*r einen Nikolaus am Platz stehen hat.
Herr Appelbeck fragt mit einem Blick auf mein Langarmshirt: „Ist hier der Sommer ausgebrochen?“
Ich erkläre ihm, dass ich gerade erst mit dem Rad ankam und mir daher gut warm ist. Darauf er: „Ach, da gibt’s doch auch eine, die saust hier immer mit dem Roller rum. Durch den Flur,“ er überlegt kurz, dann triumphierend: „Ja, das ist die Hebamme!“
Sein Sitznachbar Herr Kolaski bricht in dröhnendes Gelächter aus, bis sein Bauch wackelt. Ich lache mit und sage zu Herrn Appelbeck: „Nee, Bedarf an Hebammen haben wir hier eher nicht, das ist Frau Dredelsen vom ambulanten Dienst.“ Herr Kolaski keucht: „Die Heeebamme…“ und hält seinen Bauch. Ich: „Herr Kolaski, bei Ihnen könnte es aber bald soweit sein, wenn ich Ihren Bauch anschaue…“ Er: „Ein Mann ohne Bauch ist wie ein… wie ein… da gab es so einen Spruch… wie ein Buckliger.“ Ich kann die Logik nicht ganz nachvollziehen und gehe weiter zum nächsten Tisch.
Dort werde ich gefragt, wo meine Mütze sei. Meine Mütze? Die ist nun nicht so schön, dass ich damit dringend drinnen herum laufen möchte. Erst langsam geht mir auf, dass gewünscht wird, ich möge eine Nikolausmütze tragen.

Inzwischen bin ich im Restaurant, wo Frau Lavrenz mit klapperndem Gebiss ihr Eis zum Dessert in Angriff nimmt. Sie bietet mir an, einen Bissen von ihrem Eis zu probieren, und leckt ihren Löffel gründlich ab, um ihn mir zuliebe noch einmal in der Serviette zu reiben, bevor sie mir den Nachtisch aufdrängt. Ich lehne mit Fingerzeig auf meine Maske dankend ab.
Herr Holthusen sitzt heute alleine, ich frage ihn, wo sein Sitznachbar steckt. Er: „Ach Mariiiie, der is unterwegs, setz dich doch ’ne Weile.“ Ich tue ihm den Gefallen, wir schnacken kurz, bevor ich weiter muss.
Am Tisch von Frau Schmitt und Frau Schmidt wird mir ein Gläschen Rotwein aus einer privaten Buddel angeboten: „Der Portugiese steht schon so lange bei mir, deswegen brechen wir den heute mal an. Ist ein sehr guter, wirklich, Frau Krüerke! Dürfen Sie nicht mittrinken?“ Nein, danke.
An verschiedenen Tischen wird meine Andacht gelobt, die als kleines kopiertes Heft an der Rezeption abgeholt und allein im Appartement durchgeführt werden kann. Außerdem nehme ich Bestellungen auf für diejenigen, die keine mehr abbekamen. Leider dürfen wir ja aktuell keinerlei Gruppen anbieten, daher versuche ich, möglichst viel in dicken braunen Umschlägen zu den SeniorInnen zu schmuggeln.
Wieder werde ich am nächsten Tisch gefragt, wo ich denn meine Mütze gelassen hätte?
Herr Nachtigall schaut mich finster an (sonst zieht er mich gern mit Blicken aus): „Ich möchte mich beschweren!“
„Aha?“ „Jaaaa, ich habe meine Schuhe vor das Appartement gestellt und heute morgen war nichts drin! Das war schon letztes Jahr so!“ Ich gebe zurück: „Und daraus ziehen Sie keine Konsequenzen? Vielleicht mangelt es ja an Artigkeit?!“
Auf dem Weg zum Ausgang des Restaurants kommen mir zwei alte Freundinnen eng untergehakt in einer hitzigen Diskussion entgegen. Die demenziell veränderte Hälfte des Gespanns ruft erklärend: „Wir streiten uns nicht, wir schlagen uns nur!“ Na denn.

An der Rezeption melde ich die Vermissten und Abwesenden, damit im Appartement eine Lebendkontrolle durchgeführt wird. Rezeptionist Udo zeigt mir den riesigen Karton, der angeliefert wurde (an einem Sonntag?): „Hier, die Lieferung von der Bundesregierung, soll sofort in der Verwaltung gemeldet werden!“
„Ja und, was soll da drin sein? Zahlen sie uns den Corona-Pflege-Bonus jetzt in Naturalien aus? Toastbrot und Eier für alle?!“
Er meint, es könnten ja auch lauter Scheine drin stecken.
Vor der Tür zum Büro finde ich einen meiner braunen Umschläge, die ich gefüllt mit Anleitungen und Bastelmaterial an alle Damen verteilt habe, die zum ausgefallenen Adventsbasteln nicht kommen durften. Unter meiner Aufschrift steht: „Ich kann das nicht, Mit Dank zurück.“
Ich besuche eine Dame im Appartement, der es nicht gut geht, was sie umgehend nutzt, um mir sehr explizit ihre Ausscheidungsvorgänge bzw. deren Fehlen zu schildern. Danke.
Weiter laufe ich zu Frau Nimmberg, die gestern Abend aus Süddeutschland kam, um ins Gästeappartement einzuziehen. Sie wünscht sich, dass ich ihren Koffer auspacke. Damit solle ich aber besser nicht jetzt anfangen, weil sie ja nicht wisse, wann ihr (aus Gründen der Quarantäne) das Mittagessen in die Wohnung gebracht würde. Und es ginge nun gar nicht, dass ich schon mal mit dem ersten der vier Koffer anfange, wenn noch nicht das Essen da sei. Oder wenn es da sei. Oder wenn es fehle. Oder wenn es jederzeit kommen könne. Ich verspreche ihr, später wieder rein zu schauen.Nun folgen um 12:00 und um 13:00 Uhr zwei weitere Runden zur Mittagszeit in Restaurant und Wintergarten, bis um 13:40 Uhr Herr Krause auftaucht, um dringend etwas zu essen. Ich bin sehr irritiert, da er aufgrund der fortschreitenden Demenz gar nicht mehr im Restaurant isst. Ein Anruf beim ambulanten Dienst ergibt, dass er sein Mittag in der Wohnung serviert bekam. Er weint und fleht mich an, ihn nicht abzuweisen, und legt bittend die Hände zusammen, die er mir ins Gesicht hält. Ich versuche, ihn zum Mitkommen zu bewegen, um ihn ins Appartement zu begleiten. Mehrfach stolpert er unterwegs. Dort angekommen bettelt er nach Essen und reißt ständig die Balkontür auf, um mit einem Sprung seinem Leben ein Ende zu setzen.
Sehr, sehr lange versuche ich, ihn zu beruhigen, bitte Kolleginnen um Hilfe und muss irgendwann völlig hilflos und erschöpft zugeben, dass ich nicht mehr tun kann.
Im Büro warten diverse Nikoläuse auf mich, die an besonders fitte BewohnerInnen verteilt werden sollen, die grundsätzlich selbst kochen und daher über Restaurant und Wintergarten nicht erreicht werden.
Auch Frau Nimmberg besuche ich mit anderthalb Stunden Verspätung, jetzt gibt es einen anderen Grund, weshalb ich dringend die Koffer auspacken soll, aber ihrer Meinung nach leider doch nicht jetzt.
Im Flur treffe ich Frau Johannsen, die mir von den Problemen mit den „LSD-Lichtern auf dem Balkon“ erzählt: „Die flackern und blinken, als wär hier Las Vegas. Das geht doch nicht, da bekomme ich von den anderen doch Ärger! Ich hoffe, dass mein Enkel nachher kommt, damit er die Schaltung von den LSD-Lichtern in Ordnung bringt.“
Ja, mich machen die LSD-Lichter auch ganz schummerig im Kopf… (-;
Ein paar Anrufe und Dramen später fahre ich heftig unterzuckert nach Hause, weil ich keinen Moment Zeit hatte, mehr als einen Müsliriegel eilig im Rennen zu verschlingen und drei Schlucke Wasser zu trinken. Mein Mittagessen ist völlig umsonst zur Arbeit und zurück gefahren.
Fröhlichen Nikolaus!

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Presse: Tipps für die Weihnachtsbäckerei mit Senioren

Bis ich meinen aktuellen Fachartikel „Advent unter Corona-Bedingungen“ hier vorstellen darf, verweise ich auf das Internetportal „meines“ Verlags Vincentz Network. Meine Ideen für weihnachtliche Aktivitäten mit SeniorInnen stellt die Fachzeitschrift „Aktivieren“ vor, hier in einem Auszug.
Viele weitere Materialien für Betreuung und Beschäftigung von alten Menschen sind online unter Aktivieren Plus zu finden. 30 Tage lang lässt sich die Datenbank voller Tipps und Stundenentwürfe kostenlos testen.