aufmerksam, feminin

Das Innere sichtbar machen: Wann neue Kleidung das Selbstbewusstsein heben kann

Im Leben jeder Frau gibt es Zeiten, in denen alles wichtiger ist als die Frage „Was ziehe ich heute an?“
Egal, was die Modeindustrie uns erzählt: Das ist normal und gesund.
Trotzdem merke ich, dass es mir gut tut, wenn ich mich und meinen Kleiderschrank nach einer Weile mit einem frischen Blick betrachte:
Passt das noch zu mir?
Möchte ich so aussehen?
Sind die Aussagen, die meine Kleidung über mich trifft, stimmig?

Manchmal entsteht in unserem Leben Bewegung, die sich dann ins Sichtbare fortsetzt:
Eine frische Liebe, ein neuer Job, der Auszug des jüngsten Kindes…
Oft schwappt die Veränderung auf unseren Körper über und wir wünschen uns, diese Verwandlung äußerlich deutlich zu machen.
Wer eher den Eindruck hat, innerlich festzustecken, statt den Veränderungen zu folgen, kann mit ein paar neuen Kleidungsstücken einen Spielraum eröffnen, in den vielleicht bald die Seele folgen mag.

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Mode ist… Wohlfühlen im eigenen Körper

„Insecurity sells.
What would the fashion industry be like if every woman liked how she looked?“

Staceyann Chin, Poet, Activist, Performance Artist
Brooklyn

in: „True Style is what´s underneath“, Elise Goodkind and Lily Mandelbaum

„Unsicherheit bringt Umsatz.
Wie wäre die Mode-Industrie, wenn jede Frau ihr Äußeres mögen würde?“

Staceyann Chin, Dichterin, Aktivistin, Performance-Künstlerin
Brooklyn

Ich liebe meine Macaron-Bluse.
Sie begleitete mich letztes Jahr in den Sommerurlaub nach Saint Malo, wo ich das erste Mal tatsächlich Macarons aß. Frische Macarons in Frankreich oder gar keine, ist meine Devise. Niemals würde ich welche im Supermarkt kaufen. Die fröhlich herum fliegenden Süßigkeiten auf der Bluse, mit den kleinen Punkten dazwischen, symbolisieren so viel Leichtigkeit und Lebensfreude.
Welche Farben hast du im Kleiderschrank, die dunkel und matt aussehen?
Welche Kleidungsstücke lassen dich müde wirken?
Welche Farben bringen dich zum Leuchten und andere um dich herum zum Lachen?
Wenn ich mir etwas Buntes anziehe, fühle ich mich nicht nur selbst kraftvoller, sondern schenke auch anderen damit einen schönen Blickfang.

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Mode ist… Ausdruck der eigenen Stärke

„Nothing cures all the bullshit
like sitting on a mountain for four days
just praying and finding your inner strength.
That´s the salvation for everybody
– if you can find your inner strength
and be confident that your path is the right one,
then you don´t give a fuck what everybody else is doing.“

Leslie Crow, Leatherworker, Artist, Designer,
Austin

in: „True Style is what´s underneath“, Elise Goodkind and Lily Mandelbaum

„Nichts kuriert den ganzen Blödsinn
wie vier Tage auf einem Berg zu sitzen,
nur zu beten und deine innere Stärke zu finden.
Das ist die Erlösung für jeden
– wenn du deine innere Stärke finden kannst
und zuversichtlich bist, dass dein Weg der richtige ist,
dann scheißt du darauf, was alle anderen tun.“

Staceyann Chin, Dichterin, Aktivistin, Performance-Künstlerin
Brooklyn

Ich finde sehr wohl, dass Frau an Tagen mit Horror-Hormonen oder niesender Nase das Recht hat, sich auch im Beruf etwas Kuscheliges anzuziehen. Wenn ich entgegen meiner inneren Verfassung schon besonders viel Entschlossenheit brauche, um mich dem Tag zu stellen, dann kann ich das doch wenigstens in etwas Hübschem und Bequemen tun. Grüne Glitzer-Rollis und Westen aus Fake-Fur sind eine gute Kombination für mich: Nett anzugucken, nicht langweilig, nicht düster, dennoch bequem. Damit hat ein trüber Tag eine gute Chance, zu gelingen!
Was ziehst du an, wenn du müde, abgearbeitet oder lustlos bist?
Etwas entsprechend Dunkles?
Etwas Ausgeleiertes, noch einmal aus dem Wäschekorb gezogen?
Etwas besonders Schickes?

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Mode ist…. Würde

„I believe that high heels are something on par with when the Chinese used to bind women´s feet.
People think they make your legs look great but they
bind your mind and bind your body

– you can´t  run away from a rapist, that´s for sure.
You are on this pedestal and you look good
but you can´t move, so you need to be carried.

As  a woman, you should be able to be on the move.“

Henny Garfunkel, Fotografin, New York

in: „True Style is what´s underneath“, Elise Goodkind and Lily Mandelbaum

„Ich glaube, dass High Heels (Schuhe mit hohem Absatz)
auf einer Ebene sind mit den Chinesen,
als sie den Frauen die Füße banden.

Leute glauben sie sorgen dafür,
dass die Beine großartig aussehen,
aber sie binden dein Denken und deinen Körper:

Du kannst vor einem Vergewaltiger nicht weglaufen,
das ist sicher.

Du bist auf diesem Podest und du siehst gut aus,
aber du kannst dich nicht bewegen,
also musst du getragen werden.

Als Frau solltest du in der Lage  sein, in Bewegung zu sein.“

Henny Garfunkel, Fotografin, New York

Ich finde nicht, dass Frauen halbnackt herum laufen müssen, um interessant auszusehen. Jeden Tag die gleiche langweilige Jeans-Pulli-Kombination zu tragen, ist aber genauso wenig Ausdruck der eigenen Persönlichkeit. Heute stelle ich mein „Pariser Tennis-Outfit“ vor: Ich liebe diesen frisch entdeckten Löcherpulli mit seinen französischen Streifen. Obwohl ich noch nie Tennis gespielt habe, ist es mit meiner petrolfarbenen Blumenwiesen-Bluse und einer Perlenkette gerade mein persönliches Tennis-inspiriertes Outfit.
Welche Geschichte erzählt deine Kleidung heute?
Keine?
Warum nicht?

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Mode ist…. unser sichtbar gemachter Selbstwert

„What you wear says so much about self-worth.
It´s individualism on display.
I make very distinct choices in my style,
and they´re not safe.“

Cathy Cooper, Artist, Los Angeles

in: „True Style is what´s underneath“, Elise Goodkind and Lily Mandelbaum

„Was du trägst, sagt so viel über deinen Selbstwert.
Es ist ausgestellte Individualität.
Ich treffe sehr klare Entscheidungen in meinem Kleidungsstil,
und sie sind nicht gefahrlos.“

Cathy Cooper, Künstlerin

Ein fantastisches Buch über Identität, Lebenswege, Selbstbewusstsein und Kleidung habe ich in der Hamburger Zentralbibliothek aus dem Regal gefischt: „True Style is what´s underneath“ von Elise Goodkind und Lily Mandelbaum, einem Mutter-Tochter-Team. Sie haben Menschen angesprochen, deren Kleidung wild, märchenhaft, individuell oder jenseits der Geschlechterrollen aussah. Viele von ihnen haben vor der Kamera ihre Kleidung Stück für Stück abgelegt und dabei aus ihrem Leben erzählt.
Die Porträts sind wahnsinnig kraftvoll, weil sie keine Mode, sondern Persönlichkeiten abbilden. Weil sie nachzeichnen, wie die Personen wurden, wer sie heute sind. Und warum wir es alle wert sind, uns so zu kleiden, dass wir unserem Inneren Ausdruck geben, statt uns hinter schnell wechselnden Trends oder bequemen Uraltklamotten zu verstecken.

Deshalb zeige ich heute meine heißgeliebte Karusselpferde-Bluse, neulich second-hand aus dem Internet gefischt. Die bunten Karusselpferde sind so verrückt, dass ich erst nicht wusste, ob ich damit wirklich zur Arbeit gehen möchte. Interessiert hat sich dafür natürlich letztlich niemand, was nur beweist, dass all die Ängste vor abfälligen Kommentaren vorrangig in unserem eigenen Hirn wuchern. In diesem Sinne:
Mehr Karussel-Pferde auf Blusen!
Mehr dramatische Strickjacken in giftgrün (oder jeder anderen kraftvollen Farbe, die dir steht)!
Mehr Mut zum eigenen Ausdruck!

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Buchempfehlung: „Frauen und Kleider. Was wir tragen, was wir sind.“

„Es ist wunderbar, eine Frau zu sein, wenn man jung und dünn ist und Männern gefällt. Ansonsten gibt es nicht so viel Wunderbares daran. Uns wird gesagt, dass wir sexy sein sollten und dass wir ohne Kinder keine erfüllten Frauen seien, aber sie unter vernünftigen Bedingungen aufzuziehen, ist praktisch unmöglich. Es scheint zum Wesen des Kapitalismus zu gehören, dass Frauen vermittelt wird, dass sie in einer Tour versagen. Jede Entscheidung ist eine falsche Entscheidung.“
Christen Clifford in „Frauen und Kleider. Was wir tragen, was wir sind.“

 

 

Wer jemals Lust hatte, ein Buch darüber zu lesen, wie Frauen ihren Körper erleben und was sie warum anziehen, sollte zu diesem Kunstwerk greifen. Es sieht auf den ersten Blick aus wie ein Buch, tatsächlich versammeln sich darin Gedanken, Ideen, Sammlungen, Interviews, Meinungsschnipsel und Alltagsfotos. Es geht dabei nicht um Mode und nicht um Schönheit im klassischen Sinn, sondern um die Persönlichkeit jeder einzelnen Frau und ihr Leben. Dabei hat mich überwältigt, wie viele dieser Frauen berichten, vergewaltigt worden zu sein und wie viele täglich Sexismus und blöde Sprüche erleben. Wer bunte Bilder und fröhliche Sommerkleidchen sehen möchte, sollte eine Zeitschrift kaufen. Wer an einem ehrlichen Blick interessiert ist, wie Frauen zwischen dem Blick von außen und dem Gefühl im Inneren versuchen, den Ansprüchen anderer und sich selbst gerecht zu werden, ist hier richtig.

„Für mich erledigt sich seither ein gewisses Maß an Nervosität und Scham, was das Anziehen angeht. Jeden Tag sehen wir Tausende von Bildern: Das sind Sachen, die ihr toll finden müsst, Sachen, mit denen ihr eure Komplexe und Makel kaschieren könnt, denn ihr dürft nicht zugeben, dass ihr euch irgendwie unwohl fühlt. Unser Buch ist ein riesiges Eingeständnis. Vielleicht bringt es den Leserinnen ein wenig Erleichterung.“
Leanne Shapton, Herausgeberin

 

 

„Auf einem Flug habe ich mal eine ältere Frau kennengelernt, und wir kamen ins Gespräch. Ich sagte ihr, wie sehr mir ihr Outfit gefalle, an das ich mich im Detail gar nicht erinnern kann, aber von dem ich noch genau weiß, dass es ganz fabelhaft war. Sie dankte mir und sagte: „Jeder Tag, an dem ich aufwache und feststelle, dass ich nicht tot bin, gibt mir die Gelegenheit, zu sagen >Scheiß drauf<. Also ziehe ich mich so an.“
Fatima G.

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Entspannt Gastgeberin sein, Trick 3

Weiße Blüten

Das Gastgeberin-Outfit

Nachdem überall gesaugt wurde, alles aufgeräumt ist, die Speisen vorbereitet im Kühlschrank warten oder auf dem Herd köcheln und auch die Deko stimmt, gilt die Aufmersamkeit uns selbst. Wir Frauen können uns hervorragend um alle und alles kümmern, nur um dann festzustellen, dass wir selbst zu kurz kommen. Damit wir den Gästen nicht mit wuscheligen Haaren, Tomatensauce im Gesicht und Staub am Knie die Tür öffnen, lohnt sich ein Blick auf uns selbst.

Daher möchte ich heute meine Tipps für ein wunderbares Gastgeberin-Outfit teilen:

  • Bequem soll es sein: Damit sich nicht nur die Freundinnen entspannen und genießen können, sondern auch wir selbst, brauchen wir gemütliche Kleidung. Keine Röcke, die den Oberschenkel hochrutschen oder enge Hosen, in denen niemand atmen kann usw. Wir haben es verdient, nach der Putz-und-Koch-Orgie loszulassen und den Moment zu genießen. Das klappt nur in Kleidung, die uns vertraut ist und bequem.
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  • Lieblingsteile tragen: Damit wir uns auch dann wohlfühlen, wenn Gäste zu spät oder gar nicht auftauchen, empfehle ich Lieblingsteile. Sie geben Sicherheit und garantieren uns, dass wir uns in unserer Haut wohlfühlen. Und es entspannt die Überlegungen vor dem Kleiderschrank deutlich, wenn wir nicht versuchen, ausgerechnet heute das anzuziehen, was wir irgendwann gekauft und nie getragen haben.
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  • Hingucker-Accessoires aussuchen: Damit die Kombination aus gemütlichen Kleidungsstücken und Lieblingsteilen festlich wird, tun glamouröse oder flippige Accessoires einen hervorragenden Dienst. Üppige Ketten, spektakuläre Ohrringe, eine extravagante Schleife im Haar, was auch immer: Alles, was den Blick auf sich zieht und dir gefällt, gibt dem Outfit die besondere Note.
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  • Gute Schuhe anziehen: Hier gefällt mir eine Kombination aus praktisch und schick am Besten. Als Gastgeberin laufen und stehen wir viel, also brauchen wir Schuhe, in denen wir entspannt und trittsicher Bodenkontakt haben. Gleichzeitig sollen die Schuhe zum Outfit passen und vorzeigbar sein.

 

Weiße Blüten

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