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Gute Freundinnen sind Leitsterne

Als Teenager sammelte ich weise Sprüche in einem Notizbuch, unter anderem das Zitat „Die Menschen, mit denen du dich umgibst, entscheiden darüber, in welche Schwierigkeiten du gerätst.“ Ich geriet nie in Schwierigkeiten, denke aber derzeit darüber nach, wie meine Freundinnen mich prägen.
Sehr dankbar bin ich dafür, dass ich Freundinnen habe, die definitiv weiser sind als ich. Besonders, wenn sie kluge Fragen stellen und mit einem Blick meine Situation erfassen, während ich noch versuche, laut denkend selbst zu verstehen, was in mir los ist.
Nichts erlebe ich als so anstrengend und sinnlos wie Small Talk. Noch viel irritierender finde ich es, wenn sich ein Gespräch in Oberflächlichkeiten erschöpft und mein Gegenüber völlig zufrieden damit scheint. Wie oft würde ich gerne mittendrin ein Telefonat unterbrechen und fragen: „Bei aller Liebe, reden wir jetzt über etwas Relevantes oder legen wir auf? Meine Zeit ist mir echt zu wertvoll für bedeutungsloses Palaver über das Wetter, Corona und ähnlichen Mist.“

Umso glücklicher bin ich, wenn ich das Geeier zum Aufwärmen weglassen und einfach direkt mit dem loslegen kann, was mich im Innersten berührt. Oder meine Freundin ihrerseits ohne Umwege berichtet, was sie derzeit beschäftigt. Mit welchen Menschen ich mich umgebe, bestimmt darüber, in welche Richtung mein Herz und mein Geist wächst. Und oberflächliches Geplauder hat nun einmal keinerlei Substanz, die jemals irgendwohin wachsen könnte.
Ich bin dankbar, dass es Frauen gibt, die mit mir eine Stunde lang intensiv im Gebet verweilen. Deren Hoffnungen und Probleme ich vor Gott bringen darf und die mich ihrerseits mit Gottes Segen ermutigen. Miteinander zu beten ist das größte Geschenk und die stärkste Gemeinschaft, die wir diesseits des Himmels haben können. Nirgendwo wird so tiefe Liebe deutlich, als wenn eine Freundin meine Sehnsüchte vor Gott ausbreitet und damit zeigt, wie sie sich um mich sorgt.
Mit welchen Menschen ich mich umgebe, bestimmt darüber, wie gut ich mich durch ihre Augen selbst durchschaue.
Mit welchen Menschen ich mich umgebe, bestimmt darüber, ob ich immer tiefer in meiner Bestimmung wurzle oder wie ein Blatt im Wind treibe.
Mit welchen Menschen ich mich umgebe, bestimmt darüber, ob ich Schritte auf dem Weg zum Herzen Gottes mache oder von ihm abkomme.
Mit welchen Menschen ich mich umgebe, bestimmt darüber, welche Tugenden und Persönlichkeitsmerkmale ich kultiviere. Niemand korrigiert mich so sehr wie meine Freundinnen, und niemand unterstützt mich so intensiv.

Mit welchen Menschen umgibst du dich?
Und wie wirken sich ihre Gesprächsthemen, ihr Lebensstil auf dich aus?

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Bevor wir Tschüß sagen: Wollen wir noch beten?

Am Samstag war ich nach einer langen Corona-Pause wieder an der Reihe, die Kirche zu putzen. Meine Gruppe war kurzfristig in Quarantäne und damit abwesend, sodass ich zufällig auf einen Mann traf, der das Taufbecken schrubben wollte. In Freikirchen sind das, je nach Architektur, einige Quadratmeter und nicht nur eine kleine Spülschüssel…
Jedenfalls waren wir beide uns unbekannt, aber nachdem wir jedeR für uns verschiedene Ecken des Gebäudes geputzt und am Ende eine Runde geschnackt hatten, meinte er: „Ich bete nochmal.“ Und dann betete er drauf los, und ich hängte mein Gebet dran.

Das finde ich so wunderbar an einer bestimmten Sorte ChristInnen:
Bevor wir uns verabschieden, beten wir ’ne Runde. Völlig egal, ob wir gerade das erste Mal mit einander gesprochen haben oder bereits seit zwei Stunden am Telefon hängen: Gott hat uns zugehört, aber lass uns mal ganz konkret seine Weisheit dazu holen und füreinander um Segen beten. Bevor wir uns trennen, versammeln wir uns als Kinder Gottes ganz bewusst vor unserem göttlichen Vater und bitten um seine Kraft.
Ich finde, im Gebet sind sich Herzen so nahe wie sonst nirgends auf der Welt. Besonders, wenn wir nicht oberflächliches Bla-bla-Gebet praktizieren, sondern der Heilige Geist spürbar anwesend ist.

Umso trauriger ist es, wenn ich den Eindruck habe, dass ChristInnen es von vornherein ausschließen, dass wir miteinander beten. Egal, ob wir uns gerade treffen oder am Telefon sprechen: Viele denken überhaupt nicht daran, die Unterhaltung um eine riesige Dimension zu erweitern und damit die Power Gottes mit all ihrer verändernden Lebenskraft einzubeziehen.
Warum eigentlich?
Klar, beten ist sehr intim. Für manche vielleicht so intim wie Sex oder noch intimer. Wie ich mit Gott rede, geht niemanden etwas an – einerseits. Andererseits sind wir alle Schwestern und Brüder des gleichen himmlischen Vaters. Wenn wir nicht miteinander beten, mit wem denn dann? Allein, ja, okay. Aber wie viel Energie hat das Gebet allein, bei dem wir schnell in die gleiche Routine verfallen, die wir gestern schon abgespult haben?

Ich glaube, dass es einen guten Grund hat, warum Jesus sagte: „Wo zwei oder drei in meinem Namen (d.h. um mich zu erleben) zusammen kommen, bin ich (unsichtbar, aber spürbar) in ihrer Mitte.“
Die Bibel, Evangelium von Matthäus Kapitel 18, Vers 20

Natürlich hat das Gebet allein seinen Wert, aber seien wir ehrlich: Wir beten doch sowieso ständig allein (hoffentlich), warum schätzen wir die Momente, in denen wir mit einer anderen gläubigen Person zusammen sind, nicht als Chance, um zusammen zu Gott zu kommen?
Haben wir Schiss, unser Gebet klänge in den Ohren des Gegenübers langweilig oder unreif oder theologisch falsch?
Haben wir Schiss, dass es zu persönlich werden könnte?
Haben wir Schiss, dass unser Gegenüber eine Facette unserer Persönlichkeit kennenlernt, die wir lieber für uns behalten hätten?
Und wenn das nun die große Chance des gemeinsamen Gebets ist: Offen, ehrlich, im positiven Sinne „emotional nackt“ vor Gott zu kommen und uns dabei als Wegbegleiter besser und tiefer kennenzulernen?
Garantiert ist der Mehrwert viel größer als der scheinbare Verlust unserer Schutzzone, mit der wir andere lieber auf Abstand halten.

 

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Kann alleine: Vom Glück, es allein zu schaffen

Kleinkinder haben eine ausgedehnte „Kann-alleine-Phase“:
Anziehen, essen, das Dreirad aus dem Gartenschuppen ziehen – immer heißt es „Lleine machen!“ oder „Kann lalleine!“
Uns Frauen mangelt es leider oft am „Lleine machen“: Wir warten darauf, dass unser Partner oder eine Freundin Lust hat, bei unseren Plänen mitzumachen. Wir trauen uns nicht, einfach mal ohne die Ratschläge anderer loszulegen. Wir meinen, schief angeschaut zu werden, wenn wir allein in den Urlaub fahren oder auch nur allein im Café sitzen.

Ich bin gern allein unterwegs, einfach, weil ich auf niemanden Rücksicht nehmen muss und mein eigenes Tempo bestimmen kann. Dennoch gibt es Dinge, die ich vermeide, weil ich meine, es allein nicht zu schaffen. Besonders, wenn es darum geht, mich auf die Kraft meines Körpers zu verlassen.

Letztes Wochenende waren mein Mann und ich im Kletterpark, und es stellte sich heraus, dass ich mich deutlich geschickter anstellte. Überraschung Nummer eins.
Außerdem stellte sich heraus, dass ich es hasste, immer die Erste an der nächsten Aufgabe des Parcours zu sein, aber genauso wenig die Zweite sein wollte. Überraschung Nummer zwei.
Oft genug stand ich auf 14 Metern Höhe auf der Plattform und jaulte: „Ich habe echt Angst, echt jetzt!“ und sprang wenige Sekunden später doch auf das nächste Seil oder hangelte mich über das nächste Hindernis.
Also, liebe Frauen: Kann alleine! Einfach mal machen, im Zweifelsfall hat der Mann an unserer Seite viel weniger Ahnung, als wir so glauben (und hoffen).

Nachdem das Stand-Up-Paddeln im Urlaub so viel Spaß machte, aber eben nur mir Spaß machte, war klar:
Das mache ich in Hamburg bald mal wieder. Lalleine machen.
Also lieh ich mir vorgestern ein SUP aus, um den Kletter-Muskelkater durch Paddel-Muskelkater zu kontern, und legte los. Entgegen der Meinung des Profis schön in die Gegenrichtung der empfohlenen Strecke, um mehr Spaß und Spannung zu haben. Leider besiegte mich bald ein ausgedehntes Kiesbett, das ich mit noch so viel Ziehen am SUP nie überwinden konnte, sodass ich umdrehen, das SUP über die Schleuse tragen und neu einsetzen musste. Wat soll’s, ich hatte meinen Plan umgesetzt, war gescheitert und paddelte nun auf der deutlich langweiligeren Hauptstrecke entlang.

Scheitern gehört dazu, hat aber nichts mit Versagen zu tun – versagen tut nur, wer es gar nicht erst versucht.
Und ich hatte dann ja eine wunderbare Paddeltour, nur wesentlich ruhiger, als auf meiner privaten Abenteuerstrecke geplant.
Obwohl ich eine Menge auf dem SUP herum turnte, um Fotos von der Landschaft zu machen, blieb ich sicher oben. Meine Wechselkleidung war also, wie immer, überflüssig. Und das Schleppen des großen, dreckigen SUPs schaffte ich auch wunderbar alleine. Und der Kletter-Muskelkater war nach dem Paddeln sogar weg.
Na also.
Leine machen!

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Das Problem mit dem Sex: Warum sind ChristInnen so verklemmt?

Komm und küss mich, küss mich immer wieder! Ich genieße deine Liebe mehr als den besten Wein. Nimm mich bei der Hand! Schnell, lass uns laufen, bring mich zu dir nach Hause! Du bist mein König! Ich freue mich über dich, du bist mein ganzes Glück. Deine Liebe ist kostbarer als der edelste Wein.“
Die Bibel, Hoheslied Kapitel 1, Vers 2-4

Ganz ehrlich:
Warum reden ChristInnen nie darüber, wie viel Spaß Sex macht?
Vor lauter Angst vor moralischen Fehlern wirken selbst offiziell verheiratete, heterosexuelle, christliche Paare, die nun wirklich jedes Recht haben, Sex zu genießen, völlig verklemmt.
Warum? Gelebte partnerschaftliche Sexualität ist ein Geschenk Gottes. Gott hat Sex erfunden! Wer sonst, wenn wir glauben, dass er unser Schöpfer ist? Warum gehen wir mit diesem Geschenk um, als wäre es ein hochexplosiver Sprengsatz? Warum sprechen wir nie positiv darüber in unseren Kleingruppen, sondern ermahnen uns nur ständig zu ehelicher Treue?
Sex ist Freude am anderen, Freude am eigenen Körper, Spaß, Extase!
Warum erleben wir das nicht?
Und wenn wir es erleben, warum reden wir nicht darüber?
König Salomo, der das Hohelied der Liebe schrieb, hatte diese Hemmungen nicht. Und diejenigen, die das Hohelied in die Bibel aufnahmen, ganz offensichtlich auch nicht. Sonst wären diese Liebesschwüre und erotischen Dialoge nie überliefert worden.

Nachts auf meinem Bett sehnte ich mich nach meinem Liebsten. So gern wollte ich bei ihm sein, doch er war nicht da! »Ich will aufstehn, die Stadt durchstreifen, durch die Gassen und über die Plätze laufen. Meinen Liebsten muss ich finden!« Ich suchte nach ihm, doch vergebens. Bei ihrem Rundgang griff die Wache mich auf: »Habt ihr meinen Liebsten gesehen?«, fragte ich sie. Kaum war ich an ihnen vorbei, da fand ich ihn, dem mein Herz gehört. Ich hielt ihn fest und ließ ihn nicht mehr los. Ich führte ihn in das Haus meiner Mutter, in jene Kammer, in der sie mich empfing.
Die Bibel, Hoheslied Kapitel 3, Verse 1-3

Hallo, sie wird mit ihm zurück im Haus wohl kaum im Dunkeln die Steuererklärung diskutieren oder endlich mal wieder Schach spielen!
Natürlich ist es absolut notwendig, Teenagern einen verantwortungsvollen Umgang mit dem eigenen Körper und der erwachenden Sexualität beizubringen. Aber spätestens, wenn wir nach allen Regeln des Staats und der Kirche verheiratet sind, kann man dann nicht einfach Spaß haben?
Offensichtlich nicht.
Stattdessen wird die eheliche Treue hochgehalten, was sehr sinnvoll und notwendig ist, aber doch bitte nicht alles, was es zu Sex in der Ehe zu sagen gibt!
Warum sind wir so sprachlos?
Und warum nervt es anscheinend niemanden außer mir?
Würde ich heute Abend in meiner Kleingruppe sagen: „Leute, wir reden viel zu wenig über ehelichen Spaß im Bett, unter der Dusche und auf der Pferdekoppel!“, würde ich wohl ein ernstes Gespräch unter vier Augen riskieren.
Warum???

„Deine Brüste sind wie junge Zwillinge einer Gazelle, die zwischen Lilien weiden. Abends, wenn es kühl wird und die Nacht ihre Schatten über das Land breitet, will ich zu dir kommen – zu dem Hügel, der nach Myrrhe und Weihrauch duftet. Deine Schönheit ist vollkommen, meine Freundin, kein Makel ist an dir.“
Die Bibel, Hoheslied Kapitel 4, Verse 5-7

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Der Preis für die Liebe

„Und ich glaube dennoch, dass es für viele junge Frauen die richtige Entscheidung ist, Single zu bleiben. Nichts frustriert mich mehr, als mit anzusehen, wie junge Frauen ihr Leben an farblose, undankbare, langweilige Mannskinder vergeuden, die nur ein Mädchen brauchen, mit der sie vor ihren Freunden angeben können, und das im stillen Kämmerlein Ersatzmutter und Sexpartnerin gleichzeitig ist. Ich war dieses Mädchen. Es machte keinen Spaß.
Es ist nicht so, dass die Träume dieses Mädchens gar nicht zählten, aber sie zählten immer weniger als die ihres Freundes, weil Jungs mit der Erwartung aufwachsen, dass ihre Freundin sie unterstützt. Ihr seht sie überall: erschöpfte junge Frauen, die mit ihrer gesamten Energie jungen Männern ihr Leben organisieren, ihnen Mut machen, sich um sie kümmern; Männern, die ihnen das übelnehmen, es ihnen aber noch mehr verübeln würden, wenn sie es nicht machten. Ihr seht sie für jedes Krümelchen Zuneigung kriechen, bis alles in die Brüche geht und der Teufelskreis von vorn anfängt. So kann man seine gesamte Jugend verplempern.
Für junge Frauen soll auf der Prioritärenliste ganz oben stehen, ob Männer sie in Liebesdingen gut finden, und viele junge Männer können sich eine Welt, in der wir andere Prioritäten setzen, nur schwer vorstellen. Das ist problematisch, weil von uns erwartet wird, dass wir uns dafür in allen anderen Bereichen des Lebens beschneiden. Wir sollen unsere Identität herunterspielen, wir sollen finanziell oder beruflich nicht erfolgreicher sein als unser Partner. Wir dürfen Kreativität und Ehrgeiz an den Tag legen, aber nie mehr als der Mann in unserem Leben, damit er sich nicht bedroht fühlt. Dabei gibt es wenig Männer, für die sich dieses Opfer lohnt.
„In der patriarchalen Kultur betrachten tendenziell Männer die Liebe als etwas, das ihnen zusteht, ohne dass sie sich selbst anstrengen müssten,“ schreibt Bell Hooks in „All About Love: New Visions“, „in den meisten Fällen wollen sie die Arbeit, die Liebe erfordert, nicht verrichten.“ Selbst die nettesten Männer erwarten oft, dass sie, sobald eine Frau in ihr Leben tritt, die meisten Hausarbeiten nicht mehr verrichten müssen.
Wenn ich mich über dieses monolithische Ideal der romantischen Liebe geäußert habe, kam der heftigste Widerstand von Männern, zum Teil verbunden mit Gewalt, und das ist auch kein Wunder: Männer haben in diesem traditionellen Arrangement viel mehr zu gewinnen. Männer dürfen romantische Liebe als Gefühl und Erfahrung betrachten, das ihnen als Belohnung für ihr fantastisches Ich zusteht. Ich hätte es auch nicht gern, wenn mir jemand das streitig machte.
Frauen dagegen lernen schon früh, dass wir, um geliebt zu werden, hart arbeiten müssen, und um dauerhaft geliebt zu werden, noch härter arbeiten müssen. Wir kümmern uns um Männer, die nie gelernt haben, sich um sich selbst zu kümmern, und das unabhängig davon, ob wir für eine solche Arbeit überhaupt geeignet sind. Wir tun es, weil uns eingeredet wird, dass wir andernfalls einsam sterben.“

Laurie Penny in „Bitch Doktrin“, Edition Nautilus

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Buchempfehlung: „Freundinnen. Eine Kulturgeschichte“ von Marilyn Yalom

 

„Lass niemals einen Ehemann die Rolle deiner besten Freundin spielen.“ Amy Poehler

 

Der Titel des Buchs „Freundinnen. Eine Kulturgeschichte“ von Marilyn Yalom und Theresa Donovan Brown klingt bereits etwas trocken. Glücklicherweise trifft das aber nur auf die ersten Kapitel zu: Von biblischen Zeiten und der Antike bis ins Heute zieht sich die umfassende Darstellung von Frauenfreundschaften. Naturgemäß sind in patriarchalischen Darstellungen der Geschichte (also bis vor knapp zweihundert Jahren) wenig Zeugnisse von Frauen selbst erhalten. Geschweigedenn, dass sie selbst ihre Geschichte dargestellt und veröffentlicht hätten. Insofern ziehen sich die ersten Kapitel reichlich, weil wenig Material vorhanden ist und wenn, dann nur Bösartiges aus den Federn von Männern. Nein, das wiederhole ich hier absichtlich nicht, der Dreck soll aussterben!
Danach liest sich der Band deutlich flüssiger, weil Frauen selbst zu Wort kommen und Zeitgeschichte mit ihren Augen lesbar wird. Je näher die Darstellung der Gegenwart rückt, desto vielfältiger und politischer werden die weiblichen Beziehungen. Entsprechend steigt das Lesevergnügen.

 

„Unsere Freundschaft ist schon so alt, dass Zeit und Distanz nie eine Rolle gespielt haben.“
Brief von Eleanor Roosevelt an Isabella Selmes Ferguson Greenway King, 9. Oktober 1953

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Zu eng

„Anna beobachtete mich immer noch mit einem schmerzlichen Ausdruck im Gesicht, als ich aus meinem Berg von Taschentüchern wieder auftauchte. Ich wischte mir die Nase und lächelte erschöpft.
Ich wusste, sie spürte, dass James als Stütze fehlte, aber seltsamerweise empfand ich so etwas wie Erleichterung darüber, dass ich unsere Beziehung beendet hatte.

Es hatte sich angefühlt, wie endlich die Schuhe auszuziehen, die schon immer einen Tick zu eng gewesen waren, nachdem ich mir viel zu lange eingeredet hatte, dass zu enge Schuhe besser waren als gar keine Schuhe.“

aus: „Weil wir zusammen gehören“ von Anouska Knight

 

 

Für alle Frauen, die in unbefriedigenden Beziehungen stecken und lieber eine anstrengende Partnerschaft haben möchten als gar keine.
Wirklich?

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Wir brauchen welche, die weinen können

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Brauchbitten

Wir brauchen welche
die weinen können
die trauern um alle
die nicht überlebt haben
um alle
die gebrochen wurden in ihrer Würde
vergewaltigt verstümmelt und zu Tode gequält

Wir brauchen welche
die schreien können
die das Unrecht beim Namen nennen
laut und deutlich
für alle
die zum Schweigen gebracht wurden
die sprachlos geworden sind in ihrem Schmerz

Wir brauchen welche
die kämpfen können
die nicht davonlaufen beim ersten Geruch des Schreckens
wir brauchen welche
die hoffen können
die dein Mund sind dein Ohr und dein Schrei
denen schick deine Kraft Gott
die lass ansteckend sein

(Carola Moosbach, Rechte bei der Autorin)

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Text entdeckt auf der Website des „trotz allem“-Gottesdiensts, ein Angebot für Frauen mit Gewalterfahrungen

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Im Herzen aufräumen

Vor Kurzem dachte ich an einen Moment während der geführten Traumreise, an der ich neulich teilnahm. Mittelpunkt des Gedankens war, in einem Raum unseres Herzens Platz für Gutes, Neues zu schaffen. Wir wurden aufgefordert, uns all das vorzustellen, womit dieser Raum angefüllt war. Diesen Dingen, Gefühlen, Beziehungen und Belastungen sollten wir die Erlaubnis geben zu gehen. Wir sollten uns nicht überlegen, wir wir es schaffen, all diesen tatsächlichen und emotionalen Müll dort heraus zu schleppen. Die einfache Erlaubnis, Unerwünschtes gehen zu lassen, hat bereits eine große Kraft.
Welche Themen gibt es in unserem Leben, die wir gern verabschieden würden?
Routinen und Gewohnheiten, die uns an Altes binden, das wir längst hinter uns lassen wollten?
Unübersehbare Gegenstände, die nicht nur Platz in Schränken und Kellern rauben, sondern auch Energien – weil sie uns an Verlorenes, Vergangenes, Niederlagen erinnern?
Personen, die uns nicht gut tun: Freundinnen, die fünf Mal angemailt werden, um sich ein Mal zurück zu melden? Verwandte, die stets besucht werden wollen, aber zu bequem sind, selbst vorbei zu kommen? Chefs und Chefinnen, die total freundschaftlich tun und hinterrücks Arbeitsbedingungen verschärfen?
Was es auch sein mag – als erster Schritt reicht es, sie gehen zu lassen. Die Beziehungen frei zu geben und uns damit Raum zum Atmen. Die Gegenstände als Ballast zu entlarven und sich davon zu lösen.

 

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Ich habe festgestellt, dass wir oft so damit beschäftigt sind, wie wir etwas erreichen, etwas bekommen, etwas kaufen oder verkaufen, dass wir gar nicht mehr wissen, warum eigentlich. Ob wir dazu innerlich bereit sind, es in unser Leben aufzunehmen. Oder uns unbewusst an etwas klammern, von dem wir den Abschied nicht schaffen.
Ob es sich dabei um eine veraltete (positive) Hoffnung oder eine ehemalige (negative) Enttäuschung handelt – oft überspringen wir den Schritt des Loslassens. Stattdessen brüten wir, wie wir die Dinge geregelt bekommen und ärgern uns, dass es nicht vorwärts geht. Dabei sollte es uns nicht wundern, wenn etwas, das wir unbewusst festhalten, immer noch im Weg steht und wir es einfach nicht schaffen, es loszuwerden. Oberflächlich liegt es an den Öffnungszeiten des Recyclinghofs, dass wir etwas nicht entsorgen. Oder an „all dem, was sie/er für mich getan hat“, dass wir eine verdorbene Beziehung nicht aufgeben. Tatsächlich fehlt uns das innere „Ja“ zu diesem Schritt, das die Grundlage für tatsächliche Veränderung ist.

Wenn wir Belastendes aus vollem Herzen freigeben können, sind  wir offen für das, was wir stattdessen einladen. Auch hier können wir krampfhaft versuchen, eine neue Perspektive herbei zu zwingen. Wir können täglich nach dem passenden Job suchen, der richtigen Partnerin hinterher hetzen, nach der perfekten Wohnung recherchieren. Das kann zum Erfolg führen – wahrscheinlicher ist aber, dass wir erschöpft und mit leeren Händen aufgeben. Einerseits, weil wir vielleicht Ersatzbefriedigungen für das suchen, was uns wirklich fehlt. Und andererseits, weil wir für das Neue, das wir herbei zerren wollen, gar nicht bereit sind.
Der erste Schritt dorthin kann gelingen, wenn wir uns an einem ruhigen Ort Zeit nehmen. Eine gute Position im Sitzen oder Liegen finden und alles Äußere ausblenden. Die Idee ist, mit dem Ausatmen alles Belastende aus uns strömen zu lassen. Und mit dem Einatmen Gutes, Ersehntes hinein zu lassen. Wer mag, stellt sich diese Bewegungen und die daraus resultierende Veränderung bildlich vor.

 

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Diese Gedanken, entstanden aus einem inspirierenden Abend, sind mir noch nachgegangen. Ich möchte eine Person sein, die Altes freigibt und Neues einlädt. Belastendes gehen lässt und Beglückendes einlädt.
Machst du mit?