aufmerksam, glaubhaft

Warum ertragen wir es nicht, krank oder erschöpft zu sein? Warum hassen wir uns (und andere) für unsere Schwäche?

Warum behandeln wir kranke und erschöpfte Menschen in unserem Umfeld oft geringschätzig – halb mitleidig, halb abweisend?
Warum können wir es an uns selbst kaum ertragen, mit einem Infekt kurzfristig nicht leistungsfähig zu sein oder längerfristige gesundheitliche Fragen zu haben, die sich nicht auf die Schnelle lösen lassen?
Warum ist uns jede Form von Schwäche verhasst, sodass wir sie lieber vor anderen verbergen, solange es möglich ist?
Ja, klar, die Leistungsgesellschaft hat uns alle im Griff. Auch diejenigen, die meinen, darin nicht so gefangen zu sein wie der Rest der Allgemeinheit.

Ich stelle fest, dass ich keine Schnittblumen mag, die in den Prozess des Welkens übergehen: Sie sollen tiptop aussehen oder kommen in den Kompost. Sträuße mit Wiesenblumen sind etwas anderes, aber die stehen hier in Hamburg selten auf dem Küchentisch – und wenn sie Ansätze von gammelig werden zeigen, verschwinden sie auch ganz fix in der Tonne.
Jeans, die die Form verlieren, und Pullover, die hartnäckige Knötchen bilden oder ausleiern, sind schneller in die Spende gebracht, als sie gucken können.
Klingt mitleidslos, ist die Wahrheit.
Warum können wir das Kaputte, Verbrauchte, Mangelhafte so wenig aushalten?
Weil es uns daran erinnert, dass wir nicht so unermüdlich, brillant und großartig sind, wie wir gern vorgeben?
Weil es uns daran erinnert, dass wir lieber dankbar und umsichtig mit uns, unseren Mitmenschen und den Lebewesen und Gütern um uns herum sein sollten, statt alles zu verschleißen und dann schnellstmöglich abzustoßen – Freundschaften genauso wie T-Shirts?
Weil es uns in letzter Instanz an unsere Sterblichkeit erinnert?

Also.
Ich halte es jetzt mal aus, dass die Tulpen in der Vase räudig aussehen.
Wenigstens bis morgen.
Oder übermorgen.

aufmerksam, feminin, glaubhaft

Wenn alles frustig und enttäuschend ist: Gott das Steuer überlassen

Ich bin ein ausgesprochen geduldiger Mensch, aber manchmal läuft mein Frust-Eimer einfach über.
Nach mehr als drei Jahren mit einem bestimmten Kooperationspartner stelle ich mir gerade ganz grundsätzlich die Frage, wie sinnvoll eine fortgesetzte Zusammenarbeit ist. Eine Menge Fehler, unprofessionelle Patzer, respektloses Verhalten haben sich angesammelt und besonders in den letzten Monaten zusätzlich aufsummiert. So sehr ich meine Tätigkeit liebe – die damit verbundenen Umstände machen mich inzwischen rasend.
Tatsächlich kämpfe ich aktuell mit mir selbst und dem Versuch, nachhaltig zu vergeben.
Gleichzeitig möchte ich weniger auf meinen eigenen Einsatz und mehr auf Gottes allmächtigen Einfluss bauen.
Viel zu oft meine ich, alles allein schaffen zu müssen. Mit sehr gründlicher Professionalität und profundem Fachwissen mein Gegenüber überzeugen zu wollen. So lange nachzulegen, bis wirklich das bestmögliche Produkt fertiggestellt werden kann.
Aber je mehr ich mich reinhänge, desto größer ist der Frust, wenn andere mit weniger Herzblut dabei sind und meine Hinweise bewusst ignorieren.
So ringe ich darum, verzeihen zu können und mich auf Gott statt auf meinen menschlichen Einfluss zu verlassen. Ich kann weder die Kompetenz noch die Motivation von anderen Menschen lenken – Gott sehr wohl schon. Und das garantiert liebevoller und umfassender, als es mir möglich wäre.

Wo kämpfst du gegen scheinbar unüberwindbare Grenzen an?
Wo verzweifelst du an dem Mangel von Einfluss, der deine Entscheidungen beschneidet?
Wo beißt du dich fest, mit bestem Wissen und besten Absichten, aber letztlich doch ergebnislos?
Wo weist du den Gedanken an Lockerlassen und Vergeben weit von dir – könntest dadurch aber dennoch inneren Frieden erhalten?
Wo wartet Gott nur darauf, dass du dich an ihn wendest und ihm das Steuer überlässt?

aufmerksam, glaubhaft

Durchhalten oder auftanken?

Manchmal spüren wir, wie die eigene Kraft nicht mehr ausreicht. Wir sind müde, innerlich leer gelaufen, leben mit Tunnelblick, trauern um verlorene Träume. Ob es aggressive Vorgesetzte sind, der Nachbarschaftsstreit, die anhaltende Spannung in einer Beziehung, eine chronische Krankheit oder Arbeitslosigkeit: Irgendwann ist der Sprit verbraucht. Auf den letzten Metern der Parole „Durchhalten“ rollen wir nur noch aus dem Reservetank. Und auch der fällt bald trocken.
Und dann?
Für alle, die sich nach neuem Mut und frischer Energie sehnen, versammle ich Gedanken und Impulse, von denen ich hoffe, dass sie euch weiterhelfen.

  • Manchmal ist das, was wir am Dringendsten brauchen, Gebet. Und das, was wir in solchen Momenten am Wenigsten schaffen, ist: Gebet. Weil wir schon so lange versuchen, es allein zu wuppen. Zu beweisen, dass wir noch lange nicht aufgeben, bringt uns oft eher weg von Gott. Weil wir uns, je müder wir werden, umso mehr bemühen, aus eigener Kraft ans Ziel zu kommen. Oder wenigstens den nächsten Tag zu überstehen. Wenn uns außer „Scheiße Gott, das war so nicht abgemacht“ kein tröstender Gedanke kommt, helfen manchmal die Lieder, Gedanken und Gebete anderer Menschen. Wir sind weder die Ersten, noch die Letzten, noch die Einzigen, die glauben. Auch wenn es sich im Alltag oft so anfühlt… So viele sind vor uns unterwegs gewesen und so viele gehen (unsichtbar) mit. Darum lassen wir andere für uns singen und beten – und sei es ganz unromantisch über Lieder aus dem Internet, die wir beim Frühstück zu Aufmunterung laufen lassen:

Das, was ich brauch, bist du

Du tust im Innern meiner Seele gut

Du machst alles neu (Koenige & Priester)

Du liebst und machst alles neu (Hillsong)

Mit allem was ich bin, will ich dich loben

  • Auch, wenn gesunde Ernährung gerade dann besonders wichtig ist, wenn es hart auf hart kommt: Manchmal tut es gut, Gelüsten nachzugeben. Ob es die Sehnsucht nach einem besonders raffinierten Stück Kuchen vom Konditor ist, ein Mittagessen aus Kindheitstagen oder einfach die sprichwörtlichen Chips auf dem Sofa. „Comfort food“ (Wohlfühlessen) ist gerade in aller Munde. Obwohl es sich nicht als ernsthafte Ernährung eignet: Auch die Seele möchte gefüttert werden, neben guten Worten und Berührungen kann das ganz praktisch ein „Sehnsuchtsessen“ sein. Bratäpfel an dunklen Winterabenden zum Beispiel…
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  • Dem Körper etwas Gutes tun: Einen Spaziergang unternehmen, sich in der Therme durchwärmen und treiben lassen, eine Massage gönnen, miteinander kuscheln, tanzen gehen. Auch eine Kleinigkeit wie ein abendliches Fußbad als Einschlafhilfe tut wohl.
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  • In der Bibliothek ein Buch der Lieblingsautorin vorbestellen oder aus dem Buchladen besorgen. Mit einem feinen Tee oder Kaffee, Obst und Gebäck im Sessel einkuscheln und für die nächsten Stunden einfach abmelden. Wer mehr auf die musikalische oder cineastische Seite gehört, tauscht in der „Wirkstoffkombination“ einfach das Buch gegen ein Medium nach Wahl…
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  • Fotos aus dem letzten Urlaub anschauen und in Erinnerungen schwelgen. Auch alte Alben aus Kindheitstagen können schöne Erinnerungen wachrufen. Und damit positive Gedanken anstoßen, die wir so dringend brauchen.
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  • Humor bewahren: Sketche von Loriot lesen, alte Videos über die Kleinkinder von damals anschauen, mit Freundinnen Witze austauschen. Laut Lieder singen bringt ebenfalls Schwung in den Alltag.