aufmerksam, glaubhaft

Was bedeutet dein Name für dich? Und welche Botschaft hat er für dein Leben?

Hast du dich jemals gefragt, was dein Name bedeutet?
Aus welcher Sprache, welcher Kultur er stammt und welchen Hintergrund er hat?
Ich lade dich ein, nachzuforschen, welche Botschaft in deinem Vornamen steckt: Vielleicht von deinen Eltern bewusst bestimmt, vielleicht eher emotional aus einer Mode heraus gewählt – und dennoch ein wichtiger Teil deiner Identität, der kein Zufall ist.
Welche Bedeutung oder Wortherkunft berührt dich positiv?
Wovon fühlst du dich eher abgestoßen?

Hast du jemals Gott gefragt, welchen Namen er für dich hat?
Wie sieht er dich, wie nennt er dich?
Für mich ist es eine große Bereicherung, zu wissen, wie Gott mich ansieht und mit welcher Botschaft er mich ruft.
Du meinst, dass das Spinnkram sei? Dann probiere es selbst aus: Bitte Gott im Gebet, dir zu zeigen, wie er dich sieht. Wie er dich ruft. Welches zentrale Thema über deinem Leben steht, mit dem er dich segnet und womit du ein Segen für andere sein kannst.
Vielleicht beantwortet Gott dieses Gebet direkt mit einem Bild, einem Wort, einem Lied. Vielleicht bekommst du nicht sofort eine Antwort und bist eingeladen, deinen Wunsch immer wieder vor Gott zu bringen. Ich bin ganz sicher: Er wird dir zeigen, wer du in seinen Augen bist und welchen unendlichen Wert du hast.

aufmerksam, feminin, glaubhaft

Echt sein. Lebendig sein.

„Er wies auf die vollen Straßen und die hupenden Autos. „Das hier ist das wahre Leben, hier fühlt man sich lebendig! Wenn ich in England bin, habe ich das Gefühl, dass dort Zombies rumlaufen. Das hier ist echt.“
Echt. Es war dasselbe Wort, das Hossein verwendet hatte, um zu beschreiben, warum er in den Iran zurückgekommen war. Allmählich begann ich zu verstehen, was sie meinten. Auch ich spürte die ganze Zeit diese „Echtheit“, und sie war erregend, energiegeladen. Es fühlte sich an, als wäre das die Art und Weise, wie Menschen eigentlich miteinander umgehen sollte: sich in die Augen sehen und über die Dinge reden, auf die es wirklich ankommt, wirklich alles wahrnehmen und sich nicht wegen jeder Kleinigkeit Sorgen machen. Plötzlich hatte ich den Gedanken, ob die Lebenslust vielleicht deshalb hier so ausgeprägt war, nicht obwohl, sondern weil man unter einem autoritären Regime lebte. Aber als ich Omid danach fragte, widersprach er.
„Nein, wir Iraner sind einfach so (…)“

aus: Lois Pryce, „Im Iran dürfen Frauen nicht Motorrad fahren. Was passierte, als ich es trotzdem tat“ (ein fantastisches Buch über das Leben, das Reisen, Identität und die Realität des Frauseins)

Authentizität und Lebensfreude sind prägende Begriffe meiner Identität.
Gerade entdeckte ich einen Sänger wieder, den ich als Teeny total toll fand. Der Typ singt nicht im klassischen Sinne „schön“, und manche seiner verbalen Schlenker im Instrumentalteil eines Songs klingen in den Ohren einer Ex-Logopädin schräg und nach üblichen Maßstäben nicht wünschenswert. Aber egal: So singt sonst keiner auf der Welt, der Mann ist einfach echt.

Mein Leben ist kurz und kostbar, ich habe keine Zeit und keine Energie, mich permanent so zu verhalten, dass andere mit mir zufrieden sind. Wozu auch?
Warum sollte es mir wichtig sein, in eine bestimmte Schublade zu passen und dort ein attraktives Bild abzugeben?

Ich finde es schade, dass wir so viel Zeit damit verbringen, in den gesellschaftlichen Konsens zu passen und von unseren Mitmenschen für eine oberflächliche Fassade anerkannt zu werden.
Je mehr ich meinen Begabungen entsprechend handle und je konsequenter ich darauf pfeife, wer was von mir hält, desto fruchtbarer und sinnerfüllter ist mein kurzer Auftritt auf diesem Planeten.

Das ist eins der Geheimnisse des Lebens, glaube ich:
Je mehr wir den Erwartungen entsprechen wollen, desto unglücklicher werden wir (selbst, wenn wir sie erreichen oder übertreffen und glücklich sein müssten). Und je mehr wir uns von äußeren Bedingungen lösen und das lebendig und real werden lassen, das in uns schlummert, desto mehr beschenken wir unsere Mitmenschen und desto erfüllter leben wir selbst.

aufmerksam, feminin, glaubhaft

Warum du gut bist, wie du bist. Egal, was du selbst darüber denkst

Manche von uns wären gern geheimnisvoll und sexy, stattdessen sind sie die authentischsten und ehrlichsten Menschen im weiten Umkreis. Andere wären gern geistreich und spritzig, stattdessen strahlen sie eine solche Wärme aus, dass sich in ihrer Gegenwart viele geborgen fühlen. Wieder andere wären gern athletisch und schlank, stattdessen erleben die Mitmenschen sie als gemütlich und kreativ und lassen sich von ihrer inneren Zufriedenheit anstecken.
Wer wir sein wollen und wer wir sind, klafft oft auseinander.
Ständig werden wir mit Botschaften und Bildern manipuliert, die uns täglich tausendfach zeigen, wie wir sein sollen:
Plakatwände, Zeitschriften, Fernsehen und Internet präsentieren Menschen, die gesund sind, schlank, sportlich, witzig und sexuell attraktiv. Auch wenn wir wissen, dass wir all diese Anforderungen nicht gleichzeitig leisten können, erwarten wir es unbewusst doch oft von uns. Der Anspruch, wie wir sein sollen, höhlt uns innerlich aus. Selbst, wenn wir uns bewusst von manchem Zeitgeist distanzieren, fehlt uns das volle „Ja“ zu unserem Körper und unserer Persönlichkeit. Wir sind einfach so oft so anders, als wir sein sollen. Und als wir uns in unseren schillerndsten Träumen manchmal ausmalen.

„Du, Gott, bist es ja auch, der meinen Körper und meine Seele erschaffen hat, kunstvoll hast du mich gebildet im Leib meiner Mutter.
Ich danke dir dafür, dass ich so wunderbar erschaffen bin, es erfüllt mich mit Ehrfurcht.
Ja, das habe ich erkannt: Deine Werke sind wunderbar!“

aus: Die Bibel, Psalm 139, Verse 13 und 14

Dabei ist das, wer wir sind, oft so viel wertvoller für uns selbst und unsere Mitmenschen, als die Vorstellung, wie wir gerne wären.
Unser extrem cooler Pastor, bei dem wir uns einig sind, dass wir niemals so cool sein werden wir er, predigte mal darüber, wie unwichtig „cool“ eigentlich ist. Und wie viel wertvollere Persönlichkeitsmerkmale es gibt. Dass unsere Geduld, Freundlichkeit, Offenheit, Herzlichkeit, Durchhaltevermögen und Barmherzigkeit so viel wichtiger für unsere Familien und FreundInnen als ein bestimmtes Image sind.
Auch ich wäre gern anders und bügle oft Komplimente ab, weil ich denke, dass bestimmte Eigenschaften an mir langweilig sind. Dabei sind es gerade diese Facetten, warum andere gern mit mir zusammen sind. Und die Persönlichkeitsmerkmale, die ich mir so für mich ersehne, haben eigentlich keinen bleibenden Wert.

Und das passende Lied dazu: Ich weiß, wer ich bin
Der Klassiker Vergiss es nie, dass du lebst, war keine eigene Idee ist eine beliebte Erinnerung an die Liebe unseres göttlichen Vaters.

P.S.: Ich habe keinen akuten Schlaganfall erlitten, die obigen Zeichnungen habe ich mit der linken Hand angefertigt. Fand ich thematisch passend…

aufmerksam, feminin, glaubhaft

Von überlebensgroßen Vorbildern und dem Blick auf uns selbst

Kennt ihr das auch: Es gibt bestimmte Menschen, von denen wir ständig Gutes hören und die wir doch nie kennenlernen.
Einer davon ist T. J. (Tii-Tschäi) aus meiner Kirche. In letzter Zeit höre ich gefühlt ständig „Da kümmert sich T. J. drum,“, „Lass uns mal T. J. fragen“ und „Das wollte T. J. doch organisieren.“ Letzte Woche im Gebetskreis bei mir im Viertel erfuhr ich plötzlich, dass T. J. der Arbeitskollege des Gastgebers ist und sie sich in der Agentur zum Beten verabreden. Jetzt ist noch nicht mal mehr der Stadtteil T. J.-freie Zone!
Offensichtlich ist T. J. in quasi allen Lebenslagen kompetent, sehr zuverlässig, federführend bei diversen Aktionen, super intelligent und kinderlieb. Kurz, er ist perfekt und auch noch super hip, weil er englisch als Muttersprache hat. Entsprechend stellte ich ihn mir vor: Ein sehr großer (geschätzte 2,13 m) muskelbepackter Afroamerikaner mit spiegelnder Glatze und blendend weißen Zähnen. Stark, schlau, geduldig und unverwüstlich. Der Mann, dem einfach alle vertrauen.

Heute putzte ich den Jugendraum in der Kirche, während diverse Kinder und drei Väter noch am Kicker spielten und Karten zockten. Am Ende blieb nur noch eine Familie übrig, das Mädchen sprach ihren Vater mit Daddy an und er antwortete konsequent auf englisch. Erst dachte ich mir nichts dabei, während ich meterweise Spinnweben von der Decke holte und die Fenster putzte. Schließlich haben wir immer wieder Briten zu Besuch.
Bis ich irgendwann dachte: „Könnte DAS vielleicht T. J. sein? Und wenn nicht, könnte er T. J. kennen, so Expats unter sich?“ Als er also kurz vor dem Aufbrechen in meiner Nähe beschäftigt war, fragte ich ihn, ob er T. J. sei. Zu meinem größten Erstaunen bejahte er, dabei sah er völlig normal aus. Wie quasi jeder Hamburger mit Regenjacke, Turnschuhen und Drei-Tage-Bart. Ich war so perplex, dass ich ihm natürlich mein zusammenfantasiertes Bild darlegte. Wie es immer so ist: Marie macht den Mund auf, raus kommt die ungeschminkte Wahrheit, und anschließend gucken wir mal, wie wir das halbwegs zivil entschärft bekommen. Ähem. Er nahm es zum Glück sportlich und meinte, ganz offensichtlich sei er ja das Gegenteil meiner Vorstellung.

Ich stellte mich natürlich auch vor und zu meinem großen Entsetzen meinte er, er habe meinen Namen auch schon öfter gehört. Ich hoffe ja schwer, dass er jemand Anderes meint – denn im Gebetskreis sage ich natürlich, was letzte Woche gut gelungen ist, aber noch viel mehr und viel öfter, was gerade so richtig blöd läuft. Ähem. Da liegt der Verdacht nahe, dass er jede Menge Katastrophen von mir gehört hat – andererseits, wen interessieren die in irgendeiner millionenschweren Agentur?

Und die Moral von der Geschicht:
– Ganz normale Menschen werden manchmal so von ihrem Umfeld geschätzt, dass sie wie HeldInnen auf andere wirken. Dabei sind sie genauso unspektakulär wie wir selbst. Wir selbst dagegen sind oft gar nicht so klein, unbedeutend, machtlos und langweilig, wie wir mit einem Blick auf unsere Unsicherheiten und Schwächen meinen. Wer weiß, was andere über uns erzählen, sodass wir in den Ohren unbeteiligter Dritter wie Wunderwaffen klingen? Vielleicht sind wir viel stärker, als wir selbst glauben.

– Und was die Angst angeht, von anderen, die über uns reden, als Depp wahrgenommen zu werden: In unserer Schwäche liegt eine Kraft und Ehrlichkeit, die anderen Mut machen kann. Wenn wir anderen von unseren Niederlagen erzählen, sind die anschließenden Siege mit Gott umso eindrucksvoller. Und sich gegenseitig in Zeiten von Frust oder Trauer beizustehen, kann wichtiger und wirksamer sein, als immer die Unkaputtbare vom Dienst zu sein. Vielleicht sind wir in unserer Begrenztheit wertvoller, als wir meinen.

aufmerksam, glaubhaft

Nobody but Jesus: Niemand als Jesus

Why You ever chose me (Warum du mich jemals ausgewählt hast)
Has always been a mystery (war immer ein Rätsel)
All my life, I’ve been told I belong (Mein ganzes Leben wurde mir gesagt, ich gehöre)
At the end of a line (ans Ende der Reihe)
With all the other Not-Quites (Mit all den anderen Nicht-ganz-Passenden)
With all the Never-Get-It-Rights (Mit all den anderen Die-es-nie-hinbekommen)
But it turns out they are the ones You were looking for (Aber es stellt sich heraus, dass es diejenigen sind, nach denen du suchst)
All this time (Die ganze Zeit)

Cause I’m just a nobody trying to tell everybody (Denn ich bin ein Niemand, der versucht, allen zu erzählen)
All about Somebody who saved my soul (Alles über jemanden, der meine Seele rettete)
Ever since You rescued me, You gave my heart a song to sing (Seit du mich befreit hast, gabst du meinem Herzen ein Lied)
I’m living for the world to see nobody but Jesus (Ich lebe dafür, dass die Welt sieht: Niemand als Jesus)
I’m living for the world to see nobody but Jesus (Ich lebe dafür, dass die Welt sieht: Niemand als Jesus)

Moses had stage fright (Mose hatte Lampenfieber)
And David brought a rock to a sword fight (Und David brachte einen Stein zum Schwertkampf mit)
You picked twelve outsiders nobody would’ve chosen (Du nahmst zwölf Außenseiter, die niemand ausgewählt hätte)
And You changed the world (Und du ändertest die Welt)
Well, the moral of the story is (Tja, die Moral der Geschichte ist)
Everybody’s got a purpose (JedeR hat eine Bestimmung)
So when I hear that devil start talking to me, saying (Wenn ich also höre, dass der Teufel anfängt mir etwas zu sagen, und meint:)
„Who do you think you are?“ I say („Wer glaubst du, dass du bist?“, sage ich:)

I’m just a nobody trying to tell everybody (Ich bin einfach ein Niemand, der versucht, allen zu erzählen)
All about Somebody who saved my soul (Alles über jemanden, der meine Seele rettete)
Ever since You rescued me, You gave my heart a song to sing (Seit du mich befreit hast, gabst du meinem Herzen ein Lied)
I’m living for the world to see nobody but Jesus (Ich lebe dafür, dass die Welt sieht: Niemand als Jesus)
I’m living for the world to see nobody but Jesus (Ich lebe dafür, dass die Welt sieht: Niemand als Jesus)

So let me go down, down, down in history (Jetzt lass mich tief, tief, tief in die Vergangenheit abtauchen)
As another blood-bought faithful member of the family (als ein weiteres, durch Blut erkauftes Familienmitglied)
And if they all forget my name, well, that’s fine with me (und wenn sie alle meinen Namen vergäßen, wäre das okay für mich)
I’m living for the world to see nobody but Jesus, yeah! (Ich lebe dafür, dass die Welt sieht: Niemand als Jesus allein)

Liedtext von Casting Crowns, Übersetzung von mir

aufmerksam, feminin, glaubhaft

Weniger Fassade, mehr Leuchten von Innen

„Ich glaube, dass Menschen sich nach dem Leuchten sehnen
– und vom Glanz genug haben.
Wir wollen wieder spüren,
dass jemand von innen angezündet ist.
Dass es aus ihm heraus strahlt.
Nur andere Energie umlenken ist langweilig.
Man kann vieles lernen.
Aber von innen heraus zu scheinen anfangen – das erfordert zwei Dinge:
Den Mut sich zu zeigen und das zu tun und zu sagen,
was seiner Leidenschaft entspricht.

Was ist dein Ziel? Zu scheinen oder zu strahlen?“

Credo von Bodo Janssen, zitiert von Boris Thomas

aufmerksam, feminin, glaubhaft

Mode ist…. Würde

„I believe that high heels are something on par with when the Chinese used to bind women´s feet.
People think they make your legs look great but they
bind your mind and bind your body

– you can´t  run away from a rapist, that´s for sure.
You are on this pedestal and you look good
but you can´t move, so you need to be carried.

As  a woman, you should be able to be on the move.“

Henny Garfunkel, Fotografin, New York

in: „True Style is what´s underneath“, Elise Goodkind and Lily Mandelbaum

„Ich glaube, dass High Heels (Schuhe mit hohem Absatz)
auf einer Ebene sind mit den Chinesen,
als sie den Frauen die Füße banden.

Leute glauben sie sorgen dafür,
dass die Beine großartig aussehen,
aber sie binden dein Denken und deinen Körper:

Du kannst vor einem Vergewaltiger nicht weglaufen,
das ist sicher.

Du bist auf diesem Podest und du siehst gut aus,
aber du kannst dich nicht bewegen,
also musst du getragen werden.

Als Frau solltest du in der Lage  sein, in Bewegung zu sein.“

Henny Garfunkel, Fotografin, New York

Ich finde nicht, dass Frauen halbnackt herum laufen müssen, um interessant auszusehen. Jeden Tag die gleiche langweilige Jeans-Pulli-Kombination zu tragen, ist aber genauso wenig Ausdruck der eigenen Persönlichkeit. Heute stelle ich mein „Pariser Tennis-Outfit“ vor: Ich liebe diesen frisch entdeckten Löcherpulli mit seinen französischen Streifen. Obwohl ich noch nie Tennis gespielt habe, ist es mit meiner petrolfarbenen Blumenwiesen-Bluse und einer Perlenkette gerade mein persönliches Tennis-inspiriertes Outfit.
Welche Geschichte erzählt deine Kleidung heute?
Keine?
Warum nicht?

aufmerksam, feminin, glaubhaft

Der Preis für die Liebe

„Und ich glaube dennoch, dass es für viele junge Frauen die richtige Entscheidung ist, Single zu bleiben. Nichts frustriert mich mehr, als mit anzusehen, wie junge Frauen ihr Leben an farblose, undankbare, langweilige Mannskinder vergeuden, die nur ein Mädchen brauchen, mit der sie vor ihren Freunden angeben können, und das im stillen Kämmerlein Ersatzmutter und Sexpartnerin gleichzeitig ist. Ich war dieses Mädchen. Es machte keinen Spaß.
Es ist nicht so, dass die Träume dieses Mädchens gar nicht zählten, aber sie zählten immer weniger als die ihres Freundes, weil Jungs mit der Erwartung aufwachsen, dass ihre Freundin sie unterstützt. Ihr seht sie überall: erschöpfte junge Frauen, die mit ihrer gesamten Energie jungen Männern ihr Leben organisieren, ihnen Mut machen, sich um sie kümmern; Männern, die ihnen das übelnehmen, es ihnen aber noch mehr verübeln würden, wenn sie es nicht machten. Ihr seht sie für jedes Krümelchen Zuneigung kriechen, bis alles in die Brüche geht und der Teufelskreis von vorn anfängt. So kann man seine gesamte Jugend verplempern.
Für junge Frauen soll auf der Prioritärenliste ganz oben stehen, ob Männer sie in Liebesdingen gut finden, und viele junge Männer können sich eine Welt, in der wir andere Prioritäten setzen, nur schwer vorstellen. Das ist problematisch, weil von uns erwartet wird, dass wir uns dafür in allen anderen Bereichen des Lebens beschneiden. Wir sollen unsere Identität herunterspielen, wir sollen finanziell oder beruflich nicht erfolgreicher sein als unser Partner. Wir dürfen Kreativität und Ehrgeiz an den Tag legen, aber nie mehr als der Mann in unserem Leben, damit er sich nicht bedroht fühlt. Dabei gibt es wenig Männer, für die sich dieses Opfer lohnt.
„In der patriarchalen Kultur betrachten tendenziell Männer die Liebe als etwas, das ihnen zusteht, ohne dass sie sich selbst anstrengen müssten,“ schreibt Bell Hooks in „All About Love: New Visions“, „in den meisten Fällen wollen sie die Arbeit, die Liebe erfordert, nicht verrichten.“ Selbst die nettesten Männer erwarten oft, dass sie, sobald eine Frau in ihr Leben tritt, die meisten Hausarbeiten nicht mehr verrichten müssen.
Wenn ich mich über dieses monolithische Ideal der romantischen Liebe geäußert habe, kam der heftigste Widerstand von Männern, zum Teil verbunden mit Gewalt, und das ist auch kein Wunder: Männer haben in diesem traditionellen Arrangement viel mehr zu gewinnen. Männer dürfen romantische Liebe als Gefühl und Erfahrung betrachten, das ihnen als Belohnung für ihr fantastisches Ich zusteht. Ich hätte es auch nicht gern, wenn mir jemand das streitig machte.
Frauen dagegen lernen schon früh, dass wir, um geliebt zu werden, hart arbeiten müssen, und um dauerhaft geliebt zu werden, noch härter arbeiten müssen. Wir kümmern uns um Männer, die nie gelernt haben, sich um sich selbst zu kümmern, und das unabhängig davon, ob wir für eine solche Arbeit überhaupt geeignet sind. Wir tun es, weil uns eingeredet wird, dass wir andernfalls einsam sterben.“

Laurie Penny in „Bitch Doktrin“, Edition Nautilus

aufmerksam, glaubhaft

Mut zur Einzigartigkeit

 

 

 

 

 

 

 

 

„Niemand von uns wird je etwas Herausragendes oder Ehrfurchtgebietendes erreichen,
es sei denn, er/sie hört auf das Flüstern,
das nur er/sie alleine hören kann.“

Ralph Waldo Emerson

aufmerksam, glaubhaft

Eigensinnig = Eigen-Sinn-ig

 

„Ich war schon immer von Menschen fasziniert, die den Mut und die Kraft haben, ihren eigenen Weg zu gehen. Die das Selbstbewusstsein haben, an eine Idee oder ein Gefühl zu glauben, die in den Augen anderer verrückt oder uninteressant sind. Einer meiner besten Freunde aus meiner Kindheit hieß Anders. Während wir anderen rumgetobt und Ritter und Cowboy gespielt haben, gründete er einen Vogelbeobachtungsclub. Und genau das meine ich. Ich habe echte Hochachtung vor Menschen, die sich das Recht nehmen, sie selbst zu sein. Jungs müssen nicht alle eine große Klappe haben und Fußball spielen, es muss mehr Wege im Leben geben, die man beschreiten kann.“

Martin Widmark, zitiert aus „ADAC Reisemagazin Nr. 137 Südschweden“