aufmerksam, feminin, glaubhaft

Filmempfehlung: „Die göttliche Ordnung“

 

Für ruhige Sonntagnachmittage und verregnete Abende: Der schweizer Film „Die göttliche Ordnung“ spielt 1971 in einem beschaulichen Dorf. Von den aktuellen Studentenunruhen, gesellschaftlichen Diskussionen und sich verändernden Lebensperspektiven ist hier nichts zu spüren. Nora ist verheiratet, hat zwei Kinder und führt dem Schwiegervater den Haushalt. Als sie auf der Straße auf die bevorstehende Abstimmung über ein mögliches Frauenwahlrecht angesprochen wird, kann sie mit dem „Kampf zur Befreiung der Frau“ nicht viel anfangen: „Ich fühle mich aber nicht unfrei,“ meint sie. Sie kommt langsam ins Nachdenken, als ihr Mann ihr verbietet, wieder in ihrem Ausbildungsbetrieb als Reisesekretärin zu arbeiten und im örtlichen Frauenverein massiv Stimmung gegen das Frauenwahlrecht gemacht wird. Auch, dass ihre Schwägerin erst ins Erziehungsheim und dann ins Frauengefängnis gesteckt wird, weil sie sich nicht an die engen moralischen Regeln hält, rüttelt sie auf. Doch viele Frauen im Dorf kennen nur, was sie gewohnt sind, und leben in den Grenzen, die es schon immer gab. Erst langsam gerät die weibliche Bevölkerung in Bewegung und die Handlung gewinnt an Tempo.
Das legendäre Jahr 1968 jährt sich zum fünfzigsten Mal und der Film lädt dazu ein, sich mit den damaligen Ereignissen und den Auswirkungen bis heute zu beschäftigen. Was bleibt, ist die Tatsache, dass Frauen bis heute gesellschaftlich und sozial nicht gleichberechtigt sind. Zum Teil sind dafür die Männer verantwortlich, die nur ungern auf dem Thron zur Seite rutschen. Zum Teil sind wir Frauen selbst Schuld, wenn uns unser kleines, ruhiges Privatleben wichtiger ist als unbequemes Handeln und konsequentes Stellung-beziehen.

aufmerksam, kreativ

Film „Pina – Tanzt, tanzt, sonst sind wir verloren“

Heute habe ich mir den Film „Pina“ von Wim Wenders angeschaut – und zwar im Kino „Magazin“ in dem wunderschönen Klinker-Ensemble „Fiefstücken“ in Winterhude.
Dieser Straßenzug ist eine echte Entdeckung und erinnert mich in seiner Geschlossenheit an die Gartenstadt Hellerau (auch wenn es architektonisch natürlich sehr unterschiedlich ist). Auch das alte Kino hat mir gut gefallen – generell bevorzuge ich inhabergeführte Geschäfte und Institutionen gegenüber Ladenketten bzw. großen Kinos wie Cinemaxx oder UCI.
Den Film als solchen fand ich durch die starke Emotionalität und das Fehlen konkreter Handlungsstränge als sehr intensiv und oft bedrückend. Über die Person Pina Bausch habe ich zwar einige Eindrücke mehr gewonnen, ein wirklich rundes Bild ergibt sich für mich aber weiterhin nicht. Meiner Wahrnehmung nach dominieren in dem Film die verzweifelten, unruhigen, einsamen und hoffnungslosen Darstellungen deutlich gegenüber den wenigen unbeschwerten, leichten Szenen. Von daher ist dies ein Film, den ich ausdrücklich Erwachsenen empfehle und davon abrate, ihn mit Kindern anzuschauen. Es werden viele Ausschnitte aus Pina Bauschs Choreographien, dargestellt von ihrer Kompagnie, gezeigt sowie durch Äußerungen einzelner Tänzer ergänzt. Für mich hat der Film die Eindrücke aus „Tanzträume – Jugendliche tanzen Kontakthof von Pina Bausch“ noch einmal neu belebt und zusammen gefasst.
Interessant fand ich, wie sie die Elemente der Natur einsetzte – so gab es verschiedene Szenen, in denen Erde eine wichtige Rolle spielte und die Tänzer anschließend verdreckt die Bühne verließen. In der Choreographie „Vollmond“ aus dem Jahr 2006 regnete es gleichmäßig auf die Bühne und auf das einzige dort vorhandene Bühnenbild – einen Meteoriten oder großen Felsen. Während des Tanzens wurde die Bühne durch den fallenden Regen langsam geflutet, sodass die Tänzer nicht mehr durch die Wasserlache tanzten, sondern darin schwammen und sich mit Eimern gegenseitig begossen. Obwohl die Kostüme sehr schlicht und einfach sind, dachte ich trotzdem immer wieder „Die arme Kostümbildnerin, ständig muss sie verdreckte Kleider reinigen und nasse trocknen!“ Daraufhin schüttelte ich über mich selbst den Kopf, weil ich mir mehr Gedanken über den Aufwand, alles wieder in Ordnung zu bringen, machte als die „Kunst“ auf mich wirken zu lassen.

Pina Bausch war definitiv eine große Künstlerin – ihre Persönlichkeit gibt mir allerdings viele Rätsel auf.

 

http://www.fiefstuecken.de/opencms/opencms/fiefstuecken/Historie/index.html

http://www.bildarchiv-hamburg.de/hamburg/winterhude/efeuweg/

http://www.pina-film.de/