aufmerksam, feminin, glaubhaft

Du bist es wert, von Gott geliebt zu werden und in Fülle zu leben

So sah vor einigen Tagen der Sonnenaufgang bei uns aus:
Hinter einer dunklen, undurchdringlichen Wolkendecke kamen weit oben am Himmel Sonne und strahlendes Pink und Blau hervor.
In unserem Leben sieht es oft ähnlich aus: Wir starren auf Barrieren und Hindernisse, die uns undurchdringlich erscheinen. Wir fühlen uns mutlos und verlassen oder von anderen bedrängt und bedroht. Oft merken wir gar nicht, dass wir von dunklen Mächten umzingelt werden. Wir lassen den Kopf hängen und uns von dem undurchdringlichen Dunkel entmutigen. Viele Konflikte nehmen wir persönlich und arbeiten uns daran ab, statt hinter die Kulissen zu schauen und festzustellen, dass der Teufel uns wehrlos und klein machen will.
Währenddessen strahlt die ganze Zeit eine Etage höher Gottes Licht. Seine Wahrheit, Liebe, Freiheit und Hoffnung strahlen die ganze Zeit heller und kraftvoller als die Sonne. Doch wir lassen uns von demjenigen beeindrucken und ängstigen, der ausgeklügelte Lügen als Kulisse dazwischen schiebt: „Du bist es nicht wert“, „Du hast schon wieder versagt“, „Alle anderen wussten, dass du es nicht packst, aber du bist ja sogar zu doof, um rechtzeitig aufzugeben“, „Dein Leben wird sich nie zum Besseren verändern, weil du es nicht verdienst“.
Wir glauben diesen ganzen Scheiß, jeden Tag auf´s Neue. Statt die Augen zu heben, hinter die Kulissen zu schauen und Gottes ewige Liebe im strahlend hellen Licht der Hoffnung zu sehen, bleiben wir mit unserem Blick an der manipulierten Oberfläche kleben.

Ein uraltes Lied von Gerhard Tersteegen fasst es sehr schön zusammen:

Ich schließe mich aufs Neue
in deine Vatertreue
und Schutz und Herze ein.
Die irdischen Geschäfte
und alle finstern Kräfte
vertreibe durch dein Nahesein.

Dass du mich stets umgibest,
dass du mich herzlich liebest
und rufst zu dir hinein,
dass du vergnügst alleine
so wesentlich, so reine,
lass früh und spät mir wichtig sein.

Ein Tag, der sagt dem andern,
mein Leben sei ein Wandern
zur großen Ewigkeit.
O Ewigkeit, so schöne,
mein Herz an dich gewöhne,
mein Heim ist nicht in dieser Zeit.

aufmerksam, glaubhaft

Da kann man nichts machen? Da kann man beten!

Zu Weihnachten habe ich ein besonderes Geschenk gestaltet. Schon lange vorher habe ich den passenden Inhalt mehrfach überdacht. Ich habe mich um ein individuelles, selbstgemachtes Äußeres des Geschenks bemüht. Ich habe versucht, dass die Verpackung Lust auf das Innere macht.
Nun habe ich das Geschenk aus der Hand gegeben. Ich weiß nicht, wie es ankam. Ob es schon benutzt wurde. Wie die erste Reaktion darauf war. Ob es direkt wieder weg gelegt wurde oder stückweise immer mehr im Alltag zum Begleiter wird. Das liegt alles nicht in meiner Hand, auch wenn ich mir von Herzen wünsche, dass dieses Geschenk einen wertvollen Einfluss gewinnt.
Jetzt könnte ich traurig werden, weil ich nicht weiß, ob all meine guten Gedanken und Wünsche rund um dieses Geschenk ihr Ende in einer Schublade finden, weil die Person das Geschenk unbeachtet weglegt. Und ich daran nichts ändern kann.
Oder ich kann darauf vertrauen, dass Gott mich bei der Gestaltung des Geschenks geführt hat und die beschenkte Person weiter begleiten wird. Auch, wenn sie davon nichts ahnt. Ich kann beten, dass mein Geschenk ausprobiert wird, mehrfach eine zweite Chance erhält und eines Tages wirklich zum Freund wird.
Es liegt nicht in meiner Hand. Aber alles, ALLES, was nicht in meiner Hand liegt, liegt automatisch in Gottes Hand.
Ist das nicht wunderbar? Auf dieser Welt kann nichts verloren gehen, weil Gott letztlich der ist, der den Überblick behält.
Egal, wie verloren wir uns fühlen, wie sehr in der Schwebe oder über dem Abgrund. Egal, wie weit weg Gott sich anfühlt: Es gibt nichts, NICHTS, was außerhalb seines Einflussbereichs läge.

„Suche Frieden und jage ihm nach!“ ist die Jahreslosung für 2019 aus Psalm 34,15.
Frieden darin zu finden, dass alles in Gottes Hand liegt und es nichts gibt, was außerhalb seiner Möglichkeiten liegt, finde ich einen guten Anfang für das neue Jahr.

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Päckchen für Frauen im Rotlicht vorbereiten

Wie lebt eine Frau im Rotlichtviertel? Wie sieht ihr Alltag aus und worüber freut sie sich?
Anfang der Woche erhielt ich eine Mail von der Frau unseres Pastors mit der Bitte, Frauen im Rotlicht eine Freude zu machen. Anhand einer Einkaufsliste wurden wir gebeten, Päckchen für Prostituierte zu füllen. Sie werden in der Gemeinde abgegeben und bei einer Weihnachtsfeier den Frauen überreicht. Die Mail sprach mich sofort an, da ich mich sehr gut (oft zu gut) mit den Schicksalen anderer Frauen identifizieren kann. So schrieb ich mir die Einkaufsliste ab und versuchte, alles Benötigte in unserem Stadtteil zu kaufen – was tatsächlich gelang.
Wer eine ähnliche Aktion starten möchte: Folgende Produkte werden empfohlen, damit die Pakete möglichst ähnlich sind und es keinen Neid unter den Frauen gibt:
– Ein kleines Kuscheltier (wichtigster Bestandteil des Pakets)
– Handcreme
– Lippenpflege
– roter Nagellack
– schillernder Lidschatten
– Ohrringe mit „Blingbling“
– Schokolade
– Kaugummi
– Schal oder Handschuhe

In der Drogerie fand ich tatsächlich Ohrringe mit „viel Blingbling“, sie waren aber so lang und baumelig, dass ich fürchtete, einer der Männer könnte daran reißen und die Frau verletzen. Insofern entschied ich mich für glitzernde Stecker, die mir sicherer vorkamen. An der Kasse kommentierte die Verkäuferin die Ohrringe und ich erklärte ihr, wofür ich sie besorgte.
Sie daraufhin: „Naja, aber viel Blingbling ist da ja jetzt nicht…“
Ich: „Ja, es gab auch so ganz lange Ohrhänger mit Strass. Aber stellen Sie sich vor, ein Freier zieht der Frau an den Haaren und reißt ihr den Ohrhänger raus – ich meine, die Männer können ja auch grob sein… ich will doch keine Ohrringe verschenken, die ein Verletzungsrisiko darstellen…“
Wir schauten uns beide ziemlich ratlos an und waren einstimmig der Meinung, dass wir beide nicht beurteilen können, was eine Frau im Rotlicht erlebt und was sie sich wünscht.
Passender Weise zog ich zu Hause eine Karte von der Organisation aus dem Briefkasten, die sich weltweit gegen Menschenhandel einsetzt und der ich im November Geld gespendet hatte. Vorrangig Frauen und Kinder werden von Schleppern rund um den Globus als Prostituierte eingesetzt. Auch in Deutschland. Auch in unserer Nachbarschaft, wo niemand es vermutet.
Immerhin kann ich mit dem Päckchen zumindest einer Frau eine Freude machen, hoffe ich.

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Warum sind „Religion“ und „Glaube“ etwas völlig Unterschiedliches? Und warum wissen das so wenige Menschen?

„Wenn ihr aus eurem Leben erzählt, geht es die ganze Zeit um eure Beziehung zu Jesus. Wenn ich euch Christen höre, dann scheint euch die Beziehung zu Jesus sogar wichtiger als die zu eurer EherpartnerIn zu sein!“ meinte letzte Woche ein Iraner im Gebetskreis.
Und darin liegt schon das größte Geheimnis, dass Christen von Nichtchristen unterscheidet: Wir wollen etwas mit Gott erleben. Wir vertrauen ihm. Unser größtes Ziel ist es, nicht ständig alles allein schaffen zu wollen, sondern ihm tatsächlich unser ganzes Leben anzuvertrauen. Wenn Gott uns geschaffen hat, ist er der Profi, was uns Menschen angeht! Unsere eigenen Pläne haben uns oft genug auf die Fresse fallen gelassen. Statt es immer weiter allein zu versuchen, wollen Christen immer mehr lernen, sich auf Gott einzulassen und auf seine Versprechen für uns zu verlassen.
Wir sind auf der Suche nach ihm und vertrauen darauf, dass wir seine Stimme im Alltag hören. Nicht als Gebrüll vom Himmel, sondern als klugen Gedanken, als wachrüttelnden Hinweis oder als beruhigende Stimme in unserem Herzen.
Wir bauen darauf, dass Jesus es gut mit uns meint. Auch, wenn unser Leben Umwege macht und wir oft nicht schlau daraus werden: Wir schmeißen im Gebet alle Angst, alles Chaos, Wut und Traurigkeit vor Gottes Füße und glauben, dass er in unserem Leben aufräumt. Dass er die Verletzungen heilt, die im täglichen Miteinander mit anderen Menschen passieren. Dass er die Trümmer unserer Hoffnungen auffegt und uns hilft, unsere Träume solide in der Realität zu bauen. Dass er unsere Abhängigkeiten auflöst und uns befreit.

Und was ist dann Religion? Was ist Christentum?
Religion ist eine menschliche Erfindung, die aus Millionen Regeln und Moralvorstellungen zusammengesetzt ist.
In der Religion muss ich etwas tun: Ich muss nett sein, spenden, moralische Regeln einhalten, bestimmte Verhaltensweisen zeigen, sonntags schick gekleidet in den Gottesdienst gehen und immer das tun, was alle anderen von mir erwarten. Dafür darf ich auf andere herab sehen und über sie urteilen, weil sie „weniger religiös sind“ als ich oder weil sie meiner Meinung nach Fehler machen.
Religion ist Leistungssport. Oder für Menschen, die sich besonders gebildet fühlen, ein philosophisches Hobby, indem sie Bücher lesen und schreiben, die nur andere Insider verstehen. Es geht dabei ständig um mich, nicht um Gott. Auch wenn ich die ganze Zeit so tue, als wäre all das Gottes Wille. Ist es nicht, Religion ist ein Ego-Trip.
Deswegen lässt Religion sich für alles mögliche missbrauchen: Macht, Geld, Gewalt, Sex.
Nicht, weil Gott der große Böse ist, der dahinter steckt. Sondern weil wir Menschen alle einen Knacks haben und diejenigen mit dem besonders großen Knacks gerne Religion benutzen, um andere zu auszunutzen. Schließlich ist Religion eine menschliche Erfindung und lässt sich entsprechend in alle Richtungen pervertieren.

Wer dagegen in einer Beziehung zu Gott lebt, wird niemals auf den Gedanken kommen, anderen dadurch zu schaden. Denn eine Beziehung ist etwas Persönliches, etwas Privates. Es ist keine Show, mit der ich angeben kann. Natürlich hilft es mir, wenn ich mit anderen Menschen unterwegs bin, die auch eine Beziehung zu Gott haben. Und die, wie ich, immer wieder Fragen stellen und nicht alles verstehen, was Gott tut. Gott ist allmächtig und allwissend, kein Wunder, wenn ich längst nicht alles kapiere. Gemeinsames Bibellesen und den Gottesdienst besuchen stärkt uns Christen in einer Welt, die ganz anders ist, als Gott sie sich ursprünglich vorgestellt hat (Gottes Welt war ein friedliches Kunstwerk, bevor wir Menschen anfingen, alles zu missbrauchen und zu zerstören, was uns in die Hände kam). Dabei ist Gottesdienst kein Heilmittel und keine Pflicht, so wie die Religion es darstellt. Gottesdienst ist ein Familientreffen, bei dem Gläubige zusammen kommen, um sich auszutauschen, mehr über Gott zu lernen, sich zu unterstützen und einfach Spaß zu haben.

Die irische Band „Rend Collective“ hat ein wunderbares Video produziert, in der sie den Unterschied von Glaube und Religion lustig und verständlich darstellen:
(Erklär-)Video „Good News“

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Wie kann ich Gott im Alltag erleben? Wie kann ich im Glauben wachsen?

Wer mit Gott im Leben unterwegs ist, merkt immer wieder, dass der Glaube Nahrung braucht.
Daher möchte ich heute Möglichkeiten teilen, wie wir an „Schwarzbrot“ kommen, das uns sättigt. Das Gott im Alltag sichtbar macht, das uns in Krisenzeiten durchträgt, das den Glauben vor dem Verhungern schützt.

  • Wer Gottesdienste in einer Gemeinde besucht, sammelt neue Impulse. Wer aus den Predigten der Pastorin /des Pastors wenig Neues zieht, aber in der Gemeinde feste Freundschaften pflegt und deshalb nicht wechseln möchte: Eine gute Ergänzung sind Abendgottesdienste, Bibelprojekte, Gebetstreffen und andere Veranstaltungen in der Umgebung. Dafür, dass unser Glaube durchhält und wächst, ist nicht die Pastorin verantwortlich! Das sind wir allein.
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  • Treffpunkte während der Woche mit anderen Christen stellen Gott in den Mittelpunkt des Alltags. Eine Stunde Gottesdienst in der Woche ist zu wenig, um den Glauben im Alltag zu stärken. Wer sich mit anderen austauscht, zusammen und füreinander betet und die Bibel liest, gibt dem Glauben die nötige Nahrung, um stabil zu sein. Zusammen sind wir weniger allein, was unsere Überzeugungen angeht. Im Gottesdienst fällt niemandem auf, dass der eigene Glaubenstank längst leer ist. Im Hauskreis besteht mehr Zusammenhalt, um gemeinsam in Gottes Spuren unterwegs zu sein.
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  • Manche haben auch Mentoren, die sie begleiten. Oder Zweierteams, in denen beide Kontakt halten: Für einander beten, sich ermutigen, sich erinnern. Im Alltag immer wieder eine kurze Nachricht schicken.
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  • Wer andere nach guten Büchern fragt, die sie gern weiter empfehlen, kann von den Erfahrungen christlicher Vorbilder lernen. Ich bin ein riesiger Fan der öffentlichen Bibliotheken, aber sie haben leider keine christliche Lektüre im Programm. Wer sich von anderen Büchern leiht, die sie empfehlen, weitet den Horizont. Auch online sind kostengünstig Second-Hand Bücher ein Weg, um geistlich zu wachsen.
    Auch eine Umfrage im Bekanntenkreis, welche christlichen Zeitschriften lesenswert sind, lohnt sich. Für mich ist es AufAtmen, eine Zeitschrift von Christen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, primär evangelisch in allen Varianten, aber auch katholische Gläubige kommen zu Wort. Dabei haben alle Zeitschriften, ob christlich oder nicht, bestimmte Werte und politische Meinungen. Hier ist es wichtig, vor Bestellung eines Abos zu untersuchen, ob die eigenen Einstellungen und die der Zeitschrift zusammenpassen!
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  • Ein wertvolles Ritual für den Alltag sind gesammelte Bibelzitate, die auf Zettelchen verteilt in der Wohnung an Gottes Treue zu uns erinnern. So stolpern wir im Alltag immer wieder über Gottes Wort. Sobald die Zettelchen durch Gewohnheit nicht mehr bewusst wahrgenommen werden, sollten sie ausgetauscht werden.
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  • Wenn wir putzen, bügeln, Gemüse schneiden, den Boden wischen: Tun wir es mit einem Lied für Gott! Einfach auf youtube einen der neusten Hits aus dem Gottesdienst laufen lassen und mitsingen. Gott ist kein Sonntagsphänomen. Er ist hier, bei uns, beim Aufräumen, beim Baby wickeln, beim Abwaschen. Auf der Toilette. Bei der Arbeit.
    Wo immer du bist, hab ein Lied auf deinen Lippen und preise unseren Gott!
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Sonntags im Gottesdienst: Mein Ort zum Auftanken

Unser Leben ist wie eine jahrzehntelange Kreuzfahrt:
Jeden Tag sind wir auf dem Meer unterwegs. Manchmal dampfen wir quer über die Ozeane, manchmal dümpeln wir in Küstennähe. Immer sind wir dabei Wind und Wetter ausgesetzt, und dass wir das Ruder in den Händen halten, ist nicht immer eine Garantie für gutes Gelingen. Manches, was wir unterwegs erleben, lässt sich locker wegstecken. Anderes liegt außerhalb unseres Einflusses und strapaziert uns. Nur zu gerne laufen wir in den Hafen ein, um vor dem Wetter geschützt zu sein, auftanken zu können und Reparaturen durchzuführen.
Wer eine sanftere Metapher für den Lauf des Lebens mag, kann sich die Schmetterlinge in den Fotos als Beispiel nehmen. Sie fliegen von Blüte zu Blüte, um sich zu stärken, und müssen unterwegs mit Wind und Regen sowie Fressfeinden umgehen.

Wenn ich Sonntags in den Gottesdienst komme, ist das mein privater Hafen in den Alltagskämpfen. Meine Blüte, die mich willkommen heißt und ernährt.
Hier kann ich loslassen, auftanken, zur Ruhe kommen, feiern, trauern, lachen, zuhören und Geschichten teilen. In der Gemeinde kann ich einfach „ich“ sein, muss nichts darstellen, brauche nichts leisten, nichts beweisen. Jede Woche ist eine Momentaufnahme unserer Reise durch das Leben. So sieht die Situation aus, hier und heute. Vor diesem Hintergrund versammeln wir uns, teilen Siege und Niederlagen. Manchmal singen wir aus ganzem Herzen mit, manchmal nutzen wir die Zeit zum Beten, während die Band lautstark Stimmung macht. Manchmal nehmen wir aus der Predigt gute Impulse mit. Manchmal ist es das Gespräch beim anschließenden Kaffee, das uns ermutigt und stärkt.
Auf der Reise zur Ewigkeit bietet die Gemeinde uns jeden Sonntag einen Zwischenstopp. Wir sind alle unterwegs, während der Woche oft allein, am Sonntag sitzen wir gemeinsam wie die Zugvögel nebeneinander auf der Stromleitung und zwitschern uns zu: „Gott ist großartig! Er sorgt für uns! Schenkt uns Mitreisende auf dem Weg, der über die Jahrzehnte immer wieder holperig ist. Er schützt uns, ernährt uns, heilt uns, gibt uns Auftrieb, fordert uns heraus. Gott ist gut!“

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Mit Gott unterwegs – mein unglaublicher Weg von Januar bis heute


Anfang des Jahres war ich intensiv damit beschäftigt, Wochenendseminare zu buchen, um mich beruflich weiter zu entwickeln.
Aber nichts klappte: Alle sechs Seminare, die ich gebucht hatte, fielen aus. Dabei hatte ich mich in ganz Deutschland informiert, wo ich mich schulen lassen kann – doch nichts gelang. Immer wieder suchte ich nach Fortbildungsmöglichkeiten, aber im letzten Moment wurden sie alle abgesagt. In meiner neuen Gemeinde kann man jeden Sonntag nach dem Gottesdienst für sich beten lassen, davon machen viele Gebrauch. Auch ich ließ immer wieder für mich beten, weil alle meine Pläne ständig platzten.

Irgendwann war ich wirklich ratlos und mutlos. Warum klappte nichts? Ich wollte meine berufliche Zukunft in die Hand nehmen, aber Gott schlug systematisch alle Türen zu. Langsam wusste ich nicht mehr, was ich davon halten sollte. Nach einem Gebet nach dem Gottesdienst riet mir eine Frau, mich auf das zu besinnen, was nur ich allein kann. Aber das ließ mich erstmal ratlos, schließlich bin ich in verschiedene Richtungen begabt. Zum Glück wusste ich mich im Gebet vom Hauskreis im Stadtteil getragen.

Als wieder einmal eine Fortbildung ausfiel, marschierte ich kurzentschlossen in ein Seminar der Volkshochschule über journalistisches Schreiben. Die Dozentin kannte ich schon von einem anderen Workshop, und obwohl alle Plätze bereits belegt waren, durfte ich noch mitmachen. Dort erlebte ich mich als erfolgreich und bekam so viele positive Rückmeldungen, dass ich mir ein Herz fasste und über das Manuskript sprach, an dem ich heimlich und leise schon viele Monate arbeitete. Schon ein Jahr zuvor hatte ich für die SeniorInnen ein ganzheitliches Konzept für Atemgymnastik unter dem Titel „Atemfreude“ entwickelt. Das Hamburger Abendblatt schrieb darüber, und ich veröffentlichte in einer Fachzeitschrift einen Artikel dazu. An einem Manuskript für ein Fachbuch über mein Therapiekonzept war ich schon eine Weile zugange, hatte aber lange nicht den Mut gehabt, es ernsthaft voran zu treiben.

Plötzlich klärte sich, warum all die Pläne nicht aufgegangen waren:
Ich hatte den Einruck, dass ich mich intensiv um die Fertigstellung des Manuskripts kümmern sollte. Je mehr ich mich darüber informierte, wie ein professionelles Fachbuch entsteht, desto ausgeglichener wurde mein Blick und die beruflichen Ziele konnte ich erstmal zurückstellen. Ich richtete meine ganze Aufmerksamkeit auf mein Projekt und kümmerte mich weniger um die Schwierigkeiten im Berufsalltag.

Als ich mich zunehmend in Literatur über das Veröffentlichen von Fachbüchern vertiefte, stellte ich immer klarer fest, dass mein Vorgehen völlig falsch gewesen war. Ich hatte mein Manuskript fast fertig geschrieben und wollte nun wissen, wie ich es am Besten an den Verlag bekam. Dabei schlugen die Bücher vor, erst ein Buchkonzept zu verkaufen und dann nach Wünschen des Verlags mit dem Manuskript zu beginnen. Wieder verließ mich der Mut, und ich stolperte über einen Satz, der direkt zu mir sprach:
“Die Methoden der Wissensbeschaffung sind derart unterschiedlich für den Mikrosytemteckniker, die Anwältin, den Atemtherapeuten (ich!), die Eventmanagerin (ich!) oder was auch sonst immer Sie sein mögen, dass ich mich mit allgemeinen Tipps nur blamieren würde.“
(aus: „Vom Wissen zum Buch. Fach- und Sachbücher schreiben“, Klaus Reinhardt, Huber Verlag)
Dieser Satz traf mich im Innersten. Dass Gott durch Bibelverse am Morgen zu uns spricht, was ich regelmäßig erlebe, ist das eine. Dass er mich durch einen literarischen Ratgeber persönlich anredet, etwas ganz Anderes. So schöpfte ich neuen Mut und arbeitete mich durch alle notwendigen Aufgaben: Ich registrierte den Begriff „Atemfreude“ als Wortmarke, erstellte ein Exposé, gab meine Probekapitel und das Manuskript diversen Leuten zum Lesen und Korrigieren.
Immer wieder fragte ich mich, wie ich all die Aufgaben neben meiner Arbeit schaffen sollte. Im Juni wollte ich die Verlagsbewerbungen versenden, da dies laut Experten ein gutes Datum im Lektorat zum Vorstellen neuer Ideen sei. Die Zeit drängte, während mein Exposé vollständig, aber völlig unprofessionell aussah.

So entschied ich mich, die Journalistin aus dem Seminar als Coach zu buchen, auch wenn ich eigentlich nicht noch mehr Geld in dieses Projekt mit unklarer Erfolgschance stecken wollte. Dank zwei Aufträgen, die ich am Wochenende abarbeitete, schenkte mir Gott mehr als genug Geld, um das Coaching locker zu bezahlen. Wieder eine Gebetserhörung.

Während dessen wuchs meine Website über die Atemgymnastik und Gott schenkte mir tolle Gespräche mit einer Bibliothekarin und einem Buchhändler, die mir sehr weiterhalfen.
Als Ende Juni endlich alle Verlage, die ich mir heraus gesucht hatte, das Exposé und die Probekapitel erhalten hatten, war ich so erschöpft wie zuletzt nach dem Examen vor zehn Jahren. Der Finnlandurlaub wurde ein großer Segen, mein Mann und ich konnten uns zutiefst erholen und ganz viel Frieden und Ruhe tanken. Das rote Holzhaus auf der Schäre wurde ein Ort, an dem Gott mich bis ins Innerste erfrischte.

Inzwischen haben vier von acht Verlagen Interesse, zwei Autorenverträge sowie ein verbindliches weiteres Angebot liegen mir vor. Lange dauerte es, bis mein favorisierter Verlag endlich den überarbeiteten Autorenvertrag los schickte. Seit vorgestern ist er unterschrieben und zurück auf dem Weg zum Verlag.
Dabei haben sich alle Verlage sehr gefreut, dass ich nicht nur eine Konzeptidee verkaufen wollte, sondern auf Nachfrage sofort ein ganzes Manuskript senden konnte. Die Fachbücher hatten in diesem Fall nicht Recht, und das wusste Gott schon lange. Außerdem habe ich ein freiwilliges Modell, das Lust auf die nötigen Fotos zur Darstellung der Übungen hat und sich fotografieren lässt. Gestern erlebten wir einen fröhlichen Tag mit einer pensionierten Sportlehrerin, die fröhlich vor der Kamera turnte. Es fügt sich also alles passend zusammen. Die Filmarbeiten, die der Verlag sich für einen multimedialen Auftritt wünscht, wurden erstmal auf´s neue Jahr verschoben. Auch dafür bin ich dankbar, denn es verschafft mir etwas Spielraum vor dem Abgabedatum des endgültigen Buchs.

Ich habe den Überblick verloren, wie oft ich nach dem Gottesdienst vorne zum Gebet kam und Rotz und Wasser geheult habe, weil mal wieder alles schief lief. Oder einfach nur ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Ich bin sehr dankbar für all die Menschen, die für mich gebetet haben. Und für die Erfahrungen mit dem Heiligen Geist, der mich so spürbar begleitet hat wie noch nie zuvor in meinem Leben.

Was ich dir damit sagen möchte:
Ja, Gott schlägt Türen zu.
Ja, er traut uns zu, dass wir offene Fragen ertragen.
Ja, er lässt zu, dass unsere Pläne wieder und wieder zerbrechen.
Durch all das hindurch möchte er uns von eingefahrenen Wegen abbringen und uns neue Möglichkeiten zeigen. Wir meinen immer zu wissen, was in unserem Leben und dem Leben unserer Nächsten am besten ablaufen soll. Was wann und wie gelingen soll. Wir wissen ständig alles besser und urteilen ununterbrochen.
Damit bauen wir täglich an einer Mauer, die uns von Gott trennt. Je mehr wir unser Leben und die Vorstellungen davon fest umklammern, desto weniger kann Gott darin wirken. Je weniger wir ihm vertrauen, desto weniger Raum kann Gott in unserem Herzen einnehmen.
Ich bin mir sicher, dass Gott weiß, wohin dein Weg führt. Völlig egal, wie viele Umwege es braucht und wie viele Sackgassen du kennenlernst, bis du für neue Perspektiven bereit bist und die passenden Türen sich öffnen. Gott ist mit uns unterwegs. Täglich. Er braucht von uns nichts anderes als das Vertrauen, das wir in seine Führung einwilligen. Dafür segnet er uns öfter und tiefgehender, als wir je glaubten.

aufmerksam, glaubhaft, kreativ

Malen mit Gebet

Neulich schleppte ich große Zeichenblöcke, Buntstifte und den Tuschkasten in die Kirche, um mich dort zum „Malen mit Gebet“ mit anderen Frauen zu treffen. Der Input zu Beginn war relativ kurz und bald richteten sich die anderen an ihren Tischen ein. Nur ich wusste nicht so richtig, wohin mit mir und was ich anfangen soll…
So begann ich, die friedliche Stimmung im Finnlandurlaub festzuhalten. Auch, weil im neuen Jahr der ausgeloste Spruch „Suche Frieden und jage ihm nach“ sein wird.
So pinselte ich vor mich hin und ließ die Gedanken schweifen…

Danach war ich erneut unschlüssig, womit ich mich weiter beschäftigen sollte, bis mir der Eindruck aus dem Gottesdienst neulich einfiel:
In der Gebetszeit zeigte Gott mir einen üppig gedeckten Tisch, der wie ein Stillleben alter Meister überquoll. So gut meint es Gott mit mir, dass er mir Leben und Segen im Überfluss schenkt.

„Vor den Augen meiner Feinde deckst du mir deinen Tisch; festlich nimmst du mich bei dir auf und füllst mir den Becher randvoll. Deine Güte und Liebe umgeben mich an jedem neuen Tag; in deinem Haus darf ich nun bleiben mein Leben lang.“ (aus Psalm 23)

Auch, wenn ich unmöglich ein derartiges Kunstwerk mal eben aus dem Handgelenk malen kann, wollte ich den Eindruck festhalten. So wuchs die sommerliche Tafel mit der Traube von rechts unten über die Mitte nach links, bis am Ende der Rosenstrauß das Festmahl komplettierte.
Zum Schluss legten wir unsere Bilder alle auf dem Boden aus und teilten miteinander Eindrücke und Deutungen, bis die Künstlerin selbst erzählte, was sie darstellen wollte.
Die Bilder und Botschaften der anderen berührten mich tief, ebenso ihre Beobachtungen zu meinen Werken. Schließlich steht nicht der künstlerische Wert im Vordergrund, sondern die innere Wirkung und Stärkung, die wir mit und durcheinander erfahren.

Verlinkt mit Creadienstag, DienstagsDinge.

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Warum die Kirchen aussterben

Dom in Turku, Finnland

In Deutschland sterben die Kirchen langsam, aber unaufhaltsam aus, weil ihnen die Mitglieder weglaufen. Obwohl ich gläubig bin, denke ich oft: Selbst schuld.
In vielen Kirchen wird eine Sondersprache gesprochen, die sich keinem normalen Menschen erschließt. Wer möchte, das die Botschaft ankommt, sollte sie verständlich formulieren. Und wer möchte, dass Interessierte kommen, sollte so einladen, dass sich möglichst viele angesprochen fühlen. Wenn ich in einem fremden Gottesdienst bin, habe ich selten Lust, irgendwelchen öden, verschwurbelten oder geheimnisvollen Einladungen zu folgen. Oft habe ich den Eindruck, dass Einladungen zum Kirchenkaffee oder Gebetstreffen oder Grillabend so unsexy wie möglich als reine Pflicht herunter gespult werden, weil niemand möchte, dass wirklich fremde Gesichter auftauchen. Alle jammern, weil die Alten wegsterben und die Jungen weglaufen. Aber dass jemand Neues in die verschworene Gemeinschaft eindringt? Bloß nicht! Lieber machen wir in zehn bis zwanzig Jahren die Kirche dicht!
In meiner neuen Gemeinde stellt sich jeden Sonntag der Pastor vor und die Person, die moderiert, ebenfalls. Vor jedem Abendmahl wird erklärt, was jetzt warum passiert und dass alle mitmachen können, die eine Beziehung zu Gott haben. Wer jeden Sonntag dabei ist, findet früher oder später, dass diese tägliche Vorstellung oder die diversen Erklärungen doch mal weglassen werden könnten. Wer so denkt übersieht, dass sie selbst vor einiger Zeit neu und dankbar über genau diese Informationen waren. Wenn wir wollen, dass Gäste kommen und sich langfristig wohlfühlen, müssen wir ihnen einen Grund dazu geben. Wenn ihre Bedürfnisse nicht erfüllt werden und sie sich weder wertgeschätzt noch ernstgenommen fühlen, werden sie nie wiederkommen. Und je weniger Gäste kommen, desto weniger Gäste folgen ihnen.

Keiner da? Krippe in der Mikealskirke, Turku, Südfinnland

Auf der anderen Seite brauchen Kirchen ein klares Profil. Wenn die Pastorin eine Mischung aus dem Parteiprogramm der Grünen mit Sprüchen aus dem Yogakurs vermengt und als Predigt präsentiert, fehlt etwas. Das Alleinstellungsmerkmal, das ChristInnen haben: Dass Gott uns so sehr liebt, dass er seinen Sohn Jesus als Wiedergutmachung für die Scheiße in unserem Leben hat sterben lassen. Und dass Jesus auferstanden ist, weil seine Macht größer als der Tod ist. Dass Jesus mit jedem Menschen befreundet sein und uns im Alltag helfen will. Dass er uns von allem befreit, was unsere Herzen und Körper gefangen hält. Dass er unser Leben so viel spannender, friedlicher und kraftvoller machen möchte, als wir uns das jemals hätten ausdenken können. Und dass nach diesem Leben die Ewigkeit auf uns wartet: Harmonie, Freude, Genuss und Party in unvorstellbarem Ausmaß erwarten uns dort.
Das ist eine fantastische Botschaft, die es wert ist, dass möglichst viele sie hören und zu einem erfüllten Leben finden.
Warum verstecken wir die Power von Gottes Wort hinter altmodischen Ritualen und unverständlichen Worten? Warum lassen wir lieber Leute draußen stehen, als uns für sie und ihre Lebensgeschichte zu öffnen?

aufmerksam, glaubhaft

Wunderbar versorgt, jetzt und immer


Erben möchte jedeR gern: Etwas geschenkt bekommen, das einen großen Wert hat. Emotional und am besten auch finanziell.
Heute im Gottesdienst war das Erbe Thema, das für alle gläubigen Menschen vorbereitet ist: „Du, HERR, bist alles, was ich habe; du gibst mir, was ich zum Leben brauche. In deiner Hand liegt meine Zukunft. Ich darf ein wunderbares Erbe von dir empfangen, ja, was du mir zuteilst, gefällt mir.“ (aus der Bibel, Psalm 16, Verse 5 und 6)
Das Erbe ist das ewige Leben nach dem Tod voller Freude, Leichtigkeit und Erfüllung einerseits, aber noch mehr eine Vorauszahlung hier und heute: Durch den Heiligen Geist schenkt Gott uns jetzt schon Frieden, Hoffnung, Mut, Liebe und Kraft.

Während der Predigt gab es eine Zeit, in der wir darauf warten sollten, welchen Eindruck Gott uns von unserem Erbe schenkt. Schließlich ist das nichts, worüber wir uns sonst Gedanken machen. Schon der Begriff ist ziemlich steif und sperrig…
Im ersten Moment schaute ich wie auf ein leeres weißes Blatt, aber dann sah ich einen übervollen Tisch. Darauf so viel Essen in wildbunten Farben, wie die holländischen Maler sie früher in ihren üppigen Stillleben als Ölgemälde festhielten. Fast hörte ich den Tisch ächzen, weil er so überreich beladen war. Blumen leuchteten im Hintergrund und schenkten dem Festmahl zusätzlich Schönheit.
Direkt danach fiel mir ein Vers aus Psalm 23 ein: „Vor den Augen meiner Feinde deckst du mir deinen Tisch; festlich nimmst du mich bei dir auf und füllst mir den Becher randvoll. Deine Güte und Liebe umgeben mich an jedem neuen Tag; in deinem Haus darf ich nun bleiben mein Leben lang.“ Neben der Versorgung unserer Bedürfnisse mit Essen, Trinken, Frieden (Tisch vor den Augen der Feinde) und Schönheit beschenkt Gott uns damit, dass wir für immer bei ihm bleiben dürfen. Jetzt erleben wir nur im Gebet, dass unser Herz bei Gott zu Hause ist. Eines Tages werden wir an dieser riesigen Party teilnehmen und sie wird nie enden, weil wir auf ewig dort zu Hause sind.
Danach forderte der Pastor uns auf, uns zu dritt mit den SitznachbarInnen austauschen: Welche Eindrücke hat Gott ihnen zu ihrem Erbe geschenkt? So konnten wir uns gegenseitig etwas abgeben und einander stärken.

Einen Vorgeschmack auf den Himmel erleben wir, wenn wir beten. Im Stillen für uns, weil Gott unser Herz beruhigt oder durch Ermutigung neue Energie schenkt. Und gemeinsam mit anderen, weil Gottes Kraft spürbar wird, wenn wir Freundinnen und Nachbarn Gutes wünschen. Wenn wir Gott nicht nur unsere eigenen Wünsche und Sorgen erzählen, sondern von uns weg auf andere schauen und ihnen durch das gemeinsame Gebet Liebe und Erfüllung schenken. Dadurch sitzen wir schon jetzt zusammen an Gottes übervollem Tisch und geben einander das Leckerste weiter.