aufmerksam, kreativ

Kunst und Katastrophen aus dem Brennofen

In der Ohlendorff´schen Villa in Hamburg-Volksdorf findet dieses Wochenende ein Markt der Töpfereien und KeramikkünstlerInnen statt. Vielfältige Stände bieten Handarbeit von fröhlich bunt bis schlicht modern. Außerdem wird vor Ort Keramik hergestellt, ein „Fehlbrand-Museum“ stellt Unfälle aus dem Brennofen vor und ein professioneller Schlagzeuger spielt auf vier Tontöpfen ein komplettes Stück.

Das Café im Haus haben wir nicht ausprobiert, da wir zwei Sorten eigenen Kuchen dabei hatten und nebenan zwischen Gänsen und Schafen im Museumsdorf Volksdorf picknickten. Am süßesten waren die frisch geschlüpften Küken, selten haben wir etwas so Rührendes gesehen. Am lustigsten war die Ausbruchsversuche einer Ziege zu beobachten, die unter dem Zaun versuchte hindurch zu kriechen.

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Sommer in Wandsbek: Auftakt in der Volkshochschule Farmsen

Heute startete die Veranstaltungsreihe „Sommer in…Wandsbek“, organisiert von der Hamburger Volkshochschule. Die 181 Stadtteile Hamburgs sind in sieben Bezirke unterteilt, einer davon ist Wandsbek. Eine Woche lang laden Führungen, Kurse, Blicke hinter die Kulisse von Institutionen und Experimente zum Mitmachen ein.
Die Volkshochschule Farmsen gestaltete eine Fotoausstellung mit Bildern aus dem Bezirk, eingereicht von KursteilnehmerInnen und HobbyfotografInnen. Mein Bild aus dem Wittmoor reiht sich in die Galerie mit ein.

Im Anschluss an die Vernissage trafen sich sowohl Interessierte für Shanties als auch für erste Versuche auf Plattdeutsch, sodass der musikalische Rahmen sehr hamburgisch ausfiel.
Die nächsten Veranstaltungen locken mit einem Blick ins „Studio Hamburg“, einer Kräuterwanderung, experimentellem Brauen, Farben aus Pflanzen, besonderen Tapas uvm.

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SeniorInnen und ihre Wortwahl verstehen – Hamburger Mundart übersetzt

Als Hamboorger Deern habe ich viele der Ausdrücke, die ich kenne und gebrauche, lange für „normal“ gehalten. So lange, bis jemand Anderes sie nicht kannte oder nicht verstand. So wie neulich bei einem Seminar, wo die Dozentin beim gemeinsamen Mittagessen den Begriff „begöschen“ nicht kannte. Daher für alle Zugezogenen ein kleiner Überblick über Begriffe aus dem Missingschen und dem Plattdeutschen. Wer mit älteren Menschen arbeitet und zugezogen ist, versteht durch die Beispiele sicherlich mehr. Viel Spaß!
Als kleine Bemerkung vorab: Die Hamburger Arbeiter kannten keinen Dativ, den Genitiv erst recht nicht, daher wird konsequent (auch in meinen Beispielen) der Akkusativ benutzt.

An und für sich: „Das is ja an un für sich kein Problem, aber schwierig wird es dann, wenn…….“ An un für sich meint „generell, normalerweise“

abbeldwatsch: „Wenn der läuft, neee, der is so appeldwatsch!“ Abbeldwatsch meint „tollpatschig, ungelenkig, albern“

backsig: „Jetzt ma vorsichtig, der Tisch is ganz backsig!“ Backsig meint „klebrig“

Bangbüx: „Wat isse doch für ´ne Bangbüx!“ Bangbüx meint „Angsthase“

bannig: „Da is aber bannig wat los“ Bannig meint „viel“

begöschen: „Den muss man aba auch Tach un Nacht begöschen.“ Begöschen (mit langem öö) meint „umsorgen, kümmern, hegen und pflegen“

betüdeln: siehe begöschen

Da nich für: „Dankeschön!“ „Ach was, da nich für.“ Hamburgerinnen haben es generell nicht so mit großen Gesten, ein Dank wird abgetan mit „Da nich für“

fünsch: „Hör sofort auf damit! Du machs mich noch ganz fünsch!“ Fünsch (mit langem üü gesprochen) meint „ärgerlich, wütend, aufgebracht“

Hool di fuchtig! Als ich den Spruch das erste Mal hörte, dachte ich, ich hätte etwas falsch gemacht und würde beschimpft. Aber nein, „Hool di fuchtig“ meint „Bleib gesund!“ Und das ähnlich Klingende „Hool di stief“ meint „Halt durch!“

kieken: „Na, denn lass mich ma kieken.“ Kieken meint „gucken“

krüsch (mit langem üü): „Krüsche Kinder haben´s schwer.“ Krüsch meint „mäkelig, schwierige Esser, anspruchsvoll in der Ernährung“

maddelig: „Och nee, ich fühl mich heut wieder sooo maddelig“ Maddelig meint „müde, abgeschlangen, krank“

mittenmang: „Mittenmang in Hamborch“ Mittenmang meint „mittendrin“

N´beeten scheef hat Gott leef: Ein Satz, um sich oder andere zu trösten, wenn etwas nicht so gelingt wie es soll: „Ein bißchen schief hat Gott lieb.“

Nee, lass man: „Nee, lass man, ich geh lieber nach Hause.“ Freundlich gemeinte, saloppe Ablehnung eines Angebots oder einer Unternehmung

Pamps oder Papps: „Dat ist doch kein Mittachessen, dieser Pamps!“ Pamps meint „Brei“

Pappenheimer: „Wo stecken meine Pappenheimer?“ Scherzhaft für Menschen, die oft etwas Aushecken.

pesen: „Da is sie aber ab gepeest!“ Pesen meint „rennen, schnell fahren“. In Mecklenburg-Vorpommern auch „peern“ oder „peddern“ genannt

pimpelig: siehe „krüsch“

Puschen oder Pampuschen: „Och nee! Da wollde ich doch glatt inne Puschen aus´n Haus gehn!“ Puschen sind Hausschuhe. „Komm mal in die Puschen!“ meint: Beeil dich!

rammdösig: „Wenne zu lange inne Sonne liegst, wirst du davon ganz rammdösig.“ Rammdösig meint „schläfrig, abgeschlagen, matt“

Rotz um die Backen schmieren: Neulich drückte eine sehr gepflegte Dame mir gegenüber aus, wie froh sie über meinen Einsatz sei und wie gern sie mich habe. Kurz darauf hängte sie an, dass sie mir ja „Keinen Rotz um die Backen schmieren“ müsse, schließlich sei sie nicht verpflichtet, mich zu loben. Sie meine es aus ganzem Herzen ehrlich! Rotz um die Backen schmieren ist das Äquivalent zu „Honig ums Maul schmieren“

rum aasen: „Du soll´s mit den Zuckerguss nich so rum aasen!“ Rum aasen oder aasen meint „verschwenden, vergeuden, zu üppig einsetzen“

schedderig: „Nee, min Deern, mit die Hose kanns aber nich zun Arbeiten gehn! Die is doch schedderig!“ Schedderig meint „dreckig, ungepflegt, abgewetzt“

Schinken klopfen: Ich kroch eines Montags auf den Knien halb unter, halb hinter der Leinwand herum, um den Beamer in die Steckdose zu stecken. Daraufhin schlug eine Dame angesichts meines halb verschwundenen Rückens vor, eine Runde „Schinken klopfen“ (Po verhauen) mit mir zu spielen.

Schmöök: „Na Fiete, has noch ´n Schmöök für mich?“ Schmöök ist eine Zigarette oder Zigarillo, generell etwas zum Rauchen

schnoopen: „Ich hab gaar nix mehr zun Schnoopen da.“ Schnoopen meint „naschen“, Schnoopkram sind Süßigkeiten

tüdelig: „Nee, was bin ich heude wieder tüddelig!“ Tüddelig meint „vergesslich, unkonzentriert“

 

aufmerksam

Chanter et rigoler – Singen und lachen

Qui trouve la tour Eiffel?

Mit dem Gehirn ist es ja so eine Sache: Es ist sehr leistungsfähig – aber was nicht genutzt wird, versinkt in den Tiefen der Erinnerung. Zum Beispiel Fremdsprachenkenntnisse. Was ja niemand will. Aber sie im Alltag lebendig zu halten, ist oft nebensächlich. Und anstrengend, wenn man es dann doch mal versucht… Lektüre ist ja der Klassiker, die muckst sich nicht, wenn sie ungelesen verstaubt. Ähem. Weil es dann doch zu schwierig ist und nach Feierabend nicht das, worauf wir Lust haben… Ähem.
Meine Lösung: Französisches Fernsehen. Lange hat es mich eher in den Wahnsinn getrieben, als mich vorwärts zu bringen. Bis ich „N´oubliez pas les paroles“ (Vergesst die Worte (Liedzeilen) nicht) auf France 2 entdeckte. Wer es nicht empfangen kann, findet hier einen beliebigen, aktuellen Link einer der letzten Sendungen: Drauf klicken und reinschauen. Die französischen Mediatheken lassen sich aus „geografischen Gründen“ nicht in Deutschland abspielen, daher verweise ich auf youtube.
Die Sendung funktioniert so: Zwei KandidatInnen treten gegeneinander an. Sie wählen abwechselnd Lieder, die hinter bestimmten Kategorien versteckt sind. Es ist also immer etwas Zufall im Spiel, welches Lied dabei heraus kommt. Zwischen zwei Liedern müssen sie sich dann wiederum entscheiden. Das ausgesuchte Lied wird als Karaoke mit Live-Band gesungen, wobei einzelne Wörter und Sätze fehlen, die während des Gesangs plötzlich ergänzt werden müssen. Daher der Titel „Vergesst die Worte (Liedzeilen) nicht!“
Das Charmante daran: Da der Text gut lesbar mitläuft, verstehe ich ALLES. Im Gegensatz zu politischen Talkrunden auf französisch. Komischerweise.
Da ich annehme, dass es anderen auch so geht, die entweder französisch lernen oder auffrischen wollen, empfehle ich diese Sendung wärmstens.
Oder Sendungen über Frankreichs größten Themenpark „Puy du Fou„, mit denen ich meinen Mann im Urlaub genervt habe, weil ich abends pünktlich vor dem Fernseher sitzen wollte. Najaaaa, es diente meinen Französischkenntnissen, also meiner Bildung, also war es sinnvoll.  😉

aufmerksam, glaubhaft

Lebendige Vergänglichkeit

Wildblumenwiese

 

Heute stieß ich zufällig auf diese wunderbare, stimmungsvolle und sehr authentische Reportage über den größten Parkfriedhof der Welt, den Friedhof Ohlsdorf in Hamburg. Im Stil eines englischen Parks gestaltet, dominieren mächtige Bäume, wilde Blumenwiesen und viele Gewässer das 391 Hektar große Areal. Hier leben neben vielen Vögeln (auch bedrohten Uhus) Füchse, Rehe, Waschbären und Wasserschildkröten, die sich ihren eigenen Lebensraum erobert haben.
Märchenspaziergänge, Lesungen zu erotischen Grabmalen, Veranstaltungen im Garten der Frauen, naturkundliche Wanderungen – hier ist viel lebendige Kultur zu erleben.
Wen es interessiert: „Im Wald der Engel“ im NDR

 

Rosen auf dem Friedhof Ohlsdorf

 

„Alle Geschöpfe der Erde fühlen wie wir,
alle Geschöpfe streben nach Glück wie wir.
Alle Geschöpfe der Erde lieben, leiden und sterben wie wir,
also sind sie uns gleich gestellte Werke des allmächtigen Schöpfers
– unsere Schwestern und Brüder.“

Franz von Assisi

aufmerksam, feminin, glaubhaft

Buchrezension: „Das Paradies ist weiblich. Eine Reise ins Matriarchat“ von Ricardo Coler

Herbstwald

 

Wer mein Blog seit Jahren verfolgt, wird feststellen, dass der heutige Artikel nicht „Buchempfehlung“ sondern „Buchrezension“ heißt. Und das hat einen Grund.
Ricardo Coler stammt aus Argentinien und kennt eine vom Machismo geprägte Gesellschaft. So reist er mit einem respektlosen Chinesen als Übersetzer in eine entlegene Region Süd-Chinas, um dort das Volk der Mosuo kennenzulernen.
Die Mosuo leben im Matriarchat, dabei gilt die Zugehörigkeit zur Familie über die Mutter. Männer bleiben lebenslang bei ihrer Familie und arbeiten dort unter den Anweisungen der Frau, die der Familie vorsteht. Über Nacht besuchen die Männer die Frauen, müssen jedoch vor Sonnenaufgang verschwunden sein. Da kein Kind einen offiziellen Vater hat und keine Ehen geschlossen werden, ist die Familie ein sehr starker und langlebiger Zusammenhalt unter dem Einfluss der Frauen. Wenn eine Frau möchte, lässt sie für längere Zeit nur den gleichen Mann zu Besuch kommen. Lässt er es an Loyalität diesem exklusiven Arrangement gegenüber vermissen, darf er sie nicht länger besuchen kommen. Da die Frauen die Verantwortung für die Familie tragen, wird für alle Generationen gleichermaßen gesorgt. Die Frauen arbeiten hart in der Landwirtschaft und delegieren einen Teil der Aufgaben an die Männer der Sippe. Oft lungern die Männer aber auch auf dem Dorfplatz oder am See herum und tun den ganzen Tag nichts anderes, als Karten zu spielen. Es gibt keine Gewalt, auch keine Form der Strafe bei Fehlverhalten. Es gibt weder Neid noch Streben nach Besitz und Macht. Das höchste Ziel der Frauen ist es, ihre Familie zu ernähren und in Frieden zu leben.
Bedauerlicherweise schafft Ricardo Coler es nicht, die eigene kulturelle Brille abzulegen. Es fängt damit an, dass er aus einer patriarchalen Kultur kommt, in der er als weißer Mann seit Jahrhunderten der Sieger ist. Statt sich zu überlegen, wie er wohl einer komplett anderen Kultur begegnet, in der er nur ein unbedeutender Knecht ist, holt er sich einen unhöflichen chinesischen Übersetzer. Dieser kann mit anderen Gesellschaftsformen noch weniger anfangen als Herr Coler und benimmt sich regelmäßig respektlos der Dorfgemeinschaft gegenüber. Auf diese Weise verhält sich die Sippe, in deren Hof er übernachten darf, höflich-distanziert dem Gast und seinem Begleiter gegenüber.
Ich denke: Kein Wunder. Würde ich in den Palast des aktuell regierenden Scheichs der arabischen Emirate marschieren und glauben, ich bekäme als zierliche westliche Frau einen großartigen Empfang, würde ich schneller vom Tor verscheucht, als ich laufen könnte. Andere Gesellschaft, andere Geschlechterrollen, andere Umgangsformen. Das ist doch völlig klar. Würde ich den Scheich in Abu Dhabi besuchen wollen, wäre ich doch so schlau, einen listigen und körperlich beeindruckenden Mann als Begleiter zu engagieren. Schließlich brauche ich im Herrschaftsbereich der Männer, deren Kultur mir fremd ist, natürlich einen Mann als Türöffner. Entsprechend überzeugend und sozial intelligent müsste er sein, um seinen Job als Bindeglied erledigen zu können, damit ich im Anschluss meinen Auftrag angehen kann.
Aber Herr Coler wundert sich, warum er den Eindruck hat, diesen stolzen und beherrschten Frauen keine Fragen über Sex stellen zu können. Oder über ihr privates Gefühlsleben und andere Intimitäten. Als fremder Mann aus einer anderen Kultur mit einem unprofessionellen Übersetzer, der sich in eine komplett andere Art der Wertvorstellungen begibt, kann er nicht erwarten, die Geheimnisse dieses Volkes auf einem Silbertablett präsentiert zu bekommen. Nur ein Macho aus einer patriarchalen Welt glaubt das.
Entsprechend oberflächlich sind die tatsächlichen Fakten, entsprechend schwammig fällt das Bild über das Leben der Mosuo aus. Warum das Buch ein Bestseller wurde, ist mir schleierhaft. Wenn eine gründlich recherchierende Frau mit entsprechender interkultureller Kompetenz die Mosuo besuchen und darüber schreiben würde (oder jedes andere verbliebende Matriarchat dieser Welt), würde ich das sehr gern lesen.
So ehrenwert es ist, wenn Männer Räume jenseits des Patriarchats entdecken – wenn sie sich nicht darauf einlassen und ständig alles durch ihre westliche Brille beurteilen, hat es keinen Wert.

Einen tatsächlichen Blick in den Alltag bietet das (mir bisher unbekannte) Buch „Das Land der Töchter: Eine Kindheit bei den Moso, wo die Welt den Frauen gehört “ von Yang Erche Namu.

 

 

Herbstlaub

aufmerksam

Eintritt frei: Kostenlose Veranstaltungen in Hamburg

Zarte Rose

 

Jetzt habe ich in den letzten Wochen diversen Personen von den „Kulturlotsen“ erzählt und während eines Seminars (als Teilnehmerin) einen Stehgreif-Vortrag darüber gehalten, weil es mir gerade passend schien, und habe mein eigenes Blog dabei völlig außer acht gelassen. Passiert.

Also, die „Kulturlotsen“ sind ein Verein ehrenamtlicher Interessierter, die auf ihrer Website kostenlose Veranstaltungen in Hamburg sammeln. Mit der Hilfe vieler HamburgerInnen, die über ein Formular selbst Events melden können. Diese werden geprüft, um fehlende Informationen ergänzt und online gestellt. Für alle Generationen sind Konzerte, Ausstellungen, Lesungen, Führungen, Filme und vieles mehr im Angebot.
Ziel ist, Menschen mit wenig Geld den Besuch von Veranstaltungen zu erleichtern, indem nur kostenlose Angebote veröffentlicht werden. SeniorInnen, die mit geringer Rente auskommen müssen und gerne in Gesellschaft sind werden ebenso angesprochen wie Kinder mit Migrationshintergrund, die selten Zugang zu kulturellen Angeboten haben. Auch Menschen mit Behinderungen werden mit möglichst vielen Informationen zum Thema „Barrierefreiheit“ versorgt, um ihnen die Teilnahme zu ermöglichen.

Warum schreibe ich darüber?
Zum Einen, weil ich diesen Verein großartig finde, der sich für die Personengruppen im reichen Stadtstaat Hamburg einsetzt, denen der Zugang zu Kultur oft schwer gemacht wird. Unnötiger Weise, wie das breite Angebot an kostenlosen Möglichkeiten zeigt.

Zum Anderen, weil jeder Verein von Mitarbeit lebt: Durch Menschen, die kostenlose Veranstaltungen melden. Durch Menschen, die hinter den Kulissen redigieren. Und durch Menschen, die zu denen gehören, die etwas abgeben können und den Verein finanziell unterstützen.
In diesem Sinne lade ich herzlich dazu ein, diese sinnvolle Möglichkeit von „Kultur für alle“ zu fördern.

 

Üppige Rose

kreativ

Kreative Sommerferien: Kunstwerke mit historischen Druckpressen gestalten

Der zweite Bericht aus meinen künstlerischen Sommerferien findet im hamburger „Museum der Arbeit“ statt. Begonnen hat die kreative Serie zur Freizeitgestaltung mit dem Besuch einer Ausstellung und dem Angebot „Japanischen Stempel schnitzen“. Später werde ich mit Acrylfarbe matschen, einen Strauß am Wegesrand pflücken, eine Bonbonmanufaktur besuchen und eine Kreativ-Party organisieren.

 

Druck Flamingos

 

Jeden Montag haben im Museum der Arbeit am Barmbeker Bahnhof die historischen Werkstätten geöffnet. Überraschend viele, sehr motivierte und sympathische Ehrenamtliche erzählen dort alles Wissenswerte über das Buchbinden sowie die Geschichte des Setzens und Druckens. Von 17.00 bis 21.00 Uhr können die Maschinen unter Anleitung benutzt werden – völlig egal, für welches Projekt und in welcher Stückzahl. Neben dem Museumseintritt wird eine Spende nach eigenem Ermessen für das Material (und die Instandhaltung) gezahlt. Auch Kinder sind willkommen!

 

Wandgestaltung

 

Ich hatte das Glück, einen ganz wunderbaren Profi an der Hand zu haben, der meine spontane Inspiration angesichts eines Flamingo-Stempels fachgerecht umsetzte. Mit endloser Geduld ließ er sich von mir anweisen, an welcher Stelle der Flamingo als nächstes platziert werden sollte, damit am Ende auf dem Blatt ein ganzer Schwarm gedruckt war. Dabei druckten wir nach dem ersten Farbauftrag auch einen zweiten bis vierten Flamingo, ohne neue Farbe einzusetzen. Dadurch entstanden immer hellere Töne, die dem Schwarm eine gewisse Tiefe geben. Der nette Ehrenamtliche errechnete anhand meiner Wünsche den korrekten Platz des Flamingos auf der Druckplatte, damit am Ende der Vogel dort zu sehen war, wo ich ihn haben wollte. Dank meiner Instruktionen und deren kompetenter Umsetzung nahm das Unikat bald Formen an, während sich sogar Schaulustige um die Druckpresse sammelten. Ich fand meine Idee mit der multiplizierten, farblich changierenden Variation der gleichen Figur sehr simpel und war ganz überrascht, wie interessiert und begeistert die Kommentare der anderen BesucherInnen ausfielen.

 

Flamingos

 

Nebenan wurden Dankeskarten für die „Nachbereitung“ einer Hochzeit gedruckt, während eine Ecke weiter komplette selbst geschriebene Gedichte gesetzt und gedruckt wurden. Wer mit einem Plan kommt, liegt klar im Vorteil; aber wie ich festgestellt habe, sind auch spontane Ideen verheißungsvoll und umsetzbar.
Damit lade ich sehr herzlich ein, diese Möglichkeit zu nutzen und zu unterstützen und eifrig in die winzigen grauen Kästen zu spenden, die leicht zu übersehen sind. Das Angebot besteht ganzjährig und ist dank der Uhrzeit auch nach Dienstschluss im Feierabend praktisch nutzbar. Ein rundum gelungenes Angebot!

 

Verlinkt mit CreaDienstag, Handmade on Tuesday, Dienstagsdinge, Lieblingsstück4me.

aufmerksam

Ode an die Freude

Die Ode an die Freude, geschrieben von Friedrich Schiller 1785, ist die offizielle Hymne der Europäischen Union (seit 1985). Es berührt mich, wie diese Melodie mit ihrem Text sowohl fröhlich als auch feierlich und erhebend wirkt.

Hier beginnt ein Mädchen mit Blockflöte einen Flashmob in Nürnberg.
Zwischen Nahrungsmitteln singt der Flashmob in einer ukrainischen Martkhalle,

Politische Dimensionen zeigt die Demonstration der UkrainerInnen auf dem Maidan zugunsten eines EU-Beitritts.
Ebenso die Gegendemo aus dem Staatstheater Mainz: 120 MitarbeiterInnen des Hauses sangen ihre Botschaft für Toleranz hinunter auf den Gutenbergplatz, wo die AfD demonstrierte. Die Polizei erstatte dagegen Anzeige, weil eine „genehmigte Demonstration gestört wurde“.

aufmerksam, Gäste & Feste

Miteinander essen, das kann schön sein

Von einer wunderbaren Idee las ich kürzlich in einem Magazin für Norddeutschland:
Susanne Kollmann organisiert im Rahmen eines Projekts Blind Dates zwischen Deutschen und Syrern, die in teilnehmenden Restaurants in Kiel mit syrischen Gerichten verwöhnt werden. Entstanden ist die Idee angesichts der Kriegsbilder aus Syrien, inzwischen wurde die Aktualität durch die Flüchtlingsströme geradezu überholt.
Während des gemeinsamen Essens geht es darum, mehr über den Alltag von Syrern zu erfahren: „Wie riecht Syrien? Welches Aroma verbindest du mit deiner Stadt? Was bedeutet für dich Heimat? Wer sind die Menschen, mit denen du über deine Zukunft sprichst?“

Die eingeladenen SyrerInnen erfahren Interesse und Anteilnahme an ihrer Geschichte. Die Deutschen erleben in einem Blickwinkel jenseits der Berichterstattungen den Alltag der SyrerInnen: Den Alltag „vorher“ und den Alltag „heute“. Beide sind zu Gast. Die einen schmecken heimische Speisen, die deutsche Köchinnen und Köche so original wie möglich versucht haben zuzubereiten (auch eine Form der interkulturellen Auseinandersetzung). Die anderen probieren zum ersten Mal Gerichte, die sie bisher nicht kannten.
Zusammen dokumentieren sie ihr Treffen mit einer gemeinsam beschrifteten und bemalten Serviette.
Daraus entsteht eine Ausstellung rund um eine interaktive Tafel im Kieler „Kunstraum B“.

Die Überschrift stammt aus dem Tischlied „Miteinander essen, das kann schön sein. Froh zu Tische sitzen, lieben wir. Gaben lasst uns teilen und auch noch verweilen, schön, dass wir zusammen sind“.
Text und Musik von Wolfgang Longardt, hier zitiere ich die erste Strophe.