aufmerksam, glaubhaft

Schwarzbrot für die tägliche Andacht: Empfehlung für einen christlichen Klassiker

Suchst du täglich eine Herausforderung für deinen Glauben?
Sehnst du dich nach einer Botschaft, die dich jeden Tag kurz und knackig auf den richtigen Weg bringt?

Seit fast hundert Jahren ist das Andachtsbuch „Mein Äußerstes für sein Höchstes“ von Oswald Chambers ein weltweiter Dauer-Bestseller. Oswald Chambers reiste mit seiner Frau als Bibellehrer rund um den Globus und betreute in Ägypten australische und neuseeländische Truppen. Er verstarb 1917 mit 43 Jahren in Kairo an den Folgen eines Blinddarmdurchbruchs. Seine Frau Biddy war eine hervorragende Stenotypistin und hatte viele seiner Bibelstunden und Predigten mitgeschrieben. In den Jahren nach seinem Tod ordnete sie die Aufzeichnungen und gab 1923 die erste Ausgabe von „My Utmost for His Highest“ heraus.

Seine Worte haben bis heute die Kraft behalten, klar und prägnant in den Alltag von ChristInnen zu sprechen. Chambers ist kompromisslos in der Anwendung der Bibel auf das eigene Leben. Der tägliche Input passt auf eine Seite und muss oft mehrfach gelesen werden, um verstanden zu werden. Er sagt kein Wort zuviel, jeder Satz trifft und regt zum Nachdenken an.
Wer sich für die tägliche Lektüre ein Buch wünscht, das mit minimaler Länge eine maximale Tiefe bietet, sollte es mit diesem Klassiker probieren. Es enthält geistliches „Schwarzbrot“ für alle, denen die meisten christlichen Bücher zu beliebig und zu seicht sind.
Für Menschen, die sich erst an den christlichen Glauben heran tasten, ist das Buch nicht geeignet: Zu anstrengend, zu abstrakt, zu herausfordernd.
Der Klassiker hat ein hellgelbes Cover, eine sprachliche Neubearbeitung (in rosafarbenem Cover) soll dem modernen Deutsch mehr entsprechen. Ich lese gerade die hellgelbe Standard-Version, die ich verständlich finde, die aber viel Vorwissen voraussetzt.
Viele berühmte Christen sagen, sie lesen das Buch bis heute immer wieder und es habe sie stark geprägt.
Interessant ist, dass in meinem Umfeld alle Generationen die Lektüre schätzen und als wertvoll empfinden. Für alle, die ihren Glauben vertiefen und sich täglich herausfordern lassen wollen, gebe ich eine klare Empfehlung ab!

aufmerksam, feminin

Buchempfehlung: Romane über das Leben mit der Natur

Rein zufällig habe ich gerade vier Bücher hinter einander aus der örtlichen Bücherhalle ausgeliehen, die vom Alltag mit und in der Natur handeln. Sie fielen mir in die Hand, sprachen mich an, und beim dritten Roman über ein komplettes oder zeitweiliges Aussteiger-Leben fragte ich mich, was mir diese thematische Häufung sagen möchte.

„Im Wald: Mein Jahr im Cockshutt Wood“ von John Lewis-Stempel ist meiner Meinung nach zu Recht preisgekrönt. Als englischer Landwirt ist er für vier Jahre Pächter eines Walds, in dem er sich täglich aufhält und den er nach historischen Prinzipien bewirtschaftet. Das Buch beginnt im Januar und hat ein extrem langsames Erzähltempo. Die Detailtreue der Naturbeobachtungen und die vielen Hintergrundinformationen über Bäume, Pilze und Tiere können die Leserin wahnsinnig machen. Oder in ein anderes Universum ziehen und maximal faszinieren, je nach Interessenslage…
Ich habe in diesem Buch jedenfalls so viel über die Lebewesen und die Ökologie des Waldes gelernt wie in meinem ganzen Leben nicht. Da kommt noch nicht einmal der medienwirksame Förster Peter Wohlleben gegen an.

„Kaffee mit Käuzchen“ von Franziska Jebens ist der Bericht einer jungen Frau, die ihre Karriere und ihre ehrgeizigen Pläne hinter sich lässt, um ein rottes Forsthaus im Nichts zu renovieren. Ich habe mich ausgesprochen gut amüsiert und das Buch im Rekordtempo gelesen (und dabei lese ich immer schnell). Keine Ahnung, warum es mich so mitgerissen hat, die Verwandlung einer modeaffinen Kosmopolitin zum Waldschart zu verfolgen, aber da es lange auf der Bestsellerliste stand, ging es wohl auch vielen anderen LeserInnen so.

Es schloss sich übergangslos „Fräulein Draußen: Wie ich unterwegs das Große in den kleinen Dingen fand“ von Kathrin Heckmann an. Den Titel mit dem Fräulein finde ich als Emanze sehr fragwürdig, davon abgesehen ist auch dieses Debüt einer mutigen Frau sehr, sehr wertvoll zu lesen. Sie berichtet von der wachsenden Liebe zum wochenlangen Wandern und Wildcampen, und auch hier lässt sich eine lohnenswerte innere Reise miterleben.

Inzwischen bin ich bei der „Schäferin von Yorkshire“ von Amanda Owen angelangt. So langsam finde ich meine outdoor-basierte Lektüre der letzten Wochen doch etwas einseitig, oder das Leben mit sieben (inzwischen neun) Kindern spricht mich einfach nicht so an… Dennoch ist es auch in diesem autobiografischen Roman spannend mitzuverfolgen, wie ein Lebenstraum wächst und umgesetzt wird. Amanda lebt mit einem zwanzig Jahre älteren Landwirt auf einer der abgeschiedensten Schaffarmen Great Britains und erzählt sehr bodenständig und humorvoll aus dem Alltag.

aufmerksam, glaubhaft

Wo wir Zuhause sind

„Glaube ist das radikale Vertrauen, dass Zuhause immer da war und immer da sein wird. Die etwas steifen Hände des Vaters liegen auf den Schultern des verlorenen Sohns mit dem immerwährenden göttlichen Segen: „Du bist mein Geliebter, auf dir ruht mein Wohlwollen.“
Dennoch habe ich immer und immer wieder mein Zuhause verlassen. Ich habe die Hände des Segens verlassen und bin zu weit entfernten Orten gelaufen, auf der Suche nach Liebe. Das ist die große Tragödie meines Lebens und der Leben von so vielen, die ich auf meiner Reise getroffen habe. Irgendwie bin ich gegenüber der Stimme taub geworden, die mich „GeliebteR“ nennt, habe den einzigen Platz verlassen, wo ich diese Stimme hören kann, und bin weggegangen, verzweifelt hoffend dass ich irgendwo anders finde, was ich Zuhause nicht mehr gefunden habe.“

Henri Nouwen in „The Return of the Prodigal Son“, Übersetzung von mir

„Faith is the radical trust that home has always been there and always be there. The somewhat stiff hands of the father rest on the prodigal´s shoulders with the everlasting divine blessing: „You are my Beloved, on you my favor rests.“
Yet over and over again I have left home. I have left the hands of blessing and run off to faraway places searching for love! This is the great tragedy of my life and of the lives of so many I meet on my journey. Somehow I have become deaf to the voice that calls me Beloved, have left the only place where I can hear that voice, and have gone off desperately hoping that I would find somewhere else what I could no longer find at home.“
Henri Nouwen, „The Return of the Prodigal Son“

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Der Kirche entflohen, um bei Gott anzukommen: „Soul Survivor“ von Phillip Yancey

Die Geschichte eines Mannes, der von der Kirche zutiefst angekotzt war, erlebt dank der Biografien echter Helden eine Wendung. Die Helden zeichnen sich durch Mitgefühl, Liebe und Weisheit aus, es sind Menschen wie Martin Luther King, Mahatma Gandhi und Annie Dillard.
Phillip Yancey wächst in einer egoistischen, rassistischen und heuchlerischen Kirche in den amerikanischen Südstaaten auf. Als junger Mann bemerkt er nach und nach, dass deren Lehren kaum etwas mit der Bibel zu tun haben. In Freundschaften mit Menschen, die sich für andere einsetzen, statt sie zu verurteilen, heilen seine Wunden langsam. Und dennoch treibt ihn die Frage um, warum die lebensverändernde Kraft der Bibel so wenig in unserem Alltag spürbar ist. Warum sind ChristInnen nicht die warmherzigen, weisen und visionären Menschen? Warum sind sie so oft engstirnige, nachtragende und langweilige Ignoranten?

In seinem Buch „Soul Survivor. How my faith survived church“ (Seelen-Überlebender. Wie mein Glaube die Kirche überlebte) stellt Phillip Yancey die Menschen vor, die ihm einen neuen Blick auf den Glauben gaben und sein Inneres veränderten. Durch gelebte Beziehungen und zahlreiche Interviews ebenso wie durch das Lebenswerk, das sie hinterließen. Dabei sind ihre Schwächen und Konflikte ebenso Thema wie ihre Gedanken über ein gelingendes Leben und ihr innerer Auftrag, den sie erfüllen wollen.
Das Buch liegt nur auf englisch vor, lässt sich aber gut lesen und trifft mit seiner Botschaft voll ins Herz.


Ich gebe gerne zu, dass es einfachere Hobbies gibt, als englische Bücher zu lesen. Die Geschichte von Phillip Yancey, der sich von geistigem Missbrauch löst und erholt und in ein fruchtbares Leben aufbricht, lohnt sich trotz dieser Unbequemlichkeit. Er stellt nicht nur große Vorbilder vor, sondern zeigt lebensnah und authentisch, wie deren Botschaft sein Denken voran gebracht haben. Wie er von ständigem Verurteilen und Beurteilt-werden in eine Haltung der Liebe findet, die alle seine Mentoren verbindet. Wie wir das, was wir als Christen so gern leben wollen, mit unserer egoistischen Realität zusammen bekommen.

aufmerksam

Warum Holz keine ökologische Ressource ist


Wie wir angesichts von Klimakrise und schwindenden Ressourcen verantwortliche mit der (Um-)Welt umgehen, interessiert immer mehr Menschen. Dabei bleibt es schwierig, zwischen all den Maßnahmen den Überblick zu behalten. Vor allem, wenn wir beurteilen wollen, welche Möglichkeiten tatsächlich sinnvoll sind und wo wir nur auf Lobbyisten reinfallen.
Aus der Bibliothek lieh ich mir eins der Bücher von Peter Wohlleben, Deutschlands berühmtesten Förster der letzten Jahre. Leider war das Buch inhaltlich unübersichtlich, regte aber dennoch zum Nachdenken an.


Unter anderem darüber, wie sinnvoll es ist, dass Holz als der perfekte klimaneutrale Werkstoff vermarktet wird. Am meisten Wirkung entfaltet ein lebender Baum in einem natürlichen (also nicht genutzten) Wald: Er beherbergt diverse pflanzliche und tierische Lebewesen, kühlt und befeuchtet die Luft, reinigt sie und ist ein jahrhunderte altes Lebewesen. Dieses Lebewesen zu verwerten, ist logischerweise von viel kurzlebigerem Nutzen, als es wachsen zu lassen.
Papiertüten als Alternative zu Plastik werden bereits nach ein- bis dreimaligem Tragen entsorgt. Bücher werden nach einem Mal lesen mit viel Glück noch an eine Freundin verliehen, bevor sie entsorgt werden. All die Zeitungen und Werbeblätter werden oft noch nicht ein einziges Mal gelesen. Da Konsumartikel aus Papier oft verbrannt werden und Recyclingpapier für die meisten Deutschen noch nicht einmal als Toilettenpapier benutzt wird, verbrauchen wir für Wegwerfartikel tatsächlich frische Bäume.
Die Möbel, die aus Holz hergestellt werden, sind nach einigen Jahren meist unmodern und werden entsorgt. Pelletheizungen, die ursprünglich ungenutzte Sägespäne verbrennen sollten, tragen inzwischen weltweit zur Abholzung bei und lassen die Feinstaubbelastung seit einigen Jahren erheblich steigen.
Und der anhaltende Trend zum Eigenheim im Grünen frisst weiterhin jährlich Millionen Hektar Fläche, die langfristig irreparabel versiegelt wird. Auch in ehemaligen Wäldern, deren kühlende und reinigende Funktion wir so dringend für die überhitzten Städte benötigen.

Um Holz zu gewinnen, werden sowohl weltweit Monokulturen angelegt (schlecht für die Umwelt) als auch Wälder durchforstet (schlecht für die Umwelt) als auch Urwälder abgeholzt (schlecht für die Umwelt). Der Schaden, der dadurch in ausbalancierten Ökosystemen geschieht, ist dabei noch gar nicht eingerechnet. Auch nicht die Tatsache, dass die anschließende Aufforstung meist als biologisch tote Plantage geschieht, die weiter intensiv genutzt wird.
Kurz: Zu glauben, dass wir weniger Plastik benutzen können und unsere Wegwerf-Mentalität einfach auf Holz übertragen können, hilft der Umwelt kein bißchen und heizt die Klimakrise weiter an.
Nur 2% Deutschlands sind Wald, die Monokulturen aus schnell wachsenden Kiefern (die in heißen Sommern von Borkenkäfern zerfressen und bei Winterstürmen reihenweise entwurzelt werden) nicht eingerechnet. Ein Forst ist eine Wirtschaftsfläche, kein Wald, auch wenn er von der Forstwirtschaft aus Imagegründen so deklariert wird.
Wo soll denn all das Holz so schnell nachwachsen, wie wir es verbrauchen?
Was wir tun können, um mit Wäldern ressourcenschonend umzugehen:
– Bücher in Bibliotheken leihen, statt sie zu kaufen (spart auch Platz zu Hause im übervollen Regal!)
– Statt gedruckter Bücher und Zeitschriften eBooks und ePaper kaufen
– das Zeitschriften-Abo mit einer Freundin teilen, quasi als privater „Lese-Ring“: Dann wird das Einmal-Produkt wenigstens zwei Mal benutzt
– Holzmöbel abschleifen und neu lackieren, wenn der Look nicht mehr gefällt. Viele Massivholzmöbel lassen sich auch umarbeiten
– Holzmöbel second-hand kaufen
– Vereinsblätter und andere Druckerzeugnisse im privaten Bereich auf Recyclingpapier umstellen oder nur noch digital versenden
– den Trend zum eigenen Kamin überdenken
– ich selbst habe als Autorin meinen Verlag kontaktiert und um Auskünfte bezüglich Recyclingpapier, CO2-neutraler Herstellung und dem Vorantreiben von eBooks erbeten

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Buchempfehlung: „Gib niemals auf“ von Joyce Meyer

Vor einigen Jahren schenkte mir eine wildfremde Frau das Buch „Gib niemals auf!“ in der S-Bahn. Ich war auf dem Heimweg, die Dame saß mir gegenüber und las, und aus irgendeinem Grund hatte ich den Eindruck, dass sie in einem christlichen Buch schmökerte und ich gern gewusst hätte, in welchem. Also fragte ich sie, sie hielt mir das Buch hin, und bevor sie viel zum Inhalt erzählt hatte, schenkte sie es mir und stieg aus. Ich war völlig perplex.
Natürlich begann ich direkt mit der Lektüre, aber aus irgendeinem Grund packte mich der Inhalt nicht. Trotz harter Jahre der beruflichen Neuorientierung, die mich oft an meine Grenzen brachten, blieb es jahrelang im Bücherregal. Bis ich neulich aus irgendeinem Grund danach griff und es mit sehr, sehr großem Gewinn las. Joyce Meyer ist eine ganz besondere Persönlichkeit, ihre direkte Art und ihr wahnsinnig selbstbewusstes Auftreten können friedliche ChristInnen ziemlich verschrecken. Aber der Inhalt ist das, was in einem Buch zählt, und der überzeugte mich beim zweiten Anlauf komplett.

„Wissen Sie, jeder Adler fühlt sich in einem Hühnerhof unwohl. Alle Adler sehnen sich nach klarer Luft und einem blauen, weiten Himmel. Wenn Sie an einem Ort leben, der Sie davon abhält, die Person zu sein, die Sie sein sollten und das zu tun, was Sie tun sollten, dann werden Sie sich auch unwohl fühlen.
Wenn der Gedanke in Ihrem Kopf und Ihrem Herzen Wurzeln schlägt, sich über das hinaus zu entwickeln, was Sie kennen, wenn der Same der wahren Größe in Ihnen anfängt zu wachsen, wenn Sie ein brennendes Verlangen spüren, aus Altem heraus zu treten, wenn Sie sich nach Abenteuern sehen und etwas Neues oder anderes machen wollen, dann nehmen Sie diese Empfindungen ernst. Fangen Sie an, entsprechend zu handeln.
Doch seien Sie sich auch darüber im Klaren, dass die Menschen um Sie herum Ihre Sehnsucht, aus der Umzäunung auszubrechen, nicht unbedingt nachvollziehen können. Vielleicht wollen sie Ihre Flügel stutzen oder sagen sogar: „Nun beruhige dich mal und sei wie die anderen Hühner. Sieh mal hier, diesen schönen Hühnerhof mit all den leckeren Würmern und Maden. Was soll es schon Besseres geben?“

„Ich bin sicher, dass wir unser Potenzial nur in dem Maße ausschöpfen, wie wir auch mit Widrigkeiten umgehen können. Winston Churchill sagte: „Gemeisterte Schwierigkeiten sind gewonnene Möglichkeiten,“ und diesem Ausspruch stimme ich voll und ganz zu. Wenn Sie sich von Schwierigkeiten und Problemen frustrieren, einschüchtern oder entmutigen lassen, dann werden Sie diese niemals überwinden. Schauen Sie ihnen stattdessen ins Auge; überwinden Sie die Widrigkeiten, mit denen Sie zu tun haben; weigern Sie sich, mittendrin aufzugeben; drängen Sie mit dem Geist eines Bezwinger weiter vorwärts! Und dann werden Sie die notwendige Fähigkeit und Entschlusskraft entwickeln, die Sie brauchen, um Ihr ganzes, von Gott gegebenes Potenzial zu entfalten und alles erleben, was Gott für Sie bereithält.“

Ja, Joyce Meyer liefert eine schier endlose Reihe Steilvorlagen. Wer es sich gerade gemütlich im Leben eingerichtet hat, mag das ungern hören.
Wer jedoch mit der eigenen Weisheit am Ende ist, mit dem Ziel vor Augen dringend neue Kraft braucht oder wer schon lange darauf wartet, dass sich der Wind endlich dreht, wird in diesem Ratgeber einen unfassbaren Schatz finden. Einen Schatz, der immer wieder das Wort Gottes und seine Versprechen für uns in den Mittelpunkt rückt.
Wer findet, dass das eigene Dasein in dieser Welt mehr ist als arbeiten, essen, schlafen und Rechnungen bezahlen, und es mehr geben muss als „Da-sein“, entdeckt in diesem Buch einen kraftvollen Begleiter.

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Buchempfehlung „Stark in stürmischen Zeiten: Die Kunst, sich selbst und andere zu führen“

Durch eine persönliche und wirtschaftliche Krise beginnt der Hotelmanager Bodo Janssen, ganz neu über seine Rolle als Führungskraft nachzudenken. Er hat das Unternehmen seiner Eltern aus der Insolvenz geführt, aber eine Mitarbeiterbefragung zeigt, dass die Angestellten im höchsten Maß unzufrieden sind: Sie fordern einen anderen Chef. Völlig geschockt und in seinem Ego tief erschüttert beginnt Bodo Janssen seine Suche nach einer gesunden Vorbildfunktion. Dabei kommt er mit dem Benediktinermönch Anselm Grün in Kontakt, der ihm erklärt, dass es zunächst darum geht, sich selbst kennenzulernen und sich zu führen. Wer zwischen Arbeitswut, Ablenkung und der Sucht nach Anerkennung durch andere schwankt, kann nicht authentisch und gelassen die Angestellten leiten.

„Die Bibel sagt: Deine Sprache verrät dich. (Matthäus Kapitel 26, Vers 73) Die Sprache, die wir in der Firma sprechen, verrät unsere innere Haltung. Die Kirchenväter sagen: Mit der Sprache bauen wir ein Haus. Und die Frage ist, welches Haus wir mit unserer Sprache bauen: ein Haus, in dem sich die Menschen angenommen und verstanden fühlen, oder ein Haus, in dem man friert, weil da eine kalte Sprache gesprochen wird, in dem man sich nicht wohlfühlt, weil man ständig Angst hat vor verletzenden und bewertenden Worten?


Je mehr ich anfing, über meine Schwächen, Ängste und Unsicherheiten zu sprechen, desto mehr bekam ich das Gefühl, dass zu und zwischen den Mitarbeitern die Beziehungen besser wurden. Auch hatte ich das Gefühl, je offener die Gemeinschaft wurde, umso größer wurde das Vertrauen und die gegenseitige Unterstützung füreinander. Es dauerte nicht lange, dann fühlten sich auch die Mitarbeiter dazu ermutigt, eigene Schwächen zu offenbaren.
Uns wurde bewusst, dass keiner von uns perfekt ist, aber wir als Menschen viele Gemeinsamkeiten haben, die uns verbinden. Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Das gemeinsam geschaffene Verständnis, dass keiner von uns vollkommen ist, dass keiner von uns besser oder schlechter ist als der andere, war der erste wichtige Schritt zur „Vermenschlichung“, zur Verbesserung der Beziehungen innerhalb unserer Organisation. Immer seltener wurde ich in der Folge als narzisstischer, nicht integrer Business-Macht-Mensch angesehen, bei dem es sicherer war, über ihn zu sprechen, als mit ihm.


Denn das wurde uns auch bewusst: Die Ursache dafür, dass übereinander gesprochen wird, dass Gerüchte oder Tratsch entstehen, liegt in gestörten Beziehungen, in fehlendem Zusammenhalt. Je stärker der ist, desto schwächer ist die Gerüchte- und Lästerkultur.
Ohne Vertrauen wäre der Wandel nicht möglich gewesen, auch wenn wir in der Übergangszeit von einer durch Angst, Neid, Macht und Konflikten geprägten Kultur zu einer Kultur des Vertrauens, der Zugehörigkeit, Wertschätzung und Selbstverwirklichung das eine oder andere Mal einen hohen Preis zahlen mussten – bis zu dem Verlust eines Hotels. In letzter Konsequenz ist das Gefühl, sich gegenseitig vertrauen zu können, elementar für alle weiteren Schritte. Und aus diesem Grund ist wohl kaum ein Preis dafür zu hoch.“

Die beiden Autoren stellen Gedanken, Fragen und Aufgaben vor, die zum Nachdenken anregen. Perfekt wäre es natürlich, unseren eigenen Vorgesetzten dieses Buch in die Hand zu drücken mit der Bitte, es offen und ehrlich zu lesen. Das wird nur in den wenigsten Unternehmen möglich sein. Dennoch beharren die beiden darauf, dass eine Veränderung immer nur von uns selbst ausgehen kann und sich, wenn wir uns ändern, auch unsere Umwelt ändert. Und oft genug gingen große Bewegungen von der (scheinbar machtlosen) Basis aus.

Bodo Janssen und Anselm Grün, „Stark in stürmischen Zeiten: Die Kunst, sich selbst und andere zu führen“, Ariston Verlag

 

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Buchempfehlung: „Kleines Zuhause, große Freiheit. Erfüllt leben auf wenig Raum“ von Julia Seidl

Wohnen im Schiffscontainer, einer kleinen Scheune, einer Lifthütte, einem Postbus:
Das bedeutet wenig Platz, neue Perspektiven und eine besondere Form der Freiheit. Julia Seidl besuchte zehn Personen in ihrem ungewöhnlichem Zuhause von 6m² in einem hölzernen Anhänger bis 85m² in einem historischen Kleinbauernhaus. In ihrem Buch berichtet sie aus deren Alltag und stellt ihr Lebensgefühl vor.

Alle Bewohner sind sich darin einig, dass sie das ständige Sich-mit-dem-Nachbarn-vergleichen zulasten der Umwelt überflüssig finden. Sie definieren sich nicht über das (schönste und größte) Eigenheim, über Besitz oder Aussehen oder sonstigen Aufwand, den wir betreiben, um vor unserem sozialen Umfeld gut da zu stehen. Wir Deutschen meinen, wir hätten ein Anrecht auf ein „Haus im Grünen“, das nullkommanichts nicht mehr im Grünen steht, weil überall Neubausiedlungen wuchern. Wir besiedeln die noch vorhandenen Freiflächen so rasant wie nie zuvor, obwohl wir nicht mehr Menschen sind. Wir wollen einfach nur immer mehr privaten Raum, zulasten der Umwelt, die bald komplett versiegelt und betoniert ist. Klimakatastrophe olé.


Die BewohnerInnen der vorgestellten Domizile leben ihren Bedürfnissen gemäß:
Im Rhythmus mit der Natur, in der denkmalgeschützten Hütte mit Blick auf die Geschichte, in einer selbstgebauten Schiffscontainer-Siedlung. Sie wollen nur wenig Ressourcen verbrauchen, nur wenig Raum beanspruchen, dafür umso mehr Luft und Licht um sich haben. Manche leben das halbe Jahr auf einer Wiese im Nirgendwo, manche gestalten bewusst Raum für Interessierte und bilden eine Gemeinschaft auf Zeit.

Die Wohnfläche je Wohnung betrug 2017 im Durchschnitt 91,8 Quadratmeter. 41 % der deutschen Haushalte sind Singlehaushalte. Ein-Familien-Häuser werden nur wenige Jahre tatsächlich von Eltern und Kindern bewohnt, die meiste Zeit steht ein Großteil der Fläche leer: Erst nach dem Auszug der Kinder, dann nach Versterben des Partners. So lebt in vielen Häusern nur eine Person, während junge Familien auf der grünen Wiese bauen. Dabei wäre im gleichen Haus genug Platz für alle.

„Der Grund dafür ist, dass Eltern nach Auszug der Kinder oft in der großen Familienwohnung bleiben. Vor allem Wohnungseigentümer sind wenig geneigt, nach der Familienphase in eine kleinere Wohnung zu ziehen. Zudem ist der Anteil älterer Haushalte, die im Eigentum wohnen, seit 1978 von etwa 40 auf 55 Prozent gestiegen.“ Umweltbundesamt

„Haushalte und ihre Mitglieder belegen nicht nur Wohnfläche innerhalb von Gebäuden, sondern ihnen ist allein oder anteilig auch die Grundstücksfläche, auf der das Wohngebäude steht, zuzurechnen. Hinzu kommt weitere Bodenfläche außerhalb des Wohngrundstücks, zum Beispiel die Fläche für Erschließungsstraßen oder andere Infrastrukturen, wie Abwasserbeseitigungsanlagen oder Spiel-, Sport- und Grünflächen, die dem Wohnen dienen. Jede Nutzung von Bodenflächen durch den Menschen hat mehr oder weniger große Auswirkungen auf die Umwelt. Das gilt auch für die Nutzung durch Siedlungsflächen und dadurch bedingt für die Flächen der Verkehrsinfrastruktur. Irreversibel wird etwa in die Fläche eingegriffen, wenn natürliche Bodenstrukturen und -funktionen zum Beispiel durch Überbauung und Versiegelung zerstört werden. Ziel muss es sein, knappe Fläche nachhaltig und umweltschonend, ökonomisch effizient und sozial gerecht mit Rücksicht auf künftige Generationen zu nutzen.“ Quelle: Umweltbundesamt

Wer kritisch darüber nachdenkt, wie wir jenseits der Norm innerlich zufrieden und der Umwelt gegenüber fair wohnen können, hat sicher Freude an der Lektüre von Julia Seidl.

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Arbeit muss stressig sein? Nö: Arbeit muss sinnvoll sein

Bitte einmal die Hand heben:
Wer hatte im eigenen Arbeitsleben schon einmal eineN VorgesetzteN, die/der ein Vorbild war?
Ein guter Boss, eine gute Chefin?
Fachlich versiert, menschlich fair, interessiert am Wohl der Angestellten, die berufliche Entwicklung der Einzelnen fördernd? Eine Person, der man Ideen zur eigenen Abteilung offen und ehrlich mitteilen kann? Eine Person, der man sagen kann, wenn seit Monaten die Motivation im Team sinkt? Eine Person, die Konflikte ehrlich und proaktiv thematisiert und dabei wirklich ergebnisoffen handelt? Eine Person, die absolut engagiert dabei ist, gute Arbeitsbedingungen für alle zu schaffen? Eine Person, die selbstbewusst und dennoch demütig ist, die nicht das letzte Wort um jeden Preis haben muss?


Ich fing an jeder Arbeitsstelle motiviert an, war stets an einem angenehmen Umgangston und reibungslosem Miteinander interessiert, hatte überall gute Ideen für flüssige Arbeitsabläufe für alle Beteiligten. Mein Team fand es gut, meine Vorgesetzten nie, irgendwann landete ich immer desillusioniert bei „Dienst nach Vorschrift machen und mich nach etwas Neuem umsehen“.
So wie viele andere PädagogInnen und TherapeutInnen, kurz: So wie die allermeisten Arbeitnehmer.
Bis heute suche ich nach einem Platz, wo meine Analysefähigkeit für gute Arbeitsbedingungen einerseits und meine Vorschläge für gelingende Abläufe andererseits wertgeschätzt wird, statt abgestraft. Wo ich mich nicht nur weiterentwickeln darf, statt festgezurrt auf meiner Position zu bleiben, sondern wo mein Wachstum erklärtes Ziel der Leitung ist.

Wer sich damit auseinandersetzt, wie Arbeit gelingt und wie gesunde und sinnvolle Bedingungen für alle aussehen können, erhält von mir heute zwei Tipps:

1.) Wenn ein Chef eine Mitarbeiterumfrage startet und 80% der Angestellten ihn schrecklich finden, dann kann er wie verrückt irgendwelche oberflächlichen Maßnahmen ergreifen: Mehr Geld für Spitzenleistungen, mehr Druck von oben, mehr fancy Jobtitel, mehr undurchdringliche Bonussysteme. Er kann auch stattdessen in sich gehen und sich fragen, was die Bedürfnisse der Angestellten sind: Was sie sich wünschen, wie sie besser arbeiten könnten, welche Form der Wertschätzung ankäme, wie sie mehr Freiheit für eigene Entscheidungen erhalten. Welchen Sinn sie in ihrer Arbeit finden. Was ihnen zutiefst am Herzen liegt. Wer sie hinter ihrer täglichen, oft künstlichen Maske sind.
Dazu muss sich die Leitung all diese Frage natürlich selbst erst einmal stellen. Und ehrlich beantworten. Statt wie immer teure Fachleute anzuheuern und dem Diktat der aktuellen Mode im Business zu folgen.
Was passiert, wenn Vorgesetzte sich wirklich ehrlich fragen, wie alle Beteiligten zufrieden arbeiten können, stellt der Film „Die Stille Revolution“ vor.
„Nichts ändert sich, bis du dich selbst änderst – dann ändert sich alles.“
Bodo Janssen

2.) Ein Buch, das mein Mann mir empfohlen hat, weil er von dem Unternehmer- und Autorenduo schon mehrere Titel gelesen hat: „It doesn´t have to be crazy at work“. Es soll in Kürze auf deutsch erscheinen, unter dem Titel „Schluss mit dem Wahnsinn im Büro: Wege zu einer entspannten Arbeitskultur“
Die beiden Gründer eines Unternehmens, das aus sich selbst heraus natürlich und kontinuierlich wächst und auf die meisten Regeln im heutigen Wirtschaftsleben pfeift, beschreiben eine gesunde Art der Arbeit: Keine Überstunden, keine sofortigen Antworten auf Emails nötig, keine utopischen Wachstumszahlen, die erreicht werden müssen. Sie müssen nicht krampfhaft besser sein als andere und die Konkurrenz „platt machen“. Es reicht völlig, wenn das Unternehmen finanziell stabil ist und die Mitarbeiter zufrieden.
Da ich erst den Anfang gelesen habe, kann ich noch nicht viel mehr sagen – und aufgrund großer Müdigkeit vor unserem viel zu späten Jahresurlaub fällt es mir gerade schwer, aus dem Kopf englische Passagen eloquent auf deutsch wiederzugeben. Einfach lesen, es lohnt sich. Locker geschrieben, inhaltlich fundiert, gut verständlich – auch auf englisch eine gewinnbringende Lektüre. Wie gut die deutsche Übersetzung wird, weiß ich natürlich nicht…

 

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earthy – erdverbunden

„Ziemlich wichtig ist in Denmark (Australien) die earthyness. Im Prinzip kann recht vieles earthy sein: Zum Beispiel ist ein Haus umso earthier, je windschiefer, improvisiert-selbstgebastelt-hexenhafter es sich in seinen Standort einschmiegt, fast so wie diese Wohnhöhlen der Hobbits in Auenland. Auch ein anständig bemaltes Fahrrad mit Blumenkorb und gestrickten Lenkerwärmern kann durchaus als earthy durchgehen, oder eine Party, bei der es gegrillte, ledrige Äpfel anstelle von Pommes, Geige statt Techno und Zimt statt Koks gibt. Überhaupt ist Denmark das Gegenteil vom latent zugekoksten, trendigen Süd-Perth der selbsternannten australischen Oberschicht.
Earthy ist ein Tausch von Lebensmitteln: Der eine Nachbar hat jede Menge Tomaten hinterm Schuppen, der zweite endlich seinen ersten Seelachs geangelt, viel zu groß für nur eine Familie; bei jemandem ist der Traubenmost fertig geworden, und ein anderer hat gerade einen Baum fällen müssen, bestes rotes Jarrah, so hart, dass es sich beim Holzhacken anhört, als würde man die Axt in einen Block aus Glas treiben. Es gibt auch in Essig eingelegte Kürbisse im Tausch gegen Känguruschenkel. (…)
Earthy kann es sein, wenn man ab und zu Bäume umarmt, zumindest als Frau kann man das komplett unkommentiert tun. Manchmal werden in Denmark Wald-Theaterstücke aufgeführt, in denen Blätter sprechen können: „Logisch“, sagte Nina trocken, als wir das zum ersten Mal sahen.


Es gibt extra das Rote Zelt, hinten Richtung Beveridge Road, für Frauen zum „in-Frieden-bluten“, während andere Frauen für sie kräftigende Gemüsebrühe kochen. Das war mir wirklich ziemlich fremd, liegt aber vermutlich einfach daran, dass ich noch nie Menstruationsbeschwerden hatte. Ein beträchtlicher Teil der Einwohner versorgt sich bereits komplett über ein riesiges, gemeinschaftlich finanziertes Windrad in der Nähe des Ocean Beach mit Strom, dann muss man sich nicht allzu sehr mit den Stromkonzernen abgeben.
Die Lebensphilosophie in Denmark kam uns natürlich sehr entgegen, nicht zuletzt, weil wir schließlich mit Mrs. Earthy höchstpersönlich unterwegs waren. Wenn man es zum Beispiel schafft, mithilfe des sogenannten „Umkehrpfützen-Tricks“ fast den gesamten Inhalt einer Pfütze mit weniger als fünf strategisch angelegten Sprüngen ins Innere der Gummistiefel zu befördern, hat man bei den earthigen Nachbarskindern sofort einen Stein im Brett. Zudem fungierten Ninas Jackentaschen als tragbare Terrarien, so dass bald jeder im vernünftigen Alter wusste, dass sie sich um eventuell einsame Regenwürmer aus dem Berridge Park ebenso verantwortungsvoll kümmerte (linke Tasche) wie um die Kellerasseln (rechte Tasche, denn die hatte einen Reißverschluss) vom Parkplatz vor dem fabelhaften Mrs. Jones Café. Wenn es um Tiere ging, konnte man sich immer vertrauensvoll an Nina wenden. Sie wusste, wo die giftigsten Spinnen wohnten und wo die Vogelnester steckten, und sie hortete zusammen mit Simon unter dem Patio ein ganzes Arsenal von sehr earthigen Objekten, von denen wir nichts wissen sollten oder wollten.“

aus: „Eine Million Minuten. Wie ich meiner Tochter einen Wunsch erfüllte und wir das Glück fanden“ von Wolf Küper