aufmerksam, feminin, liebevoll

Lektüre für dunkle Winterabende

 

Heute möchte ich zwei Romane der Autorin Susan Mallery vorstellen, die ich gerade in der Bücherhalle (Filialnetz der Hamburger Bibliotheken) im Nachbarstadtteil entdeckte: Eine eher lustig-romantische Geschichte und eine etwas tiefgehendere Handlung, jeweils von Frauen dominiert.

„Weiter geht es nach der Werbung“ beschreibt den Weg eines Mannes und einer Frau, die sich vor sechzehn Jahren als junge Erwachsene getrennt haben. Sie stellte, kurz nachdem sie verlassen worden war, eine Schwangerschaft fest. Ihre Tochter lernte den Vater nie kennen, sie leben zusammen mit der Mutter der Protagonistin und meistern gemeinsam den Alltag. Der Mann, Jonathan Kirby, ist inzwischen ein bekannter und medienwirksamer Psychologe. Die Frau, Taylor McGuire, ist ebenfalls Psychologin geworden. Im Rahmen einer Talkshow treffen sie aufeinander, da der ursprünglich eingeladene zweite Gast abgesprungen ist. Noch ahnt die Moderatorin der Sendung nichts von der früheren Verbindung der beiden, und da Taylor hofft, mit der Sendung Interesse für ihre Doktorarbeit zu wecken, zieht sie das Interview durch. Während der Talkshow entsteht der Gedanke, die beiden sehr unterschiedlichen Theorien darüber, wie Paare zusammen finden und glücklich werden, gegeneinander antreten zu lassen. Taylor McGuire glaubt, dass harmonische Paare mit gleichen Interessen langfristig glücklich werden. Jonathan Kirby besteht darauf, dass Unterschiede und viel Sex eine Beziehung stabil machen.  Die Idee ist, dass beide auf der Grundlage von Fragebögen jeweils zwanzig Paare zusammen stellen: Zwanzig sehr unterschiedliche Paare sowie zwanzig sehr ähnliche Paare. Sie werden ausgewählt, einander vorgestellt und sollen für einen Monat zusammenleben. Die Position, die am Ende die meisten Paare vorweisen kann, die durchgehalten haben und langfristig zusammen bleiben wollen, gewinnt. Unter allen Paaren wird zudem eine Million Dollar verlost, um einen Anreiz zum Mitmachen zu schaffen.
Taylor und Jonathan müssen den Monat eng zusammen arbeiten und stellen einerseits fest, dass die alten Gefühle für einander schnell wieder hochkommen. Andererseits haben sie sich sehr verändert, und die Existenz der bis dahin verheimlichten sechzehnjährigen Tochter stellt den Frieden zwischen ihnen auf eine harte Probe.
Parallel werden drei Paare beschrieben, die sich durch das Experiment finden – mit unterschiedlichem Ausgang. Spannend, lustig und romantisch – dieser Roman bietet alles auf einmal.

„Wie zwei Inseln im Meer“ ist die Geschichte zweier Freundinnen, die sich nach langer Zeit wiedersehen. Zwischen ihnen stehen Enttäuschungen, Missverständnisse, Lügen und viele Fragen. Michelle kehrt nach zehn Jahren im Kriegsdienst zurück in ihr Heimatstädtchen. Sie möchte die Leitung des kleinen Hotels ihrer Familie wieder übernehmen, nachdem ihre Mutter gestorben ist. Währenddessen hat ihre ehemalige beste Freundin Carly die Stellung gehalten. Darüber ist Michelle nicht erfreut, denn all die Veränderungen, die sie vorfindet und nicht billigt, meint sie Carly anlasten zu können. Zwei große Vertrauensbrüche, inzwischen zehn Jahre alt, stehen zusammen mit diversen Schuldzuweisungen zwischen ihnen. Die finanzielle Lage des Hotel ist sehr angespannt, sodass Michelle auf Carlys Hilfe angewisen ist. Dabei möchte sie eigentlich nur die Albträume und Flashbacks aus Afghanistan loswerden und ihre Schussverletzung in der Hüfte ausheilen lassen. Der Roman beschreibt, wie sich die beiden zwischen ersten Klärungen und wieder aufflammendem Groll einander annähern. Und natürlich kommen auch zwei Männer ins Spiel…

aufmerksam, glaubhaft

Wir können alles tun

„Without Emelie and Matthew, I´d be a quivering wreck, hiding out in my mum´s spare bedroom. Or, worse, I´d be back with Simon. Now we could do anything. I could do anything. I could colour my hair, I could start running, I could get a tattoo, I could hunt down my first crush, I could buy myself something obscenely expensive and selfish, I could write Simon a letter that explained what a knob he was, I could bungee jump-ish, I could break the law, I could travel to a country I´d never visited before and I could find a date to my dad´s wedding who made me feel fantastic about myself because he was my best friend. The point of the list wasn´t just to tick items of and forget about them, it was to learn something new. And the most important thing I´d learned was that I could do anything.“

„The Single Girl´s To-Do List“, Lindsey Kelk

 

 

„Ohne Emelie und Matthew wäre ich ein zitterndes Wrack, das sich im Gästeschlafzimmer meiner Mutter versteckte. Oder, schlimmer, ich wäre wieder mit Simon zusammen. Jetzt konnten wir alles tun. Ich konnte alles tun. Ich konnte mir die Haare färben, ich konnte mit laufen anfangen, ich konnte ein Tattoo bekommen, ich konnte meinen ersten Schwarm auftreiben, ich konnte mir etwas obszön Teures und Selbstsüchtiges kaufen, ich konnte Simon einen Brief schreiben indem ich erklärte was für ein Arschloch er war, ich konnte etwas Bungee-Sprung-ähnliches unternehmen, ich konnte das Gesetz brechen, ich konnte ein Land bereisen das ich noch nie besucht hatte und ich konnte eine Begleitung zur Hochzeit meines Vater finden, die mir ein fantastisches Gefühl gab, weil es mein bester Freund war. Der springende Punkt der Liste war nicht, die Dinge abzuhaken und sie zu vergessen, sondern etwas Neues zu lernen. Und der wichtigste Punkt, den ich lernte, war, dass ich alles tun kann.“

aus: „The Single Girl´s To-Do List“, Lindsey Kelk, Übertragung ins Deutsche von mir

aufmerksam, feminin

Nur eine B-Version meiner selbst?

 

Vor Kurzem las ich den Roman „Neun Tage und ein Jahr“ von Taylor Jenkins Reid. Dabei sprang mich eine Passage an, bei der ich sofort daran dachte, sie hier mit Leserinnen zu teilen. Anschließend brachte ich das Buch zurück in die Bücherhalle und merkte erst im Nachhinein, dass ich noch nicht daraus zitiert hatte. So lieh ich mir den Roman ein zweites Mal aus, blätterte durch alle Seiten und fand die Stelle endlich:

>> Obwohl Anna toll aussieht – mit ihren Locken war sie noch nie zufrieden. Wenn ich sage, dass ich meine kleinen Brüste nicht mag, erinnert sie mich daran, dass ich lange Beinen und einen Hintern habe, für den sie töten würde. Sie sagt immer, wie sehr sie ihre kurzen Wimpern  hasst und ihre Knie und dass ihre Füße aussehen wie die von einem Troll.
Vielleicht sitzen wir alle im selben Boot. Vielleicht fühlen sich alle Frauen wie das „Vorher“ auf den Vorher-Nachher-Fotos.<<

 

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Buchempfehlung: „Freundinnen. Eine Kulturgeschichte“ von Marilyn Yalom

 

„Lass niemals einen Ehemann die Rolle deiner besten Freundin spielen.“ Amy Poehler

 

Der Titel des Buchs „Freundinnen. Eine Kulturgeschichte“ von Marilyn Yalom und Theresa Donovan Brown klingt bereits etwas trocken. Glücklicherweise trifft das aber nur auf die ersten Kapitel zu: Von biblischen Zeiten und der Antike bis ins Heute zieht sich die umfassende Darstellung von Frauenfreundschaften. Naturgemäß sind in patriarchalischen Darstellungen der Geschichte (also bis vor knapp zweihundert Jahren) wenig Zeugnisse von Frauen selbst erhalten. Geschweigedenn, dass sie selbst ihre Geschichte dargestellt und veröffentlicht hätten. Insofern ziehen sich die ersten Kapitel reichlich, weil wenig Material vorhanden ist und wenn, dann nur Bösartiges aus den Federn von Männern. Nein, das wiederhole ich hier absichtlich nicht, der Dreck soll aussterben!
Danach liest sich der Band deutlich flüssiger, weil Frauen selbst zu Wort kommen und Zeitgeschichte mit ihren Augen lesbar wird. Je näher die Darstellung der Gegenwart rückt, desto vielfältiger und politischer werden die weiblichen Beziehungen. Entsprechend steigt das Lesevergnügen.

 

„Unsere Freundschaft ist schon so alt, dass Zeit und Distanz nie eine Rolle gespielt haben.“
Brief von Eleanor Roosevelt an Isabella Selmes Ferguson Greenway King, 9. Oktober 1953

aufmerksam, glaubhaft

Glücksrezept, fünfte Zutaten

 

Ein letztes Zitat aus Maike van den Booms schlauem Buch „Wo geht´s denn hier zum Glück? Meine Reise durch die 13 glücklichsten Länder der Welt und was wir von ihnen lernen können“:

>> Ana Maria, die quirlige Rechtsanwältin aus Bogota, antwortet wie aus der Pistole geschossen: „Erstens: Man muss die Familie, so viel es geht, genießen. Zweitens: Jeden Freitag muss man ausgehen, trinken und tanzen bis zum Abwinken. Das findet auch Kodwhani aus Montreal. „Wir haben Spaß am Leben: hart arbeiten und dann, wenn die Arbeit getan ist, rausgehen und feiern, was das Zeug hält. Wenn es Zeit ist zu feiern, ist es Zeit, zu feiern!“ (…)

„Und es ist so typisch für die Kanadier,“ so George vom Parklatz, „dass sie sich für etwas wirklich Zeit nehmen. Du fährst durch Kanada und dann hälst du hier in Brandon an und fragst die Leute Hey, kann ich mit dir über Glück reden? – Was antworten sie? Klar, liebend gerne! Und ich glaube, dass ist die Botschaft an die Deutschen: Seid nicht so diszipliniert, lasst euch ein bißchen mehr treiben, habt ein wenig mehr Flow.“<<

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Buchempfehlung: „Garten-Geschichten“ von Eva Demski

 

Eine 99jährige Dame, die sich mit Philosophie beschäftigt und bis heute wunderhübsch aussieht, empfahl mir ein Buch:
Eva Demskis „Garten-Geschichten“. Eine Sammlung abwechslungsreicher Erzählungen aus geheimen, überwucherten Ecken, Kindheitserinnerungen und englischen Klassikern.
Es erzählt deutsche Geschichte, lässt uns in andere Epochen reisen, macht uns mit einem neuen Blick auf die Kunst vertraut und warnt vor den typischen Anfängerfehlern im Garten.
Kurz: Für alle Gärtnerinnen und die, die es werden wollen, ein genüssliches Lesevergnügen und eine Quelle vieler kluger Informationen.
Die Kapitel lassen sich wunderbar im heimischen Liegestuhl oder im Strandkorb an der Küste lesen.

 

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Glücksrezept, vierte Zutaten

 

Ein weiteres Zitat aus Maike van den Booms schlauem Buch  „Wo geht´s denn hier zum Glück? Meine Reise durch die 13 glücklichsten Länder der Welt und was wir von ihnen lernen können“:

>> Ich fahre stundenlang auf den endlosen Straßen Kanadas, Australiens, Finnlands und Schwedens. Kein Mensch, kein Haus. Wie erfrischend. Wie allein. Wie fein. Wir sind ganz schön viele Menschen in Deutschland, denke ich während meiner Reise immer öfter.
Immer und überall ein Haus. Ständig. Im dicht besiedelten Deutschland müssen wir uns mehr Mühe geben, Ruhe und übermächtige Naturerlebnisse zu finden. Denkt auch Nils, ein 31-jähriger Student, der seinen Sohn im Kinderwagen durch Göteborg schiebt:
„Die Deutschen sollten die Natur mehr schonen, damit sie diese unberührter erleben können. Sie sollten nicht so viele Häuser und Straßen bauen.“
Wie? Keine freie Fahrt für freie Bürger? Mir wäre inzwischen freie Natur für freie Bürger lieber. Steffi, die freche Berlinerin aus der Schweiz, berlinert fröhlich drauf los:
„Also ich denke, dass die Schweizer so glücklich sind, weil sie so viel Natur haben. Sehr viele Berge rundherum, die Balsam für die Seele sind. Es ist ein kleines Land, es gibt hier nicht so viele Menschen, es ist nicht so übersiedelt. Hier hat man einfach mehr Platz und mehr Freiheit als in Deutschland.“<<

 

Die Zutaten für das erste, das zweite und das dritte Glücksrezept erschienen hier.

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Wurzeln bilden

 

Wir müssen etwas pflanzen, damit es Wurzeln schlägt,
selbst wenn wir es nie zu seiner vollen Reife und Schönheit
heranwachsen sehen.

Du kannst alles tun und alles sein, wenn du schöpferisch bist.
Sei einfach reglos.
Sei im Augenblick.
Diese Stille ist es, in der Wunder ihren Anfang nehmen.

 

 

Zitate aus: „So groß wie deine Träume“, Viola Shipman

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Glücksrezept, dritte Zutaten

Ein weiteres Zitat aus Maike van den Booms schlauem Buch  „Wo geht´s denn hier zum Glück? Meine Reise durch die 13 glücklichsten Länder der Welt und was wir von ihnen lernen können“:

>> Dieses WIR-Gefühl ist nicht der Anfang von Kriegen. Und so tritt auch unser Bundespräsident für ein selbstbewusstes gemeinsames Deutschland ein und sagte in seiner Rede am holländischen Befreiungstag 2012 im niederländischen Breda:
„Gefahren gehen nicht von Menschen aus, die zu sich selber gefunden haben, sondern von Menschen, die einen Minderwertigkeitskomplex haben.“
Ein Deutschland, das sich selbst liebt, ist ein Geschenk an die Welt. Und an sich selbst.
Und wir können uns gern haben. Wir haben viel erreicht. Es geht uns saugut in Deutschland. Keine besonderen Vorkommnisse innerhalb unseres Landes, die nicht auch in jedem anderen vergleichbaren Land vorkämen. Wirtschaftlich stehen wir blendend da. Aber auch um uns herum: alles friedlich. Wir sind umgeben von Freunden, die nur Gutes im Sinn haben. Wir werden respektiert, wir werden geliebt. Ist das nicht einfach nur großartig?
Ja. Und da sitzen wir dann mit unserem guten Leben und einer Realität, die kaum besser sein könnte. Und besser ist, als sie jemals war. Und wissen nicht so recht, was wir damit anfangen sollen. Wo sind die Probleme, die wir immer lösen mussten, wo sind die Konflikte hin? Auch mit unserem Schuldgefühl können wir nicht mehr glänzen, ohne dass der Rest der Welt genervt mit den Augen rollt. Ja, verdammt, wir sind doch tatsächlich ein stinknormales Land geworden! Und jetzt haben wir als Volk die Chance, uns neu zu erfinden.
Wie möchten wir sein? Wo wollen wir hin? In was für einer Gesellschaft wollen wir leben?<<

 

 

Teil 1 und 2 der Glückrezepte sind hier erschienen.

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Glücksrezept, zweite Zutaten

 

Ein weiteres Zitat aus Maike van den Booms schlauem Buch  „Wo geht´s denn hier zum Glück? Meine Reise durch die 13 glücklichsten Länder der Welt und was wir von ihnen lernen können“:

>>Materielles wird dann wichtig, wenn etwas anderes fehlt. Es wird zu einer Ersatzbefriedigung für die „calidez humana (menschliche Wärme)“:
„In Gesellschaften, in denen man sich nicht richtig austauscht, entstehen keine echten intimen Beziehungen. Es zählt nicht mehr der Mensch in seinem Wesen, der vor mir steht, sondern das, was ich an der Außenseite von ihm sehe. Und deshalb ist es wichtig, welche Kleidung du trägst und von welcher Marke sie ist. Hierdurch erwirbst du deinen Status. In Gesellschaften hingegen, in denen zwischenmenschliche Beziehungen stark sind, wie in Lateinamerika, gewinnst du an Ansehen, indem du etwas Gutes für andere Menschen tust.“ (…)
Während Mariano uns noch neuen Kaffee holt, erinnere ich mich an all die Menschen, die mir während meiner Reise immer wieder eine ganz andere Sicht auf Erfolg präsentiert haben. Erfolgreich ist, wer gute Freunde hat, wer seinen Kindern Werte vermittelt, wer eine glückliche Ehe führt, wer seinen Nachbarn hilft.
Das klingt ein wenig nach verkehrter Welt, nicht wahr? (…) Diese Gedanken möchte ich mir nicht entgehen lassen.
Aber Mariano sprudelt schon wieder weiter und ruft an meiner Kamera vorbei: „Als Ergebnis steigt das Bruttosozialprodukt, doch wir werden immer ärmer.“ Auch das noch, denke ich.
„Denn menschliche Armut ist auch, keine Zeit für die Freunde, für die Kinder, für den Partner und für Hobbys zu haben. Man kann viel verdienen und menschlich arm sein.“ (…)
Viele von uns haben die Fähigkeit verloren, Zeit vom Effizienzgedanken zu entkoppeln. Bei vielen zählt das auch für ihre Beziehungen. Ich bin da sicherlich keine Ausnahme. Mariano sprudelt schon wieder weiter: „In anderen Ländern wird es als Müßiggang abgetan, als verlorene Zeit. Immerhin könnten sie auch arbeiten. Stattdessen verbringen sie Zeit mit Freunden und Familie. In Wirklichkeit ist das aber keine verlorene Zeit. Es ist der Müßiggang, der das Glück fördert.“<<

 

 

Teil 1 und 3 der Glückrezepte erschienen hier.