aufmerksam

Buchempfehlungen zu unternehmerisch erfolgreichem Handeln

Vor Kurzem unterhielt ich mich mit einer befreundeten Hebamme darüber, wie es sein kann, dass Therapeutinnen und verwandte medizinische Berufsgruppen in ihrer Ausbildung NICHTS über unternehmerisches Handeln lernen. Als Logopädin war der wertschätzende Umgang mit PatientInnen sowie das Fachwissen alles, worauf es in den Augen der Dozentinnen ankam. Einige Stunden Rechtskunde ergänzten die pädagogischen, linguistischen und medizinischen Fächer, aber Betriebswirtschaft? Das brauchen notorisch unterbezahlte Therapeutinnen doch nicht! Auch Wissen über finanzielle Grundlagen in der Kalkulation,  Standortbestimmung am Markt sowie Führungsqualitäten für tragfähige unternehmerische Entscheidungen- völlig unerheblich…!
An dieser Stelle frage ich mich, ob die ausbildenden Institute es darauf anlegen, dass die Absolventinnen darauf angewiesen sind, reich zu heiraten. Nein, das meine ich nur halb als Witz, keine Logopädin kann langfristig von ihrem Gehalt leben (es sei denn, sie schätzt den Lebensstil notorisch klammer Studentinnen sowie die Aussicht auf Altersarmut).

Vor Kurzem las ich die beiden Bücher „Der clevere Gastronom“ von Franziska Schumacher und „Gewinn steigern!“ von Christoph Trinkl. Ausgangspunkt war, dass ich in der Zentralbibliothek nach Büchern zum Thema „Eventgestaltung“ suchte und in angrenzenden Fachbereichen unterwegs war. Gastronomie und Eventmanagement sind sich überschneidende Branchen, entsprechend fand ich die Lektüre lohnend.
Während des Lesens dachte ich, dass die Inhalte sich fast eins zu eins auf die meisten mittelständischen Betriebe aller Branchen übertragen lassen.
Alle Unternehmen brauchen ein fundiertes Wissen über den Markt und die Konkurrenz. Alle sollten ihre Kennzahlen wirklich prüfen, statt mit ungefähren Zahlen zu hantieren und sich stetig zu verkalkulieren.
Alle müssen bestimmen, was ihre Alleinstellungsmerkmale sind: Warum sollen sich KundInnen, PatientInnen oder KlientInnen für unser Angebot interessieren? Wofür schlägt unser Herz? Was ist unser Angebot und wie einzigartig ist es? Wie sieht unsere Zielgruppe aus, wie erreichen wir sie?
Welche 20% des Einsatzes bringen 80% des Umsatzes? Auf welche Prioritäten fokussieren wir uns, um unnötigen Aufwand und fehlende Gewinne in Zukunft zu sparen?
Wie erhalten wir die Motivation der Angestellten aufrecht? Wie sichern wir ihnen anständige Gehälter und regelmäßige Fortbildungen? Wie funktioniert ein fairer und klar positionierter Führungsstil?
Wie bleiben wir in den ständig wechselnden Gegebenheiten, Trends und Wirtschaftsflauten gewinnorientiert und zukunftsfähig?

Ich kenne genau eine therapeutische Praxisinhaberin vom Hörensagen, die sich darüber fundiert Gedanken gemacht hat. Diese Dame hatte vor vielen Jahren eine (leitende?) Angestellte, die vorher als Bänkerin tätig war. Sie konnte außerdem bereits vor über 15 Jahren aktuelle Statistiken und Zahlen zu allen Bereichen ihres Betriebs vorweisen. Komisch, warum ausgerechnet die ihren Laden im Griff hat?! Eine einzige gut organisierte Praxisinhaberin in ganz Hamburg, eine. Das finde ich schade, für die ganze Branche. Und dass Auszubildende und Studentinnen in diesen wichtigen Bereichen nicht auf wirtschaftliches Denken vorbereitet werden, ist eine unverschämte Katastrophe.
Mir kann es heute egal sein, da ich nicht mehr als Logopädin arbeite.

Davon unabhängig lege ich die Lektüre der beiden Bände allen Quereinsteigerinnen und Gründerinnen ans Herz: Egal, was ihr vorhabt – für die Dienstleistungsbranchen sind hier viele wertvolle Tipps zu entdecken!

 

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aufmerksam

Wenn sie eine Reise plant, dann kann sie was erleben

Dieser Artikel ist als Beratung und Warnung für all jene gedacht, die den diesjährigen Urlaub in ferne Länder planen und sich deswegen impfen lassen bzw. sich bezüglich der Impfungen informieren.
Der große Outdoor-Ausstatter „Globetrotter“ (Hamburg, Berlin, Köln, Dresden, München, Frankfurt, Bonn) bietet eine Impfsprechstunde ohne Termin an, in Hamburg parallel zu den Öffnungszeiten sowohl unter der Woche als auch am Wochenende. Genauere Uhrzeiten sind der Internetseite zu entnehmen.
Was wie ein wunderbar unkomplizierter Service klingt, hat deutliche Nachteile.
Im Folgenden eine Auflistung beider Argumente:

Positiv an der informellen Impfsprechstunde bei Globetrotter sind
– die sehr günstigen Zeiten für Arbeitende (auch abends und am Wochenende)
– die unkomplizierte Abwicklung (keine Terminvergabe notwendig)
– der sehr lockere, freundliche Umgangston der Ärztinnen, mit denen wir bisher zu tun hatten

Negativ an der informellen Impfsprechstunde sind
– die fehlende Untersuchung der Impfwilligen (ich hätte gerade wer weiß was für eine Krankheit haben bzw. ausbrüten können und wäre trotzdem geimpft worden, weil weder danach gefragt noch untersucht wird)
– die fehlende Aufklärung über Nebenwirkungen der Impfungen
– der Wille, an die jungen, fitten, solventen KundInnen, die alle Impfleistungen bar bezahlen (und im Nachhinein mit der Kasse verrechnen, wenn möglich), so viel wie möglich zu verkaufen.
Hier wird vom ärztlichen Personal niemand als „PatientIn“ gesehen, hier sind alle „KundInnen“. Und an diese KundInnen werden so viel Impfstoff und so viele Medikamente wie möglich verkauft, damit der Umsatz stimmt.

Tatsache ist, dass ich vor Kurzem mehrere Tage mit einer Fülle an Nebenwirkungen verbrachte (Schüttelfrost, Fieberkrämpfe, geimpfter Arm komplett versteift und vor Schmerzen nicht zu bewegen, Übelkeit, Gliederschmerzen) und ich absolut niemandem einen solchen „Impfschock“ wünsche. Da ich (versehentlich?) eine Vierfach-Impfung statt einer Dreifach-Impfung bekam, plus eine weitere Impfung zwei Minuten später in den gleichen Arm, wundert es mich bei meiner zierlichen Statur im Nachhinein gar nicht, dass mein Organismus komplett abklappte. Dass ich aber über die Möglichkeit derartiger Nebenwirkungen nicht unterrichtet wurde und dass ich überhaupt Impfstoffe bekam, die ich nicht bekommen sollte (Impfausweis lag vor), ist schlichtweg fahrlässig.

Daher meine Empfehlung, sich gut zu überlegen, wo und von wem man sich impfen lässt.
Und wer wie ich denkt: „Och, bisher habe ich immer alles vertragen, Typhus und Tollwut letzte Woche ging doch auch ganz easy,“ sollte sich nicht in Sicherheit wiegen: Es reicht genau eine Spritze und die darauffolgende Unverträglichkeitsreaktion, um Impfungen nie wieder so locker zu nehmen.

aufmerksam, glaubhaft

Krankenkassen hindern TherapeutInnen in der Ausübung ihres Berufs

Seit die neuen Heilmittelrichtlinien gelten, haben wir angestellten Logopädinnen in der Praxis alle deutlich mehr Verwaltungsaufwand, der täglich zu stemmen ist.

Die Heilmittelrichtlinien werden von den Krankenkassen aufgestellt und müssen von den HeilmittelerbringerInnen (Ärztinnen und Ärzten, Therapeutinnen und Therapeuten) eingehalten werden. Das bedeutet, dass die Krankenkasse verlangt, dass Verordnungen der ausstellenden ÄrztInnen in allen Kreuzen, Kürzeln, Formulierungen, Daten und Zahlen hundertprozentig dem entsprechen müssen, was sich die Bürokraten in ihren heimeligen Büros ausgedacht haben. Dies hat NICHTS mit der Qualität der verordneten Maßnahmen zu tun – es verfünffacht für alle Beteiligten den Verwaltungsaufwand und lässt ÄrztInnen im für den Patienten schlimmsten Fall von der Behandlung absehen.
Die neuen Heilmittelrichtlinien bedeuten sowohl mehr Aufwand für die MedizinerInnen, die die Verordnungen ausstellen, als auch wesentlich mehr Arbeit für die Berufsgruppen der TherapeutInnen jeder Couleur:
Wir müssen alle Verordnungen engmaschig überprüfen, zum Ändern zurück senden, überproportional viel genehmigen lassen und während des Behandlungszeitraums permanent überprüfen, dass an jedem einzelnen Datum alle Regeln eingehalten werden (keine Termine dürfen unkommentiert ausfallen, keine Termine dürfen unnötig verschoben werden, keine Termine dürfen sich häufen, kurz: Am Besten arbeiten wir gar nicht mit Patienten, dann geht in den Augen der Krankenkassen auch gar nichts schief).
Dies alles dient dazu, dass Krankenkassen mehr Verordnungen und Behandlungen wegen Formfehlern auf dem Papier ablehnen können – was bedeutet, dass wir gearbeitet haben aber nach Einreichen der Verordnung (umgangssprachlich auch „Rezept“ genannt) nichts von der Krankenkasse bezahlt bekommen.

So arbeiten wir Logopädinnen täglich nach den Behandlungen noch unbezahlt im Büro, damit alle Formalia eingehalten werden und die zusätzliche Kraft im Sekretariat gegen den immensen Verwaltungsaufwand ankommt.
Dies führt zu massiv abnehmender Motivation in der täglichen Arbeit, extrem verkürzten Pausen (wenn es keine bezahlbare und bezahlte Arbeitszeit ist, wie soll es alles im Feierabend geschafft werden?), steigender Gereiztheit angesichts der Situation und damit, langfristig, abnehmender Qualität der Behandlung.
Ich bin als Logopädin für die Arbeit mit den PatientInnen eingestellt worden und erlebe mich mehr und mehr am Schreibtisch sitzend mit administrativen Tätigkeiten, die jenseits meines Berufs liegen.

Wie meine Kollegin am Dienstag so treffend bemerkte: Sie liebt ihren Beruf, aber sie hasst die Bedingungen, unter denen wir arbeiten müssen und die sich überproportional verschärfen.
Eine Frau, die in der Sterbebegleitung tätig ist, formulierte es so: Es ist unglaublich, wie viel Arbeit sie gegenüber den Krankenkassen aufwenden muss, um für ihre Tätigkeit bezahlt zu werden.

Danke, Krankenkassen.
Das nennen wir Schikane.

 

* Bemerkung am Rande: Die im Büro der jeweiligen logopädischen Praxis tätige Person wird von dem bezahlt, was die Logopädinnen erwirtschaften und damit nicht ausbezahlt bekommen – es freuen sich die Verwaltungskauffrauen und -männer der AOK, BKK, IKK und so weiter, wie gut auch damit die Arbeitsmoral zu schwächen ist:
Mehr Verwaltungsaufwand bedeutet mehr Stunden für die Bürokraft bedeutet mehr Geld für die Bürokraft bedeutet weniger Geld, das die Logopädinnen erwirtschaften und direkt ausbezahlt bekommen oder als Fortbildungszuschuss erhalten. Perfide.

aufmerksam, feminin, glaubhaft

Buchempfehlung: Die „Pille“ für den Mann

Auszüge aus dem Buch „Die Pille und ich – Ein Mann im Selbstversuch“ von Clint Witchalls (rororo):
Das Buch handelt von einem Journalisten, der sich zu Recherche-Zwecken bei einer englischen Studie anmeldet. Getestet werden soll ein hormonelles Verhütungsmittel für den Mann in Form eines Stäbchens, das in den Oberarm gepflanzt wird und kontinuierlich Hormone abgibt.
Mir hat es sehr gut gefallen, weil es sachlich und gleichzeitig sehr humorvoll geschrieben ist – und die Frage stellt: Warum ist grundsätzlich die Frau für die Verhütung beim Sex (und die möglichen Folgen in Form einer Schwangerschaft) verantwortlich, wenn doch beide dabei Spaß haben?

In den 14 Jahren unserer Ehe habe ich mich noch nie so gefühlt wie jetzt. Ich war nie besitzergreifend und anhänglich. Und hatte nie Zweifel an Sams Liebe.
Als ich Sam erzähle, wie ich mich fühle, meint sie: „Genauso fühle ich mich jeden Monat, kurz vor meiner Periode. Ich hab dir gesagt, es sind die Hormone. Jetzt weißt du, wie das ist.“
Wie kann man es aushalten, sich so zu fühlen, nutzlos, hässlich und ungeliebt? Nach Bestätigung betteln. Ich könnte das nicht jeden Monat ertragen.

(…)
Wasser tropft auf meine Tastatur. Das hat mir gerade noch gefehlt, ein Leck im Dach. Ich schaue an die Decke, um zu sehen, von wo das Wasser kommt. Dann wird mir klar, es tropft aus meinem Gesicht. Ich bin am Heulen.
Ich wische mir das Gesicht an meinem T-Shirt ab und bin irritiert. Obwohl ich durchaus eine feminine Ader habe, bin ich keine Heulsuse. Ich heule nur, wenn Leute sterben, die mir nahe stehen, oder wenn mein Penis im Reißverschluss eingeklemmt wird. Was also ist los? Warum heule ich – nur weil ich einen blöden Artikel neu schreiben muss? Ich weiß es ehrlich nicht.
(…)
„Was glaubst du, bin ich fett?“ frage ich Sam.
Sie schaut von ihrem Buch auf. Und sieht mich vor sich stehen mit einem Handtuch um die Hüfte.
„Du tropfst.“
„Ja, aber bin ich fett?“
„Nein, natürlich nicht.“
„Okay, aber was sagst du dazu?“ Ich packe meinen Hüftspeck und wackle damit hin und her.
„Das ist doch nicht fett.“
„Würdest du mit mir zusammenbleiben, wenn ich ein fettes Schwein wäre?“
„Nein, ich würde dich abservieren,“ sagt sie mit einem schelmischen Grinsen.
„Echt? Nur weil ich fett bin?“
„Was ist los mit dir in letzter Zeit?“
„Ich weiß nicht. Ich komme mir einfach hässlich vor. Ich mache mir Sorgen, du könntest dich in jemand anderen verlieben. In jemanden, der nicht so fett und armselig ist.“
„Weißt du was?“
„Was?“
„Diese Hormone lassen dich langsam zur Frau werden.“

aufmerksam, glaubhaft

Selbstheilungskräfte aktivieren

Gerade habe ich beim heutigen Themen-Abend auf „arte“ interessante Impulse zum Thema „Der innere Arzt – was Gehirn und Psyche für die Heilung tun“ bekommen.

Der Link: http://www.arte.tv/de/4204560.html

Wieder einmal wurde deutlich, wie wichtig das Gespräch zwischen Arzt und Patient bzw. Therapeut und Patient ist und wie viel durch eine sensible Aufklärung sowie den Blick auf die Ressourcen bewirkt werden kann – und das zu geringeren Kosten für das Gesundheitswesen als der Einsatz teurer Medikamente und Operationen.

Dabei ging es darum, wie die Selbstheilungskräfte (wieder) aktiviert werden können und wie der Patient eigenverantwortlich die Behandlung mitgestalten kann.
So kam eine Psychotherapeutin zu Wort, die viel mit Krebskranken arbeitet:
Sie ließ die Patienten einen zufälligen Buchstaben aus dem Alphabet nennen und bat sie, möglich viele Wörter zu finden, die mit diesem Buchstaben anfangen und Wohlbefinden ausdrücken. Durch eine willkürliche Aktivierung positiver Assoziationen kann der Patient sich aus einer Situation der Niedergeschlagenheit selbst zu einem veränderten Blick führen.
-Und sei es nur für den Moment, wo die Hoffnungslosigkeit oder die Angst übermächtig zu werden droht und eine Ablenkung dringend notwendig ist.
Zusätzlich wurde wieder einmal bewiesen, wie wichtig positives Denken ist – auch dabei unterstützt die Übung.

Gerald Hüther, der bekannte Neurologe, kam ebenfalls zu Wort und beschrieb, was Menschen gesund hält bzw. was der inneren und äußeren Gesundheit Auftrieb gibt:
– Das Wissen, kompetent zu sein (Selbstwertgefühl)
– Das Wissen, jemanden zu haben, der einem hilft, wenn man nicht mehr weiter weiß (Soziale Kontakte)
– Das Wissen, dass ich geborgen bin in dieser Welt (Spiritualität, Glaube)