aufmerksam, kreativ

LandArt im Herbst: Blättergirlanden auffädeln

Noch gibt es kaum buntes Herbstlaub, dennoch möchte ich schon mal eine kreative Idee für Spaziergänge zeigen:
Aus farbigen Blättern gestaltete ich Girlanden auf zwei unterschiedliche Weisen. Einmal drückte ich mit dem Fingernagel kleine Löcher beidseits der mittleren Blattachse in das Blatt und fädelte einen Faden hindurch. Die entstandenen Ketten hängte ich über einem Fluss auf, sodass sie sich mit dem blauen Himmel schön im Wasser spiegelten und im Wind drehten.

Für die andere Variante benutzte ich Zahnstocher: Dazu legte ich jeweils zwei Blätter überlappend aufeinander und schob einen Zahnstocher als Verbindung durch beide Blätter. Wie mit einer Nadel tauchte ich zwei Mal auf und wieder ab, damit eine stabile „Naht“ entstand.
Aus Rhododendronblättern lassen sich ganz glatte Ketten anfertigen, gelbes Eichenlaub ergibt eher wuschelige Girlanden.

aufmerksam, glaubhaft

Lob der Schöpfung: Gottes Welt ist wunderbar

Gott,
du bist stärker als ein Tsunami und sanfter als der Federflaum eines Entenkükens.
Du bist größer als die Milchstraße und kleiner als ein Atom.
Du bist lauter als ein Orkan und leiser als stetiger Schneefall.

Du bist heller als das Licht einer Explosion und dunkler als der tiefste Seegraben im Ozean.
Du bist zärtlicher als die Hand meines Geliebten und geduldiger als der Albatros, der seine Eier ausbrütet.
Du bist fröhlicher als Eichhörnchen im Spiel und trauriger als Elefanten beim letzten Abschied.
Du kennst unsere besten Talente und unsere tiefsten Traumata besser als wir
– und dennoch wartest du darauf, dass wir einen Schritt auf dich zu wagen.Du hast uns auserwählt, Teil des Wunders „Leben“ zu sein und hoffst täglich auf’s Neue,
dass wir endlich aufwachen und erkennen, wie wertvoll jeder Augenblick deiner Schöpfung ist.
Dass wir nicht nur Menschenkinder, sondern Gotteskinder sind.
TeilhaberInnen und ErbInnen deiner Herrlichkeit.

© Marie Krüerke

aufmerksam, glaubhaft

Gott in der Natur erleben: Urlaub mit der Schöpfung

Frisch aus dem Urlaub und zurück im Corona-verseuchten Hamburg kann ich nur staunend an unsere Erlebnisse in Mecklenburg zurückdenken:
Gottes Schöpfung ist einfach großartig.
Wir wohnten in direkter Nähe zu einem Kranich-Schwarm und mehreren Storchennestern. Im Garten besuchte uns regelmäßig ein Reh, und den Fuchs verpasste ich leider, weil ich konzentriert las. So viele Vögel wie noch nie haben wir gesehen, die mir fast alle unbekannt waren. Außerdem Ringelnattern, eine Blindschleiche, mein heißgeliebter Grünspecht. Jeden Abend verdunkelte eine riesige Wolke Stare den Himmel, während es nachts endlich einmal komplett still war.


Gott ist großartig, und seine Schöpfung ebenso.
Für uns oft nicht verständlich, schwer zu fassen, als moderne Stadtmenschen von beidem entzweit: Der Stille, in der sich Gott finden lässt, und der Lebenswelt der Wildtiere. Beides bewegt sich außerhalb unserer Kontrolle; außerhalb unseres Glaubens, dass alles machbar sein müsste.
Dennoch, wie kostbar, zumindest eine kurze Zeit lang weit außerhalb von allem zur Ruhe kommen zu können.

aufmerksam, kreativ

„Neumoderne Methoden“ mit SeniorInnen: Smoothies direkt aus dem Garten

Wir hatten heute in der Senioren-Residenz wieder den Spaß unseres Lebens:
Um das dschungelartige Kräuterbeet, mein Trotz-Corona-Frühlings-Projekt zu nutzen, versammelten wir uns auf der Terrasse zur Garten-Gruppe (die eher Genuss-Truppe genannt werden sollte). Mit 14 Damen und einem Herrn pflückten wir Kräuter und gossen sie zusammen mit Erdbeeren und Blaubeeren zu einem Obstessig auf.
Anscheinend war meine Anleitung nicht eindeutig genug, so füllten die meisten ihre mitgebrachten Schraubgläser und Flaschen bis zum Rand mit Beeren und Kräutern, sodass ich mich ernsthaft fragte, ob es ein Obstsalat im Glas sein sollte. Kritik verbietet sich, also gossen alle munter ihre Fruchtmischung mit Essig auf.

Anschließend schnitten wir in mehreren Gruppen Obst, Gemüse und Kräuter und jagten sie fröhlich durch den Mixer. Dann folgte das Kunststück, die Smoothies aus dem Mixer so auszuschenken, dass am Ende alle eine annährend gleich große Portion im Glas hatten. Obwohl die SeniorInnen mindestens genauso erbittert um unterschiedlich große Portionen streiten wie Kinder, gelang mir das Kunststück. Auch für Zaungäste blieb genug über, sodass wir noch rechts und links an Umsitzende ausschenken konnten. Sogar der neue Direktor bekam ein Glas zum Probieren, leider vermisste er die Eiswürfel (ich auch, wir hatten 31°C heute).

Natürlich hatten alle eine sehr genau Meinung zu jedem verkosteten Smoothie, deren Zusammensetzung ich quasi im Blindflug durch den Supermarkt, den Wochenmarkt und unseren Kräutergarten kombiniert hatte: Zu dick, zu süß, zu frisch, zu stückig…. aber geschmeckt hat’s dennoch allen!
Wir begannen mit Banane-Blaubeere-Minze-Melisse, wobei die Bananen eindeutig den Hauptteil ausmachten. Die Blaubeeren waren ja fast alle im Essig… Es folgte ein grüner Smoothie mit Gurke-Kiwi-Birne-Rucola-Kräutern, in den jemand noch schnell Melone schmiss. Ein schön frischer Kontrast zum vorherigen, dann schloss sich eine Tutti-Frutti-Auslese an: Melone-Nektarine-Erdbeere-Minze-Melisse.
Aaaah, das war für die meisten der Favorit!

aufmerksam, Presse

Interview-Termin für die Altenpflegemesse 2021: Die Natur ins Haus holen – Aktivierungsideen für SeniorInnen

Weil zwei Buchmanuskripte und ein kompletter Kalender in zwei Verlagen parallel zum eigentlichen Beruf noch nicht ausreichen, habe ich eine Einladung als Sprecherin für die AltenpflegeMesse 2021 angenommen. Im Interview gebe ich Anregungen, wie die stationäre Pflege mit einfachen Maßnahmen die Jahreszeiten spürbar machen und Naturerlebnisse bieten kann. Am 07.07. bin ich ab 10:45 Uhr im Kanal „Pflege und Therapie“ zu sehen, unter der Überschrift: „Die Natur ins Haus holen – Aktivierungsideen rund ums Jahr“.Das Wohnzimmer ist umgebaut, die Technik wartet auf die Videoaufnahme, diverse Kräutertöpfe, ein Sprossenglas und andere Utensilien stehen bereit, der Spickzettel liegt vor mir – da fangen die Nachbarn unter uns eine spontane Freitag-Morgen-Party an. Kurz danach wird intensiv gebohrt, sodass ich schnell hinunter renne und darum bitte, mir eine Stunde Ruhe für die Aufnahme zu gönnen.
Läuft bei mir!
Wer einen Blick in die Download-Materialien werfen möchte und einen kompletten Kalender passend zum Thema wünscht, kann sich bei AktivierenPlus auf der exclusiven MesseSeite umschauen.

aufmerksam

Wer einen Garten mit SeniorInnen anlegt, kann etwas erleben

Spannende Ereignisse geschehen, sobald ein Garten angelegt wird. Seit ich in der Senioren-Residenz die Außenanlagen ökologischer und zur persönlichen Verwendung nutzbarer gestalte, häufen sich Momente wie diese:

– Herr Z. fragt mich, wie hoch die Stockrosen würden. Ich strecke meinen Arm so hoch ich kann und antworte: „Also, Zuhause werden sie weit über 2,50 m hoch. Laut Pflanzenstecker aber nur 1,50 m. Warum?“ „Na, bei Aldi verkaufen sie immer mal so Stangen, da wollte ich welche besorgen und die Stockrosen festbinden. Hab ich früher im Garten auch gemacht.“
Ich: „Deswegen habe ich sie ja extra am Geländer bei Ihnen vor der Wohnung eingepflanzt, damit sie da Rückhalt haben, wenn sie sehr hoch wachsen. Aber Ihre Stäbe sind super, freu ich mich drauf!“ Er: „Naja, dazu muss ich erstmal Aldi im Auge behalten…“

– Eine Angestellte aus der Küche bringt mir zugedeckelte Plastikbecherchern mit, in denen sonst Medikamente ausgeteilt werden:
Samen von Chili und Winterlingen, außerdem verspricht sie mir Ableger der Glockenblume „Oktopus“. Aha, vielen Dank, womit habe ich das verdient?
Anscheinend bin ich jetzt in die eingeschworene Gemeinschaft der GärtnerInnen aufgenommen…

– Ein ganzer Schwung von Hortensien wird telefonisch angeboten: Mehrere Damen wollen unabhängig von einander, dass ich vorbeikomme, um sie von ihren Büschen zu befreien. Anschließend wollen sie die freigewordenen Kübel auf dem Balkon neu bepflanzen. Ich kann sie doch mal schnell draußen am passenden Standort verbuddeln?! Äääääääh…. da kann ich mich zwar drum kümmern, aber mein Job ist das nicht!

– Diverse Damen stecken mir Tütchen mit Samen zu:
Sonnenblumen von einem Damenmode-Versand und Wildblumen-Wiesen von einem Mineralwasser-Hersteller.
Danke, aber warum säen Sie sie nicht selbst aus? Oder kommen einfach mal zu meiner neuen Garten-Gruppe? Ich freue mich immer über Interessierte!

– Herr H. macht sich große Sorgen um den Judas-Baum auf der Terrasse, der nach der Blüte diverse dürre Zweige aufweist. Er telefoniert meine KollegInnen durch (da ich einen Kurs leite und grad nicht rangehen kann) und lässt mir zusätzlich durch die Rezeption ausrichten, dass ich dringend pflegerische Maßnahmen ergreifen soll, „um nicht sehenden Auges die Katastrophe zuzulassen und den Baum absterben zu sehen!“ Er gießt ihn jetzt täglich. Und meint, ich solle einen amtlich beglaubigten Baumexperten bestellen.
Ja. Danke. Ich schau mich erstmal nach einer Antwort im Internet um.
Irgendwann würde ich auch gern mal die Tätigkeiten erledigen, für die ich eigentlich eingestellt bin.

– Regelmäßig treffe ich einzelne Damen und Herren oder kleine Grüppchen, die zufällig beim Kräuterbeet stehen, um zu schauen, wie die Kräuter so wachsen. Dadurch entstehen ganz neue Kontakte, die mich sehr freuen.
Aber auch: Dauernd werde ich darauf hingewiesen, dass bei dieser trockenen Hitze mehr gegossen werden muss. Ja, danke, macht die Haustechnik (spätestens, wenn ich wieder dran erinnere).
Ansonsten: Zwanzig Meter weiter steht eine Gießkanne direkt unter dem Wasserhahn an der Hausmauer. Gießen statt quengeln, wie wär’s?

– Große Uneinigkeit besteht auch darüber, wie viel pro Person nun geerntet werden darf. Ich versichere immer, dass Rückschnitt den Austrieb fördert, gerade bei Kräutern, aber natürlich alle daran denken sollen, dass sie nicht allein das Beet beernten. 329 andere SeniorInnen wollen vielleicht auch noch etwas abbekommen.

– Ich drücke Frau W. gegenüber mein Bedauern aus, dass sie nicht zur Garten-Gruppe kam, um Kräuter zu ernten und (jede ganz hygienisch für sich) eine sommerliche Kräuterbutter herzustellen. Sie: „Aber ich habe doch gar nichts für die Kräuter getan! Das Beet haben doch andere angelegt!“ Ich: „Na, so streng handhaben wir das nicht, hier dürfen alle miternten.“
Sie versichert mir, dass sie bald wieder beim Gießen helfen möchte: Sie füllt die Kanne zu einem Drittel, stellt sie auf den Rollator und schiebt damit über die Terrasse zum Beet. Dankeschön!

– Auch Lob erreicht mich: Verschiedene Personen versichern sehr glaubhaft, mein Pflanzkonzept sähe viel besser aus als das, was sonst so im Sommer die Rabatten gefüllt hat. Und besonders zufrieden sind alle mit den Schildchen, die ich in den Beeten platziere – speziell die Kräuter können so sehr schön erkannt werden.

– Ehepaar L. bringt mir einen USB-Stick mit, damit ich mir mehrere hundert Fotos von ihrem früheren Garten anschauen kann. Mein Mann sorgt sich um meine technische Sicherheit und erinnert mich daran: Stecke nie etwas, das du nicht kennst, an deinen PC! Aber mein Scheiß-PC auf Arbeit wurde durch IGeL komplett runtergedimmt, der kann gar nichts, noch nicht einmal Fotos öffnen.

– Von oberster Stelle erhalte ich eine Mail aus dem Heimbeirat, der die ideale Lösung für den Glastunnel entdeckt hat: Statt die Pflanzen abwechselnd verdursten und ertrinken zu lassen, weil einzelne Damen sich unterschiedlich darum kümmern und intern darüber zerstreiten, soll ich mich doch einer generellen Neugestaltung annehmen.
No way! Der Glastunnel ist militarisierte Zone, ich habe in vier Jahren nicht herausgefunden, wer dort eigentlich gießt und nach welchem Prinzip. Regelmäßig tauchen hier Blumenkübel auf und ab, ganze Kleinmöbel werden da deponiert und von anderen weggetragen. Ganz ehrlich, ich arbeite hier nur Teilzeit, für diplomatische Verstrickungen habe ich keine Zeit! Da soll sich die UN drum kümmern, das ist politisch hochexplosives Gelände!

aufmerksam, kreativ

Hamburg blüht auf: Einfach Samen in der Bücherhalle abholen

Die Hamburger Bücherhallen bereiten sich auf den „Langen Tag der Stadtnatur“ am 12. und 13. Juni vor. Unter dem Motto Hamburg blüht auf sind aktuell kostenlose Samentütchen in allen 32 Filialen der öffentlichen Bibliothek erhältlich. Kornblumen, Lichtnelken, Wucherblumen, Hohlzahn und Klatschmohn können damit in den Garten oder in Balkonkästen ausgesät werden. Für meine im Entstehen begriffene Gartengruppe in der Residenz habe ich direkt ein paar Tütchen mitgenommen, um sie an interessierte SeniorInnen weiterzugeben.
Ein vielfältiges Programm mit Vorträgen, Exkursionen, Bauernhof-Besuchen und Kreativgruppen begleitet die Aktion.

aufmerksam, glaubhaft

Von Gott überrascht: Das Gewimmel der Schöpfung als Wunder im Alltag

Neulich suchte ich im Fernsehprogramm eine halbwegs erträgliche Dokumentation, um das Bügeln abwechslungsreicher zu gestalten. Da nur Schrott gesendet wurde, landete ich in einem Film über die Rhön. Dort zeigten sie gerade, wie an einem ganz bestimmten Frühlingstag die Frösche zur Paarung zusammen fanden und die Weibchen laichten. „Wow, das möchte ich auch gern mal erleben,“ dachte ich angesichts der spektakulären Zufälle, die zusammenkommen müssen, um live dabei zu sein.
Heute radelte ich durch Hamburgs Norden, um Buschwindröschen zu fotografieren und bei 22° C so viel Zeit in der Natur zu verbringen, wie möglich.
Dabei kam ich mitten im Buchenwald an einem Tümpel vorbei, dessen Wasser wie verrückt spritzte, als ich mich näherte. Also stellte ich das Rad ab und schlich dichter heran, um herauszufinden, welche Lebewesen derart hektisch flüchteten. Ich entdeckte Laichballen und, je länger ich ruhig stand, umso mehr Frösche. Bald tauchten immer mehr unter den Blättern auf und schwammen zu mir herüber, während ein zunehmend lautes Quaken aus dem Wasser stieg.
Irgendwann war das Wasser so voller Weibchen, die die Männchen auf dem Rücken trugen, dass ich leise Befürchtungen hegte, sie könnten im Eifer des Gefechts mein Hosenbein als innovative Abwechslung entdecken und hinein krabbeln. Während ich hochkonzentriert beschäftigt war, das Getümmel zu filmen. Was natürlich nicht passierte, Frösche sind ja nicht verrückt. Aber der Gedanke zeigt, was für eine Naturgewalt ein überraschend riesiger Haufen Amphibien entwickeln können! Und das Erlebnis beweist, dass Gott unseren Gedanken sogar beim Bügeln zuhört, um unsere Wünsche wenige Wochen später wahr zu machen…

Nachtrag:
Einen Tag später durfte ich schon wieder erleben, wie wichtig Gott spontane Sehnsüchte nimmt:
Als ich heute in einem ganz anderen Stadtteil unter einem fantastisch blühenden und duftenden Weißdorn saß, kamen plötzlich hinter mir, neben mir und unter meinem Rucksack Kröten heraus gekrabbelt! Sehr beeindruckend, wie das Weibchen das Männchen sogar über Baumstämme schleppt, um das Wasser zum Laichen zu erreichen.

aufmerksam, feminin

Buchempfehlung: Romane über das Leben mit der Natur

Rein zufällig habe ich gerade vier Bücher hinter einander aus der örtlichen Bücherhalle ausgeliehen, die vom Alltag mit und in der Natur handeln. Sie fielen mir in die Hand, sprachen mich an, und beim dritten Roman über ein komplettes oder zeitweiliges Aussteiger-Leben fragte ich mich, was mir diese thematische Häufung sagen möchte.

„Im Wald: Mein Jahr im Cockshutt Wood“ von John Lewis-Stempel ist meiner Meinung nach zu Recht preisgekrönt. Als englischer Landwirt ist er für vier Jahre Pächter eines Walds, in dem er sich täglich aufhält und den er nach historischen Prinzipien bewirtschaftet. Das Buch beginnt im Januar und hat ein extrem langsames Erzähltempo. Die Detailtreue der Naturbeobachtungen und die vielen Hintergrundinformationen über Bäume, Pilze und Tiere können die Leserin wahnsinnig machen. Oder in ein anderes Universum ziehen und maximal faszinieren, je nach Interessenslage…
Ich habe in diesem Buch jedenfalls so viel über die Lebewesen und die Ökologie des Waldes gelernt wie in meinem ganzen Leben nicht. Da kommt noch nicht einmal der medienwirksame Förster Peter Wohlleben gegen an.

„Kaffee mit Käuzchen“ von Franziska Jebens ist der Bericht einer jungen Frau, die ihre Karriere und ihre ehrgeizigen Pläne hinter sich lässt, um ein rottes Forsthaus im Nichts zu renovieren. Ich habe mich ausgesprochen gut amüsiert und das Buch im Rekordtempo gelesen (und dabei lese ich immer schnell). Keine Ahnung, warum es mich so mitgerissen hat, die Verwandlung einer modeaffinen Kosmopolitin zum Waldschart zu verfolgen, aber da es lange auf der Bestsellerliste stand, ging es wohl auch vielen anderen LeserInnen so.

Es schloss sich übergangslos „Fräulein Draußen: Wie ich unterwegs das Große in den kleinen Dingen fand“ von Kathrin Heckmann an. Den Titel mit dem Fräulein finde ich als Emanze sehr fragwürdig, davon abgesehen ist auch dieses Debüt einer mutigen Frau sehr, sehr wertvoll zu lesen. Sie berichtet von der wachsenden Liebe zum wochenlangen Wandern und Wildcampen, und auch hier lässt sich eine lohnenswerte innere Reise miterleben.

Inzwischen bin ich bei der „Schäferin von Yorkshire“ von Amanda Owen angelangt. So langsam finde ich meine outdoor-basierte Lektüre der letzten Wochen doch etwas einseitig, oder das Leben mit sieben (inzwischen neun) Kindern spricht mich einfach nicht so an… Dennoch ist es auch in diesem autobiografischen Roman spannend mitzuverfolgen, wie ein Lebenstraum wächst und umgesetzt wird. Amanda lebt mit einem zwanzig Jahre älteren Landwirt auf einer der abgeschiedensten Schaffarmen Great Britains und erzählt sehr bodenständig und humorvoll aus dem Alltag.

aufmerksam

Statt Meditation: Durch den Wald streifen und Beeren sammeln

Oberflächlich entspannen können wir alle gut:
Mit rumdaddeln, Buch lesen, Gassi gehen, online Shopping….
Aber wirkliche Entspannung, die Kopf und Herz erreicht, ist das meist nicht – eher oberflächliche Ablenkung.
Die Japaner erfanden „Shinrinyoku“, das Waldbaden. Genau genommen ist es einfach spazieren gehen, klingt aber viel trendiger.

Wer Spaziergänge auch unter dem kosmopolitischen Motto „Shinrinyoku“ beknackt findet, kann sich vielleicht zum Beeren sammeln motivieren:
Das klingt gleich viel produktiver und führt dennoch zu deutlicher Entschleunigung.
Zumindest nach einiger Zeit, wenn die vielen Gedanken in unserem Inneren endlich langsamer kreisen und irgendwann ganz zur Ruhe kommen. Wenn wir nicht mehr möglichst schnell und effektiv pflücken, sondern wirklich aus Spaß am Beerensammeln. Wenn wir zunehmend offen werden für Gerüche und Geräusche um uns und immer weniger an Zecken denken, die vielleicht gerade JETZT in unsere Kniekehle beißen.

Ganz nebenbei stellen wir fest, dass manche Landschaften im guten, alten Deutschland deutliche Einschläge von Skandinavien oder Schottland aufweisen. Und es auch im Corona-Jahr 2020 ganz zauberhafte Ecken in der Nähe unseres Zuhauses gibt, an denen wir uns ganz weit weg fühlen.
Wenn wir dann am nächsten Morgen Blaubeeren mit Naturjoghurt löffeln, kommt der Urlaub fast nach Hause.
Fast.
Und wir finden hoffentlich bald wieder den Weg in den Wald…