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Im Winter an die Nordsee: Tipps für einen unterhaltsamen Inselurlaub

Im Winter ans Meer zu fahren, wird immer beliebter.
Theoretisch finde ich es gar nicht gut, weil damit die einzige noch bezahlbare (Nicht-)Saison intensiver nachgefragt wird. Eine Woche Insel im Februar ist genauso teuer wie eine Woche Sommerurlaub in Skandinavien, berühmt-berüchtigt als kostenintensivste Urlaubsländer.
Praktisch kann ich die Flucht ans Meer, selbst im Winter, gut nachvollziehen: Dunkel, nass und stürmisch ist es auch in der Großstadt, warum dann nicht die Kraft der Elemente an der Nordsee erleben?

Die Vorsaison der Vorsaison startet mit dem beeindruckenden Biikebrennen Ende Februar. Überall in Nordfriesland werden riesige Feuer (aus Tannenbäumen, sturmgefällten Bäumen und Heckenschnitt) entzündet. Ursprünglich von den Friesen als Feuer für Wotan entfacht, wurden später damit die Seefahrer und Walfänger ins neue Arbeitsjahr verabschiedet, bis sie im November vor den größten Stürmen zurückkehrten. Der Abschied des Winter spielt dabei natürlich auch eine Rolle, heute ist die Bedeutung der Tradition weitgehend egal.
Die Küste entlang zu schauen und die Feuer auf der eigenen Insel und bei den Nachbarinseln gegenüber brennen zu sehen, ist sehr archaisch und spektakulär.
Da es am 21. Februar mit hoher Wahrscheinlichkeit nass, kalt und stürmisch ist, sorgen die örtlichen Feuerwehren für Punsch, Grünkohl und einen trockenen Unterstand.

In manchen Orten gibt es zum Biikebrennen neben Fackelzügen auch Ansprachen und Gottesdienste auf friesisch, einer „echten“Sprache, die wirklich für Außenstehende nicht zu verstehen ist. Sehr zu empfehlen!

Die örtlichen Naturschutz- und Kulturvereine stellen selbst im Februar ein abwechslungsreiches Programm mit mehreren Veranstaltungen pro Tag auf die Beine. So zum Beispiel archäologische Führungen zu Hügelgräbern und Funden aus der Steinzeit.
Auch Wattwanderungen zur heimischen Tier- und Pflanzenwelt, Nachtwanderungen, Bernstein schleifen und Knotenkurse für Kinder werden angeboten. Sogar Wattwanderungen von einer Insel zur nächsten, wie von Föhr nach Amrum, werden im Winter durchgeführt – inklusive ausgeliehenen Wathosen für das Durchqueren der Priele.

Zum Biikebrennen öffnen einige Restaurants und Cafés ihre Türen, bevor sie zurück in den Winterschlaf sinken. Die meisten Lokalitäten öffnen erst kurz vor Ostern, daher lohnt es sich, das Wochenende mit dem Besuch von Friesenstuben und Fischlokalen zu nutzen. Anschließend heißt es wieder Selbstverpflegung und sich mit dem gesamten Rest der Insel zu den kurzen Öffnungszeiten der wenigen Cafés zu drängeln.
Denn wenn etwas geöffnet ist, und sei es nur für drei Stunden am Nachmittag, ist es garantiert knackvoll! Dass die Touristen jetzt auch schon im Winter kommen müssen, schrecklich… (-;

Sogar der Leuchtturm hat an einigen Tage stundenweise geöffnet oder eins der örtlichen Museen:
Naturschutzausstellungen mit Wasserbecken für kleine Tiere, präparierte Walskelette, Ausstellungen über die Seefahrt oder historische Kapitänshäuser gibt es auf den Inseln überall. Auch Vorträge über die Historie und Natur der Insel warten auf neugieriges Publikum.

Ein Spaziergang durch die Inseldörfer mit dem Besuch der abgesoffenen Seeleute historischen Grabstätten, ein Gottesdienst unter schwebenden Viermastern oder ein Konzert in einer Bar bringen zusätzlich Abwechslung.

Wenn gar nichts mehr geht, jedes Quermarkenfeuer schon fünf Mal fotografiert wurde, die Gänse in der Vogelkoje nur noch zum Gähnen anregen, der Strandausritt wegen Sturm abgesagt wird und die Sauna trotzdem nicht lockt:
Müll sammeln für eine saubere Umwelt, gesunde Fische und Vögel sowie weniger Mikroplastik in den Weltmeeren geht immer!

Schon nach einer Woche auf den Inseln ist die Rückkehr nach Hamburg ein intensiver Kulturschock:
Alles so laut, so voll, so unruhig hier!
Umso größer die Sehnsucht, bald wieder Freiheit und Weite an den endlosen Stränden zu finden.

aufmerksam, feminin

Powerfrauen im Herrenhaus

Geschichten von Powerfrauen finde ich immer großartig, umso mehr, wenn dabei neue Formen des Arbeitens und Wohnens entstehen. Die Dokumentation „Herrenhäuser in Frauenhand“ stellt zupackende Frauen vor, die alten Gemäuern neues Leben schenken.
Die drei Gutshofbesitzerinnen arbeiten mit und in den Gebäuden als Künstlerin, Hotelbesitzerin und Musikerin. Zusammen mit anderen Frauen, die in Mecklenburg-Vorpommern nach ihrer eigenen Faςon leben, gestalten sie ein unterstützendes Netzwerk.
Außerdem aktuell:
Wer die Filme „Mit Mut, Mörtel und ohne Millionen“ kennt, entdeckt hier den sechsten Teil der Dokumentation der „Gutshausretter“.

aufmerksam

Arboretum Ellerhoop: Immer wieder ein Genuss

Vor Kurzem parkten wir die Fahrräder in der Hamburger S-Bahn, düsten bis nach Pinneberg raus und radelten von dort über Landstraßen zum Arboretum Ellerhoop.
Der Bauerngarten direkt am Haupthaus übertraf sich selbst und meine Erinnerungen an meinen ersten Besuch. Da wir unter der Woche unterwegs waren, hielten sich trotz des herrlichen Sommerwetters die Besuchszahlen sehr in Grenzen. Ein Glück für uns, aber schade für die Gartenschau – geringe Eintrittsgelder führen an einigen Stellen zu deutlich weniger gepflegten Beeten als noch vor ein paar Jahren. Das Areal ist groß genug, um spannend und abwechslungsreich zu sein, und gleichzeitig übersichtlich genug, um entspannt hindurch zu spazieren.

Die große Wildblumenwiese ist traumhaft, die Nutzgärten etwas vernachlässigt, aber immer noch inspirierend. Auch dieses Mal saßen wir sehr entspannt auf der Bank im Wasserwald oder flohen vor der Hitze in einen riesigen Bambusdom.
Einerseits ist das Arboretum eine zauberhafte Oase vor den Toren der Großstadt, andererseits verdient der Verein weiterhin ausreichend BesucherInnen, um den Parkbetrieb aufrechterhalten zu können.
Vor drei Jahren berichtete ich schon einmal über die Gartenschau.
Mehr Spaziergänge und grüne Oasen in Hamburg und der Umgebung sind unter dem Suchbegriff „Hamburgs heimliche Höhepunkte“ zu entdecken.

Hinkommen:
Mit der Regional- oder S-Bahn bis zum Bahnhof Pinneberg und von dort aus weiter mit dem Rad. Es fährt auch ein Bus 185 Richtung Elmshorn, an der Haltestelle Ellerhoop/Arboretum aussteigen. Ebenso umgekehrt von Elmshorn Richtung Pinneberg / Halstenbek.

10:00 bis 19:00 Uhr geöffnet, 9 Euro Eintritt für Erwachsene.

 

Atemfreude, aufmerksam

Gelungen: So lief der erste Atemfreude-Workshop ab

Der erste Atemfreude-Workshop war ein voller Erfolg – ich bin ganz beglückt.
Mein ganzheitliches Konzept der Atemgymnastik mit SeniorInnen lockte viele neugierige Therapeutinnen und Betreuerinnen zum interdisziplinären Abend. Obwohl das Angebot kostenlos war und dabei die Gefahr besteht, dass die Angemeldeten es mit der Verbindlichkeit nicht so ernst nehmen, waren wir eine fröhliche Gruppe aus 14 engagierten Frauen. Dank einer munteren Laune des Kopierers war das versprochene Material zum Mitnehmen und Ausprobieren nicht so vollständig wie geplant, aber die Fachfrauen nahmen es gelassen und nutzten rund um den Materialtisch jede Möglichkeit, einander kennenzulernen und Erfahrungen auszutauschen.


Sehr gefreut habe ich mich darüber, dass mein Konzept von allen als motivierend, einfach umzusetzen und praxistauglich erlebt wurde. Auch Therapeutinnen, die keine Gruppen anleiten, sondern mit körperlich schwer betroffenen Menschen Einzelsitzungen durchführen, bewerteten meine Übungen als geeignet und gut anpassbar.
Eine offizielle Uhrzeit als Ende des Abends hatte ich bewusst offen gelassen, um den Wünschen der Teilnehmenden Raum zu geben: So entspannt, wie die Skandinavier in unserer exemplarischen Atemfreude-Stunde „Eine Hütte in Finnland“ eben mit der Zeit umgehen. Der offizielle Teil des Abends endete nach meiner heimlichen Planung relativ pünktlich, und nach einer weiteren geselligen Runde blieb ein Teil der Besucherinnen noch, um sich die Atmung erklären zu lassen. Die Logopädinnen und Betreuerinnen gingen schon mal nach Hause, während wir den Stuhlkreis enger zusammen rutschten und ich anatomische Zeichnungen austeilte. Nachdem wir die Atemvorgänge sowie die möglichen Gefahren bei der Durchführung von Atemübungen geklärt hatten, gab es noch so viele Fragen rund um die praktischen Aspekte der „Atemfreude“, dass die Gruppe sich erst gegen 21.40 Uhr auflöste.
Dann fand ich beim Aufräumen auch die Blätter im Kopierer, die er uns einige Stunden früher vorenthalten hatte….

Trotz des Mottos „Eine Hütte in Finnland“ finde ich die schwedische Flagge einfach hübscher als die sachlich-schlichte finnische…

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Ausflug von Hamburg nach Husum und Friedrichstadt

Mit der Bahn kommen Hamburgerinnen ganz einfach nach Husum und Friedrichstadt: Der Zug fährt direkt am Hafen entlang (Bild oben). Wer schlau ist, schaut vorher in den Tidenkalender und plant den Besuch in Husum entsprechend: Ein Spaziergang am Deich ist bei Hochwasser natürlich am Schönsten. Je nach Ankunftszeit bietet es sich entweder an, bei Flut zuerst ans Meer zu laufen und dann die Stadt anzuschauen oder bei Ebbe umgekehrt.


Ich bin so gern am Meer, weil es dort immer friedlich ist. Natürlich zeigt sich das Wetter nicht immer so windstill und warm wie hier, aber selbst im Sturm fühle ich mich an der Küste tief im Inneren von Frieden erfüllt.


In Husum wird friesisch beschildert und die Homepage von Friedrichstadt lädt stolz mit einem „Vi taler dansk!“ dänische BesucherInnen ein. Hier in Schleswig-Holstein sind wir wahnsinnig international unterwegs… 😉

Kunst an der Küste: Wind-Hosen aus verblichenen Jeans, auf Metallgerüste gezogen. Schön surreal, besonders, wenn das Meer so spiegelblank liegt und mit dem Himmel verschmilzt…

In Husum fand während unseres Besuchs gerade ein Flohmarkt entlang des Hafens statt, sodass zwischen den Eiscafés und Fischbrötchen-Wagen ganz besonders viel los war. Vom Hafen aus geht es in die Altstadt und auf den Marktplatz an der Marienkirche. Auch hier sind die Schlauen klar im Vorteil, wenn sie vom Marktplatz aus in den Schlossgang einbiegen und durch die kleine Gasse eine Abkürzung direkt zum Schloss finden. Im Schlosspark blühen in jedem Frühjahr überwältigende Flächen von Krokussen. In den Kopfsteinstraßen der Altstadt laden viele gemütliche Cafés und Teegeschäfte zum Verweilen ein, und ich fand die bisher höchste Dichte von Woll- und Nähgeschäften.

Jede Stunde fährt ein Zug wieder Richtung Hamburg, sodass es sich anbietet, zehn Minuten lang Richtung Süden bis zur nächsten Station nach Friedrichstadt zu fahren und die niedliche Holländerstadt zu entdecken. Am Kanal steht dieses wunderhübsche norddeutsche Haus, einmal von vorn und von der Seite fotografiert. Gleich daneben schließen sich klassisch holländische Reihenhäuser an.

Rund um die Altstadt ziehen sich Kanäle, die sich aus der Treene speisen. Über viele Holzbrücken sind einzelne Straßenzüge miteinander verbunden. Die steinerne Brücke über den Mittelburggraben führt zum historischen Marktplatz.

Während des Tageslicht langsam abnahm, fühlte ich mich die ganze Zeit wie im Urlaub und fragte mehrfach, nur halb im Scherz, meinen Mann nach einer passenden Übernachtungsmöglichkeit. Natürlich wollten wir mit dem Schleswig-Holstein-Ticket noch nach Hause zurück fahren, dennoch sang ich durchgehend „Var ska vi sova i natt“ (Wo sollen wir heute Nacht schlafen?). Der Zug nach Hause wurde von französischen Touristen belagert, sodass unser Tag vom friesischen Verkehrsschild über dänische Tagesgäste in holländischen Städtchen gebührend international zu Ende ging.

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Ausflug außerhalb Hamburgs: Am Dassower See und Pötenitzer Wiek entlang zur Ostsee

Alter Speicher in Dassow

 

Die Trave hat zwischen Lübeck im Süden und Travemünde im Norden zwei große Ausbuchtungen, den Dassower See und die Pötenitzer Wiek. Beide wollte ich seit dreizehn Jahren besuchen, und endlich hat es geklappt.

 

Lübecker Straße, Dassow

Eine Warnung vorab: Den Dassower See kann man nicht umrunden und „nur aus der Ferne genießen“, wie ein Anwohner uns erzählte. Dassow selbst ist auch keine Attraktion, insofern reicht es völlig, auf dem Weg zur Pötenitzer Wiek durch Dassow zu fahren. Dem „Travemünder Weg“ folgend Richtung Johannstorf bietet es sich an, in die Straße „Am Hof“ abzubiegen und dort das verlassene „Schloss Johannstorf“ zu besuchen.

 

Torhaus von Gut Johannstorf

 

Hier wurden Teile des Films „Das weiße Band“ gedreht. Verfallene Gebäude flankieren ein Gutshaus, das äußerlich schön renoviert im Schlaf zwischen Baugerüsten verharrt. Wer weiß, wie es innen aussieht und wann die Arbeiten wieder aufgenommen werden? In unmittelbarer Nähe liegt das Gut Benckendorf, zu erreichen über einen Fußweg hinter Gut Johannstorf oder von der „Schulstraße“ aus.

 

 

Von Johannstorf aus fuhren wir die „Seestraße“ entlang, bis wir die nicht ausgeschilderte „Puschkinstraße“ erreichten. Sie ist an einem alten Reetdachhaus mit malerischem Garten neben einer Obstwiese zu erkennen. Dort parkten wir das Auto und folgten dem Pfeil „Zum See“.

 

 

Wer jetzt feste Schuhe, am besten Gummistiefel, trägt, ist klar im Vorteil. Durch einen leicht sumpfigen Waldstreifen gelangt man in eine kleine Allee, die in eine abgeschiedene Wiese am Seeufer mündet. Ein Klappbank wartet auf BesucherInnen, die sich ringsum an wilden Äpfeln, Pflaumen, Kirschen und Mirabellen bedienen können. Wer mag, schleicht am Uferrand durch´s Schilf und erkundet mehrere kleine Buchten.

 

Pötenitzer Wiek

 

Wir entdeckten neben dem Obst prächtige Weinbergschnecken und aromatische wilde Pfefferminze. Entsprechend witzelten wir, dass uns nur der Wasserkocher für ein französisches Mahl auf dem Lande fehlen würde und auch die Minze nur auf einen Cocktail wartete…

 

 

Leider fanden wir den Wanderweg zwischen Johannstorf und Pötenitz  auch dann nicht, nachdem wir uns tapfer auf einem Wildpfad durch die Vegetation geschlagen hatten.
Entsprechend kehrten wir zum Auto zurück und fuhren über Pötenitz und Harkensee (mit einem tollen, leuchtend gelben Gutshaus) nach Groß Schwansee.
Unterwegs kamen wir an vielen kleinen Straßenständen mit Obst, Gemüse, Eiern, Honig und hausgemachter Marmelade vorbei. Nach der Weinbergschneckenvorspeise hätten wir uns hier mit allem, was das weitere Menü verlangt, eindecken können 😉 Tatsächlich nahm ich wunderbare gelbe Mirabellen mit, wie immer gegen einen Obolus in die Vertrauenskasse.

 

 

Den etwas widersprüchlichen Hinweisen zum Schlossgut Groß Schwansee durch die Landschaft folgend sinnierten wir über die Bedeutung des Begriffs „Brasserie“. Grundsätzlich in noblen Urlaubsorten sowie hochpreisigen Hotels beheimatet hatten wir bisher nicht herausfinden können, was eine Brasserie kennzeichnet. Leider erschloss sich die ungeklärte Bedeutung auch nicht beim Besuch der dortigen Lokalität, in der es uns davon unabhängig gut gefiel.
Insgesamt sieht man dem Gebäudekomplex in Groß Schwansee sein Alter nicht an. Das historische Schlossgut ist zu Tode saniert und wirkt wie ein glattpolierter Neubau. Der ehemalige Pferdestall ist vielleicht alt, tut aber vielleicht auch nur so und ist ein ebenso geleckt wirkender Bau. Völlig unnötig ist das gegenüberliegende „Parkgebäude“, eine große verglaste Schuhschachtel mit Gästeappartements. Auch der Park ist recht klein und lädt nicht unbedingt zum Spazieren ein.

 

Schlossgut Groß Schwansee

 

Dafür ist die Allee an die Ostsee wirklich schön und der Strand übersichtlich und naturbelassen. Alles in allem passend für einen kurzen Aufenthalt, Heiraten oder Urlauben würde ich hier nicht.

 

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Weite Horizonte und fröhliche Herzen

Sicherlich kennst du sie auch: Orte, an denen du Frieden und Freude gleichzeitig spürst. Orte, die zum Auftanken einladen. Orte, an denen du dich leicht und unschuldig fühlst, wie ein dankbares Kind. Wenn nicht, wünsche ich dir, dass du solche Orte für dich entdeckst.

Ebenso kennst du vielleicht die Sehnsucht nach diesen Orten, die manchmal aufbricht und nach Erfüllung schreit. Dann ist es gut, die nächste Möglichkeit zu ergreifen, dorthin zu gelangen.

 

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Im Urlaub waren wir unter anderem an der Schlei. Schon lange war die Reise geplant, weil es dort so wunderschön sein soll – zu Gunsten spannendere Reisen oder anderer Veranstaltungen in den letzten Jahren wurde meine innere Schlei-Idee stets verschoben. Zu unspektakulär.
Doch nun war es Zeit: Nach einigen Tagen in lieblicher Landschaft, netten Begegnungen mit Wildfremden, vielen Wild- und Bauernhoftieren, warmer Sonne, frischem Wind und glitzerndem Wasser waren wir so entspannt, glücklich und gelassen wie selten zuvor. Diese Landschaft stellt etwas mit der Seele an, das kaum zu greifen und gleichzeitig sehr tiefgehend ist.

Der Blick aus dem Fenster, den das obige Bild zeigt, begrüßte mich morgens, wenn ich die sanfte Morgenluft herein ließ. Gegen das gleißend helle Licht erscheint das Zimmer durch die Kamera dunkel, was es natürlich nicht war: Wir wohnten in einem roten Schwedenhaus aus Holz, dessen Balken innen weiß lasiert waren. Auf der Terrasse verweilen und in den Garten schauen, Johannisbeeren pflücken, den typischen Duft des Holzhauses riechen, stets barfuß laufen, im Wohnzimmer sitzen und die hohe Decke unter einem heftigen Sommergewitter förmlich zittern sehen: Das verwandelt ein Ferienhaus in ein Wohlfühlhaus. Wenn die Kräuter direkt aus dem Beet im Salat landen, das Dorf nur aus wenigen Häusern besteht und ich jederzeit durch die Felder zum Wasser laufen kann: Dann hat meine Seele Raum. Wie an vielen Orten nahe der Schlei, in Schwansen und Angeln.

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Eine nette ältere Dame backt dort jedes Wochenende köstliche Torte, die sie im eigenen Garten zwischen Reetdachhaus und Schafweide (siehe Foto) serviert. Steht das Schild mit der gelben Schleife an der Landstraße, wissen alle Bescheid. Offensichtlich gibt es auch Ausnahmen der Regel, so entdeckten wir das Schild plötzlich zusätzlich am Donnerstag…

Gastfreundschaft wird an der Schlei wirklich gelebt.
Schulkinder grüßten uns, wenn wir mit dem Rad unterwegs waren.
Bei einer Weberin schaute ich in die Werkstatt und unterhielt mich sehr nett und kompetent mit ihr, unter anderem über mangelhaften Kunstunterricht in Schulen und motorisch ungeschickte Kinder.
Als wir völlig verschwitzt und müde auf der letzten Etappe einer Tagestour genau im richtigen Moment an einem Garten-Café vorbei kamen, entdeckten wir, dass es in wenigen Minuten schließt. Dennoch stellten wir die Räder ab und ich trat ein, mit der Frage, ob wir noch bedient werden könnten. Die nette Dame lud uns herzlich ein, einen Platz im Garten zu wählen und uns auszuruhen. Sie bot mir einen Erdbeer-Guavensaft an, den sie im Kühlschrank des Cafés verwahrt, aber bisher nur privat trank. Dazu brachte sie etwas später eine Flasche Wasser mit nach draußen, mit dem Hinweis, ich würde den köstlichen Saft vielleicht lieber als Schorle trinken – sie berechne das Wasser nicht. Im Übrigen sollten wir uns Zeit lassen, die Öffnungszeiten seien variabel. Selten wurde ich von einer Wildfremden derart willkommen geheißen.
Ein Landwirt erzählte uns unaufgefordert sehr ausführlich über die Ausgrabungsarbeiten auf seinem Feld. Von den Wikingern habe er eine Vielzahl an Gegenständen gefunden, auch goldenen Schmuck. Leider sei es ein Kartoffelacker gewesen, von dem all die Jahre viele Steine und damit wohl auch Fundstücke beim Sortieren weggeworfen wurden (um als Straßenbelag zu enden…). Er bat uns in seinen Bauernhof, um Fotos zu zeigen.
Neben dem Ausgrabungsfeld, das längst wieder zugeschüttet wurde und bis heute nicht seitens des Museums in Schleswig erwähnt wird, blühen Kornblumen, Kamille und Mohn.

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Die Gastfreundschaft wird sogar auf Privatgärten ausgeweitet:
Unterwegs bewunderte ich überall die traumhaften Gärten, einige sind zu bestimmten Zeiten sowie „nach Zufall“ zu besichtigen. Dieser Garten darf besucht werden, wenn das Gartentor offen steht. Wir schlichen auf den engen Wegen durch überbordende Beete, um niemanden zu stören. Japanische Zwerghühner waren unterwegs, eine Katze tauchte auf, im Teich badeten Frösche. An den Garten schließt sich eine Wildblumenwiese an, dort trafen wir den Hausherren beim Mähen mit der Sense. Wir unterhielten uns über wilde Orchideen, die den Weg auf seine Wiese gefunden haben, und japanische Zwerghühner: Ihre Eier bestünden zu zwei Dritteln aus Eigelb, perfekt zum Backen, erzählte er. In der Diele ist ein kleines Museum eingerichtet, gebastelte Grußkarten, Lavendelherzen und eingetopfte Pflanzen können für wenige Euros mitgenommen werden. Ich entschied mich für zwei Tütchen mit Samen, die ich zu Hause aussäen möchte. Die Hausherrin kam herein, während ich mich in das Gästebuch eintrug. Ich erzählte, dass ich Samentütchen mitgenommen und das Geld in die Kiste gelegt habe. Sie antwortete, dass ich die Samen auch einfach so hätte einstecken können und bot mir an, weitere Samen im Garten zu sammeln.
Selten habe ich so viel zweckfreie Freundlichkeit erlebt.

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Überall gibt es wunderbare Cafés, teilweise mit angrenzendem Atelier. Wir saßen in Gärten, vor Feldern, mit Blick auf das Wasser. Manche Cafés leben vom Tatendrang einer einzigen Frau auf privaten Grundstücken, andere werden als Geschäft geführt.

Zahlreiche Gutshöfe, die meisten gut versteckt, warten darauf entdeckt zu werden.
Konzerte in malerischen alten Dorfkirchen, Erdbeeren pflücken auf der Plantage, Schweine füttern beim Bauern, Segeln mit den Wikingern in Haithabu: Erlebnisse für jeden Geschmack warten auf die Gäste.
Nur Hektik und Ignoranz nicht.
Wir kommen wieder, versprochen.

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aufmerksam, Gäste & Feste

Kompetenzen für Quereinsteigerinnen: Kurse finden

In der letzten Zeit war ich viel auf der Suche nach Kursen, die sich für Quereinsteigerinnen eignen: Bezahlbar, für Privatpersonen zugänglich, fachlich fundiert und praxisorientiert. Doch selbst eine Großstadt wie Hamburg bietet nicht für alle Interessentinnen adäquate Informationsveranstaltungen, wie ich feststellen musste. So recherchierte ich in umliegenden Bundesländern und entdeckte unter anderem die Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein. Wer, wie ich, soziale Kompetenzen mit kreativen und kaufmännischen Inhalten ergänzen möchte, findet dort passende Angebote. Nach einem netten Gespräch mit der Ansprechpartnerin in Lübeck möchte ich den Hinweis weitergeben, dass manche Veranstaltungen so gut „versteckt“ angeboten werden, dass es oft noch viele freie Plätze gibt. Für die Veranstaltung zum Thema „Die Feste feiern – Firmenveranstaltungen richtig planen und organisieren“ im September 2015 gibt es bisher so wenig Resonanz, dass ich sehr auf genügend Anmeldungen hoffe. Wer dazu viel recherchiert hat, weiß, dass Kurse zu diesem Thema sehr rar sind und nur selten stattfinden.

Somit möchte ich heute für berufliche Weiterbildungen jenseits der bekannten Veranstalter in Großstädten werben. Hinter der Stadtgrenze gibt es so viele wunderbare Schulungen, die wir nicht besuchen, weil wir derart auf das Naheliegende fixiert sind.
Und wer weiß, vielleicht treffen wir uns mal bei den Landfrauen im Kreis Aurich oder bei einer Schulung in Husum?!

 

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Hier ist der Link zum Thementag „Veranstaltungsmanagement“ in Lübeck.

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Sünn un Blomen inne Lüneburger Heide

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Glücklicherweise fiel mir vor Kurzem ein, dass die Heide gerade blühen müsste:
Nach dem Feierabend kurz im Internet recherchiert, eine gute Freundin von der Idee überzeugt und – schwups – flitzten wir am Wochenende südlich der Elbe über die Autobahn, der Lüneburger Heide entgegen.

 

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Dort erlebten wir einen spannenden Tag zwischen riesigen Baiser-Stachelbeer-Torten, Heidschnucken-Bratwürsten, entzückendem Geschirr in einem sehr altmodischen Geschäft und ein wenig Wandern…  😉
Tatsächlich waren wir vorrangig den gesamten Tag an der frische Luft, wussten uns aber diesseits und jenseits der Strecke viele ablenkende Möglichkeiten zum Verlustieren zu schaffen.

 

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Die vom Wetterbericht angesagten Schauer hielten bis auf einen weiträumig genug Abstand, sodass wir sie zwar am Horizont sahen, sie aber nicht unsere Laune beeinträchtigten.

 

 

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Während wir im Totengrund unterwegs waren und ich meiner Freundin erklärte, dass auf dem Rückweg „der Wilseder Berg doch quasi auf der Strecke liegt“, merkte sie an, dass es tatsächlich langsam spät wurde.

 

 

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So waren wir während eines herrlichen Spätsommer-Abends Richtung Parkplatz unterwegs, während die Beine noch derart fit waren, dass sowohl sie als auch der innere Schwung noch bis kurz vor Mitternacht gehalten hätten…
Wir sammelten letzte leckere Brombeeren und letzte geschmacklose Blaubeeren, von denen wir hofften, dass sie zumindest im Vergleich zu den geschmacklosen Zucht-Verwandten voller Vitamine seien.

 

 

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Im Auto sitzend und über die Autobahn zurück über die Elbe brausend, holte die Müdigkeit uns schlagartig ein.
Wer die Möglichkeit hat, die Lüneburger Heide zu besuchen:
Meiner Meinung nach hat die Heideblüte noch nie so intensiv geduftet wie dieses Jahr!

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Ausflug nach Lüneburg

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Mit einer Freundin setzte ich mich in die Bahn Richtung Lüneburg, wo wir einen herrlichen sommerlichen Tag verbrachten: Häuser bestaunten, Cafés ausprobierten, „aus Versehen“ alles Mögliche in netten kleinen Geschäften kauften, an der Ilmenau entlang bummelten, Engel betrachteten.

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Die Lüner Straße am alten Kran, eins der Wahrzeichen Lüneburgs.

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Überall romantische alte Backsteinhäuser und Blüten am Weg.

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Jede Menge Manufakturen, Werkstätten und feine Geschäfte, die zum reinschauen einladen.

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Ein hölzerner Engel in einer ruhigen Ecke der Kirche.

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Ausgesprochen gut hat es mir in Lündeburg gefallen – vielleicht als Altersruhesitz, eines Tages?!

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