aufmerksam, glaubhaft

Sternstunden und Sternschnuppen

Letzte Woche gestaltete ich den „Musikalischen Nachmittag“ mit Abend- und Gute-Nacht-Liedern. Da es kein gemeinsames Singen zu später Stunde gibt, beschloss ich, die liebsten Abendlieder der SeniorInnen einfach mal am Nachmittag zu singen. So früh, wie es dunkel wird, fällt das gar nicht groß auf…
Zwischendurch machten wir Pause, um aus gelber und cremefarbener Pappe Sterne auszuschneiden (ich hatte mit einer Schablone vorgearbeitet und für alle arthritischen Finger bereits einen Schwung Sterne ausgeschnitten). Darauf sollte eine „Sternstunde“ in diesem Jahr notiert werden –  ein Dank. Und auf die Rückseite eine „Sternschnuppe“ für das kommende Jahr – ein Wunsch.
Im Anschluss ging es mit Englisch weiter, hier hatte ich mir mit einem Blick auf den Kalender als Thema „Thanksgiving – Count your blessings“ ausgedacht. Dabei tauchte die Schwierigkeit auf, dass ein Herr meinte, er fände das mit der Dankbarkeit sehr schwierig. Weil er nicht wisse, wem er danken solle: Für den schönen Urlaub, die Gesundheit, dass er sich im Haus wohlfühlt. Ihm fehlte ein Adressat für den Dank, was in der Gruppe mit Befremden aufgenommen wurde, ich aber sehr gut nachvollziehen konnte. Auch weil ich etwas Mitleid mit seinem leeren Stern hatte… 😉
Wem danken wir dafür, dass wir in einem sicheren, wirtschaftlich starken Land leben? Dafür haben wir nichts geleistet. Dass wir hier geboren wurden und nicht im Slum in Indien, ist nicht unser Verdienst. Wem danken wir, dass wir dieses Jahr gesund und im Straßenverkehr bewahrt blieben? Auch dafür haben wir nichts geleistet. Wem danken wir, dass das Geld reichte? Natürlich haben wir dafür gearbeitet, aber dass es letztlich reichte und noch etwas für Schokolade und Urlaub übrig war, das hätte auch anders ausgehen können.
Vieles liegt nicht in unserer Hand. Wir meinen, wir könnten unser Leben kontrollieren, indem wir uns an die Regeln halten und allgemein „unser Bestes geben“. Dass wir vor Arbeitslosigkeit verschont blieben, die Freundinnen und Familienmitglieder gesund und munter sind, das Haus warm und stabil ist, der Bus täglich pünktlich fährt, der Supermarkt vor Nahrungsmitteln überquillt – all das liegt nicht in unserer Macht.

 

 

So bleibt die Frage, wem wir dafür danken.
Wer an Gott glaubt, hat eine Adresse. Diese Adresse eignet sich nicht nur für Dankbarkeit, auch für Enttäuschung, Anklage und geplatzte Träume. Natürlich sind wir selbst es, die unser Leben täglich füllen. Und dennoch gibt es keine Geling-Garantie. Weshalb Dankbarkeit uns immer wieder neu vor Augen führt, was uns im Alltag geschenkt wird. Was uns zufällt, oft unverhofft. Meist gehen wir achselzuckend daran vorbei oder glauben, es verdient zu haben. Aber warum sollten wir es verdient haben, und andere nicht? Wenn wir davon ausgehen, dass jeder Mensch gleich wertvoll ist?
Dankbarkeit hilft, jenseits des Machbarkeitswahns das im Blick zu behalten, was uns geschenkt wird. Unverhofft. Unverdient.

 

 

Die beschrifteten Sterne klebte ich an die „goldene Wand“ in der Lobby, sodass alle BewohnerInnen und BesucherInnen einen Blick darauf werfen können. Wer wollte, konnte den Stern auch leise für sich beschriften und unter Ausschluss der Öffentlichkeit mitnehmen.

Verlinkt mit CreaDienstag, ein kleiner blog, Meertje, HandmadeOnTuesday und DienstagsDinge.

glaubhaft

Spannungsreiches Gesumm

 

Ich saß auf dem Balkon, der dieses Jahr mein privater Rückzugsort zum Lesen und Durchatmen geworden ist. Vor mir landete eine Biene auf den grauen Steinplatten. Sie verhielt sich sehr eifrig, vibrierte am ganzen Körper und sah definitiv fleißig aus. Nur: Sie saß auf keiner Blüte, sondern auf der sonnenwarmen Steinplatte. Vielleicht wärmte sie sich ein wenig auf. Vielleicht suchte sie aber auch völlig fehlgeleitet ihr Glück (und ihre Nahrung) an der falschen Stelle.
Unangenehmerweise erinnerte die Biene mich an mein eigenes Verhalten: Wie oft suche ich etwas am falschen Ort? Wie oft möchte ich ein Bedürfnis stillen und wende mich damit in die falsche Richtung – weg von dem, was sinnvoll wäre, hin zu etwas, das mich innerlich leer lässt? Wie oft vibriere ich vor Anspannung und nehme mir eine oberflächliche Auszeit, die tatsächlich nur in noch mehr Aktionismus führt?
Ich hoffe für die Biene, dass eine warme Steinplatte das war, was sie wirklich benötigte und ihr wohl tat.
Und ich hoffe für mich und uns, dass wir das tiefliegende Bedürfnis hinter unserer eigenen Kulisse erkennen. Dass wir uns nicht mit Fast-Food-Methoden abspeisen (lassen), sondern dem Hunger nach Ruhe, nach Liebe, nach Lebenssinn, nach Gott auf den Grund gehen. Auch, wenn wir befürchten, dass das anstrengender ist als der oberflächliche Lustgewinn.

aufmerksam, glaubhaft

Von Innen heraus

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Je gesammelter ein Mensch im Innersten seiner Seele lebt,
umso stärker ist seine Ausstrahlung,
die von ihm ausgeht und andere in seinen Bann zieht.

 
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Ihr sollt sein wie ein Fenster,
durch das Gottes Güte in die Welt hineinleuchten kann.
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Edith Stein
aufmerksam, glaubhaft

Nah dran

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So fern mir Gott auch manchmal scheint,
für mein Gefühl manchmal zu fern
– er ist da, wartet unter der Oberfläche meines Alltags.

 Bianca Bleier
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aufmerksam, feminin, glaubhaft

Gebet für Frauen weltweit

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Schwestern-Gebet

Wir Frauen bitten dich, Gott,
um Frieden. Wir bitten dich, dass du Gewalt und Ungerechtigkeit beendest.
Wir bitten dich um Schutz für alle Mädchen und Frauen weltweit.
Wir bitten dich um eine gute Zukunft und ein erfülltes Leben für unsere Schwestern
in allen Kulturen.

Wir Frauen danken dir, Gott,
für die Hoffnung, die du uns schenkst.
Wir danken dir für dein Versprechen, dass du das Beste für uns und unser Leben bereit hälst.
Wir danken dir für die Schwestern, die mit uns unterwegs sind und uns stärken.

Wir Frauen loben dich, Gott,
und deine schöpferische Kreativität.
Wir loben deine Schönheit und deinen Reichtum, der in dieser Welt sichtbar wird.
Wir loben die Talente und Begabungen unserer Schwestern, die du ihnen schenkst.
Sie erfüllen unseren Alltag mit Freude und Farben.
Wir loben dich für unsere ganz eigenen Stärken und Fähigkeiten und sind stolz darauf.
Wir loben deine Hilfe in allem, was wir schaffen:
In der Familie, im Beruf, in Freundschaften, durch Krisen und Durststrecken.

Bitte segne uns.
Danke für deine Begleitung.
Wir loben dich.

Amen

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© Marie Krüerke

Frühblüher am Ufer der Alster