aufmerksam, feminin

Buchempfehlung: „Freundinnen. Eine Kulturgeschichte“ von Marilyn Yalom

 

„Lass niemals einen Ehemann die Rolle deiner besten Freundin spielen.“ Amy Poehler

 

Der Titel des Buchs „Freundinnen. Eine Kulturgeschichte“ von Marilyn Yalom und Theresa Donovan Brown klingt bereits etwas trocken. Glücklicherweise trifft das aber nur auf die ersten Kapitel zu: Von biblischen Zeiten und der Antike bis ins Heute zieht sich die umfassende Darstellung von Frauenfreundschaften. Naturgemäß sind in patriarchalischen Darstellungen der Geschichte (also bis vor knapp zweihundert Jahren) wenig Zeugnisse von Frauen selbst erhalten. Geschweigedenn, dass sie selbst ihre Geschichte dargestellt und veröffentlicht hätten. Insofern ziehen sich die ersten Kapitel reichlich, weil wenig Material vorhanden ist und wenn, dann nur Bösartiges aus den Federn von Männern. Nein, das wiederhole ich hier absichtlich nicht, der Dreck soll aussterben!
Danach liest sich der Band deutlich flüssiger, weil Frauen selbst zu Wort kommen und Zeitgeschichte mit ihren Augen lesbar wird. Je näher die Darstellung der Gegenwart rückt, desto vielfältiger und politischer werden die weiblichen Beziehungen. Entsprechend steigt das Lesevergnügen.

 

„Unsere Freundschaft ist schon so alt, dass Zeit und Distanz nie eine Rolle gespielt haben.“
Brief von Eleanor Roosevelt an Isabella Selmes Ferguson Greenway King, 9. Oktober 1953

aufmerksam, glaubhaft

Glücksrezept, vierte Zutaten

 

Ein weiteres Zitat aus Maike van den Booms schlauem Buch  „Wo geht´s denn hier zum Glück? Meine Reise durch die 13 glücklichsten Länder der Welt und was wir von ihnen lernen können“:

>> Ich fahre stundenlang auf den endlosen Straßen Kanadas, Australiens, Finnlands und Schwedens. Kein Mensch, kein Haus. Wie erfrischend. Wie allein. Wie fein. Wir sind ganz schön viele Menschen in Deutschland, denke ich während meiner Reise immer öfter.
Immer und überall ein Haus. Ständig. Im dicht besiedelten Deutschland müssen wir uns mehr Mühe geben, Ruhe und übermächtige Naturerlebnisse zu finden. Denkt auch Nils, ein 31-jähriger Student, der seinen Sohn im Kinderwagen durch Göteborg schiebt:
„Die Deutschen sollten die Natur mehr schonen, damit sie diese unberührter erleben können. Sie sollten nicht so viele Häuser und Straßen bauen.“
Wie? Keine freie Fahrt für freie Bürger? Mir wäre inzwischen freie Natur für freie Bürger lieber. Steffi, die freche Berlinerin aus der Schweiz, berlinert fröhlich drauf los:
„Also ich denke, dass die Schweizer so glücklich sind, weil sie so viel Natur haben. Sehr viele Berge rundherum, die Balsam für die Seele sind. Es ist ein kleines Land, es gibt hier nicht so viele Menschen, es ist nicht so übersiedelt. Hier hat man einfach mehr Platz und mehr Freiheit als in Deutschland.“<<

 

Die Zutaten für das erste, das zweite und das dritte Glücksrezept erschienen hier.

aufmerksam, feminin

Buchempfehlung „Der wilde Garten“ von Barbara Claypole White

 

Nach Oslo nahm ich zwei dicke Romane mit, die ich kaum las, da wir den ganzen Tag bei bestem Wetter die Stadt erkundeten. Einen der beiden packte ich am vorletzten Tag in den Rucksack für unsere Schären-Tour.
Als wir dann am Südostufer der Insel Hovedøya saßen und ich den Roman mit Blick auf den Fjord und die Nachbarinsel auspackte, ergriff mich erstmal schlechte Laune:
Eine Geschichte über eine alleinerziehende Witwe mit schweren Schuldgefühlen ihrem seit drei Jahren toten Mann gegenüber trifft einen finanziell erfolgreichen, aber dank heftiger Zwangserkrankung psychisch instabilen Mann.
Ja, klar, genau das hatte ich mir für einen erholsamen Inseltörn gewünscht!
Die Beschreibung des Klappentexts hatte irgendwie weniger anstrengend geklungen…

 

 

Da ich nun keine andere Wahl hatte (außer nicht zu lesen), versuchte ich nach der ersten Enttäuschung, mich mit der Lektüre zu arrangieren.
Der Schreibstil von Barbara Claypole White ist hervorragend, sehr dicht und präzise. Nach dem ersten Entsetzen über die mehrfach problembelasteten Charaktere nahm mich die Geschichte mit auf ihre Reise:
Tilly ist eigentlich Engländerin und lebt schon lange in Amerika. Sie hat vor drei Jahren ihren Mann verloren, und bis heute plagen sie Schuldgefühle, weil sie dem Arzt nach dem Unfall mitteilte, dass ihr Mann eine Patientenverfügung habe. Aufgrund der Patientenverfügung wurden die Geräte der lebenserhaltenden Maßnahmen abgeschaltet, aber ihr Mann lebte noch fünf Tage weiter – was Tilly auch Jahre später noch als Zeichen nimmt, dass er nicht sterben wollte und sie nie hätte von der Patientenverfügung sprechen sollen. Im schwülen North Carolina fühlt sie sich als Engländerin bis heute nicht wohl, dennoch hat sie nach dem Tod ihres Mannes mehr aus Zufall eine Gärtnerei aufgebaut. Sie sehnt sich häufig nach den milden Temperaturen und dem weiten Himmel Großbritanniens.
James Nealy wird seit seinem zehnten Lebensjahr stark von Ängsten und Zwangsgedanken belastet. Als Flucht vor den inneren Zwängen, die ihn mit bösen Stimmen quälen, hat er mit hohem Einsatz und Tempo ein sehr erfolgreiches Unternehmen aufgebaut. Um seinem Leben eine neue Richtung zu geben, hat er alles verkauft, ist umgezogen und will endlich seine Zwangserkrankung besiegen. Seit seine Mutter, eine enthusiastische Gärtnerin, an Krebs starb, peinigt ihn der Gedanke, dass Erde und Schmutz Krebs auslösen. Seinen Zwang zur Hygiene möchte er dadurch besiegen, dass er einen Garten anlegen lässt und dabei zuschaut.
Aus diesem Grund sucht er Tilly auf, die sehr zurückgezogen lebt und ihre Pflanzen nur an Großkunden verkauft, um so wenig Kontakt mit Menschen zu haben wie möglich.

 

 

Tilly weigert sich natürlich vehement gegen den Auftrag, da sie jeder Verpflichtung aus dem Weg geht und um Herausforderungen einen weiten Bogen macht. Doch James bleibt hartnäckig und fliegt ihr sogar hinterher, als sie ihre Mutter in England besucht, die sich vor Kurzem das Bein gebrochen hat. Dort begegnet Tilly ihrer ersten großen Liebe Sebastian wieder. Während sie von der Trauer um ihren Mann zurückgehalten wird, versuchen Sebastian und James beide, ihre Aufmerksamkeit zu erregen…

Weiter möchte ich nichts verraten. Wer einen typischen „Ich verdufte auf die Insel“-Roman braucht, sollte vielleicht wirklich leichtere Kost aussuchen. Wer Zeit und Lust hat, sich auf eine intensive Geschichte einzulassen, sollte diesem wunderbar geschriebenen Roman eine Chance geben.

Barbar Claypole White, „Der wilde Garten“, erschienen bei ullstein

aufmerksam, feminin, glaubhaft

Buchempfehlung: „Das Leben feiern“ von Shauna Niequist und „Tausend Geschenke“ von Ann Voskamp

Aktuell lese ich zwei Bücher zum gleichen Thema parallel. Das ist ein Zufall, der sich als Glücksgriff entpuppt.
Zu Weihnachten wünschte ich mir das Buch „Tausend Geschenke. Eine Einladung, die Fülle des Lebens mit offenen Armen zu empfangen“ von Ann Voskamp. Das Buch ist seit einigen Jahren ein Bestseller zum Thema „Dankbarkeit“ und ich wollte es endlich lesen.
Der Inhalt überzeugt, leider erschweren mir zwei Punkte den Lesefluss:
Einerseits schreibt sie sehr ausführlich über Beobachtungen im Alltag. Mir werden die Passagen oft lang und ich wünsche mir mehr Fokus auf das Eigentliche. Auch wenn die Autorin sicherlich mit Absicht versucht, die Leserin zu entschleunigen… 😉
Dass sie als Frau eines Bauern ihre sieben Kinder zu Hause unterrichtet und ständig aus dem Leben einer großen Familie berichtet, geht einfach komplett an meiner Lebensrealität vorbei. Auch wenn sich sicher viele Frauen damit identifizieren können – mehr, als wenn Ann als Brokerin an der Wall Street wäre.
Andererseits geht es sehr viel um schlechte Erinnerungen, traurige Momente und Selbstmitleid. Ich versuche seit einigen Jahren, mir konsequent das Jammen und Selbstbemitleiden abzugewöhnen. Es macht mich selbst kaputt und nervt andere, ist also zu hundert Prozent verzichtbar. Ann in ihrem Kampf gegen Selbstmitleid und deprimierte Phasen mitzuerleben macht mich ärgerlich, ich kann daraus nichts für mein Leben lernen. Es zieht mich runter, wie sie ständig über das Leid der Welt klagt. Auch wenn es als Kontrast zur Lebensfreude dargestellt wird, aber mich nervt´s beim Lesen.

Im Neujahrsurlaub las ich ein Buch mit einem absolut verheißungsvollen Titel quer. Leider war es bis auf zwei Zitate komplett enttäuschend. Eins der Zitate führte mich zu Shauna Niequists Buch „Der Geschmack von Leben. Den Alltag zum Fest machen“. Aus völlig unverständlichen Gründen ist dieses wunderbare Buch nur noch gebraucht zu bekommen, in meinen Augen hätte es nach der deutschen Erstausgabe noch sehr viele Auflagen verdient. Auch Shauna schreibt über ihren Alltag und wie sie Gott darin entdeckt. Wie Dankbarkeit hinter kleinen Randbeobachtungen auftaucht und Krisen gemeistert werden. Noch nie in meinem Leben habe ich ein Buch gelesen, das so hautnah und authentisch war und mich derart unmittelbar berührt hat. Shauna hat eine fantastische Art, sich auszudrücken und komplett ehrlich und echt zu wirken. Allein das war für mich eine Offenbarung.
Shauna schreibt über Freundschaften, Umzüge, Probleme mit ihrer Figur, das Mutterwerden, den Glauben, Krisen in der Kirchengemeinde und die Suche nach dem passenden Platz im Leben. Obwohl nicht alle diese Themen in meinem Alltag vorkommen, hat ihre Weisheit mich auch in Kapiteln begeistert, die nichts mit mir zu tun haben.
Dieses Buch ist so ein Geschenk!

 

aufmerksam, feminin, liebevoll

Buchempfehlung: „Letters from Lighthouse Cottage“

Wer die eigenen Englisch-Kenntnisse auffrischen möchte, schaut sich oft etwas unwohl in den Regal des örtlichen Buchladens oder der Bibliothek um: Was lässt sich gut lesen? Was ist spannender Lesestoff, dessen Schreibstil und Inhalt uns auch unter „erschwerten Bedingungen“ gefällt? Wer entspannt und zügig mit der Lektüre voran kommen und niveauvoll unterhalten werden möchte, sollte zu „Letters from Lighthouse Cottage“ von Ali McNamara greifen. Der Roman ist genauso leicht zu lesen wie manch andere Unterhaltsungsliteratur, dabei humorvoll und weise geschrieben.

 

Leuchtturm

 

Wir begleiten Grace, die in einem englischen Küstenort namens Sandybridge aufwächst und von der weiten Welt träumt, ab ihrem fünfzehnten Lebensjahr. Sie hardert mit ihrem Image, wünscht sich cool und schlank zu sein und hasst es, ihren Eltern bei Haushaltsauflösungen für das eigene Antiquitätengeschäft zu helfen. Eines Tages entdeckt sie bei einer Haushaltsauflösung eine alte Remington-Schreibmaschine. Zu ihrem großen Erstaunen schreibt dieses alte Gerät von allein Briefe, die ihr Ratschläge für die nächste Zukunft geben – allerdings manchmal so ungenau, dass Grace sich oft mehr ärgert, als es als Hilfe zu erleben. Kurz darauf trifft sie Charlie, der mit seinen Eltern gerade in die Stadt zieht und ihr bester Freund wird. Beide als „uncool“ abgestempelt, sind sie oft mit Graces Hund am Strand unterwegs und teilen ihren Alltag. Während Grace ihre erste Liebe mit Danny erfährt, gibt sie ihr Bestes, um den Kontakt zu Charlie weiterhin aufrecht zu erhalten.
Der Roman begleitet Grace durch die letzten Schuljahre, die Uni, ihre Reisen, ihre Ehe und ihre Rückkehr mit ihrer Tochter nach Sandybridge. Dabei geben kurze Rückblicke Informationen über ihre Lebensstationen, während die meiste Handlung abläuft, wenn sie in Sandybridge ist. Charlie und sie haben immer Kontakt gehalten, auch ihre erste Liebe Danny wird im Laufe der Jahre zu einem Freund, auf den sie bei Besuchen in der Heimat trifft.
Nun ist Grace über vierzig, die Ehe gescheitert, das Leben in London zu teuer, und findet sich mit ihrer Tochter „zu Hause“ wieder. Ihre Mutter braucht nach dem Tod ihres Vaters dringend Unterstützung im Geschäft und es ist schön, Cahrlie wieder öfter zu sehen und mit Danny Bier zu trinken. Doch war´s das? Grace sehnt sich nach einem beruflichen Projekt, das ihren Ehrgeiz weckt. Und danach, dass ihr Herz heilt. Sie findet die alte Schreibmaschine, die sie all die Jahre nur gelegentlich gesehen und nach ihrem Rat befragt hat, wieder. Doch trotz deren Briefe liegen die Entscheidungen in Graces Hand…

 

Schären

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Buchempfehlung: „Wo die Liebe zu Hause ist“ von Elizabeth Noble

Ich hatte bereits in der Bücherhalle (Hamburger Bibliothek) den dringenden Verdacht, diesen Roman bereits gelesen zu haben. Zum Glück lieh ich den Band trotzdem aus, auch ein zweites Mal war das Lesevergnügen groß.
An New Yorks Upper East Side steht ein hohes Stadthaus voller Menschen mit unterschiedlicher Vergangenheit und ganz verschiedenen Alltagserlebnissen. Die meisten der NachbarInnen leben aneinander vorbei, einige grüßen sich freundlich, andere ignorieren einander seit Jahren, die wenigsten treffen sich absichtlich. „Ein Haus voller Sehnsüchte, Träume und Geheimnisse – und wenn die ans Licht kommen, bleibt nichts, wie es war…“ So der Klappentext.
Junge Paare mit Kinderwunsch, ehrgeizige Ehemänner, einsame Singles, eine alte englische Lady, ein homosexuelles Paar, Familien im Dauerstress, diverse Kindermädchen und Portiers: Sie alle leben scheinbar miteinander, aber eher nebeneinander. Was passiert, wenn Beziehungen in Bewegung geraten – innerhalb der Partnerschaften und Freundschaften genauso wie quer über den Flur zu bisher Unbekannten?
Ein wunderbares, manchmal trauriges, dennoch leichtes Buch für die Urlaubslektüre oder friedliche Abendstunden auf dem Balkon.

„Wo die Liebe zu Hause ist“ von Elizabeth Noble, Goldmann Verlag

 

Bernstein

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Buchrezension: „Eine Flaschenpost voller Träume“ von Penelope J. Stokes

„Wir alle haben Wünsche – Träume, Ziele und Sehnsüchte – für unser Leben. Einge davon gehen in Erfüllung und einige nicht. Wenn sie nicht in Erfüllung gehen, versuche daran zu denken, dass Gott vielleicht etwas Besseres für dich bereithält als das, worum du gebeten hast.“

Brenda Delaney, Anfang dreißig, befand sich noch am Drehort, als einer der Bauarbeiter ihr eine blaue Flasche brachte. Er reichte sie der Journalistin ins Auto, mit der Information, diese Falsche in dem historischen Gebäude gefunden zu haben, das nun abgerissen werden sollte. Etwas später entdeckte sie in der Flasche vier beschriebene Blätter von Freundinnen, die am Weihnachtsmorgen 1929 ihre Wünsche formuliert und gemeinsam verwahrt hatten. Obwohl Brenda in ihrem Sender eine gute Position erreicht hatte und beruflichen Erfolg erlebte, fühlte sie sich in letzter Zeit oft unruhig und unzufrieden. Voller Neugier machte sie sich auf die Suche nach den vier Freundinnen, in der Hoffnung, ihren Beruf mit neuer Leidenschaft füllen zu können.

 

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Diese unbewussten Träume sind die wichtigsten. Gott sieht in unser Herz und kennt unsere Seele in- und auswendig. Unsere bewussten Träume bleiben vielleicht unerfüllt, aber die Träume der Seele, diese tieferen Träume, gehen immer in Erfüllung. Wir müssen nur unsere Augen offen halten und das Wunder erkennen, wenn es geschieht.

Tatsächlich findet Brenda über einige Umwege die Freundinnen, die zum Glück alle noch leben. In langen Gesprächen erfährt sie viel über deren Lebenswege, geplatzte Hoffnungen und neue Perspektiven.

 

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„Dann merke dir auf jeden Fall die folgenden Zeilen,“ fuhr Hazel fort. „Die Zeit kann es leichter machen, weise zu sein… Man braucht nur Geduld.“
„Was bedeutet das?“
„Das bedeutet,“ seufzte Hazel,“dass man, wenn man mit Hoffnung wartet, Weisheit finden wird. Weisheit kommt nicht vom Verstand, durch Verständnis, sondern aus dem Herzen durch Vertrauen. Glaube, Kind. Gott macht keine Fehler. Mit Gott gibt es keine verpassten Gelegenheiten, kein irreparables Versagen, nur Lektionen, die gelernt werden müssen.“ (…)

„Ich wünschte mir, ich hätte etwas tun können…“
Catherin zog sie in die Arme. „Es gab etwas,“ flüsterte sie Ellie ins Ohr. „Und du hast es getan. Du hast sie geliebt. Deine Anwesenheit hat in ihrem Leben etwas bewirkt.“
„Bist du sicher?“ schluchzte Ellie. „Das erscheint mir nicht genug zu sein.“
Catherine lente sich zurück und hielt Ellie auf Armeslänge von sich fort. „Liebe ist immer genug. Sie ist das Beste, das wir einander schenken können. Liebe ist Gottes Hand in Menschengestalt.“
„Aber einfach nur zu lieben, ist so… so unangemessen, so wenig,“ widersprach Ellie.
„Ich wollte mit meinem Leben etwas bewirken, wollte ihm Bedeutung verleihen. Ich wollte etwas tun, etwas… etwas…“ Sie zuckte die Achseln, weil ihr die Worte fehlten.

„Etwas Sinnvolles?“ beendete Catherine den Satz für sie. „Dein Leben zählt, Ellie, vielleicht nicht so, wie du es dir als Teenager mit großen Träumen vorgestellt hast. Die Bedeutung ist eher im Kleinen sichtbar.“ (…)

Es war nicht nur die Geschichte von vier Freundinnen, die sich trotz aller widrigen Umstände nach fünfundsechzig Jahren wiedergefunden hatten. Hierbei ging es um Träume, um ihre Erfüllung und ihren Tod. Das war der gemeinsame Nenner, der Faktor, der den Zuschauer dazu brachte, sich mit diesen Frauen zu identifizieren. Jeder hat Träume und die meisten Menschen, dachte Brenda, haben nie die Gelegenheit, sie sich zu erfüllen, oder gehen nicht das Risiko ein, es zu versuchen. Versagen ist der große menschliche Gleichmacher und die Träume sterben unerfüllt. In dieser Geschichte gab es alles: Liebe, Verlust, Pathos, Erfüllung.
Und sie stellte eine der größten universellen Fragen des Lebens:
Welches sind deine Träume? Und was bist du bereit, auf dich zu nehmen, um sie in Erfüllung gehen zu lassen?

 

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Diesen Roman fand ich beim Aufräumen im Bücherregal wieder, nachdem ich ihn als Teeny bekommen hatte und lange nicht mehr darin gelesen habe. Ich finde darin viele Lebensweisheiten und empfehle ihn als amüsante und zugleich philosophische Lektüre.

Penelope J. Stokes, „Eine Flaschenpost voller Träume“, GerthMedien (aktuell nur antiquarisch erhältlich)

aufmerksam

Reise nach Stockholm: Orte

Schwedens Hauptstadt Stockholm ist auf 14 Inseln erbaut, die nach und nach eingemeindet wurden. Die Inseln liegen im Mälarsee und dem Saltsjön, der ein Ausläufer der Ostsee ist. So ist in Stockholm meist eine Brise zu spüren und oft liegt der Geruch von Wasser in der Luft, was ich beides sehr mag. Vor Antritt der Reise hatte ich zwei Reiseführer besorgt und etwas im Internet recherchiert – leider mündeten viele der Hinweise in überlaufenen Plätzen und waren nicht so „wundervoll und herausragend“ wie angekündigt. Ohne Reiseliteratur finde ich die erste Orientierung schwierig; habe ich jedoch einen Reiseführer in der Hand, halte ich mich oft sehr eng daran und vezweifle, wenn ich einen bestimmten Hinweis nicht wiederfinde („Hier sollten doch Häuser der neuen Sachlichkeit und im Bauhaus-Stil stehen! Wo sind die denn jetzt? Das ist doch der Tessin-Park! Und warum finde ich die Beschreibung dazu im Reiseführer nicht wieder???“).
Ich behaupte nicht, die gesuchten „Geheimplätze“ gefunden zu haben:
Meine Tipps verstehen sich als Hinweise an jene, die Orte mögen, die auch von Schwedinnen gern aufgesucht werden.

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Second-Hand-Geschäft „Myrorna“: Wer „Stilbruch“ in Hamburg kennt, braucht keine näheren Beschreibungen – dies ist das schwedische Äquivalent. Soweit ich es verstanden habe, werden hier gespendete Möbel, Bilder, Lampen, Spiegel, Geschirr, Dekorationsobjekte, Tischdecken, Gardinen sowie Kleidung für Damen, Herren und Kinder verkauft. Das Personal besteht aus Menschen, die wieder eingegliedert werden bzw. auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance haben. Sie werden im Verkauf angeleitet und führen weitere Tätigkeiten aus, wie zum Beispiel wirklich schöne Tragetaschen aus gespendeten Stoffen zu nähen. Da die SchwedInnen sehr modeaffin sind, kaufen sie häufig neue Kleidung und sortieren sie offensichtlich ebenso schnell wieder aus, wodurch viel Potential für Second-Hand-Geschäfte entsteht. Sowohl Geringverdiener als auch Kundinnen mit eigenem Stil können hier fündig werden. Neben Vintagestücken hängt hier ebenso Kleidung, die scheinbar vor wenigen Stunden erst im originalen Geschäft über die Theke gingen, so „up to date“ ist sie. Wirklich schöne Geschirrtücher und Porzellan- sowie Glaswaren lassen sich hier ebenfalls finden (ich sage nur: Kosta Boda!), die gut erhaltenen Möbel waren für das Flugzeug leider zu groß… Überall in Schweden bestehen Filialen, wer schwedisch besser kann als ich, wird auf der Homepage mehr über die Hintergründe lesen können.

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Mattssons Band: Verfolgt man die Kungsgatan vom Stureplan Richtung Centralstation, findet sich in der Hausnummer 19 ein ganz wundervolles Geschäft für alle, die gern nähen: Ich habe bereits viele Geschäfte mit Stoffen und Zubehör besucht, aber eine derart überwältigende Auswahl an Knöpfen, Spitzen, Litzen, Kordeln, Bändern und so weiter habe ich zuvor nicht entdeckt. Folgt man der Kungsgatan, sind einige Schritte weiter rechts Panduro-Hobby, links ein Teeladen sowie rechts ein Spielzeuggeschäft zu finden.

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Eiscafe „Stikki Nikki“: Die Schwedin Nicole Emson kreiiert seit 2008 Eissorten, die jenseits der üblichen Verdächtigen „Vanille, Erdbeer, Schokolade“ liegen. So testete ich zum Beispiel „Banana Curry“, eine süß- scharfe Kreation mit Chili-Stücken. Auch hier liegen die Preise, wie fast überall in Stockholm, bei 29,- schwedischen Kronen pro Kugel, dafür sind sie so groß wie drei.
(Götgatan, Mariatorget, Drottninggatan)

 

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„Lagerhaus“: Wer „Butlers“ und „Depot“ kennt, hat hier die schwedische Schwester gefunden:
Vieles für die Küche, einiges für das Bad, dazu dekorative Dosen in Form von Eulen und Fabriken (?!)  sowie Geschenkpapier und kreatives Zubehör.

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Bonscheladen „Polkapojkarna“: In einem hübschen Laden mit offener Werkstatt werden Bonbons nach traditionellen Rezepturen angefertigt. Durch eine große Scheibe kann dabei zugesehen und die Produkte direkt probiert werden. Eine gute Gelegenheit für Mitbringsel!
(Lilla Nygatan 10, Gamla Stan)

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„Cafe Rival“: Ein Cafe neben dem „Hotel Rival“, das eine schöne Terrasse am ruhigen Park mit blühenden Blumenkästen hat. Das Innere des Cafes ist ebenfalls sehr ästhetisch und gleichzeitig gemütlich eingerichtet, die Speisen haben, wie überall in Stockholm, ihren Preis.
(Mariatorget 3, Södermalm)

 

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„Svensk Tenn“: Ein alteingesessenes Einrichtungsgeschäft, das den „schwedischen Stil“ maßgeblich durch moderne Entwürfe, die in der Tradition verwurzelt sind, geprägt hat und bis heute prägt. Ein optischer Traum… (Strandvägen, Östermalm)

Skulpturengarten „Millesgarden“: Auf der östlichen Nachbar Insel Stockholms, Lidingö, liegt gut erreichbar der Skuplturengarten „Millesgarden“. Der Künstler Carl Milles besaß dort Wohnhaus und Atelier, die heute inklusive einer großen Auswahl seiner Werke zu bewundern sind. Die schöne Anlage mit verschiedenen Gärten und einer gesonderten Ausstellungshalle für wechselnde Themen ist wirklich einen Besuch wert. Und da sich die Insel Lidingö als Basisstation (Ferienwohnung) gut eignet, fuhren wir gleich an unserem zweiten Tag dort vorbei.

Die Inseln Riddarholmen, Skeppsholmen und Kastellholmen sind ebenfalls, jenseits vom Trubel auf Gamla Stan und in den anderen Innenstadt-Bereichen, schöne Orte um Architektur zu betrachten und auf einer Bank eine Pause einzulegen.

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In Kürze folgen die Artikel „Reise nach Stockholm: Erlebnisse“ sowie
„Reise nach Stockholm: Souvenirs“.

aufmerksam, feminin, liebevoll

Starke Frauen

Deshalb hat es der Feminismus ja auch so schwer.
Patriarchale Erpressung läuft viel über Liebe. Sie ist ein Werkzeug, um Frauen dazu zu bewegen, unbezahlte Arbeit zu leisten: für die Kinder, für den Mann, für die Verwandten.
Aber Liebe kann mehr und sie ist mächtiger: Sie kann Brücken bauen, Solidarität schaffen, wir können mit ihr die Welt verändern. Klingt wie Hippie-Gerede. Aber darum geht es.

Laurie Penny

Näheres dazu unter http://www.kritisch-lesen.de/rezension/reclaim-your-body