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Jetzt mal Kirche ökonomisch

Ich unterhalte mich mit einer Dame über die Veranstaltungen der nächsten Woche. Wir versuchen, zwischen meinen Kursen einen Termin zu zweit zu finden.
Sie: „Ja und dann ist am Dienstag auch wieder Andacht. Aber diesmal ökonomisch, mit Evangelen und Katholiken zusammen.“
Sie meinte natürlich die ökumenische Andacht zu Pfingsten. Ökumenisch bedeutet, dass die christlichen Kirchen unabhängig ihrer Ausrichtung zusammen Gottesdienst feiern oder gemeinsam Projekte verwirklichen, statt auf ihrer Unterschiedlichkeit zu beharren.

 

 

Wäre ich Pessimistin, würde ich sagen, dass ökumenisch tatsächlich ökonomisch ist:
Alle aussterbenden Evangelen mit aussterbenden Katholiken zusammen in einer gemeinsamen Kirche, und wenn sie nett sind, lassen sie die aussterbenden Freikirchen auch mitmachen.
Das würde zwar etwas unangenehm, weil sich plötzlich alle darüber einig werden müssten, ob sie Choräle singen und wenn ja, welche, und aus welchem Gesangbuch. Oder ob sie lieber moderne Songs mit Band singen, ob mit Schlagzeug oder ohne, auf deutsch oder englisch. Und darf ein Beamer für die Liedtexte über der Kanzel hängen?
Wer darf beten? Nur die Pastorin (bei den Evangelen) oder der Priester (bei den Katholiken) oder extra gebriefte, für würdig befundene Gemeindeglieder, die ihr Gebet artig vom Blatt ins Mikro lesen (handverlesene Evangelen und Katholiken mit anständigem Verhalten)?
Oder dürfen alle Anwesenden beten, egal wie alt, wie gebildet, wie konservativ oder linksliberal? Bei den Freikirchen ist das erlaubt, und bei unseren afrikanischen Mitbürgerinnen ist es sogar egal, wann und wie laut sie im Verlauf des Gottesdienstes beten (also immer, auch während der Predigt, und am liebsten sehr laut).
Außerdem, welche Bibelübersetzung sie nehmen: Wir Baptisten nehmen ja querbeet alle Übersetzungen, Hauptsache, sie gefällt uns persönlich. Aber die Evangelen müssen ja Luther lesen und die Katholiken die Einheitsübersetzung, weil: Das war schon immer so, das muss so.
Und dann müsste man nur noch auseinander dividieren, ob es eine unübersichtliche Zahl an gut bezahlten (rein männlichen) Priestern gibt, die in irgendwelchen Ämtern weiß der Geier was ihr Leben lang tun und über das Wohl und Wehe von Frauenrechten und Verhütung entscheiden. Oder ob man es wie die Freikirchen macht, die sich selbst finanzieren (d.h. keine Staatsmittel bekommen), und mit einem schlanken Organisationsmodell auf der Grundlage von Basisdemokratie leben. Wer Vertrauen missbraucht oder falsch wirtschaftet, wird abgewählt und entlassen, aus die Maus.

Also, ich sach mal, der Klärungsprozess und die Koalitionsverhandlungen können nur dreihundert Jahre dauern. Und wer weiß, ob es bis dahin überhaupt noch genug übrig gebliebene Christen gibt, um eine ökonomisch-ökumenische Kirche zu füllen.

Aber wie gut, dass ich keine Pessimistin bin!
(Sonst müsste ich ja selbst aufhören, die Freikirchen am Besten zu finden. Da ist es weniger anstrengend, einfach Optimistin zu sein! 😉 )

Und wie gut, dass Gott selbst Optimist ist und ihm unsere engstirnigen Urteile über jeweils andere Arten von Glauben und Kirche völlig egal sind. Weil er in seiner unfassbaren Weisheit alle Menschen liebt, alle Formen von Spiritualität und damit alle Kirchen.
Zu Pfingsten feiern wir den Geburtstag der ersten Kirche.
In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch, du verquaster Haufen! Mögest du entgegen dem aktuellen Trend noch lange von Menschen mit Leben gefüllt werden, die aus vollem Herzen Gott auf der Spur sind.

 

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Detektivspiel der Dankbarkeit

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Wie viele Dinge fallen dir ein, die du gerne anschaust?
In der Natur, im Alltag, in der Kunst, an anderen Menschen, im Haus,…

Wie viele Dinge fallen dir ein, die du gerne hörst?
Geräusche, Lieder, Stimmen, Tierlaute, Instrumente,…

Wie viele Dinge fallen dir ein, die du gerne berührst?
FreundInnen, Tiere, Familienmitglieder, Gegenstände, Oberflächen,…

Wie viele Dinge fallen dir ein, die du gerne schmeckst?
Nahrungsmittel, Getränke, Küsse, damit verbundene Gefühle und Erinnerungen…

Wie viele Dinge fallen dir ein, die du gerne riechst?
Personen, frische Luft, Natur, Kleidungsstücke, Parfums,…

Wie viele Dinge fallen dir ein, die in der Bewegung Freude machen?
Tanzen, schwimmen, laufen, klettern,…

Wofür dankst du Gott ganz besonders?
Gibt es Menschen, die in deiner Aufzählung vorkommen und sich über ein Kompliment freuen würden?
Wie gerne du mit ihnen kuschelst, wie lecker sie kochen, wie gut ihre Wohnung duftet, wie schön ihre Handschrift aussieht, wie mitreißend sie ein Instrument spielen, wie geschmeidig sie sich bewegen?

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Mein Text darf für nichtkommerziele Zwecke unter Nennung meines Namens weiterverwendet werden. Alle Rechte daran liegen bei mir.

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Mein Plädoyer für genussvolle Feste in der Kirche, erschienen in der Zeitschrift AufAtmen

AufAtmen Seite 1

 

Im Mai schrieb ich ein flammendes Plädoyer für einen neuen Blickwinkel der „christlichen Szene“ auf das Thema „Feiern“. Nun ist der Artikel in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „AufAtmen“ erschienen. Das Magazin ist das einzige auf dem christlichen Markt, das ich gern lese und abonniert habe. „AufAtmen“ entsteht in der Zusammenarbeit von Christinnen und Christen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die AutorInnen kommen aus der evangelischen und katholischen Kirche ebenso wie diversen Freikirchen. Die Zeitschrift ist unabhängig, hat Tiefgang, fordert heraus, erlaubt Einblicke in den Glauben anderer, lädt zu neuen Blickwinkeln ein und informiert über Aktuelles aus der gesamten deutschsprachigen christlichen Szene. Etwas Besseres gibt es meiner Einschätzung nach auf dem Markt nicht.

 

AufAtmen Seite 2

 

Wann feierst du? Was feierst du? Siehst du Feiern als Teil deines Glaubens? Gibt es in unseren Gemeinden eine Kultur des Feierns? In der Bibel entdecke ich sie häufig. In Jeremia 31, 13 etwa heißt es: „Die Mädchen tanzen im Reigen, die jungen Männer und die Alten feiern miteinander. Denn ich verwandle ihre Trauer in Freude, ich tröste sie und schenke ihnen Glück nach all ihrem Leid.“
Ich wundere mich, wenn ich in der Bibel von derart ausgelassenen Festen lese – und in der christlichen Szene so wenig davon wiederfinde. Weder in meinem baptistischen Umfeld, noch in der katholischen Schwiegerfamilie oder der evangelisch-lutherischen Kirche meines Vaters erlebe ich Feste, die diese Bezeichnung verdienen. Ich kenne steife Veranstaltungen, wo die Trauung nicht von der Trauerfeier zu unterscheiden ist. Ich kenne Festgottesdienste, die sich durch eine Vielzahl an Grußworten auszeichnen – das erinnert manchmal mehr an eine Veranstaltung an der Universität als an einen fröhlichen Anlass. Und Gottesdienste, denen durch eine Aneinanderreihung von ehrwürdigen Chorälen Tiefe und Feierlichkeit verliehen werden soll und die letztlich doch nur förmlich und unpersönlich geraten. Wenn ich mich dagegen in der Bibel umschaue, sind die Treffen der Gläubigen von ganz anderem Erleben erfüllt: „Denn dort wohnt der Herr. In seiner Gegenwart sollt ihr mit euren Familien feiern, essen und euch an allem freuen, was ihr erarbeitet und von ihm geschenkt bekommen habt“, 5. Mose 12, 7.

 

AufAtmen Seite 3

 

Aber all diese Texte von Wein, Tanz und Lachen scheinen in der heutigen christlichen Landschaft eher irritierend und fehl am Platz, warum eigentlich? Wir alle mögen liebevoll zubereitete Mahlzeiten, Gemeinschaft mit Menschen, die wir schätzen und eine Atmosphäre, die zum Verweilen und Genießen einlädt. Feiern hat in der christlichen Tradition eigentlich eine hohe Bedeutung. Schon Martin Luther hat gesagt, dass man Gott nicht allein mit Arbeit dienen kann, sondern auch mit Feiern und Ruhen. Und Reinhard Deichgräber erinnert uns, dass sich unser Leben „nicht in der Anstrengung vollendet, sondern in der gelösten Gebärde freien Empfangens und Genießens.“ Richard Foster stimmt zu: „Feiern ist die Möglichkeit, lachend und Gott preisend vorwärts zu gehen.“

Haben wir in der Tradition der Puritaner und Calvinisten die Freuden des Glaubens und das Ausdrücken einer vertrauensvollen Fröhlichkeit verlernt? Oder beschäftigt uns nach wie vor die Angst, mit ausgelassenen Festen und der Einbindung aller fünf Sinne in den Gottesdienst zu sehr „der Welt und ihren oberflächlichen Freuden“ nahe zu kommen? Warum haben interaktive Elemente ihre Berechtigung im Familiengottesdienst oder bei Veranstaltungen der Jugendlichen, aber nur selten im Alltag der Gottesdienste?
Ich erlebe eine große Diskrepanz zwischen dem „modernen Leben“ einerseits, in dem wir uns mit Freunden treffen, unsere Freizeit abwechslungsreich gestalten und Zeiten im Kreis der Familie genießen. Und andererseits den Gottesdiensten, die häufig nach „Schema F“ ablaufen und sich in „singen, beten und Predigt hören“ erschöpfen.

Soweit der Einstieg in meinen Artikel. Wer mehr lesen möchte, findet Informationen zur Einzelheftbestellung und kostenlosen Probeexemplaren auf der Seite von AufAtmen.

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Über den Wert der Frauen in der Bibel. Und ihren Wert in der Kirche heute.

Arboretum

 

„Magdalena, einst wichtigste Jüngerin Jesu, wurde als Propagandafigur der katholischen Kirche missbraucht. Junia, eine berühmte Apostelin der Frühkirche, verwandelte sich unter der Feder eines Bibelkommentators in einen Mann. Phöbe, Vorsteherin einer frühen Christengemeinde, wurde als Hilfskraft des Apostel Paulus kleininterpretiert. Lydia, die erste Christin Europas, geriet fast 2.000 Jahre lang in Vergessenheit. Es gab verschiedene Methoden, Frauen des frühen Christentums verschwinden zu lassen.

Die Dokumentation „Jesus und die verschwundenen Frauen“ von Maria Blumencron versucht, die vergessenen Säulen des Christentums wieder sichtbar zu machen.

Vor 2.000 Jahren kündigte Jesus von Nazareth das Reich Gottes an, in dem alle Menschen gleich wären. In einer streng patriarchal geprägten Zeit war das revolutionär. Und so folgten dem charismatischen Wander-Prediger nicht nur Männer, sondern vielfach auch Frauen nach. Aufgrund einer männerzentrierten Sprache blieben sie in den Evangelien nahezu unerwähnt. Aber Frauen waren Zeuginnen des Todes Jesu, der Grablegung und schließlich seiner Auferstehung, die zum Grundstein des Christentums wird. Es ist Maria aus Magdala, die von Jesus den Auftrag erhält, die Frohe Botschaft zu verkünden. Sie wird damit zur ersten Apostelin. Doch gleich nach Erfüllung des Auftrags verschwindet die Schlüsselfigur des Ostergeschehens aus den kanonischen Evangelien.

Der leere Raum, den sie hinterlässt, wird zum Nährboden abenteuerlicher Legenden. Aus der Apostelin Apostolorum (der Apostelin der Apostel) wird in der von Männern besetzten institutionalisierten Kirche die reuige Sünderin. Aus der Sünderin die asketische Büßerin. Aus der Büßerin ein laszives Pin-up-Girl der Kunst. Heute wird Maria Magdalena vielfach als Ehefrau Jesu empfunden. Aber ist auch dies nicht bloß eine weitere Übermalung, aus unserem Zeitgeist heraus geboren?

Eine folgenschwere Fehlinterpretation erfuhr auch Junia, die als wichtiges Bindeglied zwischen der Jesus-Bewegung und dem frühen Christentum gilt. Von den ersten Kirchenvätern noch als berühmte Apostelin gepriesen, erfährt sie im Mittelalter eine folgenschwere Geschlechtsumwandlung. Unter der Feder des Bibelkommentators Ägidius von Rom wird aus Junia ein Apostel namens Junias. Das Versehen eines unausgeschlafenen Augustiners? Oder Ergebnis eines männerorientierten Weltbildes? Und warum fristet Apostelin Junia in allen gängigen Bibelausgaben bis heute ein Dasein als Mann? (Wobei es keinen Männernamen namens Junias gab, es sind dafür jede Menge Frauen namens Junia zu dieser Zeit in Quellen gefunden worden, Anmerkung von mir ergänzt)“

zitiert vom Fernsehsender Phoenix.de

Um uns der als Mann verwandelten Junia näher zu widmen und damit die Spur der Frauen in der Bibel aufzunehmen:
Zusammen mit ihrem Ehemann war sie Leiterin einer der ersten Christengemeinden, die sich zum Essen in deren Haus trafen. Oft in kleiner Runde, mit Kathedralen und Kirchenchören und Predigt hatte das alles noch nichts zu tun. Eine Reihe Jahre später, nachdem die Zahl der Christen stark gewachsen war, entstand die erste organisierte Kirche in Rom. Die Identität der ersten Christen, die Frauen und Männer, Sklaven und Herrscher gleichberechtigt fanden (im Gegensatz zur umgebenden männlich beherrschten Kultur), geriet mit Gründung der ersten offiziellen Kirchen und dem Beginn einer Staatsreligion schon deutlich in Vergessenheit. Denn wer machte aus einer sehr lebendigen, antiautoritären Bewegung ein geordnetes System, in dem Frauen nichts mehr zu sagen hatten? Männer natürlich. Die gleichen, die die Evangelien (Schriften über Jesus und Briefe der Apostel an die Gemeinden) so zensierten, dass keine Frauen in wichtigen Positionen mehr vorkamen.
Aus diesem ersten Meilenstein in der Bedeutung des Christentums als anerkannter Religion wurde bald eine Institution, die mehr mit Geld, Macht und Gewalt zu tun hatte als mit Jesus und den Anfängen als revolutionäre Bewegung. Diese Institution nennt sich bis heute katholische Kirche und hat bis heute, im Gegensatz zu vielen anderen Bibelübersetzungen, in ihrer „Einheitsübersetzung“ die Person Junias als Mann (statt der tatsächlichen Frau) im Römerbrief.
Während der Reformation, die eigentlich nur die katholische Kirche wieder auf ihre Anfänge besinnen sollte, entstand versehentlich eine zweite christliche Kirche, die evangelische. Den Gründern war es wichtig, keine „dumme Masse“ zu lenken, sondern den Menschen die Bibel in ihrer Sprache zum Lesen zu geben, mit Geld fair umzugehen und den ganzen Pomp auf ein Minimum zu reduzieren. Bis Frauen Leitungspositionen besetzen konnten, dauerte es noch einige Jahrhunderte, aber es wurde schließlich doch Realität.
Parallel dazu entstanden Freikirchen, die die Trennung von Staat und Kirche verlangten und Religionsfreiheit für alle einforderten. Statt der Taufe von ahnungslosen Babies praktizieren sie nur die Taufe von Erwachsenen und Jugendlichen, die alt genug sind, um freiwillig glauben zu können und ihren Glauben zu formulieren. Lange und oft verfolgt, profitierten auch die Freikirchen irgendwann von sich ändernden Gesellschaftsregeln. Und haben natürlich längst Frauen in Leitungspositionen.

Warum ich das alles erkläre? Um zu zeigen, dass es nicht „die Kirche“ gibt.
Es gibt diverse Varianten von Kirche, weil es so viele Möglichkeiten gibt, zwischen Tradition und Innovation eine Gruppe von Gläubigen zu verbinden. Unabhängig von den jeweils einzelnen Glaubensgemeinschaften gibt es wiederum die persönliche Beziehung zu Gott, die meiner Meinung nach tausend Mal wichtiger ist als „die Kirche“, „die Religion“ und „das Christentum“. Denn worum geht es letztlich, wenn Menschen von sich sagen, dass sie glauben? Es geht darum, dass sie beten, dass sie eine Beziehung zu Gott haben, dass sie auf Gott im Alltag vertrauen. Natürlich ist es wichtig, mit anderen Personen zusammen zu singen, zu beten, die Bibel zu lesen und sich darüber auszutauschen. Ob nun in einer organisierten Gemeinde oder in einem privaten Kreis. Das alles ist aber nur die Folge einer persönlichen Beziehung zu Gott, die den Anfang bildet. Für Frauen und Männer gleichermaßen.

Warum es mir so wichtig ist, mich heute darüber auszulassen, weshalb es nicht „die Kirche“ gibt?
Einerseits, weil es mein einziger Kritikpunkt an der oben zitierten Sendung ist (am 21.11.2016 um 19.15 Uhr läuft die Dokumentation noch einmal auf Phoenix). Es gibt das Leben von diversen Personen, die mehr oder minder intensiv ihre Beziehung zu Gott im Alltag leben. Diese Personen sind wiederum mehr oder weniger eng mit einer Kirchengemeinde vor Ort verbunden. Diese Kirchengemeinde vor Ort ist in mehr oder weniger großen Vereinigungen eingebunden – je nachdem, ob es eine Staatskirche ist (Evangelisch-lutherisch oder römisch-katholisch) oder eine Freikirche.
Keine dieser Kirchen ist „die Kirche“!
Auch, wenn das Vertreter der katholischen Kirche oft behaupten und bedauerlicherweise im Sprachgebrauch viele Personen diesen Begriff übernommen haben. Als Folge davon glauben bis heute viele, dass „die Kirche“ keinen adäquaten Raum für „die Frauen“ biete und weiterhin von allen einflussreichen Positionen fernhalte (was ja angesichts der evangelischen und freikirchlichen Führungspositionen, die von Frauen besetzt werden, nicht stimmen kann, aber so weit denkt kaum jemand).
Entsprechend finden viele Deutsche „die Religion“ und „die Kirche“ altmodisch und für das tägliche Leben unwichtig, weil die Identifikation fehlt. Was in Kirchenaustritte mündet. Weshalb Führer der katholischen Kirche weinen. Aber offensichtlich nicht genug, um ihre Bibelübersetzung den tatsächlichen Tatsachen anzupassen und ihre Männerherrschaft zu überdenken. Was viele gläubige KatholikInnen freuen würde, die durchaus Kritik an der religiösen Spitze üben.

Warum es mir wichtig ist, den Glauben jeder Einzelnen wichtiger zu finden als „die Religion“?
„Wenn wir verstehen dass es im Kern um Beziehung geht, können wir als Nächstes fragen, wie es gelingt, eine solch konstant wachsende Beziehung aufzubauen. Glaube ist eine lebendige Freundschaft mit dem schönsten, dem edelsten, dem glücklichsten und reinsten Wesen des Universums. Darum ruft Jesus Menschen in seine Nachfolge: damit wir von ihm lernen, wie wir in dieser Beziehung leben. Damit wir bei ihm studieren, wie ein Leben aussieht, das in der ständig wachsenden Beziehung zu Gott steht.
Jesus zu folgen bedeutet, zu entdecken, dass wir nicht zuerst in ein Regelwerk von Gesetzen eingeladen sind, sondern in Liebe und Freundschaft. Jesus zu folgen bedeutet, zu lernen, dass wir niemals die Wahrheit haben – quasi als Besitz – , sondern dass wir der Wahrheit nur folgen können. Denn die Wahrheit ist eine Person. Jesus zu folgen bedeutet, zu lernen, dass es nicht zuerst um Moral oder Lebensstil geht, sondern um die Suche nach dem, was der Liebe entspricht. (…)
Gott will unser Leben zu einem täglichen, stündlichen, ja minütlichen Austausch von Liebe machen. Er will, dass wir immer wieder eintauchen in den nie versiegenden Strom der Liebe, die er für uns hat. Er will, dass wir uns bei ihm Rat holen. Dass wir seine Kraft anzapfen, von seiner Weisheit profitieren, an seinem Trost Anteil bekommen, seine Hoffnung immer wieder in uns erneuern, seinen Frieden in unserem Herzen haben. Er will uns Dinge schenken, die weit über unsere Kraft hinausgehen, Dinge erleben lassen, die unser Denken sprengen. Jeder Moment unseres Lebens birgt die Chance, Gott zu begegnen und seine Nähe zu erfahren. Dieser Gott ist völlig anders, als wir uns je ausmalen können.“

aus: „23. Mit dem Psalm der Psalmen durch den Tag“ von Jörg Ahlbrecht

 

Tempel

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Leichtigkeit entdecken

Herbststrauß mit Zinnien

 

Möge dann und wann
deine Seele aufleuchten
im Festkleid der Freude.

Möge dann und wann
deine Last leicht werden
und dein Schritt beschwingt
wie Tanz.

Möge dann und wann
ein Lied aufsteigen
vom Grunde deines Herzens,
das Leben zu grüßen
wie die Amsel am Morgen.

Möge dann und wann
der Himmel
über deine Schwelle treten.

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Antje Sabine Naegeli

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Zinnien

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May now and then
Your soul light up
Filled with festive Joy.

May now and then
Your load become light
And you have
A spring in your step
As in a dance.

May now and then
Asong rise up
From the bottom of your heart
To welcome life
Like a blackbird the morning.

May now and then
Heaven
Cross your threshold.

.

Antje Sabine Naegeli

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aus: Ich spanne die Flügel des Vertrauens aus, Verlag am Eschbach
entdeckt auf einem Lesezeichen als Erinnerung an die Hamburger Sankt Michaelis Kirche

verlinkt mit FlowerPowerBloggers, FloralFridayFoto, Freutag und Holunderblütchen.

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Fragen zum „Jahr der Dankbarkeit“

Neulich schrieb ich einen Beitrag zum „Jahr der Dankbarkeit“, das noch bis zum Erntedankfest im Herbst diesen Jahres läuft. Dank eines Anstoßes der Erinnerungs-Guerilla entstanden für mich mehrere Fragen, die den Blick auf unser Leben weiten:

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Wofür bist du (heute) dankbar?

Wie viel ist dir genug?

Wann singt dein Herz?

Was hat dir Gott geschenkt?

Wann lächelst du?

Wer wartet auf ein „Danke!“ von dir?

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Die erste Frage ist ein Zitat der Erinnerungs-Guerilla, die anderen stammen von mir.

Das offizielle Lied zum „Jahr der Dankbarkeit gibt es hier, auf der Website ist es gesungen zu hören.

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Tausend Gründe, dankbar zu sein

Seit Erntedank 2015 läuft das „Jahr der Dankbarkeit“ bis zum Erntedank 2016: „Ein dankbares Leben ist ein gesundes Leben. Körperlich, seelisch und geistlich. Dieser Kultur der Dankbarkeit wollen wir mit dem „Jahr der Dankbarkeit“ Raum verschaffen.“

Ehrlich gesagt habe ich mich bis vor Kurzem nicht weiter darum gekümmert. Obwohl ich das Blog von Ann Voskamp abonniert habe, die ein viel beachtetes Buch zum Thema geschrieben hat: „One Thousand Gifts“,  Tausend Geschenke (Gottes an uns). Darin ermutigt sie, täglich festzuhalten, was uns Gutes passiert und wofür wir Gott danken. Dankbarkeit schützt vor Resignation, vor Neid, vor Ängsten und Zweifeln, vor Überheblickeit genauso wie vor dem Gefühl des Unterlegenseins. Viele PsychologInnen empfehlen, täglich drei Dinge zu notieren, über die wir uns gefreut haben, weil es unsere Emotionen stabilisiert und zu Zufriedenheit führt.

Das weiß ich alles, dennoch wirken viele Aufgaben wichtiger, als ein Dankbarkeits-Tagebuch anzulegen. Insbesondere, weil es die Verpflichtung mit sich bringt, kontinuierlich dabei zu bleiben…
Vor einigen Tagen habe ich jetzt angefangen. Ein hübsches gebundenes Notizbuch, das ich aufgrund des schönen Einbands vor Längerem gekauft und erstmal nicht verwendet hatte, liegt nun auf meinem Nachttisch. Es tut mir definitiv gut, abends aufzuzählen, was gut gelungen ist. Und auch, welche unverdienten Geschenke mir in den Schoß fallen. So wie gestern, als sich plötzlich in dem Moment lukrative Aufträge einstellten, in dem ich gerade frustriert den Computer ausschalten wollte. Und mir kurz darauf Dinge in die Hände fielen, die mein Mann schon lange und zunehmend genervt gesucht hat.
Denn Dankbarkeit beweist nicht nur, wie gut es uns geht – Dankbarkeit führt uns immer wieder vor Augen, wie viel nicht in unserer Hand liegt und uns geschenkt wird. Aus Gnade, täglich neu.

Das passende Lied ist hier zu finden: Zehntausend Gründe

 

 

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Lebensgeschenk

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Gott hat sich mit der Schöpfung der Welt wirklich, wirklich viel Mühe gegeben.
Oft merken wir es nicht, weil wir uns so vom Alltag absorbieren lassen. Aber wenn wir einen Schritt zurücktreten oder sogar das Glück haben, für ein paar Tage aussteigen zu können – spätestens dann entdecken wir es wieder. Allerspätestens dann fällt uns ein, uns bei Gott zu bedanken – vom Geschenk des Lebens bis zum Olivenbaum, unter dem wir sitzen. Dabei ist unser Leben so viel mehr „Danke!“ wert. Gut, wenn uns besondere Momente daran erinnern. Wunderbar, wenn ein paar Tage Urlaub dran sind… Denn auch Ruhe ist ein Geschenk Gottes.

 

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Ich danke Gott und freue mich

Täglich zu singen

Ich danke Gott und freue mich
Wie′s Kind zur Weihnachtsgabe,
Dass ich bin, bin! Und dass ich dich
Schön menschlich Antlitz habe;
Dass ich die Sonne, Berg und Meer,
Und Laub und Gras kann sehen,
Und abends unterm Sternenheer
Und lieben Monde gehen.
Und dass mir dann zu Mute ist,
Als wenn wir Kinder kamen
Und sahen, was der heilge Christ
Bescheret hatte, Amen!

Ich danke Gott mit Saitenspiel,
Dass ich kein König worden;
Ich wär geschmeichelt worden viel
Und wär vielleicht verdorben.
Auch bet ich ihn von Herzen an,
Dass ich auf dieser Erde
Nicht bin ein großer reicher Mann,
Und wohl auch keiner werde.
Denn Ehr und Reichtum
treibt und bläht,
Hat mancherlei Gefahren,
Und vielen hat´s das Herz verderht,
Die weiland wacker waren.

Denn all das Geld und all das Gut
Gewährt zwar viele Sachen;
Gesundheit, Schlaf und guten Mut
Kann’s aber doch nicht machen.
Gott gebe mir nur jeden Tag,
So viel ich darf zum Leben,
Er gibt′s dem Sperling auf dem Dach;
Wie sollt′ er′s mir nicht geben!

Matthias Claudius
(* 15.08.1740, † 21.01.1815)

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Bemerkenswert ist, dass Matthias Claudius in Zeiten lebte, die große politische und wirtschaftliche Umwälzungen erfuhren: Europa wurde nach Napoleons Schlachten neu geordnet, und mit dem Siegeszug der Dampfmaschine schritt die Industrialisierung zügig voran. Claudius hatte eine große Familie und war finanziell stets sehr eingeschränkt. Dennoch die tiefe Dankbarkeit in seinen Liedern zu erleben, ist ein starkes Zeugnis.

Die für mich schönste Vertonung des Gedichts stammt von Jürgen Werth. An dieser Stelle würde ich zum Reinhören gern einen Link zu Youtube einfügen, leider ist seine Melodie zu Claudius´ Text nicht öffentlich zugänglich.

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Buchrezension: „Die Bibel & ich. Von einem, der auszog, das Buch der Bücher wörtlich zu nehmen“ von A. J. Jacobs

Der Autor ist Journalist bei einer amerikanischen Zeitschrift, lebt in New York und ist theoretisch Jude, praktisch aber Agnostiker. Weil er wissen möchte, warum Menschen der Bibel glauben, was genau darin steht und was passiert, wenn er sich an alle darin enthaltenen Regeln hält, beginnt er ein Projekt: Ein Jahr lang möchte er nach den Maßstäben der Bibel „das Richtige“ tun und seinen verloren geglaubten Bezügen zum Judentum eine Chance geben.
Da die Bibel sich in das deutlich längere Alte Testament sowie das wesentlich kürzere Neue Testament aufteilt, beschäftigt er sich acht Monate mit der jüdischen Thora (dem Alten Testament in der Bibel der Christen) sowie vier Monate mit dem Neuen Testament (das nur die Christen haben).
Einerseits versucht er strikt, alle Gesetze einzuhalten (besonders in der jüdischen Tradition sind diese schier unendlich), andererseits lernt er Juden und Christen verschiedener Glaubensrichtungen kennen. Was genau ist das Zentrum ihres Glaubens? Wie leben sie? Was hat das mit Gott zu tun? Ist das sinnvoll?

Am Ende der Experiments hat er nicht nur zwölf exzentrische Monate hinter sich (Trage ein weißes Gewand, befestige daran Quasten. Rasiere dich nie. Blase zu jedem Monatsanfang das Widderhorn. Berühre niemals eine menstruierende Frau, auch nicht, wenn ihr verheiratet seid. Schlachte ein Huhn. Baue dir eine Laubhütte und schlafe darin. usw. usf.), sondern schaut aus einem anderen Blickwinkel auf Gott und den Glauben.
Er ist toleranter geworden und geneigt, an etwas zu glauben, dass jenseits des menschlich Fassbaren liegt.

Dieses Buch empfehle ich sowohl Personen, die sich für „Religiöses generell“ interessieren als auch für „christliche Insider“. Erstere erleben einen humorvollen, locker geschriebenen Rundumblick auf zwei monotheistische Religionen und deren Glaubenspraxis, letztere reflektieren sich und ihre Mitmenschen dabei aus einem neuen Blickwinkel.

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