aufmerksam, kreativ

Geschenk für ein Richtfest gestalten

Überraschung!
Wir haben klammheimlich ein Haus gebaut, und jetzt ganz unter uns das Richtfest gefeiert.


Neiiin, ich war lediglich zu Besuch bei einem Richtfest.
Und damit die schwangere, zukünftige Hausherrin beim Einzug im Frühjahr bereits von blühenden Farbtupfern im Garten begrüßt wird, dachte ich mir folgendes Geschenk aus:
Sie erhielt von mir in einer selbstgebastelten Karte einen Gutschein „zur sofortigen Einlösung“. In einem Korb voll Herbstlaub überreichte ich Blumenzwiebeln für Traubenhyazinthen und Wildtulpen. Die Kombination aus Laub und Zwiebeln soll eine Brücke über die nächsten Monate schlagen und die Zeit vor dem Einzug im Herbst mit der Zeit beim Einzug im Frühjahr verbinden.

Die Aufgabe meiner Freundin war, mir einen passenden Platz für die Frühblüher zuzuweisen, die ich dann direkt vor Ort eingebuddelt habe. So braucht sie weder die Zwiebeln bis zum neuen Jahr verwahren noch im Umzug mitnehmen noch im Frühjahr mit dem neuen Baby auf dem Arm verzweifelt danach suchen. Weil sie ja schon in der Erde sind, Frost abbekommen haben und passend loswachsen, tada!

Die Karte bastelte ich mit der Idee, dass die ausgestanzten silberfarbenen Herzen aus dem Haus quellen und das Dach zum Abheben bringen. Um damit ein Haus darzustellen, das von Liebe gefüllt ist.

Verlinkt mit DienstagsDinge und HoT.

aufmerksam, feminin, Gäste & Feste

Willkommene Gäste

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Worin liegt der Unterschied zwischen einem gelungenen Treffen und einer Party, die niemandem richtig Freude macht? Ist die Gastgeberin allein für die Stimmung verantwortlich? Oder was tragen die Gäste bei – in Begegnungen, Gesprächen, Stimmungen?
Einmal erzählte mir meine beste Freundin im Anschluss an meinen Geburtstag, dass sie es sehr anstrengend fand, weil ihre (zufällige) Sitznachbarin die ganze Zeit in Selbstmitleid und Beschwerden schwelgte. Mir als Gastgeberin tat es sehr Leid, das nicht bemerkt zu haben. Neben dem Entschluss, bestimmte Personen bei gewissen Anlässen nicht mehr einzuladen, führte es auch dazu, dass ich mich fragte, was Gäste im besten Fall beitragen.

* Die Zeit großzügig genießen
Pünktliches Erscheinen zeigt der Gastgeberin und den Freundinnen Respekt. Wer in letzter Minute oder sehr angespannt eintrifft, kann die Situation erleichtern, wenn kurz gesagt wird, warum. Die Anwesenden wissen dann, aus welcher Situation die Betroffene kommt und können ihr Zeit zum Ankommen geben. Dennoch kann der Übergang von einem anstrengenden oder hetzigen Tag zu einem lockeren Nachmittag / Abend schwerfallen. Vielleicht ist es hilfreich, sich kurz ins Bad zurückzuziehen, frisch zu machen und einen Moment innezuhalten, um Atem zu schöpfen.

Am Wichtigsten für ein gelungenes Zusammensein ist oft, sich wirklich Zeit für die Freundinnen, die Gastgeberin, die Atmosphäre zu nehmen. Viele versuchen, trotz engem Terminkalender „kurz vorbei zu schauen“. Dies kann zu Spannungen führen: Erst platzt ein neues Gesicht in eine Situation hinein; alle versuchen, sie in die Runde aufzunehmen; und kurz darauf ist die Betroffene schon wieder unterwegs. Das bringt viel Unruhe für alle Beteiligten, gerade bei einer kleineren Gruppe. Sinnvoll ist es, die Gastgeberin vorher zu fragen, wie sie es lieber hätte: Eine kurze Stippvisite während des Fests oder lieber ein Treffen zu zweit an einem anderen Tag?

* Schlechte Laune zu Hause lassen
Niemand erwartet, dass alle Gäste pausenlos fröhlich und heiter sind. Manchmal werden die Themen im Gespräch ernster, was in einer Clique zu gestärktem Vertrauen und tieferen Einblicken führt – ich schätze das sehr. Etwas ganz anderes ist jedoch ein nicht enden wollender Strom an Gejammer und Selbstmitleid, den eine einzelne Person beiträgt. Damit werden nicht nur unmittelbare Gesprächspartnerinnen belastet, sondern oft die Stimmung des ganzen Treffens.
Wer gerade Schweres durchmacht, sollte sich überlegen, ob die Darstellung der eigenen Situation in einer großen Runde gut aufgehoben ist und die Gastgeberin dies schätzt. Ist beides nicht der Fall, hilft es, die persönlichen Erlebnisse mit einer Vertrauten zu besprechen. Eine Party wiederum lässt sich dazu zu nutzen, den Blick auf das Schöne zu richten und sich abzulenken.

* Etwas zum Gespräch beitragen
Die Fahrt zu einem Geburtstag eignet sich dazu, zu überlegen, ob es in der letzten Zeit etwas Interessantes gab, das sich erzählen lässt. Etwas Persönliches, weitgehend Harmloses und Lustiges bietet sich an. Wenn viele fremde Gesichter und damit verbundene Gesprächspausen zu erwarten sind, bringt ein solcher Startschuss den Smalltalk in Gang.

* Eine Kleinigkeit mitbringen
Eine Kleinigkeit zeigt der Gastgeberin Wertschätzung, dass sie alle Eingeladenen zusammen bringt und Zeit in die Vorbereitung gesteckt hat. Es eignet sich auch als Smalltalk-Thema, wenn der Hintergrund des Mitbringsels erwähnt wird (Das habe ich selbst gestaltet / Die Blumen stammen von dem besonders schönen Wochenmarkt in unserem Viertel…)

Auch eine aktuelle Lektüre ist ein schöner Gesprächsbeitrag – wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommt, hat vielleicht sowieso ein interessantes Buch oder eine Zeitschrift dabei.

 

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Eine Kultur des Feierns

Wenn in Hamburg junge Menschen „feiern gehen“, dann bedeutet es, dass sie sich in Clubs und Discotheken treffen und betrinken.
Mangels Erfahrungen in diesem Bereich frage ich mich seit jeher, was daran den Aspekt des „Feierns“ ausmacht: Saufen, bis das Erbrechen kommt, hat für mich keinen festlichen Charakter.
Aber auch in den älteren Generationen vermisse ich oft eine Kultur des Feierns.
Familienfeste sind (in meinen Augen) unglaublich öde und bestehen vorrangig aus dem Verzehr von Menüs oder Kuchen-Buffets – unterbrochen von einem obligatorischen Spaziergang, wenn die Jubilare noch nicht zu gebrechlich dafür sind.
In traditionellen Familien werden selbstverständlich alle relevanten Ereignisse des Lebens (mehr oder weniger festlich) begangen: Taufen, Konfirmation / Kommunion und Firmung, Hochzeit, runde Geburtstage, Beerdigung. Auf ein ganzes Menschenleben gerechnet sind das wenige Feste, die auf die eigene Person entfallen – was ich schade finde, bietet das Leben doch so viel mehr Möglichkeiten, den Moment zu würdigen und dankbar zu sein. Gleichzeitig sind es ausgesprochen viele Ereignisse, zu denen jede Person reihum eingeladen ist – und dabei erlebt JedeR von uns deutlich zu häufig langweilige und leidenschaftslose Gesellschaften.

 

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Ich sehne mich nach einer positiven Kultur des Feierns: Jenseits von Besäufnissen und Langeweile, das kann doch nicht alles sein!
Einen persönlichen Meilenstein oder Momente der Dankbarkeit zu zelebrieren finde ich essenziell: Sonst ziehen diese Erlebnisse an uns vorbei, ohne gewürdigt zu werden, und hinterlassen in der Rückschau nur undeutliche Erinnerungen. Ich möchte an den Stress und die Herausforderungen zurück denken und gleichzeitig die Festivitäten tief im Gedächtnis speichern, die die Anstrengung anerkannt haben, wenn sich alles in Erleichterung und Leichtigkeit auflöst.
Ich möchte meine Urlaubsbilder wie damals mit einem bunten Abend und Speisen aus dem bereisten Land feiern – mit FreundInnen die Erlebnisse teilen, statt stumm die Fotos im Internet hochzuladen. Und ich entdecke gerne, wie meine FreundInnen ihrerseits die Ferien verbracht haben, weil ich gerne schöne Momente erzählt bekomme.

 

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Feiern ist ein Geschenk an uns selbst und alle Eingeladenen. Und seien es zwei Nachbarn und eine Freundin, egal. Eine Party fängt nicht mit einer endlosen Gästeliste und eleganter Dekoration an – sondern mit dem Willen, den Augenblick zu zelebrieren, auszukosten und genussvoll mit anderen zu vertiefen.